Archiv für die Kategorie 'Missio Dei'

ich verurteile niemanden

Montag, 02. August 2010

Eine Aussage von Jesus, die wir zu gerne vergessen. Im Evangelium nach Johannes wird im achten Kapitel erzählt, dass einige Gesetzeslehrer Jesus eine Falle stellen wollen, sie konfrontieren ihn mit einer Frau, die sie beim Ehebruch erwischt haben – wie auch immer sie das angestellt haben. Sie wollen wissen wie er reagiert, wird er dem Gesetz gemäß handeln? Wenn er etwas mit Gott zu tun hat, dann wüsste er genau, was hier zu tun ist. Steine und eine Menschenmenge haben sie schon mal organisiert.

Jesus sagt nichts, er bückt sich und schreibt etwas auf den Boden. Sie nerven ihn weiter, worauf Jesus aufsteht und sagt: »Ok, ich weiß worauf ihr raus wollt. Derjenige von euch, der noch nie eine Sünde begangen hat, der soll anfangen und den ersten Stein auf die Frau werfen.« Dann bückt er sich wieder und schreibt auf den Boden. Daraufhin ziehen sich nach und nach alle zurück. Jesus bleibt allein mit der Frau zurück. Er wendet sich ihr zu und fragt sie, ob denn keiner mehr da sei, der sie verurteilen möchte. Alle hatten sich zurück gezogen. »Ich verurteile dich auch nicht, du bist frei, sündige nicht mehr.«

Auf diesen Abschnitt folgt die Aussage, die ich im Titel zitiere, und die sich im Wochenspruch für diese Woche Monatsspruch für August* findet:

»Ihr urteilt und verurteilt nach euren Maßstäben,
ich verurteile niemanden.«

»Sollte ich jedoch einmal ein Urteil fällen, dann wäre es ein wahres Urteil«, fährt er fort. »Ich leite es nicht aus der Begrenztheit meiner Erfahrungen ab, sondern aus der allwissenden Liebe und Größe dessen, der mich gesandt hat.«

Es ist genau dieses liebende Licht, eine offene liebevolle Hinwendung Gottes zu den Menschen, von denen Jesus hier spricht. Kein beissend helles Neonlicht, in dem die Fratzen unserer Abgründe noch viel schrecklicher aussehen. Ein warmes liebevolles Licht, das deutlich macht, dass wir geliebt sind, auch und gerade wegen dem wer wir sind und was wir tun. Diese liebevolle offene Hinwendung zu unseren Mitmenschen ist es, zu der wir von Gott eingeladen sind.

Unsere Urteile, das bestehen auf harten Fakten und klaren Richtlinien, erscheint in diesem Zusammenhang nicht als die richtige Auslegung der Schrift. Sie zerstören Beziehungen. Sie grenzen aus. Sie machen das Leben schwer. Ich wünsche mir ein Christentum, dass ohne Hintergedanken liebt und auf diese Weise hoffnungsvoll und wertschätzend ist.

* vielen Dank für den Hinweis auf diesen Fehler an meinen Dad!

Die Welt auf den Kopf stellen

Mittwoch, 31. März 2010

Die Welt auf den Kopf stellen

In unserer Zeit scheint es ab und an so, als stelle man die Welt auf den Kopf, wenn man von den Beziehungen her denkt. Einige Gedanken dazu habe ich anhand des Bildes einer Schneekugel für das Magazin THE RACE aufgeschrieben. Und als ich das geschrieben habe, war noch nicht abzusehen wie lange der Winter geht, und dass danach die Meisten nicht mehr gerne an Schnee denken. Daher bitte ich euch um Verständnis für die Schnee-Metapher.

Da die Herausgeber des Magazins so freundlich waren und die Veröffentlichung des Artikels auch online erlaubten, kann ich euch nicht nur das Foto da oben zeigen, sondern euch einladen den Artikel zu lesen: → Die Welt auf den Kopf stellen.

