Ein paar Gedanken zu Sünde und Vergebung, die zu Ostern passen, die nicht den Anspruch erheben neu zu sein, die aber an manchen Stellen und damit grundsätzlich Akzente verschieben.
Was wäre wenn Sünde vor allem eine geschöpfliche Dimension hätte? Sich also von ihrer Bedeutung her nicht zwischen Mensch und Gott drängen könnte? Wir würden dann nicht mehr davon reden, dass Sünde Gott in irgendeiner Weise verletzen würde. Sie würde nicht zwischen ihm und uns stehen, könnte uns den Weg nicht versperren.
Diese Gedanken erscheinen dann sinnvoll, wenn wir Gottes Gedanken zur Schöpfung vor allem in ihrer lebensermöglichenden Dimension begreifen. Der so genannte „Wille Gottes“ würde sich dann nicht in einem sündlosen, von der Welt abgeschnittenen Ideal widerspiegeln, sondern in einem Leben in Harmonie mit Gott, Menschen und Natur. Sünde wäre dann vor allem eine Art Störfaktor dieser Harmonie, jedoch kein unmittelbarer Störfaktor. Als Sünde würde dann ein Verhalten bezeichnet, das unseren Mitgeschöpfen (im weitesten Sinne) Schaden zufügt. Somit würde sich Sünde höchstens indirekt „gegen Gott“ richten, sie würde vor allem im Umgang von Menschen und Natur verstanden werden.
Der Umgang mit Sünde würde sich aus dem Bereich des schlechten Gewissens und den Schuldgefühlen verabschieden. Unser Verhalten zu unseren Mitmenschen und der Natur würde sich ins Zentrum bewegen. Bei Vergebung ginge es nicht um eine Art Freispruch, der einen Schuldausgleich darstellt, sondern um einen Zuspruch der Hoffnung, einen Erweis der lebensermöglichenden Kraft Gottes, die es uns ermöglicht aus zerstörerischen Gewohnheiten auszubrechen, und ein Leben in Harmonie zu leben. Vergebung und Buße wären in diesem Zusammenhang nicht in erster Linie „geistlich“, sondern zeichneten sich in einem Verhalten aus, einem Leben eben, das von liebevoller Hinwendung geprägt ist und Leben ermöglicht.
Ostern, und damit Tod und Auferstehung Jesu, verlieren damit nicht ihre Bedeutung, auch wenn diese Ereignisse mit einem veränderten Sünden- und Vergebungsverständnis grundsätzlich anders verstanden werden können.