Archiv für Oktober 2008

MacBook und Arbeitsspeicher

Dienstag, 28. Oktober 2008

Da mein neues MacBook für die nächsten Jahre mein treuer Begleiter sein darf wollte ich die Möglichkeiten des Arbeitsspeichers ausnutzen. Aus der Erfahrung dachte ich jedoch, dass es besser ist den Arbeitsspeicher bei einem Drittanbieter zu bestellen. Apple war in der Vergangenheit nicht gerade dafür bekannt Arbeitsspeichererweiterungen günstig anzubieten, sondern verlangte stolze Preise. Die Entscheidung mein MacBook mit dem Standard-RAM zu bestellen habe ich mittlerweile allerdings bereut.

In einen Eintrag auf Daring Fireball zu den RAM-Preisen in der aktuellen MacBook-Serie wird berichtet, dass sich Apple mit den aktuellen Arbeitsspeichern im normalen Preisspektrum befindet. Der Drittanbieter meiner Wahl bot die von mir gewünschten Arbeitsspeicher zu einem höheren Preis an, als dies noch bei denen für die vorherige MacBook-Generation der Fall war. Da ich jedoch schon bestellt hatte, war die Entscheidung gefallen.

Ich schreibe diesen Eintrag jedoch trotzdem aus zwei Gründen. Zum einen für diejenigen von euch, die mit dem Gedanken spielen sich ein neues MacBook zu kaufen. Euch empfehle ich direkt von Apple den Arbeitsspeicher zu beziehen, den ihr haben wollt. Solltet ihr die Möglichkeit haben im Bildungsstore einzukaufen, spart ihr gegenüber den üblichen Drittanbietern auch noch. (Natürlich habt ihr dann nicht das Vergnügen den RAM selbst einzubauen und habt auch keine zwei Standard-RAMs zu Hause liegen – darauf kann man meiner Meinung nach jedoch auch verzichten, oder?)

Der andere Grund weshalb ich zum Kauf von Arbeitsspeicher bei Apple rate ist die Möglichkeit von Problemen mit Arbeitsspeicher eines Drittanbieters. Mein MacBook fror nach dem Einbau des Arbeitsspeichers mit einer gewissen Regelmäßigkeit ein und bei einem Blick in einschlägige Foren wurde mir bestätigt, dass ich nicht der Einzige bin, dem dies passiert. Nun arbeitet mein MacBook wieder mit 2GB Arbeitsspeicher und tut dies wie erwartet treu und ohne merkliche Verlangsamung. Ich habe mich nun erst mal dazu entschieden bei 2GB zu bleiben und erst nach einer Weile, wenn ich Bedarf nach mehr habe, noch mal über Erweiterungen nachzudenken.

Abraham unterhält sich

Sonntag, 26. Oktober 2008

Heute Vormittag sprachen wir in einem gemütlichen Treffen unserer kleinen Hausgemeinschaft über den Predigttext der evangelischen Landeskirchen. Wie meistens weiteten wir die Versauswahl etwas aus und lasen demnach die Verse 16 – 33 in 1. Mose 18.

Eine Unterhaltung zwischen Abraham und Gott (dem HERRN) wird in diesem Abschnitt erzählt. Es beginnt damit, dass der Herr darüber nachdenkt Abraham in seine Pläne mit Sodom einzuweihen, was er dann im weiteren Verlauf tut. Mit den Plänen konfrontiert beginnt Abraham mit Gott darüber zu verhandeln seine Pläne zu revidieren und die Stadt zu begnadigen.

Es gäbe viel über diese Begebenheit, diesen Text und auch über unsere Gespräche darüber zu schreiben – ein Aspekt daraus erscheint mir jedoch besonderer Erwähnung wert. An dem Thema des Gesprächs zwischen Abraham und Gott hielten wir uns die meiste Zeit auf. Begonnen mit der Überlegung Gottes seine Pläne mit Abraham zu teilen, und der angemessenen Beharrlichkeit Abrahams – bis Gott sich schließlich aus der Unterhaltung zurückzieht.

