BOIologie Nummer 3

BOI als Handwerker

Wie dieses Bild bereits ankündigt wird es heute in Folge 3 der BOIologie um die Auswirkungen der Logik auf das alltägliche Leben gehen.

Situation 1:
Die Familie ist unterwegs zu einem bestimmten Ort, der nach Möglichkeit zu einer gewissen Zeit erreicht werden soll. Da der BOI ja „groß“ ist läuft er selbstverständlich alleine und sucht sich auch den besten Weg. Auf einmal bleibt der Eltere stehen und wendet sich dem BOI zu:

Der Eltere: „Josia bitte komm hier rüber. Da kannst du nicht weiterlaufen.“
Der BOI läuft weiter bis zu der Stelle auf die der Eltere zeigt, bleibt staunend vor dem ‚Hundhaufen‘ stehen und lässt sich dann doch überzeugen daran vorbei zu gehen. Der Eltere denkt nur die freundlichsten Gedanken gegenüber ‚den Hundehaltern‘ und freut sich daran, dass alle Schuhe noch sauber sind.

Wenige Schritte später hält der BOI plötzlich an, dreht sich um und betrachtet nochmals den Hundehaufen. Etwas nachdenklich sagt er:

„Wenn der Hund eine Windel anhätte könnte Josia überall laufen.“ [sinngemäß]

Situation 2:
Beim Frühstück ist es im Hause Ehniss Brauch, dass ‚die Losung‘ gelesen wird. Zu diesem Brauch gehört es auch, dass der BOI das blaue Lesezeichen des Heftchens zur Hand nimmt und davon vorliest. Auch an diesem Morgen nimmt er das Lesezeichen in die Hand, sagt dann aber folgendes:

„Josia kann nicht lesen, hat den Mund voll.“

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Senden als Gesandte

Als ich eben in einem Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft das auf die Abkürzug RGG hört einen Artikel zu ›Gott‹ durchgelesen habe stieß ich in dem Abschnitt der sich mit den Gedanken der Trinität und Mission auseinandersetzt auf einige, wohl bekannt und dennoch erwähnenswerte, Ausführungen.

Zunächst möchte ich noch einmal kurz andeuten weshalb der Gedanken der Sendung so eng mit dem Gedanken der Trinität verbunden ist. In der Theologie wird die Trinität auch in einer Bewegung auf die Schöpfung/Welt hin gesehen: Der Vater sendet den Sohn, und der Vater und der Sohn senden gemeinsam den Geist. [Diesen kurzen Satz kannst du dir etwas ausschmücken, wenn du dir eben mal das durch den Kopf gehen lässt was in den Evangelien und der Apostelgeschichte überliefert ist.] Aus diesem Gedanken entwickelte sich das was wir unter dem Begriff ›Missio Dei‹ kennen, und dazu nun zwei Aussagen aus dem Artikel von Robert Schreiter:

»Aus der Perspektive der Sendung Gottes hat die Christenheit keine Entscheidungsfreiheit für oder gegen Mission. Die Kirche hat keinen Missionsauftrag, sie ist ihrem Wesen nach missionarisch, da Gott sich der Welt in einem beständigen Akt des Sendens offenbart. Auch findet die Kirche ihren Zweck nicht in sich selbst; sie ist auf die Vollendung der Gottesherrschaft angelegt.«

Auch wenn ich die Worte dieser Aussage sicher anders gewählt hätte, drückt sie meiner Ansicht nach prägnant und kurz eine wesentliche Eigenschaft der gesamten Christenheit aus. Im folgenden Zitat scheinen für mich eine ganze Reihe Anklänge an eine mögliche Verkündigung und interessante Anregungen für eine Theologie durch:

»Mission nach diesem Verständnis offenbart einen Gott als einen sendenden Gott. Die Schöpfung zeigt, daß dieser sendende Gott beständig in der Welt wirksam ist; er treibt sie stets weiter in Richtung auf die endzeitliche Versöhnung. Die Menschen müssen an diesem missionarischen Tun teilnehmen, wenn sie zur Erkenntnis Gottes gelangen wollen.«

[Beide Zitate finden sich im dritten Band der RGG 4 auf der Seite 1130.]

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Kultur der Woche

Es ist kurz vor Weihnachten, manche Menschen befinden sich im vorweihnachtlichen Stress und andere veranstalten kulturelle Höhepunkte. Zwei dieser Höhepunkte möchte ich dir ans Herz legen: Der erste nennt sich Stille Kracht! und findet am Freitag mit meditativen Klängen in der Lutherkirche (Karlsruhe) statt. Zum anderen spielt unsere Lieblings-Hardcore-Band Opposition of One ihre zwei allerletzten Shows in dieser Woche, die eine in Stuttgart und die andere in Karlsruhe.
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Entlastung

Als kreative Individualisten empfinden manche von uns kulturelle Traditionen – also vorgegebene Verhaltensmuster im Umgang miteinander – eher als lästigen Ballast der unserem individualistischen Ausdruck im Wege steht. Eine Aussage von Rolf Eickelpasch zur Entlastungsfunktion von Kultur und dem Zusammenhang unserer individuellen Entwicklung mit unserem Umfeld gab mir dazu kürzlich einen Gedankenanstoss:

»Der Einzelne handelt in jeder Situation aufgrund einer Bedeutung, die er eigentätig der Situation verleiht – die jeweilige „Stellungnahme“ ist so gesehen ein kreativ Akt. Andererseits steht er auch immer schon in vorgefundenen Sinnzusammenhängen, die gesellschaftlich geschaffen und für den einzelnen relativ verbindlich sind. Er findet „Kultur“ als seine gesellschaftliche Umwelt vor.

