Archiv für Februar 2009

Fasten

Mittwoch, 25. Februar 2009

Am Aschermittwoch beginnt traditionell die Fastenzeit. In den vierzig Tagen bis Ostern verzichten weltweit Menschen auf das Eine oder Andere in ihrem Leben. Bei manchen ist das Schokolade, Alkohol oder Fernsehen, bei anderen die komplette Nahrung, je nach Lust und Laune.

Über PastorSandy wurde ich in diesem Jahr auf den so genannten Lent Prayer Guide der Evergreen Community in Portland aufmerksam. In diesem Papier wird kurz erläutert was es mit der Fastenzeit auf sich hat bevor dann die konkrete Anregungen zum Fasten und Beten folgen. Da ich kein großer Könner in Sachen spiritueller Übungen bin und in den letzten Wochen der Alltag auch noch weitere Aspekte meiner spirituellen Übungen ausrangiert hatte, fasste ich den Plan in dieser Fastenzeit etwas an spirituellen Übungen zu praktizieren. Einfach nur auf Schokolade, Alkohol und Kaffee zu verzichten erschien mir jedoch zu langweilig und so nahm ich gestern Abend den eben erwähnten Prayer Guide zur Hand.

Mir gefällt dabei sehr, dass jede Woche eine Art Motto bekommt und die Anregung was gefastet werden könnte mit Empfehlungen verbunden ist auf was man die Konzentration stattdessen richten könnte. In dieser Woche können Süßigkeiten gefastet werden und die Konzentration soll von mir selbst weg auf andere hin gerichtet werden. Zu diesen Empfehlungen gesellt sich ein Text für die tägliche Meditation - Jesaja 58 – den ich in diesem Zusammenhang als extrem bereichernd empfinde und der meiner Ansicht nach eine gute Richtung des Fastens an sich beleuchtet. Für jeden Tag ist ein weiterer kurzer Textabschnitt angegeben die von einige Gedanken zur Meditation begleitet werden.

Da ich den Jesaja 58-Text als sehr bereichernd erlebe habe ich ihn kurzerhand aufgenommen und biete ihn dir hier als mp3-Download an. Auf dass uns allen dieser Text zu einer Inspiration für die Fastenzeit 2009 werde.

Kirche 21

Samstag, 21. Februar 2009

Kirche 21Anfang April findet in Berlin nicht nur die re:publica statt, sondern auch das Event von Kirche 21. Vom 03. – 05. April wird es dort jede Menge Möglichkeiten geben über die Zukunft von Kirche nachzudenken, zu reden und neues zu erleben.

Mir gefällt der Grundgedanke, dass jede Besucherin und jeder Besucher die Fachfrau oder der Fachmann für die relevante Kirche von heute ist. Entsprechend dieses Grundgedankens werden eine ganze Reihe von Austauschmöglichkeiten und Erfahrungsräume ermöglicht. Neben diesen Möglichkeiten wird es Inputs von Kester Brewin geben und einige sehr interessante Workshops.

Ich freue mich sehr, dass ich in Berlin mit dabei sein kann und unter folgendem Titel einen Workshop anbieten werde:

LEIHGABE – Wie gehen wir mit dem um was uns anvertraut ist? Gespräche und Gedankenanstösse zu einem guten Umgang mit den Leihgaben Welt und Leben. Auf dem Weg zu dem was manche einen nachhaltigen Lebensstil nennen.
Hier bekommst du weitere Infos und die Möglichkeit dich anzumelden…

Typologie sozialer Bewegungen

Montag, 16. Februar 2009

In meiner Beschäftigung mit Nachhaltigkeit und der „Umweltbewegung“ bin ich bei Manuel Castells auf eine Typologie sozialer Bewegungen gestossen die mich nachdenklich macht. Catsells orientiert sich in seinen Untersuchungen von Umweltbewegungen an einer Typologie von Alain Touraine, gemäß der eine soziale Bewegung anhand dreier Prinzipien kategorisiert wird: principe d’identité, principe d’opposition und das principe d’totalité. Der Einfachheit halber zitiere ich nun Castells Abschnitt dazu:

Ich halte es deshalb für nützlich, sie nach der klassischen Typologie von Alain Touraine zu kategorisieren, die soziale Bewegungen durch drei Prinzipien definiert: die Identität der Bewegung, den Gegner der Bewegung und die Zielvorstellung oder das soziale Modell der Bewegung, was ich gesellschaftliches Ziel nennen werde.

