lieben lernen

Ausgehend von dem Abschnitt »Face to face with the other« in Kester Brewins Buch »Other«, gehe ich einigen Gedanken zur Frage nach, was es bedeuten könnte lieben zu lernen.

Gegen Ende des dritten Teils seines Buches greift Kester Brewin nochmals einen Gedanken von Miroslav Volf auf, den er bereits weiter vorne erwähnt hatte. In der Einleitung zu „Exclusion and Embrace“ schreibt Volf darüber, dass Theologen sich weniger um gesellschaftliche Strukturen kümmern, auch wenn diese wichtig sind, sondern sich vielmehr auf die Handelnden in der Gesellschaft konzentrieren sollten. Er stellt sich die Frage welche Art von Personen wir sein müssten um in Harmonie mit anderen leben zu können, und setzt hier auch den Schwerpunkt in der Beschäftigung für Theologen:

»theologians should concentrate less on social arrangements and more on fostering the kind of social agents capable of envisioning and creating just, and peaceful societies, and on shaping a cultural climate in which such agents will thrive.«

Miroslav Volf, Exclusion and Embrace, Seite 21.

In diesem Sinne fragt Kester danach, wie dieser Aufgabe begegnet werden könnte. Nach Volf sei davon auszugehen, dass keine Strukturen oder Programme, für sich allein, dazu führen werden, dass Menschen in Wahrheit und Gerechtigkeit wachsen, sondern dass es Handelnde braucht, die die Veränderung (vor)leben. Dies kann nicht von oben nach unten als Plan vorgegeben werden, wir müssen vielmehr erlauben, dass unser Leben von Liebe gekennzeichnet ist. Und hier greift er auf den Gedanken Levinas’ zurück, dass in der Begegnung mit dem Anderen eine Verantwortung in uns wachgerufen wird. Er zitiert Levinas nach Ryszard Kapuściński:

»The Other has a face, and it is a sacred book in which good is recorded.«

Zitiert nach Kester Brewin, Other, Seite 167.

Der Andere, dem ich begegne, zeigt mir sein Gesicht, ich darf mich ihm zuwenden. In seinem Gesicht zeigt mir der andere auch mich, und bringt mich darüber hinaus auch noch näher zu Gott (Vgl. dazu auch Levinas, Wenn Gott ins Denken einfällt, Seiten 40ff.). Den Anderen zu lieben, sich auf ihn einzulassen, ihm zu begegnen, ist ganz eng damit verbunden, ihn direkt – von Angesicht zu Angesicht – zu treffen.

Diese Begenung von Angesicht zu Angesicht wird im Anschluss an Levinas ab und an etwas verklärt. Kester weist darauf hin, dass der andere zwar ein Gesicht hat, und dass dieses Gesicht ein heiliges Buch ist in dem Gutes aufgeschrieben wurde, dass es sich dabei jedoch nicht um eine leichte Lektüre handelt, und dass sich das Gute oft nicht von selbst erschließt.

Er führt als einen Levinas-Kritiker Slavoj Žižek an, dieser kreidet Levinas an, dass er eine zu vereinfachte Sicht des Anderen habe. Levinas betrachtet den anderen optimistisch, das Gute, dass er im Anderen wahrnimmt, ist der Grund dafür ihn zu lieben. Žižek geht die Sache pessimistischer an, und versteht, wie Lacan, die Tatsache, dass der Andere nicht perfekt ist, als Grundlage der Liebe für ihn. In einem Ausschnitt des Films »Examined Life« sagt Žižek folgendes:

»Was ist Liebe. Liebe ist nicht Idealisierung. Jeder wahrhaft Liebende weiß das, wenn du wirklich eine Frau oder einen Mann liebst, idealisierst du sie oder ihn nicht. Liebe bedeutet, dass du eine Person akzeptierst, mit all ihren Fehlern, Dummheiten und hässlichen Aspekten, und dennoch ist diese Person für dich absolut, alles was dein Leben lebenswert macht. Du bist dazu in der Lage Perfektion in Unvollkommenheit zu entdecken – und das ist es, wie wir lernen sollten die Welt zu lieben.«

