Archiv für Februar, 2007

Fast Food Nation

Mittwoch, 28. Februar 2007

Für all diejenigen für die ›Super Size Me‹ entweder zu langweilig war oder schon zu lange her ist, so dass sie immer noch ohne schlechtes Gewissen ›schnell essen‹, kommt morgen ein Film in die Kinos, der es in sich hat: Fast Food Nation.

Das Leben genießen

Mittwoch, 28. Februar 2007

Ich bin ein Genießer, das schon mal vorweg. Gleichzeitig zähle ich mich auch zu denen, von denen gesagt wird sie seien ›Christen‹, folge Jesus nach oder versuche in Harmonie mit Gott zu leben. Diese Verbindung, so scheint mir, wird jedoch ab und an als Widerspruch verstanden – und ich beginne mich zu fragen, wie das gehen kann?

Meine Nachfolge verstehe ich in der Tradition des Judentums. Und jedes Mal, wenn ich mir ein jüdisches Festmahl vorstelle, dann kann ich den Genuss förmlich erleben. Das wunderbare Essen, der ausgewählte Wein, die Kräuter, Kerzen auf den Tischen, und sehr gute Gespräche. Ein Volk, das es versteht das Leben zu genießen auch wenn die Umstände zu manchen Zeiten dagegen sprechen.

Genau aus dieser Tradition stammt derjenige an dem ich mein Leben orientiere, Jesus. Und ich stelle mir sein Leben ebenfalls so vor, dass er und die Menschen in seinem Umfeld wussten was es heißt das Leben zu genießen. Was sollen sonst die Gründe gewesen sein, dass er mit seinen Jüngern, manchen Zollbeamten und anderen zusammen isst. Weshalb sollte er aus Wasser Wein gemacht haben und auch durch seinen Genuss zu einem Dorn im Auge mancher Moralisten seiner Zeit geworden sein?

Wenn wir also in dieser Zeit von Fasten reden, dann tun wir das nicht aus dem Grund weil unser ganzes Leben langweilig ist und wir keinen Genuss kennen. In diesem Zusammenhang hat mir folgende Aussage von Fono sehr gut gefallen: »Da Protestanten und Evangelikale sowieso nie Spaß haben, brauchen sie eigentlich nicht zu fasten, denn auf was sollten sie noch verzichten?« [Fono » Entwarnung: Fasten macht nicht katholisch!] Weist unser Leben auf den hin, dem wir nacheifern – wenn wir als genussfeindliche Moralisten auffallen?

Unter Genuss verstehe ich natürlich auch nicht Maßlosigkeit – eine Unart die meiner Ansicht nach eigentlich eher das Gegenteil von Genuss darstellt. Genuss hängt mit genießen zusammen und ich genieße ein paar Tassen super leckeren Kaffee und nicht die Masse. Ähnlich sehe ich das auch mit dem Rauchen, weshalb folgende Aussage aus einem Kommentar zur Anti-Raucher-Kampagne den letzten Tropfen dazu beitrug diesen Eintrag zu schreiben:

»Rauchen als „Verschwendung“, „Sünde“ und „gottloses Laster“: Vieles deutet daraufhin, dass die tief in unserer christlichen Glaubenstradition verankerte, asketische Grundhaltung zum Leben eine der entscheidenden Antriebsfedern auch der modernen Anti-Raucher-Bewegung ist. Sie erklärt den missionarischen Eifer, mit dem das Rauchen auch heute noch verfolgt wird und sie macht plausibel, warum der Hauptanstoß der modernen Verbotswelle aus dem puritanisch geprägten Amerika kommt.«

[WELT » Warum die Anti-Raucher-Kampagne Heuchelei ist.]

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Ein interessanter Eintrag zur Fastenzeit findet sich bei Bruce Stanley a.k.a. [embody].

Auto, Jan, Opa.

Montag, 26. Februar 2007

Am Wochenende war die kleine Familie Ehniss unterwegs. Omas, Opas und einige mehr aus der Sippe getroffen. Und was macht der Jüngere? Zeigt zur Tür und sagt: »Auto, Jan, Opa.« Heute hat jedoch der Alltag wieder angefangen, wie früh man solche Sachen lernen muss.

