Wochencharts KW15

  • Gogo Penguin (29)
  • Big Fox (27)
  • Solander (24)
  • Adam Evald (15)
  • Dad Rocks! (13)
  • Propagandhi (12)
  • Will Samson (10)

Letzte Woche hörte ich mal kurz bei Deutschland Radio Kultur rein, und stieß dort zufälligerweise auf GoGo Penguin, ein Jazz Trio aus Manchester. Die drei werden gerade als Zukunftshoffnung der britischen Jazz-Szene gefeiert. Als Einstieg könnte ›Murmuration‹ ihres aktuellen Albums v2.0 dienen.

Wer schreit am lautesten?

Antje Schrupp hat einen lesens- und bedenkenswerten Kommentar zum lauter werden konservativer Stimmen in der Christenheit geschrieben. Da ich gerade nicht dazu komme meine Gedanken in Worte zu fassen, und Antje das Wichtige deutlicher schreibt als ich es könnte, empfehle ich ihren Kommentar. Hier ein Auszug:

Angeblich geht es darum, die wahre Lehre des Christentums zu bewahren. In Wirklichkeit geht es aber natürlich darum, die Machtposition der Fundamentalisten innerhalb der evangelischen Kirche auszubauen und durch möglichst viele Unterschriften eine Drohkulisse aufzubauen.

Und es geht darum, bestimmte ideologische Vorstellungen vom Christentum zu zementieren (wie: Außerhalb von Ehepaaren, die aus genau einem Mann und einer Frau bestehen, darf es keinen Sex, keine Liebe, keine Kinder geben; Das Wichtigste an Jesus ist nicht die von ihm vorgelebte Ethik und die Lehre vom Reich Gottes, sondern dass er sich für uns hat ans Kreuz nageln lassen; Außerhalb von Jesus Christus gibt es keine Erlösung, das heißt, alle anderen Religionen sind falsch).

Quelle: Antje Schrupp, Die Kirche und ihre Trolle.

Der ganze Kommentar lohnt sich zu lesen, von daher einfach hier klicken …

Mit einem weiteren sehr guten Kommentar von Peter Aschoff möchte ich diesen Eintrag ergänzen, da er meiner Ansicht nach in eine etwas andere Richtung geht, sich aber sehr gut mit dem von Antje geschriebenen ergänzt. Als Ausschnitt aus seinem Kommentar wähle ich folgende Aussage:

Und damit vermittelt der Text unterm Strich den Eindruck, dass es den Autoren nicht um Kooperation, gegenseitige Ergänzung und lebendigen Austausch geht, sondern um das Beharren auf und die Durchsetzung von bestimmten Positionen.

Quelle: Peter Aschoff, Zum Aufstehen zu wenig

Und natürlich gilt auch hier, bitte den ganzen Eintrag lesen. Danke.

Wochencharts KW14

Es ist wieder Montag und es stellt sich die Frage welche Musikerinnen und Musiker mich in der letzten Woche begleitet haben:

  • Big Fox (66)
  • Dad Rocks! (38)
  • Adam Evald (20)
  • Damien Jurado (17)
  • Herr von Grau (9)
  • Mogwai (7)
  • Richard Walters (6)

Schon seit einiger Zeit freute ich mich auf das Konzert von Big Fox im NUN. Vergangenen Freitag war es dann soweit, Charlotta, Gerda und Adam fuhren in einem Volvo vor, und füllten das NUN mit ihrer wunderbaren Musik.

Big Fox, Charlotta Perers im NUN – Foto: Martin GommelBig Fox – Charlotta Perers (Foto: Martin Gommel, flickr-Set)

Die ausdruckstarke Stimme von Charlotta wurde von Gerda und Adam wunderbar ergänzt, und durch die klare Instrumentierung unterstrichen. Falls ihr es nicht eh schon regelmäßig hört, möchte ich nochmals das aktuelle Album Now empfehlen.

Letzte Woche erschien mit Year of the Flesh das neue Album von Dad Rocks! Der Opener ›Peers‹ bringt das Verständnis von Snævar seines Schaffens, des Urheberrechts und dem Verhältnis zu den Fans sehr gut auf den Punkt. In dieser Haltung hatte Snævar im Vorfeld der Veröffentlichung dazu eingeladen auf die Instrumentalversion eines Stücks einen eigenen Text zu schreiben, und ihn mit einer eigenen Melodie einzusingen. Dieser Einladung folgte neben einiger anderer auch Josia, sein Stück ›Dream Away‹ findet sich auf Year of the Fan, das ebenfalls auf Bandcamp angehört werden kann.

