Wieder zurück.

Gestern Abend kamen wir, die kleine Familie Ehniss wieder in Karlsruhe an. Am Vormittag hatten wir meinen Vater aus dem Krankenhaus abgeholt, den Nachmittag mit ihm und meiner Mutter verbracht und uns dann in den Zug gesetzt.

Mein Vater hat seine OP gut überstanden. Seinen Angaben zufolge geht es ihm den Umständen entsprechend blendend. Ich freue mich sehr zu sehen, dass es ihm schon wieder so gut geht. Sehr cool ist auch, dass die Krebszellen sich noch nicht über den Tumor hinaus verbreitet hatten – er wurde also in einem frühen Stadium entfernt, bevor weitere Teile des Körpers befallen waren. Im Moment ist er zu Hause bevor er zu so etwas wie einer Kur gehen wird.

…wollte ich mal noch sagen.

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Planeten

Gestern fand ich einen super coolen Abschnitt in Michel Foucaults Einführung zu seinem »Gebrauch der Lüste«, der mich an meine Arbeitsweise aller wissenschaftlichen Arbeiten erinnerte und mir auch wieder mein Arbeiten an der Master-Arbeit vor Augen geführt hat…

»Was aber die angeht, die meinen, es müsse einer abgedankt haben, der sich Mühe gibt, anfängt und wieder anfängt, versucht, sich täuscht, alles von neuem aufrollt und noch immer auf Schritt und Tritt zaudert, zurückgezogen und unruhig arbeitet: was also die angeht, nun wohl, wir sind ganz offenkundig nicht vom selben Planeten!«

[Michel Foucault, Einleitung zu »Der Gebrauch der Lüste«. Zitiert nach Engelmann, 248f.]

Auch Michel Foucault hat es zu etwas gebracht – wir leben auf demselben Planeten – und ich komme auch weiter…

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Derrida und Heidegger

»…das Denken ist das eigentliche Handeln, wenn Handeln heißt, dem Wesen des Seins an die Hand gehen. Dies sagt: dem Wesen des Seins inmitten des Seienden jene Stätte bereiten (bauen), in die es sich und sein Wesen zur Sprache bringt. Die Sprache gibt allem Überlegenwollen erst Weg und Steg.«

[Martin Heidegger, Die Technik und die Kehre, Pfullingen 1962, S. 40.]

»Lernen heißt: das Tun und Lassen zu dem in die Entsprechung bringen, was sich jeweils an Wesenhaftem uns zuspricht.«

[Martin Heidegger, Was heißt Denken?, S. 49.]

»Das Denken ist nicht eine Sache des Hirns oder eine des Leibes enthobene; die Beziehung auf das Wesen des Seins ist eine bestimmte Manier des Daseins als Leib.«

[Jacques Derrida über Heidegger in Heideggers Hand (Geschlecht II).]

»Heidegger behauptet über das Denken immer wieder, daß es ein Weg, daß es unterwegs sei, doch unterwegs, im Gehen, ist der Denker unaufhörlich mit einem Denken der Hand befaßt.«

[Jacques Derrida über Heidegger in Heideggers Hand (Geschlecht II).]

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Frauenfrühstück: Gedanken zu Gemeinde

Während ich gerade auf der Terrasse meiner Eltern sitze und studiere, beobachte ich einige Frauen, die sich im Hause der Nachbarn auf einen Kaffee treffen. Dieses Treffen nenne ich einfach »Frauenfrühstück«. Einige Freundinnen treffen sich um sich über die Erlebnisse der letzten Woche auszutauschen und gemeinsam zu lachen, vielleicht auch schwierige Momente zu teilen.

Andere Frauen treffen sich in einem Gemeindehaus auf einen Kaffee, auch ihr Treffen wird »Frauenfrühstück« genannt. Sie sitzen an ihren Tischen, genießen den Kaffee, unterhalten sich angeregt über die Wichtigen und weniger Wichtigen Ereignisse der letzten Tage und haben eine gute Zeit. Das Eigentliche der Veranstaltung ist jedoch die Sprecherin, die in wenigen Minuten zum Rednerpult gehen wird um über ein Thema zu referieren.