Das Leben der Anderen

Montag, 26. Februar 2007

Dieser Film wurde letzte Nacht als Bester nicht-englischsprachiger Film ausgezeichnet. Ich freue mich sehr darüber und gratuliere. Für mich persönlich war er auf jeden Fall das Kinohighlight des letzten Jahres.

Dekonstruktivistische Theologie

Donnerstag, 22. Februar 2007

Im April findet die diesjährige ›Emergent Theological/Philosophical Conversation‹ statt. »Was würde Jesus dekonstruieren?« ist ihr Motto, und wie sich mancher Leser vorstellen kann, wäre [depone] da gerne mit von der Partie. Aus verschiedensten Gründen ist dies jedoch nicht möglich und so freue ich mich umso mehr, im Netz auf die eine oder andere anregende Diskussion zu stossen. Das ist der erste Grund für diesen Post. Der Zweite resultiert aus so manchem Gespräch das sich um die Frage meiner bisweilen dekonstruktivistisch anmutenden Theologie dreht.

Schließlich – um die lange Vorrede zu einem Ende zu bringen – möchte ich darauf hinweisen, dass dieser Post einige Gedanken frei wiedergibt, die ich bei LeRon Shults gefunden habe. In dem Post, der diesem Eintrag zu Grunde liegt geht LeRon auf folgende Frage ein: »Warum neigt emergingChurch dazu dekonstruktivistisch Theologie zu betreiben?« In seinem Post stellt er drei Gründe dar, die seiner Meinung nach hauptsächlich dazu führen, dass EmergentTypes [wie er sie nennt] Dekonstruktion und Theologie verbinden.

[1] Dekonstruktion akzeptiert die Kategorie der Differenz nicht nur, sondern heißt sie willkommen. Da wir in einer Zeit aufwachsen in der es eine große Offenheit für Differenz gibt, ist diese Offenheit für uns um einiges nahe liegender als die Enge, der wir in manchen theologischen Kreisen begegnen. Diese angesprochene Enge drückt sich in einem Zwang zur ›Gleichheit‹ aus, von der wir uns durch die Dekonstruktion befreit fühlen. Dadurch bekommen wir eine Sprache das auszudrücken was wir täglich erleben.

[2] Bei der Suche nach Erkenntnis verlangt dekonstruktivistische Epistemologie/Hermeneutik nach Demut. Damit ist natürlich nicht gesagt, dass jeder der als Dekonstruktivist bezeichnet wird demütig ist – vielleicht gilt bei manchen genau das Gegenteil. Dennoch ist es ein wesentliches Merkmal von Dekonstruktion, dass sie sich ständig selbst reflektiert. Die eigenen Erkenntnisse und die Wege auf denen sie gewonnen werden, werden beständig hinterfragt. Auf diese Weise können uns Denker wie Derrida Demut lehren und wir lernen zu bejahen, dass wir nicht alles wissen und verstehen.

[3] Dekonstruktion ist überraschend. Am Anfang all unseres Hinterfragens steht meistens noch nicht fest wo wir damit am Ende landen werden. Wir sind mehr als bereit dazu, die Notwendigkeit den Ausgang unseres Hinterfragens, bereits vorher bestimmen zu können hinter uns zu lassen. Der Schock, den manche Erkenntnisse des Weges auslösen, wird von vielen als Kick empfunden. Insofern stellt die Dekonstruktion eine Möglichkeit dar, sich selbst für solche Überraschungen zu öffnen, und sich daran zu freuen wenn daraus wirkliche Veränderung entsteht.

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zum Thema Dekonstruktion könnten dich auch folgende Einträge interessieren:
Dekonstruktion mit Sinn und Ziel
Dekonstruktion vs. Methode

Gebet

Donnerstag, 22. Februar 2007

Heute dieses Gebet in den Losungen gelesen und daran gedacht, dass es ein Gebet sein könnte, dass heute an vielen Orten eine Menge Menschen beten…

»Wir leben in einer Welt, in der ein Mensch den anderen gefangen hält, foltert, entführt und erniedrigt. Wir leben in einer Welt voll Hunger und Durst nach Gerechtigkeit. Herr Jesus Christus, wir bekennen, dass wir diese Ungerechtigkeit mit Schweigen bedecken. Hilf uns, mit deiner Liebe Gleichgültigkeit zu überwinden und für Gerechtigkeit einzutreten.«

[Aus einer Liturgie der Brüdergemeine.]