Erst vor Kurzem wurde ich auf Adam Evald aufmerksam. Adam ist Kammersänger, hat sein eigenes Singer/Songwriter-Projekt und unterstützt Big Fox und Solander am Schlagzeug. Seine aktuelle EP gefällt mir sehr gut, und Du findest sie auf Spotify und auf Soundcloud. Adam eröffnete das Konzert am vergangenen Freitag. Er begann sein Konzert ohne Verstärker aus dem Publikum heraus, und füllte eindrücklich den Raum mit seinen Klängen.

Ich wünsche mir Normalität

Homosexualität und die Frage nach der Verbindung von Homosexualität und Christsein ist kein abstraktes Thema. Es geht vielmehr um das Leben von Menschen. Da mir eine gründliche Beschäftigung wichtig ist, was bereits im ersten Blogeintrag der Serie »Homosexualität und Christsein« deutlich wurde, und zu dieser gründlichen Beschäftigung mehr gehört als ein Buch zu besprechen, freue ich mich heute eine erste Gesprächsnotiz veröffentlichen zu können. In den letzten Wochen unterhielt ich mich mit einem Freund per Mail, dabei entstand dieses Interview. Um seine Privatsphäre zu schützen erscheint es hier anonym:

Im Arbeitspapier zum Bildungsplan 2015 ist neben anderen Bereichen, die Rede davon, dass fächerübergreifend auch die Akzeptanz sexueller Vielfalt gestärkt werden soll. Wie hast Du von diesem Arbeitspapier erfahren?

Von dem Arbeitspapier habe ich erst über die Petition „Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens“ bzw. über Berichte darüber in sozialen Medien erfahren.

War das Arbeitspapier zum Bildungsplan vor der öffentlichen Auseinandersetzung noch kein Thema an Deiner Schule?

Das Arbeitspapier ist bei uns an der Schule auch jetzt kein Thema, da wir an unserer Schulart (Schule für Geistig- und Körperbehinderte) einen eigenen Bildungsplan haben. Im Bereich „Sexualerziehung“ kommt das Thema „Homosexualität“ lediglich in einem Satz vor: „Mögliche Inhalte > Sexualität und ihre Formen (Geschlechtsverkehr, Selbstbefriedigung, Homosexualität und Weiteres).“

Wie ist die Stimmung an Deiner Schule bezüglich der möglichen Verankerung sexueller Vielfalt in den Lehrplan?

Das Arbeitspapier wird auf unsere Schulart bzw. unseren Bildungsplan keine Auswirkungen haben, da unser Bildungsplan von 2009 ist und dementsprechend erst in den letzten Jahren in den Schulen implementiert wurde. Davon abgesehen, stehen bei unserer Schülerschaft andere Bereiche im Vordergrund, wie die Erziehung bzw. Befähigung zur Selbständigkeit. Sieht man von den Inhalten des Bildungsplans ab, ist das Thema Sexualität bei Menschen mit Behinderung generell ein noch viel größeres Tabuthema als Homosexualität.

Bei uns an der Schule sieht man den Umgang mit der sexuellen Vielfalt generell eher gelassen. Bei einigen Schülern wird in typischen Lehrerzimmergesprächen vermutet, dass sie homosexuell sind. Es wird dann darüber gelächelt, aber im Grunde wird positiv damit umgegangen. Vielleicht liegt das daran, dass bei uns der Mensch an sich im Vordergrund steht.

Denkst Du die Verankerung der sexuellen Vielfalt im Lehrplan würde zu mehr Akzeptanz und einem positiveren Umgang mit Homosexuellen führen? 

Das lässt sich schwer vorhersagen. In der aktuellen Situation sehe ich das eher fragwürdig. Es ist doch so: Stehen die Lehrer hinter dem, was sie unterrichten, haben sie die größte Chance, ihre Schüler zu erreichen. Davon abgesehen beeinflussen doch auch das Elternhaus und die soziale Umgebung maßgeblich die Bildung ethisch-moralischer Ansichten. Das ist die Crux an der Sache.

