Archiv für die Kategorie 'Gerechtigkeit'

Das Umfeld machts

Mittwoch, 11. August 2010

In ihrem Buch »The Spirit Level« weisen Wilkinson und Pickett darauf hin, dass die Chancengleichheit in einer Gesellschaft nicht mit dem Schulsystem oder im Kindergarten beginnt, sondern schon sehr viel mit dem häuslichen Umfeld eines Kleinkindes zu tun hat:

Social inequalities in early childhood development are entrenched long before the start of formal education. We know a lot now about the importance of the early years for later development – learning begins at birth an the first few years of life are a critical period for brain development. This early learning can be enhanced or inhibited by the environment in which a child grows up. [...]

Essential for early learning is a stimulating social environment. Babies and young children need to be in caring, responsive environments. They need to be talked to, loved and interacted with. They need opportunities to play, talk and explore their world, and they need to be encouraged within safe limits, rather than restricted in their activities or punished. All of these things are harder for parents and other care-givers to provide when they are poor, or stressed, or unsupported.

Richard Wilkinson and Kate Pickett, The Spirit Level – Why Equality is Better for Everyone, 110-111.

Mir erscheint das im zweiten Abschnitt gesagte besonders wichtig. Säuglinge und Kleinkinder entwickeln sich am Besten in einem liebevollen Umfeld, das ihnen die Möglichkeit gibt zu spielen und die Welt zu erkunden. Welche Rolle Sprache in diesem Prozess spielt, und wie sich Sprache im familiären Raum als Übereinkunft von Symbolen entwickelt, habe ich erst kürzlich mit einer Freundin thematisiert.

Die Betonung der Liebe und der Möglichkeiten gefällt mir besonders. Wie die Autoren bin auch ich davon überzeugt, dass Förderung mehr mit Hinwendung, Einlassen und Ermöglichen zu tun hat, als mit Regeln und klaren Aufgaben. In diesem Sinne finde ich es spannend über Freiheiten und Möglichkeiten nachzudenken, die es Eltern aller Milieus ermöglicht sich auf ihre Kinder einzulassen, und ihnen eine liebevolles Umfeld zu schaffen, in dem sie sich entwickeln können.

Relative Armut

Mittwoch, 28. Juli 2010

Gestern Abend saß ich hier und sah mir den Film »Lets Make Money« an. Erwin Wagenhofer führt uns in diesem Film vor Augen wie das Geld in unserer Welt verteilt ist, und welch perverse Formen der Kapitalismus annehmen kann. Kontraste wie die Plakatwand der Deutschen Bank in deren Schatten kleine Hütten stehen. Hier leben Menschen in Armut, und haben jeden Tag das Lächeln der Models vor Augen.

Dürre Erde, durchzogen von Gräben, ausgemergelt vom Baumwollanbau. Land und Bevölkerung ausgetrocknet von unserem Hunger nach neuer Kleidung. Natürlich verdienen sie damit nicht so viel Geld, dass sie leben könnten. Der Westen hält die Preise niedrig, die Menschen in Abhängigkeit. Würden angemessene Preise bezahlt, könnte die Region ohne Förderungen auskommen, sie könnten vom Ertrag ihrer Arbeit leben, sie hätten mehr Geld zur Verfügung wie Preise und Entwicklungshilfe zusammengerechnet. Die Reichen halten die Armen klein und abhängig, so dass sie auch weiterhin Zugriff auf billige Arbeitskräfte und Rohstoffe haben.

Es wird von Einwanderung nach Europa gesprochen. Ein Vertreter der Baumwolllieferanten spricht davon, dass für viele nur die Auswanderung nach Europa Zukunftsperspektive gibt. In einer Hotellobby sitzend spricht ein reicher Schweizer darüber, dass alle liberalen Wirtschaftsgelehrten von offenen Grenzen für Waren und Geldern überzeugt sind, dass dies jedoch nicht für Menschen gilt. Diese hätten gefälligst ein Eintrittsgeld zu bezahlen. Sie hätten nichts zum Wohlstand beigetragen – meint er das ernst? – und müssten daher ihren Anteil durch einen gewissen Betrag begleichen. Dass er einen Golfclub als Vergleich heranzieht spricht Bände.

