Archiv für Februar, 2006

Mann wird aElter

Sonntag, 26. Februar 2006

An einem Sonntagnachmittag wie diesem sitzt ein kränklicher Vater mit seinem kranken Sohn auf dem Sofa. Der Sohn ist eingeschlafen und ruht friedlich auf den Armen seines Vaters, dieser liest ein Magazin mit dem Namen Eltern und denkt: Mann wird aElter.

Interessante Sachen stehen in dem Magazin. Ein Zitat, an das ich mich später mal erinnern muss:

ANSTRENGEND

Eine durchschnittliche Treppenstufe reicht einem Zweijährigen bis knapp unters Knie.

Umgerechnet auf Erwachsenenmaße heißt das: Der erste Schritt geht auf den Stuhl, von dort steigen Sie auf den Tisch, dann auf den Kühlschrank. Vom Kühlschrank machen sie einen großen Schritt auf das Mittelbrett des Bücherregals. Sie erklimmen die Kommode und klettern dann auf den Kleiderschrank. Jetzt dürfen Sie sich ausruhen, Sie haben den ersten Treppenabsatz erreicht.

Ein Ausflug in den vierten Stock entspricht einer mittleren Bergtour. Zum Glück sind Sie nicht allein. Sie haben einen Begleiter, der Sie liebevoll motiviert: “Komm, Schatz, nicht trödeln.”

Informationsabend der Werkstatt für Gemeindeaufbau

Mittwoch, 22. Februar 2006

Morgen [Donnerstag 23.02.06] Abend [20 Uhr] wird in Karlsruhe bei Treffpunkt Leben ein Informationsabend der Werkstatt für Gemeindeaufbau stattfinden.

Falls Karlsruhe in Deiner Nähe liegt, Du Interesse an einer theologischen Ausbildung [von nebenberuflichen Seminaren bis zu einem akademischen Studium] hast, wäre es cool Dich dort zu sehen.

Gottesbild

Dienstag, 21. Februar 2006

Wie bereits geschrieben setze ich mich gerade mit den Gemeinsamkeiten und Unterschieden des Judentums und des Christentums auseinander. Dazu lese ich gerade ein Buch von Martin Buber, durch das er mich hin und wieder sehr herausfordert [dazu schreibe ich wohl auch noch mal mehr]. Auf der anderen Seite finde ich auch eine Menge Gedanken, die uns in dem Prozess helfen unseren Glauben “neu zu denken”.

Einen Gedanken zu diesem Prozess im Bezug auf manche sehr/zu enge Bilder von Gott findet sich in folgender Aussage:

»Gewiß, dieser israelitische Mensch erkennt seinen Gott in allen Mächten und Geheimnissen wieder, aber nicht als Gegenstand unter Gegenständen, sondern als das ausschließliche Du des Gebets und der Devotion.

Auch wenn Israel bekennt (Dt 6,4), JHWH sei sein Gott, JHWH der Eine, meint es damit nicht, daß es nicht mehr als einen Gott gibt, das braucht man ja gar nicht zu bekennen, sondern daß »sein« Gott der Eine ist, zu dem es sich in so ausschließlich-unmittelbarer Emuna, solcher Liebe des ganzen Herzens, des ganzen Lebensgeistes und der ganzen Wesensmacht (V. 5) verhält, wie man sich eben nur zum Bildlosen, das heißt auf keine Erscheinungsform Eingeschränkten, verhalten kann. In der Schrift wird dies »ganz mit Gott sein« genannt.

Diese Glaubens- und Lebenswirklichkeit ist es, der der Christ – nicht bekenntnismäßig, aber faktisch – entgegentritt, indem er in seiner eigenen Glaubens- und Lebenswirklichkeit Gott ein bestimmtes Gesicht, jenes Menschengesicht, wohl nicht verleiht, aber zuteilt als das Gesicht des »großen Gottheilands« (Tit 2,13), des »anderen Gottes« (Justin), des leidenden Gottes (Tatian), des Gottes, der seine Gemeinde »durch sein eigenes Blut sich erworben hat« (Ag 20,28).