Michael Gibis hat netterweise ein paar Illustrationen für den Artikel gemacht, die es ebenfalls dort zu sehen gibt. Falls dein Browser CSS3 unterstützt kannst du die Schneekugel in der Mitte des Artikels umdrehen, falls nicht tut es mir leid.

In diesem Sinne empfehle ich die Lektüre des Artikels, und bei Interesse einen Blick in das Inhaltsverzeichnis des Magazins und für diejenigen die das noch nicht angeschaut haben, auch in das bzwLEBEN-Buch.

Optionen der Dekonstruktion

Sonntag, 14. Februar 2010

Wohin führt uns die Dekonstruktion? Sie zieht uns den Boden unter den Füßen weg. Führt sie uns damit nicht in eine ausweglose Lage, an der wir nur noch unser Christsein an den Nagel hängen können? Wenn wir all die Glaubensfragen aufgeben, landen wir dann nicht dort wo „die Liberalen“ der 70er Jahre standen? Solche oder ähnliche Fragen und Gedanken begegnen mir häufiger. An manchen Tagen werden sie von aussen an mich herangetragen, an anderen drehen sie sich in meinen Gedanken. In den letzten Tagen habe ich viel darüber nachgedacht. Dieses Nachdenken wurde beflügelt durch das Hören von David Bazans Musik, den Gedanken von Arne zu nichts-sagend-glauben, einem Interview mit Peter Rollins und Texten aus dem Buch des Propheten Amos.

Ich versuche hier mal meine Gedanken anhand von zwei Optionen der Dekonstruktion des Christentums darzustellen. Dabei bin ich mir sehr bewusst, dass es sich dabei lediglich um eine Karikatur handeln kann, eine Karikatur jedoch, von der ich annehme, dass sie etwas wichtiges verdeutlicht.

Absage und Lethargie

Es kursiert die Angst, dass eine Dekonstruktion des Christentums im Extremfall zur Aufgabe all dessen führen könnte was das Leben als Christ bis dorthin ausgemacht hatte. Ein Beispiel dieser Möglichkeit sehe ich in den Geschichten, die David Bazan in seinen Liedern erzählt. Er verarbeitet in seinen Liedern einiges aus seiner eigenen Geschichte. Aufgewachsen in einem konservativ-christlichen Umfeld, das stark von metaphysischen Annahmen – der übergeordneten Bedeutung des Jenseits beispielsweise – und Verboten geprägt war. Wenn diese Prägung dekonstruiert wird, führt das zu einem Hadern mit Gott, dem jenseitigen unbeweglichen Beweger. Angesichts der Ohnmacht all den moralischen Verboten gerecht zu werden, und der Unmöglichkeit ein „sündloses“ Leben zu führen, steht er seinen Abgründen gegenüber – Alkohol- und Drogenexzesse gepaart mit sexueller Zügellosigkeit.

Im Extremfall würde eine solche Position zu einer nihilistischen Weltsicht führen – wobei ich nicht sagen möchte, dass dies bei Bazan der Fall ist. Eine Weltsicht, die Gott wegen all des Unheils anklagt, die Sinnlosigkeit eines bewussten Lebensstils betont, und sich an diesem Punkt resigniert von allem bisherigen abwendet. In gewisser Weise käme das dann einer Kapitulation gleich, ein sich einordnen in die Kräfte der bisher verteufelten bösen Welt. Ein Glaube, der vor allem geprägt war durch die Annahme von Glaubenswahrheiten, würde an einem solchen Punkt zerfallen, er würde aufhören zu existieren. Die Notwendigkeit sich an die moralischen Verbote zu halten würde mit ihm aufgegeben werden, und könnte den Weg zu einem Zügellosen Leben bereiten. Diese Annahmen betrachte ich bewusst als Karikatur, auch wenn ähnliche Geschichten tatsächlich zu passieren scheinen, und trotz der Angst in manchen Kreisen, genau das wäre es, wohin uns die dekonstruktivistischen Ansätze der emergenten Bewegung führen werden.

