Notiz der Woche 34 // 30.08.10

In dieser Notiz der Woche 34 kommt eine Eigenschaft zum Tragen, die charakteristisch ist für die Dekonstruktion. In der Dekonstruktion wird ein Text mit besonderem Augenmerk darauf gelesen, was nicht gesagt wird. In der Auseinandersetzung damit werden dann die Herrschaftsverhältnisse aufgedeckt, die dazu führten, das gewisse Sachverhalte unerwähnt blieben. Einiges wird des Öfteren außen vor gelassen, in den unterschiedlichen Ebenen der Kommunikation, und somit auch aus der Wahrnehmung unserer Wirklichkeit.

»Am Ende werden wir uns
nicht an die Worte unserer Feinde erinnern,
sondern an das Schweigen unserer Freunde.«

Diese Aussage wird Martin Luther King zugerechnet. Mir begegnete sie in letzter Zeit des Öfteren in einer Rede von Jay Bakker. In der letzten Woche sah ich mir einen kurzen Ausschnitt dieser Rede an. Das Video zeigt wie Bakker in einer Gemeinde spricht. Zunächst geht es um Veränderung, die Gemeinde stimmt ihm lauthals zu. Sie schlagen sich auch noch auf seine Seite, als er davon berichtet, dass es Pastoren gibt die ihn als Verfehlt bezeichnen. Er konkretisiert seine Gedanken und spricht davon, dass er für die Hochzeit von Homosexuellen ist, die Gemeinde verstummt. Bakker ist sichtlich bewegt, und kommt auf das eben erwähnte Zitat zu sprechen.

Genauso wie sich Bakker in diesem kurzen Ausschnitt für seine homosexuellen Freunde ausspricht, möchte ich dies auch tun. Seit einiger Zeit mache ich mir Gedanken darüber wie ich dies tun könnte. Vielleicht viel zu lange. Die Aussage Kings hat mich dazu motiviert dies auch hier nochmals deutlich auszudrücken. Ich halte Homosexualität für eine legitime Weise der Lebensgestaltung. Das schreibe ich so umständlich, da ich es auf der einen Seite positiv ausdrücken und nicht auf bloße Sexualität begrenzen möchte.

Ebenfalls in der letzten Woche stieß ich auf einen sehr alten Eintrag in diesem Blog. Darin zitierte ich eine Textzeile aus »This Room« von The Notwist:

»Ungeachtet dessen, was wir sagen,
Ungeachtet dessen, was wir denken,
Wir werden nie, niemals diesen Raum verlassen.«

Wir werden niemals den Raum verlassen, in dem wir uns wohl fühlen, nicht die Grenzen überschreiten, die sich sicher anfühlen. Damals hatte ich es hinsichtlich der emerging Church Bewegung geschrieben. Und ich hatte schon damals den Gedanken, dass wir dazu aufgefordert sind die bequemen Räume zu verlassen. Neue Wege zu finden Gemeinde zu leben. Und so möchte ich diese beiden Gedanken verbinden. Ich wünsche mir, dass wir das Schweigen zu Homosexualität brechen, aus dem Raum heraustreten, und unsere lesbischen und schwulen Freunde in unseren Gemeinden begrüßen. Hier sehe ich einen wichtigen Punkt, an dem wir nicht mehr schweigen, sondern einladen sollten. Ich möchte diesen Raum des Schweigens verlassen. Mit meinen Freunden darüber reden, und auch dahingehend wirken, dass hier keine Ausgrenzung mehr stattfindet, so dass es „Betroffenen“ möglich wird ihren Lebensentwurf öffentlich und auch als Christen zu leben.

Dies hier soll keine theoretische Auseinandersetzung mit den angesprochenen Fragestellungen werden, sondern ein freundschaftlicher Ausdruck des gemeinsamen Lebens. Wir sind gemeinsam unterwegs. Und im Sinne der oben erwähnten Tendenz der Ausgrenzung, möchte ich diesen Eintrag als Einladung verstanden wissen. Auch als Einladung an diejenigen, die eher kritisch sind, hier auf unsere Freunde zu zu gehen.

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Das Gesagt gilt natürlich nicht nur für »Freunde« im engeren Sinne, und mir ist auch bewusst, dass die Überwindung der Ausgrenzung (auch wenn sie in weiten Teilen eher passiv geschieht) außerhalb von Christsein und Gemeinde ebenfalls noch wichtig ist.