Wieso sehen wir das Erste nur als ein Treffen von Freundinnen an, die nichts Besseres zu tun haben, als eben gemeinsam Kaffee zu trinken und das Leben zu genießen? Und auf der anderen Seite haben wir die geistliche Veranstaltung »Frauenfrühstück«, zu der sich eine Menge Frauen treffen, die sich nicht unbedingt kennen, und der Fokus darauf gerichtet ist, was die Rednerin an diesem Tag zu einem bestimmten Thema sagt. Wieso ist eine Veranstaltung in unseren Gedanken eine Gemeindeveranstaltung – eine Versammlung, die wir nicht versäumen sollten – und das andere von keiner Bedeutung für das Gemeindeleben?

Wie sehen wir unsere normalen Begegnungen, wenn wir anfangen UNS als Gemeinde zu verstehen? Kannst du dir ein Gemeindeleben vorstellen, das nicht auf Veranstaltungen basiert, sondern auf Beziehungen? Die Beziehungen als Basis sind nicht mehr nur ein netter Gedanke, oder eine Theorie, sondern sie machen die Veranstaltungen zu Angeboten, die unser gemeinsames Leben ergänzen, vielleicht sogar bereichern, jedoch nicht »die Gemeinde« ausmachen. Für mich sind das zentrale Gedanken im Bezug auf Gemeinde und haben Auswirkungen auf das wie ich die Gemeinde, meine Freundschaften und mich selbst verstehe.

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Gewissensfrage

Im Moment lese ich in einem Buch das mir sehr viel zu denken gibt. Auf einmal komme ich an eine Stelle an der mir klar wird, dass beinahe jede These darin auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aus Tierversuchen beruht. Tierversuche! – dieses Wort ruft Ekel in meinem Öko-Inneren hervor. Versuche ich doch in meinem Leben darauf zu achten gerade Produkte zu wählen, die ›im Einklang mit der Natur stehen‹ – können dann meine Gedanken zu einem bestimmten Themengebiet auf Tierversuchen basieren?

Ich habe seither keinen weiteren Satz in dem Buch gelesen. Mich würde allerdings brennend interessieren, wie Du mit einem solchen Buch umgehen würdest? Freue mich auf Deinen Kommentar: …

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Predigen: Luther vs. Pagitt

Auf der Zugfahrt nach Mössingen haben wir die Zeit in der Josia friedlich in seinem Kinderwagen geschlafen hat genutzt um etwas zu lesen. Ich las ein bisschen in ›Preaching ReImagined‹ von Doug Pagitt weiter. Bei meinen Eltern nahm ich etwas später am Abend ein Buch von Martin Luther zur Hand um ein wenig darin rumzublättern. Interessant war es zu sehen, wie unterschiedlich die Ansätze der beiden sind [interessanter Vergleich Luther vs. Pagitt]. Während Pagitt davon ausgeht, dass jeder Einzelne der Gemeinschaft etwas zum Predigtgeschehen beitragen kann, spricht Luther darüber, dass der Prediger über die Seelen der Gemeinde regiert. Einen kleinen Abschnitt von Luther möchte ich hier mit euch teilen:

»Sechs Stücke gehören zu einem Prediger, wie ihn die Welt haben will:
1. daß er eine feine Aussprache habe;
2. daß er gelehrt sei;
3. daß er beredt sei;
4. daß er eine schöne Person sei, den die Mägdlein und Fräulein lieb haben können;
5. daß er kein Geld nehme, sondern Geld zugebe;
6. daß er rede, was man gerne hört.«

[Martin Luther, WA.TR 5, Nr. 5388, 121.]

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Urlaub?