Handeln und Erwartung

Auf der anderen Seite kann durch die Dekonstruktion des Christentums die Möglichkeit angenommen werden, die das Handeln betont und in diesem ein so genanntes Gottesereignis erwartet.

Die Dekonstruktion des Chistentums, und damit sind ja vor allem die Paradigmen, also die Glaubenssätze und die Weltsicht gemeint, macht uns in vielen Zusammenhängen sprachlos. Wir betrachten Äusserungen über Gott als Interpretationen, dadurch verlieren sie die Aura absoluter Wahrheit und werden relativiert – in Relation gestellt. Dennoch halten wir an Gott fest. Nicht im Sinne einer allmächtigen Person im Jenseits, sondern im Sinne eines sinngebend Handelnden, der nicht zu fassen ist. Die Aspekte, die wir von ihm verstanden zu haben glauben, könnten sich als falsch erweisen, dessen sind wir uns bewusst. Dieses Bewusstsein führt uns nicht zur Lethargie, sondern ermöglicht uns vorläufige Interpretationen anzunehmen und diese ständig weiter zu entwickeln. Wir handeln entsprechend dem, was wir aus den Überlieferungen seiner Geschichte mit den Menschen interpretieren. Wir leben human, kümmern uns um Gerechtigkeit und achten unser Gegenüber, sei es ein Mensch, ein Tier oder die Pflanzenwelt.

In diesem Sinne wären wir gute Humanisten, und die Frage läge nahe, wozu es den Zusatz »Gott« noch brauchte. Doch in all dem Handeln erwarten wir das Gottesereignis. Was das genau ist, dafür fehlt uns die Sprache. Es fällt leichter zu sagen, was es wahrscheinlich nicht sein wird. Doch könnte es nicht sein, dass »Gott« sich hier ereignet, gerade in der Begegnung mit einem Mitmenschen, dem Einsatz für Gerechtigkeit, dem verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung. Es bleibt die Erwartung eines handelnden Gottes, eines Gottes der nicht nur ursprünglich Bewegender war und dann seine Schöpfung sich selbst überlies, sondern einer Gottesgemeinschaft, die heute noch involviert ist, subtil, in der Gestalt der Schöpfung. An dieser Stelle beginnen wir uns zu Fragen wie dieses Gottesereignis konstituiert ist, vielleicht auch, was unter dem Begriff »Heiliger Geist« zu verstehen ist. Führt uns die Aussage Slavoj Zizeks weiter, der den Heiligen Geist mit der »kommunistischen Partei« vergleicht, und in ihm den Antrieb sieht, der die Menschen motiviert gerecht zu handeln, einander zu lieben?

Ein solches Handeln voller Erwartung kapituliert nicht. Es definiert sich nicht aus Verboten, wiewohl es sich der eigenen Abgründe bewusst ist. Es blickt jedoch auf die Möglichkeiten, versucht dem Ereignis Gottes nachzuspüren und in diesem Sinne zu leben. Versteht sich eingeladen in die Gottesgemeinschaft, ohne konkrete Worte dafür zu haben.

In diesem Sinne verstehe ich die emergente Bewegung, zumindest das was ich davon zu kennen glaube, als missionale Bewegung. Eine Bewegung die sich danach ausstreckt an dem zu partizipieren was sie die Gottesgemeinschaft zu tun annimmt, und in diesem Leben, Handeln, nach dem Gottesereignis Ausschau hält. Und während sie handelt, reflektiert und zu vorläufigen Interpretationen kommt, die sie gerne intellektuell redlich zur Sprache bringen möchte. Eine suchende Bewegung, eine Bewegung der Liebe, eine Bewegung des Handelns und in dem allem eine dekonstruktivistisch denkende Bewegung, die wie Jeremia mit Gott um ihn ringt. Ein Weg, über den ich sehr dankbar bin.