In meiner persönlichen Verwendung dieser Termini – die ich für konsistent mit der Theorie Touraines halte – bezeichnet Identität die Selbstdefinition der Bewegung, was sie ist, in wessen Namen sie spricht. Gegner bezeichnen den Hauptfeind der Bewegung, wie er von der Bewegung ausdrücklich kenntlich gemacht wird. Gesellschaftliches Ziel bezeichnet die Vision der Bewegung von der Art sozialer Ordnung oder sozialer Organisation, die sie im historischen Horizont ihres kollektiven Handelns erreichen möchte.

[Manuel Castells, Die Macht der Identität, 78.]

Demnach hätte eine jede soziale Bewegung eine Identität, Gegner und eine gesellschaftliche Zielvorstellung. Das Vorhandensein einer Identität und der gesellschaftlichen Zielvorstellung liegt auf der Hand, immer wieder kommt in Gesprächen zur emergenten Bewegung der Gedanke auf, dass sie nicht zu viel über ihre Gegner sprechen – bzw. im besten Falle absolut inklusiv handeln, denken und reden sollte. Hinsichtlich dieser Typologie wäre es jedoch naheliegend, dass jede soziale Bewegung aufgrund ihrer Identität und ihres gesellschaftlichen Zieles auch einen nahe liegenden Gegner hätte – denjenigen der das im Schilde führt das den Zielen entgegen steht.

Was denkt ihr zu dieser Typologie und der drei Prinzipien, im Allgemeinen und gerne auch im Speziellen – bezogen auf die emergente Bewegung oder eine andere der innerhalb der du dich bewegst. Freue mich auf eure Kommentare.

BOIologie Nummer 5

Samstag, 14. Februar 2009

Da sie mir gerade wieder begegnet ist möchte ich kurz eine Perle der BOIologie mit euch teilen. Der BOI ist ein aktiver Sänger und singt bei jeder sich bietenden Gelegenheit seine Lieder. Ab und an handelt es sich dabei um ausgesprochene Perlen, wie diese hier.

Hallo Julia, Hallo Julia, leiset den Herrn,
leiset den Herrn, Hallo Julia…

Nach einer kurzen Pause fragt er: „Wer soll leise sein?“ und gibt sich selbst die Antwort: „Der Herr.“ Sein fragender Blick verrät dass er den Sinn des Liedtextes für fragwürdig hält – mancher würde sagen: „Kunst halt.“

Das Trackpad des MacBooks

Freitag, 13. Februar 2009

Trackpad des MacBooks

Als ich das schöne AluMacBook ganz neu hatte versprach ich immer wieder etwas aus meinem Alltag mit ihm zu berichten, das tat ich natürlich nicht so regelmäßig, bin auch nicht der größte Held in Serien. Heute aber möchte ich einen kurzen Eintrag loswerden – und zwar zu dem Trackpad des MacBooks.

Eine der Neuerungen dieser Generation von MacBooks ist das Trackpad, es ist aus einem Stück glas gefertigt und dient sowohl als „Knopf“ und reagiert auf Gesten. Der Curser bewegt sich je nachdem mit welcher Fingerkombination man eine entsprechende Bewegung macht. Die Möglichkeit mit zwei Fingern zu scrollen kannte ich bereits von meinem iBook, selbstverständlich dass dies in alle Richtungen möglich ist. Mit drei Fingern wird das Navigieren nach vorne und zurück im Safari sehr schön umgesetzt und auch das Scrollen durch Nachrichten in Mail ist sehr gut umgesetzt, mit 2 Fingern innerhalb einer Mail und mit drei eben zur vorherigen oder nächsten. Mit vier Fingern lässt sich das beliebte Exposé erreichen und auch zwischen Programmen kann gewechselt werden. Wie auf dem iPhone kann nun auch hier der Inhalt einer Seite vergrößert oder gedreht werden, wofür es jeweils eine Geste gibt. 75% der Fläche des Trackpads dient als Schalter und ersetzt das Tippen und auch den Knopf am unteren Ende. Das Tippen mochte ich noch nie und daher finde ich diese Neuerung ebenfalls sehr positiv. Ein Rechtsklick wird durch das klicken mit zwei Fingern erreicht, was ja zu erwarten war.