In diese Unterhaltung brachte Johannes einen Gedanken von Leonard Sweet ein, den wir vor einiger Zeit in seinem Buch »Out of the Question … into the Mytsery« gelesen hatten. Sweet widmet das zweite Kapitel des Buches der Beziehung zwischen Abraham und Gott. In dieser Auseinandersetzung wertet er die in unserem Text erzählte Begebenheit als einen sehr wichtigen, wenn nicht gar essentiellen Bestandteil einer dialogischen Beziehung zu Gott. Diese dialogische Gottesbeziehung kontrastiert er mit Genesis 22 wo die tragische Begebenheit erzählt wird in der Abraham sich auf den Weg macht seinen Sohn Isaak auf einem Berg Gott zu opfern. Sweet deutet diese Begebenheit als einen großen Bruch in der dialogischen Beziehung zwischen Abraham und Gott. Der Text legt nahe, dass Abraham während der gesamten Zeit nicht in einer ähnlichen Weise mit Gott verhandelt wie dies in Gen 18 berichtet ist – er senkt seinen Blick, zieht sich in sich zurück und folgt (scheinbar) gehorsam der Forderung Gottes.

Leonard Sweet sieht, übereinstimmend mit einer jüdischen Auslegungstradition, in der Geschichte von Genesis 22, eine zweifache Prüfung, bei der es um eine vertiefung der Beziehung zwischen Gott und Abraham gehe. Seiner Ansicht nach handelt es sich zum einen um eine „Gehorsamsprüfung“ in der es Gott darum gehe Abrahams Haltung ihm gegenüber zu prüfen und zu vertiefen. Neben diesem Aspekt gehe es bei der Prüfung jedoch auch um einen so genannten Essayteil, in dem Gott sich eine Auseinandersetzung zwischen Abraham und ihm über die Forderung wünscht. Diese Auseinandersetzung habe Abraham dann nicht gesucht und habe dadurch der dialogischen Beziehung zwischen ihm und Gott erheblichen Schaden zugefügt.

Diesen Gedanken lohnt es sich weiter nach zu gehen…

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Hier noch der Link zum erwähnten Buch, das sich sehr zu lesen lohnt.

"Out of the Question…Into the Mystery: Getting Lost in the Godlife Relationship" (Leonard Sweet)

Das MacBook und ich

Sonntag, 26. Oktober 2008

Einige von uns warteten gespannt auf den 14. Oktober, andere wusste nicht was an diesem Tag besonders sein sollte. Am Abend dieses Tages trat Steve Jobs vor die begeisterte Menge und hatte ihnen etwas zu erzählen. In der Einladung an die Pressevertreter stand ein bedeutungsschwangerer Satz: »The spotlight turns to notebooks« – Hoffnungen und Gerüchte fanden ihre Erfüllung in diesem Satz – am Abend (meine Ortszeit) des 14. Oktober würde Jobs über Notebooks reden, MacBooks. Und wie das Gerücht es wollte, präsentierte er neue MacBooks.

Nachdem ich etliche Keynotes mit meinem treuen iBook verfolgt hatte, sollte am 14. der Tag gekommen sein, an dem ein Generationenwechsel meiner Arbeitspartner eingeläutet werden würde. Und so kam es. Apple hatte Energie in die Entwicklung neuer MacBooks gesteckt die wieder aus Aluminium sind und mit denen man gewillt war den Notebook-Sektor aufzumischen. Das neue MacBook wurde vorgestellt und wenige Stunden später in meinem Wohnzimmer bestellt.

MacBook

Etwas länger als eine Woche vergingen von der Bestellung bis zum Eintreffen des neuen Arbeitspartners in unserer Wohnung. Nun, nach drei Tagen des gemeinsamen Weges schreibe ich diesen Eintrag und bin sehr glücklich und zufrieden. Für mich war das nicht nur ein Wechsel des Gerätes, sondern auch des Betriebssystems, und so freue ich mich nun auf die kommenden Erfahrungen mit dem derzeit aktuellsten Release des von mir geliebten Mac OS-X und dem neuen MacBook. Was ich auf diesem gemeinsamen Weg so erleben werde, wird hier zu lesen sein.

Dinge geregelt kriegen II-a

Samstag, 18. Oktober 2008

Mit diesem Eintag möchte ich die zweite Hälfte des zweiten Teils des Buches ›Ding geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdisziplin‹ von Sascha Lobo und Kathrin Passig behandeln. Das a hier steht aber auch sofort für den »Anfang vom Ende«, da dieser Eintrag der letzte in dieser Reihe sein wird. Wahrscheinlich haben mittlerweile die Meisten das Buch selbst vorliegen und lesen es daher am Stück. Ich werde, sofern ich es geregelt bekomme noch auf einige Aspekte aus dem Buch eingehen, die mich inspiriert haben, eine derart großflächige Behandlung der Teile wird es jedoch nicht weiter geben – schließlich wohnt jedem Ende ein Zauber inne.