Zugleich bildlos und bildhaft ist der Gott des Christen, jedoch bildlos mehr in der religiösen Idee, bildhaft mehr in der gelebten Gegenwart. Das Bild versteckt den Bildlosen.«

[Martin Buber, Zwei Glaubensweisen [Zürich: Manesse, 1950], 134f.]

Ist es für Dich vorstellbar, dass manche zu enge Gottesbilder aus dieser, von Buber beschriebenen, Festlegung Gottes auf ein Bild stammen könnten?

Schwarzer Mössinger

Freitag, 17. Februar 2006

Ist der Name eines Tees, den ich Dank guter Verbindungen in die alte Heimat gerade genießen kann. Dabei handelt es sich um eine besondere Mischung Schwarztee aus der Stadt aus der ich komme…

Gut, wie alles aus Mössingen. Auch als “Grüner”- und “Roter” Mössinger erhältlich und alle Sorten sind völlig unpolitisch. Zutaten: schwarzer Tee, Rosinen, Papayastückchen, Aroma, Korn- und Rosenblüten.

Ein wahrer Genuss eines schwarzen Tees, der durch die fruchtigen Zugaben meine Geschmacksnerven erfreut.

Mehr Infos zum Tee und dem Laden findest du hier.

Das Placement von StreetArt

Donnerstag, 16. Februar 2006



bike

Originally uploaded by 0190REN.

Meine “heimliche” Leidenschaft für StreetArt bringt mich immer wieder dazu, darüber nachzudenken, wie diese Straßenkunst am Besten dazu dient unsere Städte zu verschönern.

Dabei komme ich immer mehr von dem so genannten “taggen” ab dessen Wert vor allem darin besteht an vielen Orten zu sehen zu sein – und ähnlich einem Hund ein Revier abzustecken.

Dagegen genieße ich Aufkleber, die sich in ihr Umfeld einfinden und auf mehr oder weniger dezente Art zur Verschönerung beitragen. Neben meinem Lieblingsmotiv ist auch dieser Vogel von 0190 REN ein Beitrag zu einer schönen Stadt.

[Solltest du auf den Link Lieblingsmotiv geklickt haben, hast du dieses wunderschöne Rehkitz gesehen, welches, ich sehe in unregelmäßigen Abständen nach, immer noch hinter diesem Schild im Wald vorblickt.]

Dialog zwischen Juden und Christen

Donnerstag, 16. Februar 2006

Unter der Fragestellung des Dialogs zwischen Juden und Christen setze ich mich im Moment mit dem Leben und Wirken Martin Bubers auseinander. Neben all der anderen Aussagen Bubers, die ich in den letzten Tagen hier gepostet habe, möchte ich nun etwas zu seiner Sicht des Unterschieds und des Dialogs zwischen Juden und Christen schreiben:

»Da ist der Jude für den Christen unverständlich als der Verstockte, der nicht sehen will, was sich begeben hat,

unverständlich der Christ dem Juden als der Verwegene, der in der unerlösten Welt ihre volzogne Erlösung behauptet.

Eine Verständigung ist nach Buber dann möglich, wenn beide Seiten bereit sind, jeweils des anderen “Realverhältnis zur Wahrheit anzuerkennen”, wenn es “uns, Christen und Juden, wirklich um Gott selber und nicht bloß um unsre Gottesbilder zu tun ist.«

[Hans Christian Kirsch, Martin Buber: Biographie eines deutschen Juden [Freiburg: Herder, 2001], 181 – darin sind Ausschnitte aus dem Buch: Der Jude und sein Judentum von Martin Buber enthalten.]

Der Hauptunterschied zwischen Juden und Christen stammt nach Buber aus dem unterschiedlichen Verständnis des Lebens und Wirkens von Jesus. Das ist sicher nichts neues für uns, fasziniert hat mich dabei die Art und Weise in der Buber über Jesus redet – so kann er ihn als seinen großen Bruder bezeichnen und tut dies mit großer Achtung.

Er geht jedoch davon aus, dass Jesus sich nicht als göttlich verstanden habe und dieses Verständnis erst durch die Apostel kam. So wie Buber Jesus sieht, kann er begeistert davon sprechen wie Jesus nachzufolgen. Dabei geht es ihm jedoch um etwas sehr anderes als darum ihm selbst nachzufolgen.

Über sein Verständnis von Jesus schreibt er weiter:

»Ich glaube fest daran, daß die jüdische Gemeinde im Zug ihrer Wiedergeburt Jesus rezipieren wird; und zwar nicht bloß als eine große Figur ihrer Religionsgeschichte, sondern auch im lebendigen Zusammenhange eines sich über die Jahrtausende erstreckenden messianischen Geschehens, das in der Erlösung Israels und der Welt münden wird.

Aber ich glaube ebensofest daran, daß wir Jesus nie als gekommenen Messias anerkennen werden, weil dies dem innersten Sinn unserer messianischen Leidenschaft, [...] widersprechen würde [...]«

[Kirsch, 182f.]

DJing Gospel and Culture

Mittwoch, 15. Februar 2006

Steve Taylor weist heute in einem Eintrag auf seinem Blog auf den Gedanken die Kultur und das Evangelium zu remixen hin. Er schreibt weiter davon, dass er auf einer Konferenz darüber gesprochen hat und dabei eine weiterentwicklung des Gedankens aus seinem Buch entstanden ist:

The theme was gospel and culture and they asked me to exploration the interaction between global and local. It was a chance to earth the DJ image in terms of ministry and young people and globalisation. It is a more “well-cooked” version of Postcard 8, including a social justice reflection. It’s now a chapter in a book; titled “Culture – Yeah Right.”

Dazu gibt es dann noch ein Interview mit ihm als Quicktime-Filmchen: hier

Die Chassidim und Inkarnation

Dienstag, 14. Februar 2006

Der Limitiertheit des Titels dieses Eintrages bin ich mir sehr bewusst, da es sich bei den Chassidim um eine jüdische Glaubensrichtung handelt und Inkarnation zutiefst mit dem Gedanken der Menschwerdung Gottes in Jesus verbunden ist. Dennoch erscheint mir in einigen Punkten eine Ähnlichkeit der »Weltsicht« und damit verbunden der Art den Glauben zu leben vorhanden zu sein.

Kirsch geht davon aus, dass Buber im Chassidismus eine Glaubenshaltung gefunden hat, die seiner Lebensauffassung entsprach, da sie den beständigen intimen Dialog zwischen Mensch und Gott und eine alltägliche Verbindung zwischen Natürlichem und Göttlichem betont. Genau in diesen beiden Punkten sehe ich auch eine Nähe zu manchen Gedanken die wir im Bezug auf eine inkarnatorische Spiritualität [dazu könnte man auch die beiden Kapitel zu inkarnatorischer Ekklesiologie und messianischer Spiritualität bei Frost und Hirsch lesen] betonen. Um die Nähe der Gedankenwelten etwas deutlicher zu machen und das Prinzip Bubers ernst zu nehmen, möchte ich ihn einfach durch ein paar Zitate reden lassen:

“Sie [die Lehre des Chassidismus] läßt sich in einem Satz zusammenfassen: Gott ist in jedem Ding zu schauen und durch jede reine Tat zu erreichen.

Diese Einsicht ist aber keineswegs , wie man vermeint hat, der pantheistischen Weltanschauung gleichzusetzen. Für die chassidische Lehre ist die ganze Welt nur ein Wort aus Gottes Mund; und dennoch ist das geringste Ding in der Welt würdig, daß Gott sich aus ihm dem Menschen, der ihn wahrhaft sucht, offenbare; denn kein Ding kann ohne einen göttlichen Funken bestehen, und diesen Funken kann jeder zu jeder Zeit und durch jede, auch die gewöhnlichste Handlung entdecken und erlösen, wenn er sie nur in Reinheit, ganz auf Gott gerichtet und gesammelt, vollbringt.

