Archiv für April, 2009

Wahlheimat in Karlsruhe

Mittwoch, 22. April 2009

Superwahlheimat DOMEAls ich heute den Zoo am Ausgang der Nancyhalle verlassen habe fielen mir Wahlplakate der besonderen Art auf. Die Fenster der Halle sind momentan mit Plakaten unterschiedlicher Künstler bestückt die an der Kunstwahl im Superwahljahr 2009 teilnehmen die von ZKM und HfG in Karlsruhe veranstaltet wird.

Die Kunstwahl trägt den Titel „Wahlheimat“ und findet vom 16. April – 03. Mai in diesem Superwahljahr statt. Folgendes ist auf der Webseite zum Begriff „Wahlheimat“ zu lesen:

„Wahlheimat“ steht für private Entscheidungen mit gesellschaftlicher Relevanz, für politische Traditionen sowie politische Kultur und nicht zuletzt für die Fragen: Wie gestaltbar ist diese Heimat durch den Prozess des Wählens? Ist die kollektiv erwählte Gesellschaft und Politik wirklich meine Wahlheimat?

In diesem Sinne kann in oben erwähntem Zeitraum via Internet oder SMS zwischen Künstlern gewählt werden deren Werke schließlich vom 06. Juni – 28. September in der Nancyhalle zu sehen sein werden. Über das Ziel und die Motivation des Projektes gibt es folgendes zu lesen:

Ziel des Projektes ist es, den demokratischen Prozess des Wählens auf die Kulturgestaltung zu übertragen. Kulturförderung, die Auswahl von Exponaten für eine Ausstellung aber auch die Einstufung des ästhetischen oder intellektuellen Wertes eines Kunstwerks (und damit auch die Klassifikation „Kunst“ selbst) unterliegen bis heute keiner Mehrheitsentscheidung, sondern singulären Einschätzungen und Bewertungen. Inhaltlicher Fluchtpunkt der Ausstellung „Wahlheimat“ ist neben dem Ziel, Demokratie als Prinzip und Mechanismus zu illustrieren auch, zu verdeutlichen, wie sich das Prinzip der Mehrheitsentscheidung auf kulturelle Prozesse der Auswahl und Gestaltung auswirkt.

Da aus dem Kavantgarde-Umfeld nur ein Künstler an dieser besonderen Art des Wahlkampfes teilnimmt fällt die Wahl nicht schwer. Ich schließe mich daher Kavantgarde an und empfehle den Kandidaten #14 zu wählen. Es handelt sich dabei um DOME, einen StreetArtist dessen Leinwände die Fassaden und Flächen der Städte sind. Er ist auf dem Wahlzettel auf Platz 14 mit dem Titel Stadtgespäch zu finden: Hier gehts zur Wahl.

Wie ihr euch sicher schon längst gedacht habt, gefällt mir die Idee und dieses Projekt sehr gut und ich freue mich schon darauf die Ausstellung ab dem 06. Juni zu besuchen.

Hoffnung ohne Genmais

Dienstag, 14. April 2009

Da unsere Landwirtschaftsministerin nun begründete Bedenken gegen die Aussaat von Genmais hat, wird es in diesem Jahr wohl nicht dazu kommen, dass flächendeckend so veränderter Mais angepflanzt werden wird. In der TAZ wird Frau Aigner mit der Aussage zitiert, dass der so genannte MON 810 „eine Gefahr für die Umwelt darstellt“. Der Genmais mit dem Namen MON 810 des Konzerns Monsanto ist so verändert, dass er sich selbst durch ein bakterielles Giftgen gegen Fraßschäden schützt, wodurch wiederum eine ganze Reihe von Insektenarten gefährdet sind.

Ich freue mich sehr über diese Entscheidung, und bin dankbar.

Zugleich bin ich hoffnungsvoll dass auch noch weitere Entscheidungen getroffen werden die nicht in erster Linie zur Parteilinie passen. Ich wünsche mir, dass Genmanipulation nicht salonfähig wird und dass sich auch bezüglich der Energiepolitik einiges nach vorne entwickeln kann.

Genmais der ja lediglich zur Gewinnung einer Ernte genutzt werden kann, und aus dessen Ernteertrag kein neues Saatgut gewonnen wird, ist ein klassisches Beispiel des „Gradle To Grave“ Systems auf das ich im vorhergehenden Eintrag hingewiesen habe. Der natürliche Kreislauf wird bewusst unterbrochen – manipuliert – und an dessen Stelle wird ein Wirtschaftskreislauf gesetzt der wiederum die Bauern in eine Abhängigkeit der Industrie zwingt. Selbst wenn alle anderen Argumente nicht plausibel erscheinen, scheint mir diese Tatsache so bedenklich, dass solche Machenschaften langfristig nicht unterstützt werden können.

