Emergentes Gedankengut

In den letzten Wochen habe ich immer wieder an einem Blog gebastelt, der nun in der Beta-Version [wie das so schön heißt] online geht: Emergentes Gedankengut.

Am Besten ich zitier erst mal:

Ein Blog der Werkstatt für Gemeindeaufbau. Hier werden, wie der Titel bereits sagt, Artikel zu emergenten Gedanken veröffentlicht. Dieses Blog möchte eine Plattform sein, auf der ein Austausch zu Emerging Church und Emerging Culture stattfinden kann. Dieser Austausch wird sowohl die so genannte Theorie, als auch die praktische Seite beinhalten.

Auf diese Weise kann das Blog zu einer guten Diskussion beitragen, uns inspirieren, und zwar durch grundsätzliche Gedanken und Beispiele aus der Praxis. Neben der Diskussion entsteht dann noch eine Materialsammlung von konkreten Dingen aus der Praxis und wissenschaftlichen Arbeiten.

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Weitere Gedanken zu einem kollektiven Ansatz

Bereits in dem letzten Beitrag zu diesem Thema wurde deutlich wie wichtig unser Verständnis von Beziehung in diesem Zusammenhang ist. Es geht bei einem solchen Ansatz meiner Ansicht nach weder um das aufgehen des Einzelnen im großen Ganzen [und damit einer Auflösung seiner selbst], genausowenig kann es meiner Ansicht nach um eine Aneinanderreihung einzelner Individuen gehen. Aus diesem Grund ist der Begriff »kollektiver Ansatz« in sich schwierig, so verstehe ich zumindest die Anfrage von Tobias zum vorigen Eintrag zu diesem Thema.

Bei Buber habe ich mal wieder einen Gedanken gefunden, der mich in den Überlegungen weiterbringt:

»Die Kollektivität ist nicht Verbindung, sie ist Bündelung: zusammengepackt Individuum neben Individuum, gemeinsam ausgerüstet, gemeinsam ausgerichtet, von Mensch zu Mensch nur so viel Leben, daß es den Marschtritt befeure.

Gemeinschaft aber, werdende Gemeinschaft (nur die kennen wir bislang) ist das Nichtmehr-nebeneinander-, sondern Beieinandersein einer Vielheit von Personen, die, ob sie auch mitsammen sich auf ein Ziel zu bewege, überall ein Aufeinanderzu, ein dynamisches Gegenüber, ein Fluten von Ich zu Du erfährt: Gemeinschaft ist wo Gemeinschaft geschieht.

Die Kollektivität gründet sich auf einem organisierten Schwund der Personhaftigkeit,

die Gemeinschaft auf ihrer Steigerung und Bestätigung im Zueinander.«

[Zitiert ebenfalls aus Martin Buber, Das dialogische Prinzip, 185 | Zwiesprache]

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Gott als Person

Wie Storch so schön sagte ist Buber eine tiefe Quelle der Weisheit, aus diesem Grund wird es hier wohl auch in den nächsten Wochen noch das ein oder andere Zitat von ihm geben:

»Die Bezeichnung Gottes als einer Person ist unentbehrlich für jeden, der wie ich mit »Gott« kein Prinzip meint, wiewohl Mystiker wie Eckhardt zuweilen »das Sein« mit ihm gleichsetzten, und der wie ich mit »Gott« keine Idee meint, wiewohl Philosophen wie Plato ihn zeitweilig für einen solchen halten konnten; der vielmehr wie ich mit »Gott« den meint, der – was immer er sonst noch sei – in schaffenden, offenbarenden, erlösenden Akten zu uns Menschen in eine unmittelbare Beziehung tritt und uns damit ermöglicht, zu ihm in eine unmittelbare Beziehung zu treten.«

[Martin Buber, Das dialogische Prinzip, 9. Auflage [Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus, 2002], 134. | Ich und Du]

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Karikaturen die Zweite

Auf Zeit.de habe ich gerade ein bisschen weiter über die Ereignisse im Zusammenhang mit den Karikaturen gelesen. Dabei sind mir ein paar interessante Gedanken aufgefallen, die ich hier als eine Art »Presseschau« posten möchte.

Die ersten beiden Gedanken stammen aus dem Kommentar: Es darf gelacht werden.

