David Bazan // 08.02.10

David Bazan

Gestern Abend gastierte dieser Herr in Karlsruhe. David Bazan betrat die Bühne, nahm auf einem Hocker platz, die Gitarre auf den Schoß und begann seine Lieder zu spielen. Seit langem höre ich seine Musik, genieße die Stimmungen und liebe seine Art Geschichten zu erzählen. Und so freute ich mich auch sehr, mit Freunden dieses Konzert zu besuchen.

Die musikalische Fülle der Lieder seines aktuellen Albums (Curse your Branches) reduzierte er bei diesem Auftritt auf eine Gitarre, seine Stimme und einen Drumcomputer. Letzteren bediente er in Form von zwei Pedalen mit seinen Füßen. Auf diese Weise feiert er eindrücklich die Monotonie des Lebens, während er mit der Aussagekraft seiner Stimme und den Geschichten die er in seinen Liedern erzählt, die Facetten der unterschiedlichen Situationen beleuchtet. Wie üblich nutzte er auch gestern Abend die Pausen zwischen den Liedern um den Anwesenden die Möglichkeit für Fragen zu geben, die er auf seine freundliche Art mit einem Schmunzeln beantwortete.

Zwei seiner Antworten möchte ich jetzt doch noch kurz hier aufgreifen. Die erste bezog sich auf die Kriterien, mit denen er die Städte und Clubs auswählt in denen er spielt. Darauf antwortete David, dass er eine Liste von seinem Management bekommt, die mit der Aussage verbunden sei in den entsprechenden Clubs eine Show zu spielen. Ein anderer Gast fragte danach, woher er wisse, dass er mit „der richtigen Frau“ verheiratet sei. David begann seine Antwort damit zu erzählen, dass er mit seiner jetzigen Frau bereits zusammen sei seit sie 17 und er 19 Jahre alt waren. Mittlerweile seien sie 10 Jahre verheiratet (und tauschten lustigerweise während der Show E-Mails mit Bildern der Kinder aus) und er sei sehr stolz und dankbar in ihrer Nähe leben zu dürfen, da sie eine klasse Frau sei. Mir gefiel, dass er diese Frage indirekt beantwortete, er sagte nicht, dass sie „die richtige Frau“ sei, sondern führte aus, dass sie klasse ist und dass er es liebt mit ihr zu leben.

Auf mich wirkte dieser Auftritt sehr ehrlich. Und so führte er uns über seine Geschichten, die beantworteten Fragen, und die damit verbundene Interaktion mit den Anwesenden zu einigen guten Gesprächen.

_

Und noch ein Nachtrag, hier findet ihr einen schön geschriebenen Eintrag zu David Bazan und seinem aktuellen Album (inkl. zwei Lieder zum anhören). Prädikat: Leseempfehlung.

bzwLEBEN vor Ort // 05.02.10

Flyer bzwLEBEN im Ansverus-Haus Als ich eben den Eintrag bei Yotin gesehen habe, dachte ich mir, ich könnte auch hier kurz auf diese wunderschöne Veranstaltung hinweisen. Am 28. Februar wird von 16 – 21 Uhr im Ansverus-Haus eine besondere Veranstaltung stattfinden. Yotin und ich werden aus unseren Kapiteln lesen, wir werden ins Gespräch kommen und in die Krypta, den Raum der Stille, eintreten.

Alle aus der Hamburger Umgebung, und diejenigen, die gerne reisen, sind herzlich eingeladen am 28. Februar dorthin zu kommen. Im bzwLEBEN-Blog und auf der entsprechenden Facebook-Seite findet ihr weitere Infos, die ihr auch gerne euren Freunden erzählen dürft.