Da Kathrin Passig freundlicherweise auf meine serviceorientierten Zusammenfassungen hingewisesn hat, möchte ich auf das Blog zum Buch an dieser Stelle noch ausdrücklich hinweisen. Unter Prokrastination.com finden sich eine ganze Reihe interessanter Hinweise, Ergänzungen zum Buch, Zitate und was es eben aus dem Umfeld der Autoren zu erzählen gibt.

Prokrastination wird immer wieder mit Zeitverschwendung gleichgesetzt. In ihrer Mission das schlechte Gewissen derer zu lindern die prokrastinieren schreiben Kathrin Passig und Sascha Lobo in dem Kapitel Schnarfen und Golken über Zeitverschwendung. Dieses Unterfangen beginnen sie mit einer Einschränkung dessen was als Zeitverschwendung angesehen werden kann und beziehen sich dabei auf die unkonventionelle Enzyklopädie ›h2g2‹. In dieser benutzergenerierten Online-Enzyklopädie findet sich ein Eintrag zur ›Kunst der effizienten Zeitverschwendung‹, darin wird beschrieben, dass viele Tätigkeiten zu unrecht als Zeitverschwendung angesehen werden, eine Tätigkeit kann nur dann als Zeitverschwendung angesehen werden, wenn sich daraus keinerlei persönlicher, spiriitueller, sozialer oder spiritueller Nutzen ziehen lässt. Im englischen Original hört sich das so an:

In order to consider a certain amount of time as wasted, the primary factor is that no personal, spiritual, social or material is benefited at all. This means that a lot of activities are wrongly regarded as a waste of time. In fact, almost everything you do can be useful one way or another.

(Quelle: h2g2 – The Art of Efficient Time-wasting)

Mit dieser Einschränkung im Hintergrund kann kaum etwas als pure Zeitverschwendung angesehen werden und man muss sich regelrecht anstrengen aus den Tätigkeiten die man tagtäglich ausübt keinerlei Nutzen zu ziehen. Im weiteren Verlauf des Kapitels ermutigen die Autoren dazu die Chancen und Möglichkeiten des alltäglichen Lebens zu achten und es entsprechend der eigenen Interessen zu gestalten. Auch an dieser Stelle finden sich augenzwinkernde Seitenhiebe auf die allgegenwärtige Produktivitätsliteratur a la ›Simplify Your Life‹.

Eine Lobeshymne auf den richtige Zeitpunkt wird im Kapitel Heute jedoch nicht angestimmt. Es gibt für jede Tätigkeit einen richtigen Zeitpunkt, ist die Annahme die diesem Kapitel zu Grunde liegt, egal ob es sich dabei um eine kreative Tätigkeit mit Weltgeltungsabsicht oder um das Tapezieren des Flurs handelt. Während in unserer Kultur das Warten auf den richtigen Zeitpunkt argwöhnisch betrachtet wird, gibt es in anderen Kulturen ein tiefes Verständnis dafür.

Einige Tipps zur Annäherung an den richtigen Zeitpunkt werden gegeben. In gewohnt schelmischer Art wird dabei der Dogmatismus der Philosophie des richtigen Zeitpunkts ad absurdum geführt. Den richtigen Zeitpunkt – oder zumindest keinen ganz falschen – zu erwischen wird zum Beispiel durch das Setzen einer Deadline unterstützt. Es wird darüber hinaus empfohlen sich der Aufgabe in einer Weise anzunähern die sich am Umkreisen der Beute eines Raubvogels ein Beispiel nimmt. Immer wieder wird die Aufgabe gedanklich umkreist, bis man schließlich zu dem Punkt kommt an dem man sie einfach – und zugleich gut vorbereitet – aufnimmt.

Die Möglichkeit Tätigkeiten zu lassen, einfach weil es möglich ist und nicht weil sie besonders unangenehm oder überflüssig wären ist die Anregung des Kapitels ›Liegen und liegen lassen
- Vom Nutzen des Nichtstuns‹
. Die 10 Dinge, die man ohne schlechtes Gewissen unterlassen kann vom Ende des Kapitels möchte ich hier kurz erwähnen:

1. Überflüssige Versicherungen abschließen.
2. Dateien auf dem Computer ordnen.
3. Täglich das Aktienportfolio kontrollieren.
4. Zum Arzt gehen.
5. Ins Fitnessstudio gehen.
6. Geschirr abtrocknen.
7. Selbstmord begehen.
8. Ein Testament machen.
9. Rasen vertikulieren. Sowei alle anderen Tätigkeiten, die mit «Rasen…» anfangen.
10. Laub mit dem Gebläse anderswohin blasen.

