Wie meine Ahnung es andeutete vergaß ich in diesem Jahr den 99. Geburtstag des Kaffeefilters. Nachträglich alles Gute.
Das Prinzip ist Hoffnung
Vor Kurzem bekam ich das aktuelle Freundeskreis-Album von einem Freund. Während die meisten Tracks eine Zeitreise zurück in die Vergangenheit darstellen finden sich darauf auch Lichtblicke die von der Zeit zeugen die vergangen ist.
Besonders gut gefällt mir ›Das Prinzip ist Hoffnung‹ in dem sie sich mit der Weltlage auseinandersetzen. Wie der Titel schon zeigt bleiben sie dabei nicht bei einer kritischen Haltung stehen sondern wagen einen hoffnungsvollen Blick:
Das Prinzip ist Hoffnung,
und sei‘s auch nur die winzigste Hoffnung
sie strahlt uns entgegen aus den Kinderaugen,
sag mir wer will nicht an seine Kinder glauben?Das Prinzip ist Hoffnung,
und sei‘s auch nur die winzigste Hoffnung
solang wir dafür gehen ist es nicht zu spät,
mancher Kern wird zum Baum der seine Früchte trägt.
[Freundeskreis, FK 10.]
Im Kontrast dazu las ich auf Zeit-Zünder einen Artikel von Markus Kavka in dem er sich mit der Entwicklung von HipHop auseinandersetzt. Vielleicht ist dieser Artikel auch für dich interessant, vor allem dann wenn du dich fragst was geht wenn Rapper wie Fl*r oder G-H*t in den Playern rotieren. Ein 10-Jahres Album von Freundeskreis gibt Hoffnung auf HipHop aus unserem Land der sowohl musikalisch als auch textlich angenehm ist, sofern sich auch in Zukunft weiteres aus dieser Schule finden lässt.
Kirche und Ökumene
Ein Papier mit ›Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche‹ das gestern von der Kongregation für die Glaubenslehre veröffentlich wurde scheint in manchen Kreisen mehr Fragen als Antworten aufzuwerfen. Und dazu möchte nun auch ich etwas schreiben.
Das eben erwähnte Papier entstand aus der Herausforderung einige Auslegungsungenauigkeiten der Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Kirche (römisch-katholische Kirche) und ihr Verhältnis zu anderen kirchenähnlichen Gemeinschaften (wie z.B. die so genannten Ostkirchen oder die Reformierten) zu klären. Die Formulierung um die es geht findet sich in der Verlautbarung Lumen Gentium 8,12.
Dort heißt es: »Diese Kirche, in dieser Welt als Gesellschaft verfaßt und geordnet, ist verwirklicht in der katholischen Kirche, die vom Nachfolger Petri und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird« [Lumen Gentium 8,12]
Was in diesem Zitat mit »verwirklicht« wiedergegeben wurde liest sich im lateinischen Original als »subsistit« und stellte nach Meinung einer ganzer Reihe von Gelehrten damals einen großen Fortschritt dar, da dieses Wort das vorher gebäuchliche »est« ersetzte, was zu verstehen war als »Die Kirche Jesu Christi ist („est“) die katholische Kirche.« Damit sollte ausgedrückt werden, dass auch außerhalb der katholischen Kirche Elemente der Heiligung und der Wahrheit zu finden sind.
Diese Öffnung verbunden mit einigen anderen Äußerungen in den Verlautbarungen des Zweiten Vatikanischen Konzils ließen eine Reihe von Ökumenikern aufhorchen und gab ihnen Hoffnung auf eine lebbare Ökumene. Dass jedoch ein Papier wie das gestern Veröffentlichte notwendig wurde zeugt von einer ungenauen Auslegung auf Seiten derer, die im Zweiten Vatikanischen Konzil einen Meilenstein für die Ökumene sahen – und scheint, wie es in Verlautbarungen der EKD spekuliert wird, auch manchen katholischen Ökumeniker zurück zu rufen [Vgl. was von Friedrich Weber hier zu lesen ist.]
