Archiv für Dezember 2008

Über Furcht und Kontrolle

Samstag, 27. Dezember 2008

In dem Buch »Reforming Theological Anthropology« von LeRon Shults bin ich in den letzten Tagen an mehreren Stellen über Gedanken zu Furcht, bzw. „Gottesfurcht“ gestossen, die ein anderes Licht auf den Begriff und das Verständnis von „Gottesfurcht“ werfen, als ich das aktuell aus meinem (weiteren) Umfeld in Erinnerung habe.

LeRon definiert Furcht als Antwort auf unsere empfundene Unfähigkeit ein Objekt von existenzieller Bedeutung zu kontrollieren. Da wir einem solchen – und wohl jedem – Objekt gegenüber nicht in der Lage sind es zu kontrollieren / unter unsere Kontrolle zu bringen, empfinden wir Furcht. Das Objekt bleibt für uns in gewisser Weise unberechenbar. Wenn es sich dabei um ein Objekt von existentieller Bedeutung für uns handelt, scheint diese Furcht gegenüber der Unfähigkeit der Kontrolle desselben zutiefst als nachvollziehbar.

Wenn „Gottesfurcht“ in diese Richtung verstanden wird, dann ist sie mit einem Mal von der Furcht gegenüber einem Despoten befreit. Auch wenn ich zugeben muss, dass der alleinige Verweis auf die Unkontrollierbarkeit Gottes durch den Menschen noch keine hinreichende Begründung darstellt. Daher reiche ich hier die Annahme nach, dass es sich beim dreieinigen Gott um einen liebevollen Gott handelt, der sich in völliger Hingabe der Schöpfung und damit auch der Menschheit zuwendet. Wenn ich diese Annahme einbeziehe, dann erscheint der Begriff „Gottesfurcht“ in einem komplett anderen Licht.

Es handelt sich dann eher um eine Furcht die auf Unkontrollierbarkeit und daher in gewisser Weise auf einem Mysterium basiert. Eine Furcht die sich zum einen in vorsichtigen Äusserungen dessen abzeichnet was als erkannt angenommen wird, die jedoch zugleich auch immer die Offenheit und darüber hinaus Lust auf ein weiteres, tieferes Erkennen des Gottes mit sich bringt. In dieser Weise erscheint meiner Ansicht nach auch der vielzitierte Satz „Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Erkenntnis.“ (Sprüche 1,7) als wunderbare Beschreibung eines Prozesses der „nie“ an ein Ende kommen wird. Wir werden nie in der Lage sein Gott zu kontrollieren. Gott wird ein Mysterium bleiben.

FROHES FEST

Mittwoch, 24. Dezember 2008

FROHES FEST

Ich wünsche allen LeserInnen dieses Blogs ein frohes Fest! Ein kleine Weihnachtskarte von mir findest du hier.

Gemeinsam Leiten – Teil 1

Samstag, 13. Dezember 2008

In meinem Eintrag »Die Bedeutung des Netzwerks« habe ich etwas über meine Gedanken zu Leitung in Gemeinschaften geschrieben. Dieses Thema scheint nach wie vor von Bedeutung zu sein, und so haben einige am Dialog teilgenommen der sich im Anschluss an den Eintrag entwickelte. Mich beschäftigt dieses Thema ebenfalls nach wie vor – und zwar nicht nur auf einer abstrakten Ebene in der praktischen Auseinandersetzung mit Gedanken und Theorien, sondern in gleicher Weise im Leben der Gemeinschaft vor Ort und darüber hinaus in anderen Netzwerken und Organisationen in denen ich mich bewege. Aus diesem Grund möchte ich auch noch mehr darüber schreiben welche Fragen ich mir stelle und was ich zu diesem Thema so vor die Augen bekomme.

Heute möchte ich etwas über das Kapitel »Leading as a Body« aus dem Buch »Emerging Churches: Creating Christian Communities in Postmodern Cultures« von Eddie Gibbs und Ryan Bolger schreiben.

