Archiv für die Kategorie 'Philosophie'

Gemeinsam den Tod des autonomen Selbst feiern! – Teil 1

Montag, 01. Februar 2010

Unter diesem Titel hielt ich ein kurzes Impulsreferat am Ortstermin der Initiative SüdWest von Emergent Deutschland am letzten Samstag. In einer kurzen Serie von Einträgen möchte ich ein wenig über die Gedanken schreiben, die mir in diesem Zusammenhang wichtig sind.

Meine Begeisterung für relationale Ansätze, und die damit verbundene Präsenz derselben in meinem Reden, Denken und Schreiben, haben nichts damit zu tun, dass ich deren Wahrheit oder Überlegenheit beweisen möchte, sondern liegen vielmehr in der Wertschätzung der Möglichkeiten, die diese Perspektive eröffnet. In diesem Sinne möchte ich auch die folgenden Gedanken und den Titel verstanden wissen.

Zur Formulierung des Titels wurde ich durch eine Äusserung von Stanley J. Grenz in »The Social God and the relational Self« inspiriert. In einem Abschnitt über postmoderne Ansätze zum Umgang mit Individuum und Selbst, spricht er davon, dass in der postmodernen Philosophie der Rückgang der Bedeutung des Individuums, des autonomen Selbst, begrüßt wird (Grenz, 133ff). Diese Andeutung verleitete mich dazu von einer gemeinsamen Feier des Todes des autonomen Selbst zu sprechen. Was ich darunter verstehe möchte ich nun stückweise umschreiben.

Das Selbst als Knotenpunkt in einem sozialen Netz

In der so genannten Bibel postmodernen Denkens, dem Buch »Das postmoderne Wissen«, schreibt Jean-François Lyotard über das Ende der großen Erzählungen. Solcher Erzählungen die für sich in Anspruch nehmen, die Welt als Ganze zu erklären. Angesichts des Endes dieser Großen Erzählungen konstatiert er, dass damit jeder auf sich selbst zurückgeworfen ist. Manche haben diese Aussage für ein Loblied auf den Individualismus gehalten. Und auch ich ging zu manchen Zeiten davon aus, eine Aufgabe des Individuums darin zu sehen, sich selbst neu zu erfinden, die möglichst autonom bewerkstelligt werden sollte. Die Perspektive ändert sich jedoch schlagartig, wenn wir den folgenden Satz mitlesen:

»Jeder ist auf sich selbst zurückgeworfen. Und jeder weiß, daß dieses Selbst wenig ist.« (Lyotard, 54)

Das Selbst ist wenig. Es ist nicht so, dass jede und jeder nun autonom und aus freien Stücken die Aufgabe hätte sich selbst neu zu erfinden, und dazu in der Lage wäre. In den folgenden Ausführungen geht Lyotard darauf ein, dass das Selbst als eine Art Knotenpunkt im Netz der sozialen Verbindungen verstanden werden könne.

Er erläutert diese Gedanken im Bild der Sprachspiele. Beim Selbst handelt es sich um einen Knotenpunkt im Kommunikationskreislauf. Durch die Kommunikation in die das Selbst eingebunden ist, wird es ständig dazu herausgefordert eine neue Position einzunehmen, sich zu verändern. Dies ist eine Andeutung der Annahme einer beweglichen Identität, die in dynamischem Austausch mit dem jeweiligen Umfeld steht, und nicht mehr statisch wahrgenommen werden kann. Auf der anderen Seite ist es jedoch auch eine Betonung der sozialen, relationalen Komponente der Identität, also des Selbst. Das Individuum erfindet sich daher nicht ständig autonom neu, sondern befindet sich in der sozialen Dynamik, die eine ständige Neubestimmung mit sich bringt.

