Archiv für August, 2006

Urlaub.

Montag, 28. August 2006



the boy.

Originally uploaded by depone.

Wir sind im Urlaub. Ein Wohnmobil ist unser zu Hause und wir befinden uns in einer Gegend in der man um diese Uhrzeit in kurzer Hose und T-Shirt draussen sein kann… es wird hier eher ruhig sein. Bis bald.

[dieses Bild entstand bei unserer ersten Rast in den schweizer Alpen, da war es schon wärmer als zu Hause aber noch nicht so warm wie hier.]

Interesse an mehr Bildern?

Konomu in KA

Donnerstag, 24. August 2006

Depone & Depone Jr. von Konomu

Hier kann man sehen, was passiert wenn eine Fotografin zu Gast ist. Viele nette Gespräche, ein glücklicher Sohnemann und einfach eine angenehme Zeit.

Lernen

Dienstag, 22. August 2006

Für meine Master-Arbeit lese ich im Moment pädagogische Literatur. Während ich gerade dabei bin mich in die Gedanken und Darlegungen einzudenken stosse ich auf einen Gedankengang, der mir zu Denken gibt. Der Autor spricht über lernen und darüber, dass es ab und an so aussieht als stehe der Lehrer dem Lernen der Schüler im Wege. Die unterschiedlichen Anforderungen, eigene Ansprüche, die Veränderung in unserer Gesellschaft und dadurch das Verhalten der Schüler können zu einer angespannten Atmosphäre führen, in der es dem Lehrer mehr darum geht den Unterrichtsstoff/-plan umzusetzen anstatt einen Lernprozess gemeinsam mit den Schülern zu durchleben.

Solche Aussagen haben das Potential entweder gegen die Lehrer, das Schulsystem, die Bildungspolitik, die Schüler oder die Gesellschaft als Ganze gerichtet zu werden. Die Stimmung in den Medien im April [erinnere mich an meinen Geburtstag als ich gemütlich eine TAZ las] hätte sicher dazu geführt gegen die Lehrer zu wettern… Interessant ist ein solcher Gedankengang in jedem Fall, auch wenn ich bewusst nicht gegen eine bestimmte Gruppe wettern will!

Während ich so die einzelnen Abschnitte las, fiel mir auf, dass dieser Drang “durch den Stoff zu kommen” bei mir nicht nur in der Unterrichtssituation existiert, sondern auch hier an meinem Arbeitsplatz mit diesem Buch. Jetzt nicht kurz innehalten um über das gelesene nachdenken, es in meinen Kontext zu übertragen, verschiedene Blickwinkel vor meinem inneren Auge beleuchten, sondern schnellschnell zum nächsten Abschnitt – schließlich muss man ja auch irgendwann fertig werden…

Berlin: Ohne-Scheiss

Montag, 21. August 2006

Berlin Ohne-Scheiss

Eben bei Wooster Collective gesehen, dass in Berlin ein Designer eine Aktion macht um auf die “Hundescheisse” aufmerksam zu machen. Sehr coole Aktion, meiner Meinung nach… sollten wir in KA vielleicht auch mal machen.

Einander Priester sein

Mittwoch, 16. August 2006

Es soll ja Menschen geben, die es schaffen auf ihren Blogs regelmäßig Serien zu schreiben, die dann wirklich einige aufeinander folgende Einträge hervorbringen. Bei mir hat das bisweilen noch nicht funktioniert, und so bin ich auch vorsichtig zu sagen, dass ich jetzt eine Serie zu »Einander Priester sein« einem hervorragenden Buch zum allgemeinen Priestertum schreiben werde. Ein paar Posts gab es schon die sich auf das Buch bezogen und es werden noch weitere folgen, das verspreche ich – ob es jedoch zu einer Serie reicht…

Im dritten Teil seines Buches beginnt Hans-Martin Barth damit eine Theorie des ›allgemeinen, gegenseitigen und gemeinsamen Priestertum aller Gläubigen‹ zu entwerfen, nachdem er in einem ersten Teil eine Standortbeschreibung liefert und im zweiten Teil verschiedene Modelle aus der Kirchengeschichte darstellt.

Nachdem er erläutert wieso es seiner Meinung nach noch angemessen erscheint für den theologischen Diskurs den Begriff allgemeines Priestertum zu verwenden, führt er aus, wie er dasselbige versteht und in welchem Kontext er es gelebt sehen möchte:

»Allgemeines Priestertum wird damit freilich nicht zum Synonym für „Christsein“. In diesem Sinne wird es zwar üblicherweise verstanden – als Bezeichnung der Würde, die „allen“ Christenmenschen „gemein“ ist. Aber es beschreibt ja das Christsein nicht nur als solches, sondern in einer spezifischen Hinsicht, nämlich in einer ekklesiologischen Dimension.