Gibbs und Bolger beginnen das Kapitel mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit der Verkörperung des „Reiches Gottes“ in den Gemeinschaften die sich sowohl als Vorgeschmack und Diener des „Reiches Gottes“ verstehen. Dies bedeutet zum einen, dass die Gemeinschaften sich großzügig in unserer pluralistischen Gesellschaft einbringen und es bedeutet auch, dass sie von Partizipation und Kreativität geprägt sind. Die Aufgabe von Leitung besteht in diesem Zusammenhang darin die eben erwähnten Charakteristika zu schaffen oder zu ermöglichen, dass eine solche Aufgabe andere Anforderungen an Leitung stellt als bisher liegt nach Meinung der Autoren auf der Hand.

Dieser erste Hinweis spricht meiner Ansicht nach bereits einen sehr wichtigen Aspekt dessen an, was ich mit dem Begriff „emerging Church“ verbinde. Wir verstehen uns als Gemeinschaften die an der Gesellschaft teilnehmen und teilhaben. Wir bringen uns mit unseren Fähigkeiten ein und werden durch unser Umfeld geprägt, inspiriert, motiviert und ergänzt. Dieses Einbringen geschieht sowohl im alltäglichen Leben der einzelnen Personen der Gemeinschaft – z.B. im Beruf, in den nachbarschaftlichen Beziehungen und dem Engagement in Vereinen – als auch in dem Leben der Gemeinschaft – z.B. im Einsatz für die Stadt, für Gerechtigkeit, verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung, kulturellen und/oder spirituellen Angeboten. Der Fokus einer solchen Gemeinschaft liegt meiner Ansicht nach nicht auf dem „Wohlbefinden der zu ihr gehörenden Christen“ (was auch immer das bedeutet) und auch nicht in der „Bekehrung von Heiden“ (was auch immer das bedeutet), sondern vielmehr in einer bewusst gelebten ganzheitlichen Antizipation der (zukünftig vollkommen werdenden) Harmonie von Schöpfung und Schöpfer. Wenn wir hier noch den Gedanken der gemeinsamen Unterstützung in der Nachfolge – also einem Leben in Harmonie mit Umwelt, Menschheit und Gott – mit einbeziehen, dann erscheint mir die Notwendigkeit der gemeinsamen Leitung – im Sinne des Ermöglichens aber auch Führens einer Gemeinschaft – als auf der Hand liegend. Derart komplexe Zusammenhänge lassen sich wenn überhaupt dann nur von einem Team moderieren. Und genau in diesen unterschiedlichen Bereichen sehe ich die Aufgabe von Gemeinschaft. Gottesdienste sind meiner Ansicht nach, und diese seien hier nur beispielhaft herausgegriffen, lediglich ein Apsekt von gemeinschaftlichem Leben, ein kleiner noch dazu.

Gemeinde oder Gemeinschaft hat demnach meiner Ansicht nach keinen Selbstzweck, den sie erfüllt wenn sie sehr gute und auch kulturell ansprechende und anspruchsvolle Angebote hat – sie verleiht meiner Ansicht nach der gegenseitigen Unterstützung in Harmonie mit Umwelt, Menschheit und Gott zu leben eine Organisationsform. In diesem Zusammenhang denke ich auch über Fragen von Leitung in Gemeinschaften nach.

Ich beende diesen Eintrag mal an dieser Stelle, auch wenn ich noch weitere Gedanken aus dem Kapitel ansprechen möchte und freue mich auf die guten Gedanken von dir, meiner geschätzten Leserin und meinem geschätzten Leser.

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»Leading as a Body« ist Kapitel 10 des Buches »Emerging Churches: Creating Christian Communities in Postmodern Cultures« von Eddie Gibbs und Ryan Bolger und beginnt auf Seite 191.

Die Chancen der frühen Jahre

Freitag, 12. Dezember 2008

Gestern wurde die erste internationale UNICEF-Vergleichsstudie zur Betreuung und Förderung von Kindern in Kindergärten und Kindertageseinrichtungen veröffentlicht.

