Archiv für Dezember 2006

gegen uns

Freitag, 29. Dezember 2006

Lese gerade eine sehr inspirierende Bonhoeffer Biographie, darin bin ich über einen Satz gestolpert, den ich auch hier lesen möchte:

»Wir haben unsere eigenen Gedanken lieber als die Gedanken der Bibel. Wir lesen die Bibel nicht mehr ernst, wir lesen sie nicht mehr gegen uns, sondern nur noch für uns!«

Das hat Dietrich Bonhoeffer 1931 auf einer Jugendkonferenz in der Schweiz gesagt.

Verdienstmöglichkeiten

Freitag, 29. Dezember 2006

Toby Faix hat das Blogger-Exhibitionismus-Spiel der fünf Dinge die bisher niemand wusste insofern verändert, dass er über fünf Dinge schreibt mit denen er schon Geld verdiente. Dieser Gedanke hat mir gut gefallen, und da er mich eingeladen hatte auch ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern schreibe ich auch über fünf Dinge die mir einen gewissen Verdienst ermöglichten:

1. Bitte keine Werbung einwerfen! Soweit ich mich erinnern kann bestand mein erster Versuch etwas eigenes Geld zu verdienen darin Prospekte eines Spielwarenladens zu verteilen – für sage und schreibe 6 Pfennig pro Prospekt.

2. Beerdigungen. Meine aktive Zeit im Pausenchor brachte mich zum bis dorthin lukrativsten Job: Beerdigungen im Quartett musikalisch zu umrahmen. Depone war für den Bass mit seiner Zugposaune zuständig – und die CD Sammlung wuchs.

3. Baustellenausfahrt. Zwei Sommerferien verbrachte ich auf verschiedenen Baustellen und arbeitet als Handlanger für Bauarbeiter. Neben Betonieren, Schlitze klopfen und sonstigen schönen Aufgaben genoss ich immer die Zeit des harten Arbeitens, das zu Bett gehen fiel in diesen Wochen selten schwer.

4. Schichtarbeit. Auch wenn das Dasein als Bauarbeiter frühes Aufstehen mit sich brachte, so wurde es durch das Schichtarbeiten in einer Fabrik für Autoelektronik noch getoppt. Die Arbeit war wesentlich weniger abwechslungsreich, da sich meine Aufgabe hier auf das anbringen von Steckern an Kabel beschränkte.

5. Heiße Schlitten. Während meines ersten Jahres als Student arbeitete ich für Europcar. Neben den eher lästigen Aufgaben des Autoputzens hatte ich mehrere interessante Botenfahrten. So holte ich ein paar fabrikneue Audi A8 ab [inkl. fernsehen im Stau], fuhr mit netten Mercedes durchs Land und stellte auch 7,5 Tonner zu.

Nach ersten Bedenken, ob ich es denn auf 5 interessante und unerwartete Jobs bringen würde, fiel mir auf, dass ich noch ein paar mehr in der Hinterhand habe, die ich aber Dank der fünf Punkte für mich behalten kann. Mehr Details von sich Preis zu geben möchte ich von niemanden verlangen – viele in meinem Bloggerumfeld haben ja diese oder ähnliche Fragen schon beantwortet.

Kleber-Inspiration

Mittwoch, 27. Dezember 2006

Eben bei Wooster eine sehr coole Sache gesehen was man auch mit den Päckchen-Kleber der Post machen kann: MORFAI » Päckchen-Kleber at it‘s best.

überlebt

Mittwoch, 27. Dezember 2006

Als einer der Kandidaten die Angst vor dem Zahnarzt haben, überlebte ich eben meinen jährlichen Besuch in dessen Praxis. Sehr beruhigender Arzt, der meine Zähne lobte und meinte einmal im Jahr wäre ausreichend… dann kann der Tag ja jetzt beginnen.

Gott wurde Mensch

Sonntag, 24. Dezember 2006

Frohe Weihnachten II/II

Gott wurde Mensch und wohnte unter uns. Wir nehmen uns ein paar Tage frei und feiern seinen ›Geburtstag‹, auch wenn er wahrscheinlich nicht in den Tagen geboren wurde und auch wenn er vielleicht anders feiern würde…

schöne Weihnachten dir.

[ich werde immer „elter“ – mittlerweile haben wir schon einen Weihnachtsbaum]

Was ist Theologie?

