Es hat geklingelt

Telefonieren wird des Öfteren als Bild für Gebet verwendet. In den Meisten Fällen, wird der Mensch als Subjekt des Gebets, also derjenige der bei Gott anruft, betrachtet.

Ein namhafter Philosoph und ein berühmter Theologe sprachen über das Gebet. Der erste verglich den Beter mit jemand, der am Telefon redet, aber gar nicht weiß, ob am anderen Ende einer hört.

Der andere antwortete: „Herr Kollege, Sie irren! Wir reden mit Gott, weil es bei uns geklingelt hat“.

Der Heilige Geist ist es, der etwas in uns klingeln lässt: Er weckt in uns das Bedürfnis zu beten, er hilft uns Worte zu finden, mit denen wir Gott unser Herz ausschütten können und er schenkt uns die Gewissheit, dass all das keine leere Pflichtübung ist.

Quelle: Peter Aschoff, Kaum zu fassen, Seite 131.

Erfrischend, wenn das Bild einfach umgedreht wird. Vielleicht ist es ja Gott, der uns anruft…

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Ich hatte letzte Woche die Möglichkeit eine Fahne des Buches »Kaum zu fassen: Eine kleine Reise durch die große Welt des Glaubens« von Peter Aschoff zu lesen. Das Buch wird im September erscheinen, und weil sich darin sehr viele gute Gedanken finden, werde ich in den nächsten Tagen sicher nochmals daraus zitieren …

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Daniel Benjamin

Daniel Benjamin / Come And Walk With MeIn meinen Top 5 Artists der letzten 5 Wochen war immer ein Name vertreten: Daniel Benjamin. Neben der Tatsache, dass der Name Daniel Benjamin für gute Musik steht, trägt auch das Erscheinen seines aktuellen Albums »There’s A Deathbed For Your Monster« zur hohen Platzierung bei.

Anfang Juli erschien der Nachfolger von »There’s A Monster Under Your Deathbed« und führte das Konzept des Abgrundes fort. Neben des Konzepts wurde auch eine Neuinterpretation des Titels »My Cloud Has Lost It’s Silver Lining« auf »There’s A Deathbed For Your Monster« übernommen. Dieses Lied führt dem Hörer eindrücklich vor Ohren, wie gut die Stimmen von Daniel und Eleni einander ergänzen. Die beiden Stimmen ziehen sich charakteristisch durch das gesamte Album – ja durch das Schaffen von Daniel Benjamin. Auf ähnliche Weise zieht sich die Kreativität durch das Album. Kein Lied klingt wie das andere. Sie unterscheiden sich auf angenehme Art und lassen dennoch Raum für die gewissen Momente des Wiedererkennens. Daniel schafft es auf ausgezeichnete Art Wiederholungen mit Überraschung zu paaren. Das Album lädt zum Mitsingen ein, und überrascht dann im nächsten Moment mit einem Instrument, einer Stimmung oder einer kurzen Stille. Diese Momente des Ungewissen machen das Album spannend, es gibt viel zu entdecken, und so entsteht auch nach mehrmaligem Anhören keine Langeweile, vielmehr gewinnt das Album immer mehr an Tiefe.

Auch dieses Album enthält eine gute Prise Melancholie. Wenn der Himmel oder das Gemüt von dichten Wolken behangen ist, fühlt man sich von Daniel verstanden. Hier und da durchbricht ein Sonnenstrahl die dichte Wolkendecke, eine hoffnungsvolle Note bietet Trost an, ein Lächeln spendet Wärme. Daniel gibt der Melancholie ihren Raum, bietet zerbrechliche Momente an und streut hier und dort ein Lächeln ein. So ist das Album auch für die schönen Tage des Jahres geeignet, die so hoffe ich, demnächst die Wolkentage wieder ablösen werden.

Je nach Vorliebe kannst du das Album entweder bei einem Konzert von Daniel in deiner Nähe erwerben, es via iTunes auf deine Festplatte locken oder dir über Amazon zuschicken lassen. Ich jedenfalls empfehle es dir.

