Archiv für Mai, 2008

sowohl-als-auch

Freitag, 30. Mai 2008

Es wird angenommen, dass der Mensch für Dualismen angelegt ist, demnach falle es uns leichter die Wirklichkeit mittels einem ›entweder-oder‹ Muster wahrzunehmen. Die Spannung des ›sowohl-als-auch‹ wird dann allzu gerne durch die Trennung, Wertung und Einordnung des Wahrgenommenen in Dualitäten ›entweder-oder‹ aufgehoben.

Diese Tendenz ist auch an Äußerungen über Gott zu beobachten. Während in manchen Kreisen die Gerechtigkeit Gottes und daraus folgend Aspekte des Gerichts betont werden, entscheiden sich andere Kreise dafür die Liebe Gottes zu betonen und jedwede Möglichkeit eines Gerichtes ausser Acht zu lassen.

In den letzten Tagen las ich immer wieder einen Text, indem eine Aussage Gottes über sich selbst überliefert ist, die einmal mehr das sowohl-als-auch der Liebe und der Gerechtigkeit Gottes betont:

In einer Wolke kam der Herr auf den Berg herab, stellte sich neben Mose und rief seinen Namen aus. Er ging an Mose vorüber und rief:

»Ich bin der Herr! ‘Ich bin da’ ist mein Name! Ich bin ein Gott voll Liebe und Erbarmen. Ich habe Geduld, meine Güte und Treue sind grenzenlos. Ich erweise Güte über Tausende von Generationen hin, ich vergebe Schuld, Verfehlung und Auflehnung; aber ich lasse auch nicht alles ungestraft hingehen. Wenn sich jemand gegen mich wendet, dann bestrafe ich dafür noch seine Kinder und Enkel bis in die dritte und vierte Generation.«

Exodus 34,5-7 [GNB]

1 Monat Bio

Dienstag, 27. Mai 2008

In der Schweiz machen gerade zwei Personen ein Experiment – um der Frage nachzugehen wie viel konsequent nachhaltiges Konsumverhalten kostet und welche Auswirkungen das auf die Lebensqualität haben kann, haben sie einen Bio-Monat ausgerufen. Da sich der Bio-Monat-Mai langsam dem Ende nähert, ist das Experiment demnächst vorbei, durch die Archivfunktion sind jedoch alle Einträge leicht nachzulesen… 1 Monat Bio. (via KarmaKonsum)

ACWB

Montag, 26. Mai 2008

Doug hat das erste Werbefilmchen für sein soeben erschienenes Buch ›A Christianity Worth Believing‹ veröffentlicht. In diesem Buch legt er seine Sicht dessen dar, was es bedeutet in unserer Zeit ›Christ‹ zu sein. Hier gehts zum Film, und dort findest du das Buch bei Amazon.

Gepflegte Langeweile

Sonntag, 25. Mai 2008

… oder zelebrierter Weltschmerz? An Tagen wie diesem höre ich sehr gerne Bands wie The Notwist, Radiohead oder Pedro the Lion. Was diese unterschiedlichen Künstler gemeinsam haben? Meiner Ansicht nach die Atmosphäre von gepflegter Langeweile und zelebriertem Weltschmerz.

Spuren des Heiligen

Dienstag, 20. Mai 2008

Auf Zeit-Online stieß ich eben auf einen interessanten Artikel [Alles so schön esoterisch] über eine Ausstellung, die den Besucher auf eine Suche nach den Spuren des Heiligen in der Kunst begleitet. Die Ausstellung Traces du Sacré [»Spuren des Heiligen«] wird gerade in Paris [Centre Pompidou] gezeigt, bevor sie demnächst ins Haus der Kunst nach München kommt. Anhand von rund 350 Arbeiten soll der Frage nachgegangen werden, wie Künstler der Moderne auf den Verlust von Glaubensgewissheiten reagiert haben.

Einige Aussagen des Artikels finde ich äußerst bedenkenswert, weshalb ich hier einige Gedankensplitter in Zitaten wiedergeben möchte:

In schlechten Zeiten, so lautet ein Gemeinplatz, werden die Menschen gläubig. Doch das ist höchstens die halbe Wahrheit. Denn die in den letzten Jahren oft proklamierte »Wiederkehr des Religiösen« ist auch ein Wohlstandsphänomen: Wer seine täglichen Lebensgrundlagen gesichert hat und sich saturiert fühlt, giert nach Bewusstseinserweiterung.

