Gegen sexuelle Belästigungen hilft nur eines, nämlich niemanden zu belästigen. Die Sprüche müssen aufhören, das Angrapschen muss aufhören, die verharmlosenden Witze müssen aufhören. Wir brauchen eine Kultur, in der es nicht normal ist, dass Frauen Vorsichtsmaßnahmen treffen, sondern in der jede zu jeder Zeit unbelästigt auf die Straße gehen kann!
Quelle: Mädchenmannschaft: sexuelle Belästigung – so sieht’s aus
suchen und glauben
ZEIT: Aber beide, sowohl der Priester in der Kathedrale als auch der Physiker am Cern, behaupten, die Wahrheit zu verkünden.
Randall: Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob der Priester die Wahrheit auch gesucht hat oder immer nur glaubt, sie schon zu kennen. Wissenschaftler jedenfalls suchen die Wahrheit.
Luft zum Atmen
In einem Interview mit der Frankfurter Rundschau spricht Jesper Juul von der Bedeutung für das Miteinander und die seelische Gesundheit, wenn Kinder Vertrauen in sich selbst haben. Seiner Ansicht nach hilft es Kindern, wenn sie ab und an Langeweile haben, da sie in solchen Momenten zu sich selbst finden können. Er bietet bspw. Atemübungen in Schulen an, die den Kindern dabei helfen sollen sich zu Sammeln. An Eltern in Deutschland richtet er folgenden Rat:
“Ihr müsst euren Kindern kein schmerz- und risikofreies Leben bieten. Ihr dürft Fehler machen. Interessiert euch für eure Kinder – aber beschäftigt euch nicht pausenlos mit ihnen. Lasst ihnen Luft zum Atmen, sonst werden sie nicht selbstständig.”
Politik der Entpolitisierung
»Wer von den „Gesetzen des Weltmarktes“ spricht, denen sich die Politik zu beugen habe, übersieht, dass „Weltmarkt“ kein außerpolitischer „Sachzwang“ ist. Es ist vielmehr der Name für eine andere Politik, für ein neues Machtspiel, in dem nicht mehr die Regierungen, sondern die multinationalen Unternehmen die Regeln diktieren.«
Quelle: Rolf Eickelpasch, Grundwissen Soziologie, Seite 136.
Muster sichtbar machen
In der aktuellen Notiz zur Woche von Urbanscale schreibt Adam Greenfield darüber, wie Foursquare es schafft Muster sichtbar zu machen. Menschen bewegen sich selbstverständlich in Städten. Nutzen sie Dienste wie Foursquare, entsteht die Möglichkeit diese Bewegung sichtbar zu machen. Dadurch werden vorhandene Muster sichtbar, die wiederum anderen zu „Stadtführern“ werden können.
»We think Foursquare is a shining demonstration of our principle that cities are always already smart, that this smartness inheres in the currents of daily practice, and that significant value is realized when these patterns are brought to light. And it’s already up, already running at scale, and costs a municipality precisely zero. Both the heroic, top-down systems being urged upon municipalities by the big vendors and the claims made on their behalf seem pretty impoverished next to it, don’t they? What we’d really like to see, in preference to these desiccated notions of networked potential, is one, two, many Foursquares.«
Quelle: Adam Greenfield – urbanscale.org – Spontaneous order (and value) from the bottom up.
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Auf diesen Artikel wurde ich durch eine Empfehlung von Johannes aufmerksam.
Liebe und Leidenschaft
Liebe und Leidenschaft bewegen sich in einer postpatriarchalen Gesellschaft nicht im Rahmen von begriffen haben, besitzen und beherrschen. Sie spielen sich also nicht im Dualismus der feurigen Verliebtheit und der Einöde jahrelanger Partnerschaft ab, sondern bewegen sich im Spannungsfeld der Differenz und des Unbekannten.