Die aktuelle Situation zeigt deutlich auf, wie viel Handlungsbedarf noch besteht. Auf lange Sicht bin ich optimistisch. Ich denke durchaus, dass es Sinn macht, den Punkt der sexuellen Vielfalt mit in den Bildungsplan aufzunehmen – eben um es für alle zu thematisieren und jedem die Möglichkeit zu geben, sich mit dem Thema bewusst auseinanderzusetzen.

Wundert es Dich, dass vor Allem auf den Bereich der sexuellen Vielfalt öffentlichkeitswirksam aufmerksam gemacht wird?

Das finde ich sehr schwierig zu beantworten. Allgemein gesehen wundert es mich im Grunde nicht, da dieses Thema bekanntermaßen extrem spaltet und jeder aufgrund biographischer Erfahrungen (oder Nicht-Erfahrungen) eine Meinung dazu hat bzw. es sich jeder herausnimmt, eine Meinung dazu zu haben. Das zeitnahe Hitzlsperger-Outing passt da ja ganz gut ins Schema.

In schulischer Hinsicht wundert es mich dagegen sehr, da sich ansonsten kaum einer Gedanken macht, was eigentlich im Bildungsplan steht. Hier geht es um Werte, komischerweise sind die Inhalte der Fächer wohl eher uninteressant.

Was empfindest Du momentan wenn Du an die Petition („Kein Bildungsplan unter der Ideologie des Regenbogens“) denkst?

Ich habe ein ganz ungutes Gefühl, da es die Bevölkerung spaltet und bewusst Ängste schürt. Aus meiner subjektiven Sicht werden Homosexuelle einer Lobby bezichtigt, die zum Beispiel Umerziehungsversuche an Kindern vornehmen will. Da werden mit plumpen Formulierungen auf BILD-Zeitungs-Niveau Ängste angesprochen, die bei genauerer Betrachtung obsolet sind. Mich beunruhigt es, weil ich die Gefahr sehe Homosexuelle (etc.) zu verteufeln und in ihren Menschenrechten zu beschneiden. Schaut man aktuell in andere Länder kann man sehr gut sehen, wie schnell es passieren kann, dass hart erkämpfte Rechte wieder entzogen werden. Die aktuelle Diskussion bzw. Agitation empfinde ich als sehr gefährlich. Ich bin da übrigens nicht alleine – in Gesprächen mit anderen „Schwulen“ wird diese Angst immer häufiger formuliert. Man muss sich meiner Meinung nach klar machen, von was man eigentlich redet: Sexualität. Es gehört zum Menschsein, ist ein Teil davon neben ganz vielen anderen Aspekten und Bereichen. In den ganzen Diskussionen wird jedoch dieser eine Bereich so groß dargestellt als ob es nichts anderes gäbe. Es mag für viele vielleicht überraschend sein, aber auch Homosexuelle, etc. denken nicht nur an Sex. Mich ärgert es generell, Menschen auf einen Bereich zu reduzieren – ich bin kein Schwuler oder Homosexueller oder ein Sehbehinderter oder was auch immer. Ich bin zuerst einmal Mensch.

Was mir ebenfalls Magenschmerzen bereitet ist die unsägliche Grundannahme vieler, dass die „sexuelle Vielfalt“ Pädophilie, Sodomie beinhaltet oder sogar damit gleichzusetzen ist. Homosexualität, etc. wird dadurch bewusst und unbewusst als krankhafte bzw. psychische Störung angesehen.

Die von dir angesprochenen Vorwürfe, dass hier eine Lobby ihr Unwesen treibt, werden des Öfteren von Menschen angeführt, die sich als „Mehrheit“ gegenüber einer „Minderheit“ fühlen.

In letzter Zeit mache ich mir viele Gedanken über den Begriff „Minderheit“. Er fällt so leicht bei solchen Diskussionen und Gesprächen. Und ich bin es leid – gehört denn nicht jeder zu einer Minderheit? Durch den Gebrauch dieses Begriffes stellt man sich automatisch auf eine andere Stufe, die einem vermeintlich das Recht gibt über andere zu richten.

Viele Vorwürfe und einige Begründungen des Handelns wirken auf mich auch so als würden sie aus einer gefühlten Überlegenheit heraus formuliert. Auf der anderen Seite wirkt das panische Handeln und sich solidarisieren mit radikalen Gruppen auch zutiefst verunsichert, da die bisweilen angenommene Mehrheit doch nicht so stark ist wie gedacht.

