Verlassenheit und Verlust

Unter der Überschrift »To Believe is Human; To Doubt, Divine« geht Peter Rollins im zweiter Kapitel von Insurrection auf die Gottverlassenheit Christi am Kreuz ein. In diesem Ereignis verliert Christus Gott. Sich auf Gott als eine Macht ausserhalb zu beziehen endet am Kreuz. Dieser Verlust bezieht sich jedoch nicht nur auf etwas äußerliches, sondern hat tiefe Auswirkungen auf uns selbst.

Erst wenn wir das Kreuz als ein Ereignis betrachten, an dem Gott alles verliert, erhaschen wir einen Blick auf die wirkliche theologische Bedeutung dieses Ereignisses: Am Kreuz verliert Gott die Sicherheit Gottes.

»This is a profound personal, painful, and existential atheism. Not an atheism that arises from some rational reflection upon an absence of divinity but rather one that wells up from the trauma of personally experiencing that absence.«

Peter Rollins, Insurrection, Page 20 (Position 590).

Die Crux der Kreuzigung liegt in der erfahrene Gottesferne. Die Kirche versucht ihr Bestes um diese Gottesferne zu verharmlosen. Sie erfindet Mythen um die Risse der Unsicherheit zu überdecken, und zu suggerieren dass alles ok sei. Auf diese Weise wird der Skandal des Kreuzes vereitelt.

Die Kreuzigung steht in krassem Gegensatz zu solchen Mythen. Sie ist eine Reflektion der Erfahrung in der wir jedes Gefühl der Verbundenheit mit einer höheren Wahrheit oder Realität verlieren. Im Ereignis der Kreuzigung fällt all das, was uns Sicheheit gibt in sich zusammen. Dieser Verlust wird zum zentralen Element des Glaubens.

Im weiteren Verlauf unterscheidet er zwei Arten des Opfers. In Gethsemane ist Jesus bereit alles für Gott aufzugeben – die erste Art des Opfers (sacrifice for religion). Am Kreuz jedoch verliert Christus alles, auch Gott – das ist die zweite Art des Opfers (sacrifice of religion).

»What is lost here is a way of relating to God as deus ex machina, as some being “out there” who ensures life makes sense.«

Peter Rollins, Insurrection, Page 27 (Position 466).

Die Frage nach einer höheren Macht wird meist in Extremsituationen gestellt – Wo war Gott im Holocaust? Anhand einer Erählung von Elie Wiesel erläutert er eine andere Art diese Frage zu stellen. Im Anblick eines Kindes am Galgen werden Rufe danach laut wo Gott sei. Er ist dort, hängt an diesem Galgen. Er leidet. Er ist das Kind, das hier ermordet wird.

»In the sacrifice of religion, we lose all the security that any deus ex machina might provide for us. In this dark hour, when the very earth beneath us gives way, we experience utter desolation.«

Peter Rollins, Insurrection, Page 27 (Position 466).

Für Rollins ist es – in Anlehnung an das vorangegangene Kapitel – wichtig zu betonen, dass wir mit dem Deus ex Machina nichts verlieren was ausserhalb von uns zu verorten wäre, sondern etwas was zutiefst zu uns gehört.

»When we are ripped away from the political, social, and spiritual structures that define us, we are really being ripped away from that which we help sustain, that which is both part of us and bears down on us. The deus ex machina is an idol of our creation. And when we strike at it, we strike at ourselves.

Is this not what we see taking place on the Cross? As Christ is cut off from his own essence, so our loss of the religious God is not the loss of some foreign power external to ourselves, but instead a loss of that which is fully us.«

Peter Rollins, Insurrection, Page 35 (Position 590).