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Notiz der Woche 30

Es ist wieder Montag Abend, die Zeit für die ich mir vorgenommen habe einen Blick auf die vergangene Woche zu werfen, und ein paar Notizen daraus hier aufzuschreiben. In diesem Sinne folgen an dieser Stelle nun meine Notizen zur KW 30.

Lesezeit

Ich liebe es Bücher zu lesen. Dieser Satz hört sich in den Ohren meiner Mutter wohl immer noch etwas ungewöhnlich an. Erst vor kurzem hat sie mir erzählt, dass sie in meiner Schulzeit immer wieder anhand meiner schlechten Noten in „Deutsch“ vor der Herausforderung stand ein Buch zu finden, das ich tatsächlich lese. Über die Jahre hat sich da wohl etwas grundlegendes geändert. Vor meinem Urlaub im Mai hatte ich festgestellt, dass ich von Woche zu Woche unglücklicher werde. Ich fühlte mich als habe ich keine Zeit mehr für mich. Ich fühlte mich getrieben. Im Urlaub wollte ich mir Gedanken darüber machen, und mir wieder Zeit nehmen ein Buch zu lesen. Bereits am ersten Urlaubstag wurde klar, dass lesen mich entspannt. Einfach zu sitzen, ein interessantes Buch in Händen zu halten, und mit der Autorin oder dem Autor in einen lesenden Dialog zu treten. Wie wichtig es für mich geworden war zu lesen, war mir in meinen 10 Jahren Studium nicht aufgefallen – da hatte lesen ja auch zu meinem Tagesablauf gehört. Im Urlaub entschloss ich mich, jeden Tag wieder Lesezeit zu reservieren. Seither ist kaum ein Tag vergangen, an dem ich mir nicht diese Zeit genommen habe. Letzte Woche las ich in dieser Zeit in dem interessanten Buch »The Spirit Level: Why Equality is Better for Everyone« von Richard Wilkinson und Kate Pickett. Auch wenn mir meine Arbeit enorm viel Spass macht, so habe ich dennoch festgestellt, dass diese Zeiten der Lektüre und des Nachdenkens eine Art inneres Gleichgewicht bewirken. Eine gute Entdeckung, die den schönen Nebeneffekt hat, dass ich mit einem Mal wieder Zeit habe interessante Bücher zu lesen.

Eine alte Liebe neu entfacht

BMX

In einer dieser Reportagen über Fixies wurde damals gesagt, dass BMX nun tot sei, und dass die Hipster von heute Fixie fahren. Auch wenn ich Fixies sehr cool finde, sträubte sich etwas in mir. Die guten Erinnerungen an vergangene Tage mit meinem BMX waren noch nicht ganz verblasst. Einige Zeit später stand ein schickes Street-BMX in unserem Hinterhof und der Besitzer erlaubte mir ein paar Runden damit zu drehen, und da war sie wieder, die alte Liebe zu diesen kleinen wendigen Rädern. Dieses Aufflammen der alten Liebe verpackte ich in einem Tweet, der schließlich dazu führte, dass ich heute wieder stolzer Besitzer eines BMXes bin. Eine Freundin hatte eines in der Garage stehen, dass sie nicht mehr brauchte, und das sie mir gerne überließ. Letzte Woche habe ich nun wieder damit angefangen neue Erinnerungen zu den alten zu gesellen, die in mir schlummerten. Ich bin begeistert und genieße es wieder ein Gefühl für dieses Rad zu bekommen und den ein oder anderen Trick zu stehen. Meine Muskel sind zwar momentan noch langsamer als meine Gefühle, aber ich bin guten Mutes, dass auch sie sich wieder an diese Bewegungsabläufe gewöhnen werden. Vielleicht verkaufe ich ja bald einen Fahrradanhänger, meine Kids sind auch auf den Pegs ganz zufrieden …