Donnerstag, 21. Dezember 2006

Während ich so durch ›How (not) to speak of God‹ lese fällt mir auf wie sehr die Art zu schreiben zum Inhalt des Buches passt. Pete schreibt von der mystischen Tradition her und verbindet in der Art wie er schreibt den Inhalt mit einem kontemplativen Zugang, der sich nach und nach einem Thema aus verschiedenen Blickwinkeln annähert und dennoch Raum für Geheimnisse lässt. Liest man das Buch mit der Brille eines Logikers könnte es dazu kommen, dass es scheint als würden zu wenige Informationen geboten – erwartet man die evangelikal-amerikanischen Geschichten zur Auflockerung, könnte man sich enttäuscht abwenden – lässt man sich jedoch auf das kontemplative Umkreisen ein, erweitert sich der eigene Blick. So scheinen die einzelnen Kapitel sich sehr zu ähneln und doch nähert er sich immer wieder unter neuen Blickwinkeln seinem Thema, was er meiner Meinung nach sehr sehr gut macht. Bevor ich diese Beobachtung abschließe, möchte ich dich fragen ob du ähnliche Beobachtungen beim Lesen dieses Buches gemacht hast?

Diesem Eintrag gab ich den Titel: Was ist Theologie? und so möchte ich auch auf das eingehen was Pete im zweiten Kapitel [The aftermath of theology] beschreibt. Wie bereits gesagt nähert sich Pete auf kontemplative Weise diesem Thema und so bin auch ich geneigt einen ebenso ausführlichen Eintrag zu schreiben, möchte mich jedoch auf einen Aspekt des Kapitels beschränken, der mir zentral erscheint.

Seiner Ansicht nach gibt es zwei grundsätzlich unterschiedliche Zugänge zu Theologie. Der erste Zugang wäre eine Theologie deren Ziel es ist Gott zu beschreiben. Auf der anderen Seite kann Theologie auch als anbetende Reaktion auf Gott verstanden werden.

Innerhalb der emergingChurch-Bewegung [oh Mann, immer diese Übersetzungsversuche] wird meist der zweite Zugang der anbetenden Reaktion gelebt. Insofern wird Theologie nicht so sehr als menschlicher Diskurs verstanden, in dem über Gott gesprochen wird, sondern vielmehr als Ort an dem Gott in den menschlichen Diskurs hineinspricht. Daraus folgt, dass wir nicht so sehr Theologie treiben, sondern von ihr überwältig und verändert werden. Durch unsere Worte und Handlungen streben wir nach einer Begegnung der Menschen in unserem Umfeld mit dem lebensspendenden Wort Gottes.

In unserer theologischen Praxis stehen wir einerseits auf der Seite des traditionellen Verständnisses und sprechen über Gott, sind uns jedoch auch dessen bewusst, dass unser Reden Gott nicht definieren kann. Wir beherrschen die Theologie nicht sondern stellen uns unter ihre Wirkung.

emerging

Donnerstag, 21. Dezember 2006

Während des Lesens von »How (not) to speak of God« ist mir aufgefallen, dass Pete durchweg das Wort ›emerging‹ klein schreibt. Und da ich denke, dass er jedes Wort und auch die Schreibweise bewusst wählt [sieht schwer danach aus], weist seine Verwendung dessen darauf hin, dass es sich bei dem Wort um ein Verb handelt – also etwas im Werden begriffen ist – Stichwort: Der Weg ist das Ziel.

Heiligung mit Bonhoeffer

Donnerstag, 21. Dezember 2006

In meinen Vorbereitungen zum Unterricht über Spiritualität im Lift letzten Dienstag setzte ich mich wieder einmal mit der Tradition der Heiligung auseinander. Bisher war diese Tradition diejenige, die am wenigsten zu mir sprach, da ich immer die Assoziation von Gesetzlichkeit mit ihr verband.

In dieser Auseinandersetzung fiel mir jedoch ganz neu auf, dass Gesetzlichkeit zwar eine Gefahr dieser Tradition ist, jedoch der eigentlichen Idee dahinter widerspricht. Geht es in dieser Tradition doch darum das eigene Leben im Einklang mit Gottes Willen zu leben, kann es gar nicht darum gehen sich stur an irgendwelche Regeln zu halten oder einen komischen Perfektionismus anzustreben.

In dem Buch ›Viele Quellen hat der Strom‹ führt Richard Foster Dietrich Bonhoeffer als Beispiel für die Tradition der Heiligung an. Bonhoeffer ist einer der Menschen die mir sowohl von ihrem Leben her wie auch von seiner Theologie zum Vorbild geworden sind, und so war ich offener als jemals davor auf diese Tradition zu hören. Foster wählt sechs Punkte aus um deutlich zu machen weshalb er Bonhoeffer als Vertreter dieser Tradition versteht:

1. Bonhoeffer nahm Jesus ernst.
Bonhoeffer nahm in seinem Leben wie in seiner Theologie Jesus ernst. Er sah in ihm den Menschen Jesus wie auch den Gott-Jesus und betonte, dass es unabdingbar ist diese beiden Seiten zusammen zu sehen.

