Archiv für Juni 2006

Bodyprayer

Freitag, 30. Juni 2006

Bestimmte Gesten in unser Gebet einzubauen ist etwas was wir alle kennen, zumindest in Ansätzen. Hast du schon einmal deine ›Hände gefaltet‹, deinen ›Kopf gesenkt‹ oder dein Hände nach oben ausgestreckt, wenn du gebetet hast?

In der christlichen Tradition findet sich einiges an so genannten ›Gebetshaltungen‹, die wir in unserem Alltag manchmal vielleicht vergessen. Der eine würde sagen: »Meine Körperhaltung ist egal, es kommt darauf an, dass ich mit Jesus rede.« und andere würden andere Begründungen finden, wieso sie sich aus der angesprochenen Tradition ausklinken.

Prayer for the Rhythm of God

Für jemanden wie mich, dem es manchmal schwer fällt meine Gedanken konzentriert zu halten, wenn ich mit geschlossenen Augen auf meinem Sofa sitze ist Bodyprayer – beten mit dem Körper – eine enorme Bereicherung.

Aus diesem Grund habe ich mir gleich beim Erscheinen das Bodyprayer-Buch von Doug Pagitt gekauft, durchgelesen und in mein Gebetsleben integriert. Letzten Samstag waren ein paar Leute in einem alten Kloster um für Kairos Media an einer Bodyprayer-DVD zu arbeiten [die du dir schon mal vormerken kannst]. Und so dachte ich mir, poste ich hier mal ein kleines Bildchen und ein Link zu einem MP3 auf dem Doug Pagitt etwas zu Bodyprayer sagt und das Gebet für den Rhythmus Gottes anleitet [inkl. deutscher Übersetzung].

Hier gehts zu: Bodyprayer – The Rhythm of God

Lectio Divina

Freitag, 30. Juni 2006

Dieser Post ist für zwei Personengruppen besonders interessant. Auf der einen Seite wären diejenigen, die sich fragen was Depone den ganzen Tag treibt – eine Teilantwort könntest du finden, wenn du das etwas weiter unten verlinkte Dokument herunterlädst. Die andere Personengruppe wären diejenigen, die sich für Lectio Divina im speziellen oder Spiritualität [der Mönche] allgemein interessieren. Ein paar Gedanken meinerseits dazu und eine Erwähnung von vier Schritten, nach denen du das einfach mal ausprobieren kannst.

Und jetzt zu dem Dokument: LectioDivina_Juni06.doc

Der Pfaffe hat das Dokument hochgeladen als er die Stationen des 24-7Prayers erklärt hat, das gerade bei Kubik läuft.

Kubik betet 24-7

Mittwoch, 28. Juni 2006



24-7 :: Blick in die Lounge

Originally uploaded by depone.

Letzte Nacht habe ich ein bisschen Zeit in der Kubik-24-7-Lounge verbracht. Mark und Denis haben im Café eine schöne, schlichte Gebetslounge geschaffen, die wir als Gemeinschaft diese Woche nutzen…

In der Bodyprayer-Kabine habe ich meine Zeit begonnen. Danach unterhielt ich mich zunächst etwas mit Wolfgang. Als er gegangen war holte ich meinen iPod heraus und schloss ihn an die Anlage an… Sigur Rós untermalte die Atmosphäre des Raumes wunderbar und ich begann zwischen den Station hin und her zu beten, je nach dem, was mir gerade wichtig wurde. Kurze Zeit später hörte ich ein Klopfen an der Tür und stellte fest, dass 2 Stunden in der Nacht für mich wohl die genialste Zeit sind um in der Lounge zu sein. Ein paar Bilder aus der Lounge findest du hier.

Das Ergrünen des Ich

Dienstag, 27. Juni 2006

»Der grüne Politikansatz ist eine Art Feier. Wir erkennen, dass wir alle ein Teil der Probleme der Welt sind und dass wir auch Teil der Lösung sind. Die Gefahren und Möglichkeiten der Heilung liegen nicht nur ausserhalb von uns selbst. Wir fangen genau da zu arbeiten an, wo wir sind. Wir können unser Leben einfacher gestalten und so leben, dass es ökologischen und menschlichen Werten entspricht. Es wird besser werden, weil wir angefangen haben … Es lässt sich deshalb sagen, dass das vorrangige Ziel der grünen Politik eine innere Revolution ist, “das Ergrünen des Ich”.«

[Petra Kelly, Thinking Green, zitiert nach Manuel Castells, Die Macht des Individuums, 121.]

Broken Flowers

Montag, 26. Juni 2006

»Die Vergangenheit ist vorbei, das weiß ich;
die Zukunft ist noch nicht hier, wie sie auch sein wird;
also ist alles was es gibt das hier, die Gegenwart.«

Bill Murray als Don Johnston in Broken Flowers.

Familien

Freitag, 23. Juni 2006

Im Rahmen meiner Master-Arbeit setze ich mich mit gesellschaftlichen Entwicklungen auseinander, da es für mich von ernormer Bedeutung ist zu verstehen wie wir als Gesellschaft “funktionieren”. In der Auseinandersetzung mit Gemeinde, theologischer Ausbildung und der Art wie z.B. Leitung in Gemeinden gelebt werden kann spielt das Verständnis und die Realität von Familien eine wichtige Rolle.

Die Eine oder der Andere haben wahrscheinlich bei der Lektüre meines Lebens oder dieses Blogs schon festgestellt, dass ich mir eine Reihe von Gedanken dazu mache, wie wir heute Familie leben können. Welche Rollen es gibt und wer welche Rolle einnimmt?

Beobachten wir die gesellschaftlichen Entwicklungen stellen wir fest, dass wir uns in einem Veränderungsprozess befinden. Das allgemeine Familienbild geht immer mehr von dem patriarchalischen Familienverständnis weg. Die Ehe ist immer seltener der Rahmen einer Familie und die dominante Rolle des Mannes darin, als Versorger oder Entscheider [härter formuliert: Herrscher], löst sich auf. Dieser Prozess hat natürlich nicht erst in den letzten Tagen begonnen, meiner Ansicht nach, bemerken wir ihn jedoch immer stärker, da auch das staatliche System die Sprache und den Umgang mit Familien den Gegebenheiten anpasst.

Manchmal scheint uns noch ein Rollenverständnis der Partner als angemessen zu erscheinen, das auf einer ungleichen Verteilung der Lebensgestaltung basiert. Rolf Eickelpasch schreibt dazu:

»Im bürgerlichen Ehe– und Familienmodell werden die Prinzipien der Moderne halbiert. Ein “moderner”, selbstentworfener Lebenslauf (der des Mannes) wird mit einem “vormodernen”, fremdentworfenen Lebenslauf (dem der Frau) verkoppelt.«
[Rolf Eickelpasch, Grundwissen Soziologie, 61.]

Eickelpasch spricht weiter vom ›Abschied von der bürgerlichen Familie‹ während Castells etwas schärfer vom ›Ende des Patriarchalismus‹ schreibt. Bleiben wir zunächst bei den Aussagen Eickelpaschs zur Biographie der Frau und den Auswirkungen dessen auf das Familienmodell:

»An die Stelle der weiblichen “Normalbiographie” (Liebe – Ehe – Mutterschaft) tritt eine “Wahlbiographie”. Die Lebensform Ehe hat im Zuge dieser Entwicklung deutlich an Bedeutung verloren; gleichzeitig ist, wie Untersuchungen zeigen, der Berufswunsch für junge Frauen immer wichtiger geworden.

Bei der Auflösung der weiblichen Normalbiographie und der zunehmenden Erwerbsbeteiligung der Frau wächst in der Familie das Konfliktpotential. Die Frage liegt auf der Hand: Kann man zwei “selbstentworfene Biographien” überhaupt noch miteinander verbinden, oder wird damit so viel Sand ins Getriebe der ’Normalfamilie‘ geschüttet, dass das Stottern von vornherein programmiert ist?«
[Rolf Eickelpasch, Grundwissen Soziologie, 62-63.]

Diese Entwicklungen fordern uns dazu heraus unsere gängigen Rollenmuster zu überdenken. Tun wir dies nicht, führt es zu einer weiteren Unterdrückung der Frau, was wiederum ›Gegenwehr‹ hervorruft und zu einer weitern ›Zersplitterung‹ der Familien beiträgt. Nach Catsells würde eine solche Zersplitterung zu einem ›selbstgenügsamen frauenzentrierten Modell‹ führen, da einerseits Frauen gut darin sind soziale Netzwerke zu knüpfen und andererseits weiter diejenigen sein werden, die Kinder zur Welt bringen und diese erziehen.

Für die Männer gibt es in diesen herausfordernden Veränderungen mehrere Optionen, von denen nach Castells die patriarchalische Familie nicht mehr zur Wahl steht:

»Für die meisten Männer besteht jedoch die akzeptabelste, stabilste und langfristigste Lösung darin, den heterosexuellen Familienvertrag neu auszuhandeln.

Dazu gehört Teilung der Hausarbeit, wirtschaftliche Partnerschaft, sexuelle Partnerschaft und vor allem die volle Teilung der Elternschaft.

Diese letzte Bedingung ist für Männer entscheidend, weil sich nur so der “Chodorow Effekt” verändern kann und es möglich wird, dass Frauen nicht nur als Mütter, sondern als Männer begehrende Frauen produziert werden und Männer nicht einfach als Frauenliebhaber erzogen werden, sondern als Väter von Kindern.
[Manuel Castells, Die Macht der Identität: Das Informationszeitalter II, 249-250.]

Die dargestellten Beobachtungen haben neben den direkten Auswirkungen auf die Familien auch weitreichende Folgen im Bezug auf Gemeinde, theologische Ausbildung inklusive der Berufsbilder und Leitung der Gemeinde, auf die ich hier noch nicht näher eingehen kann [ist so schon ein langer Eintrag geworden], über die wir aber weiter nachdenken sollten und über die natürlich auch weiter gepostet werden wird.

Ein Gedanke dazu könnte die Frage nach ›Teilzeit‹ sein, darauf habe ich vor kurzem auf meinem globalen Blog hingewiesen.

Meine Tasse

Donnerstag, 22. Juni 2006



meine Tasse

Originally uploaded by depone.

Manchmal fragt man sich, ob man bei so Sachen mitmachen soll, die sich anfühlen wie Spam-Mails. Heute habe ich mich jedoch entschieden, auf die Einladung von Götz zu antworten und meine Lieblingstasse hier publik machen.

Das ist also meine Lieblingstasse. Unschwer zu erkennen, dass sie von Starbucks stammt. Ich habe sie in Stuttgart von 2 Menschen geschenkt bekommen mit denen ich wohl die meiste Zeit überhaupt in irgendwelchen Starbucks Kaffees verbracht habe – und die by the way dieses Jahr in den Stand der Ehe eintreten werden [sehr nett, wo mir das gerade einfällt].

Die Tasse an sich ist für mich nicht das Wichtigste, schließlich geht es mir um den Genuss. Wieso ich die Tasse besonders liebe, ist ihre Größe [ist die größte Größe, ›tall‹ oder], so entsteht eine perfekte Mischung aus Espresso und geschäumter Milch, die mit etwas Zucker oder Vanille-Sirup verfeinert wird.

Wo ich das hier gerade schreibe, fällt mir auf, dass auch wenn ich mich vor der Tat anders entschieden hatte, ich doch gerne wissen würde, wie eure Tassen aussehen und mit was ihr sie füllt… und natürlich habe ich auch schon ein paar Menschen im Hinterkopf deren Tassen ich gerne sehen möchte:

Marlen a.k.a. konomu, weil Du so schöne Fotos machst und eine traumhafte Wohnung hast…

Claudi, weil ich gerne Deinen Kaffee trinke und Du wohl eine geheime Tasse hast…

…der Johannes ist uns seine Tasse bisweilen auch noch schuldig geblieben und der Pfaffe ist wohl auch einer von den Kandidaten, die weiterleben würden, wenn alle Lebensmittel ausser Kaffee und Milch nicht mehr vorhanden wären.

Denken und Handeln

Mittwoch, 21. Juni 2006

Über etwas nachdenken ist eine ganz andere Welt, als eine Sache zu tun. Darüber habe ich heute morgen schon mit Mark geredet und die Rede von Angela Merkel im Bundestag heute, hat mir das noch mal vor Augen geführt. In der Opposition ist es scheinbar leicht [vielleicht ähnlich leicht wie für uns normale Bürger], die Politik der Regierenden schlecht zu reden, weil man ja selbst die besseren Ideen hat.

Dieses Schema taucht wahrscheinlich in den meisten Bereichen unseres Lebens auf. Was von “außen” [aus dem Standpunkt dessen, der gerade nicht aktiv gestaltend daran beteiligt ist] sehr leicht aussieht, und natürlich aufgrund seiner Ideen viel besser gemacht werden könnte. Sieht, wenn ich selbst daran beteiligt bin es zu tun, schon wieder super anders – nicht mehr so einfach – aus.

Vielleicht hängt damit auch die Haltung des be-urteilens zusammen. Wir beurteilen alles was wir sehen. Wir betrachten es von “außen” und gleichen das was andere tun mit unseren Ideen/Gedanken ab. Natürlich könnte man das besser machen, deswegen haben wir dafür auch gerne etwas Kritik übrig – oder wenn es sich anbietet können wir auch entspannt darüber lästern. Was passiert aber mit unseren Ideen, unserer Überlegenheit, wenn wir selbst zum Zuge kommen?

Ich bin ein Stadtmensch

Mittwoch, 21. Juni 2006

Wie ich darauf komme? Ganz einfach: ich habe eine Allergie, die landläufig als ›Heuschnupfen‹ bekannt ist. Als wir letzte Woche bei meinen Eltern zu Hause waren, die am Stadtrand einer großen Kreisstadt [die ziemlich klein ist] wohnen, spürte ich es ganz deutlich, wenn ich am Abend mein Anti-Allergikum nicht genommen hatte schickte mein Körper schon in der Nacht Warnsignale. Beim Frühstück saß ich dann unausgeschlafen mit den üblichen Erkältungsgeschichten: brummender Kopf, Halsschmerzen, Ohrenschmerzen… im Laufe des Tages kämpfte ich mit tränenden Augen, den eben erwähnten üblichen Verdächtigen und kurbelte die deutsche Wirtschaft an.

Am Montag Abend hier angekommen nahm ich artig die kleine Tablette [soll man ja am Abend einnehmen, habe ich auch letzte Woche gelernt – nach über 10 Jahren Allergiker-Dasein]. Am Dienstag keinerlei Beschwerden, deswegen am Abend prompt die Tablette vergessen. Heute nicht öfter als im Rest des Jahres die Nase geputzt, keine Beschwerden.

Mein Fazit: Ich bin ein Stadtmensch – durch und durch.

Jugend

Mittwoch, 21. Juni 2006

»Tatsächlich sind gerade die Konzepte von Jugend und Jugendkultur seit dem Zweiten Weltkrieg zu neuer Bedeutung gekommen. In den 50er Jahren entstand das neue Phänomen einer Klasse junger Menschen, die über viel Zeit verfügten, wenig Verantwortung tragen mußten, dafür aber über große Kaufkraft verfügten und eine eigene Jugenkultur bildeten. Vor dem Zweiten Weltkrieg, als außer den Wohlhabenden jeder Mensch vom Status der Kindheit direkt in den Erwachsenenstatus überwechselte, gab es eine solche Jugendkultur – oder besser: eine solche Palette von Jugendkulturen – nicht.«

[Eileen Barker, Neue religiöse Bewegungen: Religiöser Pluralismus in der westlichen Welt. in Karl Gabriel, Religion und Gesellschaft, 340.]