»Zu jemandem oder etwas hin zu lieben, statt sie, ihn oder es zum Spiegel eigener Wünsche zu machen, Berühren und gemeinsames Bewegen statt Einheit und Eindeutigkeit zu suchen, das wäre laut Luce Irigaray die eigentliche, die wirkliche Leidenschaft.«
Diese Haltung zu Liebe und Leidenschaft sieht Ina Praetorius auch in der so genannten »Feindesliebe«, die sie wie folgt in unsere Zeit überträgt:
»Man hat euch gesagt, Liebe bedeute, Bekanntes zu wollen und Unbekanntes zurückzuweisen. Man hat euch gesagt, Leidenschaft ziele auf Einheit und Einigkeit: zwischen Mann und Frau, Mutter und Kind, Verwandten und Nachbarn, Angehörigen verschiedener Kulturen und Religionen. Fremdheit sei gefährlich, hat man uns eingeschärft, sie sei der Liebe Feind, wir sollten sie draußen lassen und stets das eigene Spiegelbild im Unbekannten zu suchen, notfalls mit Gewalt verdrängen, was uns befremdet: den Eigensinn der Ehefrau, das Minarett und den Muezzin, die Verzweiflung des Flüchtlings, die Arroganz des Bankers …
Spannender aber ist das Zusammenleben so: Interessiere dich gerade für das, was du nicht verstehst, denn GOTT ist INTER-ESSE, DAZWISCHEN-SEIN, nicht nur VATER, auch MUTTER. Ist es denn interessant, in allem nur das zu finden, was man schon kennt oder zu kennen glaubt? Empfindest du Leidenschaft zur Welt nicht eigentlich erst dann, wenn SIE dir täglich neu begegnet, überraschend irritierend in ihrer Fremdheit, die sich niemals dem Altbekannten anverwandeln lässt? Orientiert euch also an GOTT, die ANDERS bleibt, sich niemals einordnen lässt in das, was schon erkannt ist: ICH BIN, DIE ICH BIN (vgl. Ex 3,14) und nicht, was du aus mir machst.«
Gelingendes Miteinander wäre demnach nicht von Festlegungen geprägt, sondern von der Treue zueinander, in dem Wissen und der täglichen Erfahrung der Überraschung, des Unerwarteten. Zulassen, dass wir immer nur Bruchteile unserer Gegenüber erkennen, und sie nicht in unser Wunschbild zu verändern.
Familie und Beruf
Genauso wie Martin kürzlich unsere Bürogemeinschaft gelobt hat – was ich definitiv auch noch vor habe – möchte ich mit diesem kurzen Eintrag die Möglichkeit des mobilen Arbeitens loben.
Wer, wie wir, versucht Familie und Beruf zu vereinigen, ist in vielen Situationen auf Flexibilität angewiesen. Mit drei Kindern und zwei Berufstätigen Eltern folgt der Alltag gewissen Routinen, die für einen reibungslosen Ablauf sorgen. Werden diese Routinen gestört, beispielsweise durch eine Krankheit, ist Flexibilität unerlässlich.
In den letzten Monaten, mit neuem Büro und einer anregenden Arbeitsatmosphäre, dachte ich, der mobile Rechner könnte ohne weiteres durch ein stationäres Pendant ersetzt werden. Diese Woche jedoch führte mir vor Augen wie praktisch und gleichzeitig unerlässlich es für mich ist, den Arbeitsplatz in den Rucksack zu packen und auf dem Rücken mit mir herumzutragen. Auf diese Weise habe ich die Möglichkeit an wichtigen Projekten von zu Hause weiter zu arbeiten, und dennoch für mein krankes Kind da zu sein. Die Arbeit ist dann begleitet von Bilderbüchern, Spielen und mit etwas Hausarbeit garniert.
In der Beschäftigung mit unterschiedlichen Familienbildern und Geschlechterrollen fiel mir auf, dass die Phase in der ich mich befinde, nach wie vor die Grenzen zwischen Beruf und Familie verwischt. Wir gehen zwar nicht mehr zur vorindustriellen Ära zurück und arbeiten und leben als ganzes Haus zusammen, die strikte Trennung zwischen Privatleben und Öffentlichkeit jedoch ist auch überholt. So kann es passieren, dass ich mit dem kranken Kind auf dem Schoß am Telefon ein Projekt durchspreche, oder auch mit einem Kunden über die Krankheit des Kindes spreche und, Dank seines Verständnisses, den Termin auf kommende Woche verschiebe.
Nach wie vor bin ich ein Freund von Betreuungsangeboten für Kinder, da diese die Grundlage für eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf bilden, in Ausnahmefällen jedoch ist Flexibilität (egal ob es sich um Selbstständige oder Angestellte handelt) unerlässlich, wenn man nicht möchte, dass das Arbeitsleben auf Kosten der Kinder oder der Gesundheit geht.
Mit dem Rad
Als überzeugter Radfahrer freut es mich natürlich, wenn Konzepte wie das der Fahrradstadt Kopenhagen Schule machen sollen. Ist man häufig mit dem Rad unterwegs stößt man regelmäßig auf Verhaltensweisen von Autofahrern, die einen gefährden, übergehen und ab und an einfach nur ärgern.