Du bist selbst homosexuell, aber nicht in allen Bereichen Deines Lebens geoutet. Was bewegt Dich dazu Deine sexuelle Orientierung für Dich zu behalten?

Der Begriff Outing ist ja nahezu gleichzusetzen mit dem Begriff „Bekenntnis“. Das hat für mich eine negative Konnotation. Man bekennt sich zu etwas Unrechtem, Verbotenem. Dahinter steckt die traurige Wahrheit, dass in den Köpfen unserer Mitmenschen immer noch der Gedanke steckt, dass Homosexualität etwas Unnatürliches, Perverses, Verbotenes ist. Von daher ist das ein sehr komplexes Thema. Persönlich habe ich folgende Erfahrungen gemacht: Einerseits wurde ich nach einem „Outing“ oft gefragt, warum ich es nicht schon früher gesagt habe. Andererseits wird immer wieder gesagt, dass dieser Bereich doch niemanden etwas angeht – auch diese Erfahrung habe ich gemacht. Beides ist nachvollziehbar und dennoch kann man es nicht richtig machen. Für mich bedeutet „Outing“ inzwischen, einfach „normal“ zu leben – man könnte es auch als „passives Outing“ bezeichnen. Und wie bereits gesagt stecke ich mich nicht selbst in eine Schublade, um mich dadurch selbst auf einen kleinen Teil meiner Persönlichkeit zu reduzieren.

Man mag mir in dieser Hinsicht gerne vorwerfen ich sei feige. Ich sehe es jedoch so: Warum soll ich explizit Stellung zu meiner sexuellen Orientierung beziehen? Ich bin seit 7 Jahren in einer festen Beziehung und lebe diese soweit wie möglich öffentlich. Das heißt, wir besuchen gemeinsam kulturelle Veranstaltungen, leben unseren Alltag ganz normal. Nur weil wir „homoSEXuell“ sind, heißt das noch lange nicht, dass wir nur wegen gemeinsamen sexuellen Präferenzen zusammen sind. Zur Veranschaulichung: Wir laufen nicht Händehaltend durch die Gegend (weil wir uns dazu verstellen müssten – es ist schlichtweg nicht unser Ding), trotzdem kann es sein, dass ich meinem Freund mal einen Kuss gebe, wie man es auch sehr oft bei „heterosexuellen“ Paaren sieht und akzeptiert. Doch selbst solch kurze Momente der Zuneigung gehen nicht überall. Mein Freund ist bei sich im Ort und seiner Familie nicht geoutet und kann es aus verschiedenen Gründen nicht sein.

Auf schulische Veranstaltungen gehe ich alleine. Das hat einerseits mit dem Nicht-Geoutet-Sein meines Freundes zu tun, andererseits trenne ich Beruf und Privatleben sehr strikt. Einige Schülereltern wissen oder vermuten es, ich habe jedoch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Es ist für mich ein Privatbereich, den ich nicht mit allen teilen möchte. Übrigens handhaben das viele meiner heterosexuellen Kollegen in gleicher Weise.

Meine Familie weiß teilweise davon. Meine Eltern, Kusinen, ein paar Tanten und Onkels wissen, dass ich einen Freund habe. Meine Brüder wissen es nicht. Für mich ist das in der Tat sehr schwierig, da mir meine Brüder trotz extrem unterschiedlicher Ansichten sehr wichtig sind. Ich weiß aber, dass sie ein riesiges Problem damit haben und Homosexualität, etc. ablehnen. Ich muss dazu sagen, dass meine Brüder eher fundamentalistisch christliche Ansichten haben. Im Moment (ich sage dies bewusst – das schwankt mitunter täglich) bin ich der Ansicht, dass es sie nichts angeht. Hätten Sie Interesse, würden Sie mich fragen. Die Möglichkeit haben sie, da ich mein Leben inzwischen nicht mehr verleugne – auch nicht verbal („Ich war im Urlaub“ > „Wir waren im Urlaub“).

