An die Dreifaltigkeit glauben

Ein Zitat aus Leonardo Boffs kleiner Trinitätslehre, ohne Kommentar meinerseits, einfach nur weil es so schön ist:

»An die Dreifaltigkeit glauben heißt davon überzeugt sein, daß im Ursprung alles Bestehenden und Existierenden Bewegung herrscht und ein ewiger Prozess von Leben und Liebesent-äußerung in Gang ist.

An die Dreifaltigkeit glauben heißt davon ausgehen, daß Wahrheit mit Gemeinschaft einhergeht und nicht mit Ausschluß, daß Konsens besser die Wahrheit zum Ausdruck bringt als Durchsetzen und daß Mitwirkung und Mitbestimmung vieler besser ist als das Diktat eines einzelnen.

An die Dreifaltigkeit glauben heißt ja dazu sagen, daß alles mit allem zu tun hat und ein großes Ganzes bildet und daß die Einheit aus tausend Übereinkünften und nicht bloß aus einem einzigen Faktor erwächst.«

[Leonardo Boff, Kleine Trinitätslehre, 15.]

→ Instapaper

Menschsein in Gemeinschaft

In meinen Studien zu Möglichkeiten der Interaktion von Theologie und Soziologie, stosse ich immer wieder an Punkte die mir die kulturelle Bedingtheit allen theologischen Denkens bewusst machen.

Einer dieser Punkte ist die Konzentration der westlichen Christenheit auf das Individuum. Der Mensch wird zutiefst als Individuum wahrgenommen. Eine Möglichkeit die aus der Interaktion zwischen Theologie und Soziologie erwächst sehe ich darin, dass die Soziologie uns auf die Bedeutung der Gemeinschaft hinweist, den Menschen als Gemeinschaftswesen, Wesen in Interaktion mit anderen, begreift. Durch diese Sichtweise wird die Konzentration auf das Individuum in Frage gestellt. Eine weitere Sicht des Menschen wird möglich. Wenn sich diese weitere Sicht des Menschen schließlich mit Gedanken zur Dreieinigkeit paaren, eröffnet sich ein noch weiterer Horizont.

Die Annahme des Menschen als Gemeinschaftswesen ist dann nichts mehr, was die Soziologie an die Theologie herangetragen hat, sondern zutiefst verwurzelt im biblischen Zeugnis:

„In biblischer Perspektive ist der Mensch wesenhaft gesellschaftlich und ein Gemeinschaftswesen. Menschlich leben heißt immer mitleben; erst im Vollzug seiner Mit-Menschlichkeit kommt jeder dazu, wahrhaft Person zu werden.

Die Genesis (1,26-27) stellt die Menschheit als Bild und Gleichnis Gottes dar. Nun ist Gott für uns Gemeinschaft und Liebe in ewiger Perichorese. Somit wird der Mensch in dem Maße, wie er Gemeinschaft verwirklicht und Beziehungen der Hingabe und Annahme eingeht, zum Bild der Dreifaltigkeit.“

[Leonard Boff, Der dreieinige Gott, 254.]

Für mich ist dies ein gutes Beispiel der Möglichkeiten von Interaktion unterschiedlicher Blickwinkel. Durch die Betrachtung der Welt aus unterschiedlichen Perspektiven eröffnen sich Zusammenhänge, die durch die gewohnte Brille unsichtbar waren.

→ Instapaper

Wider die Institutionalisierung

Seit ein paar Tagen ist die Zusammenfassung der Doktorarbeit von Josh Packard online. Josh hat seinen PhD in Soziologie gemacht und unter dem Titel ›Organizational Structure, Religious Belief and Resistance: The Emerging Church‹ eine empirische Untersuchung zur Organisationsstruktur von Gemeinschaften der Emerging Church Bewegung in Amerika gemacht.

Da auf der einen Seite viele ein gewisses Sicherheitsbedürfnis haben, dem mit Routinen und „Dingen auf die man sich verlassen kann“ begegnet werden kann, und auf der anderen Seite Organisationen, die an Alter und Größe zunehmen, dazu neigen, eben solche Routinen oder Traditionen auszubilden, erscheint mir die Dissertation von Josh sehr wichtig.

In seiner Zusammenfassung beschränkt er sich darauf, nach einer Einleitung zur ›Gefahr der Institutionalisierung‹, vier Knackpunkte darzustellen, die seinen Beobachtungen zufolge beachtenswert sind, wenn eine Gemeinschaft der Gefahr der Institutionalisierung widerstehen möchte.

Knackpunkt 1:
Die Mitglieder einer Organisation müssen der Institutionalisierung bewusst widerstehen, um dadurch dem Widerstand dazu zu verhelfen anhaltend und erfolgreich zu sein.