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Zur inhaltlichen Auseinandersetzung empfehle ich:

Notiz der Woche 33 // 23.08.10

In der Notiz zur letzten Woche werde ich etwas mehr über so genannte Netzthemen schreiben. Zunächst einmal möchte ich auf eine Webseite hinweisen, die in der letzten Woche online ging:

mboettler.de

Den Grafiker und Illustrator Michael Böttler lernte ich bei der Umsetzung dieser Webseite kennen. Er bezeichnet sich selbst als typophil, und so wurden wir uns schnell einig, dass eine reguläre Systemschrift nicht das Passende für die Texte seiner Webseite wäre. Um seine „Hausschrift“ per @font-face einzubinden, besorgte er sich den entsprechenden Schriftschnitt. Da dieser jedoch in einem Format ausgeliefert wurde, der lediglich von Firefox und Internet-Explorer unterstützt wird, griffen wir auf die angebotene Fallback-Lösung zurück, und nutzen Typekit, einen Dienst, der die unterschiedlichen Schnitte per Javascript in die Seite integriert. Bis auch die Webkit-Browser und Opera das bereitgestellte Format unterstützen, werden wir Typekit verwenden, um dann später auf die vorgesehene tatsächliche @font-face Methode zurück zu greifen.

Während der Arbeit höre ich gerne Musik, und da ich die meiste Zeit entweder am Rechner oder mit dem iPhone Musik höre, lasse ich last.fm mithören. Daran gefällt mir auf der einen Seite, dass mir ähnliche Künstler vorgeschlagen werden, und zum anderen die Tatsache, dass last.fm meine persönlichen Hitparaden erstellt, die ich mit unterschiedlichen Filtern betrachten kann. Eine dieser Hitparaden gibt eine Aussage darüber ab, welche Künstler und Bands ich in den vergangenen 7 Tagen am häufigsten gehört habe. Für die letzte Woche sind das folgende:

  • Rue Royale
  • Solander
  • Lali Puna
  • Looptroop
  • Pedro the Lion

Die beiden Bands auf den ersten Rängen spielen in naher Zukunft im schönen Kaffeehaus NUN. Rue Royale, auf deren Konzert ich mich schon freue, werden am 06. September im NUN zu hören sein.

Ein anderer Dienst, der in der letzten Woche vorgestellt wurde ist Facebook-Places. Facebook steigt damit in den Markt der so genannten location-based-services ein. Bisher sind die Größten dieses Genres Gowalla und foursquare. Durch die Menge der Menschen, die Facebook nutzen, stehen die Chancen gut, dass Facebook den beiden anderen ihren Rang recht schnell abnehmen wird, und die Möglichkeit sich an bestimmten Orten »einzuloggen« demnächst im so genannte Mainstream angekommen sein wird. Bisher kann Facebook-Places hier in Karlsruhe noch nicht direkt genutzt werden. Scott Raymond von Gowalla hatte bei Bekanntwerden von FB-Places gesagt, dass sie mit FB an diesem Punkt kooperieren werden, und so werden die Check-Ins, die man über Gowalla an FB sendet, dort im Stile der Orte eingebunden. Ich bin gespannt in welche Richtung sich diese Spielerei entwickeln wird.

schon angemeldet? // 17.08.10

Emergent Forum 2010 - Postkarte

Seit heute ist es möglich sich fürs diesjährige Emergent Forum anzumelden. Dieses Jahr findet das Forum vom 19. bis 21. November im Weigle Haus in Essen statt. Um dich anzumelden brauchst du wahrscheinlich deinen Kalender, ein paar Infos und ein Anmeldeformular. Zwei dieser Utensilien findest du hier …

Notiz der Woche 32 // 16.08.10

Die Notizen der Woche bieten mir die Möglichkeiten Erlebnisse aus meinem Alltag hier aufzuschreiben, und wie jeden Montag sitze ich auch heute hier und überlege, was sich in der letzten Woche ereignet hat, und was davon ich hier niederschreiben möchte. Die Woche auf diese Weise Revue passieren zu lassen gefällt mir sehr gut. Aus dieser Revue dann einige Augenblicke auszuwählen, über die ich hier schreiben möchte, fällt mir nicht so leicht, bin ich doch ansonsten ein impulsiver Blogger, und schreibe nur darüber was mich just in dem Moment beschäftigt, in dem ich zu schreiben beginne. Serien hatten in diesem Blog selten viele Episoden, mal sehen wie lange es diese Notizen geben wird, heute jedoch schreibe ich weiter …