PrecipiceMagazine

Mittwoch, 21. Februar 2007

Eben über EmergentVillage auf das Precipice Magazin gestossen. Scheint ein nettes online Magazin zu sein mit einer Menge interessanter Artikel rund um ›Emerging Church‹.

Hoffnung auf gute Bücher

Dienstag, 20. Februar 2007

Habe mir eben mal die Emersion-Seite angeschaut. Emergent bringt unter diesem Label in Zusammenarbeit mit BakerBooks eine Serie von Büchern heraus, die zur Unterstützung von dem gedacht sind was sich an Neuem in der ›Gemeindelandschaft‹ entwickelt. Ich freue mich schon auf einige gute Bücher.

Eines dieser Bücher ist ›Emergent Manifesto of Hope‹ von dem Doug immer schwärmt. Für dieses Buch haben Doug und Tony nun auch ein Blog eingerichtet, das uns bereits jetzt einige Einblicke ermöglicht: Emergent Manifesto of Hope Blog.

Leben

Freitag, 16. Februar 2007

Sonnenschein, iTunes spielt Matisyahu und die ZEIT schreibt über das Judentum – wenn das nicht wunderbar ist, was dann?

kinderfreundlich?

Donnerstag, 15. Februar 2007

Das Adjektiv »kinderfreundlich« geistert seit einiger Zeit durch die Medien. Es wurde auf Bundesebene gebraucht und auch in meiner Zeit in Stuttgart wollte ein Bürgermeister die Stadt zur kinderfreundlichsten Stadt machen. Geändert hat sich durch diese Aussagen recht wenig, vielleicht so wenig wie im Bezug auf all die Zusagen und Visionen für den wirtschaftlichen Aufschwung.

Auch wenn die Studie der UNICEF den Eindruck erwecken kann, dass es ihr vor allem um die Verantwortung der Gesellschaft in Form von Institutionen geht, ist das meiner Ansicht nach nicht der Schlüssel zu wirklichen Veränderungen. In den Tagesthemen wurde Heide Simonis interviewt. Zunächst machte sie eine Aussage in die Richtung der institutionellen Verantwortung für Kinder, als sie einen Bericht über ein ehrenamtliches Projekt in Hamburg kommentierte und dabei ›Gesellschaft‹ mit ›Institution‹ gleichsetzte. Meiner Ansicht nach ist jedoch gerade ein solches Projekt von Ehrenamtlichen ein Schritt in die richtige Richtung, da hier ja auch die Gesellschaft Verantwortung übernimmt – oder waren es nicht die Menschen die eine Gesellschaft ausmachen?

Ihre Aussage zu nicht gestressten Eltern im Bezug auf folgende These der Studie gefiel mir dagegen recht gut – auch wenn dieses Ergebnis in gewisser Weise ein ›Schock‹ ist:

»Mehr als die Hälfte der 15-jährigen Deutschen sagen, dass ihre Eltern kaum Zeit haben, sich mit ihnen zu unterhalten. In Ungarn und Italien machen nur etwa ein Viertel der Jugendlichen diese Erfahrung. Deutsche Eltern reden offenbar besonders selten mit ihren Kindern – Deutschland liegt in dieser Hinsicht auf dem letzten Platz.«

[UNICEF: Deutschland nur Mittelmaß | UNICEF-Bericht zur Situation von Kindern.]

Kinderfreundlich zu sein entscheidet sich meiner Ansicht nach nicht in erster Linie an institutionellen Reformen, auch wenn diese zu einer gewissen Entlastung und Verbesserung der Lage beitragen können. Wie ich schon einmal bemerkt habe, danke ich dass ein Umdenken in unseren Köpfen notwendig ist – hin zu unseren Kindern – vielleicht auch zu Menschen an sich. Und hier kommt auch jeder Einzelne von uns ins Spiel, wenn es der Fall ist, dass Eltern keine Zeit und Aufmerksamkeit für ihre Kinder haben, dann frage ich mich nach Wegen wie wir [die Eltern] das ändern können…