Archiv für die Kategorie 'emerging Church'

schon angemeldet?

Dienstag, 17. August 2010

Emergent Forum 2010 - Postkarte

Seit heute ist es möglich sich fürs diesjährige Emergent Forum anzumelden. Dieses Jahr findet das Forum vom 19. bis 21. November im Weigle Haus in Essen statt. Um dich anzumelden brauchst du wahrscheinlich deinen Kalender, ein paar Infos und ein Anmeldeformular. Zwei dieser Utensilien findest du hier …

emergente Kirche

Montag, 26. Juli 2010

Seit einer Weile konzipiere ich einen Artikel zu emergenter Kirche in Deutschland. Grundsätzlich geht es mir dabei um die Entwicklungen von Kirche im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich und Schweiz). Da ich mich bei dieser Thematik nicht nur auf meine eigene Perspektive verlassen möchte, sondern möglichst viele Perspektiven aus dem Leben von Aktivistinnen und Aktivisten aufnehmen möchte, habe ich dazu heute einen Fragebogen verschickt. Falls du gerne einen solchen Fragebogen hättest, oder jemanden kennst, der einen solchen Fragebogen bekommen sollte, freue ich mich über eine Mail von dir.

Buchempfehlung

Dienstag, 06. Juli 2010

81/365 In seinem aktuellen Buch »Other – Loving Self, God and Neighbour in a World of Fractures« legt Kester Brewin ein einzigartiges Werk vor, in dem er der so genannten goldenen Regel aus den Evangelien nachgeht. Brewin bewegt sich geschickt zwischen biblischen Aussagen, theologischen und philosophischen Erkenntnissen und Fragestellungen des heutigen Lebens in einer vernetzten Welt. Dabei verbindet er sehr gut unterschiedliche Aspekte und inspiriert zu einem Leben in Harmonie mit sich selbst, Gott und Menschen.

Das Buch ist in vier Teile gegliedert. Brewin stellt in den ersten drei Teilen einige sehr interessante Fragen zur Selbstannahme, zur Liebe zu Gott und zur Annahme der Mitmenschen. In allen drei Bereichen thematisiert er bewusst die Andersartigkeit. Zunächst die Andersartigkeit des eigenen Selbst, dann die fremden Aspekte von Gott und schließlich die Aspekte unserer Mitmenschen, die uns dazu bringen, sie nicht zu lieben. Grundlegend für seine Ausführungen ist die Frage nach der Beschaffenheit des Menschen, so dass er in der Lage ist, in Harmonie mit seinen Mitmenschen zu leben. Im vierten Teil des Buches schreibt Brewin über einige Ansätze, wie er und Menschen in seinem Umfeld, versuchen die angeführten Gedanken zu leben.

Für alle, die auf der Suche nach Inspiration für ein Leben in Harmonie mit Menschen und Gott sind, ist dieses Buch eine reiche Quelle. Wie oben angesprochen verbindet Brewin biblische Aussagen, theologische und philosophische Erkenntnisse sehr gut mit Fragestellungen des alltäglichen Lebens. Auf diese Weise regt es zur tieferen Reflexion an, die jedoch nicht im Abstrakten stehen bleibt, sondern zu vielfältigen Fragen des alltäglichen Lebens führt. Im Verlauf des Buches finden sich einige Gedichte, die auf ihre Weise zur Reflexion der angesprochenen Gedanken einladen. Der durchdachte Aufbau des Buches, sowie die klare und verständliche Sprache tragen ihr übriges dazu bei, dass es sich bei diesem Buch um ein wertvolles inspirierendes Werk handelt.

Meine Buchempfehlung für diesen Sommer!

lieben lernen

Mittwoch, 30. Juni 2010

Ausgehend von dem Abschnitt »Face to face with the other« in Kester Brewins Buch »Other«, gehe ich einigen Gedanken zur Frage nach, was es bedeuten könnte lieben zu lernen.