Mit der Andeutung des ersten Gedankens aus dem Impulsreferat möchte ich auch schon diesen Eintrag beenden. Für mich wird in diesem ersten Gedanken die gemeinsame Feier des Todes des autonomen Selbst in der Weise deutlich, dass eine relationale Sicht des Individuums, eine Sicht auf die sozialen Zusammenhänge eröffnet, in den sich das Selbst befindet. Verstanden als Knotenpunkt im Kommunikationsnetz wird sowohl die Dynamik der Identität angedeutet, als auch seine Verwobenheit in die Kommunikationsvorgänge des Umfeldes. Das Selbst wird demnach weder durch eine große Erzählung getragen, noch ist es eine Art biologische Grundlage, die das gesamte Leben unveränderlich ist.

In einem nächste Eintrag möchte ich kurz auf das Ideal des autonomen Selbst eingehen, und eine mögliche erweiternde Perspektive beschreiben.

Quellen:
Stanley J. Grenz, The Social God and the Relational Self (Louisville, London, Leiden: Westminster John Knox, 2001).
Jean-François Lyotard, Das postmoderne Wissen (Graz, Wien: Böhlau, 1986).

…also bin ich.

Freitag, 11. Dezember 2009

Auf der Suche nach einem stimmigen relationalen Ansatz stolperte ich gestern beim Lesen der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte auf einen Gedanken, der mich zu einer Dekonstruktion des bekannten Satzes von René Descartes führte.

Descartes war im Angesicht aller Aporien zur Aussage „Ich denke, also bin ich!“ gekommen. Diese stellte er als unerschütterliche Grundlage fest. Auch wenn alles andere ungewiss sei, so sei dennoch er es der zweifle, und da er in diesem Zweifeln sich erkannte, so stehe zumindest fest, dass er existiere. Auf der Basis dieser Erkenntnis rekonstruierte er schließlich die Erkenntnisfähigkeit.

Auch wenn, wie immer die Möglichkeit besteht dass ich mich irre, so schließe ich dass dieser Aussage und der Erkenntnis die Annahme der Definition einer Person nach Boëthius steht. Boëthius hatte die Person ja als unteilbare („individuelle“) Substanz rationaler (vernünftiger) Natur bezeichnet. Das denken oder zweifeln im Sinne von Descartes fände demnach innerhalb des Individuums statt, möglicherweise sogar unabhängig seines Umfeldes.

Die klassische Definition einer Person nach Boëthius gilt in Kreisen die sich mit relationalen Ansätzen beschäftigen als abgelöst. Person wird vielmehr von den Beziehungen her gedacht. Es wird von den Vielen zum Einzelnen gedacht. Die Beziehungen spielen dabei eine besondere Rolle. Es geht mehr um die Interaktion, den Prozess als um eine Substanz. Das autonome Selbst von dem Boëthius spricht wird lediglich als Illusion wahrgenommen.

Die Person ereignet sich in der Begegnung. Erst in der Begegnung mit einem Anderen entsteht die Person. Ohne Du gäbe es demnach kein Ich. Auf das Plakat unseres Workshops im Rahmen des Emergent Forums schrieb ich auf anraten von Tobias Künkler »Wer bin Ich ohne Dich?« – diese Frage gemäß eines relationalen Denkens zu beantworten führte zu der Antwort: »Ohne Dich wäre Ich nicht.«

Wollte man einen ähnlichen Satz wie Descartes formulieren, könnte man sagen »Du begegnest mir, also bin ich!« Dazu sollte noch gesagt werden: »Ich begegne dir, also bist du!« Mit diesen Aussagen deutet sich die Interdependenz an, die Person wird von der Begegnung, von den Beziehungen her gedacht. Einander zu begegnen wird als konstitutives Ereignis der Person verstanden. Dennoch geht das Individuum nicht im Wir auf, sondern steht in Beziehung zum Du.

Wie liest sich dein Satz zu dieser Thematik?

