Archiv für die Kategorie 'Kubik'

Eine Geschichte weiter schreiben

Donnerstag, 26. November 2009

Fragen und Zweifel

Am Samstag werde ich im Rahmen des Emergent Forums eine kurze Präsentation zu der Gemeinschaft in der ich lebe halten. Die Vorbereitungen dafür nutzte ich gerade um ein paar Erlebnisse aus der Geschichte Revue passieren zu lassen. Immer wieder faszinierend was wir hier schon alles erlebt haben, nicht alle Erlebnisse sind erfreulicher Natur, aber momentan bin ich sehr hoffnungsvoll dass wir unsere Geschichte gut weiter schreiben werden…

Eine offene Gemeinschaft

Propeller

Freitag, 25. September 2009

Propeller

Heute Abend findet der erste Propeller in der zweiten Jahreshälfte statt. Passend zur Jahreszeit wird es um Ernte gehen…

Faire Woche

Freitag, 11. September 2009

Ab Montag findet wieder die jährliche faire Woche statt. Unter dem Motto „Perspektiven schaffen – Fair Handeln!“ finden vom 14. bis 27. September deutschlandweit viele Veranstaltungen statt die den fairen Handel erlebbar machen und Perspektiven schaffen. Für manche unter uns werden Perspektiven erweitert und es wird uns möglich hinter den Produkten die täglich durch unsere Hände gehen die Menschen zu sehen die am Entstehungsprozess beteiligt sind. Für diese Menschen, die uns erst unsere alltäglichen Produkte ermöglichen, werden durch fairen Handel ganz konkrete Zukunftsperspektiven geschaffen – seien es Gewerkschaften, die Möglichkeit dass Kinder in Schulen gehen können und partnerschaftliche Handelsbeziehungen eine gewisse Planungssicherheit ermöglichen. Und damit sind ja wieder nur kleine Aspekte des großen Bildes skizziert.

Karlsruhe nimmt in diesem Jahr zum ersten Mal in größerem Stil an der fairen Woche teil. So wurde eine fülle von Angeboten zusammengetragen und neben einem gemeinsamen Veranstaltungskalender wird am Freitag 18. September ein bunten Markt auf dem Marktplatz stattfinden.


Informationscafé zu fairer Kleidung

Im Rahmen dieser Veranstaltungen arbeitet die soziokulturelle Initiative Kubik mit der evangelischen Luthergemeinde zusammen und öffnet ein Informationscafé zu fairer Kleidung im Turmzimmer der Lutherkirche. Wir freuen uns sehr darüber dass Kaffee aus fairem Handel mittlerweile im Mainstream angekommen ist und breite Akzeptanz genießt. Wir denken jedoch, dass auch hinsichtlich der Kleidung mit der wir uns täglich „in Schale werfen“ ein umdenken stattfinden sollte. Viel zu viele von den schönen Stücken entstehen unter Bedingungen die all ihre Schönheit verblassen lassen, haben wir sie einmal vor Augen. Sei es die Ausbeutung der Arbeiter, die an der Herstellung des Rohmaterials beteiligt sind und die nicht nur unter starker chemischer Belastung leiden. Oder seien es die Kinder die total ausgebeutet werden und nach 14 Stunden anstrengendster Arbeit mit Prügel und anderen Strafen rechnen müssen. In dem Wissen dass auch ich noch viel zu viele dieser Systemfehler unterstütze und damit konkret Menschen schade, sitze ich hier nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern freue mich daran Möglichkeiten wo und wie schöne nachhaltige Kleidung zu bekommen ist die unter fairen Bedingungen hergestellt wird und die durch einen ebensolchen Handel bei uns landet zu erforschen und bekannter zu machen. In diesem Sinn hat sich eine Gruppe von Menschen zusammengefunden die ihr Engagement und ihre Zeit dafür einsetzten um ein schönes Informationscafé in oben besagtem Kirchturm einzurichten.