2. Ökumenischer Kirchentag // 03.02.10

oekt 2010Es sind noch 98 Tage bis in München der 2. Ökumenische Kirchentag 2010 eröffnet werden wird. Heute fand dazu eine Pressekonferenz statt, in der über die Programmhöhepunkte des Kirchentages berichtet wurde. Die beiden Präsidenten des Kirchentages, Alois Glück und Prof. Dr. Dr. Eckhard Nagel, sprachen kürzlich in einem Interview darüber, dass ihrer Meinung nach der 2. ÖKT ein wichtiger Motor des gegenseitigen Verständnisses sei. Einige wichtige Themen des Kirchentages wurden heute in der Pressekonferenz genannt: dabei wurde beispielsweise auf den Dialog der Religionen und Kulturen hingewiesen, dieser finde beispielsweise in einer gemeinsamen orthodoxen Vesper einen Ausdruck. Weitere Themenschwerpunkte sind Frieden und der Dialog mit den Wissenschaften. In diesem Sinne verstehe ich den Ökumenischen Kirchentag auch als eine Ermöglichung eines Raumes ökumenischer Begegnung, die von den Großkirchen unterstützt wird und gleichzeitig das so genannte Volk zusammenführt.

Für mich wird dies der erste Ökumenische Kirchentag sein. Die Vorlage der Pressekonferenz heute, nehme ich auch als Gelegenheit über zwei Höhepunkte zu schreiben, von denen ich jetzt schon weiß und auf die ich mich freue:

Am Donnerstag 13. Mai werde ich an einem Podium in Halle 4 teilnehmen. Dieses Podium steht unter dem Thema »Wie Glauben leben?«. An ein Kurzreferat von Hans Küng wird sich ein Podiumsgespräch anschließen in dem Hans Küng, Harald Lesch, Schwester Dosithea Zaharia und ich über Möglichkeiten sprechen werden, wie Glaube heute gelebt werden kann. Auf dieses Podium freue ich mich aus naheliegenden Gründen natürlich sehr.

Ebenfalls freue ich mich auf eine Veranstaltung am Samstag 15. Mai. Einige Freunde aus der emergenten Bewegung werden im Handwerkersaal ein Seminar zu Möglichkeiten für Kirche im 21. Jahrhundert veranstalten. Dabei werden wir sowohl Hintergründe bedenken als auch auf gemeindepraktisch gelebtes eingehen.

Diese beiden Veranstaltungen sind die, von denen ich jetzt schon weiß und auf die ich mich freue. Würde mich sehr freuen von euch zu hören – Wer von euch ist auf dem 2. ÖKT in München dabei? Von welchen Veranstaltungen wisst ihr? Wo werdet ihr dabei sein?

Vielleicht könnte man auch eine Art Blogger-Treffen machen, irgendwo einen Kaffee zusammen trinken und sehen was sich so ergibt – eventuell ist so etwas sowieso schon in Planung…

Gemeinsam den Tod des autonomen Selbst feiern! – Teil 1 // 01.02.10

Unter diesem Titel hielt ich ein kurzes Impulsreferat am Ortstermin der Initiative SüdWest von Emergent Deutschland am letzten Samstag. In einer kurzen Serie von Einträgen möchte ich ein wenig über die Gedanken schreiben, die mir in diesem Zusammenhang wichtig sind.

Meine Begeisterung für relationale Ansätze, und die damit verbundene Präsenz derselben in meinem Reden, Denken und Schreiben, haben nichts damit zu tun, dass ich deren Wahrheit oder Überlegenheit beweisen möchte, sondern liegen vielmehr in der Wertschätzung der Möglichkeiten, die diese Perspektive eröffnet. In diesem Sinne möchte ich auch die folgenden Gedanken und den Titel verstanden wissen.

Zur Formulierung des Titels wurde ich durch eine Äusserung von Stanley J. Grenz in »The Social God and the relational Self« inspiriert. In einem Abschnitt über postmoderne Ansätze zum Umgang mit Individuum und Selbst, spricht er davon, dass in der postmodernen Philosophie der Rückgang der Bedeutung des Individuums, des autonomen Selbst, begrüßt wird (Grenz, 133ff). Diese Andeutung verleitete mich dazu von einer gemeinsamen Feier des Todes des autonomen Selbst zu sprechen. Was ich darunter verstehe möchte ich nun stückweise umschreiben.