Konstruktion der Wirklichkeit

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Gestern Abend habe ich mich mit einer Freundin über den multiplen Roman von Nanni Balestrini unterhalten. Balestrini komponierte diesen Roman und dekonstruiert damit gekonnt die Gattung Roman. Wie macht er das?

Zunächst ist zu sagen, dass Balestrinis Roman »Tristano« eine Komposition von Zitaten aus unterschiedlichen Werken ist. Er führt hier „normale“ Romane, Groschenromane, Reiseführer und Sachbücher zusammen. Der Roman hat zehn Kapitel und jedes Kapitel besteht aus derselben Anzahl von Abschnitten. Diese Abschnitte sind so konzipiert, dass sie in beliebiger Form wiedergegeben werden können. Genau das macht die digitale Drucktechnik nun möglich, weshalb keines der 2000 deutschsprachigen Exemplare die selbe Reihenfolge besitzt. Innerhalb des Romans taucht jeder Satz an zwei unterschiedlichen Stellen auf. Alle Namen, seien sie von Personen oder Orten wurden durch ein einfaches C ersetzt.

Aus dieser kurzen Beschreibung wird schon deutlich, dass dem Roman wichtige Elemente „fehlen“. Er besitzt keinen Erzählstrang. Die Ereignisse folgen nicht einer bestimmten Reihenfolge, daher existiert weder ein Höhepunkt noch sonstige Spannungsbogen. Es ist keine klare Identifikation mit Personen oder Orten möglich. Da es sich lediglich um Zitate aus unterschiedlichen Büchern handelt finden sich ganz unterschiedliche Personen und Orte in dem Buch, so dass es nicht einmal möglich ist an bestimmten Charakteren zu orientieren. Wie bereits gesagt dekonstruiert Balestrini damit den Roman.

Interessant ist bei der Lektüre jedoch, dass in den Gedanken der Leserin oder des Lesers ein Bild entsteht. Eine Geschichte beginnt sich zu formen. Bilder der Szenen bilden sich vor dem inneren Auge ab und man findet sich in der Geschichte wieder. Meiner Ansicht nach ist Balestrini mit diesem Roman ein Geniestreich gelungen. Er führt uns damit vor Augen, dass vieles von dem was wir in Texten lesen „in uns“ bzw. in der Interaktion mit dem Text, unseren Erfahrungen und den Menschen in unserem Umfeld entsteht.

Damit will ich nicht sagen, dass es durch eine bestimmte Komposition nicht möglich ist die Leserin oder den Leser mit in ein Thema zu nehmen oder bestimmte Erlebnisse anzuregen. Ein eindeutiges: hier steht es schwarz auf weiß jedoch, ist angesichts solcher Erkenntnisse schwerlich zu vertreten.

Inkarnation und Empathie

Montag, 07. Dezember 2009

Kester Brewin schreibt momentan interessante Blogeinträge rund um das Thema Inkarnation. Für ihn gründet die Bedeutung der Adventszeit im Inkarnationsereignis. Das Geheimnis der Inkarnation ist sowohl faszinierend wie auch grundlegend für mein Verständnis von gelebter Nachfolge in unserer Welt.

Unter dem Titel »Gott blickt durch die verzerrte/verzerrende Sicht der Menschheit« erschien der vierte Eintrag Kesters zur Inkarnation. In diesem Eintrag thematisiert er eine interessante Sichtweise der Beweggründe Gottes Mensch zu werden. In Anlehnung an Zizek formuliert er einen möglichen Beweggrund als Gottes Wunsch sich selbst aus der verzerrten Perspektive der Menschen wahrzunehmen. In diesem Beweggrund verbirgt sich die Wurzel wahrer Empathie. Wir lassen uns nicht auf „den Anderen“ ein um ihn möglichst deutlich zu erkennen, sondern um nah genug zum Anderen zu gelangen um wahrzunehmen wie der Andere uns sieht.