Das Informationscafé zu fairer Kleidung hat bereits diesen Sonntag, also am 13. September, von 11:30 bis 17:30 Uhr geöffnet. An den folgenden Tagen – Montag bis Donnerstag – ist das Café jeweils von 10 – 12 Uhr offen. Wir freuen uns sehr über Besucherinnen und Besucher.


Reschique – Klamottentausch- und Design Event

Am 26. September findet ab 15 Uhr im Kaffeehaus NUN wieder das Klamottentausch- und Design Event Reschique statt. Als Alternative zum Wegwerfkonsum kannst Du dort Kleider tauschen, aufhübschen, entwerfen, neues kreiern, sticken und nähen. Damit wollen die Veranstalter auch Gegenentwürfe zu Markenbranding, Einheitsmode und den meist unmenschlichen Herstellungsbedingungen aufzeigen.

Das Angebot wird durch Kaffee aus fairem Handel und leckere Kuchen abgerundet.

Auf Flickr gibt es Bilder von vergangenen Events und weitere Infos finden sich hier.

Reformation

Samstag, 01. November 2008

Mit diesem kleinen Eintrag möchte ich meinen bescheidenen Beitrag zum Reformationstag beisteuern. Heute erinnern wir uns ja daran, dass vor 500 Jahren etwas in der Christenheit geschehen ist, was wir landläufig als Reformation bezeichnen. Man könnte viel zur Reformation sagen und was aus sich aus ihr entwickelt hat. Man könnte auch darüber nachdenken wie das mit der Reformation weitergeht – dazu will ich unbedingt demnächst auch mal ein paar Gedanken hier aufschreiben. Heute aber möchte ich euch an einer kleinen Reformation teilhaben lassen, die in meinem Leben ständig geschieht.

Als ein paar Kubiker 2006 in Houston waren und dort auch etwas über unsere kleine Gemeinschaft erzählen sollten, haben wir eine Präsentation gebaut, die unsere Fragen wiedergab und haben damit einige an unserer eigenen kleinen Reformation teilhaben lassen. Zum einen sind mir diese Fragen kürzlich in Marburg begegnet und zum anderen habe ich sie gestern Abend mit der Vorschau-Funktion auf meinem MacBook angeschaut und dabei wieder festgestellt, dass es sich dabei um sehr interessante Fragen handelt – deswegen heute und hier, unsere alten und immer noch aktuellen Fragen, nach dem Klick…

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Missional, mehr als ein Wort

Dienstag, 08. Juli 2008

Heute bei meiner Tour durch die Blogs auf einen neuen Beitrag auf PastorBuddy mit dem Titel ›Missionarisch vs. Missional‹ von Simon deVries gestossen. In diesem Post greift er einige Gedanken von Makeesha Fisher auf.

Im Zuge einer Blogaktion zum Verständnis des Wortes ›missional‹ hatte sie über ihre persönliche Entwicklung und die Wandlung geschrieben, wie sie Kirche/Gemeinde und ihre Sendung wahrnahm. Im Begriff der Sendung steckt immer schon das GEH! im Sinne von „geh hinaus“. Dieses gehen verbindet sie mit einem verlassen der Gemeinde. Sie betont dabei auch das was jemand tut, bzw. wie er lebt, wenn er hinausgeht. Ihre Entwicklung im Verständnis des gesandt-seins bringt sei meiner Ansicht nach sehr gut in folgendem zum Ausdruck:

Was wir damals unter ›missionarisch‹ verstanden:
Zieh los um zu reden.
Zieh los um zu lehren.
Zieh los um zu urteilen.
Zieh los um zu retten.
Zieh los mit der eindeutigen Haltung dich selbst zu schützen.
Zieh los um die Leute mit zurück in die Kirche zu bringen.

Was wir heute mit ›missional‹ meinen:
Zieh los um zuzuhören.
Zieh los um zu lernen.
Zieh los um zu empfangen.
Zieh los um gerettet zu werden.
Zieh los mit der offenen Haltung Christi.
Zieh los um Kirche zu sein.