Alles bleibt anders

Seit letztem September waren meine Aufgaben klar verteilt. Die Frau des Herzens ging ihrer Arbeit als Schulsozialarbeiterin nach, ich betätigte mich als Theologe und Netzgestalter, Kindererziehung und Hausarbeit wurden aufgeteilt. Am letzten Donnerstag kam nun der vorerst letzte Arbeitstag der Frau. Sie wird wieder etwas mehr hier sein, ein paar Wochen Urlaub, und dann beginnt die so genannte Elternzeit. Im Oktober wird unser drittes Kind das Licht der Welt erblicken. Neben aller Freude über einen sich entwickelnden Erdenbürger, und der damit verbundenen Spannung, begann mit ihrem letzten Arbeitstag erneut das „Aushandeln unserer Rollen“ über die Manuel Castells folgendes schreibt:

»Für die meisten Männer besteht jedoch die akzeptabelste, stabilste und langfristigste Lösung darin,den heterosexuellen Familienvertrag neu auszuhandeln.

Dazu gehört Teilung der Hausarbeit, wirtschaftliche Partnerschaft, sexuelle Partnerschaft und vor allem die volle Teilung der Elternschaft.

Zu diesem Thema habe ich einst einen längeren Artikel geschrieben, den ich für dieses Zitat mittels der Suchfunktion dieses Blogs wieder ausgegraben habe, er findet sich hier. In diesem Sinne bleibt alles anders, der Wandel ist eine schöne Konstante.

Hiermit endet diese Notiz der Woche, mal sehen was in dieser Woche meine Aufmerksamkeit erregt.

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ich verurteile niemanden

Eine Aussage von Jesus, die wir zu gerne vergessen. Im Evangelium nach Johannes wird im achten Kapitel erzählt, dass einige Gesetzeslehrer Jesus eine Falle stellen wollen, sie konfrontieren ihn mit einer Frau, die sie beim Ehebruch erwischt haben – wie auch immer sie das angestellt haben. Sie wollen wissen wie er reagiert, wird er dem Gesetz gemäß handeln? Wenn er etwas mit Gott zu tun hat, dann wüsste er genau, was hier zu tun ist. Steine und eine Menschenmenge haben sie schon mal organisiert.

Jesus sagt nichts, er bückt sich und schreibt etwas auf den Boden. Sie nerven ihn weiter, worauf Jesus aufsteht und sagt: »Ok, ich weiß worauf ihr raus wollt. Derjenige von euch, der noch nie eine Sünde begangen hat, der soll anfangen und den ersten Stein auf die Frau werfen.« Dann bückt er sich wieder und schreibt auf den Boden. Daraufhin ziehen sich nach und nach alle zurück. Jesus bleibt allein mit der Frau zurück. Er wendet sich ihr zu und fragt sie, ob denn keiner mehr da sei, der sie verurteilen möchte. Alle hatten sich zurück gezogen. »Ich verurteile dich auch nicht, du bist frei, sündige nicht mehr.«

Auf diesen Abschnitt folgt die Aussage, die ich im Titel zitiere, und die sich im Wochenspruch für diese Woche Monatsspruch für August* findet:

»Ihr urteilt und verurteilt nach euren Maßstäben,
ich verurteile niemanden.«

»Sollte ich jedoch einmal ein Urteil fällen, dann wäre es ein wahres Urteil«, fährt er fort. »Ich leite es nicht aus der Begrenztheit meiner Erfahrungen ab, sondern aus der allwissenden Liebe und Größe dessen, der mich gesandt hat.«

Es ist genau dieses liebende Licht, eine offene liebevolle Hinwendung Gottes zu den Menschen, von denen Jesus hier spricht. Kein beissend helles Neonlicht, in dem die Fratzen unserer Abgründe noch viel schrecklicher aussehen. Ein warmes liebevolles Licht, das deutlich macht, dass wir geliebt sind, auch und gerade wegen dem wer wir sind und was wir tun. Diese liebevolle offene Hinwendung zu unseren Mitmenschen ist es, zu der wir von Gott eingeladen sind.

Unsere Urteile, das bestehen auf harten Fakten und klaren Richtlinien, erscheint in diesem Zusammenhang nicht als die richtige Auslegung der Schrift. Sie zerstören Beziehungen. Sie grenzen aus. Sie machen das Leben schwer. Ich wünsche mir ein Christentum, dass ohne Hintergedanken liebt und auf diese Weise hoffnungsvoll und wertschätzend ist.