Gegen Ende des dritten Teils seines Buches greift Kester Brewin nochmals einen Gedanken von Miroslav Volf auf, den er bereits weiter vorne erwähnt hatte. In der Einleitung zu „Exclusion and Embrace“ schreibt Volf darüber, dass Theologen sich weniger um gesellschaftliche Strukturen kümmern, auch wenn diese wichtig sind, sondern sich vielmehr auf die Handelnden in der Gesellschaft konzentrieren sollten. Er stellt sich die Frage welche Art von Personen wir sein müssten um in Harmonie mit anderen leben zu können, und setzt hier auch den Schwerpunkt in der Beschäftigung für Theologen:

»theologians should concentrate less on social arrangements and more on fostering the kind of social agents capable of envisioning and creating just, and peaceful societies, and on shaping a cultural climate in which such agents will thrive.«

Miroslav Volf, Exclusion and Embrace, Seite 21.

In diesem Sinne fragt Kester danach, wie dieser Aufgabe begegnet werden könnte. Nach Volf sei davon auszugehen, dass keine Strukturen oder Programme, für sich allein, dazu führen werden, dass Menschen in Wahrheit und Gerechtigkeit wachsen, sondern dass es Handelnde braucht, die die Veränderung (vor)leben. Dies kann nicht von oben nach unten als Plan vorgegeben werden, wir müssen vielmehr erlauben, dass unser Leben von Liebe gekennzeichnet ist. Und hier greift er auf den Gedanken Levinas’ zurück, dass in der Begegnung mit dem Anderen eine Verantwortung in uns wachgerufen wird. Er zitiert Levinas nach Ryszard Kapuściński:

»The Other has a face, and it is a sacred book in which good is recorded.«

Zitiert nach Kester Brewin, Other, Seite 167.

Der Andere, dem ich begegne, zeigt mir sein Gesicht, ich darf mich ihm zuwenden. In seinem Gesicht zeigt mir der andere auch mich, und bringt mich darüber hinaus auch noch näher zu Gott (Vgl. dazu auch Levinas, Wenn Gott ins Denken einfällt, Seiten 40ff.). Den Anderen zu lieben, sich auf ihn einzulassen, ihm zu begegnen, ist ganz eng damit verbunden, ihn direkt – von Angesicht zu Angesicht – zu treffen.

Diese Begenung von Angesicht zu Angesicht wird im Anschluss an Levinas ab und an etwas verklärt. Kester weist darauf hin, dass der andere zwar ein Gesicht hat, und dass dieses Gesicht ein heiliges Buch ist in dem Gutes aufgeschrieben wurde, dass es sich dabei jedoch nicht um eine leichte Lektüre handelt, und dass sich das Gute oft nicht von selbst erschließt.

Er führt als einen Levinas-Kritiker Slavoj Žižek an, dieser kreidet Levinas an, dass er eine zu vereinfachte Sicht des Anderen habe. Levinas betrachtet den anderen optimistisch, das Gute, dass er im Anderen wahrnimmt, ist der Grund dafür ihn zu lieben. Žižek geht die Sache pessimistischer an, und versteht, wie Lacan, die Tatsache, dass der Andere nicht perfekt ist, als Grundlage der Liebe für ihn. In einem Ausschnitt des Films »Examined Life« sagt Žižek folgendes:

»Was ist Liebe. Liebe ist nicht Idealisierung. Jeder wahrhaft Liebende weiß das, wenn du wirklich eine Frau oder einen Mann liebst, idealisierst du sie oder ihn nicht. Liebe bedeutet, dass du eine Person akzeptierst, mit all ihren Fehlern, Dummheiten und hässlichen Aspekten, und dennoch ist diese Person für dich absolut, alles was dein Leben lebenswert macht. Du bist dazu in der Lage Perfektion in Unvollkommenheit zu entdecken – und das ist es, wie wir lernen sollten die Welt zu lieben.«

Die Unvollkommenheit des Anderen wahrzunehmen, führt uns tiefer in das Rätsel des Anderen hinein. Diese Begegnung weist nach Žižek auch wieder auf uns zurück. Indem wir uns auf den Anderen einlassen, nehmen wir auch wahr, wie der Andere uns sieht. Wir lernen in der Begegnung mit dem Anderen auch einiges darüber wer wir sind, wie wir auf den Anderen wirken, wie er uns wahrnimmt, was er in uns sieht. Es ist daher wichtig, dass wir uns dem Anderen auf ein solch intensive Weise zuwenden, dass wir durch ihn auch uns besser sehen lernen.