Sollte sich der Eine oder die Andere fragen, wieso hier nicht so viel passiert liegt das in keinster Weise an der WM [ich werde mir kein Spiel ansehen…] – wir sind gerade in Mössingen, also der Stadt in der meine Eltern leben. Mein Vater liegt im Krankenhaus, da bei ihm vor kurzem ein Tumor im Darm festgestellt worden war, welcher gestern operativ entfernt wurde. Nun liegt er auf der Intensivstation und beginnt sich von der OP zu erholen. Deswegen wird hier vielleicht nicht so viel passiern. Ab und zu werde ich jedoch via DSL verbunden sein, weswegen ich Mail und solche Dinge auf jeden Fall empfangen kann.

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Toby zur Geschichte der Postmoderne

Gerade habe ich mir nun endlich mal die Zeit genommen die Einträge von Tobias Künkler zur Geschichte der Postmoderne durchzulesen. Die Einträge sind sehr genial, da er auf reflektierte Art die verschiedenen Aspekte aus der Geschichte beschreibt, die dazu beigetragen haben, dass wir dort gelandet sind, wo wir heute sind – als Gesellschaft, aber auch als Kirche.

Wenn du dir die Zeit nehmen möchtest um einen Einblick in die Geschichte zu werfen und zu verstehen, wo viele Dinge herkommen, kann ich dir diese Einträge wirklich empfehlen. Auch wenn Tobias nicht mit Fußnoten oder ähnlichen wissenschaftlichen Formalien spielt haben seine Gedanken eine enorme tiefe ohne dabei unverständlich oder abgehoben zu wirken.

Einleitung
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Teil 5
Teil 6
Teil 7
Teil 8

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Kubik: Menschenbild

Nun liegt unsere erste öffentliche Veranstaltung nach der Pause schon wieder ein paar Tage zurück – und es scheint mir, als wäre es gut ein paar Worte darüber zu verlieren…

Die Pause war ja eine Rekonstruktionszeit, in der wir uns mit den Dingen auseinandersetzten die wir glauben und uns Frage stellten wie dies unser Leben verändern würde, wenn wir das glauben, was wir glauben. Zwei Monate sind zur Beantwortung solcher Fragen natürlich viel zu kurz und so werden wir wohl auch weiterhin Dinge beim Namen nennen und uns dem stellen, was es für unser Leben bedeutet. Bevor ich mich in zu langen Sätzen verliere – mehr zu letztem Freitag. ›Menschenbild‹ war unser Thema, aber wie haben wir uns diesem Thema genähert?

Wir begannen den Abend mit einer Meditation zu Schöpfung in der wir unser Geschöpfsein, die Ebenbildlichkeit und das Geschenk des Lebensatems meditierten. Dazu las Miri zunächst einen Text, bevor wir ähnlich des Herzensgebets unseren Lebensatem meditierten.

Die Meditation wurde gefolgt von einer Geschichte über Adam, Eva und den Sündenfall. In dieser Geschichte wurden Adam und Eva uns in einfacher menschlicher Weise vorgestellt, so dass sich beinahe automatisch Bilder der unterschiedlichen Szenen in unserem Inneren formten.


Von der Erzählung des Sündenfalls ausgehend wurde auf eine Auslegungstradition hingewiesen, die aus dem Sündenfall die totale Trennung des Menschen von Gott ableitet. Folgt man dieser Tradition ist zunächst jeder Mensch böse und schlecht. Sein Leben steht demzufolge unter einem negativen Vorzeichen, alles was er tut wäre demnach schlecht. Wollte man eine Farbe wählen, würden manche diesen Menschen vielleicht schwarz sehen. Eine Person in schwarzem Overall betrat den Raum und nahm ihren Platz ein.

Geht man den Weg der erwähnten Auslegungstradition weiter braucht es eine Brücke über den Graben zwischen Gott und Menschen und eine Umkehrung des Vorzeichens um überhaupt wieder einen Kontakt zwischen Gott und Menschen herzustellen. Eine Person, die diese Möglichkeit ergreift wäre danach sehr gut, ihr Leben stünde unter dem richtigen Vorzeichen und alles was sie machen würde wäre demnach gut. Wollte man auch dieser Person eine Farbe zuordnen, wäre sie sicherlich weiß. Eine Person in weißem Overall betrat den Raum und begab sich an ihren Platz.