Letzten Mittwoch fand das jährliche Elterngespräch im Kindergarten statt. Die Erzieherinnen laden die Eltern der Kinder einmal im Jahr ein, um mit ihnen über deren Entwicklung zu sprechen. Grundlage des Gespräches sind Beobachtungen, die von den Erzieherinnen im Kindergartenalltag anhand einer bestimmten Methode durchgeführt werden. Sie beobachten neben dem Sozialverhalten, das Umweltbewusstsein, Sprachentwicklung und weitere Bereiche.

An jenem morgen hatte ich in dem Buch »The Spirit Level« etwas über die Bedeutung des Umfeldes auf die Entwicklung von Kindern gelesen, und hier auch darüber geschrieben. Unser Bestreben ist es, unseren Kinder ein liebevolles Umfeld zu ermöglichen, indem sie sich gut entwickeln können. Der eigenen Unzulänglichkeiten, und der unterschiedlichen pädagogischen Ansätze bewusst, erweisen sich für mich solche Elterngespräche immer als kleine Herausforderung. Es könnte ja sein, die Kinder wären auffällig und man würde auf die eigene Unzulänglichkeit angesprochen, und gebeten die Kinder besser in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Nichts dergleichen war der Fall, was mich innerlich aufatmen ließ. Das Gespräch führte mir zweierlei vor Augen: Zum einen freute ich mich über den Umgang der Erzieherinnen mit den Kindern. Meiner Ansicht nach werden die Kinder hier sehr ernst genommen, und es wird ihnen ein Umfeld ermöglicht in dem sie sich sehr gut entwickeln können. Auf der anderen Seite freute ich mich über meine Kinder. Unterschiedlich wie sie sind, scheinen sie dennoch liebenswerte Personen zu sein, und bringen sich gut in den Kindergartenalltag ein. Sehr schön auf diese Weise über Seiten der Kinder zu hören, die ich im Alltag gerne übersehe, einfach zu sehr als normal empfinde, oder wo sie sich zu Hause anders verhalten. Und gleichzeitig ist es schön fest zu stellen, dass man nicht so ganz falsch zu liegen scheint, und den Kindern ein angemessenes Umfeld zu ermöglichen scheint. Mich motiviert das.

Bildschirmfoto der Seite denisholzmueller.de

Hier im Oberstübchen nahm in letzter Zeit eine Webseite immer konkretere Gestalt an, die schließlich in der Nacht von Donnerstag auf Freitag das Licht der Welt erblickte. Es handelt sich dabei um die Webseite von Denis Holzmüller, einem Grafiker, der mich durch seine Liebe zum Detail und die einprägsamen Symbole aus seiner Feder schon des Öfteren begeisterte. Es hat sehr viel Spass gemacht mal wieder eine Seite mit ihm gemeinsam zu entwickeln, und dabei immer wieder über Form und Funktion zu sprechen. Die Entwicklung seiner Seite nahm ich zum Anlass mich intensiver mit der Möglichkeit zu beschäftigen eigene post-types zu vergeben, und auf diese Weise spezielle Eingabefelder für das Einpflegen der Projekte zur Verfügung zu stellen, und gleichzeitig den Besuchern unabhängige Loops auszugeben, so dass sie sich ungestört einzelne Bereiche seiner Arbeit ansehen können. Denis wird in naher Zukunft weitere Projekte einpflegen, und ich empfehle einen regelmäßigen Abstecher auf seine Seite.

In diesem Sinne wende ich mich nun wieder einem Stylesheet zu, das noch auf einige Informationen wartet, so dass auch an anderer Stelle gute Inhalte in schöner Umgebung zugänglich gemacht werden können.

Buchtausch // 16.08.10

143/365

Vor einiger Zeit ließ ich mich vom Untertitel eines Buches verführen. In meinem jugendlichen Leichtsinn bestellte ich ein und dasselbe Buch, in zwei unterschiedlichen Ausgaben (UK- und US-Ausgabe). Die Verlage hatten wohl entschieden unterschiedliche Untertitel zu vergeben, und mir dadurch suggeriert zwei Bücher eines Themas mit unterschiedlichem Schwerpunkt zu bekommen.