In dieser Studie wurde die Situation von Kindern in Kindergärten und Kindertageseinrichtungen in den OECD-Länder anhand von 10 Kriterien verglichen. Die Kriterien sollen aus Sicht der Kinder gestaltet worden sein und hören sich folgendermaßen an:

  • Ein Jahr Elternzeit bei mindestens 50 Prozent des Einkommens
  • Nationaler Aktionsplan mit Prioritäten zugunsten benachteiligter Kinder
  • Staatlich geförderter und regulierter Kindergartenbesuch für 25 Prozent der Kinder unter drei Jahren
  • 80 Prozent der Kinder ab vier Jahren haben Zugang zu anerkannten und öffentlich geförderten Kindergärten
  • 80 Prozent der Mitarbeiter in Kindergärten haben spezifische Ausbildung / Standards für Ausbildung und Bezahlung sollen angehoben werden.
  • 50 Prozent der Mitarbeiter in den Kindergärten haben eine abgeschlossene Berufsausbildung für diesen Bereich (3 Jahre)
  • Mindestpersonalschlüssel 1: 15
  • 1,0 Prozent des Bruttonationaleinkommens für Kindergärten
  • Kinderarmutsrate unter 10 Prozent
  • Alle Kinder mit medizinischen Grunddiensten erreicht

Ob die Kriterien aus Sicht der Kinder schlüssig sind, wage ich zu bezweifeln, wobei man sich davon ausgehen kann, dass das Axiom Bildung = gute Einrichtung bzw. gutes Verhalten der MitarbeiterInnen angelegt wird. So kommt mir in dieser Studie der Umgang der MitarbeiterInnen mit den Kindern zu etwas zu kurz. Darüber hinaus vermisse ich eine Reflexion der angewandten Pädagogik und die (auch damit zusammenhängenden) räumlichen Gegebenheiten der Einrichtungen.

Eine solche Studie birgt meiner Ansicht nach des Weiteren die Gefahr als Instrument des Drucks durch Regierung und andere Vorgesetzte verwendet zu werden – vgl. den Einfluss der Pisa-Studien auf den Alltag der LehrerInnen.

Wieder einmal führt eine solche Studie dazu, dass Deutschland im unteren Mittelfeld landet – 4 oder 5 von 10 Mindestkriterien werden erreicht – was von der Interpretation der Bedeutung des (neu eingeführten) Elterngeldes abhängt. Schweden führt die Liste an und Irland bildet das Schlusslicht (Übersicht / PDF)

Ich sehe allerdings eine Chance in einer solchen Studie und bin daher auch dankbar darüber. Sie gibt uns einen Anstoss darüber nachzudenken wie der Alltag unserer Kinder in den Einrichtungen aussieht in die sie jeden Tag gehen. Sie ermutigt uns darüber nachzudenken wie wir unsere Kinder zu Hause behandeln und wie wir sie in Einrichtungen behandelt wissen wollen. Die Frage der Chancengleichheit die in der Studie angesprochen wird ist mir ebenfalls ein Anliegen – und hier sehe ich in der Tat zusammen mit dem Erlernen sozialer Kompetenzen allgemein die wichtigsten Bereiche von Einrichtungen für Kinder.

Das Nachdenken über diese Studie hat mir wieder einmal vor Augen geführt wie glücklich und zufrieden ich mit dem Kindergarten bin in den der Boi geht. Mir gefällt dort der Umgang der Erzieherinnen mit den Kindern sehr gut. Ich schätze es sehr wie dort auf die Kinder eingegangen wird, wie sie gefördert werden, wie mit Konflikten umgegangen wird und allgemein die liebevolle und wertschätzende Atmosphäre innerhalb der Gruppe. Die Erzieherinnen schaffen diesen Raum in dem sich die Kinder wohl fühlen und ich bin ihnen dafür sehr dankbar.

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Die Presseerklärung mit weiterführenden Links zu vertiefenden Materialien findest du hier.

Eine Übersicht der erfüllten Kriterien und der sich daraus ergebenden Rangliste der verglichenen Länder findest du hier als PDF.

Menschenrechte

Mittwoch, 10. Dezember 2008

Heute jährt sich die Verlesung der 30 Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zum 60. mal. Amnesty International wies darauf hin, dass die Einhaltung der Menschenrechte gerade auch durch den so genannten Kampf gegen den Terror unterwandert würden, aber auch die deutsche Asylpolitik ist in diesem Zusammenhang nicht gerade ein Paradebeispiel.

Vielleicht sollten wir den heutigen Jahrestag dazu nutzen uns die 30 Artikel in Ruhe durchzulesen, darüber nachzudenken und gegebenenfalls Schritte zu unternehmen an der Umsetzung und Achtung der Menschenrechte zu arbeiten.

Um das durchlesen zu erleichtern verlinke ich hier mal die deutsche Fassung der Erklärung bei Amnesty International.