(frei übersetzt von Simon deVries, Quelle: Makeesha Fisher)

In all meinem Nachdenken über die Sendung, die uns als Nachfolger Christi zuteil wird, empfinde ich eine Ähnliche Entwicklung wie sie hier von Makeesha Fisher beschrieben wird. Während ich früher vielleicht auch davon gesprochen hätte, dass wir gesandt sind Menschen zu Jüngern zu machen (und dabei viele im Hinterkopf haben, dass jemand irgendwie manipuliert wird um eine gewisse Art von Entscheidung zu treffen), so würde ich heute eher davon ausgehen, dass ich dazu gesandt bin anderen dabei zu helfen Nachfolger zu werden, und während ich dieser Sendung nachgehe selbst eine Menge lerne, was mir dabei hilft nachzufolgen.

Bedeutung des Spezifischen

Montag, 02. Juni 2008

Zur Zeit nehme ich, wenn sich die Möglichkeit bietet – wie z.B. letzten Samstag auf einer Zugfahrt –, sehr gerne das Buch ›Intuitive Leadership‹ von Tim Keel zur Hand. In diesem Buch spricht Tim anhand seiner Geschichte einige Aspekte dessen an, was er als ›intuitive Führung‹ bezeichnet.

Einige Male ist mir bei der Lektüre etwas aufgefallen, das Tim auf Seite 73 als ein Kennzeichen von ›emerging churches‹ bezeichnet:

»Eines der Kennzeichen von ›emerging churches‹ ist es, dass sie die Bedeutung des Spezifischen und Lokalen wiederentdeckt haben. Aus dieser Wiederentdeckung folgt die Notwendigkeit von Geschichten um das Umfeld und die Identität zu interpretieren.«

[frei übersetzt aus Tim Keel, Intuitive Leadership, 73.]

Diese Wahrnehmung teile ich zutiefst. Wir sind uns dessen bewusst, dass sich die Nachfolge und damit verbunden, auch die Gemeinschaft der Nachfolgenden je nach Kontext anders gestaltet. ›Emerging Church‹ kann daher niemals als Modell wahrgenommen werden, das nun lediglich kopiert werden kann, vielmehr geht es darum nach Wegen zu suchen, die Nachfolge kontextuell angepasst in jedem Umfeld zu leben.

Diese Wiederentdeckung des Spezifischen und Lokalen kann auch als Reaktion auf die Annahme einer objektiven Wahrheit und der damit einhergehenden Vereinfachung wahrgenommen werden. Aus der Annahme, dass Erkenntnis und Wahrheit universal sind, folgt ein Vorgehen, welches sich an der Maxime orientiert, dass wenn etwas an einem Ort wahr ist, kann es genauso an allen Orten, zu jeder Zeit und für alle Menschen als wahr angenommen werden – und ist demnach auch für alle gleich autoritativ. Daraus folgt auch, dass es Menschen möglich ist Urteile zu fällen, die frei sind von Vorurteilen, da sie sich auf die Wirklichkeit beziehen, und zwar genau so wie sie ist. Eine weitere Auswirkung dieser Annahmen ist es, Wahrheit als nicht mehr hinterfragbar anzunehmen. Eine gewisse Form von Vereinfachung und Reduktionismus geht damit einher. Dies bedeutet, dass wir eine komplexe Begebenheit beobachten, die wir mittels vereinfachter Abstraktionen beschreiben, welche wiederum keine kontextuellen Überlegungen bedürfen.

Da es sich bei der Wiederentdeckung des Spezifischen und Lokalen um eine Reaktion auf die Auswirkungen dessen was im vorangegangen Abschnitt skizziert wurde handelt, kann dieser Eintrag auch als negative Abgrenzung verstanden werden. Mir geht es jedoch vielmehr darum, anhand der Ausführungen von Tim Keel, hier eine Skizze der Auswirkungen zu entwerfen, die aus der besagen Wiederentdeckung resultieren:

Wahrheit ist daher relativ.