In einem Kommentar der Welt werden die aufgebrachten Reaktionen von Seiten der EKD und auch andere Äußerungen zu dem Papier dahingehend in Frage gestellt, dass das Papier nur dann recht verstanden sei, wenn es als Papier zu Klärung interner Lehrauseinandersetzungen angenommen werde. Was dabei meiner Ansicht nach jedoch zu wenig Beachtung findet ist die öffentliche Wirkung eines Papiers das bewusst veröffentlicht wurde. Es geht meiner Ansicht nach auch nicht nur um eine innerkatholische Klärung, sondern vielmehr eine Darlegung der katholischen Lehre über die Kirche – im Wortlaut des Papiers:
Unter Voraussetzung der gesamten katholischen Lehre über die Kirche möchte die Kongregation darauf antworten, indem sie die authentische Bedeutung einiger ekklesiologischer Ausdrücke des Lehramts klärt, die in der theologischen Diskussion in Gefahr sind, missverstanden zu werden.
Die Zeit kommentiert im Gegensatz dazu, dass Rom lediglich an einer „Rückkehr-Ökumene“, also einer Unterwerfung der reformatorischen Kirchen unter Rom interessiert sei. Diesem Eindruck kann ich aus meiner Sicht beipflichten, da die Gewichtung des katholischen Kirchenverständnisses im Zusammenhang mit Amt und apostolischer Sukzession für einen Menschen der im Umfeld so genannter Reformierter aufwuchs stark nach einer Stärkung der eigenen, also auch und vor allem der päpstlichen Autorität, riecht. Hierzu ein kurzes Zitat aus dem Statement der Deutschen Bischofskonferenz:
Mit Recht sagt das Zweite Vatikanische Konzil: „Aber gerade die Spaltungen der Christen sind für die Kirche ein Hindernis, dass sie die ihr eigene Fülle der Katholizität in jenen Söhnen (und Töchtern) wirksam werden lässt, die ihr zwar durch die Taufe zugehören, aber von ihrer völligen Gemeinschaft getrennt sind. Ja, es wird dadurch auch für die Kirche selber schwieriger, die Fülle der Katholizität unter jedem Aspekt in der Wirklichkeit des Lebens auszuprägen.“ (Dekret über den Ökumenismus, Art. 4)
[Statement der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann]
Abschließend soll aus demselben Statement noch der abschließende Abschnitt zitiert werden:
In diesem Sinne will der Text gelesen und verstanden werden: Es ist ein Dokument der Klarheit des eigenen Bekenntnisses und zugleich der Würdigung, ja auch einer – zwar begrenzten, aber wesentlichen – Anerkennung des ekklesialen Charakters der anderen christlichen Glaubensgemeinschaften. Das ökumenische Gespräch lebt von beidem.
In Anlehnung an Klaus Bergers ›Glaubensspaltung ist Gottesverrat‹ könnte dieser Schritt jedoch auch als ein positiver Schritt hinsichtlich der Ökumene verstanden werden. Wenn ich das recht in Erinnerung habe, dann plädiert Berger ja gerade dazu die Unterschiede zu artikulieren und dennoch, oder gerade deswegen, nach gemeinsamen Wegen zu suchen.
Mir stellt sich darüber hinaus die Frage inwiefern Ökumene auch im Sinne der Institutionen anzustreben ist, oder vielleicht wie es Bewegungen wie ›Miteinander wie sonst‹ machen, bei den Gemeinschaften, also den Menschen ansetzen sollte.
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interessant sind dazu auch die Beiträge von Fono und Haso.
Zwei interessante Einträge dazu noch in diesem Blog:
Gottesdienstverständnis beschrieben von Klaus Berger
»Die eine Taufe« – ein Eintrag zur gegenseitigen Anerkennung der Taufe
Trost
Das Mädchen weint.
Der Junge klettert von seinem Stuhl und geht auf das Mädchen zu,
streicht ihr sanft über den Kopf und sagt:
»Nicht weinen, Baby.«
Dialogfähigkeit
In letzter Zeit stelle ich immer wieder erfreut fest, dass mit der Zeit eine gewisse Übung entsteht, die es uns als Gemeinschaft möglich macht in einen guten Dialog einzutreten. Diese Beobachtung stützt sich auf das was wir als Gemeinschaft zum einen in WortSport und zum anderen in den sonntäglichen Treffen erleben. Diese beiden Treffen sind von dem Gedanken durchdrungen gemeinsam an einem Lehrgespräch teilzunehmen, anstatt von einer Person einen Monolog dargeboten zu bekommen. Während ich so darüber nachdenke erinnere ich mich an eine kleine Geschichte die ich vor ungefähr zwei Jahren schrieb – heute ist ein guter Zeitpunkt sie hier zu veröffentlichen und uns allen damit eine Möglichkeit zu geben das hier und jetzt mit den Gedanken zum damals zu vergleichen…
Lehrer, lehren und lernen.