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Update: Gerade via marchism.org auf ein schickes Video aufmerksam geworden das auch die Menschenrechtserklärung thematisiert, du kannst es in meinen Randbemerkungen sehen.

Bedeutung des Netzwerks

Montag, 08. Dezember 2008

Inspiriert durch die Tweets von der am Wochenende stattfindenden Great Emergence-Konferenz in Memphis habe ich heute wieder mal das Buch ›The Great Emergence‹ von Phyllis Tickle zur Hand genommen. Darin bin ich dann eben auf ein Thema gestossen, das meiner Ansicht nach im emergenten Dialog immer wieder neu angesprochen werden sollte. Bereits am Titel ist die Richtung meines Gedankens ersichtlich, es geht um die Bedeutung des Netzwerks, jedes einzelnen Gliedes in einem Netzwerk – und dabei nicht nur um einzelne herausragende Persönlichkeiten die mancherorts mit Leitungsaufgaben betraut werden. Wenn ich es recht in Erinnerung habe, dann haben Gibbs und Bolger in ihrem Emerging Church Schmöker den Satz »Leading as a Body« geprägt – und das ist meiner Ansicht nach ein Kernthema des emergenten Dialogs.

Tickle schreibt auf den Seiten 150ff darüber dass Luthers Axiom sola scriptura („allein die Schrift“) durch die Annahme, dass sowohl die Schrift als auch die Gemeinschaft für die weltweite Kirche von prägender Bedeutung sind, abgelöst wird. Sicher mag an dieser Stelle der eine oder die andere anmerken dass dies bereits in Luthers Priestertum aller Glaubenden angedacht war, und dass es darüber hinaus keines dieser Axiome in Reinform/Alleinstellung gab. Dennoch scheint dies meiner Ansicht nach eine wichtige Entwicklung und ein wichtiger Fokus zu sein. Immer wieder begegnet mir der Gedanke, dass es nicht möglich ist eine Gemeinschaft als selbstorganisierendes System zu begreifen, sondern dass es immer den oder die Eine brauche die letzte Verantwortung trage. Meiner Ansicht nach ist das jedoch eine Lüge der wir glauben. Wenn wir tatsächlich die Bedeutung des Netzwerkes erkennen, die Persönlichkeit, Gaben und Fähigkeiten einer jeden Beteiligten würdigen und darüber hinaus die Interaktion und Interdependenz aller im Netzwerk, der Gemeinschaft beachten, dann kommen wir spätestens dann wenn wir noch die begrenzte Einsicht, Erkenntnis und überhaupt die Begrenztheit jedes Einzelnen anerkennen zum Ergebnis, dass wir Ergänzung brauchen. Wenn alle Beteiligten sich in ihrer Weise einbringen, dann befinden wir uns in einem selbstorganisierenden System – einer Gemeinschaft die sich selbst leitet.

Wenn wir allerdings immer wieder derjenige sind, der die letzte Verantwortung übernimmt (und nicht selten nehmen Männer gerne diese Rolle ein, vielleicht weil sie denken, dass es ihre Rolle ist und sie diese ausfüllen müssen – ich verweise auf die verinnerlichten Sexismen aus Christina Müllers Impulsreferat), dann hindern wir das System daran sich selbst zu organisieren. Es handelt sich dabei um eine sich selbst erfüllende Prophezeiung – wir gehen davon aus, dass es diesen „Last Man Standing“ braucht und erfahren, dass es ohne ihn nicht geht – ergo es gibt keine selbstorganisierenden System (vgl. dazu ein Zitat das ich vor langer Zeit mal hier veröffentlicht habe). Würden wir diese Annahme aufgeben, erlebten wir vielleicht in neuem Maße was es bedeutet, wenn die Gemeinschaft selbst Verantwortung übernimmt, wären überrascht über unsere eigenen blinden Flecken – wen oder was wir aus Gewohnheit übersehen – und wären erstaunt in welche Richtung, mit welcher Geschwindigkeit und wie überhaupt sich Gemeinschaften entwickeln.