Die Unvollkommenheit des Anderen wahrzunehmen, führt uns tiefer in das Rätsel des Anderen hinein. Diese Begegnung weist nach Žižek auch wieder auf uns zurück. Indem wir uns auf den Anderen einlassen, nehmen wir auch wahr, wie der Andere uns sieht. Wir lernen in der Begegnung mit dem Anderen auch einiges darüber wer wir sind, wie wir auf den Anderen wirken, wie er uns wahrnimmt, was er in uns sieht. Es ist daher wichtig, dass wir uns dem Anderen auf ein solch intensive Weise zuwenden, dass wir durch ihn auch uns besser sehen lernen.

Sicher könnte man nun herrlich die unterschiedlichen Ansätze von Žižek und Levinas gegeneinander stellen, und Žižek hätte sicher seinen Spass an einer solchen Polarisierung. Kester, und das gefällt mir besonders an dem Buch, weist darauf hin, dass sich die Wahrheit über Liebe wohl irgendwo zwischen den beiden Ansätzen befinden muss. Er skizziert einige Unterschiede, und weist dann auf die komplementären Aspekte hin:

»Wir beginnen damit, Levinas zuzustimmen, dass der andere ein Gesicht hat, und dass es sich dabei um ein heiliges Buch handelt, in dem Gutes aufgeschrieben wurde … Wir bejahen jedoch auch, dass in diesem heiligen Buch nicht nur Dinge aufgeschrieben sind, die den Anderen betreffen, sondern auch etwas über uns zu finden ist. In diesem festen Blick zwischen uns und dem Anderen, lernen wir den anderen und uns in einem neuen Licht zu sehen, und hoffen ihm geht es genauso. Dazu benötigen wir jedoch genug Zeit für solch tiefe Begegnungen, die nicht durch Bildschirme oder anderes unterbrochen werden.«

Frei übersetzt nach Kester Brewin, Other, Seite 170.

In gewissem Sinne handelt es sich also bei der Begegnung der zu Beginn formulierten Aufgabe, liebevoll handelnden Menschen zu werden, um einen Zirkelschluss. Wir wenden uns liebevoll unserem Gegenüber zu, und lernen dabei zu lieben. Kester schließt diesen Abschnitt mit einem Hinweis zur Kontemplation einer Dreieinigkeit von Gesichtern ab:

Ich habe ein Gesicht. In mir sind Teile, die möchte ich gerne gesichtslos und anonym halten – ohne Namen. Wenn ich jedoch das Gute in mir entdecken möchte, dann sollte ich mich nicht verleugnen, sondern mir erlauben auf mich selbst zu sehen – wahrzunehmen, wie ‚der Andere‘ in mir mich selbst sieht. Allzu oft möchte ich mein öffentliches Profil kontrollieren – was andere von mir sehen können – dabei möchte ich das unterdrücken und verleugnen, was ich hässlich, peinlich oder schwierig finde. Wenn wir jedoch, dem gebrochene Licht der Lichtung erlauben uns zu wärmen, dann kann aus dem Kompost dieser schmutzigen Flecken etwas erwachsen in dem Reichtümer und Wachstum gefunden werden kann.

Gott hat ein Gesicht. Es gibt Bilder und Beschreibungen, die ich vorziehe, und göttliche Komplexität die ich lieber ignorieren würde. Wenn ich mich jedoch nicht aufmache nach diesen unterschiedlichen Facetten Gottes zu suchen, meine Nischen verlasse und meinem Liebhaber nachjage, dann wird mein Glaube im Mief meines Zimmers austrocknen und verhärten. Es tut gut mir vorzustellen, dass eine wohlwollende, mir zugewandte Gottheit auf mich achtet, ich muss jedoch auch darüber meditieren, was es bedeutet von einem fremden und fernen Gott beobachtet zu werden.

Der Andere hat ein Gesicht Und wir sind angehalten so tief in das Gesicht des Anderen zu blicken, dass wir das wahrzunehmen beginnen, was der Andere von uns sieht, und wir müssen lernen miteinander auszukommen. Es gibt keine individuelle Erlösung: Ich kann mir meine eigene Erlösung nicht aus mir selbst erarbeiten, genausowenig kann ich meine Sicht von Gott alleine in meinem gemütlichen Zuhause theoretisieren. Wenn ich Liebe erfahren und kennenlernen möchte, dann brauche ich den heiligen Text des Anderen.