Eine Aussage wie diese schmerz in den Augen mancher, und sie würden es vorziehen das letzte Wort mit ›relational‹ ersetzt zu sehen. Ich schreibe bewusst relativ, da das Konzept der Relativität meiner Ansicht nach genau davon spricht – alles steht in einem bestimmten Verhältnis zueinander – nicht in dieser Welt ist dieser Relativität enthoben (Siehe dazu auch den Relativität-Artikel der Wikipedia).

Nachfolge ist kontextuell.

Aus der Annahme der relativen Wahrheit folgt die Betonung des Kontextes. Die Gestaltung des Lebens sieht in jedem Kontext etwas anders aus, findet sich unterschiedliche Chancen und Herausforderungen ausgesetzt und wird daher unterschiedliche Aspekte betonen. Für mich spiegelt sich dies auch in der narrativen Form der Bibel wieder, es handelt sich bei ihr ja nicht um ein Lehrbuch, durch das bestimmte Lehrsätze vermittelt werden sollen, sondern um die Darstellung der Geschichte Gottes mit den Menschen. Auf diese Weise wird die Idee Gottes für uns anhand der Geschichten erkennbar, wir bekommen dadurch Inspiration um gemäß der Idee Gottes unser Leben im hier und jetzt zu gestalten.

Aus diesen Annahmen folgt für mich auch, dass es kein einheitliches Modell geben kann, an dem sich Gemeinschaften orientieren können, wollen sie in unserer Zeit gemeinsam nachfolgen. Vielmehr ist es uns aufgetragen aus den Geschichten zu lernen – sowohl aus älteren Geschichten der Bibel, Geschichten von Gemeinschaften aus der Vergangenheit, und auch von Geschichten von Gemeinschaften aus unserer Zeit von überall auf der Welt.

Lasst uns nach der Idee Gottes in all diesen Geschichten Ausschau halten, und lasst uns den Heiligen Geist darum bitten, uns in der lokalen Improvisation seiner Idee treu zu leben.

Theologie und Gemeinschaft

Montag, 17. März 2008

Eben einen älteren Artikel im emergenten Gedankengut mit dem Titel Experimentieren und Ausdauer gelesen. Der Artikel besteht aus einer freien Übersetzung des letzten Kapitels des Buches ›Reimagining Spiritual Formation‹, in dem Doug zusammen mit einigen von der Gemeinschaft ›Solomons Porch‹ über eine Woche im Leben ihrer Gemeinschaft schreiben. In diesem letzten Kapitel fasst Doug die Gedanken insofern zusammen, dass er von der Chance spricht Handwerker neuer Glaubensausdrücke für unsere Zeit zu sein und in diesem Zusammenhang auch die Notwenigkeit aufgreift Gemeinschaften zu sein die sich gemeinsam die Aufgabe der Theologie stellt.

Die Arbeit der Theologie muss in der ganzen Gemeinschaft geschehen.

Selbstverständlich werden die Gedanken unserer Vorfahren im Glauben Teil dessen sein, was wir tun. Diese jedoch einfach zu übernehmen kommt der Auslagerung des Denkens gleich. Dadurch wird Theologie zu einer starren Philosophie, wo sie doch eigentlich ein aktives Streben danach sein sollte wie wir Gottes Geschichte in unserer Zeit leben.

Die Gemeinschaften, die am Besten dafür ausgerüstet sind in unserer Zeit geistliche Entwicklung zu leben, sind diejenigen, die gemeinsam Theologie betreiben. Sie verstehen theologisches Arbeiten als eines der zentralen Elemente ihrer Gemeinschaft. Gemeinsam theologisch zu arbeiten ist ein notweniger Teil des geistlichen Entwicklungsprozesses. Dabei geht es mir nicht darum zu sagen, dass Theologie heute weniger wichtig ist, ich möchte unsere Gemeinschaften viel mehr dazu aufrufen sich an der theologischen Arbeit zu beteiligen.