Eben kam mir, an der Kaffeemaschine stehend, eine Idee, wie ich mit diesem Missgeschick umgehen könnte. Zurückschicken wollte ich nicht, verschenken war eine Option, die ich jedoch noch nicht umgesetzt habe. Nun dachte ich mir – wie wäre es mit tauschen? Eventuell ist ja unter den Leserinnen und Lesern dieses Eintrags eine Person, die ebenfalls ein doppeltes Buch im Regal stehen hat, oder jemand der denkt ich sollte dieses oder jenes Buch mal lesen. Wenn du also gerne dieses Shirky-Buch möchtest, und mir ein Tauschbuch anbieten willst, dann melde dich in den Kommentaren.

Eine agnostische Lesart // 14.08.10

Zur Zeit wird im Zusammenhang mit Christsein hin und wieder der Begriff »Agnostizismus« gebraucht. Manche sehen darin klare Gegensätze, andere hingegen denken in Richtung eines agnostischen Christseins. Im Wissen der unterschiedlichen Ausprägungen dessen was unter dem Begriff verstanden werden kann, möchte ich in diesem Eintrag in die Richtung eines agnostischen Christseins denken.

Der Begriff »Agnostizismus« wurde von einem Zoologen Namens Huxley geprägt. Er hatte ihn von einem griechischen Wort abgeleitet, das mit »nicht wissen« übersetzt werden kann. Das Lexikon Philosophischer Grundbegriffe der Theologie spricht davon, dass Agnostizismus eine „Sammelbezeichnung für religiöse und philosophische Lehren [ist], die zwar die Erkennbarkeit transempirischer Realitäten leugnen, nicht aber, wie etwa der Atheismus, deren Existenz bestreiten.“ (Seite 18)

Möchte man in der angesprochenen Richtung weiter denken, erweisen sich die erkenntnistheoretischen Überlegungen Kants als hilfreich:

Das Wissen von einem Gegenstand kann nach Kant immer nur das Wissen darum sein, wie uns ein Gegenstand als Erscheinung gegeben ist, niemals aber ein Wissen vom Gegenstand selbst. Die Leugnung der Erkennbarkeit der Dinge an sich und damit der Wirklichkeit schließt für Kant jedoch nicht deren Nichtexistenz ein.

Quelle: Artikel zu Agnostizismus von Matthias J. Fritsch im Lexikon Philosophischer Grundbegriffe der Theologie (Freiburg: Herder, 2003), Seite 18.

Hier treffen sich meine Gedanken bezüglich Gott und die Gedanken von Kant. Meiner Ansicht nach können wir von Gott nur im Nachklang dessen sprechen, wo wir meinen ihn erfahren oder wahrgenommen zu haben. Die Deutungsansätze speisen sich aus dem, wie Menschen vor uns von Gott gesprochen haben. Es ist nicht möglich Gott zu beweisen, oder sich seiner Existenz völlig sicher zu sein. Das Vertrauen in die mögliche Existenz Gottes, speist sich aus dem was als Offenbarung gedeutet wird, bleibt jedoch immer eine Hoffnung.

Aus meiner Sicht hat eine dekonstruktivistische Theologie die Türen zu solchem Denken weiter geöffnet, und viele von uns ermutigt durch sie zu gehen. Mit dieser Hoffnung leben wir mit Gott, wenn es ihn gibt, und gestalten unser Leben, wie es unseren Deutungen seiner Idee am nächsten kommt. Gleichzeitig grenzen wir Menschen mit Zweifeln und erheblichen Fragen nicht per Definition aus, und sind bereit von Menschen mit anderen Deutungsansätzen zu lernen, mit ihnen in einen ehrlichen Dialog zu treten. Natürlich reden wir dann leiser, erscheinen weniger überzeugt, haben weniger Antworten und mehr Fragen. Eine solche Lesart des Christentums erscheint mir dennoch sehr sinnvoll.

Das Umfeld machts // 11.08.10

In ihrem Buch »The Spirit Level« weisen Wilkinson und Pickett darauf hin, dass die Chancengleichheit in einer Gesellschaft nicht mit dem Schulsystem oder im Kindergarten beginnt, sondern schon sehr viel mit dem häuslichen Umfeld eines Kleinkindes zu tun hat:

Social inequalities in early childhood development are entrenched long before the start of formal education. We know a lot now about the importance of the early years for later development – learning begins at birth an the first few years of life are a critical period for brain development. This early learning can be enhanced or inhibited by the environment in which a child grows up. [...]