In folgenden Kapitel schreiben Passig und Lobo darüber, dass man nicht unbedingt mehr geregelt bekommt wenn man länger arbeitet. Der Untertitel „Weniger Arbeiten ist mehr arbeiten“ deutet die Aussage des Kapitels hin. Unter anderem zitieren sie in diesem Kapitel Neil Fiores »The Now Habit« einen Rat Fiores an Menschen die ihre Arbeitszeit frei einteilen können. Nach Fiore sollten diese Menschen nicht mehr als 15 Arbeitsstunden pro Woche einplanen. Werde eine hohe Wochenarbeitszeit eingeplant sei die Wahrscheinlichkeit zur Prokrastination um einiges höher, da die Person angesichts der großen vor ihr liegenden Zeitmenge dazu neige zunächst einmal anderen Beschäftigungen als der eigentlichen Aufgabe nachzugehen. Dagegen sei eine realistische Sicht der zur Verfügung stehenden Arbeitszeit ungemein hilfreich. Alle möglichen Termine und Verpflichtungen sollen aufgeführt werden, um auf diese Weise einen Eindruck der realistischen Arbeitszeit zu bekommen. Fiore rät des Weiteren dazu kurze Arbeitsblöcke von nicht mehr als 30 Minuten zu planen. Mit diesem Trick hofft Fiore die Person zu mehr Arbeit zu verführen als eigentlich geplant ist.

In Halbe Kraft voraus – Energiesparendes Arbeiten schreiben sie für eine entspannte Haltung gegenüber den zu bewältigenden Aufgaben. Eine all zu perfektionistische Sicht führt ihrer Meinung nach selten zu den gewünschten Ergebnissen. Sie empfehlen dagegen in Anlehnung an das Paretoprinzip (20/80) den Aufwand in Relation zum Ergebnis zu setzen. Das Paretoprinzip spricht davon, dass man in 20% der Zeit 80% der Arbeit verrichtet. Ihrer Meinung bewahrheitet sich dieses Prinzip auch dadurch, dass man unter Zeitdruck besser arbeitet, und daher bei näherkommender Deadline besser wird. Wenn man ein Projekt von Anfang an realitisch und locker angeht, dann fällt es einem bei erhöhtem Druck leichter die interessanten Exkurse zu vermeiden, da keine Zeit dafür bleibt. Am Anfang des Kapitels erzählen sie von Bernd Vogel, der sein theologisches Examen mit einem gut eingeprägten Lutherzitat bestand und dabei noch jede Menge Zeit hatte den Sommer am Baggersee zu genießen.

Aus dem letzten Kapitel dieses Teils mit dem Titel ›Jedem Ende wohnt ein Zauber inne
- Aufgeben – der schnelle Weg zum Sieg‹
möchte ich ein Zitat anführen:

«Was ich angefangen habe, das bringe ich auch zu Ende.» Dieser Satz aus dem Standardrepertoire von Persönlichkeitstests ist ein Bekenntnis, das den scheinbar erfolgreichen, durchsetzungsstarken und zuverlässigen Lebensteilnehmer auszeichnet. Wenn man den Satz in seiner dummen Absolutheit etwas variiert, wirkt er bedeutend weniger beeindruckend: «Auch völlig bescheuerte, energieraubende und ertraglose Projekte, die ich angefangen habe, bringe ich zu Ende.» Befeuert von der Selbstdisziplin, trainiert man sich ein Durchhaltevermögen an, das einem vor allem hilft, alle Warnzeichen für falsche Tätigkeiten zu ignorieren oder gar nicht erst zu bemerken. Es bildet sich schließlich eine unangenehme Hornhaut im Kopf — genau über dem Teil des Hirns, der uns auf dem richtigen Weg lenken oder zumindest vom völlig falschen Weg abbringen sollte.

(124f.)

Hiermit endet mein längerer Eintrag zum zweiten Teil des Buches »Dinge geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdisziplin« von Kathrin Passig und Sascha Lobo. Wie bereits zu Anfang angekündigt wird es keine weiteren Artikel mehr hier geben die das Buch großflächig betrachten. Wenn ich es geregelt bekomme werde ich noch den ein oder anderen Aspekt ansprechen der mich bei der Lektüre des weiteren Buches inspirierte hat.