2. Bonhoeffer nahm den Ruf Jesu in die Nachfolge ernst.
In seiner Auseinandersetzung mit Gnade unterscheidet Bonhoeffer billige von teurer Gnade. Seiner Ansicht nach kann Nachfolge nur im Bezug auf teure Gnade gelebt werden:

»Billige Gnade ist die Predigt der Vergebung ohne Buße, ist Taufe ohne Gemeindezucht, ist Abendmahl ohne Bekenntnis der Sünden, ist Absolution ohne persönliche Beichte.«
[zitiert nach Foster, 100.]

3. Bonhoeffer nahm die geistliche Disziplin ernst.
In seinen Vorlesungen verband Bonhoeffer die Wissenschaft immer mit gelebter Frömmigkeit. Frömmigkeit als getarnte Flucht in nur religiöse Handlungen lehnte er ab und verstand sie immer verbunden mit verantwortlichem Handeln in der Gesellschaft. In dieser Weise wird Bonhoeffer im Zusammenhang mit einem neuen Mönchtum verstanden, welches das konsequente Leben nach der Bergpredigt aufweist. Auch hier wird deutlich, dass er Jesus ernst nahm, war es ihm doch ein Anliegen Jesus Christus in der ganzen Fülle seiner selbst ähnlich zu werden.

4. Bonhoeffer nahm die freie, verantwortliche, gehorsame Tat ernst.
Jedes gesetzliche Denken war Bonhoeffer fremd, er betonte stattdessen ein Leben und Handeln das den jeweiligen Situationen entsprechend neu entschieden werden musste. In diesen Entscheidungen ist es seiner Ansicht nach wichtig, dass das Zentrum definiert ist, denn dann werden keine starren Regeln benötigt, da der jeweilige Mensch verantwortlich zu entscheiden in der Lage ist. Diese Dialektik wird meiner Ansicht nach in Bonhoeffers Auseinandersetzung zwischen Friedfertigkeit und Anschlag deutlich – er war sich bewusst, dass eine Entscheidung auf beiden Seiten Gefahren bot, und dennoch war es für ihn wichtig sich zu entscheiden und dementsprechend zu handeln.

5. Bonhoeffer nahm die Reinheit der Kirche ernst.
In der Zeit des anfangenden Dritten Reiches sprach Bonhoeffer offen über sein Verständnis des Führers als Verführer. Ein solches Handeln beeindruckt mich zutiefst, setzte er durch seine Position sein Leben aufs Spiel und musste später sogar mit seinem Leben dafür bezahlen [diese Worte erscheinen mir zu flach und einfach für die Schwere dessen was sich abspielte, dennoch möchte ich darauf hinweisen...]. Er setzte sich für die Kirche ein und war darum bedacht, dass die deutschen Christen nicht die einzige Möglichkeit, seiner Ansicht nach keine Möglichkeit, blieben in dieser Zeit innerhalb der Kirche Christ zu sein – auch die Bekennende Kirche ging seiner Ansicht nach mit dem Betheler Bekenntnis nicht weit genug. Dies war jedoch nicht seine einzige Sorge im Bezug auf die Kirche, in seinem Buch ›Gemeinsames Leben‹ finden wir die Ideen und Berichte aus seiner Zeit im Finkenwalder Seminar in dem er sein Leben mit einigen anderen Theologen teilte.

6. Bonhoeffer nahm die Welt ernst.
Die Tatsache, dass Bonhoeffer die Welt als solche ernst nahm zeigt sich nicht zuletzt in dem Gedanken des religionslosen Christentums [dazu empfehle ich noch einmal den Text, den Tobias vorliest.].

»Es ist ein Leben nicht der religiösen Tat, sondern des Teilnehmen am Leiden Gottes im weltlichen Leben.«
[zitiert nach Foster, 107.]

Ein solches Leben ist befreit von falschen religiösen Hemmungen und Bindungen und offen allen Menschen zu dienen. In dieser Weise verstand er auch die Idee mit den Leidenden zu leiden und sich mit den Fröhlichen zu freuen.

Abschließend kann man wohl bemerken, dass Bonhoeffer von einer weltzugewandten Spiritualität spricht und diese auch gelebt hat.

KaffeeLiebe

Mittwoch, 20. Dezember 2006

Der letzte Post bekam seinen endgültigen Schliff während Bob Dylan und seine Plattensammlung das schwarze Gold [a.k.a. Kaffee] feierten. Diesen Genuss bescherte mir Haso mit einem Päckchen im Briefkasten, das schon bei ersten Kontrollen eine CD als Inhalt vermuten lies. Und so genieße ich Kaffee jetzt auch mit Klängen und gesprochenen Worten rund um Kaffee und Zigaretten. DANKE SEHR.