* vielen Dank für den Hinweis auf diesen Fehler an meinen Dad!

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Relative Armut

Gestern Abend saß ich hier und sah mir den Film »Lets Make Money« an. Erwin Wagenhofer führt uns in diesem Film vor Augen wie das Geld in unserer Welt verteilt ist, und welch perverse Formen der Kapitalismus annehmen kann. Kontraste wie die Plakatwand der Deutschen Bank in deren Schatten kleine Hütten stehen. Hier leben Menschen in Armut, und haben jeden Tag das Lächeln der Models vor Augen.

Dürre Erde, durchzogen von Gräben, ausgemergelt vom Baumwollanbau. Land und Bevölkerung ausgetrocknet von unserem Hunger nach neuer Kleidung. Natürlich verdienen sie damit nicht so viel Geld, dass sie leben könnten. Der Westen hält die Preise niedrig, die Menschen in Abhängigkeit. Würden angemessene Preise bezahlt, könnte die Region ohne Förderungen auskommen, sie könnten vom Ertrag ihrer Arbeit leben, sie hätten mehr Geld zur Verfügung wie Preise und Entwicklungshilfe zusammengerechnet. Die Reichen halten die Armen klein und abhängig, so dass sie auch weiterhin Zugriff auf billige Arbeitskräfte und Rohstoffe haben.

Es wird von Einwanderung nach Europa gesprochen. Ein Vertreter der Baumwolllieferanten spricht davon, dass für viele nur die Auswanderung nach Europa Zukunftsperspektive gibt. In einer Hotellobby sitzend spricht ein reicher Schweizer darüber, dass alle liberalen Wirtschaftsgelehrten von offenen Grenzen für Waren und Geldern überzeugt sind, dass dies jedoch nicht für Menschen gilt. Diese hätten gefälligst ein Eintrittsgeld zu bezahlen. Sie hätten nichts zum Wohlstand beigetragen – meint er das ernst? – und müssten daher ihren Anteil durch einen gewissen Betrag begleichen. Dass er einen Golfclub als Vergleich heranzieht spricht Bände.

Parallel zur Beschäftigung mit diesem Film lese ich »The Spirit Level« von Richard Wilkinson und Kate Pickett. Die beiden zeigen in ihrem Buch auf, dass es für alle Beteiligten besser ist, wenn es innerhalb von Gesellschaften nicht zu große soziale Unterschiede gibt. Ein wichtiger Gedanken des Buches bezieht sich auf relative Armut. Die soziale Stellung wird oft gerade im Vergleich mit anderen deutlich, dann, wenn ein Vergleich möglich ist. Wie fühlen sich die Menschen, die unter einem Plakat der deutschen Bank in ärmlichen Verhältnissen leben? Wie geht es Menschen, die von der Baumwollindustrie des Westens ausgebeutet werden? Was empfindet ein Einwanderer, wenn er mit Forderungen des Wirtschaftsredakteurs konfrontiert wird?

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Notiz der Woche 29

Mit dieser Notiz zur KW 29 möchte ich mich in die Reihe derer eingliedern, die eine solche wöchentliche Notiz schreiben. Diese sind besser als »Weeknotes« bekannt.

Kurzlich habe ich, ausgehend von dem Artikel »On the Structure of time« von Russel M Davies auf wired.co.uk, folgendes dazu geschrieben:

Unter dem Titel »Weeknotes« begann zunächst eine Agentur über das zu schreiben, was sich bei ihnen in der laufenden Woche ereignete. Sie berichteten von Erfolgserlebnissen, Niederlagen und all dem was dazwischen liegt. Dieses Format des Blogeintrags fand auch bei anderen Anklang. Sie taten es der Agentur gleich und entwickelten daraus eine Gewohnheit. Aus meinem näheren Umfeld schreibt bspw. Johannes Kleske solche Weeknotes.

