Wochencharts KW29

Mit einem kurzen Blick auf die Musik, die mich in der letzten Woche begleitete, wünsche ich einen guten Start in die neue:

  1. Mélissa Laveaux (55)
  2. The Notwist (44)
  3. Sookee (13)
  4. Lestat Vermon (9)
  5. Ambrose Akinmusire (8)
  6. William Fitzsimmons (6)
  7. Will Samson (6)

Will Samson verbindet in seiner Musik wunderbar Samples, Beats, Gitarre und seine zurückhaltende Stimme. Ich freue mich schon sehr auf sein Konzert bei uns im NUN am Freitag dieser Woche.

Sookee begeistert mich mit ihrem durchdachten HipHop, der sowohl musikalisch als auch textlich Spaß macht.

The Notwist, Zeltival 2014

The Notwist spielten Anfang letzter Woche im Rahmen des Zeltival in Karlsruhe. Das Konzert war großartig. Und während ich so vor der Bühne stand, stellte ich fest, dass ich jedes der Stücke auswendig kannte. Mir gefällt es ausgesprochen gut, wie die Band auf ihre Weise Spielfreude mit einer angenehmen Zurückhaltung verbindet.

Dying is a wild night, das aktuelle Album von Mélissa Laveaux, entdeckte ich erst in der letzten Woche. Darauf präsentiert sie ihre eigene Version des Folks, der deutliche Spuren von Jazz, HipHop und Blues aufweist, und einige sehr feine Gedanken ins Rollen bringt. Ihr Konzert am 26. September wird das zweite Konzerthalbjahr im NUN einläuten.

maker or marker of identity

»God should be a maker and not a marker of identity. For Christians and Muslims alike, God is the source of worshippers’ deepest values. That’s why two communities can have a common God. And that’s why having a common God can be the foundation for unity rather than a cause of division.

[…]

… if communities have a common God and if their believes about God are similar, they will share values, aspirations, and motivations. More important, to the extend that they give ultimate allegiance to God, these shared values, aspirations, and motivations will trump values, aspirations, and motivations derived from their respective group identities.«

Miroslav Volf, Allah: A Christian Response, Page 190f.

Hope

»Hope is a crossing. Hope is that by which we cross over from the “already” to the “not yet,” from foretaste to fullness. But such crossing over can happen only if hope itself is crossed — that is, crossed out but left on the page, asserted paradoxically as both true and untrue, in the acknowledgment that the fullness we seek is more full than our hope can express. The language of our hopes thus breaks open, leaving us with a hope that is deeper than language or concept or symbol. In the end, the infinite God is our hope, and life in the unknowable God will shatter even our most profound eschatologies.«

Kevin L. Hughes: The Crossing of Hope, or Apophatic Eschatology in The Future of Hope, Miroslav Volf and William Katerberg (editors), page 123.

Homosexualität und Christsein (11)

In Kapitel 10 des Buches ›Homosexuality and Christian Faith‹ geht Richard Rohr der Frage nach wohin uns das Evangelium bezüglich Homosexualität führt. Dabei spricht er zunächst über Beziehung, und führt anhand der Aussage dass wir gut darin sind zentrale Aspekte der Lehre Jesu zu übersehen aus, wie sich die Motivation der ›anti-gay-folks‹ von Jesu Lehre und Wirken unterscheiden.

Leben in Beziehung

Rohr öffnet sein Kapitel mit der Aussage, dass seiner Ansicht nach für eine homosexuelle Beziehung das Selbe gilt wie für eine heterosexuelle Beziehung:

»I think God would ask of the homosexual relationship exactly what God asks of the heterosexual relationship: truth, faithfulness, long-suffering, and the continuing forgiveness of the other.« (91)

Aus seiner Sicht sind als Wahrheit, Treue, Geduld und die andauernde Bereitschaft zur Vergebung die wichtigen Merkmale für Beziehung, egal ob diese von Menschen gleichen oder unterschiedlichen Geschlechts gelebt wird. Beziehungen in denen diese Merkmale vorhanden sind entsprechen nach Rohr der Idee Gottes.

Kontrolle und Freiheit

Im Anschluss an die Aussage von Beziehungen gemäß der Idee Gottes geht er auf kritische Positionen aus den Reihen der organisierten Religion ein. Dabei wird schnell deutlich, dass er das Streben nach Kontrolle und Aufrechterhaltung des Status Quo in Frage stellt und mit der geschenkten Freiheit Gottes kontrastiert.

So geht er zunächst auf Aussagen ein, die Homosexualität nicht als Sünde bezeichnen, jedoch Enthaltsamkeit und Ehelosigkeit fordern. Diese Form der Kontrolle kritisiert Rohr vor Allem deswegen, weil hier etwas von Menschen verlangt wird, das in der Bibel als Gabe Gottes dargestellt wird. Durch diese Forderung wird die Theologie der freien Zuwendung von Gaben ad absurdum geführt, da Gaben ihrem Charakter nach nicht eingefordert oder angeordnet werden können.