Das Selbst als Knotenpunkt in einem sozialen Netz

In der so genannten Bibel postmodernen Denkens, dem Buch »Das postmoderne Wissen«, schreibt Jean-François Lyotard über das Ende der großen Erzählungen. Solcher Erzählungen die für sich in Anspruch nehmen, die Welt als Ganze zu erklären. Angesichts des Endes dieser Großen Erzählungen konstatiert er, dass damit jeder auf sich selbst zurückgeworfen ist. Manche haben diese Aussage für ein Loblied auf den Individualismus gehalten. Und auch ich ging zu manchen Zeiten davon aus, eine Aufgabe des Individuums darin zu sehen, sich selbst neu zu erfinden, die möglichst autonom bewerkstelligt werden sollte. Die Perspektive ändert sich jedoch schlagartig, wenn wir den folgenden Satz mitlesen:

»Jeder ist auf sich selbst zurückgeworfen. Und jeder weiß, daß dieses Selbst wenig ist.« (Lyotard, 54)

Das Selbst ist wenig. Es ist nicht so, dass jede und jeder nun autonom und aus freien Stücken die Aufgabe hätte sich selbst neu zu erfinden, und dazu in der Lage wäre. In den folgenden Ausführungen geht Lyotard darauf ein, dass das Selbst als eine Art Knotenpunkt im Netz der sozialen Verbindungen verstanden werden könne.

Er erläutert diese Gedanken im Bild der Sprachspiele. Beim Selbst handelt es sich um einen Knotenpunkt im Kommunikationskreislauf. Durch die Kommunikation in die das Selbst eingebunden ist, wird es ständig dazu herausgefordert eine neue Position einzunehmen, sich zu verändern. Dies ist eine Andeutung der Annahme einer beweglichen Identität, die in dynamischem Austausch mit dem jeweiligen Umfeld steht, und nicht mehr statisch wahrgenommen werden kann. Auf der anderen Seite ist es jedoch auch eine Betonung der sozialen, relationalen Komponente der Identität, also des Selbst. Das Individuum erfindet sich daher nicht ständig autonom neu, sondern befindet sich in der sozialen Dynamik, die eine ständige Neubestimmung mit sich bringt.

Mit der Andeutung des ersten Gedankens aus dem Impulsreferat möchte ich auch schon diesen Eintrag beenden. Für mich wird in diesem ersten Gedanken die gemeinsame Feier des Todes des autonomen Selbst in der Weise deutlich, dass eine relationale Sicht des Individuums, eine Sicht auf die sozialen Zusammenhänge eröffnet, in den sich das Selbst befindet. Verstanden als Knotenpunkt im Kommunikationsnetz wird sowohl die Dynamik der Identität angedeutet, als auch seine Verwobenheit in die Kommunikationsvorgänge des Umfeldes. Das Selbst wird demnach weder durch eine große Erzählung getragen, noch ist es eine Art biologische Grundlage, die das gesamte Leben unveränderlich ist.

In einem nächste Eintrag möchte ich kurz auf das Ideal des autonomen Selbst eingehen, und eine mögliche erweiternde Perspektive beschreiben.

Quellen:
Stanley J. Grenz, The Social God and the Relational Self (Louisville, London, Leiden: Westminster John Knox, 2001).
Jean-François Lyotard, Das postmoderne Wissen (Graz, Wien: Böhlau, 1986).

Kann Spuren von Gott enthalten // 01.02.10

Den Hinweis, dass ein gewisses Produkt Spuren von beispielsweise Nüssen enthalten kann, kennen wir alle. Er findet sich auf den Verpackungen von nahezu allem Essbaren, und richtet sich wohl an all diejenigen, die beispielsweise auf Nüsse nicht gerade positiv reagieren.

Im Treffen der Hausgemeinschaft gestern Abend, haben wir uns in föhlicher Leichtigkeit über die Losung unterhalten. Gestern handelte sowohl die Losung als auch der Lehrtext von der Schöpfung. In diesen Versen wurde die Annahme einer Schöpfung aus dem Nichts laut. Diese Annahme vermischten wir etwas mit panentheistischen Gedanken und kamen dabei auf einen Hinweis, der wie folgt lauten könnte:

Die Welt
Kann Spuren von Gott enthalten.

Wir haben dann darüber gewitzelt, ob dieser Hinweis sich nun stärker an Atheisten oder Agnostiker richtet, vielleicht aber, richtet er sich an alle. Die Welt, das Leben (und damit alle Lebewesen) und unser Umfeld kann Spuren von Gott enthalten.

Mit diesem Hinweis grüße ich zum Wochen- und Monatsbeginn, und lade ein, die Möglichkeit auf Spuren Gottes zu stossen, zu begrüßen.

Schuldenerlass als Chance // 19.01.10

Zeltstadt in Haiti / Creative Commone: United Nations Developement Programme
Bild einer Zeltstadt in Haiti. Photo: United Nations Developement Programme (CC)

Momentan wird viel über Haiti geschrieben und gesprochen. Die katastrophalen Auswirkungen des Erdbebens machen mich sprachlos, sehr traurig und irgendwie hilflos wütend, da es in Haiti wieder einmal sehr arme und auch ausgegrenzte Menschen waren, die von der Naturkatastrophe getroffen wurden. Eine ganze Weile lang habe ich nichts dazu geschrieben, und auch recht wenig zu dieser Naturkatastrophe gesagt. Mein Mitgefühl gilt allen Betroffenen.

Meiner Ansicht nach ist es wichtig durch Spenden die Hilfe für die Betroffenen zu unterstützen. Neben dem Spenden, das viele als einzige Möglichkeit sehen, in der wir helfen können, möchte ich jedoch weder das Gebet für die Betroffenen ausklammern, noch die Frage nach strukturellen Gegebenheiten, die Grundlage der Armut in Haiti zu sein scheinen.

In der ZEIT wird Haiti als gescheiterter Staat bezeichnet. Der Titel legt nahe, dass Haiti niemals demokratische Wurzeln besaß, und unterstützt auf diese Weise die unterschwellige Annahme vieler, dass die Haitianer irgendwie selbst an ihrer Armut schuld sind. Auch wenn ich diese Annahme so nicht teile, halte ich den Artikel für Lesenswert, da er uns zumindest etwas die Augen dafür öffnet wie es den Bewohnern des Landes geht.

Meine Andeutung, dass ich die Annahme nicht teile, Haiti habe keine demokratischen Wurzeln, wird durch eine Rezension genährt, die Zizek zum Buch »Damming the Flood: Haiti, Aristide and the Politics of Containment« von Peter Hallward geschrieben hat. Diese Rezension ist unter dem Titel »Democracy versus the people« im NewStatesman erschienen. In diesem (umstrittenen) Buch schreibt Hallward über die geschichtlichen Entwicklungen Haitis. Seine Ausführungen beginnt er mit der eindrücklichen Revolution gegen den Sklavenhandel, und der daraus resultierenden Unabhängigkeit Haitis von Frankreich 1804. Nach Ansicht Hallwards trug in der Folgezeit der Westen dazu bei Haiti schwach zu halten, um die revolutionären Kräfte auch in anderen Ländern zu unterdrücken. In Haiti kam es immer wieder zu massiven Ausschreitungen und tiefen Spaltungen innerhalb der Bevölkerung. Und ja, der Staat gilt als gescheiterter Staat. Vielleicht hilft uns jedoch eine Beschäftigung mit der Geschichte Haitis, bspw. die militärische Intervention 2004, die schließlich Aristide ins Exil führte. Dieser hatte zuvor eine Resolution auf den Weg gebracht, in der er Frankreich aufforderte Reparationen zu bezahlen. Interessanterweise wurde diese Resolution von der Nachfolgeregierung als erste Amtshandlung gekippt. Ich weiß es handelt sich hierbei um umstrittene Ansichten, und es gibt weitere Aspekte der Geschichte, die zu bedenken sind. Mir erscheint es jedoch wichtig, neben den Forderungen um Spenden, auch konkret über eine Verbesserung der Gesamtsituation Haitis nachzudenken und dementsprechend zu handeln.

In den Nachrichten wurde heute gesagt, dass der Pariser Club einen Schuldenerlass für Haiti fordert. Eine dazu passende Petition findet sich bei ONE. Bitte zeichne diese Petition mit! Meiner Ansicht nach wäre ein Schuldenerlass ein erster Schritt in die Richtung Haiti eine Chance zu geben. Neben der Beruhigung des Landes durch Blauhelme, müsste meiner Ansicht nach dann weiteres Engagement zur Selbsthilfe der Haitianer geleistet werden. Dieses Engagement sähe im Idealfall so aus, dass wir nicht erwarten Haiti würde eine „westlich kapitalistische Demokratie“, sondern in der Unterstützung der demokratischen Kräfte Haitis, so dass das Land eine Zukunft hat.

Wahrheit im Dialog // 09.01.10

Als ich vor gut zwei Wochen die Frage »Wozu Weltethos?« las, dachte ich, es gibt nur eine Person, von der ich mir Antworten darauf wünsche, Hans Küng. Diese Frage in einer Tübinger Buchhandlung zu lesen, war mein Vorteil, denn dadurch konnte ich die Antworten (in Buchform) direkt mit nach Hause nehmen. Nun lese ich ab und an in dem Buch, und finde dieses in bestem Sinne anregend. Wie der Titel des Eintrages schon verrät, greife ich nun einige Aspekte aus einer Antwort Küngs auf, in der er über Wahrheit und Dialog spricht.

Seiner Ansicht nach kann keine Religion oder Weltanschauung behaupten, alleine die Wahrheit zu haben. Es ist jedoch genauso unmöglich, der Wahrheitsfrage keine Bedeutung mehr einzuräumen, und davon auszugehen, »dass die Wahrheit irgendwie verteilt ist, dass es also völlig indifferent ist, wie ich mich dazu verhalte« (24). Nach diesen grundlegenden Aussagen stellt er seinen Ansatz vor, der von drei Dimensionen ausgeht:

1. Die persönliche Perspektive
Die erste Dimension ist geprägt von der persönlichen Perspektive jedes Dialogteilnehmers. Jeder hat für sich eine „Wahrheit“ gefunden, eine Antwort auf die Sinnfrage. Für Küng findet sich diese Antwort im christlichen Glauben und in Jesus Christus, den er in Anlehnung an das Johannes-Evangelium (Joh 14) als den Weg, die Wahrheit und das Leben bezeichnet.

2. Die Perspektive jeder Religion
Die zweite Dimension besteht aus der Anerkennung der Perspektive der Religionen und Weltanschauungen. Jede Religion hält ihre „Wahrheit“, also ihre Antwort auf die Sinnfrage, für richtig und wichtig. Diese Antworten beziehen sich jedoch nie ausschließlich auf ein bestimmte Theorie, sondern haben Auswirkungen auf die Lebensgestaltung. »Es geht ja nicht nur um wahre Erkenntnis, sondern auch um richtiges Handeln. Es geht nicht nur um Doktrinen, sondern auch um Ethos.« (25)

Auf die Frage wie diese beiden ersten Dimensionen zusammengebracht werden können antwortet er folgendermaßen:

»Zunächst einmal ist Respekt die wichtigste Grundtugend. Ich muss respektieren, dass der andere anders ist. Dazu muss Verständnis kommen. Ich muss versuchen, den anderen besser zu verstehen. Wie auch der andere, wenn ich versuche, ihn besser zu verstehen, mich besser versteht. So werden wir mit der Zeit viele Gemeinsamkeiten feststellen.« (25)

Es ist, in den Augen Küngs, demnach möglich, von seiner eigenen Position überzeugt zu sein, und dennoch offen für die Weltanschauung und die Kritik des anderen zu sein.

3. Stückweise Erkenntnis
In der dritten Dimension steht die Annahme unvollkommener und stückweiser Erkenntnis im Zentrum:

»Wir können hier und heute nicht darüber befinden, wo letztlich die Wahrheit liegt. Wir befinden uns alle auf dem Weg. [...] Wir gehen der Vollendung erst entgegen, und die Wahrheit, wie sie wirklich ist, wird erst am Ende offenbar werden. Uns eröffnet sich sozusagen nur ein kleiner Spalt.« (26)

Diese Annahme ernst zu nehmen, bewahrt sowohl vor der Annahme selbst schon alles begriffen zu haben, die Wahrheit also zu besitzen, als auch vor der Verachtung des Gegenübers, dessen Sichtweise aus den eigenen Augen „defizitär“ erscheint. Den Begriff „defizitär“ verwendet Küng als Seitenhieb auf das offizielle Lehrdokument »Dominus Jesus« der römisch-katholischen Kirche. »Defizitär sind wir alle – bis wir so erkennen, wie wir selbst von Gott erkannt sind…« (27).

Dialog als kontinuierlicher Prozess
Küng lebt den Dialog in diesen drei Dimensionen. Er versteht diese Art des Dialogs als kontinuierlichen Prozess, in dem sich Vertiefung ereignet, und sieht in ihm eine Möglichkeit große Fortschritte in der Verständigung zu erleben.

Frohe Weihnachten! // 24.12.09

Frohe Weihnachten!

Ich wünsch euch, ihr Leserinnen und Leser meines Blogs, frohe Weihnachten. Vielen Dank, dass ihr hier lest und euch einbringt. Ich freue mich sehr auf diese Weise mit euch verbunden zu sein und eine Menge Gedankenanstösse durch eure Kommentare zu bekommen.

An diesem Weihnachten möchte ich darauf achten in den Augen meiner Mitmenschen die Spuren Gottes wahrzunehmen. Er kam auf diese Welt, daran denken manche von uns in diesen Tagen. Dieses Kommen Gottes hat für mich auch darum eine wichtige Bedeutung, da es zutiefst die Hinwendung Gottes an seine Schöpfung und uns Menschen zeigt. Er lädt uns ein in seine Gemeinschaft zu kommen und gemeinsam mit ihm hier und jetzt zu leben. Und irgendwie, auf geheimnisvolle Weise ist er auch hier. Einige weise Denker sprechen davon, dass wir in der Begegnung untereinander dieser geheimnisvollen Gemeinschaft begegnen. Und genau darauf möchte ich achten und lade euch ein dies auch zu tun.

In diesem Sinne wünsche ich euch schöne Festtage und gute Begegnungen.

Weihnachten // 24.12.09

Es ist wieder soweit, Weihnachtszeit. Und wie in jedem Jahr, so stelle ich auch dieses Jahr fest, dass ich ein gespaltenes Verhältnis zu diesem Fest habe. Auf der einen Seite handelt es sich bei Weihnachten ja um eines der wichtigen Feste der Christenheit. Wir gedenken der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus – die auch in meiner Theologie eine sehr wichtige Rolle spielt. Auf der anderen Seite stört mich der ganze Kitsch, die Krippen, Geschenke, der Rummel – gleichzeitig aber auch all diejenigen die immer nach dem tiefen Sinn der Festtage fragen und gerne ein puristisches Gedenkfest begehen würden. In all die wirren Gefühle, die sich, dank des Alltags der in der Adventszeit selten langsamer wird, im Hintergrund aufhalten, wecken meine Kinder auch diese Faszination »Weihnacht« in mir. Jeden Morgen gespannt zu sein was sich im Adventskalender finden wird, und es kaum erwarten zu können bis endlich Weihnachten ist, ein Weihnachtsbaum im Wohnzimmer steht und die Geschenke darunter bereit liegen. Und so sitze ich nun am Abend vor dem 24. hier und denke nach und tippe diese spontanen Gedanken hier in mein Blog.

Ja, Weihnachten ist eine kommerzielle Veranstaltung. Mit Damien Rice’ »We’ll call it Christmas when the adverts begin« könnten wir den Anfang der Saison an den ersten Weihnachtsmännern Ende August erahnen. Das Anbrechen der letzten Stunden bis zum Fest, machen wir dann an den Angeboten »wir liefern garantiert bis Weihnachten« fest. Ich finde – mittlerweile – das Schenken nicht mehr schlimm, sicher habe ich manche Vorbehalte, aber hier haben mir die Kinder das Staunen gelehrt, über schöne Geschenke freut sich wohl jeder.

Viel schlimmer finde ich die Krippen überall. Diese Romantisierung der Geburt. Als wäre Jesus in irgendeinem Stall auf die Welt gekommen. Ist es nicht viel wahrscheinlicher dass Maria und Joseph nicht von Herberge zu Herberge tingelten, in denen keine Zimmer frei waren. Wie viele Herbergen oder Hotels soll es damals in einem Dorf denn gegeben haben? Und hatten sie überhaupt danach gesucht? Dank der Volkszählung waren sie ja zu ihrer Verwandtschaft unterwegs. Wenn Zimmer belegt waren, dann waren es eher die Gästezimmer, die guten Stuben der Verwandten, in denen schon andere Familien übergangsweise wohnten. Schließlich kamen Maria und Jospeh in der Wohnung eines Verwandten unter. In der Wohnung, nicht im Stall. Natürlich wohnten hier auch die Tiere, deswegen gab es eine Futterstelle. In Ermangelung eines Babybettchens wurde Jesus vielleicht in eine solche Futterstelle für die Tiere gelegt. Achso, und dieser Jesus über den ich hier schreibe war sicher weder Westeuropäer noch Amerikaner, er hatte wohl auch keine blonden Locken – und so schlimm es klingen mag – auch keinen Heiligenschein. Sicher, er war ein süßes Baby, wie jedes Baby auf seine Weise süß ist, aber er hat wohl auch geschrien, die Windeln gefüllt, und musste sich an dieses Menschenleben gewöhnen, wie jeder das am Anfang seines Lebens tut. Deswegen meine Bitte, rangiert die Krippen aus. Und das »Christkind« gleich mit. Verwendet das Stroh für die Osternester und überlegt wie es denkbar wäre, dass dieser Jesus in einer – für damalige Zeit – normalen Wohnung auf die Welt kam. Einer Hausgeburt in der Wohnung von Verwandten wird das wohl am ähnlichsten gesehen haben. Als Wohnküchen noch üblich waren, hätte man sich Jesus auf einem Kissen im Spülbecken vorstellen können, dies würde den selben Zweck erfüllen wie eine Krippe damals. Wo würden wir ihn heute hinlegen? Vielleicht auf ein Sofa, umgeben von einer Decke, so dass er nicht auf den Boden fällt?

Und so ist Weihnachten, und zwar genauso, wie es tatsächlich als Familienfest gefeiert wird, eventuell recht nah an der Situation in der Maria und Joseph damals waren. Viele in meinem Umfeld reisen über Weihnachten zu ihren Eltern und Verwandten, wie Maria und Joseph. Man trifft sich, hat sich einiges zu erzählen, freut sich aneinander, entdeckt die alten Macken wieder und umschifft die ein oder andere Spannung mehr oder weniger erfolgreich. Und hat auch einiges zu erledigen. Familie eben. Begegnungen finden statt. Normale Menschen sitzen um Tische, unterhalten sich, spielen miteinander, essen. Und ja, da war noch etwas. Die Geschenke. Einige wollen anderen eine Freude machen, haben etwas besorgt, gebastelt. Weihnachten, die ganz normalen menschlichen Festtage mit gutem Essen liegen vor uns. Und vielleicht ist dieses weltliche Weihnachtsfest, ein Fest der Begegnung, in all dem Trubel und ohne den religiösen Kitsch, eine gute Gelegenheit zwischendurch an die Geburt dieses einen Menschen zu denken. Und dann, dann wenden wir uns wieder unseren Familien, Verwandten und Freunden zu und feiern.