Frei übersetzt nach Kester Brewin, Other, Seiten 171f.

→ Instapaper

Emergent Forum 2010

Komm mit auf die Suche nach einem dritten Weg!

Emergent Forum 2010 - Postkarte

Vom 19. bis 21. November 2010 wird das diesjährige Emergent Forum stattfinden. Das Emergent Forum will, jenseits von Denkverboten und Fraktionszwängen, kreative und mutmachende Gespräche über Auftrag und Gestalt der Kirche für morgen ermöglichen.

In einer dialogischen Atmosphäre wollen wir uns an diesem Wochenende gemeinsam auf der Suche nach einem dritten Weg unterstützen. Wir sind auf der Suche danach Kirche und Nachfolge in unserer Zeit und Gesellschaft zu leben. Der dritte Weg über den wir hier reden, ist ein Weg zwischen Extremen. In der Synergie unterschiedlicher Positionen sehen wir eine gute Möglichkeit einen Weg zu finden, der nicht ausschließt, sondern einlädt, einen Weg auf dem wir weitergehen können, der nicht ein für alle mal entdeckt wird, sondern sich immer wieder neu erschließt und weiter entwickelt.

Inspirationen aus der gelebten Praxis warten auf dich, und du bist eingeladen deine Gedanken und Erfahrungen mit einzubringen.

Nähere Informationen zum Ablauf des Forums und die Möglichkeit dich anzumelden findest du demnächst hier.

_

Ich freue mich schon sehr auf das Forum. Dieses Mal an einem anderen Ort, eine Woche früher, aber dennoch ein Wochenende voller Begegnungen und Inspiration:

Komm mit auf die Suche nach einem dritten Weg!
Emergent Forum / 19. bis 21. November 2010 / Essen – Weigle Haus

→ Instapaper

Balanceakt

Momentan lese ich das hervorragende Buch »Other – Loving Self, God and Neighbour in a World of Fractures« von Kester Brewin. Ich werde natürlich nicht systematisch durch das Buch bloggen, oder saubere Zusammenfassungen schreiben – das können andere besser als ich – sondern wie gewohnt ab und an einen Aspekt herausgreifen, der mich zum nachdenken anregt.

Heute habe ich den zweiten Teil des Buches fertig gelesen, er steht unter dem Titel »Loving the other within God«. Und während Kester davon spricht, dass Gott sich sowohl zu uns Menschen hinwendet, als auch sich von uns distanziert, verdeutlicht er dies an Jesu Menschwerdung. Ein Leben in der Nachfolge charakterisiert er darauf hin, als einen dreifachen Balanceakt. Zunächst geht es um die Annahme von Gottes Freiheit und Hingabe. Von Gott kann weder in totaler Hingabe an uns Menschen, und damit einer Unmittelbarkeit gesprochen werden. Es kann jedoch auch nicht nur die fremde, unbekannte Seite Gottes betont werden. Die beiden anderen Aspekte haben mit persönlichem verbunden – bzw. getrennt Sein zu tun. Auf der einen Seite existieren diese Dimensionen hinsichtlich der Beziehung zu Gott, als auch in den Beziehungen unter Menschen. Brewin geht davon aus, dass dieser dreifache Balanceakt nur in Gemeinschaft gelebt werden kann:

As we think about how we might love the other within God we need to look for this hallmark: those who claim to love God will have a robust idea of God’s freedom, of God’s otherness and strangeness, combined with a keen sense of God’s binding too.

[...]

In the end, I know that this balancing act can only happen in community. My two eyes cannot discern the three dimensions of a life lived in proper perspective. I need others and others need me if I am, if we are together, to work out how this creative rhythm of separation and binding is to keep time. Similarly we know that if we are to love God and love our neighbours as we love ourselves, we must walk with our neighbour to discuss how we might better love our God and ourselves, and pray to God that we might more quickly become the kinds of selves who truly love the others, the strangers, who walk with us and around us.

Kester Brewin, Other: Loving Self, God and Neighbour in a World of Fractures, 108.

Meiner Ansicht nach handelt es sich hier um einen wichtigen Gedanken dazu, weshalb es sinnvoll ist, dass wir als Menschen nicht nur alleine für uns nachfolgen, sondern in einer Gemeinschaft von Menschen unterwegs sind, die einander dabei unterstützen in Harmonie mit Gott, Menschen und der Schöpfung zu leben.

→ Instapaper

Deine Stimme gegen Armut 2010

Eben bin ich mal wieder über die Webseite der Initiative »Deine Stimme gegen Armut« gestolpert. Auf ihrer Webseite erinnern sie uns mal wieder daran, dass vor 10 Jahren 189 Staaten die so genannten Milleniumsentwicklungsziele unterzeichnet haben. Damals schien 2015 noch weit entfernt, heute jedoch sind es nur noch fünf Jahre. Auf internationaler Ebene ist noch recht wenig in diese Richtung passiert, und die aktuellen Entwicklungen in der deutschen Innenpolitik senden auch nicht die hoffnungsvollsten Signale »gegen Armut«.

Aus diesem Grund ist es wohl auch dieses Jahr wieder wichtig, dass wir unserer Stimme gegen Armut gegenüber der Bundesregierung gehör verschaffen. Vom 20. bis 22. September treffen sich die Staats- und Regierungschefs beim Weltarmutsgipfel der UN. Dort wollen sie über den Stand der Umsetzung sprechen. Um bis 2015 die gesteckten Ziele zu erreichen liegt noch einiges an Weg vor uns, und ich wünsche mir, dass wir diese gehen!

Das Aktionsbündnis hat einen Bericht unter dem Titel »5 vor 2015 – Zeit für einen Aktionsplan zur Erreichung der MDG. Empfehlungen der Zivilgesellschaft an die Bundesregierung« erarbeitet, in dem es Perspektiven aufzeigt, was getan werden sollte um die Ziele zu erreichen:

  • Globale Rahmenbedingungen verbessern – Entwicklung ermöglichen
  • Solide Finanzierung sicherstellen – Entwicklung voranbringen
  • Recht auf Nahrung durchsetzen – Hunger bekämpfen
  • Frauen stärken – Geschlechtergerechtigkeit durchsetzen
  • Bildung für alle – Zukunft sichern
  • Familienplanung unterstützen – Müttergesundheit fördern
  • Gesundheitssysteme stärken – Kindersterblichkeit verringern
  • HIV/Aids, Malaria und Tuberkulose – Armutskrankheiten bekämpfen

Angela Merkel hat 2007 wohl folgendes gesagt: »Unsere Glaubwürdigkeit wird davon abhängen, ob wir unsere internationalen Verpflichtungen einhalten.« Mit deiner Stimmabgabe kannst du sie daran erinnern, so dass wir auch international auf dem Weg zu einer gerechteren Welt weitergehen.

→ Gib deine Stimme ab!

→ Instapaper

Persönliche Erzählungen

In diesem Eintrag möchte ich einigen Gedanken zu gelingendem Leben nachgehen. Dazu wähle ich eine Perspektive, die persönlichen Erzählungen und das Phänomen „social Media“ miteinander verbindet.

Das Ende der Großen Erzählungen

Nach François Lyotard ist die Postmoderne durch das Ende der Großen Erzählungen gekennzeichnet. Jeder Theorie, die für sich beansprucht die Welt als Ganze zu erklären, wird mit einer gewissen Ablehnung begegnet. Die gesellschaftlichen Entwicklungen trugen dazu bei, dass die großen Erzählungen, egal ob sie aus Religion oder Wissenschaft stammen, nicht mehr als allgemeingültig angesehen werden. In dieser Zeit der angezweifelten großen Erzählungen leben wir.

Social Media und die persönlichen Erzählungen

Und es ist auch diese Zeit, in der eine Entwicklung die breite Masse der Bevölkerung erreichte. Mit den Möglichkeiten eigene Seiten im Internet zu veröffentlichen, entstanden immer mehr Seiten von Privatpersonen, die ihre Erlebnisse – ihr Leben – mit anderen teilten. Diese Entwicklung wurde durch das Aufkommen von Blogs unterstützt. Blogs machten das Erstellen einer persönlichen Webseite jeder und jedem möglich, und vereinfachten zusätzlich noch das zeitnahe Veröffentlichen von Texten, Fotos und Filmen. Und nicht zuletzt Netzwerke wie Facebook oder Twitter tragen dazu bei, dass heute jeder anderen Anteil an seinem Leben gibt.

In seinem Buch »Other« schreibt Kester Brewin davon, dass mit dem Verschwinden der großen Erzählungen, nicht die Erzählung als Solche verschwand. Vielmehr nahmen immer mehr kleine Erzählungen den Raum ein, den vormals die großen Erzählungen inne hatten. Diese Erzählungen werden heute verstärkt über die unterschiedlichen Kanäle des Internets geteilt. Das Monopol der großen Erzählungen auf die Sinnstiftung des Lebens wurde abgelöst durch die vielen kleinen, persönlichen Erzählungen.

Zygmunt Bauman bezeichnet unsere Zeit als flüchtige Moderne (liquid Modernity) und beschreibt die Identität der in dieser Zeit lebenden Personen als eine flüchtige Identität. Diese flüchtige Identität verändert sich ständig. Das tut jedoch niemand für sich alleine (siehe dazu auch den Eintrag »Gemeinsam den Tod des autonomen Selbst feiern«). Wir befinden uns alle in unterschiedlichen Bereichen in sozialen Netzwerken. Diese Netzwerke finden sich sowohl im lokalen Alltag, dem Zusammenleben von Angesicht zu Angesicht, wie auch in der Vernetzung im Internet wieder.

Wir haben nicht aufgehört unsere Sinnstiftung mit Erzählungen abzugleichen. Wir erzählen uns ständig aus unserem Leben, machen unsere eigene Geschichte im Netz sichtbar (siehe dazu auch den Eintrag »Die eigene Geschichte im Netz«). Wir teilen unsere Erlebnisse über Facebook und Twitter, schreiben Einträge in unsere Blogs, laden Bilder bei flickr hoch … Wir erzählen einander unsere Geschichten, um gemeinsam, daran zu arbeiten ein gelingendes Leben zu leben.

Ein Beispiel: Weeknotes

Mit kurzen Einträgen zu den Ereignissen der laufenden Woche, deutet sich momentan ein Trend in diversen Blogs an. Mit dem Titel »Weeknotes« begann zunächst eine Agentur über das zu schreiben, was sich bei ihnen in der laufenden Woche ereignete. Sie berichteten von Erfolgserlebnissen, Niederlagen und all dem was dazwischen liegt. Dieses Format des Blogeintrags fand auch bei anderen Anklang. Sie taten es der Agentur gleich und entwickelten daraus eine Gewohnheit. Einige Gedanken dazu finden sich beispielsweise in dem Artikel »On the Structure of time« von Russel M Davies auf wired.co.uk.

Dieses Format von Blogeinträgen unterstreicht die Entwicklung des Teilens der persönlichen Geschichte nochmals. Es geht nicht darum tiefe Einsichten, komplexe Zusammenhänge oder Kommentare zu den aktuellen Entwicklungen zu schreiben. Die Erlebnisse der laufenden Woche werden geteilt. Dies geschieht nicht fragmentiert wie auf Twitter oder Facebook, sondern gebündelt in einem (kurzen) Blogeintrag. Auf diese Weise geben die Schreibenden Anteil an ihrem Alltag und inspirieren einander zu einem gelingenden Leben.

Buchempfehlung

81/365Die Gedanken zu diesem Eintrag wurden angeregt durch die Lektüre des Buches »Other: Loving Self, God and Neighbour in a World of Fractures« von Kester Brewin. Meiner Ansicht nach schafft es Kester in seinem aktuellen Buch ausgezeichnet »emergente Lebenskunst« zu erkunden. In einer sehr gelungenen Verbindung theologischer Fragestellungen, philosophischer Gedanken und aktuellen Gesellschaftsentwicklungen, nimmt er Leserinnen und Leser mit hinein in die Möglichkeiten in Harmonie mit sich selbst, Gott und den Mitmenschen zu leben. Allen, die sich nach Inspiration zu einem solchen Leben sehnen, sei dieses Buch ausdrücklich empfohlen.