Gerade angesichts der immer wieder Probleme machenden MightyMouse (besonders der Trackball sei hier zu erwähnen) aus dem Hause Apple wäre doch ein Trackpad das entweder in eine externe Tastatur integriert wäre oder auch separat zu haben sein könnte ein guter Schritt nach vorne. Alternativ könnte auch ein Programm für die Geschwister iPhone und iPod Touch geschrieben werden, das diesen Service zur Verfügung stellt.

Solche genialen Funktionen, wie die oben erwähnten Gesten des Trackpads führen dazu, dass ich mein MacBook liebe, und diesen Satz schreibe ich hier nochmals explizit um dem Wunsch nach dem Gewinn folgender Verlosung einen weiteren Ausdruck zu verleihen: Great heart for all things Mac. Könnte ja das Programm direkt testen wenn ich das neue iPhone habe und euch davon berichten…

Frei von Gentechnik

Dienstag, 10. Februar 2009

Auf der Seite von Greenpeace habe ich mir eben einen Einkaufsratgeber zum Thema »Essen ohne Gentechnik« durchgelesen. In diesem Ratgeber finden sich einige grundlegende Informationen zu Gentechnik und möglichen Folgen von gentechnisch Veränderten Pflanzen. Die zweite Hälfte der Broschüre besteht aus Hinweisen zu Firmen die sich entweder nicht um Gentechnik scheren (sie also einsetzen und willig in kauf nehmen), sich dafür einsetzen in Richtung Gentechnik-Freiheit zu gehen und eine dritte Gruppe von Firmen die bereits garantieren Erzeugnisse anzubieten die frei von Gentechnik sind.

Die Folgen von gentechnisch Veränderten Pflanzen sind bisher zwar noch recht schwer zu ermitteln, da es noch kaum Langzeituntersuchungen zu diesem Thema gibt, dennoch ist davon auszugehen, dass die Veränderung der „Erbinformationen“ sich auf eine Art und Weise weiterentwickelt die sich jeglicher Kontrolle entzieht. Hier sei z.B. auf den Genmais verwiesen, der durch die Veränderung ständig ein bestimmtes Gift produziert das ihn vor Schädlingen schützt. Wie diese Veränderung sich in der Nahrungskette weiterentwickelt kann noch nicht erhoben werden. Auf der anderen Seite verselbstständig sich die Genveränderung der Pflanzen beispielsweise durch den Pollenflug und befällt auch Pflanzen die ohne jegliche Veränderung angebaut wurde. Darüber hinaus führt der Handel mit genveränderten Pflanzen zu wirtschaftlichen Abhängigkeiten von Großkonzernen die teilweise Saatgut herstellen das nur zum einmaligen Aussähen entwickelt wurde und aus dessen Früchte kein Saatgut gewonnen werden kann (was beispielsweise in »We feed the World« eindrücklich dargestellt wird.)

Firmen wie Bärenmarke, Kraft, Müller und Weihenstephan gehören zu denen die sich einen Dreck um Gentechnik kümmern und gerne Produkte verkaufen in deren Produktionsablauf gentechnisch veränderte Pflanzen vorkommen. Greenpeace empfiehlt die Produkte dieser Firmen in den Regalen der Supermärkte stehen zu lassen.

Hipp, tegut, Landliebe und Ritter Sport bemühen sich darum in ihren Produktionsketten auf genveränderte Pflanzen zu verzichten und sind auf einem guten Weg.

Die Andechser Molkerei, die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall, die Upländer Molkerei und der Nudelhersteller Alb-Gold wie die Bio-Verbände garantieren schon heute - und schon seit einiger Zeit – , dass keine genveränderten Pflanzen den Weg in ihre Erzeugnisse finden. Aus diesem Grund empfiehlt es sich bei diesen Verbänden und Firmen zu kaufen und somit gentechnikfreie Produktion zu unterstützen.