Es geht nicht darum tiefe Einsichten, komplexe Zusammenhänge oder Kommentare zu den aktuellen Entwicklungen zu schreiben. Die Erlebnisse der laufenden Woche werden geteilt. Dies geschieht nicht fragmentiert wie auf Twitter oder Facebook, sondern gebündelt in einem (kurzen) Blogeintrag. Auf diese Weise geben die Schreibenden Anteil an ihrem Alltag und inspirieren einander zu einem gelingenden Leben.

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Seit einiger Zeit denke ich nun darüber nach, selbst solche Notizen in dieses Blog zu tippen. Nachdem ich das schreiben der Notiz in der letzten Woche von einem Tag auf den anderen verschob, entschied ich mich am Mittwoch dafür bis heute zu warten.

Die erste Hälfte der Woche war geprägt von zwei netzgestalterischen Projekten. Bei dem einen Projekt befinde ich mich gerade in der Mitte des Prozesses. Manches ist schon an Ort und Stelle, während anderes noch Raum für Kreativität lässt. Eine schöne Phase, in der unterschiedliche Lösungsansätze bedacht, und noch an der einen oder anderen Stelle experimentiert wird, vor allem dann, wenn der Kunde einiges an Gestaltungsfreiheit einräumt. Das andere Projekt befand sich in der Abschlussphase, deren Höhen und besonderer Kick in dem bevorstehenden erfolgreichen Abschluss liegt, die besondere Herausforderung jedoch immer wieder in den unterschiedlichen Browsern lauert. Dieses Projekt fand schließlich seinen Abschluss, und wird nun von einem zufriedenen Kunden weitergepflegt.

An zwei Tagen hatte ich etwas mehr Zeit mit meinen Kindern. Der normalerweise übliche Schichtwechsel blieb aus, und wir konnten etwas mehr gemeinsam unternehmen. Aus einer dieser Zeiten stammt der Blogeintrag zu meinem Helden. Dem Nachbarn, der sich über den Hinterhof hinweg mit den Kindern unterhielt, und der nun dafür gesorgt hat, dass der vermisste Ball wieder zu uns zurück kam. Am Freitag hatte ich seit längerem mal wieder ein 3 Monate altes Baby auf meinem Arm. Nach einer solchen Erfahrung erscheinen der Boi und das Mädchen auf einmal wieder so groß.

In der Mitte der Woche nahmen auch die Tätigkeiten zu, die im weiteren Feld meiner theologischen Betätigung angesiedelt sind. Einige weitere Vorbereitungen für das Emergent Forum 2010 standen an. Neben dieser deutschlandweiten Vernetzung arbeiteten wir auch hier im lokalen Rahmen an unserer Umstrukturierung weiter, neben guten Gedanken galt es auch im BGB zu lesen. Schließlich beschäftigte ich mich wieder mit Žižek und bereitete mich auf die Begleitung von Studentinnen und Studenten vor.

120/365

Am Samstag endete wieder einmal ein Studienjahr. Im Rückblick finde ich es besonders spannend zu erkennen, wie unterschiedlich die Studentinnen und Studenten jedes Jahrgangs sind. In diesem Jahr durfte ich bspw. zum ersten Mal eine engagierte Arbeit, bereits vor dem Erreichen des Abgabetermins, korrigieren. Studierende und Dozenten lernen sich in einem solchen Jahr immer etwas besser kennen. Tasse 120 wurde schließlich, im Gespräch mit den Studierenden über das Projekt, im Seminarraum aufgenommen. Nun bleibt der Sommer, für die Studierenden beginnt danach eine neue Phase des Studiums, und wir stellen uns auf die neuen Studentinnen und Studenten ein. Ein solches Jahr endet natürlich auch mit Feedback, netterweise wurde ich in diesem Jahr als „Praktiker“ bezeichnet, was mir nicht sehr oft passiert.

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emergente Kirche

Seit einer Weile konzipiere ich einen Artikel zu emergenter Kirche in Deutschland. Grundsätzlich geht es mir dabei um die Entwicklungen von Kirche im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich und Schweiz). Da ich mich bei dieser Thematik nicht nur auf meine eigene Perspektive verlassen möchte, sondern möglichst viele Perspektiven aus dem Leben von Aktivistinnen und Aktivisten aufnehmen möchte, habe ich dazu heute einen Fragebogen verschickt. Falls du gerne einen solchen Fragebogen hättest, oder jemanden kennst, der einen solchen Fragebogen bekommen sollte, freue ich mich über eine Mail von dir.

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Held des Tages

Eben turnten die Kinder am Fenster zum Hinterhof. Das fröhliche Treiben der Kinder scheint den Bewohner des Penthouses gegenüber aufmerksam gemacht zu haben. Er nimmt Kontakt mit den Kindern auf indem er ihnen winkt. Der Boi erwidert die Begrüßung und ruft dem Mann zu.

Und wie es so ist, überwindet das Kind eine unausgesprochene Grenze. Er erklärt dem Mann, quer über den Hinterhof hinweg, dass sein Ball in dessen Garten geflogen ist, und bittet ihn danach zu suchen. Der Mann verspricht danach zu suchen, und verschwindet in seiner Wohnung.

Kurze Zeit später bemerke ich den Mann unten im Garten. Er hatte sein Versprechen direkt in die Tat umgesetzt und nahm die vier Stockwerke auf sich um nach dem Ball des Nachbarjungen zu suchen!

Wiederum einige Momente später erscheint er erneut auf seiner Dachterrasse, er nimmt wieder Kontakt mit den Kindern auf – leider habe er den Ball nicht gefunden, er werde jedoch bei der nächsten Gelegenheit den Hausmeister danach fragen …

Die Kinder und ich sind beeindruckt. Unser Nachbar ist der Held dieses Tages!

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Das echte Leben

Kürzlich stolperte ich über ein Musikvideo mit dem Titel »Scheiß auf Facebook« von Cris Cosmo. Ich sah mir das Video bis zum Ende an, auch wenn ich zwischendurch aus unterschiedlichen Gründen sehr gerne ausgeschalten hätte. Und interessanterweise begleitet mich der Grundgedanke des Liedes seither. Cris Cosmo legt, so interpretiere ich es, seinem Lied den Gedanken zu Grunde, dass Begegnungen zwischen Menschen im so genannten echten Leben viel besser sind, als Kontakte via Internet oder Handy. In diesem Sinne hört sich der Refrain ungefähr so an:

Scheiß auf MySpace,
scheiß auf Facebook,
auf Outlook
und all den ander’n Kram.
Lass uns ausgeh’n,
lass uns feiern.
Wir treffen Menschen,
und wir fassen uns an.

Menschen beim Ausgehen zu treffen wird demnach viel höher gewertet, als mit anderen über Handy oder Internet Kontakt zu haben. Diese Überbewertung des so genannten echten Lebens ist jedoch schlicht rückwärtsgewandt, und eine Idealisierung. Zizek würde hier wohl von einer Fetischisierung sprechen.

Natürlich ist mir bewusst, dass es möglich ist seine Zeit im Internet zu verschwenden. Es ist möglich vor dem Rechner, oder mit dem iPhone in der Hand zu vereinsamen. Aber, Hand aufs Herz, all das ist auch möglich wenn wir ausgehen, feiern und uns anfassen.

Bereits mit dem Gedanken im Kopf diesen Eintrag zu schreiben, folgte ich eben einem Link und las dort einen Artikel von Alexandra Samuel über 10 Gründen, die uns dabei helfen können, uns nicht für unser Onlineleben entschuldigen zu müssen. Ein Gedanke, der mir an diesem Artikel besonders gefällt könnte sich eingedeutscht etwa so lesen:

»Wenn wir die „offline Welt“ immer noch als das echte Leben bezeichnen, ist das entweder ein Zeichen für verbissenes Verleugnen dessen – oder einer unangemessenen Scham darüber – wie das Leben im 21. Jahrhundert aussieht.«

Der Alltag, zumindest von (jungen) Städtern in der westlichen Welt, zu denen ich mich und einen Großteil der Leserinnen und Leser dieses Blogs zähle, ist so sehr mit dem Internet verwoben, dass eine Trennung zwischen online und offline an den Haaren herbeigezogen wirkt. Wird diese Trennung dann noch mit einer Wertung belegt, erscheint mir die Idealisierung des offline Lebens vollkommen.