Wäre es nicht wunderbar, wenn die Aufgabe aller Christen so verstanden würde, dass es nicht nur darum geht die Dinge des Christentums zu glauben, sondern Glaubensausdrücke zu kontextualisieren, zu kreieren, auszudrücken und sie zu leben?

[Doug Pagitt im letzten Kapitel seines Buches ›Reimagining Spiritual Formation‹]

Mir spricht dieses Streben nach einer Gemeinschaft in der wir gemeinsam Theologie betreiben direkt aus dem Herzen. Ich, und auch wir, sind dabei in diese Richtung zu experimentieren und dabei unsere Wege zu finden Glaubensausdrücke in unserer Zeit zu finden.

Eine Frage, die mich in diesem Zusammenhang immer wieder bewegt ist die Rolle der Kinder in diesem Prozess. Heute soll zu diesem Thema ein Hinweis auf einen Artikel auf Toby Faixs Blog genügen: Kinder Part 3: Defizitäre Wesen?

Dialogfähigkeit

Montag, 09. Juli 2007

In letzter Zeit stelle ich immer wieder erfreut fest, dass mit der Zeit eine gewisse Übung entsteht, die es uns als Gemeinschaft möglich macht in einen guten Dialog einzutreten. Diese Beobachtung stützt sich auf das was wir als Gemeinschaft zum einen in WortSport und zum anderen in den sonntäglichen Treffen erleben. Diese beiden Treffen sind von dem Gedanken durchdrungen gemeinsam an einem Lehrgespräch teilzunehmen, anstatt von einer Person einen Monolog dargeboten zu bekommen. Während ich so darüber nachdenke erinnere ich mich an eine kleine Geschichte die ich vor ungefähr zwei Jahren schrieb – heute ist ein guter Zeitpunkt sie hier zu veröffentlichen und uns allen damit eine Möglichkeit zu geben das hier und jetzt mit den Gedanken zum damals zu vergleichen…

Lehrer, lehren und lernen.
Auf der Suche nach Lernmöglichkeiten ohne schwere Augenlieder.
Sehen mit den Augen eines Lehrers, der selbst lernt.

Moby’s Ambient Platte legt einen Klangteppich unter unsere Gespräche. Es ist Montagabend und wir sitzen um einen großen Tisch, auf dem unsere kalten Getränke stehen und aufgeschlagene Bibeln liegen. Während jemand einen Abschnitt aus der Bibel liest, nehme ich einen erfrischenden Schluck aus meiner Bionade.

Bei einer Tasse Kaffee hatte ich mich am Nachmittag mit dem Thema für den heutigen Abend beschäftigt. Am Schreibtisch sitzend hatte ich den betreffenden Abschnitt gelesen und einen groben Fahrplan für den Abend entwickelt. Es wurden Blicke in Bücher geworfen, das Internet zu Rate gezogen und bei Blicken aus dem Fenster Gedanken nachgegangen. Ein grober Fahrplan, den man vielleicht besser strukturierte Stoffsammlung nennt, war entstanden, kein genauer Ablauf und auch kein ausformulierter Monolog.

Stimmen einer angeregten Unterhaltung. Die junge Frau in dem grünen T-Shirt sagt, mit ihrem Apfelschorle in der Hand: „Das verstehe ich nicht…“ Eine andere erzählt wie sie das angesprochene versteht und ein Dritter bringt sein Verständnis ins Spiel. Ich gebe durch einen Hinweis aus meiner Stoffsammlung eine Anregung zum Verstehen und wir betrachten eine Stelle in der Bibel, an der auch von dem angesprochenen die Rede ist. Mit einem Röhrchen im Mund denkt die junge Frau über das Gesagte nach. Sie nimmt einen großen Schluck und formuliert selbst, was sie jetzt verstanden hat. So entfaltet sich ein lebhaftes Gespräch, zu dem jeder etwas beiträgt. Wir umkreisen das Thema in unseren Gedanken, tauschen uns aus und lernen zusammen.