Rollins zeichnet eine Analogie zwischen dem Kreuzigungserlebnis und der Nachfolge. In Anlehnung an die Aussage Jesu in Lukas 14 Vers 26-27 spricht er von der Notwendigkeit mit allem zu brechen, was bis dato sinnstiftend und welterklärend war:

»Wer sich mir anschließen will, muss bereit sein, mit Vater und Mutter zu brechen, ebenso mit Frau und Kindern, mit Brüdern und Schwestern; er muss bereit sein, sogar das eigene Leben aufzugeben. Sonst kann er nicht mein Jünger sein. Wer nicht sein Kreuz trägt und mir auf meinem Weg folgt, kann nicht mein Jünger sein.«

Dieses Ereignis verändert alles. In der Familie lernen wir wie die Welt zu sehen ist und wie man darin lebt, wir werden sozialisiert. Mit dieser Lebensauffassung, Weltsicht, Sozialisation, mit unserer Identität zu brechen, sei Grundlegend für Nachfolge:

»Because we construct our identity within the family, when we come to cut against that identity, we not only cut against ourselves but also those who formed us.«

Peter Rollins, Insurrection, Page 38 (Position 627).

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Insurrection

Seit heute ist das neue Buch von Peter Rollins erhältlich. Den Entstehungsprozess des Buches habe ich interessiert via Blog und Twitter verfolgt, und war sehr gespannt auf das fertige Buch. Heute nun konnte ich die Kindle-Version herunterladen und die ersten Seiten darin lesen.

Im Vorwort schreibt Rollins folgendes zu seinem Vorhaben:

»In Insurrection, I endeavor to outline what this radical expression of a faith beyond religion might look like and how it has the power to give birth to a radically new form of Church, one with the power to renew, reform or even transcend the present constellation of conservative, liberal, evangelical, fundamentalist, and orthodox communities.«

Das Buch ist wieder gespickt mit diesen kleinen Parabeln, die seinen Gedankengang auf eine andere Weise beleuchten, und die kognitive Auseinandersetzung mit interessanten und anregenden Fragen auf gute Weise ergänzen.

Im ersten Kapitel geht er dem Gedanken nach, dass Menschen sich danach sehnen von jemandem begehrt zu werden. Ich möchte, zumindest für eine Person, jemand besonderes sein. Aus dieser Sehnsucht leitet Rollins eine Sehnsucht nach Gott ab, jemanden der mich sieht und mich für ganz besonders und einzigartig hält. Ein solcher Gott findet jedoch vor allem am Rand meines Lebens einen Platz. Wenn es mir schlecht geht oder mich kein Mensch zu lieben oder beachten scheint. In der Mitte des Lebens, wenn es mir gut geht und das Leben gelingt, bedarf es keines Gottes. An diesen Gedanken ist unschwer seine Orientierung an den Überlegungen Dietrich Bonhoeffers zu einem religionslosen Christentums zu entdecken.

In Anlehnung an Bonhoeffer geht er im Verlauf des Kapitels auch auf den Begriff Deus ex machina ein:

»For Bonhoeffer, the Church approached God as a deus ex machina. God was merely an idea clumsily dropped into our world in order to fulfill a task. God was introduced into the world on our terms in order to resolve a problem rather than expressing a lived reality. The result is a God who simply justifies our beliefs and helps us sleep comfortably at night. God is brought into the picture only when we face a problem of some kind that doesn’t lend itself to solution by other means. In Bonhoeffer’s view, this God plays the same meager role as the supernatural beings in third-rate Greek plays.«

Peter Rollins, Insurrection, Page 13 (Position 308).

Die ersten Seiten des Buches gefallen mit bereits sehr gut. Die Gedanken Bonhoeffers zu einem religionslosen Christentum haben mich sehr inspiriert und ich freue mich, dass Rollins an diese Gedanken anknüpft.

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Himmel

Im zweiten Kapitel des Buches »Love Wins« (Das letzte Wort hat die Liebe) schreibt Rob Bell über den Himmel. Ich teile seine Gedanke zu den unterschiedlichen Aspekte/Dimension der Bedeutung des Wortes Himmel, und gebe hier einen kurzen Abschnitt wieder, der einen Eindruck vermittelt was Rob Bell unter Himmel versteht:

Manchmal, wenn Jesus das Wort Himmel benutzte, verwies er damit schlicht auf Gott, indem er das Wort als Ersatz für den Namen Gottes benutzte.