Ich plädiere also nicht für eine neue Leitungs-Generation, von der auch immer wieder zu lesen und hören ist. Sondern ich rufe uns dazu auf, die Gedanken von Leitung radikal zu dekonstruieren und davon auszugehen, dass selbstorganisierende Systeme lebensfähig sind. Dazu müssen sich manche zurücknehmen, sich selbst nicht als zu wichtig wahrnehmen und einen herrschaftsfreien Dialog in der Gemeinschaft geschehen lassen. Den Baustein/Aspekt den wir zur Gemeinschaft beitragen mag wichtig sein, aber er bedarf der Ergänzung, und jeder Baustein/Aspekt einer Person der Gemeinschaft ist gleichwichtig, keiner ist wichtiger, bedeutender…

Nun habe ich das Kapitel nur als Sprungbrett verwendet, was mir ehrlich leid tut, diese Gedanken und das abschließende emotionale Plädoyer sind es mir wert den Eintrag genau so und nicht besser überdacht hier zu veröffentlichen.   

Emergent Forum Rückblick

Mittwoch, 03. Dezember 2008

Am letzten Wochenende fand in Erlangen das zweite Emergent Forum statt. Mittlerweile bin ich auch mental wieder zu Hause angekommen und habe mich sowohl in der neuen Woche zurecht gefunden als auch meine Gedanken etwas geordnet, daher folgt heute mein persönlicher Rückblick auf das Forum.

Der Rahmen

Ich möchte meinen Rückblick gerne mit einem Blick auf den Rahmen des Forums beginnen. Wir hatten die Gelegenheit das Forum wie im letzten Jahr im Gemeindehaus am Bohlenplatz durchzuführen in dem sich die Elia-Gemeinschaft trifft. Meiner Ansicht nach verbindet dieses Gebäude vieles von dem was mir am emergenten Dialog gefällt, als renovierte und umgebautes traditionelles Kirchengebäude stellt es eine Brücke zwischen Tradition und heute her, dadurch bietet meiner Ansicht nach bereits das Gebäude eine wunderbare Inspiration für den emergenten Dialog.

Emergent Forum 08. #ef08

In diesem Jahr nutzten wir die Gelegenheit des großen Raumes dazu ein Plenum zu ermöglichen das sich mit Tischgruppen um ein Zentrum anordnete. Auf diese Weise wurde die Bedeutung der Tischgruppen unterstrichen und die ModeratorInnen und ReferentInnen befanden sich mitten unter den Anwesenden. MIr gefällt dabei auch der Aspekt, dass bei den Impulsreferaten die Blickrichtung nicht auf der Rückwand der Bühne endet, sondern sich verschiedene Blicke der Anwesenden kreuzen.

Das Forum mit einem gemeinsamen Essen zu beginnen war meiner Ansicht nach eine der besten Entscheidungen. Auf diese Weise wurden die Tischgruppen von Anfang an real und es ereigneten sich jede Menge gute Gespräche bei diesem ersten und den weiteren Mahlzeiten. Die Tatsache, dass die Elia-Gemeinschaft uns immer frische Getränke (darunter meine Lieblingsgetränke: Bionade, Afri-Cola und Kaffee) anbot trug ihr übriges zum sich ereignenden Dialog bei. Meiner Ansicht nach war auch das Vorhandensein von Wein und Bier sehr gut um viele Gespräche bis in die späten Abendstunden zu ermöglichen. Ich habe etwas darüber nachgedacht ob es besser gewesen wäre in die umliegenden Kneipen zu gehen – was einige auch taten – stellte für mich jedoch fest, dass ich dadurch, dass wir vor Ort blieben mit einigen Leuten ins Gespräch kam mit denen ich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht in eine Kneipe gegangen wäre. Die Musik von Hufis Plattentellern untermalte das gesamte Forum auf unaufdringliche und sehr angenehme Weise.

Die Gleichberechtigung

Der Samstag stand aus meiner Sicht unter dem Zeichen der Gleichberechtigung. Ich hatte mich sehr darauf gefreut von der ›Gleichberechtigungs-Initiative‹ einige Anregungen zur Gleichberechtigung zu bekommen und auf diesem Forum einen Raum zum Dialog über dieses wichtige Thema zu ermöglichen. Das Impulsreferat von Christina Müller fand ich sehr gut. Besonders haben mich die Gedanken zu verinnerlichten Sexismen nachdenklich gemacht. Diese Thematik muss meiner Ansicht nach unbedingt in den nächsten Jahren weiter im Gespräch bleiben und immer mehr mit Leben gefüllt werden. Im Workshop zu Gleichberechtigung sprachen wir auch über mögliche Auswirkungen von Gottesbildern auf die Gewichtung der Gleichberechtigung bzw. von Rollenverständnissen. Um dieses Thema jedoch zu vertiefen reichte uns die Zeit nicht, dennoch fand ich es ausserordentlich angenehm trotz meiner Müdigkeit hier einen guten Austausch zu erleben.