Es geht in ihm um die für das Christsein konstitutive Relation des einzelnen Glaubenden zu seinen Mitchristen und damit um einen Ort innerhalb der christlichen Gemeinde. Das „allgemeine Priestertum“ ist Priestertum des einen für den anderen und damit gegenseitiges Priestertum. Alle Träger des „allgemeinen“ und „gegenseitigen“ Priestertums haben aber, indem sie miteinander die Gemeinde bilden, einen „gemeinsamen“ Auftrag zur Ehre Gottes und zum Heil der Menschen. Das allgemeine Priestertum ist somit nur voll beschrieben, wenn es auch als das gegenseitige und schließlich als das gemeinsame Priestertum der Glaubenden zur Geltung kommt.«

[Hans-Martin Barth, Einander Priester sein: Allgemeines Priestertum in ökumenischer Perspektive. (Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1990), 193.]

Dass das allgemeine, gegenseitige und gemeinsame Priestertum in der Gemeinde gesehen und gelebt werden soll wird an mehreren Stellen von ihm betont. Meiner Ansicht nach ist ihm das deswegen so wichtig, dass es nicht dazu verwendet werden kann Dinge zu beschreiben, die sowieso normal sind und die Gemeinden einfach beim Alten zu belassen. Bevor er das allgemeine Priestertum begründet fasst er wie folgt zusammen:

»Das allgemeine, gegenseitige und gemeinsame Priestertum der Glaubenden heißt: Die Glaubenden übernehmen aneinander und an den Nichtglaubenden das Amt Christi. Was in Christus ein für allemal geschehen ist, kommt als gegenseitiges Nehmen und Geben innerhalb der Gemeinde und als Angebot und Anspruch an Menschen außerhalb der Gemeinde zum Zuge: nämlich Versöhnung, Entlastung und Befähigung zu einem förderlichen Handeln aneinander.«

[Barth, 194.]

[Randbemerkung]
Eine Frage, über die wir vielleicht schon heute diskutieren können, vielleicht aber auch erst gegen später könnte wie folgt lauten:
»Welche angemessene Bezeichnung ließe sich für das ›allgemeine, gegenseitige und gemeinsame Priestertum aller Glaubenden‹ in unserem Kontext finden?«

Bock auf Wok?

Mittwoch, 16. August 2006


WOK G–3

Originally uploaded by depone.

Gestern im Laufe des Tages diese Frage durch den Chat flitzen lassen und am Abend gemütlich um den Wok versammelt einen sehr netten Abend verbracht. Eine sehr gute Sache, wenn drei Männer aus Schwaben mit ihren Frauen, die nicht aus dieser Gegend stammen in einem Haus zusammen wohnen [die einen schon bald]. So kann man bei einem abendlichen Mahl auch über bestimmte Spitzfindigkeiten des Dialekts philosophieren. War ein netter Abend gestern mit den schönen Böttlers und den Eheleuten Pozsgai. Wen interessiert was ein starker Cappuccino anrichten kann, sollte hier weiterlesen.

Bücher zu Spiritualität

Dienstag, 15. August 2006

Einen geistlichen Rhythmus zu leben vergleiche ich gerne damit sich zu bestimmten Zeiten an die Gegenwart Gottes zu erinnern, die die ganze Zeit real ist. Und weil diese Erinnerung und das Pflegen der Beziehung zu Gott eine sehr gute Sache sind, empfehle ich heute mal einen Blick auf die Bücher zu Spiritualität bei Kairos-Media. Folge einfach diesem Link und schon bist du da.

Die Familie wieder komplett.

Montag, 14. August 2006

Die Familie trinkt Kaffee

Nachdem Julia und Josia letzte Woche bei Julias Mutter waren, sind wir seit Samstag Nachmittag wieder komplett hier in Karlsruhe. Nach einem Schläfchen auf Seiten des Sohnemannes tranken wir gemeinsam Kaffee. Wie du auf dem Bild sehen kannst, steht Josia auf geschäumte Milch die er pur zum Genuss angeboten bekam, während Julia eine Mischung aus 1/3 Espresso und 2/3 Milch bevorzugte und ich die umgekehrte Mischfolge konsumierte [woher er die Liebe für geschäumte Milch wohl hat?].