Sicher könnte man nun herrlich die unterschiedlichen Ansätze von Žižek und Levinas gegeneinander stellen, und Žižek hätte sicher seinen Spass an einer solchen Polarisierung. Kester, und das gefällt mir besonders an dem Buch, weist darauf hin, dass sich die Wahrheit über Liebe wohl irgendwo zwischen den beiden Ansätzen befinden muss. Er skizziert einige Unterschiede, und weist dann auf die komplementären Aspekte hin:

»Wir beginnen damit, Levinas zuzustimmen, dass der andere ein Gesicht hat, und dass es sich dabei um ein heiliges Buch handelt, in dem Gutes aufgeschrieben wurde … Wir bejahen jedoch auch, dass in diesem heiligen Buch nicht nur Dinge aufgeschrieben sind, die den Anderen betreffen, sondern auch etwas über uns zu finden ist. In diesem festen Blick zwischen uns und dem Anderen, lernen wir den anderen und uns in einem neuen Licht zu sehen, und hoffen ihm geht es genauso. Dazu benötigen wir jedoch genug Zeit für solch tiefe Begegnungen, die nicht durch Bildschirme oder anderes unterbrochen werden.«

Frei übersetzt nach Kester Brewin, Other, Seite 170.

In gewissem Sinne handelt es sich also bei der Begegnung der zu Beginn formulierten Aufgabe, liebevoll handelnden Menschen zu werden, um einen Zirkelschluss. Wir wenden uns liebevoll unserem Gegenüber zu, und lernen dabei zu lieben. Kester schließt diesen Abschnitt mit einem Hinweis zur Kontemplation einer Dreieinigkeit von Gesichtern ab:

Ich habe ein Gesicht. In mir sind Teile, die möchte ich gerne gesichtslos und anonym halten – ohne Namen. Wenn ich jedoch das Gute in mir entdecken möchte, dann sollte ich mich nicht verleugnen, sondern mir erlauben auf mich selbst zu sehen – wahrzunehmen, wie ‚der Andere‘ in mir mich selbst sieht. Allzu oft möchte ich mein öffentliches Profil kontrollieren – was andere von mir sehen können – dabei möchte ich das unterdrücken und verleugnen, was ich hässlich, peinlich oder schwierig finde. Wenn wir jedoch, dem gebrochene Licht der Lichtung erlauben uns zu wärmen, dann kann aus dem Kompost dieser schmutzigen Flecken etwas erwachsen in dem Reichtümer und Wachstum gefunden werden kann.

Gott hat ein Gesicht. Es gibt Bilder und Beschreibungen, die ich vorziehe, und göttliche Komplexität die ich lieber ignorieren würde. Wenn ich mich jedoch nicht aufmache nach diesen unterschiedlichen Facetten Gottes zu suchen, meine Nischen verlasse und meinem Liebhaber nachjage, dann wird mein Glaube im Mief meines Zimmers austrocknen und verhärten. Es tut gut mir vorzustellen, dass eine wohlwollende, mir zugewandte Gottheit auf mich achtet, ich muss jedoch auch darüber meditieren, was es bedeutet von einem fremden und fernen Gott beobachtet zu werden.

Der Andere hat ein Gesicht Und wir sind angehalten so tief in das Gesicht des Anderen zu blicken, dass wir das wahrzunehmen beginnen, was der Andere von uns sieht, und wir müssen lernen miteinander auszukommen. Es gibt keine individuelle Erlösung: Ich kann mir meine eigene Erlösung nicht aus mir selbst erarbeiten, genausowenig kann ich meine Sicht von Gott alleine in meinem gemütlichen Zuhause theoretisieren. Wenn ich Liebe erfahren und kennenlernen möchte, dann brauche ich den heiligen Text des Anderen.

Frei übersetzt nach Kester Brewin, Other, Seiten 171f.

Emergent Forum 2010

Montag, 28. Juni 2010

Komm mit auf die Suche nach einem dritten Weg!

Emergent Forum 2010 - Postkarte

Vom 19. bis 21. November 2010 wird das diesjährige Emergent Forum stattfinden. Das Emergent Forum will, jenseits von Denkverboten und Fraktionszwängen, kreative und mutmachende Gespräche über Auftrag und Gestalt der Kirche für morgen ermöglichen.

In einer dialogischen Atmosphäre wollen wir uns an diesem Wochenende gemeinsam auf der Suche nach einem dritten Weg unterstützen. Wir sind auf der Suche danach Kirche und Nachfolge in unserer Zeit und Gesellschaft zu leben. Der dritte Weg über den wir hier reden, ist ein Weg zwischen Extremen. In der Synergie unterschiedlicher Positionen sehen wir eine gute Möglichkeit einen Weg zu finden, der nicht ausschließt, sondern einlädt, einen Weg auf dem wir weitergehen können, der nicht ein für alle mal entdeckt wird, sondern sich immer wieder neu erschließt und weiter entwickelt.

Inspirationen aus der gelebten Praxis warten auf dich, und du bist eingeladen deine Gedanken und Erfahrungen mit einzubringen.

Nähere Informationen zum Ablauf des Forums und die Möglichkeit dich anzumelden findest du demnächst hier.

_

Ich freue mich schon sehr auf das Forum. Dieses Mal an einem anderen Ort, eine Woche früher, aber dennoch ein Wochenende voller Begegnungen und Inspiration:

Komm mit auf die Suche nach einem dritten Weg!
Emergent Forum / 19. bis 21. November 2010 / Essen – Weigle Haus

Balanceakt

Dienstag, 22. Juni 2010

Momentan lese ich das hervorragende Buch »Other – Loving Self, God and Neighbour in a World of Fractures« von Kester Brewin. Ich werde natürlich nicht systematisch durch das Buch bloggen, oder saubere Zusammenfassungen schreiben – das können andere besser als ich – sondern wie gewohnt ab und an einen Aspekt herausgreifen, der mich zum nachdenken anregt.

Heute habe ich den zweiten Teil des Buches fertig gelesen, er steht unter dem Titel »Loving the other within God«. Und während Kester davon spricht, dass Gott sich sowohl zu uns Menschen hinwendet, als auch sich von uns distanziert, verdeutlicht er dies an Jesu Menschwerdung. Ein Leben in der Nachfolge charakterisiert er darauf hin, als einen dreifachen Balanceakt. Zunächst geht es um die Annahme von Gottes Freiheit und Hingabe. Von Gott kann weder in totaler Hingabe an uns Menschen, und damit einer Unmittelbarkeit gesprochen werden. Es kann jedoch auch nicht nur die fremde, unbekannte Seite Gottes betont werden. Die beiden anderen Aspekte haben mit persönlichem verbunden – bzw. getrennt Sein zu tun. Auf der einen Seite existieren diese Dimensionen hinsichtlich der Beziehung zu Gott, als auch in den Beziehungen unter Menschen. Brewin geht davon aus, dass dieser dreifache Balanceakt nur in Gemeinschaft gelebt werden kann:

As we think about how we might love the other within God we need to look for this hallmark: those who claim to love God will have a robust idea of God’s freedom, of God’s otherness and strangeness, combined with a keen sense of God’s binding too.

[...]

In the end, I know that this balancing act can only happen in community. My two eyes cannot discern the three dimensions of a life lived in proper perspective. I need others and others need me if I am, if we are together, to work out how this creative rhythm of separation and binding is to keep time. Similarly we know that if we are to love God and love our neighbours as we love ourselves, we must walk with our neighbour to discuss how we might better love our God and ourselves, and pray to God that we might more quickly become the kinds of selves who truly love the others, the strangers, who walk with us and around us.

Kester Brewin, Other: Loving Self, God and Neighbour in a World of Fractures, 108.

Meiner Ansicht nach handelt es sich hier um einen wichtigen Gedanken dazu, weshalb es sinnvoll ist, dass wir als Menschen nicht nur alleine für uns nachfolgen, sondern in einer Gemeinschaft von Menschen unterwegs sind, die einander dabei unterstützen in Harmonie mit Gott, Menschen und der Schöpfung zu leben.

Persönliche Erzählungen

Donnerstag, 17. Juni 2010

In diesem Eintrag möchte ich einigen Gedanken zu gelingendem Leben nachgehen. Dazu wähle ich eine Perspektive, die persönlichen Erzählungen und das Phänomen „social Media“ miteinander verbindet.