Inkarnation und Empathie

Montag, 07. Dezember 2009

Kester Brewin schreibt momentan interessante Blogeinträge rund um das Thema Inkarnation. Für ihn gründet die Bedeutung der Adventszeit im Inkarnationsereignis. Das Geheimnis der Inkarnation ist sowohl faszinierend wie auch grundlegend für mein Verständnis von gelebter Nachfolge in unserer Welt.

Unter dem Titel »Gott blickt durch die verzerrte/verzerrende Sicht der Menschheit« erschien der vierte Eintrag Kesters zur Inkarnation. In diesem Eintrag thematisiert er eine interessante Sichtweise der Beweggründe Gottes Mensch zu werden. In Anlehnung an Zizek formuliert er einen möglichen Beweggrund als Gottes Wunsch sich selbst aus der verzerrten Perspektive der Menschen wahrzunehmen. In diesem Beweggrund verbirgt sich die Wurzel wahrer Empathie. Wir lassen uns nicht auf „den Anderen“ ein um ihn möglichst deutlich zu erkennen, sondern um nah genug zum Anderen zu gelangen um wahrzunehmen wie der Andere uns sieht.

In diesem Zusammenhang finde ich auch die Gedanken Bubers sehr spannend, dass wir in der Begegnung mit dem Anderen zu uns selbst werden. In der Begegnung mit dem Anderen erfahren wir sehr viel über uns selbst, darüber wie der Andere mich sieht, wie er mich wahrnimmt. Dies gilt selbstverständlich für alle Beteiligten.

Meiner Ansicht nach eröffnet dieser Gedanke eine größere Weite der Menschwerdung Gottes. Sie betont das Beziehungsgeschehen dem wir das Attribut Gott zuweisen auf eine eindrückliche Weise. Gott macht sich auf den Weg zu seinen Geschöpfen um durch deren Perspektive wahrzunehmen wie diese ihn wahrnehmen. Er durchbricht eine gewisse Trennung, öffnet sich, und blickt mit neuen Augen auf „sich selbst“.

Kester zitiert in seinem Eintrag eine Aussage Slavoj Zizeks, in der er diese Sichtweise auf den Punkt bringt:

Christus musste nicht nur dazu erscheinen um der Menschheit Gott zu offenbaren, sondern auch um Gott sich selbst zu offenbaren.

Darin sieht Kester das Zentrum des Erdbebens das durch die Inkarnation ausgelöst wurde. Was er daraus folgert halte ich ebenfalls für zentral. All unsere inkarnatorische Praxis sollte von dieser Haltung geprägt sein. Wir interagieren nicht aus dem Grund mit dem Anderen weil wir glauben ihm helfen zu müssen heil zu werden, sondern weil wir davon ausgehen, dass wir ihn benötigen um selbst heil zu werden. So verstanden bekommt inkarnatorisch verstandene „Mission“ eine sehr gute und stark dialogisch geprägte Bedeutung.

Das Fest zum Buch

Dienstag, 01. September 2009

erscheinungsFEST

Während das Beziehungsweise Leben Buch momentan in der Druckerei die letzten Meter zurücklegt um in kurzer Zeit als echtes Buch in unsere Hände zu gelangen planen wir ein kleines aber feines Fest zum Buch.

Am Abend des 26.09. wollen wir in der Wohnung des CVJM Karlsruhe das neue Buch feiern, etwas über die Entstehung reden, durch kurze Lesungen Einblicke eröffnen, Leckereien in Händen halten und dazu etwas trinken. Nach und nach wird es im bzwBLOG nähere Infos zum Fest geben. Ein facebook-Event habe ich schon mal angelegt und natürlich schreibe ich das hier weil ich mich sehr freuen würde wenn wir gemeinsam ein feines Fest zum Erscheinen des Buches feiern würden…

Einheit in Vielfalt

Mittwoch, 29. Juli 2009

In meinem Feedreader bin ich eben über einen Artikel auf KarmaKonsum gestolpert auf den ich sofort hier hinweisen möchte, vor allem um meine vollste Zustimmung kund zu tun.