Auf der Suche nach Lernmöglichkeiten ohne schwere Augenlieder.
Sehen mit den Augen eines Lehrers, der selbst lernt.
Moby’s Ambient Platte legt einen Klangteppich unter unsere Gespräche. Es ist Montagabend und wir sitzen um einen großen Tisch, auf dem unsere kalten Getränke stehen und aufgeschlagene Bibeln liegen. Während jemand einen Abschnitt aus der Bibel liest, nehme ich einen erfrischenden Schluck aus meiner Bionade.
Bei einer Tasse Kaffee hatte ich mich am Nachmittag mit dem Thema für den heutigen Abend beschäftigt. Am Schreibtisch sitzend hatte ich den betreffenden Abschnitt gelesen und einen groben Fahrplan für den Abend entwickelt. Es wurden Blicke in Bücher geworfen, das Internet zu Rate gezogen und bei Blicken aus dem Fenster Gedanken nachgegangen. Ein grober Fahrplan, den man vielleicht besser strukturierte Stoffsammlung nennt, war entstanden, kein genauer Ablauf und auch kein ausformulierter Monolog.
Stimmen einer angeregten Unterhaltung. Die junge Frau in dem grünen T-Shirt sagt, mit ihrem Apfelschorle in der Hand: „Das verstehe ich nicht…“ Eine andere erzählt wie sie das angesprochene versteht und ein Dritter bringt sein Verständnis ins Spiel. Ich gebe durch einen Hinweis aus meiner Stoffsammlung eine Anregung zum Verstehen und wir betrachten eine Stelle in der Bibel, an der auch von dem angesprochenen die Rede ist. Mit einem Röhrchen im Mund denkt die junge Frau über das Gesagte nach. Sie nimmt einen großen Schluck und formuliert selbst, was sie jetzt verstanden hat. So entfaltet sich ein lebhaftes Gespräch, zu dem jeder etwas beiträgt. Wir umkreisen das Thema in unseren Gedanken, tauschen uns aus und lernen zusammen.
Hätte ich heute Nachmittag einen Monolog vorbereitet, wäre es mir möglich die Punkte, die mir wichtig sind der Reihe nach vorzutragen. An manchen Abenden würde ich vielleicht auch mit dem Gefühl nach Hause gehen, alles, was ich sagen wollte, wurde gesagt. Bei den anderen, die mit mir um den Tisch sitzen, könnte es jedoch passieren, dass nach einem langen Arbeitstag die Augenlieder immer schwerer werden und die Hauptaufmerksamkeit darauf verwendet wird, nicht einzuschlafen.
Die Unterhaltung ist in vollem Gang. Derjenige am anderen Ende des Tisches spricht davon, dass er mit den bisher eingebrachten Erkenntnissen und Argumenten nicht zufrieden ist: „Da Stimme ich nicht zu,“ sagt er. Ich warte einen Moment um zu sehen, wie diejenigen Reagieren, die ihren Teil beigesteuert haben und die jetzt in Frage gestellt werden. Ich frage mich, ob ich den Widerspruch so stehen lassen kann? Sollte ich etwas sagen? Wieder ergreift die junge Frau im grünen T-Shirt das Wort und geht auf den Widerspruch ein. Sie fragt nach den Gründen seiner Unzufriedenheit. Andere reihen sich ein und das Gespräch geht weiter. Gemeinsam erarbeiten wir das Thema. Hin und wieder stelle ich eine Frage, gebe etwas zu bedenken, oder schlage eine weitere Bibelstelle vor, meine Rolle ist eher mit einem Moderator zu vergleichen als mit einem Alleinunterhalter.
Das Engagement der jungen Frau im grünen T-Shirt fasziniert mich. Hatte sie zu Beginn des Abends selbst noch Fragen an den Text, so vertritt sie ihr Verständnis jetzt mit Argumenten und verbindet diese gleich mit Beispielen aus ihrem Leben, die für sie jetzt eng mit unserem Thema verbunden sind. Dabei geht sie behutsam vor. Sie wurde ernst genommen und hat etwas verstanden. Kann sie jetzt dazu beitragen, dass ein anderer aus der Runde nun ebenfalls etwas, was ihn schon eine Weile beschäftigt, besser versteht?