Hätte ich heute Nachmittag einen Monolog vorbereitet, wäre es mir möglich die Punkte, die mir wichtig sind der Reihe nach vorzutragen. An manchen Abenden würde ich vielleicht auch mit dem Gefühl nach Hause gehen, alles, was ich sagen wollte, wurde gesagt. Bei den anderen, die mit mir um den Tisch sitzen, könnte es jedoch passieren, dass nach einem langen Arbeitstag die Augenlieder immer schwerer werden und die Hauptaufmerksamkeit darauf verwendet wird, nicht einzuschlafen.

Die Unterhaltung ist in vollem Gang. Derjenige am anderen Ende des Tisches spricht davon, dass er mit den bisher eingebrachten Erkenntnissen und Argumenten nicht zufrieden ist: „Da Stimme ich nicht zu,“ sagt er. Ich warte einen Moment um zu sehen, wie diejenigen Reagieren, die ihren Teil beigesteuert haben und die jetzt in Frage gestellt werden. Ich frage mich, ob ich den Widerspruch so stehen lassen kann? Sollte ich etwas sagen? Wieder ergreift die junge Frau im grünen T-Shirt das Wort und geht auf den Widerspruch ein. Sie fragt nach den Gründen seiner Unzufriedenheit. Andere reihen sich ein und das Gespräch geht weiter. Gemeinsam erarbeiten wir das Thema. Hin und wieder stelle ich eine Frage, gebe etwas zu bedenken, oder schlage eine weitere Bibelstelle vor, meine Rolle ist eher mit einem Moderator zu vergleichen als mit einem Alleinunterhalter.

Das Engagement der jungen Frau im grünen T-Shirt fasziniert mich. Hatte sie zu Beginn des Abends selbst noch Fragen an den Text, so vertritt sie ihr Verständnis jetzt mit Argumenten und verbindet diese gleich mit Beispielen aus ihrem Leben, die für sie jetzt eng mit unserem Thema verbunden sind. Dabei geht sie behutsam vor. Sie wurde ernst genommen und hat etwas verstanden. Kann sie jetzt dazu beitragen, dass ein anderer aus der Runde nun ebenfalls etwas, was ihn schon eine Weile beschäftigt, besser versteht?

Unsere Notizblätter haben sich gefüllt, unsere kalten Getränke leerten sich mit jedem Schluck, bis auf die Afri–Cola des jungen Mannes am anderen Ende des Tisches, die sich langsam erwärmte und ihre Kohlensäure in die Freiheit entließ, da er im Verlauf des Gespräch ganz vergessen hatte zu trinken. Jeder konnte seinen Teil dessen einbringen, was er verstanden hat, und manchmal staunt der eine oder die andere über das was gesagt wird: „Das war mir ja vorhin noch gar nicht so klar, aber dadurch, dass ich das jetzt gesagt habe, verstehe ich es selbst besser!“

Wieder zurück an meinen Schreibtisch, gehe ich meine Notizen noch einmal durch und staune, was wir alles an diesem Abend geredet haben. Ich freue mich über die Dinge, die im Gespräch entstanden sind. Darunter sind Sachen, an die ich in der Vorbereitung nicht gedacht hatte, ohne die aber bei unserer Auseinandersetzung mit dem Thema entscheidendes gefehlt hätte.
[Juli 2005]

Adjektiv vs. Nomen

Mittwoch, 13. Juni 2007

Im letzten Beitrag über die kleinen Vereine kam ich in Andeutungen auf die Sache mit der „christlichen Subkultur“ zu sprechen. Darüber hinaus hatte ich in den Kommentaren angedeutet, dass ich der Verwendung des Begriffs ›Christ‹ – wenn damit auf Personen verwiesen wird – wesentlich aufgeschlossener gegenüber stehe. Rob Bell spricht in seinem Buch ›Velvet Elvis‹ über das Etikett ›christlich‹ und seine Verbindungen damit. In einigen Zitaten daraus möchte ich ihn hierzu zu Wort kommen lassen.