Parallel zur Beschäftigung mit diesem Film lese ich »The Spirit Level« von Richard Wilkinson und Kate Pickett. Die beiden zeigen in ihrem Buch auf, dass es für alle Beteiligten besser ist, wenn es innerhalb von Gesellschaften nicht zu große soziale Unterschiede gibt. Ein wichtiger Gedanken des Buches bezieht sich auf relative Armut. Die soziale Stellung wird oft gerade im Vergleich mit anderen deutlich, dann, wenn ein Vergleich möglich ist. Wie fühlen sich die Menschen, die unter einem Plakat der deutschen Bank in ärmlichen Verhältnissen leben? Wie geht es Menschen, die von der Baumwollindustrie des Westens ausgebeutet werden? Was empfindet ein Einwanderer, wenn er mit Forderungen des Wirtschaftsredakteurs konfrontiert wird?

Buchempfehlung

Dienstag, 06. Juli 2010

81/365 In seinem aktuellen Buch »Other – Loving Self, God and Neighbour in a World of Fractures« legt Kester Brewin ein einzigartiges Werk vor, in dem er der so genannten goldenen Regel aus den Evangelien nachgeht. Brewin bewegt sich geschickt zwischen biblischen Aussagen, theologischen und philosophischen Erkenntnissen und Fragestellungen des heutigen Lebens in einer vernetzten Welt. Dabei verbindet er sehr gut unterschiedliche Aspekte und inspiriert zu einem Leben in Harmonie mit sich selbst, Gott und Menschen.

Das Buch ist in vier Teile gegliedert. Brewin stellt in den ersten drei Teilen einige sehr interessante Fragen zur Selbstannahme, zur Liebe zu Gott und zur Annahme der Mitmenschen. In allen drei Bereichen thematisiert er bewusst die Andersartigkeit. Zunächst die Andersartigkeit des eigenen Selbst, dann die fremden Aspekte von Gott und schließlich die Aspekte unserer Mitmenschen, die uns dazu bringen, sie nicht zu lieben. Grundlegend für seine Ausführungen ist die Frage nach der Beschaffenheit des Menschen, so dass er in der Lage ist, in Harmonie mit seinen Mitmenschen zu leben. Im vierten Teil des Buches schreibt Brewin über einige Ansätze, wie er und Menschen in seinem Umfeld, versuchen die angeführten Gedanken zu leben.

Für alle, die auf der Suche nach Inspiration für ein Leben in Harmonie mit Menschen und Gott sind, ist dieses Buch eine reiche Quelle. Wie oben angesprochen verbindet Brewin biblische Aussagen, theologische und philosophische Erkenntnisse sehr gut mit Fragestellungen des alltäglichen Lebens. Auf diese Weise regt es zur tieferen Reflexion an, die jedoch nicht im Abstrakten stehen bleibt, sondern zu vielfältigen Fragen des alltäglichen Lebens führt. Im Verlauf des Buches finden sich einige Gedichte, die auf ihre Weise zur Reflexion der angesprochenen Gedanken einladen. Der durchdachte Aufbau des Buches, sowie die klare und verständliche Sprache tragen ihr übriges dazu bei, dass es sich bei diesem Buch um ein wertvolles inspirierendes Werk handelt.

Meine Buchempfehlung für diesen Sommer!

Deine Stimme gegen Armut 2010

Freitag, 18. Juni 2010

Eben bin ich mal wieder über die Webseite der Initiative »Deine Stimme gegen Armut« gestolpert. Auf ihrer Webseite erinnern sie uns mal wieder daran, dass vor 10 Jahren 189 Staaten die so genannten Milleniumsentwicklungsziele unterzeichnet haben. Damals schien 2015 noch weit entfernt, heute jedoch sind es nur noch fünf Jahre. Auf internationaler Ebene ist noch recht wenig in diese Richtung passiert, und die aktuellen Entwicklungen in der deutschen Innenpolitik senden auch nicht die hoffnungsvollsten Signale »gegen Armut«.