Unsere Notizblätter haben sich gefüllt, unsere kalten Getränke leerten sich mit jedem Schluck, bis auf die Afri–Cola des jungen Mannes am anderen Ende des Tisches, die sich langsam erwärmte und ihre Kohlensäure in die Freiheit entließ, da er im Verlauf des Gespräch ganz vergessen hatte zu trinken. Jeder konnte seinen Teil dessen einbringen, was er verstanden hat, und manchmal staunt der eine oder die andere über das was gesagt wird: „Das war mir ja vorhin noch gar nicht so klar, aber dadurch, dass ich das jetzt gesagt habe, verstehe ich es selbst besser!“
Wieder zurück an meinen Schreibtisch, gehe ich meine Notizen noch einmal durch und staune, was wir alles an diesem Abend geredet haben. Ich freue mich über die Dinge, die im Gespräch entstanden sind. Darunter sind Sachen, an die ich in der Vorbereitung nicht gedacht hatte, ohne die aber bei unserer Auseinandersetzung mit dem Thema entscheidendes gefehlt hätte.
[Juli 2005]
Anreiz
Bei der Vorstellung des „neuen“ Elterngeldes wurde gerne mit Worten wie „Anreiz“ gespielt. Auf Grund der demographischen Entwicklung sei es an der Zeit einen Anreiz zu bieten wieder Kinder zu bekommen. Damals war natürlich auch schon klar, dass es sich bei der Zielgruppe des Anreizes vor allem um so genannte Besserverdienende handelt. Was jedoch für die Übrigen von dem Anreiz geblieben ist, scheint mit schleierhaft.
Der Bescheid, den wir die Tage ins Haus bekamen sieht für mich eher so aus, als wolle die Familienministerin und mit ihr die große Koalition einen Anreiz schaffen keine Kinder zu bekommen. Natürlich steht dabei für mich außer Frage, dass das Elterngeld überhaupt ein Anreiz Kinder zu bekommen ist – das wäre denke ich einer der schlechtesten Deals die man abschließen könnte. Der Fortschritt vom alten zum neuen Elterngeld sieht in unserem Falle so aus, dass wir unter dem Strich einiges weniger bekommen. Vielen Dank also für den Anreiz, den könnt ihr nächstes Mal gerne behalten. Und vielleicht ist es dann auch besser wenn vom propagierten Aufschwung nichts beim kleinen Bürger ankommt…
Was ist Orthodoxie?
Aus einem Vortrag, den Tony Jones [Emergent Village USA] bei einer Tagung im Wheaton College über Hermeneutik und Orthodoxie gehalten hat, gefällt mir besonders das Ende. In diesen Ausführungen wird meiner Ansicht nach sehr gut deutlich was es bedeuten kann mit der Weltsicht, mit der auch ich mir die Welt zu erklären versuche, Orthodoxie verständlich zu machen. Das eben angesprochene Ende habe ich mal übersetzt, danach gibt es auch noch ein paar Links dazu:
»Euch wurde gesagt, dass die Emergent Church Orthopraxie höher achtet als Orthodoxie, ich aber sage euch, wenn Orthodoxie ein Ereignis ist, dann wurde ein weiterer Vorhang zerrissen. Dann gibt es keine Unterschiede mehr zwischen den beiden. Bei „Orthoparadoxie“ wie mein Freund Dwight Friesen es nennt, handelt es sich um die dialektische Spannung in der die beiden Pole stehen. Lasst es mich noch deutlicher sagen: es gibt keine Orthodoxie ohne Orthopraxie. Das gibt es einfach nicht. Es kann schon sein, dass Menschen darüber reden, aber Menschen reden auch über Einhörner.
Es gibt kein Lied bevor es gesungen wird – davor sind es nur Worte und Noten auf einem Blatt Papier. Ein Strike ist erst ein Strike, wenn der Schiedsrichter „Strike!“ gerufen hat – „Es ist nichts bevor ich es ausgerufen habe.“ So gibt es auch keine Orthodoxie bevor sie nicht gelebt wird. Sie ist ein Ereignis, das sich ereignet wenn wir uns versammeln um anzubeten, wenn wir eine Windel wechseln, ein Buch lesen oder einen Vortrag halten.
Euch wurde gesagt, dass die Emergent Church Erfahrung auf Kosten des rationalen Wissens betont, ich aber sage euch, bei alle menschlichen Unternehmungen, Theologie eingeschlossen, werden Erfahrungen gemacht. Wenn jemand etwas von Phänomenologie versteht ist ihm ersichtlich, dass Menschen Erfahrungen machen und diese interpretieren. Ein Labyrinth zu laufen ist genauso eine Erfahrung wie das Lesen eines theologischen Buches. Beten ist genauso eine Erfahrung wie das Hören einer Predigt. Es gibt keine menschliche Unternehmung bei der wir keine Erfahrung machen, wir sind erfahrungsorientierte Wesen. Daher sind auch unsere Glaubenspraktiken mit Erfahrungen verbunden, egal ob es sich um intellektuelle, bewegungsorientierte, informationsgebundene oder erzählerische Praktiken handelt.
