Archiv für Mai 2006

Filterkaffee

Mittwoch, 31. Mai 2006

Vor kurzem wurde ich an meine Kaffee-Kategorie erinnert und fragte mich, ob ich nicht mal wieder etwas zu erzählen hätte, was in diese Kategorie passte – mir fiel jedoch nichts passendes ein.

Auf unserer Reise durch Deutschland, die ich ›pagittTour‹ genannt hatte, kam es vor, dass wir auch über Besonderheiten der deutschen Kultur und Gesellschaft redeten. In Dresden kamen wir an einem Melitta-Stand vorbei, als Markus uns erklärte, dass eine Dresdnerin namens Melitta Bentz den Kaffeefilter erfunden hatte – dieses neue Wissen feierten wir sofort mit einer Tasse Kaffee.

Gestern Abend blätterte ich durch die NEON und stieß auf den ›A bis Z: Deutschland‹ Artikel, in dem sich bei K folgendes findet:

»Man schrieb das Jahr 1908, als die sächsische Hausfrau Melitta Bentz den Kaffeesatz zwischen ihren Zähnen endgültig satt hatte. Kurzerhand durchlöcherte sie den Boden eines Messingtopfs, legte ein Löschblatt aus Sohnemanns Schulheft drüber – und hatte den Kaffeefilter erfunden. Filterkaffee gilt seither als »deutsche Art« den braunen Trank zu schlürfen. Obwohl die Deutschen Frau Melitta untreu werden: 2005 konsumierten sie außer Haus erstmals mehr Cappucino, Espresso und Latte macchiato als traditionelle Filterplörre.«
[NEON, Juni 06, 34]

Mehr zu Melitta Bentz auf Wikipedia.

Theologischer Tag zum Anhören

Montag, 29. Mai 2006

Am Freitag 19. Mai hatten wir an der AfL einen theologischen Tag mit Doug Pagitt. Anhand seiner Geschichte und der Geschichte von Salomons Porch sprach er über seine Idee von Gemeinde. Die einzelnen Sessions gibt es nun hier als MP3-Dateien zum Download.

Die Links führen direkt zu den MP3-Dateien, weswegen sich ein “Rechtsklick mit Speichern unter” anbieten würde. Viel Spaß damit.

Session 1
Session 2
Session 3
Session 4
Session 5

Unterwegs mit Doug Pagitt

Mittwoch, 24. Mai 2006



Theologischer Tag I / III

Originally uploaded by depone.

In den letzten Tagen waren die Einträge hier relativ spärlich, was ich bedaure. Dies liegt wahrscheinlich mit daran, dass ich gerade ab und an unterwegs bin. Dazu kam noch, dass mein Webhoster von Sonntag auf Montag Probleme mit dem Server hatte, auf dem dieses Blog wohnt.

Wir werden uns jetzt dann hier aus dem Karlsruher Staub machen und Richtung Dresden navigieren. Dort werden wir die netten Menschen der A-30-Gemeinschaft treffen ein Seminar erleben und Dresden unsicher machen. Danach werden wir zum ›Willow Freak‹ fahren und hoffen, dass gutes Wetter ist.

Das Bild hier entstand letzte Woche Freitag, als Doug Pagitt zu einem theologischen Tag an der Akademie für Leiterschaft war.

Eine Entdeckung

Samstag, 20. Mai 2006

Gerade sitze ich hier im Zug. Vor den Fenstern ereignet sich ein besonderes Schauspiel – die Wolken sind dunkel, der Regen prasselt dennoch bricht das warme Gelb der Sonne durch diese düstere Mischung. Mein iPod spielt Sigur Rós und es fühlt sich nach einem Soundtrack für diese Situation an.

Aus meinem Augenwinkel bemerke ich zwei kleine Mädchen die sich voller Lebensfreude bemühen etwas zu sehen, was irgendwo auf der rechten Seite des Zuges zu finden sein muss. Ich beginne auch nach etwas Ausschau zu halten – das ›etwas‹ ist ein Regenbogen – als ich mich nach dieser Entdeckung etwas im Zug umschaue sehe ich auf mehreren Gesichtern ein Lächeln. Die Entdeckung des Regenbogens zauberte ein Lächeln auf die Gesichter der Menschen die an diesem düsteren, verregneten Samstag Abend in diesem Zug sitzen.

2 Jahre am bloggen

Freitag, 19. Mai 2006

Bevor heute vorbei ist wollte ich nur mal kurz sagen, dass ich genau heute seit 2 Jahren blogge. Wen das interresiert, der kann meinen ersten Eintrag lesen: [das erste mal].

Heil-Lasten

Donnerstag, 18. Mai 2006

In Berlin treffen sich gerade Experten um darüber zu reden, welche Auswirkungen unsere Medikamente auf die Umwelt haben. Auf heute.de findet sich ein interessanter Artikel, der von den Auswirkungen unserer Medikamente auf die Umwelt spricht.

Für mich ist das wieder ein Hinweis darauf, dass alles was wir machen nicht bei uns aufhört, sondern Auswirkungen auf andere hat, an die wir zunächst gar nicht denken. Wer würde bei der Einnahme einer Anti-Baby-Pille daran denken, dass dies der Grund für Fehlbildungen bei Fischen sein könnte? Für mich eine Einladung vernetzt zu denken.

flickrGAMMA

Mittwoch, 17. Mai 2006

Wie ich gerade festgestellt habe, haben die Jungs und Mädels von flickr in letzter Zeit viel gearbeitet und wenig geschlafen. Aus flickrBETA wurde flickrGAMMA. Wenn Du möchtest kannst du das neue Outfit mit coolen Features mit meinen Bildern genießen: flickrGAMMA: [depone]

MacBook

Dienstag, 16. Mai 2006

Während die halbe Welt sich freut, dass das neue MacBook nun draußen ist – und es sich für einen Emerging-Blogger gehört über AppleNews zu schreiben, berichte ich schlicht und einfach, dass Steven Johnson eins bestellt hat und in wenigen Tagen schon sagen kann wie es sich anfühlt mit einem MacBook zu arbeiten…

Von Containern und Lebenwesen

Dienstag, 16. Mai 2006

Mit meinem Eintrag zum Paradigmenwechsel durch Handeln habe ich einen Gedanken angefangen auszudrücken, der mich in meiner Beschäftigung im Zusammenhang mit meiner Master-Arbeit stark beschäftigt.