Dort heißt es, dass nachhaltiges Wirtschaften und Umweltschutz eine spirituelle Pflicht sind. Der Verantwortliche Umgang mit der Schöpfung ist meiner Ansicht nach ein grundlegender Aspekt der Idee Gottes und spielt aus diesem Grund auch eine zentrale Rolle in unserem Leben.

Ich freue mich auch zutiefst über das was im letzten Abschnitt angesprochen wird und freue mich auf all das was wir auf dieser gemeinsamen Reise erleben werden:

Hier sehe ich ein sehr großes insbesondere soziales Veränderungspotenzial, wenn die Gläubigen dieser Welt eine gemeinsame Vison bekämen. Nicht mehr die Unterschiede, sondern die Gemeinsamkeiten rückten damit in den Fokus: Unity in Diversity.

In diesem Sinne spreche abschließend noch eine Leseempfehlung für den ganzen Artikel aus!

Jesus wants to save Christians

Dienstag, 07. Juli 2009

Auch über das Buch »Jesus Wants to Save Christians von Rob Bell und Don Golden habe ich einen ähnlichen Text geschrieben, der hierher passt…

_

Jesus Wants to Save ChristiansRob Bell und Don Golden, die eine Zeit lang gemeinsam als Pastoren der Mars Hill Bible Church in Grand Rapids tätig waren, beschreiben in diesem Buch eindrücklich wie ein Leben gemäß der Idee Gottes aussehen kann. Das Buch folgt in seinem Aufbau der biblischen Erzählung. Theologisch berufen sie sich auf die so genannte „Neue Exodus Perspektive“. In diesem Sinne sprechen sie viel über Unterdrückung und die Befreiung aus derselben.

Ihre Darstellungen beginnen mit Kain und Abel und führen über menschliche Zivilisation bis hin zur Versklavung des Volkes Israel in Ägypten. Ausführlich wird der Auszug aus der Sklaverei (Exodus) thematisiert, der das Volk an den Sinai führte an dem Grundlagen ihrer Sozialisation gelegt wurden. Das Volk Israel lässt sich schließlich in dem ihnen verheißenen Land nieder und errichtet in Jerusalem seine eigene Zentrale der Macht. Am Beispiel Salomons machen die Autoren deutlich wie eine Abkehr von Gerechtigkeit bis zum Einlassen auf Sklaverei einen Menschen seine Geschichte vergessen lassen kann und ihn so auch von dem Weg abbringen kann den er gehen wollte. Salomon und seine Berater vergaßen ihre eigene Geschichte, versklavten andere Menschen und führten dadurch letztendlich wieder sich selbst und ihr Volk in die Unterdrückung (Babylon).

Golden und Bell sehen hier eine Art Kreislauf zwischen einem Leben in Freiheit, dem Vergessen der eigenen Geschichte und Abwendung von Gerechtigkeit und erneuter Unterdrückung (Ägypten / Sinai / Jerusalem / Babylon). Diesen Kreislauf betrachten sie auch systemisch und übertragen ihn sowohl auf das Leben einzelner Christen als auch auf die gesamte Christenheit. In dem Leben und Wirken Jesu Christi sehen sie einen neuen Exodus. Durch Christus sind wir aus der Sklaverei unserer Konzentration auf uns selbst befreit und dürfen nun zum Sinai kommen. Dort brauchen wir nicht jemand anderes vorschicken, der für uns auf Gott hört, weil wir Angst haben, sondern dürfen auf ihn hören und schöpfen aus dem Gehörten Kraft an dem mitzuwirken was Gott tut – der Befreiung der Unterdrückten.