Euch wurde gesagt, die Emergent Church ist voll von Relativisten, ich aber sage euch, wir sind alle Relativisten. Wir gehen in einen Buchladen und wählen eine Bibel aus. Eine Bibel die von einer bestimmten Gruppe von Menschen übersetzt wurde, die bestimmte theologische Ansichten teilen. Du wählst diese Bibel relativ zu allen anderen Bibeln aus, die dir hier angeboten werden. Du triffst eine ähnlich relative Entscheidung bezüglich der Gemeinde zu der du gehören möchtest, der Uni an der du zu studieren planst, und dem Partner den zu heiraten gedenkst. Manche Ausrufe sind leicht, wie „Ball!“ oder „Strike!“, die vom Schiedsrichter Sekundenbruchteile nach dem Auftreffen des Balls im Handschuh des Catchers gerufen werden: sie befinden sich direkt auf dem Tablett der Bibel. Andere sind schwerer zu treffen, wie die Markierungen am Rand des Spielfeldes. Wir versuchen so gut wie möglich zu entscheiden, und leben mit den Konsequenzen.
Euch wurde gesagt, dass die Emergent Church die persönliche Rettung durch gemeinschalftliches Leben ersetzt, ich aber sage euch, unsere Gemeinschaften des Glaubens bestehen aus einzelnen, denkende Akteuren die sich dazu entschieden haben sich Gemeinschaften der Orthoparadoxie anzuschließen. Gemeinschaften in denen wir gemeinsam darum ringen wo genau der „Strike-Bereich“ ist.
Euch wurde gesagt, dass Emergent Churches biblische Modelle pastoraler Leiterschaft gering schätzen und gleichberechtigte Gemeinschaften bevorzugen, ich aber sage euch, Leiterschaft hat viele verschiedene Formen. Manche werfen uns vor, dass wir Tor und Tür für Irrlehre öffnen indem wir es vielen, auch denen die am Rand stehen, erlauben ihre Gedanken zur Bibel oder gar der Predigt zu äußern, da wir damit die klare biblischen Lehre verraten. Die Geschichte ist im Gegensatz zu diesem Vorwurf eindeutig, die Gefahr von Irrlehre oder sektiererischen Kulten ist viel größer wenn die Interpretation der Bibel allein bei einem Leiter oder einer Oligarchie liegt. Jim Jones und David Koresh gaben Niemandem die Möglichkeit während ihrer Predigten darüber zu sprechen wo sie zustimmten oder nicht einverstanden waren.
Euch ist auch gesagt, die Emergent Church stehe nicht in der Auslegungstradition der Kirchengeschichte, ich aber sage euch, dass wir die Kirchenväter sehr ernst nehmen indem sie Teil unserer Unterhaltung sind. Richtig, sie herrschen nicht über uns, aber sie nehmen an unserem Ereignis der Orthodoxie mit einer autoritativen Stimme teil. Hast du dir die 95 Thesen Luthers angeschaut? Darin geht es nicht um systematische Theologie, sie behandeln vielmehr die spezifischen Probleme ihrer Zeit. Hast du Augustins Abhandlungen gelesen? Sie setzen sich mit dem Pelagianismus seiner Zeit auseinander. Was ist mit Aquinas? Er setzte sich mit dem islamischen Aristotelismus auseinander. Orthodoxie ist eine sich ereignende Unterhaltung über die Fragen: Wer ist Gott? Wer sind wir? Und was ist die Beziehung zwischen uns?
Orthodoxie ereignet sich. Und ich kann nur darum beten, dass sie sich auch hier und jetzt ereignet.«
Den gesamten Vortag kannst du dir als PDF hier herunterladen.
Die dazugehörige PowerPoint bekommst du dort.
Und einen Eintrag auf Tonys Blog findest du hier.
Abhängigkeiten
Die Tage kreuzen diverse Umfragen zu Abhängigkeiten durch die Blogosphäre. In guter alter Tradition verbinde ich bei meinem Coming Out die beiden Elemente Web2.0 und Kaffee.
Es sieht so aus, als wäre mein Verhältnis zu Kaffee entspannter als das zum Bloggen, aber überzeugt euch selbst: