Kürzlich habe ich mal versucht ein paar grundlegende Informationen zu Slavoj Žižek auf ein DIN-A4-Blatt zu bekommen und auf diese Weise eine erste Begegnung mit seinen inspirierenden Gedanken möglich zu machen. In diesem Sinne verpacke ich dieses Blättchen hiermit auch in einen Blogeintrag…
Slavoj Žižek ist Philosoph, Kulturkritiker und Psychoanalytiker aus Ljubljana, Slowenien.
Geboren am 21. März 1949. Seit 2004 verheiratet mit Analia Hounie (1978, Tochter eines Psychoanalytikers und früher Unterwäschemodel).
Žižek gilt als einer der bekanntesten, aber auch umstrittensten Intellektuellen unserer Zeit. Er wurde durch seine Übertragung und Weiterentwicklung der Psychoanalyse Jacques Lacans bekannt. Einzigartig in seiner Übertragung ist seine Bezugnahme auf die Populärkultur und seine Gesellschaftskritik. Er wird zur Strömung des Poststrukturalismus gerechnet. Er selbst spricht des Öfteren davon dass sein Antrieb zur Philosophie ist, dass er selbst verstehen möchte, in einem Interview bezeichnet er sein Werk folgendermaßen:
„Hegel mit Hilfe der Psychoanalyse zu lesen und dabei Freuds zentrale Einsicht zu verwenden, den Todestrieb. Mit Hilfe all dessen den deutschen Idealismus zu Lesen, die absolute Negativität.“
Quelle: Slavoj Žižek in Sternstunde Philosophie des Schweizer Fernsehen vom 17.05.2009
Genuss vs. Lust
Er kritisiert die Genussorientierung unserer Kultur. Nach Lacan bezeichnet er Genuss auch als Schmerz. Dies hängt damit zusammen dass es keine Genussgrenzen mehr gibt, alles erlaubt ist, und die Befriedigung sofort verwirklicht werden kann. Die Spannung der Lust, des Begehrens wird eliminiert und der Genuss dadurch pervertiert. „Wir sind nicht dazu verdammt zu genießen!“, lautet seine Kritik. Gerade im Verlust des Genießens sieht er einen Gewinn der Lust, die wiederum zum Lebensantrieb werden kann und dadurch ein „Mehr-Genießen“ hervorbringt.
Kino
Das Kino bezeichnet er als die perverseste Kunstform, da es dir nicht gibt was du begehrst, sondern dir beibringt wie du begehrst. Unser Begehren ist nicht natürlich, sondern künstlich und wird uns von außen beigebracht. Wir brauchen das Kino um unsere heutige Welt zu verstehen. Um das zu erkennen was realer ist als die Realität müssen wir uns der Fiktion des Kinos zuwenden.
Politik
Er fordert wirkliche Demokratie. Seiner Ansicht nach muss sowohl die Wirtschaft als auch die Politik wieder politisiert werden. Toleranz führt seiner Ansicht nach in die Irre und die „Dalai-Lama-Weisheit“ zur Katastrophe. Er fordert Auseinandersetzung. Auch wenn Žižek sich vom real-existierenden Kommunismus distanziert versteht er sich als Linker, der marxistisch inspiriert ist.
Christentum
Bezeichnet sich selbst als Atheist, und sagt dennoch „insgeheim glauben wir alle.“ In seinen Ausführungen zum Christentum bezieht er sich auf Hegel, Freud und Lacan. In diesem Sinne sieht er im Tode Christi am Kreuz den Tod des jenseitigen Gottes. Die Auferstehung versteht er nicht personal, sondern sieht im Heiligen Geist das konstituierende Geschehen einer liebenden Gemeinschaft die im Sinne Christi lebt.
Fragen-Verdrehung
Er ist bekannt für seine so genannte Fragenverdrehung. Die Frage Žižeks lautet nicht: „Was können wir vom Leben über den Cyberspace lernen“, sondern umgekehrt: „Was können wir vom Cyberspace über das Leben lernen?“. Er schafft mit seinem Denken einen neuen Blick auf das Gewöhnliche und bietet eine Vielzahl alternativer Sichtweisen an.