Qualität des Fernsehprogramms

Montag, 13. Oktober 2008

Auf dem Sofa sitzend schaltete ich gestern Abend den Fernseher ein um mir im Zweiten das heute-journal anzuschauen. Die noch laufende Sendung wurde von Thomas Gottschalk moderiert, daher nahm ich zunächst an, dass dieser mal wieder überziehen würde und widmete mich dem was auf meinem Rechner passierte. Nach einer Weile schien mir die Überziehung etwas zu lang weshalb ich auf der Seite des ZDF nach dem Programm schauen wollte. In diesem Moment erhielt „Deutschland sucht den Superstar“ den deutschen Fernsehpreis für die beste Fernsehshow. Durch die Aussage eines Mitglieds des DSDS-Teams wurde die Verleihung ad absurdum geführt, er sagte sinngemäß „Ätsch wir sind geil, auch wenn ihr Intellektuellen das nicht versteht!“ und drohte jahrelange Fortsetzung der grauenhaften Sendung an.

Bei meinem Besuch der ZDF-Seite erhaschte ich einen Blick auf ein Bild von Marcel Reich-Ranicki das von einer Überschrift begleitet wurde in der das Wort ›Eklat‹ stand – diese Kombination weckte mein Interesse, um so besser, dass er kurz darauf bereits am Rednerpult stand. Bevor er begann entschuldigte er sich für das was er nun sagen würde und beteuerte, dass er niemanden verletzen wolle. Aha – jetzt kommt etwas interessantes, dachte ich. Reich-Ranicki lehnte die Annahme des Ehrenpreises ab. Er sei hier fehl am Platz. In die Reihe derer die hier geehrt würde wolle er sich nicht einreihen und wer wolle ihn hier ehren und für was? Es gab Preise in seinem Leben die er gerne angenommen habe – aber einen Preis in einer grauenhaften Show wie dieser konnte er unmöglich annehmen. Vier Minuten nach Zehn schrieb ich einen Tweet, der ein Zitat von Reich-Ranicki enthielt: „der blödsinn den wir hier zu sehen bekamen“ – er klagte über die schlechte Qualität des Fernsehprogrammes und dass es eine Zumutung sei ihn hier dazu zu zwingen einen Abend zu verschwenden. Gottschalk riss das Ruder dann schlagfertig, wie er etwas herum – er bot Reich-Ranicki eine Sondersendung an, in der er mit den Intendanten der Sender die die Verleihung veranstalteten über die Lage des Fernsehens unterhalten sollte.

Aus meiner Sicht ließ sich Reich-Ranicki durch dieses Manöver besänftigen, gab eine Anekdote zum Besten und bot Gottschalk das ›Du‹ an. Noch mehr erschreckt jedoch hat mich die Fortsetzung der Sendung, die nichts mehr vom Schock hatte, der in einer solchen Situation hätte eintreten können.

Auf faz.net habe ich eben zwei interessante Artikel gelesen, ok es waren ein Kommentar und ein kurzes Interview, die ich hiermit sehr empfehlen möchte:

a) Marcel Reich-Ranicki im Interview – „Ich konnte es nicht mehr aushalten“

b) Elke Heidenreich – Reich-Ranickis gerechter Zorn

Dinge geregelt kriegen II

Montag, 06. Oktober 2008

Im zweiten Teil des Buches ›Dinge geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdisziplin‹ widmen sich Kathrin Passig und Sascha Lobo dem was wir Arbeit nennen, oder besser ausgedrückt dem was in unserer Gesellschaft weitestgehend unter Arbeit verstanden wird und welche Folgen das auf unser Arbeiten und Wohlbefinden hat.

Zu beginn des Kapitels ›Der innere Zwingli‹ führen die Autoren Beispiele aus unserer Geschichte und von anderen Orten unserer Welt an, und zeigen damit, dass das übliche Verständnis von Arbeit, Fleiß und Arbeitszeit nicht unausweichlich ist und nicht schon immer so war – und immer so bleiben muss. Sie fragen sich des weiteren wo die Arbeitshaltung herkommt, die bei uns üblich ist und stellen in Anlehnung an Max Weber (Die Protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus) Verbindungen zur Reformation und dort mit Zwingli und Calvin her. Nach Weber setzte Zwingli dauernde und fortwährend freudlose Arbeit mit Gottesfurcht gleich, und harte Plackereien waren in seinen Augen Gebete. Calvin verfeinerte die Gedanken Zwinglis bezüglich der Arbeitsmoral noch und schaffte somit die Voraussetzung für den durchschlagenden Erfolg des Kapitalismus und der Doktrin des Mühegebens. Max Weber stellt den Zusammenhang zwischen protestantischer Religion und dem arbeitsamen Streben folgendermaßen dar:

«Erwerb von Geld und immer mehr Geld, unter strengster Vermeidung alles unbefangenen genießens, so gänzöich aller eudämonitischen oder gar hedonistischen Gesichtspunkte entkleidet, so rein als Selbstzweck gedacht, dasss es als etwas gegenüber dem ‹Glück› oder dem ‹Nutzen› des einzelnen Individuums jedenfalls gänzlich Transzendentes und schlechthin Irrationales erscheint.» (60f.)