Das Buch ist eine eindrucksvolle Inspiration zu gelebter Nachfolge. Durch die einfache Sprache gelingt es den Autoren sehr gut komplexe Zusammenhänge verständlich zu kommunizieren und zu einem Leben zu inspirieren das am befreienden Handeln Gottes mitwirkt.

Ein Buch an Christen, das davon spricht in welchen Bereichen wir dringend Jesu Befreiung benötigen:

Jesus wants to save us from making the good news about another world and not this one.

Jesus wants to save us from preaching a gospel that is only about individuals and not about the systems that enslave them.

Jesus wants to save us from shrinking the gospel down to a transaction about the removal of sin and not about every single particle of creation being reconciled to its maker.

Jesus wants to save us from religiously sanctioned despair, the kind that doesn’t believe the world can be made better, the kind that either blatantly or subtly teaches people to just be quiet and behave and wait for something big to happen „someday.“

Quelle: Don Golden und Rob Bell, Jesus wants to save Christians, 179.

_

Ich persönlich halte das Buch für ein sehr gutes Buch zur Vertiefung der Nachfolge im Sinne der Partizipation an Gottes befreiendem Handeln.

The Orthodox Heretic

Samstag, 04. Juli 2009

Als ich eben einen kurzen Text zum Buch ›The Orthodox Heretic and other impossible tales‹ von Peter Rollins geschrieben habe, dachte ich mir dass dieser auch hier stehen könnte:

_

The Orthodox HereticIn diesem Buch führt Peter Rollins seine Gedanken zu einem Leben jenseits von Glauben in der konkreten Nachfolge Christi konsequent weiter. Während er in seinen beiden ersten Büchern (How (not) to speak of God und The Fidelity of Betrayal) einen stärker kognitiv-philosophischen Zugang wählte, schreibt er nun auf der Ebene von Erzählungen.
Inspiriert durch die Parabeln Jesu erzählt er Geschichten die tiefere Schichten in den Leserinnen und Lesern ansprechen. Während eine kognitive Abhandlung Gedanken klar und nachvollziehbar darstellen möchte, sieht er die Besonderheit der Erzählung in den unterschiedlichen Facetten ihrer Bedeutung die die Leserinnen und Leser immer wieder in eine meditative Beschäftigung mit derselben rufen.
Es geht ihm mit den Parabeln nicht darum ein Buch anzubieten das durchgelesen und verstanden werden kann, sondern stärker darum dass die einzelnen Erzählungen meditativ und bewusst gelesen werden und dass sie das Leben der Leserinnen und Leser verändern. Um diese Ausrichtung zu betonen schreibt er im einleitenden Kapitel über den Unterschied von „hören“ und „gehorchen“ wie er in unserer Kultur besteht.
Dieses Buch führt die Leserin und den Leser in eine tiefe Auseinandersetzung mit der eigenen Nachfolge. Die 33 enthaltenen Erzählungen ordnet er in drei Teilen an. Im ersten Teil mit dem Titel „Jenseits des Glaubens“ richtet er den Blick auf die gelebte Nachfolge. Mit der Möglichkeit der doppelten Auslegung verwendet er „G-O-D-I-S-N-O-W-H-E-R-E“ als Titel für den zweiten Teil und spricht über die Ambivalenz von Nähe und Ferne Gottes. Im dritten Teil schreibt er über die Verklärung der Nachfolgenden in das Bild Christi. Zu jeder Geschichte bietet Rollins eine kurze Ausführung seiner Gedanken.
Das Buch eignet sich wunderbar zur meditativen Lektüre und ist in dieser Weise eine Art Andachtsbuch für die tägliche Meditation. Darüber hinaus kann es sehr gut zur Lektüre und den Dialog in Zellgruppen eingesetzt werden. In der Auseinandersetzung mit dem Buch wächst auch die eigene Phantasie Fragen der Nachfolge in Parabeln und Erzählungen zu fassen und in dieser Weise dem Weg Jesu zu folgen.