In diesem Zusammenhang finde ich auch die Gedanken Bubers sehr spannend, dass wir in der Begegnung mit dem Anderen zu uns selbst werden. In der Begegnung mit dem Anderen erfahren wir sehr viel über uns selbst, darüber wie der Andere mich sieht, wie er mich wahrnimmt. Dies gilt selbstverständlich für alle Beteiligten.

Meiner Ansicht nach eröffnet dieser Gedanke eine größere Weite der Menschwerdung Gottes. Sie betont das Beziehungsgeschehen dem wir das Attribut Gott zuweisen auf eine eindrückliche Weise. Gott macht sich auf den Weg zu seinen Geschöpfen um durch deren Perspektive wahrzunehmen wie diese ihn wahrnehmen. Er durchbricht eine gewisse Trennung, öffnet sich, und blickt mit neuen Augen auf „sich selbst“.

Kester zitiert in seinem Eintrag eine Aussage Slavoj Zizeks, in der er diese Sichtweise auf den Punkt bringt:

Christus musste nicht nur dazu erscheinen um der Menschheit Gott zu offenbaren, sondern auch um Gott sich selbst zu offenbaren.

Darin sieht Kester das Zentrum des Erdbebens das durch die Inkarnation ausgelöst wurde. Was er daraus folgert halte ich ebenfalls für zentral. All unsere inkarnatorische Praxis sollte von dieser Haltung geprägt sein. Wir interagieren nicht aus dem Grund mit dem Anderen weil wir glauben ihm helfen zu müssen heil zu werden, sondern weil wir davon ausgehen, dass wir ihn benötigen um selbst heil zu werden. So verstanden bekommt inkarnatorisch verstandene „Mission“ eine sehr gute und stark dialogisch geprägte Bedeutung.

Aus der Geschichte lernen

Samstag, 14. November 2009

In seinem Artikel ›Waking the Dead‹ schreibt Terry Eagleton über die Bedeutung der Geschichte für die Zukunft. Auch wenn ich den Artikel sicher nicht in seiner ganzen Tiefe verstanden habe finde ich ihn sehr interessant und möchte zwei Gedanken daraus hier mit euch teilen:

In Aufnahme der Gedanken von Walter Benjamin schreibt er davon, dass es wichtig ist mit den Ereignissen der Vergangenheit nicht einfach abzuschließen, sondern sich der Geschichte bewusst zu bleiben, die Erinnerung wach zu halten und die Geschichte heute anders weiter zu schreiben. Die Ereignisse der Vergangenheit können nicht mehr ungeschehen gemacht werden, es ist jedoch möglich die Geschichte insofern zu ändern dass heute in einer Weise gehandelt wird die dem entspricht was aus der Geschichte gelernt wurde. In dieser Sicht bietet es sich nicht an einfach einen Strich unter die Geschichte ziehen zu wollen und nur noch nach vorne zu blicken, sondern in der Erinnerung dessen was geschehen ist und was daraus gelernt wurde, die Gegenwart zu gestalten und somit auch die Zukunft zu beeinflussen. Entsprechend dieser Gedanken schreibt er dem Horror aus der Vergangenheit eine motivierende Kraft zum Handeln zu:

In one of his shrewdest sayings, Benjamin remarked that what drives men and women to revolt against injustice is not dreams of liberated grandchildren, but memories of enslaved ancestors. It is by turning our gaze to the horrors of the past, in the hope that we will not thereby be turned to stone, that we are impelled to move forward.

Quelle: Terry Eagleton, Waking the Dead.

Interessant ist auch wie er die Möglichkeit dessen einschätzt was die Regierungszeit Obamas in Amerika (und sicher auch weltweit) bewirken könnte. Auch wenn es nicht zu einem Neuanfang oder großen Wandel in der Politik kommen wird, so wird die Geschichte Amerikas in einer Weise weitergeschrieben die der Tatsache Rechnung trägt dass die Menschen die einst als Sklaven verkauft wurden keineswegs minderwertig waren.

