Archiv für August 2007

N.T. Wright zu Postmoderne

Freitag, 31. August 2007

In der letzten Woche habe ich mit Begeisterung das Buch ›The Last Word: Scripture and the Authority of God‹ von N.T. Wright gelesen. Und wie ich bereits in einem älteren Eintrag geschrieben hatte interessiert es mich immer was andere zur Postmoderne schreiben. Da Wright einen Absatz im Zusammenhang von Bibel und Kultur explizit diesen Gedanken widmet, möchte ich einige Gedanken daraus hier wiedergeben.

Er beschreibt drei Aspekte der Postmoderne, die seiner Ansicht nach zu einer gewissen Stimmung der Unsicherheit beitragen:

1. Die großen Erzählungen wurden angegriffen und dekonstruiert.
Während in der Moderne von Denkern wie Voltaire vor allem die großen Erzählungen der Kirche angegriffen wurden, kamen in der Postmoderne alle großen Erzählungen an denen Menschen ihr Leben ausrichten, auch die Steckenpferde der Moderne ›Fortschritt‹ und ›Aufklärung‹, ins Gerede. Da die Bibel nicht nur irgendwelche Geschichtchen über Gott, Welt und Menschen erzählt, sondern in ihrer kanonischen Form eine große umfassende Geschichte darstellt, wird sie als eine dieser großen Erzählungen wahrgenommen gegen die Widerstand zu leisten ist. Es wird angenommen dass es sich auch bei ihr um eine Meta-Erzählung handelt, die zum Vorteil einer bestimmten Ansicht erzählt wird.

2. Das Verständnis von Wahrheit wurde hinterfragt und angegriffen.
Zwei Bedeutungsaspekte von Wahrheit, die historische Faktizität und der inhaltliche Wahrheitsgehalt, werden von einigen unterschieden. in der Moderne konnte eine Tendenz beobachtet werden, mit der die Faktizität auf alle Bereiche der Wahrheit angewandt wurde. Es wurde versucht alles in eine Kiste zu packen als handle es sich um eine Versuchsreihe der Naturwissenschaften die ein klares Ergebnis ans Tageslicht brachten. Diese Versuche haben sich selbst überlegt, vor allem im Bezug auf Geschichte und Soziologie.

Im postmodernen Denken bewegte sich das Pendel in die andere Richtung, allen Aussagen über Wahrheit, auch wissenschaftlichen Erkenntnissen, wurden Machtinteressen unterstellt. Dadurch kollabierten alle Aussagen über Wahrheit in Machtspiele. Es wurde immer weniger möglich zu sagen “so ist es,” dafür wurden Variationen von “meiner Ansicht nach” oder “ich habe mich entschieden das so zu sehen” salonfähig. In diesem Zusammenhang kam es auch zum Siegeszug des Konstruktivismus. Es erscheint am besten zu sagen, dass es sich bei einer Wahrheitsaussage um ein Aussage handelt die wir in einer bestimmten Kultur so sehen. Aus bewährten, nachprüfbaren Konzepten wurden Aussagen die eine bestimmte Kultur ihrer Sicht der Wirklichkeit entsprechend konstruiert hatte. Diese Art zu denken, die bis vor einiger Zeit noch fast völlig unbekannt war hat sich zu einer Normalität entwickelt, die paradoxerweise schon fast absolut gesehen wird.

3. Die persönliche Identität wurde mehr zu einer Frage als einer Antwort.
Die Frage danach wer ich bin kann nicht mehr so einfach beantwortet werden wie das einmal der Fall war. Menschen nehmen sich nicht mehr als diejenigen war, die ihres eigenes Glückes Schmied sind oder als Kapitän der Seele steuern, sondern finden in ihrem Inneren ein Durcheinander wieder und fühlen sich durch unterschiedlichste Impulse getrieben. Die Heisenberg’sche Unschärferelation, die davon ausgeht, dass sich das beobachtete durch die Beobachtung verändert, findet im Blick in den Spiegel einen erschreckenden Widerhall. Das was in der Bibel über unsere Identität als Geschöpfe gesagt wird knallt unwiderstehlich mit den Identitätsgedanken unserer Gesellschaft zuammen – es werden jedoch nicht nur die Identitätsgedanken der Christen in Frage gestellt, sondern jegliche Identität die gefestigt und gesichert erscheint.