Auch wenn in unserer westlichen Gesellschaft das protestantische Arbeitsethos nach und nach an Bedeutung verliert, sitzt die Einstellung Arbeit müsse mit der Selbstdisziplinierung beginnen, möglichst lange dauern und dürfe nicht allzu viel Freude bereiten tief. Weil das so ist, fahren Passig und Lobo mit ihrer zielgerichteten Bekämpfung des schlechten Gewissens fort.

Im folgenden Kapitel stimmen sie ein ›Lob der Disziplinlosigkeit‹ an und führen damit die aufkommenden Stimmen (oder sind diese bereits wieder verstummt?) ad absurdum. Mit Aussagen wie „Selbstdisziplin ist keine Tugend, sondern zunächst die Negation der eigenen Bedürfnisse.“ (67) graben sie den meisten Vertretern dieser Gedanken das Wasser ab.

Sie ermutigen viel mehr auf seinen Körper und auf die Seele zu hören. Sich zu fragen »Was sagt mir meine „inner Stimme“?« Ihrer Ansicht nach erkennt das Unterbewusstsein oftmals eher was zu mir passt und spricht dementsprechend zu mir. Ein hören auf diese Stimme erfordert dann auch den Mut Dinge zu beenden. „Wer weniger Aufgaben hat, die Selbstdisziplin erfordern, wird automatisch weniger prokrastinieren.“ (69)

Für eine Unterscheidung zwischen schöner Arbeit und Schmarbeit plädieren sie im nächsten Kapitel. Ihrer Ansicht nach basiert das Prädikat ›schöne Arbeit‹ auf dem was subjektiv gut gefunden wird und zum man sich freiwillig entscheidet:

„Eine Aufgabe zu finden, mit der man glücklich wird und Geld verdient, hat seinen Zweck bereits im eigenen Glück erfüllt. bei der Suche nach einer glücklichmachenden Arbeit dient die schädliche Selbstdisziplin als Indikator: Ihre Notwendigkeit ist ein klares Zeichen dafür, dass man die schöne Arbeit noch nicht entdeckt hat, sondern noch in den Brackwassern der Schmarbeit herumdümpelt.“ (73)

Geht man einer Arbeit nach, die in die das Prädikat schöne Arbeit verdient, kommt man automatisch in einen Flow-Zustand, vertieft sich dermaßen in die Aufgabe dass man Raum und Zeit vergisst und erfährt dabei die Ausschüttung von Glückshormonen ähnlich wie beim Verliebtsein oder beim Sex. Solche Arbeit kann im besten Sinne erfüllend sein.

Im letzten Kapitel das ich heute lese beschäftigen sie sich damit richtig zu prokrastinieren. Das Später- Prinzip fragt demnach nicht danach wie man Prokrastination vermeidet, sondern wie man richtig prokrastiniert.

Paul Graham unterscheidet in seinem seinem Essay ›Good and Bad Procrastination‹, wie der Titel bereits sagt, zwischen guter und schlechter Prokrastination.

«Je nachdem, was man tut, anstatt an einer bestimmten Aufgabe zu arbeiten, gibt es drei Varianten der Prokrastination: Man kann a) nicht tun, b) etwas weniger Wichtiges tun oder c) etwas Wichtigeres tun.» (80)

Die Wichtigkeit der Aufgabe ist meist erst nach einer gewissen Zeit nach ihrer Erledigung zu erheben. Es ist hier jedoch ein weiteres Mal wichtig zu betonen, dass Prokrastination nichts mit Faulheit zu tun hat, sondern dass es eher darum geht, anstatt der eigentlich zu erledigenden Aufgabe anderen Aufgaben anzupacken.