Knackpunkt 2:
Erfolgreicher Widerstand beinhaltet sowohl das Vermeiden von Routinen, als auch die Tatsache kein neues Modell zu schaffen.

Knackpunkt 3:
Der Einflussbereich von Professionellen (wie z.B. Pastoren), muss zugunsten eines erfolgreichen Widerstandes, begrenzt werden.

Knackpunkt 4:
Ein Knackpunkt von erfolgreichem Widerstand ist es, sowohl beständiges Hinterfragen anzuregen, als auch der Versuchung zu Widerstehen, eine spezifische Organisationsideologie zu formulieren.

Björn hat einen ausführlichen Artikel zur Zusammenfassung von Josh‘s Dissertation geschrieben. Die gesamte Zusammenfassung findet sich bei Josh, der auch ausdrücklich um Feedback und Kommentare bittet. In diesem Sinne empfehle ich die Zusammenfassung zur Lektüre und würde mich darüber freuen, wenn wir, die wir uns als Teil des emergenten Dialogs verstehen, darüber in einen Austausch kommen könnten welche Knackpunkte wir sehen um Institutionalisierung zu verhindern (sowohl solche, die im Entstehen ist, als auch bereits bestehende Institutionalisierung zu überwinden).

→ Instapaper

Basecamp

Basecamp, ein wunderbares Projektmanagement-Tool aus dem Hause 37Signals, vereinfacht die Kommunikation. Neuerdings gibt es die Möglichkeit Kommentare zu Beiträgen direkt über die E-Mail-Benachrichtigung zu schreiben. Sehr gut!

→ Instapaper

mymuesli.com: Kraftfutter für Depone

mymuesli » Deponeskraftfutter
Am Samstag klingelte ein Mann vom Paketdienst. Als ich ihm auf halber Strecke begegnete, streckte er mir ein Päckchen entgegen. Zurück in der Wohnung stellte ich schnell fest wo das Päckchen herkam – es war ein Päckchen von mymuesli.com.

Nette Menschen aus meiner erweiterten Familie wollten mir mit einer speziellen Müslimischung eine Freude machen – und ich muss sagen, das gelang ihnen sehr gut! Zum einen wollte ich, als Web 2.0-Enthusiast, schon immer mymuesli.com testen. Die Idee von individuell gemischtem Bio-Müsli in Verbindung mit einem ansprechenden Netzauftritt gefiel mir schon seit meiner „ersten Begegnung“. Zum anderen freue ich mich über ein gutes Müsli am morgen, da ich, als „echter Müsli“, jeden Tag mit einer leckeren Schale Müsli beginne.

Nach dem ersten Frühstück mit meinem Kraftfutter, kann ich nun auch etwas über den Geschmack aussagen, dieser unterstützt sowohl die gute Idee, als auch die schicke Verpackung: sehr lecker!

→ Instapaper

Dreieinige Gemeinschaft

Sitze gerade wieder über einem Buch von Leonardo Boff, den ich sehr schätze, und der mein theologisches Denken inspiriert. Aus diesem Grund poste ich nun ein etwas längeres Zitat daraus in dem er auf die Inspiration des ›Dreieinigkeitsmodells‹ auf unser menschliches Miteinander eingeht:

»Über ihre kritische Funktion hinaus ist die dreieinige Gemeinschaft Inspirationsquelle für die gesellschaftliche Praxis. Vor allem die Christen, die sich im Sinn der großen armen Mehrheit für strukturelle Änderung der Gesellschaft einsetzen, finden in der Dreieinigkeit ihre ewige Utopie.

Jeder der drei Unterschiedenen bejaht die Unterschiede der anderen; dieses Ja zum anderen und die völlige Hingabe an ihn macht jeden zum Unterschiedenen in Gemeinschaft. In der Dreifaltigkeit gibt es nicht die Herrschaft eines Pols, sondern die Konvergenz der Drei in Schenkung und Annahme. Sie sind unterschieden, doch keiner ist größer oder kleiner, früher oder später als der andere.

Deshalb darf eine Gesellschaft, die sich von der dreieinigen Gemeinschaft inspirieren läßt, nicht die Klassen dulden, nicht die Herrschaft von Seiten einer Macht (sei sie wirtschaftlich, geschlechtlich oder ideologisch bestimmt), welche die übrigen Unterschiedenen unterjocht und verrandet.