Gelebte Beziehung ist sowohl online als auch offline möglich. Online und offline sehe ich in diesem Zusammenhang mehr als das Medium, die Umgebung an, in der die Beziehung gelebt wird. Es findet Begegnung statt. Es besteht die Möglichkeit für tiefen Austausch. Sowohl on- als auch offline. Das eine gegen das andere auszuspielen, halte ich schlichtweg für falsch. Es ist vielmehr notwendig unser Leben sowohl off- als auch online bewusst zu leben, zu gestalten.

Ich schließe mich hier Alexandra Samuel an, und plädiere dafür, dass wir unser Leben, on- und offline als Einheit betrachten. Die beiden Bereichen nicht künstlich voneinander trennen, und damit so tun, als gelten hier andere Regeln als dort. Es ist wichtig, dass wir uns hier wie dort unseren Werten gemäß verhalten und uns dementsprechend bewegen.

Offline als das echte Leben zu bezeichnen, ist eine Lüge, von der wir uns verabschieden sollten. Damit machen wir den Weg frei, unser echtes Leben als Einheit zu verstehen, und es sowohl on- als auch offline wertvoll zu gestalten.

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Abschließend empfehle ich noch die Lektüre der 10 Gründe von Alexandra Samuel (Danke an Johannes für den Tipp.)

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Buchempfehlung

81/365 In seinem aktuellen Buch »Other – Loving Self, God and Neighbour in a World of Fractures« legt Kester Brewin ein einzigartiges Werk vor, in dem er der so genannten goldenen Regel aus den Evangelien nachgeht. Brewin bewegt sich geschickt zwischen biblischen Aussagen, theologischen und philosophischen Erkenntnissen und Fragestellungen des heutigen Lebens in einer vernetzten Welt. Dabei verbindet er sehr gut unterschiedliche Aspekte und inspiriert zu einem Leben in Harmonie mit sich selbst, Gott und Menschen.

Das Buch ist in vier Teile gegliedert. Brewin stellt in den ersten drei Teilen einige sehr interessante Fragen zur Selbstannahme, zur Liebe zu Gott und zur Annahme der Mitmenschen. In allen drei Bereichen thematisiert er bewusst die Andersartigkeit. Zunächst die Andersartigkeit des eigenen Selbst, dann die fremden Aspekte von Gott und schließlich die Aspekte unserer Mitmenschen, die uns dazu bringen, sie nicht zu lieben. Grundlegend für seine Ausführungen ist die Frage nach der Beschaffenheit des Menschen, so dass er in der Lage ist, in Harmonie mit seinen Mitmenschen zu leben. Im vierten Teil des Buches schreibt Brewin über einige Ansätze, wie er und Menschen in seinem Umfeld, versuchen die angeführten Gedanken zu leben.

Für alle, die auf der Suche nach Inspiration für ein Leben in Harmonie mit Menschen und Gott sind, ist dieses Buch eine reiche Quelle. Wie oben angesprochen verbindet Brewin biblische Aussagen, theologische und philosophische Erkenntnisse sehr gut mit Fragestellungen des alltäglichen Lebens. Auf diese Weise regt es zur tieferen Reflexion an, die jedoch nicht im Abstrakten stehen bleibt, sondern zu vielfältigen Fragen des alltäglichen Lebens führt. Im Verlauf des Buches finden sich einige Gedichte, die auf ihre Weise zur Reflexion der angesprochenen Gedanken einladen. Der durchdachte Aufbau des Buches, sowie die klare und verständliche Sprache tragen ihr übriges dazu bei, dass es sich bei diesem Buch um ein wertvolles inspirierendes Werk handelt.

Meine Buchempfehlung für diesen Sommer!

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