Interdependenz

»Die heutige Zeit ist voller Spannungen, aber besser, man fragt, ob Gemeinschaften mächtig oder ohnmächtig sind und ob die weltliche Politik auf Vernunft oder Unwissenheit beruht, und besser, man urteilt nach den universellen Kategorien von Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, als daß man sich in gewaltigen Abstraktionen verliert, die einen zwar vorübergehend zufriedenstellen mögen, aber nur wenig zur Selbsterkenntnis und zu einer sachkundigen Analyse beitragen. Die These vom ›Zusammenprall der Kulturen‹ ist eine so simple Phrase wie ›Der Krieg der Welten‹, und sie fördert eher selbstgerechten Hochmut als ein kritisches Bewusstsein für die verblüffende Interdependenz heutiger Gesellschaften.«

Edward Said. Zitiert nach Hans Küng, Der Islam: Geschichte, Gegenwart, Zukunft, Seite 42.

Wochencharts KW30

Auch diese Woche möchte ich mit einem Blick auf meine Hörgewohnheiten beginnen:

  1. Mélissa Laveaux (44)
  2. Will Samson (28)
  3. I Am Oak (24)
  4. Solander (18)
  5. Ambrose Akinmusire (13)
  6. Max Richter (10)
  7. Soley (9)

Waffeln, vegan und zuckerfrei

Waffeln schmecken wunderbar, und eignen sich perfekt als süße Begleitung eines spontanen Besuchs am Sonntag Nachmittag. Am vergangen Sonntag stand ich vor der Frage wie ich Waffeln zubereite, wenn ich sowohl auf tierische Produkte als auch auf Zucker verzichten will.

Greift man auf herkömmliche Waffelrezepte zurück werden sowohl Eier, Milch als auch Zucker verwendet. Da ich auch kein Soja-Mehl im Schrank hatte, mit dem sich leicht Eier im Teig ersetzen lassen, machte ich mich auf die Suche nach einem Rezept das ohne Eier und deren Ersatz auskommt.

Auf der Webseite von peta.de fand ich ›Die zehn besten Ei-Rezepte ohne Ei‹. Das Waffelrezept in diesem interessanten Artikel wandelte ich leicht ab. Den Zucker des Rezepts ersetzte ich mit Agavendicksaft. Da dieser etwas stärker süßt als Zucker reduzierte ich die Menge. Das Öl ersetzte ich durch Margarine, so dass schließlich folgendes Rezept entstand:

  • 500 g Mehl
  • 100 g Agavendicksaft
  • 1 Pkg. Backpulver
  • 90g Soja-Margarine
  • 1 TL Salz
  • 500 ml Sojadrink
  • 100 ml Mineralwasser

Für den Teig verwendete ich 250g Weizenvollkornmehl und 250g Weizenmehl Typ 1050. Das Mehl mischte ich mit Salz, Weinsteinbackpulver. Danach gab ich den Sojadrink und das Mineralwasser hinzu, und rührte so lange bis ich einen glatten Teig in der Schüssel hatte. Nachdem der Teig etwas geruht hatte heizte ich das Waffeleisen vor und begann damit leckere Waffeln zu backen. Kurze Zeit später hatte ich einige sehr leckere Waffeln auf dem Teller.

Waffeln, zuckerfrei und vegan

Auf dem Bild seht ihr die Waffeln kombiniert mit einer wunderbaren Tasse Kaffee. Bei dem Kaffee handelt es sich um die Filter Röstung des ›Finca Tamana‹ von Machhörndl; diesen bereitet ich mit der Chemex zu und verwendete 66g Kaffee auf 1000g Wasser. Es dauerte nicht lange bis sowohl der Waffelteller als auch die Chemex leer, und unsere Bäuche gut gefüllt waren.

Wochencharts KW29

Mit einem kurzen Blick auf die Musik, die mich in der letzten Woche begleitete, wünsche ich einen guten Start in die neue:

  1. Mélissa Laveaux (55)
  2. The Notwist (44)
  3. Sookee (13)
  4. Lestat Vermon (9)
  5. Ambrose Akinmusire (8)
  6. William Fitzsimmons (6)
  7. Will Samson (6)

Will Samson verbindet in seiner Musik wunderbar Samples, Beats, Gitarre und seine zurückhaltende Stimme. Ich freue mich schon sehr auf sein Konzert bei uns im NUN am Freitag dieser Woche.

Sookee begeistert mich mit ihrem durchdachten HipHop, der sowohl musikalisch als auch textlich Spaß macht.

The Notwist, Zeltival 2014

The Notwist spielten Anfang letzter Woche im Rahmen des Zeltival in Karlsruhe. Das Konzert war großartig. Und während ich so vor der Bühne stand, stellte ich fest, dass ich jedes der Stücke auswendig kannte. Mir gefällt es ausgesprochen gut, wie die Band auf ihre Weise Spielfreude mit einer angenehmen Zurückhaltung verbindet.