Neben der Notwendigkeit des allgemeinen Umdenkens erscheint mir eine Neuordnung der Verkehrsverteilung von großer Bedeutung. Mikael Colville-Anderson drückt das so aus:
“Wenn Sie bei einer fixen Fläche den Fahrradanteil erhöhen wollen, gibt es nur eines: Sie müssen dem Autoverkehr Raum wegnehmen”, sagt der Radfahr-Experte.
Quelle: zeit.de – Mach’s wie Kopenhagen
Die Neuverteilung des Raumes muss auch in den Köpfen stattfinden. Kopenhagen scheint hier gute Wege zu gehen, Parkplätze für Autos werden knapper, da der Platz bspw. für Radwege gebraucht wird. Die Grünphasen von Ampeln werden an die Geschwindigkeit der Radfahrer angepasst, wonach man eher bei einer Geschwindigkeit von 20 km/h die “grüne Welle” genießen kann, als mit 50. Des Weiteren sprechen die Experten sich dafür aus den Verkehr zu verlangsamen, wenn Radfahrer und Autofahrer sich eine Fahrspur teilen, und setzen auf getrennte Fahrbahnen wenn der Autoverkehr mit 50 km/h fließen soll.
Ich hoffe, dass wir auch im Ländle des Automobils Schritte in diese Richtung weitergehen können, und das Auto seine Vormachtsstellung im Verkehr einbüßt. Vielleicht verändern sich dann auch unsere Straßen von bloßen Korridoren zu Lebensräumen.
Revolution
Antje Schrupp setzt sich mit den Gedanken zu einer linken Revolution von Slavoj Žižek auseinander. Dabei stellt sie seine These des radikalen Umsturzes in Frage, und weißt auf die Verantwortungslosigkeit des “idealen revolutionären Subjekts” hin, das nichts anderes außer sich selbst und den Kampf wahrnimmt.
Revolutionäre Ereignisse oder andere Krisen, so wäre jedenfalls meine These, können nur das in die Realität umsetzen (oder eher: ermöglichen, dass es ans Licht kommt), was vorher in alltäglichen Experimenten und Debatten bereits vorbereitet wurde. Nicht mehr.
Wenn wir also die Revolution wollen, dann müssen wir sie VOR dem „Ereignis“ so gut wie möglich vorbereiten, denn wenn das Ereignis erst einmal da ist, ist es zu spät.
Quelle: antjeschrupp.com
Diese Art der Revolution entspricht, ebenfalls, viel mehr meinen Gedanken. Sie wird zwar nicht einzelne Helden kennen, dafür jedoch durch das alltäglich Handeln aller, Frauen und Männern, Kindern und Älteren vorbereitet, und bekommt dadurch eine Richtung, keine feste Ideologie, kein Fahrplan und dennoch eine gute Grundlage.
Und nun empfehle ich die Lektüre des gesamten Artikels von Antje: Slavoj Žižek, linke Kerle und die Revolution.
Atheistische Lesart
Wir waren ja schon im letzten Eintrag bei der Religion für Atheisten. Gestern Abend las ich noch eine gute Ergänzung von Kester Brewin. Sein erster Eindruck des Buches ist, dass de Botton das Schöne der Religionen aufnimmt um damit das Leben der “Neuen Neuen Atheisten” zu bereichern. De Botton stimmt Brewin in den Kommentaren zu, dass es nicht nur um das Schöne geht, sondern gerade auch um gelebte Gerechtigkeit. Das eigene Handeln wird von Brewin als atheistische Lesart des Christentums “von innen” verstanden. Es gibt keinen Streit mehr darüber dass Gott tot ist, es stellt sich vielmehr die Frage wie man mit seinem Leichnam umgeht.
The religious who are turning to an atheist reading of their faith are doing something different. God is dead, but that means that we have to take up the challenges of that absence… and that’s perhaps a more demanding road. I can’t speak from anything more than a Christian perspective on this, but it seems to me that this is not so much gaining ‘ahhh’ moments from beautiful buildings, but taking a long hard look at the scorched earth once those buildings have been torched, and wondering what is left.
Because an atheist reading of Christianity is not about polite rituals and ‘big society’ moments of collective goo. It is not about human beings rejecting God and becoming atheists. It is about God rejecting God and becoming an atheist himself. The core of Christianity is as radical as that. Jesus beat de Botton to ‘religion for atheists’ by about 2000 years; the problem is, the path he set out was so challenging that it has been almost totally rejected. Why? Because the move from religion to an atheist reading of religion is not about experiencing the sacred in the remains of religious beauty, but about experiencing the abandonment and desolation, the responsibility to the rest of humanity, when we realise the sacred is not found in the stain glass, but in the slum outside the church.
Quelle: kesterbrewin.com