„Auch ganz alltägliche Tätigkeiten, die sich in ihrer Erfreulichkeit nicht spürbar unterscheiden, lassen sich mit etwas Glück und Übung zu einem Prokrastinationszirkel zusammenschließen. Man erledigt dann jede Aufgabe, um sich einer anderen nicht widmen zu müssen, bis man am Ende versehentlich die ursprünglich vermiedene Tätigkeit hinter sich gebracht hat.“ (82)

Nach Sascha Lobo und Kathrin Passig ist es wichtig zu lernen wie man richtig prokrastiniert, aus diesem Grund zitieren sie auch den Philosophieprofessor John Perry (structuredprocrastination.com), der „rät dazu sich Aufgaben vorzunehmen, die ungemein dringend und wichtig erscheinen, ohne es tatsächlich zu sein. Während man ihnen ausweicht erledigen sich andere, wichtigere Aufgaben wie von allein.“ (79)

Dinge geregelt kriegen I

Samstag, 04. Oktober 2008

Dinge geregelt kriegenHeute habe ich damit begonnen das aktuelle Buch von Kathrin Passig und Sascha Lobo zu lesen. Das Buch trägt den wunderbaren Titel ›Dinge geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdisziplin‹. Nach allem was ich über das Buch bisher durch die Tweets der Autoren, das Blog zum Buch und die Erzählungen von Johannes gehört hatte, war klar dass ich es lesen musste. Ich lese dieses Buch zum einen um mich selbst und meine Art zu arbeiten etwas besser zu verstehen – und betrachte es in dieser Weise auch als eine Art „Therapie.“

Die beiden Autoren haben dieses Buch nach eigener Aussage aus Notwehr geschrieben und um eine Stimme all der Menschen zu sein, die zwischen den verhärteten Fronten der überfleißigen Arbeitstiere und der alles ablehnenden Faulenzer leben. Sie haben dieses Buch für Menschen wie mich geschrieben, die einiges versucht haben und immer noch nicht nach den Maßstäben der Produktivitätsratgeber ihre Dinge geregelt kriegen. To-Do-Listen zu schreiben und diese minutiös einzuhalten gehört nicht zu meinen Stärken. Am Ende des Tages (oder der zunächst gesetzten Frist, natürlich immer mit Puffer) ist so vieles der Liste noch zu tun, dafür sind einige andere Sachen erledigt. Wie aber soll das Buch helfen die Dinge geregelt zu kriegen ohne die unterschiedlichen Ratschläge zwanghaft einzuüben, dazu schreiben die beiden in der Einleitung:

„Wir wollen einen neuen Standpunkt entwickeln, der das Wort Selbstdisziplin aus dem eigenen Wortschatz so weit wie irgend möglich verbannt. (…) Kurzum, wir wollen das Leben so organisieren, dass man das Leben nicht mehr organisieren muss. Das realistische Minimalziel ist, dass Sie dieses Buch lesen, in ihrem Leben nichts ändern, sich damit aber besser fühlen als vorher.“ (8f.)

Im ersten Teil des Buches, der sinniger Weise AUFTAKT heißt, schreiben die beiden über Prokrastination. Dabei definieren sie das Wort zunächst von seinem Ursprung her:

„Sie prokrastinieren, ein angenehmeres Wort für Aufschieben. «Cras» (morgen) ist die Wurzel des lateinischen Wortes crastinus (dem morgigen Tag zugehörig). «Prokrastinieren» (im Englischen erstmals 1588 erwähnt) bedeutet also wörtlich übersetzt: für morgen lassen.“
(14)

Die Menschen die dringende Aufgaben aufschieben, nennen sie LOBOs, Menschen die dem Lifestyle Of Bad Organisation anhängen, oder besser ausgedrückt, denen dieser Lebensstil anhängt. Im erste Teil dieses Buches geht es zunächst grundlegend um diese Art zu Leben und zu Arbeiten. Es werden unterschiedliche „Erkenntnisse“ der Wissenschaft präsentiert mit denen Erklärungen gesucht werden wie es bei Menschen zu einem solchen Verhalten kommt. Auf Grund der unterschiedlichen Erklärungsversuche kommen die Autoren zu der Aussage, dass es bisher noch keinen Konsens über die Gründe von Prokrastination gibt. Die Vorstellung von fünf wirkungslosen Methoden gegen das Aufschieben bildet die Überleitung zum Kapitel über den äußeren Schweinehund. In diesem Kapitel werden unterschiedliche Herausforderungen thematisiert mit denen wir uns in unserem Alltag ständig konfrontiert sehen. Die Aufgabe der LOBOs in diesen Herausforderungen sehen sie darin, dass er sich eine Umgebung sucht und schafft, die so gut wie möglich zu seinen Fähigkeiten passt.