Im Zusammenhang mit diesem Beispiel führt Rohr weiter aus, dass es organisierter Religion meist um die Aufrechterhaltung des Status Quo geht, und dass sie dafür alle möglichen Mittel der sozialen Kontrolle nutzt. Für ihn wird an dieser Frage deutlich, dass wir Menschen sehr gut darin sind zentrale Aspekte der Lehre Jesu zu übersehen, um unsere eigenen Weltbilder und Wertvorstellungen zu verfolgen.

»The arguments of the anti-gay folks are often very well intentioned, but their goals and objectives seem to be different from those of Jesus. The arguments have to do with very secular concerns: control over chaos, majority rule, fear of the other, fear of the unknown, and idealization of a family unit that Jesus himself neither lived nor idealized. […] Let’s admit it, we have shown after two thousand years an amazing capacity for missing Jesus’ central teaching.« (92f.)

Unter Angabe ›religiöser Motive‹ werden hier sehr ›weltliche Ziele‹ verfolgt: Kontrolle über Chaos, das Mehrheitsprinzip, Angst vor dem Anderen, Angst vor dem Unbekannten und die Idealisierung eines Familienbildes, das Jesus weder gelebt noch idealisiert hat. Religion scheint an zu vielen Stellen davon auszugehen, dass Menschen ein aufwändiges Gesetz bräuchten, um überhaupt dazu in der Lage zu sein gemäß der Idee Gottes zu leben. Gott scheint sich im Gegensatz dazu mit Unterschiedlichkeiten sehr wohl zu fühlen, und die Komplexität und Unterschiedlichkeit der Menschen ernst zu nehmen.

Richard Rohr führt als Beispiel zentraler Aspekte der Lehre Jesu Matthäus 22,35–40 an:

Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, stellte Jesus eine Falle. Er fragte ihn: »Lehrer, welches ist das wichtigste Gebot des Gesetzes?«

Jesus antwortete: »’Liebe den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen, mit ganzem Willen und mit deinem ganzen Verstand!’ Dies ist das größte und wichtigste Gebot. Aber gleich wichtig ist ein zweites: ‘Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst!’

In diesen beiden Geboten ist alles zusammengefasst, was das Gesetz und die Propheten fordern.«

Der zentrale Aspekt der Lehre Jesu wäre demnach Gott und Mitmenschen zu lieben. In diese Freiheit lädt Gott uns ein. Unseren Mitmenschen liebevoll zu begegnen ermöglicht tiefe Begegnung und echte Gemeinschaft in all unserer Unterschiedlichkeit. An dieser Ausführung wird der Unterschied im Ansehen des Gegenübers deutlich, während Jesus einen liebevollen, wertschätzenden Blick vorlebt und vorschlägt, folgt aus dem Streben nach Sicherheit ein kontrollierender Blick.

Rohr führt diesen Gedanken weiter, indem er davon spricht, dass Jesus uns zur Veränderung an uns selbst einlädt. Er sucht keinen Sündenbock auf den er alles Schlechte abwälzen kann, er führt Menschen in Freiheit, gibt ihnen Mut, und hilft ihnen dabei, ihren Blick immer wieder klar zu bekommen

Fazit

Das Evangelium lädt uns zu Gemeinschaft in all unserer Unterschiedlichkeit ein. Beziehungen zu leben, oder eben nicht, steht in der Entscheidung des Einzelnen, und kann nicht von außen vorgegeben werden. Gemeinschaft von Menschen, egal ob sie hetero, homo, bi, trans oder queer sind, wird auf diese Weise nicht nur möglich, sondern bereichernd. Das Evangelium führt uns also zu einem liebevollen Blick füreinander, zur Wertschätzung unserer Unterschiedlichkeit und lädt uns ein, aufeinander zuzugehen und uns auf Ungewohntes einzulassen.

Alle Artikel in dieser Serie:

  1. Homosexualität und Christsein (1)
  2. Homosexualität und Christsein (2)
  3. Homosexualität und Christsein (3)
  4. Homosexualität und Christsein (4)
  5. Homosexualität und Christsein (5)
  6. Homosexualität und Christsein (6)
  7. Homosexualität und Christsein (7)
  8. Homosexualität und Christsein (8)
  9. Homosexualität und Christsein (9)
  10. Homosexualität und Christsein (10)
  11. Homosexualität und Christsein (11)

Wochencharts KW27

Letzte Woche wurde mein Leben von folgenden Künstlerinnen und Künstlern begleitet:

  1. Sookee (43)
  2. David Bazan (28)
  3. Shaban (27)
  4. Dad Rocks! (21)
  5. David Bazan + Passenger String Quartet (17)
  6. mewithoutYou (13)
  7. Adam Barnes (12)

Letzte Woche stolperte ich über Sookee, deren aktuelles Album ›Lila Samt‹ ich seither recht häufig höre. Des Weiteren fiel mir auf, dass Adam Barnes ein neues Album veröffentlicht hat, das mir ebenfalls sehr gut gefällt.