Zu dem Gedanken des Zusammenstosses der Kulturen schreibt Gero van Randow [aus westlicher Sicht]:

Diese drei Motive –Missachtung der Meinungsfreiheit, ein totalitäres Staatsverständnis und das Messen mit zweierlei Maß – gehören zusammen. Sie sind Ausdruck eines voraufklärerischen Verständnisses von Religion, das nicht bis zu einer Erkenntnis vorgedrungen ist, deren treffendste Formulierung an diesem Donnerstag Christian Geyer in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung fand: „ Zu jedem legitimen Selbstverständnis gibt es eine legitime Außenperspektive, die diesem Selbstverständnis zuwiderlaufen darf.“ Das ist nicht Relativismus, sondern Toleranz. Nicht Lauheit, sondern Klugheit. Denn „legitim“ heißt nicht „richtig“ oder „wahr“. Im Gespräch mit Islamisten schlägt einem die Verwechslung dieser Kategorien entgegen, wenn sie die Rede führen: „Ihr im Westen habt keine Werte, im Gegensatz zu uns.“

Als Ergänzung zu den gestern Abend zitierten Aussagen von Broder sollte meiner Meinung nach diese Aussage bedacht werden:

Strenger ist die Ziffer zehn des hiesigen Pressekodex’, deren Einhaltung vom Presserat überwacht wird: Ihm zufolge sind Veröffentlichungen, „die das sittliche oder religiöse Empfinden einer Personengruppe nach Form und Inhalt wesentlich verletzen können, mit der Verantwortung der Presse nicht zu vereinbaren.“

Ein weiterer interessanter Gedanke findet sich in dem heute erschienen Artikel über die Reaktionen in den USA. Nach diesem Artikel ist es in den USA weitestgehend Konsens, dass die Karikaturen nicht in die Zeitungen [in die Öffentlichkeit allgemein] gehören. Diese Haltung wird wie folgt begründet:

Die Verblüffung der amerikanischen Journalisten über einen Teil ihrer europäischen Kollegen entspringt dem amerikanischen Verständnis von religiöser Toleranz. Das Land kennt keine Mehrheits-Religion. Es wurde als Staat der Sekten gegründet. Von allem Anfang an mussten alle Bewohner die religiösen Sitten aller anderen Bewohner tolerieren. Heute respektiert die Gesellschaft – Arbeitgeber wie Schulen – religiöse Feiertage aller Religionen. Ramadan spielt im christlichen Teil Amerikas eine größere Rolle als im christlichen Teil Deutschlands – obwohl der Anteil der Muslime in Amerika wesentlich kleiner ist. Ständig sehen sich Offizielle in multi-religiösen Städten wie New York dem Vorwurf der Benachteiligung einer oder mehrerer Gruppen ausgesetzt. Drum tun sie alles, religiöse Aufwallungen zu vermeiden.

Ich finde es sehr interessant mich mit den Hintergründen und verschiedenen Erklärungsmustern zu beschäftigen, möchte jedoch dabei nicht vergessen um Frieden zu beten.

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In Beziehung stehen – Gedanken zu einem kollektiven Ansatz

Letzte Woche [vor dem Seminar] hatte ich die Gelegenheit mit Daggi und Markus zusammen zu sitzen und ausgiebig theologische Themen zu diskutieren. Das schöne an unserer Dreierrunde war, dass wir keinerlei Rücksicht auf unsere Sprache und die Themen und Sphären nehmen mussten, in denen wir verkehrten. Danke.

Bei unseren Ausflügen kamen wir irgendwann an der Frage vorbei, ob wir unseren Gedanken über Gemeinde ein kollektives oder individuelles Verständnis zu Grunde legen. Diese Gedanken kamen von unserem Gespräch an immer wieder bei mir hoch und so werde ich jetzt auch etwas dazu schreiben…

Wie du, lieber Leser, bereits festgestellt hast, lese ich gerade ein Buch [um genau zu sein, vier Bücher in einem] von Martin Buber. Und da ich während des Lesens über diese Sachen nachgedacht habe, werde ich meine Gedanken auch an Buber-Zitaten festmachen.

