Nietzsche und die Theologie

Nachdem ich das Referat von Heinzpeter Hempelmann in Greifswald zu Nietzsche und einer möglichen Christologie sehr genossen habe, fand ich den heutigen Artikel auf ›The Church and Postmodern Culture‹ äußerst anregend.

In diesem Artikel werden vor allem drei Fragen gestellt. Erstens, was will Nietzsche mit dem Tod Gottes in ›Die fröhliche Wissenschaft‹ ausdrücken? In einem zweiten Schritt wird der Frage nachgegangen ob diejenigen die Nietzsche in der Theologie rezipiert haben lediglich ihre eigene Position über die von Nietzsche gelegt haben oder in seinem Sinne mit dem Tod Gottes umgehen. Abschließend wird der Frage nachgegangen ob es redlich ist Nietzsches ‚Gott ist tot‘ in der Theologie zu rezipieren.

Um diesen Fragen nachzugehen ist es wichtig die Aussagen Nietzsches im Zusammenhang zu lesen und falls du etwas Zeit mitbringst und gerade keine ›fröhliche Wissenschaft‹ zur Hand hast könnte dir diese Onlineausgabe weiterhelfen. Hier gehts direkt zu ›Der tolle Mensch‹.

Bei der Auseinandersetzung mit der letzten Frage, also der Redlichkeit Nietzsche in der Theologie zu rezipieren, wird darüber geschrieben dass der Tod Gottes damit zu tun hat, dass der Mensch sich auf die Stufe Gottes stellt. Die Erhebung des Menschen führe demnach zum Tode Gottes und über den Tod des eigenen Selbst zu einem Nihilismus der durch die Theologie überwunden werden sollte. Hierzu noch ein kurzes Zitat vom Ende des Artikels:

»It is no coincidence, then, that ultimate death of God, as it brings the birth of the sovereign self would also bring with it the death of the self. This is the nihilism which Nietzsche saw now as something to be embraced but as something we must pass through. By accepting the death of God and entering into the act of creation, man can overcome this murder of God and return to the natural order of noble things and, possibly, beyond the notions of good and evil.

It is through this fullness of nihilism that theology must pass in order to rediscover the oldest God. This God is not the self, but also not the radically Other. The path of nihilism is the one that can navigate theology safely between the rock and whirlpool that past theologies and philosophies have found. Through this path, there can be a radical rebirth of God in the middle place. As a measure of trust, theology should allow play in the future, not seeking to lose the pathos of the self or the ethos of the divine. Through this wandering and playing, we find the essence Taylor calls erring. It is through this purposeful drifting and transgression that theology may resurface from its own death and we can possibly find God for the first time.«

The Church and Postmodern Culture: After Nietzsche

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Schmidt & Pocher zurück

Habe ich schon erwähnt dass Schmdit & Pocher es wieder in meine Lieblingssendungen geschafft haben? Die erst Folge erschien ausbaufähig, mittlerweile gefällt mir die Sendung sehr gut. Harald scheint wieder Spass an der Sendung zu haben und Pocher hat seinen Platz gefunden. In Kombination mit Polylux ist das gerade mein favorisierter Ausklang des Donnerstags. Und was sagst du?

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Übersetzung

Wenn wir davon ausgehen, dass alle Theologie kontextuelle Theologie ist – also auf die eine oder andere Weise mit dem kulturellen Kontext zusammenhängt – dann ist es im Umgang mit einem Text auch wichtig diese kulturelle Dimension des Textes zu bedenken. Meiner Ansicht nach hängt der Text zum einen mit der Kultur zusammen in der er entstand und muss um in unserer Kultur verstanden zu werden in diese übersetzt werden. Bei diesem Übersetzungsvorgang denke ich an weit mehr als eine Übersetzung der einzelnen Worte.

Der Predigttext des letzten Sonntags erscheint mir als ein gutes Übungsfeld einen Text in unsere kulturelle Situation zu übersetzen. Nachdem ich eine Weile gezögert habe möchte ich heute dennoch auch dich dazu ermutigen den folgenden Text zu übersetzen. Vielleicht hilft es dazu erst mal das gesamte Kapitel zu lesen um auch auf die anderen Aspekte aufmerksam zu werden über die Micha hier spricht [bewahrendes, heilendes und strafendes Handeln Gottes].

Um dann als einen ersten Schritt die Fragen mit deinen Gedanken zu füllen – welche Anforderungen siehst du an dich gestellt wenn du dich Gott ‚näherst‘? Und wie übersetzen sich in einem zweiten Schritt die abschließenden Gedanken Gottes?

Womit soll ich vor den Herrn treten, wie mich beugen vor dem Gott in der Höhe? Soll ich mit Brandopfern vor ihn treten, mit einjährigen Kälbern? Hat der Herr Gefallen an Tausenden von Widdern, an zehntausend Bächen von Öl? Soll ich meinen Erstgeborenen hingeben für meine Vergehen, die Frucht meines Leibes für meine Sünde?

Es ist dir gesagt worden, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir erwartet: Nichts anderes als dies: Recht tun, Güte und Treue lieben, in Ehrfurcht den Weg gehen mit deinem Gott.