Ich empfehle die Lektüre dieser Broschüre und ermutige dazu ohne Gentechnik zu essen…

Ein Gebet für Augen die Gottes Taten sehen

Freitag, 06. Februar 2009

Wir arbeiten ja an einer DVD mit Körpergebeten und da wir uns immer mehr in Richtung der Veröffentlichung bewegen wollte ich heute mal wieder einen kleinen Teil unserer Arbeit hier veröffentlichen. Wir haben das Projekt gemeinsam mit Doug Pagitt begonnen und beziehen uns in den dargestellten Gebeten auf sein Bodyprayer-Buch. Wenn wir fertig sind erscheint die DVD bei KairosMedia. Nun aber ein Körpergebet für Augen die Gottes Taten sehen:

Schon immer wollten wir Menschen sehen, wie Gott sieht und wissen was er weiß – um ihm zu folgen und in Harmonie mit ihm zu leben. Deshalb beten wir darum, dass wir sehen, dass wir sehen wie Gott in dieser Welt handelt. Dass wir Augen haben, um zu sehen, und Ohren, um zu hören, was Gott in dieser Welt tut. Deshalb beten wir darum, dass wir sehen und dann folgen. Dass wir sehen und dann teilhaben. Dass wir sehen und niemals dem im Wege stehen, was Gott gerade tut. Deshalb beten wir in und mit unserem Körper um Augen, die Gottes Taten in dieser Welt sehen.

KoerperGebet: Augen

Haltung:
Beginne damit, nach vorne zu schauen. Während Du betest, drehst Du deinen Kopf in alle Richtungen: so weit nach hinten wie möglich, dann zu beiden Seiten, nach oben und nach unten. Beende Dein Gebet damit, noch einmal nach vorne zu schauen. Lade Gott bei jeder Kopfbewegung ein, Dich mit seinen liebenden Augen andere Menschen, die Natur oder was Dich sonst alles umgibt sehen zu lassen.

Ein paar Zeile dazu, wenn du möchtest:

Gib uns deine Augen,
während wir uns der Zeit deines Kommens nähern.

Gib uns deine Augen,
während wir lernen, mit deiner Liebe zu lieben.

Gib uns deine Augen,
zu Hause, in unseren Gemeinden und in der ganzen Welt.

Gib uns deine Augen,
und lass uns deine Gegenwart in jedem erkennen.

Reaktionärer Papst?

Mittwoch, 04. Februar 2009

In diesen Tagen wird viel Dreck auf Papst Benedikt XVI. geworfen. Seine ausgestreckte Hand in Richtung der Pius Brüder rückt den als konservativ geltenden Mann in ein schlechtes Licht. Nicht dass ich in irgendeiner Weise mit den Pius Brüdern oder ihrer abstrusen Haltung gegenüber unseren jüdischen Glaubensgeschwistern oder dem Holocaust sympathisiere – nein, solche Haltungen und die gemachten Aussagen widern mich an! Dennoch scheint manches in Vergessenheit zu geraten, in Momenten wie diesen. Ein Aspekt der gerne vergessen wird ist folgender:

Weder der unsägliche Herr Williamson, der in Benedikt einen schlimmen Modernisierer sieht, noch die Pius-Bruderschaft sind Teil der katholischen Kirche geworden, die Bischöfe weiterhin suspendiert. Sie dürfen wieder beichten und an der Kommunion teilnehmen, haben aber keine Amtsgewalt. Die Aufhebung der Exkommunikation ist nichts Anderes als die ausgestreckte Hand, die nicht einigen wenigen, sondern einer Gruppierung von 600.000 Gläubigen und 500 Priestern gilt, die sich von Rom abgespalten hat. Es ist dieselbe Hand, die den chinesischen Partei-Bischöfen galt, deren Exkommunikation aufgehoben wurde. Und es ist dieselbe Hand, die auch einem Hans Küng galt, der als einer der Allerersten nach der Papstwahl von Benedikt empfangen wurde.

Dies schrieb Peter Seewald für Zeit-Online. Und er schreibt auch davon, dass Papst Benedikt XVI. sich in andere Richtungen als der konservativen geöffnet hat, dass diese Öffnung und sein Umgang mit Juden und dem interreligiösen Dialog jedoch leider nicht ins konservative oder gar reaktionäre Bild passt dass die breite Öffentlichkeit von ihm hat und daher wenn überhaupt am Rande notiert wird. Seewald vergisst nicht darauf hinzuweisen, dass die Art und Weise der Vorgänge eine Menge Fehler enthält. Die Frage jedoch, ob der Papst an dieser Stelle nicht wie Jesus handeln dürfe und auf die am Rand stehenden zugehen darf, die finde ich mehr als berechtigt. Sind wir es, die aussuchen wer am Rand steht, und die dann darüber urteilen?

Dieser Artikel auf Zeit-Online hat mir wieder einmal gezeigt, dass der Teufel im Detail steckt und dass blindes drauf losschlagen immer mehr kaputt als ganz macht. Und noch etwas, die Wirklichkeit ist komplexer als die schönen Schablonen die wir gerne an uns und unsere Umwelt anlegen.