Gerade die Avantgarden verweigerten sich der Entzauberung der Welt durch Aufklärung und Industrialisierung. Sie nutzten das entstandene Vakuum, um eigene metaphysische Weltentwürfe zu lancieren.

Auf Spuren des Heiligen trifft man heute am offensivsten in der Vermarktung von Mineralwasser, bei Duftkerzen, Tees und in Tourismusprospekten. In den oft exotisch anmutenden Wellness-Anwendungen leben Archaismen und Paradiesvorstellungen fort; beschworen wird eine Ganzheit von Seele, Geist und Körper, und viele lassen sich auf magische Substanzen und ritualisierte Übungen ein.

Wolfgang Ullrich, seines Zeichens Professor für Kunstwissenschaften in Karlsruhe, legt hier einen kritischen Artikel vor, der gegen Ende einem Verriss der Ausstellungsidee gleichkommt. Meiner Ansicht nach zeigt dieser Artikel, neben den interessanten Aspekten von Spuren des Heiligen in der Kunst auch, welch enge Sicht in der Gesellschaft an manchen Orten zum Thema des Heiligen vorliegen. Es scheint als lege der Autor andere Maßstäbe an die Konzeption einer Ausstellung, als es die Kuratoren in diesem Fall taten. Dies mache ich zum einen an seiner Kritik der Diskontinuität in der Anordnung der Werke fest, und zum anderen erscheint mir seine Anmerkung im Sinne ›nicht alle zeitgenössischen Künstler sind Spirituelle‹ für reichlich übertrieben – der Besuch einer solchen Ausstellung wird den Besucher kaum in dem Glauben entlassen, dass nun Alles und Jeder über einen Kamm zu scheren seien…

Der gesamte Artikel: Zeit-Online – Alles so schön esoterisch.

Drei_Einigkeit

Montag, 19. Mai 2008

Im Kirchenjahr war gestern der ›Dreieinigkeits-Sonntag‹. Grund genug, um im sonntäglichen Treffen der Gemeinschaft über das Thema ›Dreieinigkeit‹ zu sprechen. Auch wenn man sicher noch mehr erläuterndes zu folgendem Zitat schreiben könnte und müsste, möchte ich es heute und hier einfach mal so abschreiben. An dem entfalteten Gedanken schätze ich vor allem die Ausführung zur Einigkeit der drei Personen:

„Suchen wir nach einem Einheitsbegriff, der dem biblischen Zeugnis von dem dreieinigen, mit sich vereinigenden Gott entspricht, dann fällt sowohl der Begriff des einen Wesens wie der Begriff des identischen Subjekts aus.

Es bleibt nur übrig: die Einigkeit der drei Personen untereinander, oder: die Einigkeit des drei-einigen Gottes. Denn nur der Begriff Einigkeit ist der Begriff einer mitteilbaren und offenen Einheit.

Der eine Gott ist ein einiger Gott. Das setzt personale, nicht nur modale Selbstdifferenzierung Gottes voraus, denn nur Personen können einig sein, Seinsweisen oder Subsistenzweisen aber nicht.

Die Einigkeit der drei göttlichen Personen wird von diesen weder als ihr eines Wesen vorausgesetzt noch als Selbigkeit oder Identität der Gottesherrschaft oder Selbstmitteilung bewirkt.

Die Einigkeit der Drei-einigkeit ist durch die Gemeinschaft von Vater, Sohn und Geist selbst schon gegeben. Sie braucht darum weder durch eine eigene Lehre von der Einheit der göttlichen Substanz noch durch die besondere Lehre von der einen Gottesherrschaft zusätzlich gesichert zu werden.“

Jürgen Moltmann, Trinität und Reich Gottes: Zur Gotteslehre. 2. durchgesehene Auflage (München: Kaiser, 1986), 167.

Birma

Freitag, 16. Mai 2008

Letztes Jahr drückten wir unsere Sympathie den Mönchen und der Bevölkerung Birmas aus. Zur Zeit haben sie wieder schwer zu tragen. Ein Bericht aus Birma zur Lage der Hilfe aus dem Westen hat mich eben nachdenklich gemacht. Auch wenn ich die Haltung der Militär-Junta nicht unterstütze, so kann ich manche Skepsis gegenüber ›dem Westen‹ nachvollziehen. Zum Artikel: ”Sie tun nichts“