Bei meinen Eltern ist es sehr unterschiedlich: Meine Mutter hat es akzeptiert und fragt immer wieder nach, wie es „uns“ (also meinem Freund und mir) geht. Mein Vater konnte bzw. kann es nicht akzeptieren und blendet das Thema „einfach“ aus. Er hegt noch immer die Hoffnung, dass mir eines Tages meine „Traumfrau“ über den Weg läuft – weiß aber im tiefsten Inneren, dass das nicht so sein wird. Nach meinem Outing konnte er wochenlang nicht mehr mit mir reden und die „Aussprache“ war auch eher knapp. Inzwischen versucht er über andere Wege, dieses Loch zu kompensieren. Ich persönlich kann das inzwischen annehmen, auch wenn es anders sicherlich wünschenswerter ist.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich verleugne meine Homosexualität nicht, ich stehe vollkommen zu ihr (was ein langer und schwieriger Weg war). Aber ich schreie es nicht in die Welt.

Wie nimmst Du in Deinem Umfeld die Haltung Deiner Mitmenschen gegenüber Homosexuellen wahr?

Ich höre immer wieder herablassende Formulierungen und Beschimpfungen – bewusst und unbewusst. Sei es im Familienkreis oder auf der Arbeit. Ich habe da natürlich eine andere Antenne, da ich selbst „betroffen“ bin – auch wenn ich diesen Ausdruck nicht mag. 

Das Thema scheint für alle sehr interessant zu sein. Selbst gute Freunde thematisieren es immer wieder, was mir manchmal auch wirklich lästig erscheint. Das kann auch eine positive Thematisierung sein, wenn sie mit allen Mitteln versuchen, möglichst politisch korrekt zu sein, weil ich mit im Raum bin – als ob ich alles persönlich nehmen würde.

Hast Du es schon erlebt auf Deine Sexualität reduziert zu werden?

Bei anderen habe ich es teilweise schon erlebt, dass sie auf ihre Sexualität reduziert werden und sich ihre Kontakte nach dem Outing verringert haben. Ich selbst habe da im Großen und Ganzen meist nur positive Erfahrungen gemacht. Die größten Probleme haben meine Freunde mit christlichem Hintergrund. Bei vielen von Ihnen bemerke ich nach dem „Outing“ eine leichte Distanzierung bzw. den Drang, sich vorwiegend über dieses Thema zu unterhalten. Ich sehe das allerdings positiv, da es eine konstruktive Auseinandersetzung ist und viele vorher noch nie direkt mit dem Thema konfrontiert waren. Von daher ist es eine thematische Reduzierung, das ist nicht ganz so schlimm lach.

Hast Du eine Vermutung woran es liegen könnte, dass Homosexualität für viele so interessant ist und gleichzeitig Ängste damit verbunden sind?

Ich denke, dass ganz viele einfach eine Angst vor dem Fremden haben. Viele in meinem Umfeld kümmert es nicht, einige äußern sich hinter meinem Rücken spottend (was dann ja eher als negativ zu beurteilen ist) – im Laufe der Zeit habe ich jedoch ein dickes Fell bekommen, von daher ist mir das herzlich egal.

Mich persönlich beschäftigt am Meisten die Haltung meiner Familie bzw. meiner Brüder. Diese Haltung kann ich nicht akzeptieren, habe aber in einigen hitzig geführten Diskussionen inzwischen feststellen müssen, dass Diskussionen überflüssig sind, wenn ideologische Ansichten oder Überzeugungen mit im Spiel sind. Da sind einfach keine Annäherungen möglich bzw. ist es mir bislang noch nicht gelungen.

Die Petition wurde von Personen initiiert und getragen, die aus dem kirchlichen Umfeld stammen. Wundert Dich die kritische Haltung dieser Kreise gegenüber sexueller Vielfalt?

Als christlich sozialisierter Mensch wundert mich das überhaupt nicht. Ich frage mich selbst, weshalb gerade aus solchen Kreisen soviel Hass und Unvermögen, den Anderen als liebendes Wesen wertzuschätzen, entspringen kann.

Welche Möglichkeiten siehst Du für Kirche und Christsein, um Homosexuellen ›Heimat‹ zu bieten?

Ganz ehrlich: Da bin ich überfragt. Im Grunde empfinde ich die Thematisierung (auch wenn sie momentan noch überaus wichtig ist) als obsolet, denn die Kirche als Institution sollte doch jedem Menschen Heimat bieten, egal welche sexuelle Orientierung jemand hat.

Wenn Du einen Wunsch frei hättest, was würdest Du Dir für Dich und Deine Sexualität oder den Umgang Deiner Mitmenschen mit Homosexuellen wünschen?