→ Instapaper

Safari 5 mit Reader

Bildschirmfoto Reader Safari 5 Mac

Drüben in mein Netzgestalter-Blog habe ich eben einen Eintrag zur Reader-Funktion des Safari 5 geschrieben. Wie einige von euch wissen, ist Safari mein bevorzugter Browser. In der aktuellen Version kam die Reader-Funktion dazu, diese Funktion ermöglicht ablenkungsarme Lektüre längerer Artikel in angenehmer Schriftgröße, gutem Kontrast, das versenden des Artikels per E-Mail und natürlich den Artikel zu drucken.

Da ich drüben erst kürzlich was zu Lesbarkeit von Artikeln im Netz geschrieben habe, passte ein Artikel zur Reader-Funktion gut dazu. Dort schreibe ich auch etwas zu den Möglichkeiten den Reader an die eigenen Bedürfnisse anzupassen.

→ zum Artikel

→ Instapaper

aktiv und beteiligt

Auf meine Frage nach einem Medienprophet unserer Tage wies mich Johannes auf Clay Shirky hin. Seither verfolge ich ab und an die Äusserungen von Shirky, und las eben ein Gespräch zwischen Clay Shirky und Daniel Pink auf wired.com. Hier möchte ich mal einen Gedanken aus dem Gespräch aufgreifen, nämlich die Annahme einer Art „aktiver Natur“ des Menschen.

Die beiden unterhalten sich darüber, dass Menschen freiwillig im Internet aktiv sind. Sie schreiben beispielsweise Wikipedia-Artikel oder helfen diese zu verbessern, veröffentlichen ihre Fotos, Videos oder Musik im Internet, oder schreiben Blogeinträge. All das tun sie in ihrer Freizeit und ohne dafür eine Bezahlung zu erwarten. Ihre Motivation sich auf diese Weise zu beteiligen, speist sich aus ihrem eigenen Interesse, sie wäre demnach also eine Motivation von Innen und keine von Aussen gespeiste Motivation.

In diesem Zusammenhang spricht dann Daniel Pink davon, dass seiner Meinung nach der Mensch von Natur aus aktiv und dafür ausgelegt sei sich zu beteiligen:

I think our nature is to be active and engaged. I’ve never seen a 2-year-old or a 4-year-old who’s not active and engaged. That’s how we are out of the box. And if you begin with this presumption, you create much more open, flexible arrangements that almost inevitably lead to greater satisfaction for individuals and great innovation for organizations.

Kinder zeichnen sich ja durch ihre Aktivität und ihre Entdeckerfreude aus. Dies wären nach Pink Grundanlagen des Menschen, die es meiner Meinung nach im Laufe der Entwicklung zu fördern gilt.

Interessant finde ich in diesem Zusammenhang die Auseinandersetzung mit »bedingungslosem Grundeinkommen«. Dieses wird ab und an als Utopie bezeichnet, die nie zu erreichen ist, da es viel zu viele Menschen in unserer Gesellschaft gibt, die sich dann eben nicht mehr einsetzen würden und (Klischeehaft) mit dem Bier auf dem Sofa vor dem Fernseher „verrohen“ würden. Geht man jedoch vom Angelegtsein des Menschen auf Aktivität und Beteiligung aus, dann müsste man diese Lethargie ja als Gesellschaftliche Entwicklung betrachten. Menschen, die aktiv sind und sich beteiligen wollen, werden von einer Gesellschaft zu Konsumenten erzogen, die Motivation von Aussen benötigen um sich zu beteiligen (»Zuckerbrot und Peitsche«).

Bei den Menschen, die sich aus einer inneren Motivation und damit aus Interesse beteiligen, scheint diese Anlage gefördert worden zu sein. Und hier schließe ich an den Beitrag von gestern an – diejenigen, bei denen diese Anlage aberzogen wurde (und die gibt es, das weiß ich) – sollten wieder gefördert werden. Und hier unterscheidet sich mein Ansatz dann von dem der Regierung, nicht durch negativen Druck (Entzug von Lebensgrundlage), sondern durch positive Unterstützung dessen was da ist.