Aus diesem Grund ist es wohl auch dieses Jahr wieder wichtig, dass wir unserer Stimme gegen Armut gegenüber der Bundesregierung gehör verschaffen. Vom 20. bis 22. September treffen sich die Staats- und Regierungschefs beim Weltarmutsgipfel der UN. Dort wollen sie über den Stand der Umsetzung sprechen. Um bis 2015 die gesteckten Ziele zu erreichen liegt noch einiges an Weg vor uns, und ich wünsche mir, dass wir diese gehen!

Das Aktionsbündnis hat einen Bericht unter dem Titel »5 vor 2015 – Zeit für einen Aktionsplan zur Erreichung der MDG. Empfehlungen der Zivilgesellschaft an die Bundesregierung« erarbeitet, in dem es Perspektiven aufzeigt, was getan werden sollte um die Ziele zu erreichen:

  • Globale Rahmenbedingungen verbessern – Entwicklung ermöglichen
  • Solide Finanzierung sicherstellen – Entwicklung voranbringen
  • Recht auf Nahrung durchsetzen – Hunger bekämpfen
  • Frauen stärken – Geschlechtergerechtigkeit durchsetzen
  • Bildung für alle – Zukunft sichern
  • Familienplanung unterstützen – Müttergesundheit fördern
  • Gesundheitssysteme stärken – Kindersterblichkeit verringern
  • HIV/Aids, Malaria und Tuberkulose – Armutskrankheiten bekämpfen

Angela Merkel hat 2007 wohl folgendes gesagt: »Unsere Glaubwürdigkeit wird davon abhängen, ob wir unsere internationalen Verpflichtungen einhalten.« Mit deiner Stimmabgabe kannst du sie daran erinnern, so dass wir auch international auf dem Weg zu einer gerechteren Welt weitergehen.

→ Gib deine Stimme ab!

Schieflage

Dienstag, 08. Juni 2010

Die Bundesregierung prescht mit einem Sparpaket voran, das nicht nur Kommentatoren wichtiger internationaler Zeitungen den Kopf schütteln lässt, sondern auf eine deutliche Schieflage der aktuellen Politik und Kultur hinweist. Während so genannte „Eliten“ unbehelligt bleiben, werden Menschengruppen, die als am „Rand der Gesellschaft“ stehend bezeichnet werden, weiter ausgegrenzt.

Bei einer Pressekonferenz zum Sparpaket sprach Guido Westerwelle davon, dass es ihm klar sei, dass es für diese Entscheidung viel Kritik geben würde, mit Freibier für alle mache man sich Freunde, aber eben nicht mit Einsparungen. Die Metapher des Freibiers ist meiner Ansicht nach sehr gelungen. So wie es auf mich wirkt, gehen die Runden Schampus und die ein oder andere Nase Koks, noch weiter an die feinen Damen und Herren der viel gelobten Eliten und Leistungsträger, das einfache Volk jedoch, das sich an einem Freibier erfreuen würde, soll darauf gefälligst verzichten.

Diese Schieflage in unserer Politik und Kultur wird immer deutlicher, und sie macht mich wütend. Ich verstehe, dass es sich besser leben lässt, wenn die Menschen in deren Gesellschaft man sich gerne sonnt einem wohlgesonnen sind, aber zumindest denkbar wäre es doch, dass es für die Gesellschaft als Ganzer besser wäre, die Menschen zu unterstützen, die sich in der derzeitigen Lage nicht selbst helfen können. Es wird ja gerne mit der Rettung des Sozialstaates argumentiert, diese hinge meiner Ansicht nach jedoch mit wirklichen Programmen zusammen, die den Menschen helfen die „am Rand stehen“, und nicht mit Lippenbekenntnissen und einigen „gut gewollten“ Maßnähmchen, die jedoch nie das ganze System in Augenschein nehmen.

In diesem Sinne hoffe ich, dass der Widerspruch des Volkes, der Sozialverbände, Kirchen und aus politischen Kreisen bei der Regierung gehör findet, und dass sich dieser Kurs korrigieren lässt. Und vielleicht – ich bin Idealist – erreichen wir tatsächlich eine Reformation des Systems.