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Durch diesen Tweet von Thorsten wurde ich auf den Artikel aufmerksam. Vielen Dank dafür. Und zum Schluss noch mal ein Link auf den Artikel: Vatikan-Debakel.

Düstere Aussichten

Mittwoch, 04. Februar 2009

Der CDU-Generalsekretär hat heute ein interessantes Wahlversprechen gegeben. Bei einem Wahlsieg der Union in der Bundestagswahl würde sich seine Partei für eine längere Laufzeit der Atomkraftwerke einsetzen. Zwar sollen laut Pofalla keine neuen AKWs gebaut werden, die bestehenden jedoch sollen länger am Netz bleiben.

Ein Grund mehr auf keinen Fall CDU zu wählen.

Die Klasse

Dienstag, 03. Februar 2009

Die KlasseAm letzten Sonntag waren wir im Kino um den ausgezeichneten Film „Die Klasse“ zu sehen. Der Film handelt von einer 7. Klasse an einer Schule in einem so genannten Problemviertel von Paris. Meiner Ansicht nach ist der Film sehr sehenswert und daher schreibe ich nun ein paar Zeilen dazu.

Wenn ich es richtig verstanden habe, dann basiert der Film auf einem Buch das der Lehrer über seine Tätigkeit als Lehrer geschrieben hat der schließlich auch die Rolle des Klassenlehrers spielt. Meiner Ansicht nach spürt man dem Film die Komplexität des Schulalltags in einem solchen Umfeld ab. Er ist demnach nicht einfach nette Unterhaltung, sondern nimmt die Betrachter mit hinein in die teilweise Ausweglosen Situationen des Lehrers aber auch die Lebenswirklichkeit der Schüler bleibt nicht verborgen. Mir scheint als sei der Film vor allem aus Sicht des und der Lehrer erzählt, was jedoch der Schülerwirklichkeit keinen Abbruch tut. Für mich zeigt sich das vor allem daran dass ich mich mehr an Unterhaltungen unter Lehrern erinnere die ausserhalb des Klassenzimmers stattfinden als an solche von Schülern.

Der gesamte Film spielt in der besagten Schule. Dies macht ihn auf eindrückliche Weise intensiv und lässt alle romantischen und sonstigen Ausflüge ins „Privatleben“ aussen vor. Mir gefällt die Idee einen Film komplett in einer Schule zu drehen, davon die meiste Zeit im Klassenzimmern, kurze Gang- und Schulhofszenen und einige Gespräche im Lehrerzimmer. Die Kameraführung rückt vor allem einzelne Personen und ihr Verhältsnis zu sich selbst, zueinander und zur Schule als solcher in den Fokus. Dies ist ein weiterer Punkt der den Film sehr intensiv macht, da ich mich den einzelnen Personen und ihrem Verhältnis zueinander ausgesetzt fühlte.

Was mich darüber hinaus weiter beschäftigte ist der Umgang des Lehrers mit seinen SchülerInnen. Der Lehrer achtet seine Schüler und möchte ihnen zu einem gelingenden Leben helfen. Er geht daher respektvoll mit ihnen um und sucht in den unterschiedlichsten Situationen nach guten Lösungswegen von Konflikten. So z.B. wenn er innerhalb der Klasse wegen seines Umgangs mit manchen Schülern angegriffen wird, die Schüler unmotiviert reagieren und auch im Eskalationsmoment des Films mit einem Schüler setzt er sich gegen einen Schulausschluss ein. Die Ideale des Lehrers werden in den Lehrerzimmergesprächen weiter unterstrichen. Dennoch stellt er manche Missverständnisse nicht klar, was meiner Ansicht nach geholfen hätte, und auch der Eindruck die SchülerInnen das ein oder andere Mal zu drängen und etwas barsch zu reagieren wird deutlich. Ich habe mich in vielen Situationen des Lehrers wiedererkannt – vor allem darin wie meine Ideale immer wieder von der Wirklichkeit auf die Probe gestellt werden.

Eine gute Besprechung des Films die wesentlich mehr auf die Geschichte des Films eingeht findet sich auf taz.de: Provokation und Respekt. Den Trailer kannst du dir auch gerne in meinen Randbemerkungen ansehen.

Falls noch nicht schon geschehen empfehle ich den Film sehr und freue mich zu hören wie Du ihn fandest.