In diesem Zusammenhang verstehe ich die Beteiligungsmöglichkeiten des Internets ähnlich positiv wie Shirky und Pink. Durch den Kauf eines Fernsehers kommt ein neuer Konsument hinzu, die Zahl der Beteiligten/Schaffenden bleibt jedoch gleich. Mit dem Kauf eines Computers stehen die Chancen gut, dass auch bei den Beteiligten/Schaffenden ein neues Gesicht dazu kommt.

_

Quelle: Cognitive Surplus: The Great Spare-Time Revolution ein Gespräch von Clay Shirky und Daniel Pink auf wired.com

→ Instapaper

Schieflage

Die Bundesregierung prescht mit einem Sparpaket voran, das nicht nur Kommentatoren wichtiger internationaler Zeitungen den Kopf schütteln lässt, sondern auf eine deutliche Schieflage der aktuellen Politik und Kultur hinweist. Während so genannte „Eliten“ unbehelligt bleiben, werden Menschengruppen, die als am „Rand der Gesellschaft“ stehend bezeichnet werden, weiter ausgegrenzt.

Bei einer Pressekonferenz zum Sparpaket sprach Guido Westerwelle davon, dass es ihm klar sei, dass es für diese Entscheidung viel Kritik geben würde, mit Freibier für alle mache man sich Freunde, aber eben nicht mit Einsparungen. Die Metapher des Freibiers ist meiner Ansicht nach sehr gelungen. So wie es auf mich wirkt, gehen die Runden Schampus und die ein oder andere Nase Koks, noch weiter an die feinen Damen und Herren der viel gelobten Eliten und Leistungsträger, das einfache Volk jedoch, das sich an einem Freibier erfreuen würde, soll darauf gefälligst verzichten.

Diese Schieflage in unserer Politik und Kultur wird immer deutlicher, und sie macht mich wütend. Ich verstehe, dass es sich besser leben lässt, wenn die Menschen in deren Gesellschaft man sich gerne sonnt einem wohlgesonnen sind, aber zumindest denkbar wäre es doch, dass es für die Gesellschaft als Ganzer besser wäre, die Menschen zu unterstützen, die sich in der derzeitigen Lage nicht selbst helfen können. Es wird ja gerne mit der Rettung des Sozialstaates argumentiert, diese hinge meiner Ansicht nach jedoch mit wirklichen Programmen zusammen, die den Menschen helfen die „am Rand stehen“, und nicht mit Lippenbekenntnissen und einigen „gut gewollten“ Maßnähmchen, die jedoch nie das ganze System in Augenschein nehmen.

In diesem Sinne hoffe ich, dass der Widerspruch des Volkes, der Sozialverbände, Kirchen und aus politischen Kreisen bei der Regierung gehör findet, und dass sich dieser Kurs korrigieren lässt. Und vielleicht – ich bin Idealist – erreichen wir tatsächlich eine Reformation des Systems.

→ Instapaper

audiovisuelles Ereignis

In diesen Tagen sind UDOSSON://MREDIT durch die Clubs unseres Landes unterwegs. Während ich MREDIT hier im Oberstübchen vermisse, habt ihr die Möglichkeit seine visuellen Leckerbissen kombiniert mit den feinen Klanglandschaften von UDOSSON live zu genießen.

Heute Abend gastieren die beiden von 20 – 22 Uhr im Berliner BreiPott. Und passend zum letzten Wortteil der eben erwähnten Location spielen sie morgen in Düsseldorf bei damenundherren.

Am 13.06. sind sie in Dresden im AZ Connie zu erleben, und am 18. und 19. spielen sie in Hamburg (sichtbar und Makrele).

_

Wer es nicht schafft eine der Veranstaltungen zu besuchen, kann sich hier die aktuelle Platte »kurz unter land« von udosson besorgen, oder aber natürlich über den iTunes Store laden.

→ Instapaper