Durch diese drei Aspekte sieht er (a) die Wahrnehmung der Welt, (b) der Realität und (c) der eigenen Persönlichkeit gefährdet in einen Morast der Ungewissheit zu versinken, der so weit geht, dass nicht mal mehr gewusst werden kann was “wissen” bedeutet. Für Menschen die sich selbst und die Welt in dieser Weise wahrnehmen—ein Blick in Magazine oder Zeitungen zeigt, dass es sich dabei um die derzeitige kulturelle Luft handelt die von den meisten Menschen geatmet wird—wurde die Ungewissheit in allen Bereichen zu einem regelrechten Lebensstil. In dieser Ungewissheit sieht er auch den Wunsch mancher nach Gewissheit und damit das Ansteigen fundamentalistischer Tendenzen begründet.

Da er weder für eine Variante der Moderne, eine Rückkehr vor die Moderne, noch für eine Kapitulation unter den Postmodernismus ist, hofft er in seinem Buch und Schaffen einen Weg zu gehen, der ein Leben in und für Gottes Welt, in der Gemeinschaft mit den Menschen Gottes möglich macht, so dass er als Christ integer und der Bibel angemessen zu Leben in der Lage ist.

[deutsche Zusammenfassung der Seiten 6-10 aus N.T. Wright, The Last Word – Scripture and the Authority of God.]

Werbung

Donnerstag, 30. August 2007

Auf Zeit-Online habe ich eben einen Artikel zu Werbung an Schulen gelesen. Darin wird meiner Meinung nach auf interessante Art und Weise das Für und Wider von Werbung an Schulen bedacht.

Ich frage mich allerdings ob es tatsächlich so ist, dass Erwachsene Werbung eher ausblenden können, bzw. sich bewusst auf Werbung einlassen wenn sie das wollen – während Kinder Werbung einfach ausgesetzt sind?

Es scheint doch eher so zu sein, dass es äußerst schwer ist Werbung auszublenden, da sie zunächst unser Unterbewusstsein anspricht und wir erst in einem zweiten Schritt entscheiden wie wir damit umgehen. Dieser zweite Schritt findet bei der Kaufentscheidung statt. Hier beginnen wir abzuwägen ob wir ein Produkt überhaupt brauchen und dann ob es dieses oder jenes sein soll. Was denkst du dazu?

Politik und Web2.0

Dienstag, 28. August 2007

Auf dem tagesschau-Blog habe ich eben einen Eintrag mit dem Titel »Fragen« entdeckt. Dort bekommen wir nun, ähnlich wie bei den Fernsehduellen der amerikanischen Präsidentschaftskandidaten, die Möglichkeiten Fragen an unsere Politik per Video zu stellen. Wie es funktioniert steht in oben erwähntem Eintrag, bereits aufgenommene Fragen finden sich hier.

blogscout macht dicht

Montag, 27. August 2007

Als ich eben meine Mails checke stelle ich fest, dass der Counter meines Vertrauens dicht macht. Sehr schade, die Statistiken haben mir sehr gut gefallen und auch die neueren Netzwerk-Features fand ich sehr nett. Bricht nun wieder eine Zeit ohne Statistiken, Besucher und Feed-Abonnenten an?

Faire Woche

Montag, 27. August 2007

Vom 17.-30. September findet dieses Jahr wieder die Faire Woche statt.

Mister-Wong

Donnerstag, 23. August 2007

Hab mir eben einen Mister-Wong Account eingerichtet da ich im Moment mit social-bookmarks experimentiere. Was sind deine Erfahrungen mit Mister-Wong?

Flickr-Suche wieder offen

Donnerstag, 23. August 2007

Zensur beendet!

Nachdem ich darüber geschrieben hatte, dass Flickr auch User aus Deutschland mit einer Zensur belegt hatte, möchte ich heute darauf hinweisen, dass diese Zensur aufgehoben zu sein scheint.

Als ich vorhin die Einträge des Fontblogs scannte fiel mir folgende Überschrift auf: Erledigte Fälle (2): Flickr-Zensur ist vom Tisch. In diesem Eintrag wird beschrieben dass es wieder möglich ist die Sichere Suche, die auch bei Usern aus Deutschland voreingestellt war, wieder auszuschalten.

Daraufhin ging ich zu meinem flickr-Account und sah mir die Sucheinstellungen an – wie du oben sehen kannst ist es nun wieder möglich zu wählen gemäß welcher Einstellung flickr meine Suchanfragen behandeln soll. Dies scheint mir eine wichtige Meldung, da es zu einigem Unmut im Bezug auf diese Zensur kam. Zum einen scheint der Protest Wirkung zu zeigen, zum anderen ist es mir wichtig auch zu schreiben, dass es diese Veränderung gab. Vielleicht weil ich flickr liebe und nun auch für manchen Nutzer der Slogan »flickr loves you« wieder Geltung zu haben scheint, zum anderen scheint es mir auch fair darauf hinzuweisen wenn sich etwas ändert über das berichtet und wogegen Protest „laut“ wurde.