Dying is a wild night, das aktuelle Album von Mélissa Laveaux, entdeckte ich erst in der letzten Woche. Darauf präsentiert sie ihre eigene Version des Folks, der deutliche Spuren von Jazz, HipHop und Blues aufweist, und einige sehr feine Gedanken ins Rollen bringt. Ihr Konzert am 26. September wird das zweite Konzerthalbjahr im NUN einläuten.

maker or marker of identity

»God should be a maker and not a marker of identity. For Christians and Muslims alike, God is the source of worshippers’ deepest values. That’s why two communities can have a common God. And that’s why having a common God can be the foundation for unity rather than a cause of division.

[…]

… if communities have a common God and if their believes about God are similar, they will share values, aspirations, and motivations. More important, to the extend that they give ultimate allegiance to God, these shared values, aspirations, and motivations will trump values, aspirations, and motivations derived from their respective group identities.«

Miroslav Volf, Allah: A Christian Response, Page 190f.

Hope

»Hope is a crossing. Hope is that by which we cross over from the “already” to the “not yet,” from foretaste to fullness. But such crossing over can happen only if hope itself is crossed — that is, crossed out but left on the page, asserted paradoxically as both true and untrue, in the acknowledgment that the fullness we seek is more full than our hope can express. The language of our hopes thus breaks open, leaving us with a hope that is deeper than language or concept or symbol. In the end, the infinite God is our hope, and life in the unknowable God will shatter even our most profound eschatologies.«

Kevin L. Hughes: The Crossing of Hope, or Apophatic Eschatology in The Future of Hope, Miroslav Volf and William Katerberg (editors), page 123.

Homosexualität und Christsein (11)

In Kapitel 10 des Buches ›Homosexuality and Christian Faith‹ geht Richard Rohr der Frage nach wohin uns das Evangelium bezüglich Homosexualität führt. Dabei spricht er zunächst über Beziehung, und führt anhand der Aussage dass wir gut darin sind zentrale Aspekte der Lehre Jesu zu übersehen aus, wie sich die Motivation der ›anti-gay-folks‹ von Jesu Lehre und Wirken unterscheiden.

Leben in Beziehung

Rohr öffnet sein Kapitel mit der Aussage, dass seiner Ansicht nach für eine homosexuelle Beziehung das Selbe gilt wie für eine heterosexuelle Beziehung:

»I think God would ask of the homosexual relationship exactly what God asks of the heterosexual relationship: truth, faithfulness, long-suffering, and the continuing forgiveness of the other.« (91)

Aus seiner Sicht sind als Wahrheit, Treue, Geduld und die andauernde Bereitschaft zur Vergebung die wichtigen Merkmale für Beziehung, egal ob diese von Menschen gleichen oder unterschiedlichen Geschlechts gelebt wird. Beziehungen in denen diese Merkmale vorhanden sind entsprechen nach Rohr der Idee Gottes.

Kontrolle und Freiheit

Im Anschluss an die Aussage von Beziehungen gemäß der Idee Gottes geht er auf kritische Positionen aus den Reihen der organisierten Religion ein. Dabei wird schnell deutlich, dass er das Streben nach Kontrolle und Aufrechterhaltung des Status Quo in Frage stellt und mit der geschenkten Freiheit Gottes kontrastiert.

So geht er zunächst auf Aussagen ein, die Homosexualität nicht als Sünde bezeichnen, jedoch Enthaltsamkeit und Ehelosigkeit fordern. Diese Form der Kontrolle kritisiert Rohr vor Allem deswegen, weil hier etwas von Menschen verlangt wird, das in der Bibel als Gabe Gottes dargestellt wird. Durch diese Forderung wird die Theologie der freien Zuwendung von Gaben ad absurdum geführt, da Gaben ihrem Charakter nach nicht eingefordert oder angeordnet werden können.

Im Zusammenhang mit diesem Beispiel führt Rohr weiter aus, dass es organisierter Religion meist um die Aufrechterhaltung des Status Quo geht, und dass sie dafür alle möglichen Mittel der sozialen Kontrolle nutzt. Für ihn wird an dieser Frage deutlich, dass wir Menschen sehr gut darin sind zentrale Aspekte der Lehre Jesu zu übersehen, um unsere eigenen Weltbilder und Wertvorstellungen zu verfolgen.

»The arguments of the anti-gay folks are often very well intentioned, but their goals and objectives seem to be different from those of Jesus. The arguments have to do with very secular concerns: control over chaos, majority rule, fear of the other, fear of the unknown, and idealization of a family unit that Jesus himself neither lived nor idealized. […] Let’s admit it, we have shown after two thousand years an amazing capacity for missing Jesus’ central teaching.« (92f.)

Unter Angabe ›religiöser Motive‹ werden hier sehr ›weltliche Ziele‹ verfolgt: Kontrolle über Chaos, das Mehrheitsprinzip, Angst vor dem Anderen, Angst vor dem Unbekannten und die Idealisierung eines Familienbildes, das Jesus weder gelebt noch idealisiert hat. Religion scheint an zu vielen Stellen davon auszugehen, dass Menschen ein aufwändiges Gesetz bräuchten, um überhaupt dazu in der Lage zu sein gemäß der Idee Gottes zu leben. Gott scheint sich im Gegensatz dazu mit Unterschiedlichkeiten sehr wohl zu fühlen, und die Komplexität und Unterschiedlichkeit der Menschen ernst zu nehmen.

Richard Rohr führt als Beispiel zentraler Aspekte der Lehre Jesu Matthäus 22,35–40 an:

Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, stellte Jesus eine Falle. Er fragte ihn: »Lehrer, welches ist das wichtigste Gebot des Gesetzes?«

Jesus antwortete: »’Liebe den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen, mit ganzem Willen und mit deinem ganzen Verstand!’ Dies ist das größte und wichtigste Gebot. Aber gleich wichtig ist ein zweites: ‘Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst!’

In diesen beiden Geboten ist alles zusammengefasst, was das Gesetz und die Propheten fordern.«

Der zentrale Aspekt der Lehre Jesu wäre demnach Gott und Mitmenschen zu lieben. In diese Freiheit lädt Gott uns ein. Unseren Mitmenschen liebevoll zu begegnen ermöglicht tiefe Begegnung und echte Gemeinschaft in all unserer Unterschiedlichkeit. An dieser Ausführung wird der Unterschied im Ansehen des Gegenübers deutlich, während Jesus einen liebevollen, wertschätzenden Blick vorlebt und vorschlägt, folgt aus dem Streben nach Sicherheit ein kontrollierender Blick.

Rohr führt diesen Gedanken weiter, indem er davon spricht, dass Jesus uns zur Veränderung an uns selbst einlädt. Er sucht keinen Sündenbock auf den er alles Schlechte abwälzen kann, er führt Menschen in Freiheit, gibt ihnen Mut, und hilft ihnen dabei, ihren Blick immer wieder klar zu bekommen

Fazit

Das Evangelium lädt uns zu Gemeinschaft in all unserer Unterschiedlichkeit ein. Beziehungen zu leben, oder eben nicht, steht in der Entscheidung des Einzelnen, und kann nicht von außen vorgegeben werden. Gemeinschaft von Menschen, egal ob sie hetero, homo, bi, trans oder queer sind, wird auf diese Weise nicht nur möglich, sondern bereichernd. Das Evangelium führt uns also zu einem liebevollen Blick füreinander, zur Wertschätzung unserer Unterschiedlichkeit und lädt uns ein, aufeinander zuzugehen und uns auf Ungewohntes einzulassen.

Alle Artikel in dieser Serie:

  1. Homosexualität und Christsein (1)
  2. Homosexualität und Christsein (2)
  3. Homosexualität und Christsein (3)
  4. Homosexualität und Christsein (4)
  5. Homosexualität und Christsein (5)
  6. Homosexualität und Christsein (6)
  7. Homosexualität und Christsein (7)
  8. Homosexualität und Christsein (8)
  9. Homosexualität und Christsein (9)
  10. Homosexualität und Christsein (10)
  11. Homosexualität und Christsein (11)

Wochencharts KW27

Letzte Woche wurde mein Leben von folgenden Künstlerinnen und Künstlern begleitet:

  1. Sookee (43)
  2. David Bazan (28)
  3. Shaban (27)
  4. Dad Rocks! (21)
  5. David Bazan + Passenger String Quartet (17)
  6. mewithoutYou (13)
  7. Adam Barnes (12)

Letzte Woche stolperte ich über Sookee, deren aktuelles Album ›Lila Samt‹ ich seither recht häufig höre. Des Weiteren fiel mir auf, dass Adam Barnes ein neues Album veröffentlicht hat, das mir ebenfalls sehr gut gefällt.

Auf Twitter hatte ich das neue Album von David Bazan schon kurz erwähnt. David veröffentlicht zwischen Juli und November monatlich zwei neue Stücke, die dann am Ende sein neues Album darstellen. Ich habe das ›Abo‹ direkt bestellt …

lieben / geben

»When God loves, God doesn’t long to get something, but undertakes to impart something. God gives when God creates; God gives when God delivers; God gives when God forgives; God gives when God grants eternal life. God gives, and in giving God loves. All of God’s works are done out of generosity, none out of acquisitiveness.«

Miroslav Volf, Allah: A Christian Response, 154.