Gerechtigkeit und Friede küssen sich

Donnerstag, 20. Mai 2010

Gerechtigkeit und Friede küssen sich

Eine der wenigen Veranstaltungen, die ich auf dem 2. Ökumenischen Kirchentag in München unbedingt besuchen wollte, stand unter dem eben genannten Titel “Gerechtigkeit und Friede küssen sich”. Dieser Satz stammt aus dem 85. Psalm und stand diesem Podium im Frauenzentrum Pate.

In ihrem einleitenden Referat ging Ina Praetorius auf die Verbindung von Gerechtigkeit und Friede ein. Anhand des Buches “Gerechtigkeit oder das Gute Leben” von Martha C. Nussbaum erläuterte sie die enge Verbindung von Gerechtigkeit und Frieden. Ihrer Ansicht nach sei es ein Gewinn postpatriarchaler Weltsicht, dass wie im Titel Nussbaums das Wörtchen “oder” nicht im trennenden Sinne von “entweder oder”, sondern verbindend und zuordnend verstanden werde. Gerechtigkeit stünde damit nicht im rein juristischen Sinn neben oder gegen das gute Leben, sondern – und so sei der Buchtitel zu verstehen – weise auf zwei Seiten ein und der selben Medaille hin. In diesem Sinne wollte sie auch das Thema der Veranstaltung verstanden wissen. Das Bild der Gerechtigkeit, die den Frieden küsse, sei ein Bild des Schaloms von dem die Bibel rede. Einem Zustand der Harmonie. Diesen Zustand der Harmonie zu erlangen, sei der Antrieb der auf dem Podium versammelten Frauen, und in diesem Sinne verstehe sie auch das menschliche Mitwirken am Handeln Gottes (so hört sich das was sie sagte/was ich noch behalten habe sinngemäß in meinen Worten an).

Jede der Podiumsteilnehmerinnen hielt zu Beginn des Podiums ein Einstiegsreferat. Den Anfang machte Phumzile S. Mtetwa, die das “Lesbian and Gay Equality Project” aus Südafrika vertrat. Sie berichtete davon wie Homophobie und Armut ihr Leben beeinflussen, und wie sie sich angesichts dieser Herausforderungen für ihre Genossinen und Genossen die Realisierung der ganzheitlichen Gerechtigkeit wünsche, von der Ina Praetorius gesprochen hatte.

Ich denke, dass wir auch hier noch einige Herausforderungen zu meistern haben um zu einem solchen Schalom zu kommen. Gerade hinsichtlich der Genderfragen und einem guten Zusammenleben mit Homosexuellen ist in Kirche und Gesellschaft noch einiges zu tun.

In diesem Sinne möchte ich an dieser Stelle noch vier interessante Artikel empfehlen:

Sinnvolles Zusammenleben

Mittwoch, 12. Mai 2010

Für die nächsten Tage habe ich mir vorgenommen das Buch »Handeln aus der Fülle« von Ina Praetorius zu lesen. Nachdem mich ihr Buch »Gott dazwischen« sehr inspirierte, freue ich mich nun auf die Lektüre ihrer postpatriarchalen Ethik in biblischer Tradition. Mir gefällt neben ihren sehr guten Gedanken vor allem der Ton ihrer Bücher. Da ich eben noch auf eine Freigabe warten durfte, las ich einfach ein paar Seiten, und stieß auf folgenden Abschnitt:

»Die relativ selbstverständliche Präsenz von Frauen und Männern in allen gesellschaftlichen Bereichen ist ein Indiz unter vielen dafür, dass die Zweiteilung der Welt in männlich besetzte öffentliche Räume und weiblich besetzte Intimsphären sich auflöst. Das Prinzip »Gleichstellung«, das lange einen großen Teil frauenbewegter Energie auf sich gezogen hat, erübrigt sich damit zwar noch nicht, rückt aber an den Rand der politischen Agenda. Der militant parteiische, stark auf die Idee eines einheitlichen Fraueninteresses konzentrierte Feminismus ist in den neunziger Jahren des vergangene Jahrhunderts folgerichtig abgelöst worden durch die Geschlechterforschung (Gender Studies).

Viele Frauen und einige Männer formulierten den Anspruch, dass die Geschlechterfrage kein isoliertes gesellschaftspolitisches Thema mehr sein soll. Von ihr soll überall die rede sein, wo wichtige Themen verhandelt werden, gleichzeitig muss die Kategorie »Geschlecht« als interessengeleitete Konstruktion begriffen und in Frage gestellt werden. Forscherinnen und Forscher begannen, auch abseits unmittelbar politischer Verwertbarkeit genau zu untersuchen, wie Ideen von der Beschaffenheit der Geschlechter und anderer Differenzen in einzelnen gesellschaftlichen Bereichen (weiter)wirken und ob ein freundlicherer Umgang mit Unterschieden denkbar ist.

Mit dieser veränderten Sichtweise und den entsprechenden Forschungsergebnissen schaffen sie die Grundlage für das, was heute ansteht: ein nicht mehr nur fragmentarisches Nachdenken darüber, wie ein sinnvolles Zusammenleben jenseits der herkömmlichen Zweiteilung der Welt und der entsprechenden Ausschlussmechanismen aussehen kann und soll.«

Quelle: Ina Praetorius, Handeln aus der Fülle, Postpatriarchale Ethik in biblischer Tradition, 14.

Leben und leben lassen

Montag, 12. April 2010

Das Stichwort “Tierschutz” wurde Titelthema der aktuellen ZEIT, da in Bremen eine Entscheidung über die Forschung an Affen ansteht. Unter dem Titel “Streicheln und quälen – Wer den Tierschutz ernst nimmt, der muss sein Verhalten ändern – als Fleischesser und Forscher, aber auch als Tierliebhaber” finden sich im Ressort Wissen 4 Essays.

Darunter findet sich zwei kurze Artikel der direkten Kontrahenten aus Bremen, dem Forscher Andreas Kreiter und dem Tierschützer Wolfgang Apel, die beide ihren Standpunkt darlegen und somit nachvollziehbarer werden, und gleichzeitig die festgefahrene Situation der Auseinandersetzung verdeutlichen. Ein philosophischer Ansatz von Richard David Precht findet sich ebenfalls dort. Precht argumentiert von der nahen Verwandtschaft von Affen und Menschen her, und schlägt in Anlehnung an Frans de Waal vor, an Affen nur solche Experimente durchzuführen, die wir auch an Menschen machen würden, die sich freiwillig dazu zur Verfügung stellen. An diesem Punkt sehe ich eine inakzeptable Engführung des Ansatzes von Precht, denn damit rechtfertigt er zugleich Versuche an weiter entfernten Verwandten unserer Gattung, und bleibt damit weit hinter einem verantwortungsvollen Umgang mit unseren Mitgeschöpfen zurück.

Der längste, und meiner Ansicht nach auch beste Essay dieses Teils, stammt Andreas Sentker und trägt den Titel “Respekt! – Der Kampf gegen Tierversuche ist heuchlerisch. In unserem Alltag nehmen wir tausendfaches Leid in Kauf. Dagegen hilft kein strengeres Gesetz, sondern ein Bewusstseinswandel.” Wie der Titel schon andeutet geht Sentker grundsätzlicher der Frage eines verantwortlichen Umgangs mit unseren Mitgeschöpfen nach, die weder einseitig auf Tierversuche schilt, noch bei der gerne angeprangerten Massentierhaltung stehen bleibt, sondern auch unsere “liebsten Mitbürger” in Zoos oder exotische Züchtungen ins Visier nimmt. Der Artikel kann hier online gelesen werden, was ich sehr empfehle.

Den Titel dieses Eintrages habe ich an ein Zitat angelehnt, das im Artikel vorkommt und das Albert Schweitzer zugeordnet wird:

“Ich bin Leben, das leben will,
inmitten von Leben, das leben will.”