Essential for early learning is a stimulating social environment. Babies and young children need to be in caring, responsive environments. They need to be talked to, loved and interacted with. They need opportunities to play, talk and explore their world, and they need to be encouraged within safe limits, rather than restricted in their activities or punished. All of these things are harder for parents and other care-givers to provide when they are poor, or stressed, or unsupported.

Richard Wilkinson and Kate Pickett, The Spirit Level – Why Equality is Better for Everyone, 110-111.

Mir erscheint das im zweiten Abschnitt gesagte besonders wichtig. Säuglinge und Kleinkinder entwickeln sich am Besten in einem liebevollen Umfeld, das ihnen die Möglichkeit gibt zu spielen und die Welt zu erkunden. Welche Rolle Sprache in diesem Prozess spielt, und wie sich Sprache im familiären Raum als Übereinkunft von Symbolen entwickelt, habe ich erst kürzlich mit einer Freundin thematisiert.

Die Betonung der Liebe und der Möglichkeiten gefällt mir besonders. Wie die Autoren bin auch ich davon überzeugt, dass Förderung mehr mit Hinwendung, Einlassen und Ermöglichen zu tun hat, als mit Regeln und klaren Aufgaben. In diesem Sinne finde ich es spannend über Freiheiten und Möglichkeiten nachzudenken, die es Eltern aller Milieus ermöglicht sich auf ihre Kinder einzulassen, und ihnen eine liebevolles Umfeld zu schaffen, in dem sie sich entwickeln können.

Notizen der Woche 31 // 09.08.10

Die 31. Kalenderwoche führte mir, mit allem was sich in meinem Umfeld ereignete, vor Augen, wie nahe Freude und Schmerz, Leben und Tod, Gesundheit und Krankheit einander sind. Befindet man sich in einer der Situationen, erscheint es kaum vorstellbar wie man sich in den anderen fühlt. Eines der Ereignisse möchte ich hier aufgreifen, ein Erfreuliches.

Am Donnerstag Abend kam zur Besten G3-Zeit der jüngste Mitbewohner unserer Hausgemeinschaft zur Welt. Joel Friedrich erblickte den Nachthimmel und wusste, hier wird er es gut haben. Wir freuen uns sehr ihn hier begrüßen zu dürfen, und heute (das gehört eigentlich nicht hier her, dennoch will ich es nicht verschweigen) genoss er seinen ersten Flat White. Seine Geburt bringt es jedoch leider mit sich, dass ich hier momentan recht oft alleine im Oberstübchen sitze, da sein Vater zur Zeit besseres zu tun hat …

Das Oberstübchen ist unsere Bürogemeinschaft, hier entstehen Animationen, Werbespots, Webseiten, Texte, Bilder, es wird gewerkelt und geschwitzt. Vor einiger Zeit dachten wir darüber nach, ob es möglich wäre auch hier im Arbeitsalltag eine kurze Pause einzulegen, um uns an die Gegenwart Gottes zu erinnern. Wir entschieden uns für 12:00 Uhr. Seither klingeln gegen 12 unsere Telefone und wir wissen, es ist Zeit kurz die Augen von den Monitoren zu erheben.

Diese kurze Unterbrechung beginnen wir mit einer Rezitation des Wochenpsalms. Immer wieder eine interessante Erfahrung einen Psalm tatsächlich als Begleitung durch die Woche mitzunehmen. Danach geben wir einander die Möglichkeit das voreinander und vor Gott zu artikulieren, was uns bewegt. Wir schließen mit den Worten eines kurzen Gebetes, welches wir von N.T. Wright übernommen haben:

Allmächtiger Vater,
Schöpfer des Himmels und der Erde,
richte dein Reich in unserer Mitte auf.

Herr Jesus Christus,
Sohn des lebendigen Gottes,
sei mir Sünder gnädig.

Heiliger Geist,
Atem des lebendigen Gottes,
erneuere mich und die gesamte Welt.