Die folgenden Aussagen könnte man vielleicht unter dem Motto »Christ ist ein tolles Nomen, christlich ein kümmerliches Adjektiv!« zusammenfassen:

»Es ist gefährlich, irgendetwas als „christlich“ zu etikettieren. Zuerst tauchte das Wort als Nomen in der Bibel auf. Die ersten Anhänger Jesu wurden als Christen bezeichnet, weil sie sich selbst dem lebendigen Weg des Messias verschrieben hatten, für den sie Jesus hielten.

Nomen. „Christ“. Eine Person. Eine Person, die Jesus folgt. Eine Person, die in Einklang lebt mit der letztgültigen Wirklichkeit, mit Gott. Eine Lebensweise die sich nach einer lebendigen Person ausrichtet.

Das Problem dabei, ein Nomen in ein Adjektiv zu verwandeln und es anderen Wörtern anzuheften, liegt darin, dass dadurch Begriffsklassen geschaffen werden können, die die Wahrheit eingrenzen. Damit meine ich: Irgendetwas kann das Etikett „christlich“ bekommen, auch wenn es nicht wahr oder gut ist.«
[Rob Bell, Jesus unplugged, 79f.]

Er geht weiter darauf ein, dass ein Christ keinen ›weltlichen Job‹ haben kann. Zunächst sagt er dazu, dass ein Christ alles was er tut mit Leidenschaft und Hingabe tun soll, da alles was er tut heilig ist. Dies hängt für ihn eng damit zusammen, dass ein Christ sein komplettes Leben aus der Beziehung mit Gott gestaltet. Dazu ein kurzer Abschnitt aus dem Brief an die Kolosser:

»Ihr seid von Gott erwählt, der euch liebt und zu seinem heiligen Volk gemacht hat. Darum zieht nun wie eine neue Bekleidung alles an, was den neuen Menschen ausmacht: herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Bescheidenheit, Milde, Geduld. Ertragt einander! Seid nicht nachtragend, wenn euch jemand Unrecht getan hat, sondern vergebt einander, so wie der Herr euch vergeben hat. Und über das alles zieht die Liebe an, die alles andere in sich umfasst. Sie ist das Band, das euch zu vollkommener Einheit zusammenschließt. Der Frieden, den Christus schenkt, muss euer ganzes Denken und Tun bestimmen. In diesen Frieden hat Gott euch alle miteinander gerufen; ihr seid ja durch Christus ein Leib. Werdet dankbar! Gebt dem Wort Raum, in dem Christus bei euch gegenwärtig ist. Lasst es seinen ganzen Reichtum unter euch entfalten. Unterweist und ermahnt einander mit aller Weisheit. Singt Gott von ganzem Herzen Psalmen, Hymnen, Loblieder, wie seine Gnade sie schenkt und sein Geist sie euch eingibt. Alles, was ihr tut und was ihr sagt, soll zu erkennen geben, dass ihr Jesus, dem Herrn, gehört. Euer ganzes Leben soll ein einziger Dank sein, den ihr Gott, dem Vater, durch Jesus Christus darbringt.«
[Kolosser 3,12-17]

Mir gefallen darüber hinaus auch seine Gedanken zum Engagement von Christen. Auf die Frage weshalb sie in der Gemeinde zu der Rob gehört Künstler nicht fördern, was am Fehlen von Theaterstücken in Gottesdiensten fest gemacht wird, antwortet er folgendes:

»Ich glaube nicht, dass etwas in einem Gottesdienst stattfinden muss, um „für Gott“ zu sein. Als wenn man „für Gott“ nur im Gottesdienst auftreten könnte . Eine Gemeinde besteht aus Menschen die lernen, wie man zu einer bestimmten Art von Menschen wird, egal, wo sie sich befinden. Was immer sie auch tun, sie tun es „im Namen des Herrn Jesus“. Das Ziel ist nicht, die Arbeit jedes einzelnen in die Kirche zu holen; Ziel ist, dass die Kirche aus diesen einzigartigen Menschen besteht, die dort etwas verwandeln, wo sie leben und arbeiten und spielen, weil sie wissen, dass die ganze Welt voll ist von der Herrlichkeit Gottes. Gott ist nicht nur in einem Gebäude.«
[Rob Bell, Jesus unplugged, 82.]