Darum gilt es nicht, in einzelnen Stunden nur und mit bestimmten Worten und Gebärden Gott zu dienen, sondern mit dem ganzen Leben, mit dem ganzen Alltag, mit der ganzen Weltlichkeit. Nicht darin besteht das Heil des Menschen, daß er sich vom weltlichen fernhalte, sondern daß er es heilige, es dem göttlichen Sinn weihe: seine Arbeit und seine Speise, seine Ruhe und seine Wanderschaft, den Aufbau der Familie und den Aufbau der Gesellschaft.”

[Buber, Mein Weg zum Chassidismus, in Werke III, 962 - zitiert nach Kirsch, 64]

“In der chassidischen Botschaft ist die Trennung von ‚Leben in Gott‘ und ‚Leben in der Welt‘, das Urübel aller ‚Religion‘ in echter, konkreter Einheit überwunden. [...] Empfangend und handelnd weltverbunden steht der Mensch, vielmehr nicht ‚der‘, sondern diese bestimmte Mensch, du, ich, unmittelbar vor Gott [...] Nur aus der Erlösung des Alltags wächst der All-Tag der Erlösung.”

[Buber, Die chassidische Botschaft, in Werke III, 748 und 754 - zitiert nach Kirsch, 64]

»Der Chassidismus ist nach Buber Ethos gewordene Kabbala. Er schwächt nicht jenen Kernsatz jüdischen Glaubens, die Hoffnung auf das Kommen des Messias, ab, sondern er erhellte den Blick seiner einfachen wie auch seiner intellektuellen Anhänger für die Freude über die Welt, so wie sie ist. Chassidismus weist auf die Widerspiegelung, den Funken des Göttlichen in allen Wesen und Dingen, hin und lehrt, darauf im Alltag zu achten.«

[Kirsch, 68]

Immer wieder ist darauf hinzuweisen, daß der Chassidismus nicht so sehr eine Lehre, sondern eine auf den Glauben bezogene und von ihm durchdrungene Lebensart ist.

[Kirsch, 68f]

Spießer

Montag, 13. Februar 2006

ZEIT Online hat wieder einmal ein cooles Projekt gestartet: Das Projekt Spießer. Darüber steht auf der ZEIT-Seite folgendes:

ZEIT online widmet sich einem urdeutschen Phänomen: dem Spießer. Und findet ihn überall. Über drei Wochen nähern wir uns dieser gesellschaftlichen Gestalt in Texten und Filmen, die spießige Lebenswelten entdecken, enttarnen, entdämoniseren.

Und was charakterisiert Deiner Meinung nach einen Spießer? Oder besser gesagt, was sind spießige Charakterzüge?

Inkarnation – Remixing

Montag, 13. Februar 2006

Denke schon seit einiger Zeit darüber nach eine kleine Serie von Einträgen zu Inkarnation zu schreiben. Bisher bin ich dann aber immer wieder davor zurückgeschreckt dieses schöne und komplexe Thema ungenau darzustellen… im Moment denke ich, dass ich einfach mal etwas in den Raum werfe und dann irgendwann mit weiteren Einträgen weitermache. Von daher ist das nur einer von mehreren Einträgen, der wie alle natürlich nicht »allumfassend« ist.

Halte heute morgen wieder mal dieses wunderbare Buch in meinen Händen und stolpere darin über zwei sehr coole Aussagen:

»the emerging church is putting culture on one turntable and the gospel on the other«
[aus dem Klappentext]

The world we live in is invicting us to find fresh ways of thinking about the relationship between gospel and culture. Jesus, the Word became flesh, lived and loved in the midst of his culture. He routinely used the common, the familiar, the cultural to help the gospel connect with those who listened to him. He attended weddings and feasts and festivals and made his presence known in his community.

Our contemporary mission, then, is to see Jesus fleshed out in the postmodern neighborhood. The Incarnation of God calls us to sample from God’s world. This is the mission reflection that must haunt the emerging church.

[Steve Taylor, The Out of Bounds Church? Learning to Create a Community of Faith in a Culture of Change, 138]

Danke an jeden von euch, die mich immer wieder an dieses DJ-ing erinnern und mich davor bewahren in meine eigene Theologen-welt abzudriften…