Wir hatten uns ja über Grundlagen unseres Gemeindeverständnisses unterhalten. Aus diesem Grund beginne ich mit einer Aussage Bubers über Gemeinde [wobei es meiner Ansicht nach in seinen Aussagen interpretierbar bleibt von welcher Art Gemeinde er spricht]:

»…die wahre Gemeinde entsteht nicht dadurch, daß Leute Gefühle füreinander haben (wiewohl freilich auch nicht ohne das), sondern durch diese zwei Dinge: daß sie alle zu einer lebendigen Mitte in lebendig gegenseitiger Beziehung stehen und daß sie untereinander in lebendig gegenseitiger Beziehung stehen. Das zweite entspringt aus dem ersten, ist aber noch nicht mit ihm allein gegeben. Lebendig gegenseitige Beziehung schließt Gefühle ein, aber sie stammt nicht von ihnen. Die Gemeinde baut sich aus der lebendig gegenseitigen Beziehung auf, aber der Baumeister ist die lebendig wirkende Mitte.«

[Buber, 47f.]

Gemeinde wollen wir ja vor allem auf Beziehungen verstanden wissen. Deswegen kommen uns diese Grundlagen von Gemeinde, wie Buber sie formuliert, sehr gelegen. Die erste Beziehung, die [gemeinsam] gelebt wird, ist die Beziehung zu einer lebendigen Mitte [die ich an dieser Stelle einfach als Beziehung zu dem Ewigen, wie Buber ihn nennt, verstanden haben möchte - siehe dazu auch seine Aussage zu der Mitte als Baumeister]. Die zweite Beziehung, von der er redet, ist die Beziehung der “Gemeindeglieder” zueinander. So sind es diese beiden Beziehungsebenen, die für Gemeinde grundlegend sind. »Nichts Neues, Daniel.« magst du sagen, und mir ist das auch klar, dennoch erscheint es mir hier zentral, das mal wieder zu erwähnen. Wahrscheinlich vor allem wegen dem was Buber weiter über die Personen schreibt, aus denen sich eine Gemeinde potentiell zusammensetzt.

Er beobachtet zwei unterschiedliche Grundaussrichtungen. Es gibt einerseits Menschen, die, wie wir sagen würden, eher sachbezogen leben, vielleicht auch projektorientiert. Ihnen bescheinigt Buber eine Ich-Es-Beziehung und nennt sie Eigenwesen. Sie charakterisieren sich seiner Meinung nach dadurch, dass sie sich gegen andere [allgemein verstanden] absetzen.
Auf der anderen Seite beobachtet er Menschen, die eher personenbezogen leben, anders ausgedrückt: beziehungsorientiert. Nach Buber zeichnen sich diese Menschen dadurch aus, dass sie zu anderen in Beziehung treten. Sie leben in Ich-Du-Beziehungen und werden von Buber Person genannt. In beobachtender Manier stellt Buber dann einige Situationen dar, die es uns ermöglichen die Personengruppen zu erleben:

»Die Person sagt: »Ich bin«,
das Eigenwesen: »So bin ich«.
»Erkenne dich selbst« bedeutet
der Person: »erkenne dich als Sein«,
dem Eigenwesen: »erkenne dein Sosein«.

Indem das Eigenwesen sich gegen andere absetzt, entfernt es sich vom Sein.«

[Buber, 66]

Durch diese Gedanken wurde in mir die Annahme bestärkt, dass ein kollektiver Ansatz eng mit Beziehungsorientierung zusammen hängt. Die Betonung liegt dadurch stark auf der gemeinsam gelebten Beziehung und dadurch auf der Gemeinschaft.

Was meint ihr dazu?

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Karikaturen und Haltungen

Nachdem ich gerade Kulturweltspiegel angeschaut habe schreibe ich doch noch etwas zu den Ereignissen rund um die Karikaturen.

Wie im weiteren Verlauf dieses Posts deutlich werden wird, ist es meiner Ansicht nach zu einfach, die Schuld der ganzen Ereignisse auf einer Seite zu suchen.

Bei manchen Äußerungen von namhaften Publizisten wie die folgende von Henryk M. Broder vom Spiegel empfand ich eine gewisse Arroganz, die ich für unangemessen erachte:

»Die Frage stellt sich gar nicht, ob das Abbildungsverbot hier befolgt werden muss oder nicht. Diese Frage stellt sich für die Moslems. Und diese Frage stellt sich für diejenigen, die sich diesem Abbildungsverbot verpflichtet fühlen. Ich fühle mich dazu nicht verpflichtet.«

Äußerungen wie diese tragen meiner Ansicht nach in keinster Weise dazu bei, den Ereignissen und aufgeheizten Emotionen in einer guten Weise zu begegnen.