Nach diesen Worten wenden wir uns wieder unseren Monitoren zu, gehen unserer Arbeit nach, ermutigt irgendwie daran mit zu wirken, dass die Idee dessen sich ereignet, den wir immer wieder als Gott erkennen. Da gegen 12 die Telefone klingeln, freue ich mich auch über die Unterbrechung wenn ich alleine bin, denn es klingelt nicht nur bei mir.

Es hat geklingelt // 09.08.10

Telefonieren wird des Öfteren als Bild für Gebet verwendet. In den Meisten Fällen, wird der Mensch als Subjekt des Gebets, also derjenige der bei Gott anruft, betrachtet.

Ein namhafter Philosoph und ein berühmter Theologe sprachen über das Gebet. Der erste verglich den Beter mit jemand, der am Telefon redet, aber gar nicht weiß, ob am anderen Ende einer hört.

Der andere antwortete: „Herr Kollege, Sie irren! Wir reden mit Gott, weil es bei uns geklingelt hat“.

Der Heilige Geist ist es, der etwas in uns klingeln lässt: Er weckt in uns das Bedürfnis zu beten, er hilft uns Worte zu finden, mit denen wir Gott unser Herz ausschütten können und er schenkt uns die Gewissheit, dass all das keine leere Pflichtübung ist.

Quelle: Peter Aschoff, Kaum zu fassen, Seite 131.

Erfrischend, wenn das Bild einfach umgedreht wird. Vielleicht ist es ja Gott, der uns anruft…

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Ich hatte letzte Woche die Möglichkeit eine Fahne des Buches »Kaum zu fassen: Eine kleine Reise durch die große Welt des Glaubens« von Peter Aschoff zu lesen. Das Buch wird im September erscheinen, und weil sich darin sehr viele gute Gedanken finden, werde ich in den nächsten Tagen sicher nochmals daraus zitieren …

Daniel Benjamin // 04.08.10

Daniel Benjamin / Come And Walk With MeIn meinen Top 5 Artists der letzten 5 Wochen war immer ein Name vertreten: Daniel Benjamin. Neben der Tatsache, dass der Name Daniel Benjamin für gute Musik steht, trägt auch das Erscheinen seines aktuellen Albums »There’s A Deathbed For Your Monster« zur hohen Platzierung bei.

Anfang Juli erschien der Nachfolger von »There’s A Monster Under Your Deathbed« und führte das Konzept des Abgrundes fort. Neben des Konzepts wurde auch eine Neuinterpretation des Titels »My Cloud Has Lost It’s Silver Lining« auf »There’s A Deathbed For Your Monster« übernommen. Dieses Lied führt dem Hörer eindrücklich vor Ohren, wie gut die Stimmen von Daniel und Eleni einander ergänzen. Die beiden Stimmen ziehen sich charakteristisch durch das gesamte Album – ja durch das Schaffen von Daniel Benjamin. Auf ähnliche Weise zieht sich die Kreativität durch das Album. Kein Lied klingt wie das andere. Sie unterscheiden sich auf angenehme Art und lassen dennoch Raum für die gewissen Momente des Wiedererkennens. Daniel schafft es auf ausgezeichnete Art Wiederholungen mit Überraschung zu paaren. Das Album lädt zum Mitsingen ein, und überrascht dann im nächsten Moment mit einem Instrument, einer Stimmung oder einer kurzen Stille. Diese Momente des Ungewissen machen das Album spannend, es gibt viel zu entdecken, und so entsteht auch nach mehrmaligem Anhören keine Langeweile, vielmehr gewinnt das Album immer mehr an Tiefe.

Auch dieses Album enthält eine gute Prise Melancholie. Wenn der Himmel oder das Gemüt von dichten Wolken behangen ist, fühlt man sich von Daniel verstanden. Hier und da durchbricht ein Sonnenstrahl die dichte Wolkendecke, eine hoffnungsvolle Note bietet Trost an, ein Lächeln spendet Wärme. Daniel gibt der Melancholie ihren Raum, bietet zerbrechliche Momente an und streut hier und dort ein Lächeln ein. So ist das Album auch für die schönen Tage des Jahres geeignet, die so hoffe ich, demnächst die Wolkentage wieder ablösen werden.

Je nach Vorliebe kannst du das Album entweder bei einem Konzert von Daniel in deiner Nähe erwerben, es via iTunes auf deine Festplatte locken oder dir über Amazon zuschicken lassen. Ich jedenfalls empfehle es dir.