Workshop auf dem Forum

Samstag, 24. Oktober 2009

Unter dem Titel »Uns Selbst von den Beziehungen her denken« werden Tobias Künkler und ich einen Workshop auf dem Emergent Forum 2009 in Erlangen anbieten. Ich freue mich schon sehr darauf und deute hier mit folgendem Text auf den Inhalt und die Methode des Workshops hin:

In diesem Workshop wollen wir uns und Euch in ein Gespräch darüber verwickeln, was es bedeutet und welche Konsequenzen es hat, wenn wir uns von unseren Beziehungen her denken. Dazu geben wir einen kurzen Einblick in ein ‚relationales’ Verständnis des Menschen und der Trinität, die dabei helfen können eine Alternative zu den Problemen des Individualismus und Kollektivismus zu finden.

Der Schwerpunkt des Workshops soll jedoch im offenen Austausch liegen. Platz finden sollen hier: Kritische Rückfragen und Verständnisschwierigkeiten, vertiefende Aspekte, Konsequenzen für Selbstverständnis, Glaubens- und Gemeindepraxis. Wer grundsätzliche Überlegungen sowie ein offenes ‚Setting’ nicht scheut, ist herzlich eingeladen…

Die Workshops finden am Samstag Nachmittag auf dem Forum statt. Weitere Infos zum Forum und Anmeldemöglichkeit findet ihr auf der Emergent-Forum-Seite.

Emergent Forum 2009

Donnerstag, 01. Oktober 2009

Emergent Forum 2009

Seit heute sind die aktuellen Infos zum Emergent Forum 2009 online. Du kannst dir einen groben Überblick über den Inhalt der Tage machen, erfährst genaueres zum Ort und den Zeiten und hast die Möglichkeit dich anzumelden. Ich werde in diesem Jahr auf jeden Fall mit dabei sein und ich würde mich freuen wenn du dort mit uns danach Ausschau hältst was es in Deutschland an „emergentem Leben“ gibt.

Von daher lautet meine Empfehlung: lies dir die Infos durch, checke deine Zeitplanung, melde dich an und erzähl deinen Freundinnen und Freunden davon.

Piraten und Häretiker

Mittwoch, 23. September 2009

Immer dann wenn Menschen sich etwas weiter aus dem Fenster lehnen als anderen das lieb ist gibt es Stress. Dies geschieht in so genannten „christlichen Kreisen“ sehr leicht und natürlich immer nur mit den besten Motiven. Kester Brewin und Peter Rollins sind solche Menschen die sich aus dem Fenster lehnen. Auf der Suche nach einer möglichen Theologie und einem Leben im Einklang mit Gott, Menschen und Natur in unserer Zeit gehen sie Wege, die für die eine oder den anderen schwer nachzuvollziehen sind. Aus diesem Grund äussern sich Menschen negativ über ihre Art zu Denken und zu Schreiben. Für mich sind Kester und Peter zwei äußerst inspirierende Personen die mir schon des Öfteren ein Fenster geöffnet haben um eine neue Perspektive zu entdecken. Heute hat Peter einen Eintrag auf seinem Blog veröffentlicht in dem er auf die dialogische Natur der Herangehensweise von ihm und Kester hinweist. Da in diesem Eintrag wichtige Aspekte ihres Denkens deutlich werden möchte ich hier kurz zwei Abschnitte zitieren und empfehle für Interessierte den ganzen Eintrag – bzw. überhaupt die Blogs und Bücher der beiden.

I want to argue that all of these criticisms fail to understand the properly dialectic nature of our work and thus miss the philosophical and theological import of it. Let us start to unpack this by taking the motif of ‘pirate’ that Kester employs. The point that our critics have failed to see is how Kester is employing the image of the ‘pirate’ precisely because pirates traditionally do not merely transgress the Law (i.e. are not merely a criminal) but draw out how the Law itself is a transgression.