[Micha 6,6-8]

Durch einen solchen Umgang verliert ein antiker Text häufig seine Unverbindlichkeit und spricht mehr als zuvor in mein Leben. Daher ist es vielleicht ratsam diese Übung entweder alleine auf einem Blatt Papier oder im Gespräch mit Freunden zu machen, und erst in einem späteren Schritt zur webbasierten Auseinandersetzung zu schreiten. Mich würde natürlich die Übersetzungen interessieren, denke aber dass der offline Umgang mit dem Text dem online Umgang vorausgehen sollte.

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rebellische Hingabe

Wenn wir in irgendeiner Gruppe Verantwortung tragen – sei es ein Verein, eine Gemeinde oder eine andere beliebige Gruppe von Menschen – wurden wir vielleicht schon mit einem interessanten Phänomen konfrontiert. Dieses Phänomen hat zwei Gesichter. Wir begegnen dem einen Gesicht wenn manche bei einer Entscheidung voller Hingabe folgen und demjenigen der Verantwortung trägt und an der Kommunikation der Entscheidung beteiligt war ihr volles Vertrauen entgegenbringen. Bei einer anderen Entscheidung jedoch, die in eine ähnliche Richtung geht und von derselben Person kommuniziert wird, reagieren die selben Menschen wie oben auf radikal andere Weise, sie zweifeln an der Kompetenz und überhaupt an der ganzen Person dessen der die Verantwortung übernommen hat und verhalten sich in höchster Weise kontraproduktiv – womit wir dem anderen Gesicht des Phänomens begegnet sind.

Dieses radikal verschiedene Verhalten der selben Personengruppe wirft immer wieder Rätsel bei denen auf, die Verantwortung tragen. Wenn wir unser eigenes Verhalten in Gruppen beobachten, fällt uns – zumindest wenn wir uns für einen Moment ehrlich unseren Gefühlen stellen – das selbe Phänomen auf. Eine Beobachtung unserer Gesellschaft deutet meiner Ansicht nach eine mögliche Erklärung dieses Phänomens an. Dieser Beobachtung bin ich im Vortrag von Michael Herbst in Greifswald begegnet. Er sprach davon, dass das postmoderne Subjekt nicht in Richtung auf die Ziele eines Anderen durch absichtliche soziale Einflussnahme gesteuert werden will. Eine Ablehnende Haltung gegenüber „Leitung“ kann also zunächst einmal allgemein angenommen werden und erklärt uns zumindest das zweite Gesicht des Phänomens.

Wenn ein postmodernes Subjekt sich einer Entscheidung anschließt, so möchte es diese Entscheidung freiwillig, teilweise und zeitweise aus eigenem Entschluss treffen. Eine Verpflichtung einer Entscheidung zu folgen wird ebenso kritisch betrachtet, wie der Wunsch eine Entscheidung in ihrer Ganzheit anzunehmen. Die Annahme einer Entscheidung ist darüber hinaus auf eine bestimmte Zeitspanne begrenzt und kann nicht ein für allemal angenommen werden. Diese Beobachtungen spiegeln auch die ›flüssigen Aspekte‹ unserer Gesellschaft wider über die Zygmunt Bauman im Kontrast zu den statischen Entscheidungen der Generationen vor uns spricht.

Dennoch erleben wir es auch – was im ersten Gesicht beschrieben wurde – dass manche sich scheinbar bedingungslos einer Entscheidung – Leitung – eines anderen anschließen. Dies verwundert uns, vor allem auch weil wir das zweite Gesicht kennen und die eben erwähnten Aspekte die gegenwärtige gesellschaftliche Situation widerspiegeln. Stuart Hall spricht von der zertstreuten Identität und weist darauf hin, dass es keine festen Orientierungspunkte mehr gibt, die für die Ausprägung der Identität als Ganzer maßgeblich sind. Die Entwicklung der eigenen Identität liegt voll in der Verantwortung des Individuums (ohne in dieser Darstellung den Aspekt des gesellschaftlichen Einflusses auf die Identität unterschlagen zu wollen). Das fehlen statischer Orientierungspunkte (Vorgaben) und die volle Eigenverantwortung scheinen das postmoderne Subjekt an manchen Punkten zu überfordern und lassen den Wunsch nach klarer Leitung erwachsen. Eine klare Leitung, die Verantwortung für einen trägt, Entscheidungen abnimmt und somit die eigene Unsicherheit aufhebt wird herbeigesehnt. Und wie wir im ersten Gesicht gesehen haben, resultiert daraus eine bedingungslose Hingabe.

Indem ich diese Punkte aufzeige möchte ich auch bewusst die beiden radikal unterschiedlichen Gesichter nebeneinander stellen. Meiner Ansicht nach ist das auftreten des ersten Gesichtes (die bedingungslosen Hingabe) kein Anzeichen einer neuen Gesellschaftsepoche – die von manchen bereits gesehen wird – sondern ein Aspekt der gegenwärtigen Gesellschaft, der sich auch im Leben eines jeden von uns findet. Es ist mit dem Auftreten dieses Phänomens nicht gesagt, dass sich unsere Gesellschaft weiterentwickelt hat und somit die Zeit nach der Postmoderne konstatiert werden muss, vielmehr ist es – wie eben schon gesagt – ein Aspekt der Postmoderne in der das Nebeneinander von vielen Unterschiedlichen Aspekten gerade zum Kennzeichen unserer Gesellschaft wurde.

Für jeden von uns, der Verantwortung trägt ergibt sich daraus jedoch die Frage: „Wie gehe ich damit um?“ Die ich nun gerne an dich, den Leser weitergeben möchte.

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