Im nächsten Kapitel gehen sie auf das schlechte Gewissen ein, dass so gut wie jeder LOBO kennt. In der Annahme alle anderen kämen mit den Herausforderungen des Alltags prächtig zurecht und der Erwartungshaltung ständig Höchstleistungen zu bringen, schaffen sie sich ihr schlechtes Gewissen, das in manchen Fällen zu weiterem Aufschieben führen kann. In diesem Kapitel steckt wohl einer der Kerngedanken des Buches, der bereits in der Einleitung zur Sprache kam – es geht den beiden darum die eigene Haltung zu Menschen und Dingen zu ändern.

„Auch ganz ohne die Gesellschaft und ihre Umstände ist es normal, Aufgaben vor sich herzuschieben, Arbeiten nicht in kürzester Zeit zu erledigen und vieles einfach zu ignorieren. Das ist keine Resignation oder Kapitulation vor der Welt, sondern im Gegenteil für viele Menschen die einzige Möglichkeit, überhaupt zu kämpfen – nämlich nicht an allen Fronten gleichzeitig.“ (46)

„Die Antwort liegt im einzigen Schritt, seine Haltung zu ändern: Nicht ich bin unzulänglich, die Welt ist ungünstig eingerichtet und falsch gewartet. Noch dazu bin ich mit dieser Problematik alles andere als allein. Aus dieser Einstellung heraus ergeben sich andere Prioritäten, es empfehlen sich andere Handlungsweisen.“ (46f.)

„Das Ziel sollte sein, zur richtigen Zeit das Richtige zu tun und davon nur so viel wie unbedingt nötig – und das ist in den meisten Fällen weniger, als man annimmt.“ (48)

Die Abschaffung des schlechten Gewissens ist der wesentliche Bestandteil der von Kathrin Passig und Sascha Lobo vorgeschlagenen Haltungsänderung. Damit geht natürlich auch eine Infragestellung der westlichen Arbeitsmoral einher, auf die im folgenden Teil des Buches eingegangen wird. Dazu werde ich zu einem späteren Zeitpunkt mehr schreiben und beende diesen Eintrag mit einer von fünf vorgeschlagenen Übungen:

5. Den perfekten Mord planen, dann kurz vor der Ausführung darauf verzichten. Darüber nachdenkenm dass Untätigkeit Leben retten kann. (53 / 6 einfache Übungen auf dem Blog)

Den Artikel von Kathrin Passig in ZEIT-Campus empfehle ich all denen zur Lektüre die sich noch nicht entschieden haben, ob das Buch etwas für sie ist, oder ob Prokrastination etwas mit ihrem Leben zu tun hat.

Jahreszahlen in der Geschichte

Samstag, 04. Oktober 2008

In dem Buch ›The Great Emergence: How Christianity Is Changing and Why‹ von Phyllis Tickle bin ich eben über eine Aussage zu genauen Jahreszahlen in der Geschichte gestossen, die ich zum einen sehr gut nachvollziehen kann, die auf der anderen Seite jedoch auch meiner Unfähigkeit Jahreszahlen zu behalten entgegenkommt.

In ihrem ersten Kapitel in dem sie über große Veränderungen in der kirchlichen Landschaft circa alle 500 Jahre schreibt, merkt sie an, dass die Zuordnung von Jahrezahlen zu geschichtlichen Ereignissen ein stärkeres Zeichen für Bequemlichkeit sind als für Genauigkeit. Ein Datum gaukelt uns vor, dass wir eine Sache im Griff haben, egal ob es tatsächlich so ist, oder nicht. Im Zusammenhang dieser Aussagen weist sie auf die prozesshaften Entwicklungen hin, die in den seltensten Fällen an einem genauen Datum festgemacht werden können. Um die Geschichte für uns nachvollziehbar und vielleicht auch nur lern- und beherrschbar zu machen, nehmen wir bestimmte Ereignisse (wie z.B. den umstrittenen Anschlag der 95 Thesen) zu dem Datum an dem etwas stattgefunden hat (im Beispiel die Reformation). Dabei stehen wir jedoch in der Gefahr den Prozess aus den Augen zu verlieren und gegebenenfalls falsche Schlussfolgerungen zu ziehen.

Mir ist bewusst, dass es denkbar schwieriger ist Prüfungen in Geschichte abzunehmen, wenn es mehr um Prozesse als um Jahreszahlen ginge. Vielleicht wäre dies jedoch ein ehrlicher Weg mit der Geschichte (auch der eigenen) umzugehen.