Take, for example, the chocolate bars we buy from local shops. Much of this chocolate is made up of coco beans imported from the Ivory Coast, where child slavery is widely used to harvest them. The chocolate that our children eat is thus the direct result of a slave trade employing children of a similar age being forced to work in horrendous circumstances (little pay, rape, beatings, murder etc.). Or take the majority of the clothing we buy, the cars we drive and the meat we consume. Each of these seemingly benign activities belies a dark and horrible reality (sweat shops, environmental destruction, extreme cruelty). The appearance of freedom, order and beauty that our Western ideological system emanates belies the reality of slavery, chaos and ugliness. The pirate is not to be misunderstood as a simple criminal (one who affirms the order they transgress – wanting merely to reconfigure that order so that they have more within it). The pirate, at his or her best, is much more than that – their activity exposes how the Legal system that they transgress is itself a transgression (see Hakim Bay or Zizek for more on these issues).

Über die Metapher des „Orthodox Heretic“ schreibt Peter:

Theologically speaking I am making the same structural move as that mentioned above concerning the political dimension. Namely that we must move from the idea that there is an Orthodox Christian stance and a heretical positioning that transgresses it, to the point in which we see Orthodoxy itself as heretical. This is the first of two basic moves. This first move exposes how there is no absolute foundation to orthodoxy, that it was formed contingently over time through debate, discussion and argument and that its necessity was then retroactively constructed and maintained by the victor. A point that almost any non-partisan historian of religion will attest to. The second basic move of Orthodox Heresy is to then show that new theological configurations are possible that new constructs and institutional practices can be imagined. In short, that we are free to mould and remould the church in different and imaginative ways (as has been the case throughout history).

Wie bereits oben gesagt verdanke ich den beiden eine ganze Menge. Aus diesem Grund möchte ich mit diesem Eintrag DANKE sagen und die Notwendigkeit ihres Engagements als Piraten und Häretiker unterstreichen und unterstützen!

Ideologie war gestern

Sonntag, 09. August 2009

Auf Zeit-Online findet sich ein interessanter Artikel zur Abwesenheit von Ideologie und einer stark pragmatischen Weltsicht unter Studenten. Ein kurzes Zitat aus diesem Artikel:

Von wegen, die Jugendlichen glaubten an nichts: Wie die Studenten in den Sechzigern ihren Marx, hat auch die pragmatische Generation ihre Vordenker, nur lehren diese kein Schema zur Weltrettung, sondern die Betrachtung des Einzelfalls.

Vielleicht kann man mit EF sagen: “the manifesto is that there is no manifesto”. Wir haben den Glauben an die eine mögliche und für alle gültige Erklärung der Welt und des Lebens verloren. Denken es gibt nicht diese eine Wahrheit, und folgern daraus dass Ideologien gestern waren, und dass Dogmatismus mehr schadet als hilft. Dies bringt meiner Ansicht nach keine Beliebigkeit hervor, und führt auch nicht dazu, dass man nur nach sich selbst und seinem eigenen Vorteil schaut. Wahrscheinlich führt es eher auf die Konzentration auf den Einzelfall und die Suche nach pragmatischen Lösungsansätzen, wobei ich hier auch noch andeuten will dass ich diesen Pragmatismus nicht im Gegensatz zur intensiven Auseinandersetzung mit wichtigen Theorien oder philosopischen Ansätzen verstehe.

Achso, und dann versuche mir doch noch mal jemand zu erklären dass die Gedanken von so genannten postmodernen Philosophen keine Auswirkungen auf unser Leben hier und jetzt haben…

Zum Artikel: Woran kann ich noch glauben?

Eine erste Begegnung mit Žižek

Donnerstag, 23. Juli 2009

Kürzlich habe ich mal versucht ein paar grundlegende Informationen zu Slavoj Žižek auf ein DIN-A4-Blatt zu bekommen und auf diese Weise eine erste Begegnung mit seinen inspirierenden Gedanken möglich zu machen. In diesem Sinne verpacke ich dieses Blättchen hiermit auch in einen Blogeintrag…

Slavoj Žižek ist Philosoph, Kulturkritiker und Psychoanalytiker aus Ljubljana, Slowenien.