Neben Milchschaum genießt der Sohnemann natürlich Süßes in jeglicher Form, zum Frühstück schmeckt ein Marmeladenbrot [und auch bei mir lässt der Nutella-Hunger nach – sollte man ja nicht essen als Vater-Vorbild]. Zum Abendbrot wird mittlerweile legal ein Käsebrot bevorzugt, gerne dürfen es auch zwei sein. Das Mittagessen besteht weiterhin aus ähnlichen Zutaten, nimmt jedoch immer konkretere Gestalt an.

Neben einer Vielzahl für uns bisher unverständliche Laute mischen sich bisweilen zwei konkrete Worte in die Gesprächsbeiträge von Josia. Sein bisheriges Lieblingswort ist ›Mama‹, welches er gezielt in Richtung der Angesprochenen äußert. Gestern, als Julia im Café war, begann er auf einmal zur Türe zu laufen und immer ›Mama‹ zu sagen, als ich ihn daraufhin fragte ob er denn nun einen Mittagschlaf machen wollte schüttelte er den Kopf und ging wieder zur Tür und sagte ›Mama, Mama,…‹. Diese Aufforderung war klar und so stimmte er freudig zu, als ich ihm seine Jacke und Schuhe anzog. Ab und zu sagt er auch ›Papa‹ [so wie jetzt gerade, wo ich hinter geschlossener Tür an meinem Arbeitsplatz sitze], Mama ist natürlich immer noch der Favorit – ist ja auch verständlich [geht mir ja auch so].

Derrida: Unentscheidbarkeit

Freitag, 11. August 2006

Die letzten Tage habe ich viel in dem Buch Moderne und Ambivalenz von Zygmunt Bauman gelesen. Nach seinen sehr interessanten Ausführungen über Assimilation und damit Verbunden der Geschichte von Juden in Europa kommt er auf Derrida zu sprechen. Zunächst setzt er Derridas Philosophie der Unentscheidbarkeit in Beziehung zu einer ganzen Reihe einflussreicher Denker:

»Freuds Enthüllung der Ambivalenz (seine Neigung, Begriffe auf und zwischen den Grenzen zu verorten, so daß sie der Unterscheidung zwischen psychisch und somatisch, innen und außen, Sinn und Unsinn trotzen), Kafkas Einsicht in die letzte Grundlosigkeit der menschlichen Situation, Simmels Herabstufung der Gesellschaft auf das Spiel der Vergesellschaftung, Schestows Rehabilitierung der unterdrückten menschlichen Möglichkeit – vereinen sich in Jacques Derridas Philosophie der Unentscheidbarkeit

[Bauman, 299.]

Die Kernpunkte dieser Philosophie Derridas beschreibt er wie folgt:

»Derrida gibt dem Unbestimmten seinen rechtmäßigen Status als Grund allen Seins zurück; oder besser, er enthüllt den Betrug einer langen Reihe von Versuchen, es aus seiner Stellung zu verjagen oder seine Gegenwart zu leugnen. Jede Bemühung um Bestimmung endet in mehr Unbestimmtheit; jeder Versuch zu kodieren, zu überkodieren, zu fixieren, muß gleichzeitig die Gesamtsumme (wenn man hier von Summe sprechen kann) des Zufalls und der Unbestimmtheit vermehren. Jeder Deutungsschritt eröffnet neue Deutungsaufgaben. Deutung führt zu mehr Deutung. Deutung verwandelt sich in einen Teil dessen, was sie deutet, und vermehrt dadurch die Totalität, die gedeutet werden muß, sie ist in die Welt geschrieben, die sie schreibt. Sie muß sich selbst in das Buch eintragen, bei dessen Lektüre ihre Hilfe verlangt wird.

Was Derridas Werk auszeichnet, ist die aufrichtige Anerkennung der »methodologischen Notwendigkeit, sich selbst in die Streitfrage und das Problem einzubeziehen, die Verantwortung für seine eigene Reflexivität und den eigenen Irrtum zu übernehmen«; die Bereitwilligkeit, »die Tradition der Selbstgewissheit aufzugeben, sich von den in dieser Tradition definierten Sinnbedingungen zu distanzieren«. Für Derrida gibt es keinen letzten Außenstandpunkt, keine harte, nicht-textuelle Realität »da draußen«, auf die die Deutung des Textes sich in der Hoffnung beziehen könnte, an ihr ein letztes und endgültiges Urteil zu haben. Der Text entwickelt sich im Verlauf seiner interpretativen Durchdringung. Deutung bleibt zwangsläufig in dieser verwirrenden, gleichwohl kreativen Beziehung zu dem Text, der gleichzeitig ebenso metonymisch ist; Deutung verwandelt sich in eine Erweiterung des Textes, während sie versucht ihn zu ergänzen.«

[Zygmunt Bauman, Moderne und Ambivalenz, 299f.]