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Ein Zeitungsartikel zum Verbot auf taz.de : Anbau von Genmais verboten

Cradle to Cradle

Samstag, 11. April 2009

Cradle To Cradle BuchcoverHeute Abend nahm ich das Buch „Cradle To Cradle: Remaking the way we make things“ von Michael Braungart und William McDonough in die Hand um etwas darin zu lesen. Die beiden Autoren stellen in diesem Buch ihre Gedanken zu einer Handlungs- und Produktionsweise dar die sich grundlegend von dem unterscheidet was heute üblich ist. Der Ansatz „Cradle To Cradle“ ist eine bewusste Anspielung auf „Cradle To Grave“ mit dem in unseren bekannten Produktions- und Konsumkreisläufen die Wegwerfmentalität beschrieben wird. Bei C2C (wie Cradle To Cradle gerne abgekürzt wird) geht es jedoch gerade darum bewusst vom Kreislauf der Natur zu lernen und im Einklang damit zu leben. Unser Leben findet demnach innerhalb des natürlichen Kreislaufes statt und bei den Produkten unseres Alltags ist es wichtig auf deren Eingliederung in den größeren Kreislauf zu achten.

Der C2C-Ansatz ist meiner Ansicht nach zutiefst nachhaltig, da sich die Frage stellt wie wir leben können ohne Abfall zu erzeugen den wir irgendwo lagern oder verbrennen müssen, sondern vielmehr am Kreislauf teilnehmen so dass sich unsere Produkte immer weiter verwenden lassen. Manches wird kompostiert werden und so in den natürlichen Kreislauf zurück gelangen, anderes wird an anderer Stelle eingesetzt werden und auf diese Weise seinen Weg in unser Leben finden. In dem Buch werden einige interessante Fragen gestellt und es werden Perspektiven aufgezeigt die von Erfahrungen untermauert werden.

Bisher gefällt mir an dem Buch auch der positive Unterton. Es ist kein Buch das Weltuntergangsszenarien heraufbeschwört und den Leser in die Verantwortung ruft. Vielmehr ist es ein Buch das Vision und Hoffnung vermittelt, es zeigt einen Weg im Einklang mit der Natur zu leben, uns als Teil von ihr zu verstehen, ja sie als unsere Verwandte anzunehmen.

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Interessant sind dabei auch die Wikipedia-Einträge zu Öko-Effektivität und den Cradle-To-Cradle-Eintrag der englischen Wikipedia. Beachtenswert finde ich auch den Unterschied im Aufbau der beiden Artikel, während der englische detailiert auf die C2C-Gedanken eingeht und am Ende einen Kritikpunkt anführt, steht die Kritik im deutschen Artikel sofort im zweiten Abschnitt.

So sehe ich nackt aus

Mittwoch, 08. April 2009

Dieser Eintrag ist für all diejenigen die hier eben vorbeigekommen sind und sich gewundert haben wie es denn heute hier aussieht. Mit meinem Blog ist nichts aussergewöhnliches passiert, ich habe es lediglich ausgezogen.

Der 09. April ist so genannter CSS-Naked-Day. Ein Tag an dem man Webseiten ihre CSS-Kleider auszieht und deren Körper in voller Pracht zu sehen ist. Dabei handelt es sich um eine Initiative zur Förderung von Webstandards und semantisch aufgebauten Webseiten. Weil ich das alles sehr gut finde, hab ich mein Blog nun auch ausgezogen, und es wird für die nächsten 48 Stunden nackt bleiben. Mehr Infos zu dieser Initiative findest du hier: CSS-Naked-Day 09.

Ein paar Gedanken zu Kirche 21

Montag, 06. April 2009

Am letzten Wochenende hatte ich die Möglichkeit mit dem Zug nach Berlin zu fahren und dort sowohl die Stadt etwas zu erkunden als auch am Kirche-21-Event teilzunehmen. Während ich mich nun wieder auf dem Heimweg befinde, möchte ich ein paar Gedanken darüber aufschreiben – zunächst nur zu Kirche 21:

Rahmenbedingungen
Kirche 21 ist eine Initiative des „Gemeindejugendwerkes“ der Baptisten. Einige Freunde haben sich hier zusammengeschlossen um gemeinsam Fragen nach Kirche, Theologie und Glaube im 21. Jahrhundert nachzugehen. Das Kirche-21-Event fand dieses Jahr zum zweiten Mal statt. Wie bereits beim ersten Mal stellte auch jetzt wieder die EFG Schöneberg ihre Räumlichkeiten zur Verfügung. Das Haus dieser Gemeinde ist groß und sehr gut ausgestattet und bietet damit eine ganze Reihe von Möglichkeiten. In der Turn- und Mehrzweckhalle fanden die Treffen statt bei denen alle zusammen gekommen waren. In der Mitte gab es eine kleine Bühne von wo aus jeweils gesprochen wurde. Die Stühle waren in kleinen Grüppchen um die Bühne in der Mitte gruppiert so dass auch in diesen kleinen Gruppen ein Austausch stattfinden konnte. In der zweiten Hälfte der Halle war ein Labyrinth aufgebaut das zur Meditation einlud. Eine Etage tiefer waren in mehreren Räumen so genannte Denk- und Erlebnisräume eingerichtet. In diesen konnte man unterschiedlichen Fragen nachgehen und auch die Workshops am Samstag Nachmittag fanden hier statt. Auf dieser Etage findet sich auch etwas das ich hier mal Mensa nennen möchte, was man dort machte ist nicht sehr schwer zu erraten, nicht wahr? Eine Lounge mit leckerem nachhaltigen Angebot lud die ganzen Tage über zu Gesprächen oder einfach auf eine Tasse Kaffee oder ein Fläschchen Bier ein. An diesem Wochenende wurde das Haus von ca. 160 Personen bevölkert, die sich in einer angenehmen Atmosphäre manche Fragen stellten und den einen oder anderen Traum formulierten. In einer vielfältigen Reihe von Workshops wurden sowohl grundlegende Fragen thematisiert als auch ganz praktische Inspirationen für den Gemeindealltag oder das eigene Leben miteinander geteilt. Kester Brewin aus London nahm uns mit in seine Gedanken hinein und erzählte darüber hinaus einiges über die Alt.Worship-Gruppe Vaux. Nach dieser kurzen Erwähnung der Rahmenbedingungen möchte ich einige meiner Erfahrungen ausführen…

Begegnung
Eine sehr besonderer Aspekt solcher Veranstaltungen ist es für mich immer, dass sie Gelegenheiten bieten Menschen zu treffen die man entweder sehr selten sieht, oder solchen das erste mal vor Ort zu begegnen die man bereits zu seinen engen Freunden zählt da man sich bereits seit Jahren auf Blogs unterhält oder aber über Twitter an ihrem Alltag Anteil nimmt. Solche Begegnungen gab es an diesem Wochenende einige und ich habe es sehr genossen mit der Einen oder dem Anderen manches Gespräch zu führen, Kaffee zu trinken oder gemeinsam durch die Stadt zu gehen und deren Lebenswelt hautnah zu erfahren.

Abendmahl
Eine sehr gute und tiefe Erfahrung stellte für mich das in den kleinen Sitzgrüppchen gefeierte Abendmahl am Freitagabend dar. An diesem Abend saß ich mit drei Freunden zusammen, die ich wie bereits aus dem vorhergehenden Abschnitt abgeleitet werden konnte, entweder noch nie lokal getroffen oder seit ca. 2 Jahren nicht mehr gesehen hatte. Wir sprachen gemeinsam eine Liturgie und brachen einander das Brot und reichten uns den Wein. Meiner Ansicht nach handelte es sich dabei um einen sehr gelungen Einstieg in die Veranstaltung der uns sowohl unsere Verbindung zueinander als auch die Verbindung zum dreieinigen Gott erleben lies.

Einen Autor reden hören
Die Vorträge von Kester Brewin haben mir sehr gut gefallen. Inhaltlich war mir das meiste bereits aus seinem Buch »The Complex Christ« / »Der Jesus Faktor« bekannt. Dennoch hat es mich neu inspiriert wie Kester seine Gedanken vorgetragen hat. Die Möglichkeit Rückfragen zu stellen hat mir darüber hinaus einige sehr interessante EInblicke beschert. So wurde natürlich auf seine Darstellung der 6 Glaubensstufen nach Fowler eingegangen. Auch wenn ich es mir schon gedacht hatte, freute es mich dennoch, dass Kester meinte, dass diese Stufen natürlich sehr vereinfachend sind, seiner Ansicht nach jedoch dennoch einige interessante Prozesse und Entwicklungen nachvollziehbar machen. Auf die Rückfrage zu seinen Aussagen zur Entwicklung Gottes von einem unreifen zu einem reifen Gott hin, die zu erwarten gewesen war, antwortete er in einer Weisheit die mich eben an Peter Rollins erinnerte: „I never question God, I can only question my assumptions of God.“ Da wir keine absoluten Aussagen über Gott machen können, ist es möglich sowohl anzunehmen, dass Gott sich nicht verändert oder eben, dass er sich ständig ändert. In die selbe Richtung geht auch der andere Gedanke den er angeführt hat, dass es nämlich mit den Menschen zu tun hatte die über Gott schrieben, wie sie ihn darstellten. Oder aber dass es noch mit der Art zusammenhängen könne wie Gott sich offenbare. Seiner Ansicht nach könne man jedoch einen eindeutigen Unterschied feststellen wie Gott zu Beginn der Bibel dargestellt wird und wie sich die im Umfeld des NT änderte, er wählt um diesen Unterschied darzustellen eben das BIld der Entwicklung Gottes, von der weiß dass sie nur eine denkbare Möglichkeit ist. Vielleicht werde ich den einen oder anderen Gedanken aus seinen Referaten an anderer Stelle nochmals aufgreifen, aber versprechen tu ich das nicht…