In diesem Zusammenhang scheint es mir auch erwähnenswert dass die Upload-Seite von flickr überarbeitet wurde, was mir gerade viel Spass gemacht hat.

Zertifizierung?

Donnerstag, 23. August 2007

Was Produkte anbelangt die nach ökologischen Richtlinien angebaut und unter Bedingungen des fairen Handels weiterverarbeitet und vertrieben werden gibt es immer wieder Diskussionen zu der Notwendigkeit von einheitlichen Standards und damit verbunden bestimmten Siegeln. Zu diesem Für und Wider der Zertifizierung möchte ich heute ein paar Gedanken schreiben.

Zunächst wird meist der Einwand laut, dass es kaum nachprüfbar ist, ob dort wo ›bio‹ oder ›fair‹ drauf steht auch wirklich der Inhalt entsprechend angebaut und weiterverarbeitet wurde. Eines der Anliegen vieler Menschen die bewusst leben und einkaufen ist es mehr mit dem Entstehungsweg der Produkte verbunden zu sein. Daher gibt es Bestrebungen lokal einzukaufen – wie z.B. auf Wochenmärkten – bei denen man am Stand direkt mit Beteiligten aus dem Anbau und der Weiterverarbeitung in Kontakt kommt. Dieser direkte Kontakt bringt durch die Kommunikation die Möglichkeit sich ein reflektiertes Bild der tatsächlichen Verhältnisse zu schaffen.

Es ist meiner Ansicht jedoch nicht möglich alle Produkte die zum täglichen Leben benötigt werden in einer Weise zu beschaffen die diesen direkten Kontakt ermöglicht. Denkt man z.B. an Kaffee oder Kleidung wird es schwer sein an einem Ort einzukaufen an dem man möglichst viele der Beteiligten antrifft die an der Entstehung des Endproduktes beteiligt sind. Daher ist es schwieriger nachzuvollziehen unter welchen Bedingungen das Produkt entstand.

Einheitliche Standards kommen gerade hier zur Geltung. Mit einer Zertifizierung geht dieser persönliche Kontakt zu den Erzeugern einher. Die Organisation die bestimmte Waren auszeichnet wird den gesamten Weg des Anbaus und der Weiterverarbeitung im Auge behalten und mit den Beteiligten darüber im Austausch sein. Die Standards ermöglichen bestimmte Richtlinien gemäß denen Siegel vergeben werden. Und können dadurch auch dem Kunden eine Ahnung der Entstehung des Produkts geben.

Die Kosten die mit einer solchen Zertifizierung verbunden sind werden auch des öfteren kritisiert. Diese entstehen jedoch gerade dadurch dass eine andere Person als ich selbst sich mit den Standards beschäftigt und darüber hinaus (z.B. im Falle von Fairtrade) zum Wohle der erzeugenden Gemeinschaft bestimmte Leistungen erbringt. Die zertifizierenden Organisationen sind auf diese Weise eine Art Mittler zwischen den Erzeugern und den Kunden, die genau dort sehr sinnvoll sind wo ein direkter Kontakt auf Grund von komplexen Entstehungswegen oder räumlichen Distanzen nur schwer möglich ist.

Darüber hinaus ist meiner Einschätzung nach gerade im Bezug auf den wachsenden Markt von ökologisch angebauten und fair gehandelten Waren eine Abstimmung zu einheitlichen Standards unabdingbar, was wiederum zur Notwendigkeit der Zertifizierung führt um die Einhaltung des Standards zu kommunizieren.
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Auf KarmaKonsum findet sich ein Beitrag über eine interessante Studie zu Ethical Fashion aus England.

Call a Bike

Donnerstag, 23. August 2007

Die DB bietet einen neuen Service an – Call a Bike. In einigen Städten stehen an verschiedenen Kreuzungen Fahrräder bereit die mittels eines Codes der per Telefon angefordert werden kann fahrbereit sind. Dazu muss der Kunde zunächst einen Account bei Call a Bike haben und zahlt dann zwischen 6 und 8 Cent pro Minute.

Hörenswert

Montag, 20. August 2007

Der erste Podcast der Theological/Philosophical Conversation von Emergent USA ist seit kurzem online. Ich hab ihn zwar noch nicht gehört, ist aber sicherlich interessant. Im Zusammenhang der Conversation hatte ich schon mal über Dekonstruktivistische Theologie geschrieben.