Der weiße Mensch

Diese Trennung zwischen “gut und böse” konnte von den Anwesenden nun an ihrem Erleben überprüft werden. Es wurde die Aufgabe gestellt im Leben von so genannten “schwarzen” Menschen nach Elementen zu suchen, die nach Gott riechen, und diese mit weißer Farbe auf den Overall zu schreiben. Im Leben von so genannten “weißen” Menschen sollte nach Dingen gesucht werden, die im Widerspruch zu göttlichen Ideen standen – welche mit schwarzer Farbe auf die Person geschrieben wurden.

Diese Bild führte uns vor Augen, dass die Trennung zwischen “gut und böse” wie erwähnt nicht real sein kann. Die Urgeschichte wurde weitererzählt. Zunächst wurde über die direkten Nachkommen Adam und Evas gesprochen, dann etwas weiter im Stammbaum auf Henoch hingwiesen, der eine solch enge Verbindung zu Gott hatte, dass dieser ihn schließlich einfach mit zu sich nahm. Schließlich wurde auf Noah und die Sintflut hingewiesen. Gott hatte seine Schöpfung zerstören wollen, weil die Menschen dazu neigten ihre Freiheit zu missbrauchen um Schlechtes zu tun. Mit derselben Begründung, weil die Menschen zu Schlechtem neigen schloss Gott jedoch einen Bund mit Noah als das Wasser wieder abgetrocknet war. Die Geschichten in der Bibel sind voll davon, dass Gott Kontakt zu Menschen hat. Aus diesem Grund erscheint uns ein getrenntes Menschenbild, wie oben erwähnt nicht sinnvoll.

Anschließend an diesen kurzen Input gab es Gespräche an den Tischen darüber, wie sich unser Leben [persönlich und als Gemeinschaft] ändert, wenn wir dem Menschenbild Gottes entsprechend leben wollen. Einblicke in diese Gespräche bekamen wir danach von Einzelnen, die sich aufmachten und am Mikro die Gedanken ihrer Tischgruppe mit uns teilten.

Dieser Abend war eine Kombination aus ästhetischen Alt.Worshipelementen und simpleren Partizipationsmöglichkeiten. In dieser Weise war er ein Experiment für uns, der uns wahrscheinlich noch eine Weile zu denken gibt.

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Lyotard zu ›postmodern‹

»Das Postmoderne wäre dasjenige, das im Modernen in der Darstellung selbst auf ein Nicht-Darstellbares anspielt; das sich dem Trost der guten Form verweigert, dem Konsensus eines Geschmacks, der ermöglicht, die Sehnsucht nach dem Unmöglichen gemeinsam zu empfinden und zu teilen; das sich auf die Suche nach neuen Darstellungen gibt.

Ein Postmoderner Künstler oder Schriftsteller ist in der selben Situation wie ein Philosoph: Der Text, den er schreibt, das Werk, das er schafft, sind grunsätzlich nicht durch bereits feststehenden Regeln geleitet und können nicht nach Maßgabe eines bestimmten Urteils beurteilt werden, indem auf einen Text oder ein Werk nur bekannte Kategorien angewandt würden. Diese Regeln und Kategorien sind vielmehr das, was der Text oder das Werk suchten.

Künstler und Schriftsteller arbeiten also ohne Regeln; sie arbeiten, um die Regeln dessen zu erstellen, was gemacht worden sein wird. Daher rührt auch, daß sie für ihren Autor immer zu spät kommen, oder, was auf dasselbe führt, daß die Arbeit an ihnen immer zu früh beginnt. Postmodern wäre also als das Paradox der Vorzukunft (post-modo) zu denken.«

[Jean François Lyotard. Zitiert nach Peter Engelmann, Postmoderne und Dekonstruktion, 47-48.]

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