Der Dialog

Der bereits angesprochene Rahmen und die bewusste Betonung des Dialogs führten meiner Ansicht nach zu einem sehr guten Austausch unter den Anwesenden. In einem Feedback das ich zum Forum hörte war von einem „herrschaftsfreien Diskurs“ die Rede. Diese Charakterisierung des am Forum sich ereignenden Dialogs freut mich besonders. Mein Ideal des Dialogs ist zutiefst von gegenseitiger Wertschätzung geprägt und möchte zu einer tiefen Begegnung der Beteiligten führen. Für mich und scheinbar auch für einige Anderen scheint dieses Ideal am Wochenende wahr geworden zu sein – darüber bin ich sehr dankbar.

Die Spiritualität

An jedem Tag nahmen wir uns Zeit für einen kurzen spirituellen Akzent. Ich war überrascht wie kontemplativ diese Akzente in diesem Jahr ausfielen – am Freitag Abend führte ich durch ein Körpergebet, am Samstag Vormittag betet Peter mit uns ein liturgisches Morgengebet und am Sonntag führte uns Tobias in eine kontemplative Übung nach Meister Eckhart. Neben diesen Akzenten stand die gesamte Zeit ein Gebetsraum zur Verfügung der von der Elia-Gemeinschaft vorbereitet war. Mir persönlich genügten und gefielen diese spirituellen Angebote, dennoch möchte ich auch für die Zukunft die Anregung nach etwas mehr Spiritualität in Erinnerung behalten.

Die Vernetzung

Immer wieder betonen wir, dass Emergent Deutschland weder eine einheitliche und feste Organisation ist, noch auf das eine Forum im Jahr zu reduzieren ist. Daher freue ich mich sehr über die Berichte aus den Initiativen vom Sonntag und darüber, dass einige neue Initiativen entstanden sind. Darunter sind weitere regionale Initiativen und welche die sich um Themen finden. Über die Initiativen werden wir sicher demnächst auch auf der Webseite von Emergent Deutschland reden.

Mit einem kurzen Dank an alle Anwesenden die das Forum zu dem gemacht haben was es war, endet mein kleiner Rückblick auf das Forum. Danke.

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Weitere Meinungen und Gedanken findest du in der Sammlung von Hufi/Daniel Hufeisen: Blogger über das Emergent Forum 2008.

Gedankensplitter Gleichberechtigung

Montag, 01. Dezember 2008

Immer wieder wenn ich an meiner Tastatur sitze und den ein oder anderen Text im weißen Fenster eines Editors erscheinen sehe mache ich mir Gedanken über eine gerechte Sprache – eine Sprache, die frei ist von den Ungleichheiten, der Ungerechtigkeit und Sexismus. Wie aber schreiben?

Welche Schreibweise bietet sich an? Ich sehe folgende Möglichkeiten:

- weiter wie bisher, mit etwas bedacht schreiben aber ohne besondere Wortwahl (das ist ja keine Alternative im Wortsinn, dennoch evtl. eine Möglichkeit),

- bewusstes Gegengewicht: alle aus der Gewohnheit maskulin ausgedrückten Allgemeinbegriffe in femininer Form wiedergeben,

- die doppelte Form: jede allgemeine Äusserung sowohl in femininer als auch maskuliner Form angeben (Stichwort: das große I).

Wie habt ihr euch entschieden? Was denkt ihr zu einem gerechten Sprachgebrauch?

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Da es sich bei Gleichberechtigung um ein äußerst komplexes Thema handelt und ich weder die Zeit und den Kopf habe das ordentlich auszuführen, und darüber hinaus das Blog evtl. nicht das am Besten geeignete Medium ist ein solch komplexes Thema in angebrachter Konkretion zu betrachten, habe ich mich entschieden ›Gedankensplitter‹ darüber zu schreiben, die ich mir als Gesprächsgrundlage vorstelle.