In dieser Aussage kommt meiner Ansicht nach etwas zum Vorschein, dass manche als Reich-Gottes-Perspektive bezeichnen würden. Unsere Sendung als Christen ist es demnach nicht in erster Linie „Gemeinde zu bauen“, sondern am Handeln Gottes zu partizipieren. Diese Partizipation kann sicher in Gemeinde stattfinden, ist jedoch viel weiter und passiert in unserem ganz normalen Alltag:

»Die Etiketten versagen also, ganz gleich, wie sinnvoll sie von Zeit zu Zeit sind, denn so ist das Leben, das Jesus bietet: ein Leben das von Menschen gelebt wird, die ihr ganzes Leben danach ausrichten, dem, was Jesus sagte, möglichst nahe zu kommen.«
[Rob Bell, Jesus unplugged, 82.]

Hinsichtlich der Tendenz eine eigene „christliche Subkultur“ zu brauchen um sich von der „bösen/gefallenen Welt“ zu schützen artikuliert Rob ebenfalls einige klare Gedanken. Ich erinnere mich an die Frage von Eltern, die gerne ein „christliches“ Pendant zur Lieblingsband ihrer Sprösslinge genannt haben wollten. Dadurch sahen sie einen positiven Einfluss gewährleistet. Dies kann bisweilen auch so sein, was ich sehr hoffe [vgl. das Zitat aus dem Brief an die Kolosser], befreit uns jedoch nicht davor zu prüfen…

»Wenn wir Dinge mit dem Etikett „christlich“ versehen, besteht die Gefahr, dass wir blind etwas konsumieren, das uns als sicher und akzeptabel angeboten wurde. Wenn wir die Antennen der eigenen Urteilskraft einfahren, können gefährliche Dinge passieren. Wir müssen alles prüfen. Ich freue mich über die vielen Christen, die kreativ sind und schreiben, Filme machen oder singen. Jeder der – wo auch immer – alles daran setzt, Menschen auf die tiefere Wirklichkeit Gottes hinzuweisen, tut etwas Schönes. Doch diese Schriftsteller und Künstler, Denker und Sänger würden Ihnen alle raten, ausgiebig und tief über das nachzudenken, was sie da sagen und tun und schaffen. Testen sie es. Stellen sie alles auf den Prüfstand.«
[Rob Bell, Jesus unplugged, 82.]

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Ich mag das Buch sehr und geniesse es zur Zeit mit einigen aus der Kubik-Gemeinschaft gemeinsam zu lesen. Im Gespräch über Robs Gedanken prüfen wir auch seine Gedanken und behalten hoffentlich das Gute und werden inspiriert.

Jesus unplugged
“Jesus unplugged” (Rob Bell)

Velvet Elvis
“Velvet Elvis: Repainting the Christian Faith” (Rob Bell)

Was mich nachdenklich macht ist, weshalb ein Buch das im Original wunderschön ist durch die Übersetzung und Herausgabe in Deutschland die komplette Schönheit verliert.

Gute Gespräche

Mittwoch, 08. November 2006

Es gibt sie, gute Gespräche. Neben einer Menge solcher mit Roger bei dem Mark und ich hier in Houston wohnen, hatten wir heute eine super Zeit mit Josh Packard. Er ist Soziologe und beschäftigt sich ausführlich mit selbstorganisierenden Systemen, auch im Bezug auf Gemeindesachen, lehrt an einer Uni und ist einfach ein cooler Typ. Und so saßen wir bei leckeren Kaffeemischgetränken [speziell für dich Philipp, erwähne ich das] im Sonnenschein [T-Shirt] und sprachen über Kubik, Gemeindesachen, Soziologie und Unterrichten. Für mich sehr krass, wenn man Menschen trifft mit denen es passt und man so tiefe Gespräche hat.