Normalität

Vielen Dank, das wünsche ich Dir auch!

Wochencharts KW13

In der letzten Woche hörte ich folgende Musikerinnen und Musiker:

  • Plumes (30)
  • Takuya Kuroda (22)
  • S. Carey (22)
  • Will Samson (17)
  • Max Richter (14)
  • Anne-Sophie Mutter (10)
  • Big Fox (9)

Mit den guten Erinnerungen an das Konzert vom 22. höre ich sehr gerne das Album von Plumes.

›Rising Son‹, das aktuelle Album von Takuya Kuroda begeistert mich sehr.

S. Carey, der in einer der letzten Charts bereits aufgetaucht war, veröffentlichte letzte Woche ›Range of Light‹. Ein sehr schönes und ruhiges Album.

Nach einer Pause hörte ich mir letzte Woche auch mal wieder Recomposed by Max Richter: Vivaldi, The Four Seasons an, und stellte fest, dass es mir immer noch sehr gut gefällt.

Diesen Freitag spielt Big Fox im NUN, da freue ich mich schon sehr drauf.

Big Fox – NowBig Fox – Now (YouTube)

Kompetenz

»Wenn ich Kinder als kompetent bezeichne, dann meine ich damit, dass wir wichtige Dinge von ihnen lernen können. Dass sie uns durch ihre Reaktionen ermöglichen, unsere verlorene Kompetenz wiederzugewinnen und unsere unfruchtbaren, lieblosen und destruktiven Handlungsmuster loszuwerden. In dieser Weise von den Kindern zu lernen erfordert jedoch mehr, als den Dialog zwischen Erwachsenen und Kindern zu demokratisieren. Wir müssen vielmehr zu einer Form des Dialogs finden, den viele Erwachsene auch untereinander nicht beherrschen, zu einem Dialog, der persönlich ist und auf der gleichen Würde des Einzelnen beruht.«

Jesper Juul, Dein kompetentes Kind: Auf dem Weg zu einer neuen Wertgrundlage für die ganze Familie, 13.

Marcus Wiebusch – Der Tag wird kommen

Marcus Wiebusch – Der Tag wird kommenMarcus Wiebusch – Der Tag wird kommen (Youtube)

Starke Sieben Minuten.

»Weil wir Menschen nicht danach bewerten, wen sie lieben — Ihr Sex ihre Sache ist und sie es nicht verdienen — Von den Dümmsten der Dummen beurteilt zu werden«

Marcus Wiebusch – Der Tag wird kommen

Wochencharts KW12

Einen wunderschönen Wochenstart wünsche ich. Und wie könnte die Woche anders beginnen als mit einem Einblick in meine Hörgewohnheiten:

  1. DAAU (26)
  2. Solander (22)
  3. Big Fox (16)
  4. Dad Rocks! (13)
  5. David Bazan (11)
  6. Christian Scott (9)
  7. Takuya Kuroda (8)

Neben der allgemeinen Empfehlung diese Künstlerinnen und Künstler zu hören, sei erwähnt, dass das aktuelle Album von DAAU sehr gut zur Entspannung geeignet ist.

Homosexualität und Christsein (9)

In letzter Zeit kam ich nicht mehr dazu an dieser Serie weiter zu schreiben, auch wenn ich es nach wie vor wichtig finde. Zu dieser Zeit des Schweigens passt das Thema des Kapitels von Maria Harris und Gabriel Moran im Buch ›Homosexuality and Christian Faith‹ über das ich heute schreiben werde. Sie behandeln den Komplex ›Argument aus dem Schweigen‹, der in der Theologie weit verbreitet ist.

»There is a way of reading the Bible that, while called “literal,” is actually a disregarding of the words for the sake of ideas. That is, a set of ideas is assumed to be immutable so that the words are mere labels. The nonexistence of a term is not taken seriously; the reality, it is assumed, was condemned in other words. “Homosexuality” is an interesting example of what is supposedly condemned by the Bible in a few texts.« (78)

Wird ein Argument aus dem Schweigen konstruiert handelt es sich dabei um ein Vorgehen, das den Text verlässt, und ein Argument konstruiert von dem ausgegangen wird, dass der Text dieses aufführe, von dem im Wortlaut jedoch nicht die Rede ist. Harris und Moran sprechen in diesem Zusammenhang davon, dass die Nichtexistenz eines Begriffes nicht ernst genommen wird, vielmehr wird angenommen, dass das Vorkommen dessen mit anderen Worten verurteilt wurde. Für die Beiden ist ›Homosexualität‹ ein sehr gutes Beispiel für dieses Vorgehen.

