Christ-Sein // 6

Letzte Woche saß ich an einem warmen Sommerabend in meinem Büro und brütete über einem Titel für eine Predigt. Während ich so die unterschiedlichsten Gedanken bewegte und mit dem ein oder anderen Wort spielte dachte ich über Christsein nach.

Dabei ist mir eine Betonung des Wortes aufgefallen wie ich sie im Titel andeute: Christ-Sein. Zunächst einmal die Betonung des Seins. Im Frommschen Unterschied zwischen Haben und Sein, spricht das Sein vom Leben, von Beziehungen, von Liebe.

Christ-Sein kann auch von der ersten Silbe her betont werden. Dabei ist mir besonders eine mögliche Bedeutung wichtig – Christus-Sein. Was sind wir? Christus hat in uns einen Körper auf dieser Welt. Wir leben auf die Weise mit Gott in dieser Welt wie Christus es getan hat. Wir sind Christus, hier und jetzt.

Wenn wir von diesen Gedanken her den Schwerpunkt setzen, dann geht es beim ChristSein nicht um das Haben von irgendetwas. Das ChristSein zeichnet sich eher dadurch aus, dass wir Christus sein dürfen. Wir dürfen an dem teilnehmen was der dreieinige Gott in unserer Zeit tut.

Zu diesen Gedanken habe ich neulich folgenden Satz gelesen:

»The first Reformation was the re-discovery of the theology of Paul—of God’s grace given freely to wholly undeserving sinners. A second, postmodern reformation will require the complementary re-discovery of the theology of James—that faith is always manifested. [...] This is not a return to an anemic social gospel; this is a biblical response of gratitude to God manifested in concern for others.«

Wade Bradshaw, Reaching the Postmodern Generation, 1f.

Diese „zweite postmoderne Reformation“ spricht mir aus dem Herzen. Finde diese Gedanken sehr spannend, da es mir seit ich denken kann mehr um Leben als um irgendetwas sonst ging.

Vielen Dank, dass Du den Eintrag »Christ-Sein« hier gelesen hast. Ich habe ihn am 04. Juli 2008 veröffentlicht und ihn folgenden Kategorien zugeordnet: Gerechtigkeit, Gesellschaft, Inkarnation, Master-Thesis, Missio Dei, Spiritualität, Theologie, emerging Church.

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Vielen Dank nochmals für Dein Interesse und noch einen schönen Tag, Daniel.

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6 Kommentare zu “Christ-Sein”

  1. Warum eigentlich Christ-Sein? « dikosss kommentierte
    am 05. Juli 2008 um 09:31 Uhr:
    1

    [...] eigentlich Christ-Sein? Wieso wird jemand Christ? Daniel geht dem Wort “Christ-Sein” auf gute Weise [...]

  2. windhauch kommentierte
    am 05. Juli 2008 um 10:18 Uhr:
    2

    Hallo Daniel,
    lese gerade das Buch unchristian von Kinnaman und Lyons – und auch da begegnete mir der Gedanke, dass es in unserer Welt neu wichtig ist nicht nur vom Evangelium zu reden, sondern es zu leben. Wichtig ist mir dabei aber, dass sich der Glaube dabei nicht in einer moralischen Überforderung manifestiert, sondern dass wir gerade auch unser Versagen und unsere Angewiesenheit auf Vergebung ehrlich leben. Leben des Evangeliums heißt ja gerade, dass ich mit meinem Versagen zu Gott kommen darf, Vergebung erfahre und wieder aufstehen darf.

  3. wir sind christus, hier und jetzt « ein neues kellion kommentierte
    am 05. Juli 2008 um 11:25 Uhr:
    3

    [...] Juli 5, 2008 · Keine Kommentare “Wir sind Christus, hier und jetzt.” (depone) [...]

  4. beisasse kommentierte
    am 08. Juli 2008 um 07:45 Uhr:
    4

    ich finde hier wirklich sehr spannend, dass gedanken ausgesprochen werden, die in die richtung “kirche-sein” gehen. sehr sehr ungewöhnlich für theologen, die aus dem freikirchlichen (?) kommen.

  5. depone kommentierte
    am 16. Juli 2008 um 18:01 Uhr:
    5

    danke sehr für die kommentare an dieser stelle.

    @windhauch gebe dir in dem punkt gerne recht, dass es nicht um eine moralische überforderung geht.

    @beisasse wen meinst du mit theologen aus dem freikirchlichen?

  6. [depone] | Daniel Ehniss » Blog Archive » Fundamentalismus kommentierte
    am 19. September 2008 um 10:04 Uhr:
    6

    [...] Tendenzen widerspricht. Aus diesem Grund spreche ich auch gerne darüber was Christ-Sein für mich bedeutet, und in diesem Eintrag möchte ich nun auch etwas zu Fundamentalismus [...]

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