Syanogue 3000

Mittwoch, 14. Mai 2008

Eben über einen älteren Link gestolpert und dadurch auf eine Bewegung aufmerksam geworden, die Synagogue 3000 genannt wird. Dabei handelt es sich um eine Bewegung unter Juden, die sich Fragen nach einem zeitgemäßen jüdischen Leben stellen. Sie nennen sich auch „Jewish Emergents“ und haben zu einem Treffen im Januar 2006 auch einige Freunde von Emergent Village eingeladen. Ein kurzes Video mit Ausschnitten aus diesem Treffen kannst du dir hier anschauen. Als Freund des Dialogs freue ich mich über solche Ereignisse. (via Emergent Village)

Gerechte Gesellschaft

Freitag, 09. Mai 2008

Eine Reportage im letzten Zeit-Magazin hat mich nachdenklich gemacht. Wenn wir an fairen Handel denken, dann kommt schnell das Bild von Kaffee mit transfair-Logo auf – nicht dass ich was dagegen hätte – meiner Ansicht nach müssen wir bei unserem Einsatz für eine gerechte Welt weiter gehen. Mein Ansatz bei diesem Thema ist es, hinter dem Produkt das wir kaufen, die Menschen zu sehen, die an der Produktion beteiligt waren.

In dem Artikel, den ich Eingangs erwähnt habe, berichtet Günter Wallraff aus einer Brotfabrik, die Lidl mit Brötchen beliefert. Dieser Bericht geht unter die Haut und macht genau das, was ich eben angesprochen habe, er ermöglicht uns einen Blick auf die Menschen (und Tiere), die an der Produktion beteiligt sind. Den Bericht gibt es auch online: Unser täglich Brötchen.

Eben habe ich mir noch ein Interview durchgelesen, in dem Wallraff zu den Reaktionen auf die Reportage, und seinen Perspektiven für die Brötchenfabrik, befragt wird. Das Interview führte Carolin Ströbele und es findet sich hier: Endlich finden sie Gehör.

Den letzten Abschnitt des Interviews möchte ich hier gerne zitieren, auch wenn ich die Lektüre sowohl der Reportage als auch des Interviews in Gänze empfehle:

ZEIT online: Sie fordern die Verbraucher auf, nicht mehr bei Lidl einzukaufen. Eine harte Forderung, wenn man von einem Hartz-IV-Empfänger ausgeht.

Wallraff: Man sollte solche Läden meiden. Weil sonst irgendwann nur noch ganz wenige alles bestimmen. Laut einem EU-Bericht verkaufen schon jetzt sieben Großdiscounter 70 Prozent der Lebensmittel in Europa. Damit diktieren sie die Preise, verschlechtern die Arbeitsbedingungen ganz wesentlich und belasten die Umwelt. Hier entsteht eine Monopolisierung des Marktes. Das müssen wir verhindern und deshalb sollte man solche Ketten boykottieren. Auch im Interesse der eigenen Gesundheit sollte man lieber die qualitativ bessere Ware kaufen. Ein gutes Brot beim Bäcker ist oft gar nicht mal teurer als zehn Aufbackbrötchen.

Kurzes Gebet

Donnerstag, 08. Mai 2008

In den letzten Tagen habe ich, auf verschiedenen Wegen durch die Stadt, wieder mal einen Vortrag von N. T. Wright gehört. Gegen Ende des Vortrages erwähnt er ein kurzes Gebet an die Dreieinigkeit – das Gebet ist streng genommen zwar ›Off-Topic‹ bezogen auf den Vortag, da ich jedoch auf kurze liturgische Gebete stehe, will ich es hier kurz in einer möglichen Übersetzung wiedergeben:

Allmächtiger Vater,
Schöpfer des Himmels und der Erde,
richte dein Reich in unserer Mitte auf.

Herr Jesus Christus,
Sohn des lebendigen Gottes,
sei mir Sünder gnädig.

Heiliger Geist,
Atem des lebendigen Gottes,
erneuere mich und die gesamte Welt.

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N. T. Wright

Ich sehe den Wert solcher kurzen liturgischen Gebete vor allem in dem, was Yotin mal als Gebetsteppich der Tradition bezeichnet hat. Ein solches Gebet verstehe ich wie einen Gebetsteppich den ich auslege, auf den ich mich knie, und der mit dabei hilft, mich zum einen an Gottes ewige Gegenwart zu erinnern, und zum anderen mein ganzes Sein auf ihn hin ausrichtet. Vielleicht dient dieses Gebet auch dir.

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Link zum Vortrag: Resurrection and the Future World (Part 1)