Die Gesellschaft, die dank der Inspiration durch das Dreieinigkeitsmodell entstehen kann, muß geschwisterlich und gleichberechtigt sein, reich an Ausdrucksräumen, die sie den Unterschieden der Menschen und Gruppen einräumt. Allein eine Gesellschaft von Brüdern und Schwestern, deren soziales Netz Teilhabe und Gemeinschaft aller an allem gewirkt ist, darf für sich in Anspruch nehmen, sie sei ein blasses Abbild und Gleichnis der Dreifaltigkeit, des Fundaments und der letzten Geborgenheit des Alls.

Treffend hat Jürgen Moltmann dazu geschrieben: »Den christlichen Gott verehrt eine christliche Gemeinde nur, wenn sie eins, einig und vereinend ist, ohne Herrschaft und Unterdrückung; und die Menschheit, wenn sie eins, einig und vereinend ist, ohne Klassenherrschaft, und ohne diktatorische Unterdrückung.

Das ist die Welt, in der die Menschen sich durch ihre Beziehungen auszeichnen und nicht durch ihre Macht oder durch das, was sie besitzen. Das ist die Welt, in der die Menschen alles gemeinsam haben und alles miteinander teilen, außer ihre persönlichen Kennzeichen.“«

Leonardo Boff, Der dreieinige Gott. (Düsseldorf: Patmos, 1987), 175f.

Diese Gedanken verdichten sich in meinem Kopf auf unterschiedlichen Ebenen. Da ich Freund einer klassenlosen Gesellschaft bin und mich für hierarchielose Strukturen in Gemeinde einsetze, interessieren mich die Begründungen von anderen zu diesem Thema immer. In den letzten Tagen habe ich neben diesem Buch auch in Exclusion & Embrace von Miroslav Volf gelesen [muss ich auf jeden Fall noch näher drauf eingehen – aber ich verspreche nichts] und bin dort über seinen Ansatz der ›sich verschenkenden Liebe‹ gestossen, die meiner Ansicht nach ähnliche Auswirkungen auf unser Miteinander hat, und von Volf auch in der Dreieinigkeit wahrgenommen wird.

Wenn ich diese Ansätze der gemeinschaftlichen Ausrichtung von Gemeinde und Gesellschaft mit der Dreieinigkeit begründet wahrnehme, wird mir, immer wieder aufs Neue, fraglich, wie manche Christen ausschließlich dem konservativen Denken von Eliten und Hierarchien anhängen, und jede andere Möglichkeit von Struktur, mit Argumenten des ›Willens Gottes‹ als unmöglich bezeichnen und tatkräftig dagegen angehen.

→ Instapaper

Augenzwinkern

In den letzten Wochen habe ich mich immer wieder gefragt, wo sich mein Humor und mein Optimismus versteckt haben. In diesem Zusammenhang dachte ich dann, dass es hilfreich sein könnte, wenn ich mal wieder über mich selbst lache.

Einen wunderbaren Anlass mich selbst und dieses Blog nicht so ernst zu nehmen bot eine Mail, die kürzlich nachts bei mir eintraf. Jemand hatte sich die Mühe gemacht mein Blog anzuschauen und mir dann auch noch über das Kontaktformular eine Nachricht zu schicken. Die beiden folgenden Zeilen bilden den Inhalt der Mail:

Boaah, intelligenter hübscher Mann!!!

Aber bestimmt vergeben ?!

Vielen Dank für diese wunderbare Nachricht, du hilfst mir damit ungemein über mich selbst zu lachen.

Vielleicht ist der Absender dieser Mail auch nur einer meiner Freunde, der mich lachen sehen wollte. Falls nicht, was mir wesentlich angenehmer wäre, dann formuliere ich hiermit eine Bitte an weitere Interessenten, im Stile einer guten Kontaktanzeige: Bildzuschriften erbeten unter…

Ob ich vergeben bin verrate ich nicht, darüber schreibe ich ja auch sonst nie – weder hier auf dem Blog, noch bei Twitter und mit großer Sicherheit werde ich auch keine privaten Bilder auf flickr veröffentlichen.

→ Instapaper

Verantwortung

Im März erschien die Nummer 30 der Zeitschrift ›THE RACE‹ in der sich ein Artikel von mir zum Jahresthema ›Verantwortung‹ befindet. Unter dem Titel ›Verantwortung gegenüber mir selbst und meinem Körper‹ habe ich einen Artikel beigetragen. Während einer morgendlichen Runde um unseren Block gehe ich darin einigen Gedanken zu Verantwortung nach.

Ab heute kannst du den Artikel nun auch hier herunterladen:
›Verantwortung gegenüber mir selbst und meinem Körper‹
[PDF | 4 Seiten]

_

Ein paar weitere Artikel, die ihre Form durch meine Finger auf einer Tastatur gefunden haben, kannst du dir auf meinem Dachboden anschauen und herunterladen.

→ Instapaper