Die Aussagen der biblischen Texte werden auf eine Weise verwendet, als würden sie von Homosexualität sprechen, auch wenn das Wort selbst erst im 19. Jahrhundert auftaucht. Und es stellt sich die Frage: Ist es möglich etwas zu verurteilen, wofür es keinen Begriff gibt? Darüber lohnt es sich nachzudenken, vor Allem vor dem Hintergrund, dass in manchen Kreisen gerne auf eine Weise mit der Bibel argumentiert wird, als stünde der Begriff explizit darin.

Kürzlich las ich einen Blogeintrag von Justin Lee in dem er darüber schrieb, dass es zwar nett sei, wenn Christen äußerten, dass sie Lesben und Schwule lieben würden, dass diese Äußerungen jedoch wertlos sind, wenn sie sich nicht im tatsächlichen Umgang mit ihnen ausdrücken. In eine ähnliche Richtung verstehe ich die Würdigung des Einsatzes für Menschenrechte von Lesben und Schwulen, der Harris und Moran den Zweifel gegenüberstellen, ob sich dies lange durchhalten lasse, wenn dem Engagement nicht auch die tatsächliche Unterstützung für gelebte Partnerschaften folgt.

»Many religious groups can support the civil rights of gay and lesbian people while not approving same-sex sexual relations. Whether such a policy can be consistently maintained on a long-term basis is doubtful, but the recognition of persons with civil rights is a big step.« (80)

In der Bibel findet sich nach Harris und Moran also keine direkte Aussage zu Homosexualität. Wenn man nun einen auf biblischer Aussagen beruhenden Hinweis zu Homosexualität sucht, dann wird man in den allgemeinen Aussagen zu gelebter Partnerschaft und Sexualität fündig. Ähnlich wie in vorangegangen Kapitel kommen die Beiden auch zum Ergebnis, dass es wichtig ist zu gelingendem Leben und gelingenden Partnerschaften und erfüllender/erfüllter Sexualität beizutragen. Ein Argument aus dem Schweigen zu bemühen und etwas zu verurteilen für das es zur Zeit der Abfassung der biblischen Texte noch gar keinen Begriff gab scheidet ihrer Meinung nach als Option aus.

»At the end of the twentieth century, individuals are probably no wiser than they ever have been about their sexual lives, but the human race undeniably has a different understanding of sexuality from what it had in the past. (…) Sexual intimacy between consenting partners of the same sex seems to be nothing less and nothing more than part of that wonderful range of expression.« (81)

Alle Artikel in dieser Serie:

  1. Homosexualität und Christsein (1)
  2. Homosexualität und Christsein (2)
  3. Homosexualität und Christsein (3)
  4. Homosexualität und Christsein (4)
  5. Homosexualität und Christsein (5)
  6. Homosexualität und Christsein (6)
  7. Homosexualität und Christsein (7)
  8. Homosexualität und Christsein (8)
  9. Homosexualität und Christsein (9)

Die Idee von Edward Snowden

Auf der aktuellen TED-Konferenz in Vancouver wurde Edward Snowden von Chris Anderson interviewt. Snowden nahm über einen ›telepresence robot‹ teil. Neben den Einblicken in seine Motivation und dessen wie er die Arbeit der NSA sieht, finde ich die Konkretion seiner Gedanken sehr gut.

»Wir sollten unsere Rechte nicht aufgeben, da wir nie wissen wann wir auf sie angewiesen sind.«

TED 2014 – Interview mit Edward Snowden – YouTube Thumbnail– Edward Snowden: Here’s how we take back the Internet, TED 2014 (Creative Commons).

Das Interview kann entweder mit einem Klick auf das Bild oben, über die TED-Webseite oder auf YouTube angesehen werden.

Auf die abschließende Frage nach der Idee, die er momentan für teilenswert hält antwortete Edward folgendes:

»Democracy may die behind closed doors, but we as individuals are born behind those same closed doors. And we don’t have to give up our privacy to have good government, we don’t have to give up our liberty to have security. And I think by working together we can have both open gouvernement and private lives.«

– Edward Snowden