Das Ende der Großen Erzählungen

Nach François Lyotard ist die Postmoderne durch das Ende der Großen Erzählungen gekennzeichnet. Jeder Theorie, die für sich beansprucht die Welt als Ganze zu erklären, wird mit einer gewissen Ablehnung begegnet. Die gesellschaftlichen Entwicklungen trugen dazu bei, dass die großen Erzählungen, egal ob sie aus Religion oder Wissenschaft stammen, nicht mehr als allgemeingültig angesehen werden. In dieser Zeit der angezweifelten großen Erzählungen leben wir.

Social Media und die persönlichen Erzählungen

Und es ist auch diese Zeit, in der eine Entwicklung die breite Masse der Bevölkerung erreichte. Mit den Möglichkeiten eigene Seiten im Internet zu veröffentlichen, entstanden immer mehr Seiten von Privatpersonen, die ihre Erlebnisse – ihr Leben – mit anderen teilten. Diese Entwicklung wurde durch das Aufkommen von Blogs unterstützt. Blogs machten das Erstellen einer persönlichen Webseite jeder und jedem möglich, und vereinfachten zusätzlich noch das zeitnahe Veröffentlichen von Texten, Fotos und Filmen. Und nicht zuletzt Netzwerke wie Facebook oder Twitter tragen dazu bei, dass heute jeder anderen Anteil an seinem Leben gibt.

In seinem Buch »Other« schreibt Kester Brewin davon, dass mit dem Verschwinden der großen Erzählungen, nicht die Erzählung als Solche verschwand. Vielmehr nahmen immer mehr kleine Erzählungen den Raum ein, den vormals die großen Erzählungen inne hatten. Diese Erzählungen werden heute verstärkt über die unterschiedlichen Kanäle des Internets geteilt. Das Monopol der großen Erzählungen auf die Sinnstiftung des Lebens wurde abgelöst durch die vielen kleinen, persönlichen Erzählungen.

Zygmunt Bauman bezeichnet unsere Zeit als flüchtige Moderne (liquid Modernity) und beschreibt die Identität der in dieser Zeit lebenden Personen als eine flüchtige Identität. Diese flüchtige Identität verändert sich ständig. Das tut jedoch niemand für sich alleine (siehe dazu auch den Eintrag »Gemeinsam den Tod des autonomen Selbst feiern«). Wir befinden uns alle in unterschiedlichen Bereichen in sozialen Netzwerken. Diese Netzwerke finden sich sowohl im lokalen Alltag, dem Zusammenleben von Angesicht zu Angesicht, wie auch in der Vernetzung im Internet wieder.

Wir haben nicht aufgehört unsere Sinnstiftung mit Erzählungen abzugleichen. Wir erzählen uns ständig aus unserem Leben, machen unsere eigene Geschichte im Netz sichtbar (siehe dazu auch den Eintrag »Die eigene Geschichte im Netz«). Wir teilen unsere Erlebnisse über Facebook und Twitter, schreiben Einträge in unsere Blogs, laden Bilder bei flickr hoch … Wir erzählen einander unsere Geschichten, um gemeinsam, daran zu arbeiten ein gelingendes Leben zu leben.

Ein Beispiel: Weeknotes

Mit kurzen Einträgen zu den Ereignissen der laufenden Woche, deutet sich momentan ein Trend in diversen Blogs an. Mit dem Titel »Weeknotes« begann zunächst eine Agentur über das zu schreiben, was sich bei ihnen in der laufenden Woche ereignete. Sie berichteten von Erfolgserlebnissen, Niederlagen und all dem was dazwischen liegt. Dieses Format des Blogeintrags fand auch bei anderen Anklang. Sie taten es der Agentur gleich und entwickelten daraus eine Gewohnheit. Einige Gedanken dazu finden sich beispielsweise in dem Artikel »On the Structure of time« von Russel M Davies auf wired.co.uk.

Dieses Format von Blogeinträgen unterstreicht die Entwicklung des Teilens der persönlichen Geschichte nochmals. Es geht nicht darum tiefe Einsichten, komplexe Zusammenhänge oder Kommentare zu den aktuellen Entwicklungen zu schreiben. Die Erlebnisse der laufenden Woche werden geteilt. Dies geschieht nicht fragmentiert wie auf Twitter oder Facebook, sondern gebündelt in einem (kurzen) Blogeintrag. Auf diese Weise geben die Schreibenden Anteil an ihrem Alltag und inspirieren einander zu einem gelingenden Leben.