_

Falls es im Text noch nicht deutlich herauskam, ich empfehle dieses Buch uneingeschränkt und halte es für ein sehr wertvolles meditatives Buch zur Vertiefung unserer Nachfolge. Was denkt ihr, die ihr das Buch gelesen habt, dazu?

Eucharistie

Freitag, 12. Juni 2009

Gestern war hier ein Feiertag der den Namen Fronleichnam trägt, dieser regte einige Gedanken in mir an, weshalb ich nun einen kurzen Eintrag zu diesem Feiertag und zu dem was im Zusammenhang mit dem Wort Eucharistie denkbar ist schreibe.

In einem Café sitzend streifte mein Blick über einen Absatz in der Tageszeitung in dem etwas zu Fronleichnam stand. Er sei eingeführt worden da eine gewisse Juliana von Lüttich in einer Vision das Fehlen eines Festes der Altarsakramente wahrgenommen hatte. In diesem Sinne wurde dann das „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“ mit Prozessionen angeführt durch die Altarsakramente eingeführt. Der Name „Fronleichnam“ gilt als Eindeutschung des lateinischen „Corpus Domini“ und leitet sich von dem Mittelhochdeutschen „vrône lîcham“ ab, was wiederum des Herren Leib bedeutet. Dieser Zusammenhang löste dann schließlich mein Nachdenken über die Eucharistie aus.

Im Zusammenhang mit ihrer Deutung des Exodus schreiben Rob Bell und Don Golden im sechsten Kapitel ihres Buches „Jesus wants to save Christians“ über eine mögliche Deutung des Begriffs Eucharistie. Zunächst erläutern sie den Zusammenhang von Passahfest, Exodus und Eucharistie. Das bevorstehende Exodusgeschehen das durch den Tod und die Auferstehung Jesu Christi einen Höhepunkt erfuhr, beinhaltete ein gemeinsames Passahmahl Jesu mit seinen Jüngern. In diesem Mahl wurde die befreiende Handlung Jesu im Kreise der Jünger in die Geschichte des Exodus gestellt.

Der griechische Begriff „Eucharistie“ drückt das geben einer guten Gabe aus. Diese gute Gabe ist zunächst Christus, der sich selbst zur Befreiung und Heilung der gesamten Schöpfung hingibt. Damit schafft er die Möglichkeit der Erneuerung der gesamten Welt. Nach Ansicht von Bell und Golden führt uns die Erinnerung an diese gute Gabe zu unseren Wurzeln, nämlich der Partizipation an der Heilung und Befreiung der gesamten Welt. Die Eucharistie könnte in diesem Sinne als die Hingabe von uns selbst verstanden werden, um in der Teilnahme an dem was Gott tut an der Heilung der Welt mitzuwirken.

In diesem Sinne verbindet sich Kontemplation und Aktion auf eine tiefe Weise. In der Eucharistie wird die gute Gabe Jesu Christi und die metaphorische Vereinigung des Leibes Christi mit uns meditiert und gleichzeitig deutet diese Meditation auf die Teilnahme am Handeln Gottes hin und führt uns daher zu einem eigenen befreienden und lebensschaffenden Handeln.

_

Weitere Informationen zu Fronleichnam finden sich in der Wikipedia.

Das Buch „Jesus wants to save Christians“ hat eine Webseite und kann hier über Amazon bezogen werden.

gerecht & nachhaltig

Donnerstag, 04. Juni 2009

Propeller

Morgen Abend werde ich im Rahmen von Propeller etwas darüber reden was mir im Bezug auf Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit in Verbindung mit der Idee Gottes wichtig geworden ist. Getreu dem Motto „Inspirationen zum Leben und Handeln im Einklang mit Gott, Menschen und Natur“ erwarte ich morgen einen inspirierenden Abend. Herzliche Einladung von meiner Seite.