Mein Beitrag
Etwas dazu zu sagen was man selbst an einer solchen Veranstaltung eingebracht hat ist immer etwas heikel, zumindest für mich. Dennoch möchte ich sagen, dass ich den Workshop zu Nachhaltigkeit sehr genossen habe und mich die Gespräche zu diesem Thema enorm bereichern. Bei diesem Workshop ist mir auch aufgefallen, dass es immer besser ist das Thema so eindeutig wie möglich ins Programm zu schreiben um Verwechslungen zu verhindern und Personen davor zu bewahren im falschen Workshop gelandet zu sein. Ich hoffe diejenigen denen es so ging haben noch einen für sie passenden Workshop gefunden. Die Möglichkeit den Workshop dann zu verlassen wenn man selbst das Gefühl hat dass er einem nichts mehr bringt oder dass man sich eben in einem Workshop befindet von dem man etwas anderes erwartet hatte, wünsche ich mir immer mehr bei solchen Veranstaltungen - ich finde das ist etwas das wir sehr gut von OpenSpace lernen können.

Nach der an die Workshops anschließenden Kaffeepause hatte ich die Möglichkeit mit auf einem Podium zu Innovation neben Personen von „Kirche positHIV“, Anorak 21 und Kester Brewin zu sitzen. Hier hatten wir die Möglichkeit über das zu sprechen was uns in unserem Alltag und konkret vor Ort begeistert und was wir da tun.

Nach einem intensiven Tag und einigen sehr inspirierend vorgetragenen Träumen durfte ich alle Anwesenden in einem Körpergebet anleiten. Ich mag diese Art zu beten vor allem in Gruppen, weshalb ich gerne zugesagt hatte und es auch sehr genossen habe auf diese Weise gemeinsam zu beten. Dieses Mal war besonders, dass Daniel Hufeisen ein paar Platten dabei hatte und das gemeinsame Gebet durch angenehme Musik und einem schönen „Gott ist gegenwärtig“-Remix unterstützte. Und falls dies jemand liest der am Samstag Abend dabei war, möchte ich mich auch ausdrücklich für deine und eure Bereitschaft bedanken euch darauf einzulassen. Danke.

Vernetzung
Auch wenn ich den Großteil der Personen nicht kenne mit denen ich an diesem Wochenende auf dieser Veranstaltung war, gehe ich bestätigt durch verlässliche Quellen, davon aus, dass die Mehrzahl der Anwesenden aus dem Baptistenumfeld kamen. Mich freut es sehr, auch in diesem Umfeld Menschen zu treffen die sich diese Fragen stellen und wünsche mir dennoch, dass wir es weiterhin schaffen den „emergenten Dialog“ wie ich das immer nenne noch mehr zu vernetzen und immer mehr zu einem ökumenischen Gespräch über mögliche Kontextualisierungen von Kirche, Theologie und Nachfolge zu kommen.

Einen Einblick über das was vom Kirche-21-Event getwittert wurde gibt es unter dieser Twitter-Suche: kirche21

Beziehungsweise Leben

Mittwoch, 01. April 2009

Beziehungsweise Leben»Beziehungsweise Leben: Inspirationen zum Leben und Handeln im Einklang mit Gott und Menschen.« So lautet der Titel des Buches das im Herbst erscheinen wird und dessen Daten ich eben an den Verlag geschickt habe.

Bei dem Buch handelt es sich um einen Sammelband den Björn und ich rund um die Beziehungsmetapher konzipiert haben. Ausgehend von der Dreieinigkeit Gottes schreiben 15 Autorinnen und Autoren gemeinsam mit uns über inspirierte Spiritualität, praktisch gelebte Gerechtigkeit und Gemeinschaft im Alltag. Es wird in der Edition Emergent Deutschland erscheinen, bei der es sich ja um eine Kooperation zwischen dem Francke-Verlag und Emergent Deutschland handelt.

Momentan befinden wir uns mitten in der Lektoratsphase und bereiten uns auf die weitere Gestaltung des Buches vor. Es soll im Herbst zur Frankfurter Buchmesse erscheinen. In nicht allzulanger Zeit werden wir eine nette Webseite zum Buch ins Netz bringen die uns allen die Wartezeit bis Herbst versüßen wird und schon erste Einblicke ermöglicht.