Buchempfehlung

81/365Die Gedanken zu diesem Eintrag wurden angeregt durch die Lektüre des Buches »Other: Loving Self, God and Neighbour in a World of Fractures« von Kester Brewin. Meiner Ansicht nach schafft es Kester in seinem aktuellen Buch ausgezeichnet »emergente Lebenskunst« zu erkunden. In einer sehr gelungenen Verbindung theologischer Fragestellungen, philosophischer Gedanken und aktuellen Gesellschaftsentwicklungen, nimmt er Leserinnen und Leser mit hinein in die Möglichkeiten in Harmonie mit sich selbst, Gott und den Mitmenschen zu leben. Allen, die sich nach Inspiration zu einem solchen Leben sehnen, sei dieses Buch ausdrücklich empfohlen.

Gerechtigkeit und Friede küssen sich

Donnerstag, 20. Mai 2010

Gerechtigkeit und Friede küssen sich

Eine der wenigen Veranstaltungen, die ich auf dem 2. Ökumenischen Kirchentag in München unbedingt besuchen wollte, stand unter dem eben genannten Titel “Gerechtigkeit und Friede küssen sich”. Dieser Satz stammt aus dem 85. Psalm und stand diesem Podium im Frauenzentrum Pate.

In ihrem einleitenden Referat ging Ina Praetorius auf die Verbindung von Gerechtigkeit und Friede ein. Anhand des Buches “Gerechtigkeit oder das Gute Leben” von Martha C. Nussbaum erläuterte sie die enge Verbindung von Gerechtigkeit und Frieden. Ihrer Ansicht nach sei es ein Gewinn postpatriarchaler Weltsicht, dass wie im Titel Nussbaums das Wörtchen “oder” nicht im trennenden Sinne von “entweder oder”, sondern verbindend und zuordnend verstanden werde. Gerechtigkeit stünde damit nicht im rein juristischen Sinn neben oder gegen das gute Leben, sondern – und so sei der Buchtitel zu verstehen – weise auf zwei Seiten ein und der selben Medaille hin. In diesem Sinne wollte sie auch das Thema der Veranstaltung verstanden wissen. Das Bild der Gerechtigkeit, die den Frieden küsse, sei ein Bild des Schaloms von dem die Bibel rede. Einem Zustand der Harmonie. Diesen Zustand der Harmonie zu erlangen, sei der Antrieb der auf dem Podium versammelten Frauen, und in diesem Sinne verstehe sie auch das menschliche Mitwirken am Handeln Gottes (so hört sich das was sie sagte/was ich noch behalten habe sinngemäß in meinen Worten an).

Jede der Podiumsteilnehmerinnen hielt zu Beginn des Podiums ein Einstiegsreferat. Den Anfang machte Phumzile S. Mtetwa, die das “Lesbian and Gay Equality Project” aus Südafrika vertrat. Sie berichtete davon wie Homophobie und Armut ihr Leben beeinflussen, und wie sie sich angesichts dieser Herausforderungen für ihre Genossinen und Genossen die Realisierung der ganzheitlichen Gerechtigkeit wünsche, von der Ina Praetorius gesprochen hatte.

Ich denke, dass wir auch hier noch einige Herausforderungen zu meistern haben um zu einem solchen Schalom zu kommen. Gerade hinsichtlich der Genderfragen und einem guten Zusammenleben mit Homosexuellen ist in Kirche und Gesellschaft noch einiges zu tun.

In diesem Sinne möchte ich an dieser Stelle noch vier interessante Artikel empfehlen:

Abendmahl

Freitag, 14. Mai 2010

Auf dem ökumenischen Kirchentag wird man, ob man will oder nicht, mit dem Thema Abendmahl konfrontiert. Da es momentan noch nicht möglich ist ein gemeinsames ökumenisches Abendmahl zu feiern findet heute Abend eine orthodoxe Vesper statt. Das finde ich natürlich sehr gut, doch wie Hans Küng gestern auf dem Podium sagte, könnte es die Aufgabe des Kirchenvolkes sein, ein ökumenisches Abendmahl zu fordern, und sich nicht mit diesem, der Hierarchie hörigen Ausweichmahl zufrieden zu geben.