FROH! Die Winterausgabe // 23.12.09

Cover der FROH! StillDie Winterausgabe der FROH! mit dem Titel »Still« kam schon vor einer ganzen Weile bei mir an. Bereits beim ersten durchsehen war ich wieder sehr angetan vom Satz der Zeitschrift, der Liebe zum Detail und der Schlichtheit ihrer Gestaltung. Da ich nicht ohne zu lesen etwas schreiben wollte musste dieser Eintrag bis heute warten, aber das Warten hat sich gelohnt.

Im Editorial bringen die Herausgeber die Wirkung des Magazins meiner Ansicht nach sehr gut auf den Punkt, weshalb ich einen Absatz daraus zitieren möchte:

Eigentlich kann man ein Magazin nur lesen und betrachten. Man kann darin blättern und sich daran satt sehen. Aber wenn man ganz leise ist, und sein Ohr auf das Papier legt, hört man Stimmen, die Geschichten erzählen, und Orte, die in der Ferne rauschen. Man hört den Nachhall eines Satzes, der die Weißräume zum Schwingen bringt, und das leise Tropfen von Erinnerungen, die noch nicht ganz getrocknet sind.

Unsere Winterausgabe ist ein sehr stilles Heft geworden, eines für das der Leser selbst still werden muss, um nichts zu überhören. Im Arbeitsprozess haben wir alle Regler auf null gedreht: Wir haben über weite Strecken auf Farben verzichtet und dem Heft zusätzliche 16 Seiten spendiert. Um mehr Platz für leere Räume zu haben.

Die Aufforderung still zu werden, die hier im Editorial formuliert wurde ist meiner Ansicht nach jedoch nichts, dass die Leserin oder der Leser vor Beginn der Lektüre tun muss. Durch die Weißräume, das besondere Papier und die sorgfältig geschriebenen und Ausgewählten Artikel stellt sich die Stille, zumindest in meinem Fall, von alleine ein. Letzten Samstag saß ich nach einem langen Arbeitstag im Zug. Neben mir ein Kaffee und in den Händen die FROH! Ich freute mich an dem Papier, dem Druck und der Gestaltung. Mit jedem Artikel den ich las kehrte etwas mehr Stille ein. In diesem Sinne war die stille FROH! das Beste was mir auf meinem Nachhauseweg passieren konnte.

Auch dieses Mal möchte ich etwas davon erwähnen was mir an diesem Magazin besonders gefallen hat. Die ersten Seiten, von denen ich eine auch hier fotografiert habe, eröffnen die Ausgabe perfekt. Das Zweite was mir aufgefallen ist, sind die Portraits der Personen die zu Beginn des Heftes vorgestellt werden. Diese schlichten Portraits haben meiner Ansicht nach eine sehr starke Aussagekraft, vielleicht gerade durch die Reduktion der Farben und der weichen Linien. Und dann möchte ich noch die Bilder von Donata Wenders erwähnen. Mit extra Weißraum und gekonnt angeordnet entfalten sie ihre ganze Wirkung. Mir gefällt auch wie Donata ihre Art zu fotografieren mit einem Dialog vergleicht und dass ihre Bilder eine Atmosphäre der Vertrautheit ausstrahlen.

Bevor ich euch den Kauf des Magazins empfehlen werde, möchte ich nach dem Klick noch auf das Schweigefuchs-Origami hinweisen.

weiterlesen…