Kulturelle Traditionen, Sinnvorgaben, Symbol- und Bedeutungssysteme grenzen die unübersehbar große Zahl von Handlungsmöglichkeiten ein. Kultur überführt so die Weltoffenheit des Menschen in eine relative Weltgeschlossenheit. Als eine Art „zweite Natur“ verleiht sie dem Menschen zumindest annähernd jene „Sicherheit im Dasein“, über die das Tier durch seine Instinktausstattung verfügt. In dieser Entlastungsfunktion besteht in anthropologischer Hinsicht die wesentliche Leistung der Kultur.«

[Eickelpasch, Grundwissen Soziologie, 21.]

Ein Beispiel der kulturellen Entlastung in der Begegnung mit anderen ist für mich die Art und Weise wie wir uns begrüßen. Die kulturelle Tradition in unseren Breitengraden sieht bei einer näheren Begegnung vor sich die Hand zu reichen. Immer wieder wehre ich mich innerlich dagegen. Überlege mir ob die Begrüßung nicht individuell je der Beziehungsnähe ausfallen sollte. Wenn man dann aufeinander trifft steht man sich mit einer gewissen Unsicherheit gegenüber – soll man sich nun die Hand geben – nett Hallo sagen – sich umarmen – es entsteht eine gewisse Spannung in der Luft, schließlich gibt man sich die Hand, umarmt sich und sagt verunsichert Hallo…

Dazu passt auch ein Eintrag von Tino zu „Floskeln“ beim Beten. Das »Amen« am Ende eines Gebets könnte man unter diesem Gesichtspunkt auch mal betrachten.

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gemeinsam

Ein wunderbares afrikanisches Sprichwort:

»Wenn du schnell gehen willst, geh allein;
wenn du weit kommen willst, geh mit anderen.«

Man hört es oft, vielleicht hören wir es jedoch noch nicht oft genug.

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Trinität und Dekonstruktion

Der Titel des Eintrages enthält zwei Worte die für mich persönlich sehr wichtig sind. Zum einen das Wort Trinität das in der Theologie als terminus technicus für die Dreieinigkeit Gottes verwendet wird – und eine zentrale Stellung in meinen theologischen Überlegungen einnimmt. Und zum anderen Dekonstruktion die viel über mein Denken und Sein aussagt. Da mir in letzter Zeit häufig ein verzerrtes Bild von Dekonstruktion begegnet und ich gerade einige grundsätzlich theologische Studien „betreibe“ taucht ein Bild immer wieder vor meinem ›geistigen Auge‹ auf das ich kürzlich gehört habe. Das Bild stammt von Richard Kearney und stellt Trinität und Dekonstruktion auf wunderbare Weise zusammen dar.

Es ergibt sich aus dem griechischen Begriff ›Perichoresis‹, den Kearney hier als Tanz der drei Personen der Dreieinigkeit um einen bestimmten Kern herum wiedergibt. In diesem Tanz von Vater, Sohn und Heiligem Geist sieht er Dekonstruktion, da sie sich in einer konstanten Bewegung befinden – sie tanzen im Kreis und stehen nicht still –  sie bewegen sich und in dieser Bewegung räumen sie sich gegenseitig Platz ein. Jede der Personen lehnt es ab einen/ihren bestimmten Platz einzunehmen und festzuhalten. Vielmehr gibt der Vater seinen Platz an den Sohn weiter, der Sohn den seinen an den Heiligen Geist und dieser wiederum… Die Personen der Dreieinigkeit nehmen nicht je ihren eigenen Platz für sich alleine ein, sondern bewegen sich im Kreis und bieten sich gegenseitig je ihren Platz an. Dabei handelt es sich um eine endlose Bewegung im Kreis. Indem sie sich liebevoll je ihren Platz anbieten, öffnen sie eine Raum in der Mitte, den Kern.
 
Kearney führt weiter aus, dass er dieses Bild gerade dann gerne verwendet, wenn Menschen sagen, dass Dekonstruktion etwas negatives sei. Mit diesem Bild sei es ihm möglich zu betonen, dass sie schon in der Dreieinigkeit vorhanden war. Jacques Derrida führte die Dekonstruktion nicht ein. Sie ist bereits in der Bibel vorhanden, z.B. in dieser liebevollen Weitergabe des Platzes. Was die drei Personen der Dreieinigkeit tun, kann man auch als liebevolle Eigendekonstruktion bezeichnen. Sie beharren nicht auf einem statischen Platz, sondern geben diesen liebevoll an den nächsten Weiter und bekommen einen anderen Platz angeboten. Durch diese Weitergabe öffnen sie einen inneren Raum, die Chora, den Kearney als weiblicher Raum der Inkarnation bezeichnet, im Herzen der Dreieinigkeit und der Schöpfung.

Die Ausführugen von Kearney finden sich in folgendem PodCast von Emergent Village: Session 3 Part 2 – 2007 Theological, Philosophical Conversation. In nächster Zeit werde ich wieder etwas mehr zu Dekonstruktion und auch über Dreieinigkeit schreiben – die Intervalle und Länge der Einträge wird mit der Energie zusammenhängen die mir neben der regulären Arbeit bleibt.

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