In der Verbindung der Deutung mit dem Text erkennt Susan A. Handelmann ein Aufleben rabbinsicher Hermeneutik. Im Gegensatz zur griechischen Hermeneutik, die sich vom Text löst und eigenständig wird, verbindet sich in der rabbinischen Hermeneutik die Deutung eng mit dem Text.

Event und Gemeinschaft

Dienstag, 08. August 2006

In seinem Buch Flüchtige Moderne schreibt Zygmunt Bauman über explosive Gemeinschaften, die er auch Gemeinschaft der Herausgeputzten nennt.

Dabei handelt es sich um Gemeinschaften von Menschen die sich zu einem bestimmten Zweck versammeln. Am Beispiel eines Theaterbesuchs verdeutlicht er seine Sicht der ›Gemeinschaft der Herausgeputzten‹. Die Menschen die ein Theater besuchen ziehen sich zu Hause dem Anlass entsprechend an und orientieren sich dabei an einem Dresscode, der sich von ihrer alltäglichen Kleidung unterscheidet. Am Eingang geben sie ihre Mäntel und Jacken ab und verlieren sich in einer Menge Herausgeputzter. Für die Länge der Darbietung sind alle zusammen auf die Bühne ausgerichtet und durchleben die selben Emotionen. Am Ende der Veranstaltung gehen sie wieder zur Garderobe und verschwinden in der Menge, aus der sie kurz zuvor aufgetaucht waren.

»Die Gemeinschaften der Herausgeputzten brauchen ein Spektakel, das an schlummernden Bedürfnissen rührt, um ansonsten vollkommen disperate Individuen für eine kurze Zeit zusammenzuführen – alle anderen Bedürfnisse, die sie als Individuen haben, kochen derweil auf Sparflamme, werden ruhig oder hintangestellt. Das Spektakel, das diese Gemeinschaften zum Leben erweckt, verschmilzt die Interessen der Teilnehmer in keiner Weise zu einem »Gruppeninteresse«; durch Addition gewinnen die einzelnen Anliegen keineswegs eine neue Qualität, und die Illusion, etwas mit anderen zu teilen, hält nicht länger vor, als die Erregung, die durch die Darstellung auf der Bühne vermittelt wird.«

[Bauman, 234.]

Solche Gemeinschaften lassen sich an einer Vielzahl von Veranstaltungen feststellen, sei es wie in Baumans Beispiel im Theater, im Kino, im Fussballstadion, in einem Konzert oder bei einem Gottesdienstbesuch. Menschen kleiden sich entsprechend eines Dresscodes und versammeln sich zu einem Event an dem sie ihren Alltag vergessen oder zumindest in den Hintergrund treten lassen. Sind damit nicht weitere Beziehungen verbunden tauchen sie nach Ende der Veranstaltung wieder in der Masse ab und damit in ihren Alltag zurück. Tiefere Begegnung ereignet sich zwischen diesen Menschen in einem solchen Kontext eher selten, Baumann geht sogar noch weiter und spricht davon, dass solche Events dauerhafte Gemeinschaften verhindern:

»Diese herausgeputzten Karnevalsgemeinschaften haben ferner den Effekt, die Entstehung »wirklicher« (d.h. umfassender und dauerhafter) Gemeinschaften zu verhindern; sie imitieren solche Formen nur und versprechen (in grober Irreführung), sie können derartige wirkliche Gemeinschaften aus dem Nichts hervorzaubern. Statt die freischwebenden sozialen Impulse zu kondensieren, versprühen sie die soziale Energie wahllos und tragen damit zu jener allgegenwärtigen Einsamkeit bei, in der jeder verzweifelt und hoffnungslos an seltenen und dünn gesäten gemeinsamen Unternehmungen Halt sucht.«

[Zygmunt Bauman, Flüchtige Moderne, 235f.]

Diese Gedanken von Bauman haben mich wieder ins Nachdenken darüber gebracht, wie sich in unseren Gemeinden die Events [nenn‘ es Veranstaltungen wenn das besser passt] zu der realen Gemeinschaft verhalten…