Geboren am 21. März 1949. Seit 2004 verheiratet mit Analia Hounie (1978, Tochter eines Psychoanalytikers und früher Unterwäschemodel).

Žižek gilt als einer der bekanntesten, aber auch umstrittensten Intellektuellen unserer Zeit. Er wurde durch seine Übertragung und Weiterentwicklung der Psychoanalyse Jacques Lacans bekannt. Einzigartig in seiner Übertragung ist seine Bezugnahme auf die Populärkultur und seine Gesellschaftskritik. Er wird zur Strömung des Poststrukturalismus gerechnet. Er selbst spricht des Öfteren davon dass sein Antrieb zur Philosophie ist, dass er selbst verstehen möchte, in einem Interview bezeichnet er sein Werk folgendermaßen:

„Hegel mit Hilfe der Psychoanalyse zu lesen und dabei Freuds zentrale Einsicht zu verwenden, den Todestrieb. Mit Hilfe all dessen den deutschen Idealismus zu Lesen, die absolute Negativität.“

Quelle: Slavoj Žižek in Sternstunde Philosophie des Schweizer Fernsehen vom 17.05.2009

Genuss vs. Lust
Er kritisiert die Genussorientierung unserer Kultur. Nach Lacan bezeichnet er Genuss auch als Schmerz. Dies hängt damit zusammen dass es keine Genussgrenzen mehr gibt, alles erlaubt ist, und die Befriedigung sofort verwirklicht werden kann. Die Spannung der Lust, des Begehrens wird eliminiert und der Genuss dadurch pervertiert. „Wir sind nicht dazu verdammt zu genießen!“, lautet seine Kritik. Gerade im Verlust des Genießens sieht er einen Gewinn der Lust, die wiederum zum Lebensantrieb werden kann und dadurch ein „Mehr-Genießen“ hervorbringt.

Kino
Das Kino bezeichnet er als die perverseste Kunstform, da es dir nicht gibt was du begehrst, sondern dir beibringt wie du begehrst. Unser Begehren ist nicht natürlich, sondern künstlich und wird uns von außen beigebracht. Wir brauchen das Kino um unsere heutige Welt zu verstehen. Um das zu erkennen was realer ist als die Realität müssen wir uns der Fiktion des Kinos zuwenden.

Politik
Er fordert wirkliche Demokratie. Seiner Ansicht nach muss sowohl die Wirtschaft als auch die Politik wieder politisiert werden. Toleranz führt seiner Ansicht nach in die Irre und die „Dalai-Lama-Weisheit“ zur Katastrophe. Er fordert Auseinandersetzung. Auch wenn Žižek sich vom real-existierenden Kommunismus distanziert versteht er sich als Linker, der marxistisch inspiriert ist.

Christentum
Bezeichnet sich selbst als Atheist, und sagt dennoch „insgeheim glauben wir alle.“ In seinen Ausführungen zum Christentum bezieht er sich auf Hegel, Freud und Lacan. In diesem Sinne sieht er im Tode Christi am Kreuz den Tod des jenseitigen Gottes. Die Auferstehung versteht er nicht personal, sondern sieht im Heiligen Geist das konstituierende Geschehen einer liebenden Gemeinschaft die im Sinne Christi lebt.

Fragen-Verdrehung
Er ist bekannt für seine so genannte Fragenverdrehung. Die Frage Žižeks lautet nicht: „Was können wir vom Leben über den Cyberspace lernen“, sondern umgekehrt: „Was können wir vom Cyberspace über das Leben lernen?“. Er schafft mit seinem Denken einen neuen Blick auf das Gewöhnliche und bietet eine Vielzahl alternativer Sichtweisen an.