Sehr wahrscheinlich hängt die Eskalation der Emotionen, die ich ebenfalls äußerst fragwürig finde, nicht ausschließlich mit den angesprochenen Karikaturen zusammen, sondern sprechen für einen Zusammenstoß der Kulturen. Kulturen mit einander entgegengesetzten Werten und Lebensentwürfen treffen aufeinander. Die Einen reden von Freiheit, welche von jedem Bürger gelebt werden kann [vielleicht »sollte« oder gar »müsste«], während die Anderen angestaute Emotionen bewusst einsetzen und für »ihre Sache« instrumentalisieren. Und dabei ist dies nur ein Beispiel aus vielen.

Peter Aschoff findet in seinem Beitrag zu diesem Thema meiner Meinung nach äußerst treffende Worte. Weshalb ich den gesamten Beitrag hier zitieren möchte [und hoffe, dass das klar geht?]:

»Es ist schlimm, wie der Streit um die dänischen Mohammed-Karikaturen eskaliert. Bei dem Konflikt wird hier zu Lande immer auf das Thema Freiheit abgehoben. Das ist auch richtig so, und es hat sogar christliche Wurzeln, dass wir heute Freiheit hoch halten im Westen, manchmal auch dann noch, wenn sie missbraucht wird. Obwohl wir – bei Islamisten etwa – da auch schon Einschränkungen diskutieren.

Übersehen wird dabei gelegentlich, dass es auch um Achtung und Respekt geht und dass Freiheit davon nicht zu trennen ist. Auch das ist ein biblischer Gedanke. Wir haben uns an eine Kultur der Respektlosigkeit gewöhnt, die zumindest in muslimischen Ländern undenkbar scheint. Hier gibt es im Interesse eines friedlichen Miteinanders etwas zu lernen. Wenn das passiert, wird keine Zensur nötig sein, machbar ist sie ohnehin nicht.

Letzten Ende liefern wir mit dem unweisen Gebrauch von Freiheit immer den falschen Leuten den Vorwand, andere gegen einander aufzuhetzen und am Ende die Freiheit selbst zu beschädigen.«

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Ein iranischer Blogger berichtet aus Israel

Heute Nachmittag habe ich einen Artikel auf der Seite der Tagesschau gelesen, in dem sie über einen iranischen Blogger berichteten, der aus Israel bloggt. Seine Motivation das zu tun ist mir seither im Kopf geblieben, deswegen jetzt auch hier für dich zum lesen:

Es gibt nichts über Israel in den iranischen Medien, außer Berichten, wie schlecht sie die Palästinenser behandeln. Genau deswegen bin ich hier. Ich will das dämonisierende Bild von Israel brechen. Und gleichzeitig möchte ich den Israelis deutlich machen: Ahmadinedschad repräsentiert nicht das gesamte iranische Volk. Ich war sehr überrascht, wie positiv die Israelis gegenüber Iranern eingestellt sind – trotz der vielen negativen Berichte in den Medien. Sie sind sehr freundlich und offen – zumindest in Tel Aviv. Insgesamt sind die Israelis sehr neugierig, sie wollen wissen, was in Iran passiert. Das Beste, um dies herauszufinden ist, persönliche Kontakte zwischen den Menschen herzustellen. Die neue Technologie macht dies möglich.

Sein Blog findest du hier.

Für mich ist das wieder ein Beispiel dafür, dass Wissen und Information nicht vom Subjekt getrennt werden können. Woher sollten deusche Blogger berichten, dass wir eine ausgewogenere Sicht bekommen?

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Ein Grundsatz von Martin Buber

Heute mal wieder ein Zitat, vom Klappentext des Buches: Das dialogische Prinzip von Martin Buber:

Ich muss es immer wieder sagen: Ich habe keine Lehre. Ich zeige nur etwas. Ich zeige Wirklichkeit, ich zeige etwas an der Wirklichkeit, was nicht oder zu wenig gesehen worden ist. Ich nehme ihn, der mir zuhört, an der Hand und führe ihn zum Fenster. Ich stoße das Fenster auf und zeige hinaus. Ich habe keine Lehre, aber ich führe ein Gespräch.

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