Ich möchte hier noch einen Schritt weiter gehen. Als jemand, der basisdemokratisch bewegt ist, und gerne in dieser Weise Gemeinschaft pflegt, dies jedoch nicht in völliger Unabhängigkeit verstanden wissen möchte, sondern als Teil der weltweiten Kirche lebt, und sich vor Ort mit einer evangelischen Kirchengemeinde verbunden fühlt, fordere ich auch die völlige Demokratisierung des Abendmahls.

Ein demokratisiertes Abendmahl, ist ökumenisches Abendmahl. Es ist ein Abendmahl, das nicht zwingend von AmtsträgerInnen geführt werden muss. Ein Abendmahl, das sich in seine Geschichte einfindet, und an unterschiedlichsten Tischen auf der ganzen Welt stattfindet. Ein Abendmahl, das die Erinnerung an unsere gemeinsame Geschichte des Exodus feiert und uns der Gegenwart Gottes gewahr werden lässt. Es könnte in Kirchen stattfinden, in Cafés und auch an den Tischen in ganz normalen Häusern. An Tischen, an denen Frauen, Männer, Kinder und Jugendliche einander das Brot brechen und den Becher der Erinnerung weiter reichen.

Auf diese Weise demokratisiert müsste es nicht im Geheimen stattfinden, sondern könnte seinen Platz in den Gemeinden finden. Hier würde die Trennung zwischen Laien und Klerikern überwunden, als Glieder der weltweiten Kirche würden wir das Abendmahl gemeinsam feiern. Und an besonderen Anlässen wie ökumenischen Kirchentagen, könnte ein großes ökumenisches Abendmahl darüber hinaus unseren gemeinsam gelebten Glauben tiefgreifend stärken.

Sinnvolles Zusammenleben

Mittwoch, 12. Mai 2010

Für die nächsten Tage habe ich mir vorgenommen das Buch »Handeln aus der Fülle« von Ina Praetorius zu lesen. Nachdem mich ihr Buch »Gott dazwischen« sehr inspirierte, freue ich mich nun auf die Lektüre ihrer postpatriarchalen Ethik in biblischer Tradition. Mir gefällt neben ihren sehr guten Gedanken vor allem der Ton ihrer Bücher. Da ich eben noch auf eine Freigabe warten durfte, las ich einfach ein paar Seiten, und stieß auf folgenden Abschnitt:

»Die relativ selbstverständliche Präsenz von Frauen und Männern in allen gesellschaftlichen Bereichen ist ein Indiz unter vielen dafür, dass die Zweiteilung der Welt in männlich besetzte öffentliche Räume und weiblich besetzte Intimsphären sich auflöst. Das Prinzip »Gleichstellung«, das lange einen großen Teil frauenbewegter Energie auf sich gezogen hat, erübrigt sich damit zwar noch nicht, rückt aber an den Rand der politischen Agenda. Der militant parteiische, stark auf die Idee eines einheitlichen Fraueninteresses konzentrierte Feminismus ist in den neunziger Jahren des vergangene Jahrhunderts folgerichtig abgelöst worden durch die Geschlechterforschung (Gender Studies).

Viele Frauen und einige Männer formulierten den Anspruch, dass die Geschlechterfrage kein isoliertes gesellschaftspolitisches Thema mehr sein soll. Von ihr soll überall die rede sein, wo wichtige Themen verhandelt werden, gleichzeitig muss die Kategorie »Geschlecht« als interessengeleitete Konstruktion begriffen und in Frage gestellt werden. Forscherinnen und Forscher begannen, auch abseits unmittelbar politischer Verwertbarkeit genau zu untersuchen, wie Ideen von der Beschaffenheit der Geschlechter und anderer Differenzen in einzelnen gesellschaftlichen Bereichen (weiter)wirken und ob ein freundlicherer Umgang mit Unterschieden denkbar ist.

Mit dieser veränderten Sichtweise und den entsprechenden Forschungsergebnissen schaffen sie die Grundlage für das, was heute ansteht: ein nicht mehr nur fragmentarisches Nachdenken darüber, wie ein sinnvolles Zusammenleben jenseits der herkömmlichen Zweiteilung der Welt und der entsprechenden Ausschlussmechanismen aussehen kann und soll.«

Quelle: Ina Praetorius, Handeln aus der Fülle, Postpatriarchale Ethik in biblischer Tradition, 14.