How (not) to speak of God | Erste Eindrücke

Mittwoch, 20. Dezember 2006

Letzte Woche habe ich begonnen das Buch ›How (not) to speak of God‹ von Pete Rollins zu lesen. Hier möchte ich mal wieder ein paar erste Eindrücke loslassen.

Pete schreibt darüber, dass er sich in der emergingChurch-Bewegung wohl fühlt, da er festgestellt hat, dass es dort Menschen gibt die ähnliche Gedanken und Fragen usw. haben wie er. Dieses Gefühl kenne ich nur zu gut, ging es mir doch genauso als ich die ersten Bücher las und jedes mal wieder wenn ich jemanden kennen lerne…

Er spricht davon, dass es sich bei emergingChurch, auch wenn sie im Moment gesteigerte Aufmerksamkeit bekommt, um eine sehr junge und zerbrechliche Gemeinschaft handelt. Auf der Suche was emergingChurch ist, wird man nicht auf ein ausgeklügeltes theologisches System und eine reine Form kommen, vielmehr wird ein Netzwerk aus Freunden und Gemeinschaften sichtbar werden, die unterschiedlich glauben, an manchen Punkten jedoch eine gewisse gemeinsame Basis haben.

Diese gemeinsame Basis beginnt er im ersten Kapitel seines Buches darzustellen. Mir gefällt dieser Zugang sehr gut, nicht damit zu beginnen was einen unterscheidet, sondern das zu sehen was gemeinsam ist. Im Wissen, dass alles was heute im Bezug auf emergingChurch geredet und gedacht wird, bereits gedacht und gelebt wurde, stellt er seine Arbeit in den geschichtlichen Kontext.

Das erste Kapitel trägt den Titel ›Gott befreie mich von Gott‹. Diese Aussage übernimmt Pete von Meister Eckhart. Und während er darüber spricht wie unsere Vorstellungen von Gott uns im Weg stehen den Heiligen anzubeten [mehr noch, uns zu Götzendienst verführen], kommt er auf die bereits erwähnten Gemeinsamkeiten die er bei emergingChurches wahrnimmt zu sprechen:

Der Weg ist das Ziel.
Diese Charakteristika hat mit dem Verständnis von Prozess zu tun. Alles was wir ›sind‹ hängt mit ›werden‹ zusammen. In diesem Verständnis machen wir uns bewusst, dass wir nicht fertig/am Ziel sind, sondern weiter in Veränderung stehen. Es geht also nicht um einen Gegensatz zwischen Weg und Ziel sondern das Zusammendenken von beidem. Insofern ist der Weg Teil des Ziels.

Neuinterpretation des ›wie‹
Es geht nach Pete in emergingChurches nicht darum einen neuen Glauben zu entwickeln, der mehr in unsere Zeit passt, sondern vielmehr darum neu zu überlegen wie wir das glauben und leben was wir schon als Glauben vorfinden. Dieses Überdenken scheint manchmal so unspektakulär als würde sich dadurch nichts ändern und dennoch ändert sich alles.

Offenbarung und Verborgenheit
Zunächst spricht er davon, dass alles was wir von Gott zu wissen glauben Interpretationen sind, diese Erkenntnis ist seiner Ansicht nach zentral. Machen wir uns das nicht bewusst stehen wir in der Gefahr einen Götzen anstatt den Heiligen selbst anzubeten. In der Folge dieses Gedanken spricht er davon, dass er in gewisser Weise verborgen bleibt auch wenn er sich offenbart. Auch hier bemerkt er, dass es nicht hilft einen Gegensatz von Offenbarung und Verborgenheit zu postulieren, sondern gerade Gottes Verborgenheit in seiner Offenbarung zu umarmen. Relativismus, der manchmal in einem solchen Zusammenhang postuliert wird, ist seiner Meinung nach jedoch ebenfalls eine Art von Selbstbetrug.

Die besondere Bedeutung von Offenbarung liegt demnach nicht darin sie genauestens zu interpretieren, sondern sie zu lieben und uns von ihr verändern zu lassen. In dieser Weise sieht er auch die Einheit der Kirche in der Sehnsucht danach den ›Geliebten zu umarmen‹.

Dies bringt emergingChurches dazu das Bedürfnis nach Klarheit hintenanzustellen und sich dafür zu öffnen wie wichtig es ist von dem Geliebten umarmt zu werden anstatt Übereinstimmung im Bezug auf unser Verständnis von ihm zu finden.

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Einiges mehr und genaueres zu dem Buch findest du bei Tobias.