Auf Twitter hatte ich das neue Album von David Bazan schon kurz erwähnt. David veröffentlicht zwischen Juli und November monatlich zwei neue Stücke, die dann am Ende sein neues Album darstellen. Ich habe das ›Abo‹ direkt bestellt …

lieben / geben

»When God loves, God doesn’t long to get something, but undertakes to impart something. God gives when God creates; God gives when God delivers; God gives when God forgives; God gives when God grants eternal life. God gives, and in giving God loves. All of God’s works are done out of generosity, none out of acquisitiveness.«

Miroslav Volf, Allah: A Christian Response, 154.

love

»If God commands believers to love all neighbors—utterly irrespective of their creeds—then we have strong religious reasons to oppose extremism and work for caring and just relations among peoples of all religions. In a sense, if we embrace God’s command to love neighbors, the more religious we are, the less extremist we will be.«

Miroslav Volf, Allah: A Christian Response, 260.

Wochencharts KW26

Nach einem Wochenende auf einem Dorf im Oberallgäu, kochte ich nach dem Aufstehen das Mittagessen für den Jungen, bereitete das Frühstück vor und einen Kaffee zu, weckte die Kinder und begleitete sie zu ihren Einrichtungen quer durch die Stadt. Im Büro angekommen sprachen wir ein Projekt durch, und bevor ich anfange daran weiter zu arbeiten, halte ich hier kurz die Künstler fest, die mein Leben musikalisch untermalen:

  1. Richard Reed Parry (25)
  2. I Am Oak (16)
  3. David Bazan + Passenger String Quartet (10)
  4. The Black Atlantic (7)
  5. Propagandhi (6)
  6. Immanu El (6)
  7. Bad Religion (4)

Letzte Woche stolperte ich über das Album ›Music For Heart And Breath‹ von Richard Reed Parry, über das Klassikakzente folgendes schreibt:

Parry hatte die ebenso einfallsreiche wie kühne Idee, eine Musikform zu kreieren, die mit den Körperrhythmen der Musiker verknüpft ist. Einen vorgeschriebenen Takt gibt es nicht, Tempo und Rhythmus werden entweder durch die Herz- oder die Atemfrequenz der einzelnen Musiker bestimmt. Damit die Musiker ihren Herzschlag hören und synchron zu ihm spielen können, tragen sie Stethoskope. Jedes Stück ist eine einzigartige, zarte Kollision von Tönen, Dynamik, Zeiteinheiten und wechselnden Harmonien, dem jedes Mal wieder im wahrsten Sinne des Wortes neues Leben eingehaucht wird.

Quelle: Klasskakzente.de – Richard Reed Parry

Wochencharts KW25

  1. David Bazan + Passenger String Quartet (39)
  2. Takuya Kuroda (35)
  3. The Notwist (16)
  4. Rue Royale und Will Samson (je 15)
  5. Gerald Clayton (11)
  6. Mogwai und Solander (je 10)
  7. Allie und Ambrose Akinmusire (je 9)

Bei einem Bier in seiner Küche erwähnte Gerd das neue Album von David Bazan. Mir war die Ankündigung irgendwie durch die Lappen gegangen, und so freute ich mich sehr über die Erinnerung und schaute mich auf Davids Seite um.

Auf den ersten Blick war ich zurückhaltend, da ich alle Stücke bereits in meiner Musikbibliothek habe, und dem Konzept ›Best of‹ eher kritisch gegenüber stehe. Nach kurzem Einhören jedoch war klar: dieses Album muss ich kaufen!

Gesagt getan, Shop geöffnet, Album gekauft und geladen.

Seither höre ich es immer wieder und es begeistert mich. Die Stücke werden durch die Reduktion auf David und das Passenger String Quartet noch kraftvoller. Seine Stimme kommt deutlicher zur Geltung und die Streicher betonen die Emotionen der Texte eindrücklich.

Das Projekt entstand auf Grund der Einladung zu einem gemeinsamen Konzert im Jahre 2012, bei dem dieses Video entstand:

David Bazan und Passenger String Quartet – Strange NegotiationsDavid Bazan + Passenger String Quartet – Strange Negotiations (YouTube)

Für dieses Konzert hatten die Künstlerinnen und Künstler vier Stücke vorbereitet, und auf Grund der guten Erfahrung entschlossen das Projekt weiter zu verfolgen. Anfang 2014 gingen sie dann gemeinsam ins Studio und nahmen einige Stücke auf von denen es 10 auf das Album geschafft haben.

Auf dem Album finden sich sowohl Stücke aus den Zeiten von Pedro The Lion als auch welche von seinen Solo-Alben. Während ich mich gerade die einzelnen Titel anschaue stelle ich fest, dass ich zu jedem Stück eine gewisse Beziehung habe, und es keine Füller gibt, sondern jedes Stück für sich großartig ist. Die textlichen Anpassungen halte ich ebenfalls für sehr gelungen.

Würde mich freuen, wenn David Bazan und das Passenger String Quartet auch durch Europa touren würden und in meiner Nähe ein Konzert spielten.