Es scheint mir als würden wir in Deutschland zunächst alles durchdenken wollen, bevor wir überhaupt beginnen zu handeln. Dies scheint eine normale Entwicklung zu sein, wenn wir unser Philosophiegeschichte anschauen. Die Menschen in England und den USA scheinen viel eher von der pragmatischen Seite an das Leben heranzugehen, was sich wiederum aus ihrer Geschichte ableiten lässt [so viel zu den Verallgemeinerungen - ihr wisst was ich meine].

Diese Art von Gedanken auszugehen hat sich natürlich auch auf unser Verständnis von Paradigmenwechsel und damit auch auf den ganzen Bereich von Lehren und Lernen ausgewirkt. Wir bringen zunächst einmal Informationen, die von unseren Zuhöreren aufgenommen werden sollten. Vielleicht könnte man diese Art des Lehrens mit dem Füllen von Containern vergleichen. Es wird Information angeboten – mehr als verarbeitet und praktisch gelebt werden kann – die dann erst einmal in Notebooks, Moleskines usw. eingelagert wird. Manchmal häuft sich eine Menge Wissen an, ohne dass dies je in die Praxis kommt.

In seiner Darstellung der Lehrweise Jesus und der Rabbis in seiner Zeit stellt Dallas Willard folgendes fest:

»We must recognize, first of all, that the aim of the popular teacher in Jesus‘ time was not to impart information, but to make a significant change in the lives of the hearers. Of course that may require an information transfer, but it is a peculiarly modern notion that the aim of teaching is to bring people to know things that may have no effect at all on their lives.«
[Dallas Willard, The Divine Conspiracy: Rediscovering our hidden life in God [San Francisco: Harper, 1997], 112.]

Theoretisch werden wir alle [zumindest die Meisten] damit übereinstimmen, dass es uns beim Lehren auch um das konkrete Leben geht und nicht um Containerwissen. Unsere Art zu Lehren spricht jedoch meist eine andere Sprache. Die Rabbis und so auch Jesus lebten mit den Menschen zusammen und griffen bestimmte Situationen und Handlungen auf. Es ging ihnen nicht in erster Linie darum Informationen weiterzugeben, sondern Hilfestellungen zu einem ›erfüllten Leben‹ zu geben. Dies Art zu Lehren und zu Lernen würde ich situatives Lehren/Lernen nennen. Es ist auf das Leben, die Handlungen ausgerichtet und ereignet sich im normalen Lebenskontext. Willard geht so weit, zu sagen, dass Dinge die auf diese Art gelernt werden nicht aufgeschrieben werden müssen, da sie uns in Fleisch und Blut übergehen.

Diese Beobachtungen bringen mich dann zu der Frage, ob nicht unsere Akademien und Gemeinschaften zu statisch sind, um solches Lernen zu ermöglichen? Schaffen wir es, das Lehren und Lernen wieder aus der Containermentalität zu befreien und als Lebenwesen vernetzt zu denken und ›für das Leben‹ aus den Situationen heraus zu lernen? Wenn wir träumen dürfen: wie würden wir uns dann Lernen in der Gemeinschaft oder einer Akademie vorstellen.

[Interessierte LeserInnen können Gedanken zu diesem Themenkomplex auch bei Haso, bei Storch, bei Josha, bei Daggi und auf meinem Master-Thesis, Theologie, emerging Church | Kommentare (2)

Die Schläferkurve

Dienstag, 16. Mai 2006

»Die Massenkultur wird immer anspruchsvoller und verlangt Jahr für Jahr größere kongnitive Leistungen von uns. Man könnte von einer Art positiver Gehirnwäsche sprechen. Die Unterhaltungsmedien schärfen nämlich stetig, aber für uns kaum wahrnehmbar den Verstand, und zwar während wir uns mit etwas unterhalten lassen, das üblicherweise als trivialer Mist bezeichnet wird.

Ich nenne diesen Aufwärtstrend die »Schläferkurve« (»Sleeping Curve«), nach der klassischen Filmsequenz aus Woody Allens Science-Fiction-Parodie, in der ein Team von Wissenschaftlern im Jahr 2173 fassungslos feststellen muss, dass die Gesellschaft des 20. Jahrhunderts keine Ahnung hatte, wie ernährungstechnisch wertvoll Cremetörtchen und Schokoladensoße sind.«
[Johnson, 13.]

In der Diskussion über Computerspiele, Fernsehdramen und Sitcoms wird immer wieder ins Feld geführt, dass die Inhalte, die dadurch transportiert werden äußerst fragwürdig sind. Johnson geht jedoch davon aus, dass der Lerneffekt den wir durch die populäre Kultur der Gegenwart erfahren, nicht auf die Inhalte zurück geht, sondern nebenbei durch das Begreifen der kulturellen Erfahrung geschieht. Auf diese Weise trennt er die Wirkung der Medien von dem Inhalt, den sie transportieren und verweist auf die positive Auswirkung des Gebrauchs der Medien, welcher uns intelligenter macht.