Ich selbst bin, das wird kaum überraschen, kein Freund von Tierversuchen. Meiner Ansicht nach bedeutet dies jedoch auch, dass ich sowohl meinem täglichen Umgang mit Tieren verantwortungsvoll gestalte. Produkte des täglichen Bedarfs wähle, die nicht auf Tierversuchen basieren und die auch sonst ohne den Missbrauch unserer Mitgeschöpfe auskommen. Ich denke, auf diesem Weg können wir gemeinsam noch einige Schritte gehen, und somit mehr zu einem Leben im Einklang mit der Natur kommen.

Sünde und Vergebung

Freitag, 02. April 2010

Ein paar Gedanken zu Sünde und Vergebung, die zu Ostern passen, die nicht den Anspruch erheben neu zu sein, die aber an manchen Stellen und damit grundsätzlich Akzente verschieben.

Was wäre wenn Sünde vor allem eine geschöpfliche Dimension hätte? Sich also von ihrer Bedeutung her nicht zwischen Mensch und Gott drängen könnte? Wir würden dann nicht mehr davon reden, dass Sünde Gott in irgendeiner Weise verletzen würde. Sie würde nicht zwischen ihm und uns stehen, könnte uns den Weg nicht versperren.

Diese Gedanken erscheinen dann sinnvoll, wenn wir Gottes Gedanken zur Schöpfung vor allem in ihrer lebensermöglichenden Dimension begreifen. Der so genannte „Wille Gottes“ würde sich dann nicht in einem sündlosen, von der Welt abgeschnittenen Ideal widerspiegeln, sondern in einem Leben in Harmonie mit Gott, Menschen und Natur. Sünde wäre dann vor allem eine Art Störfaktor dieser Harmonie, jedoch kein unmittelbarer Störfaktor. Als Sünde würde dann ein Verhalten bezeichnet, das unseren Mitgeschöpfen (im weitesten Sinne) Schaden zufügt. Somit würde sich Sünde höchstens indirekt „gegen Gott“ richten, sie würde vor allem im Umgang von Menschen und Natur verstanden werden.

Der Umgang mit Sünde würde sich aus dem Bereich des schlechten Gewissens und den Schuldgefühlen verabschieden. Unser Verhalten zu unseren Mitmenschen und der Natur würde sich ins Zentrum bewegen. Bei Vergebung ginge es nicht um eine Art Freispruch, der einen Schuldausgleich darstellt, sondern um einen Zuspruch der Hoffnung, einen Erweis der lebensermöglichenden Kraft Gottes, die es uns ermöglicht aus zerstörerischen Gewohnheiten auszubrechen, und ein Leben in Harmonie zu leben. Vergebung und Buße wären in diesem Zusammenhang nicht in erster Linie „geistlich“, sondern zeichneten sich in einem Verhalten aus, einem Leben eben, das von liebevoller Hinwendung geprägt ist und Leben ermöglicht.

Ostern, und damit Tod und Auferstehung Jesu, verlieren damit nicht ihre Bedeutung, auch wenn diese Ereignisse mit einem veränderten Sünden- und Vergebungsverständnis grundsätzlich anders verstanden werden können.

Albtraum Atommüll

Montag, 15. März 2010

Alptraum AtommuellAm Mittwoch 24.03. wird um 20 Uhr im Luthersaal der evangelischen Luthergemeinde in Karlsruhe (Oststadt) der Dokumentarfilm »Albtraum Atommüll« gezeigt.

In der Diskussion um Atomkraft werden von den Befürwortern immer wieder die vermeintlichen Vorteile dieser Technik hervorgehoben. Mit Blick auf die drohende Klimaerwärmung wird sie sehr gerne als sauber und nachhaltig dargestellt. Doch wenn es um die radioaktiven Abfälle geht, geraten Wissenschaftler ins Grübeln, die Industrie beschwichtigt , Politiker vertuschen und schweigen. Atommüll ist der schlimmste Albtraum der Atomenergie und häufig noch immer ein Tabuthema.

Im Anschluss an den Film ist eine kurze Fragerunde mit Vertretern der Umweltverbände geplant.

Weitere Infos auf der Webseite zum Film auf arte.tv