Zweitens sprach Jesus manchmal vom Himmel, wenn er auf das zukünftige Zusammenkommen von Himmel und Erde verwies, was er und seine Zeitgenossen auch „Leben in der kommenden Zeit“ nannten.

Und drittens (…) sprach Jesus vom Himmel als von unserer gegenwärtigen ewigen, intensiven, wirklichen Erfahrung der Freude, des Friedens und der Liebe in diesem Leben, diesseits des Todes und des kommenden Zeitalters.

Himmel ist für Jesus kein „irgendwann einmal“, es ist eine gegenwärtige Realität. Jesus verwischt die Grenzen, lädt den reichen Mann – und uns – ein in das Verschmelzen von Himmel und Erde, von Zukunft und Gegenwart, hier und jetzt.

Rob Bell, Das letzte Wort hat die Liebe, Seite 69.

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The Orthodox Heretic

The Orthodox HereticDas wunderbare Buch »The Orthodox Heretic« von Peter Rollins gibt es bei Amazon gerade in der Kindle-Version für 99 Cent.

Vor einiger Zeit habe ich eine Empfehlung für das Buch in dieses Blog getippt, darin gehe ich auch auf den Charakter des Buches ein. Ich finde dieses Buch nach wie vor sehr gut, da Peter meiner Ansicht nach mit den kurzen Geschichten einige Gedanken anspricht, über die es sich direkt schwer sprechen lässt, und in der meditativen Auseinandersetzung zu der er einlädt diese Gedanken weitere Kreise ziehen (können).

Ich habe mir das Buch direkt in die Kindle-App auf mein iPhone geladen, und freue mich nun darauf die eine oder andere Geschichte auf diese Weise nochmals neu zu lesen. Euch, die ihr einen Kindle, einen iPod, ein iPhone, ein iPad oder ein anderes Kindle-fähiges Gerät mit euch herumtragt, empfehle ich den Kauf des Buches sehr, ladet euch die 33 inspirierenden Geschichten in eure Tasche …

Gespannt bin ich noch, wie es mir gelingt am Bildschirm einen Text auf meditative Weise zu lesen.

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Love Wins

Gestern und heute habe ich kurzerhand »Love Wins«, das aktuelle Buch von Rob Bell durchgelesen. Das Buch hatte schon vor seinem Erscheinen für Furore gesorgt, da er als amerikanischer Vorbild-Pastor, einige alt vertraute und daher bequeme Gedanken zu Himmel und Hölle in Frage stellt und alternative Denkweisen anbietet.

LOVE WINS

Das Buch liest sich sehr leicht, und Rob Bell überzeugt auch dieses Mal mit seiner Kommunikations-Kompetenz. Er stellt einige sehr interessante Gedanken zu »Himmel« und »Hölle« zusammen. Bereits im Vorwort weist er darauf hin, dass es sich dabei nicht um ganz neue und revolutionäre Gedanken handelt, und dass diese schon an vielen Stellen gedacht wurden. Damit hat er natürlich recht, und dennoch überzeugt mich die Art, wie er die Gedanken zusammenstellt und aufbereitet. Seiner Ansicht nach ist die Vorstellung, die Menschen sich von Gott machen sehr wichtig, die Vorstellung von Himmel, Hölle und Gerechtigkeit sind eng damit verbunden. Die Bedeutung von Gottesbild und Evangelium erläutert er anhand eines Gleichnisses, das unter dem Titel »Der verlorene Sohn« bekannt ist. Neben diesen Themenbereichen geht er auch auf Kreuzigung und Auferstehung ein.

Wie seine bisherigen Bücher, ist auch dieses so geschrieben, dass man beim Lesen die Stimme von Rob zu hören glaubt. Auf diese Weise sind die Inhalte leicht zugänglich und werden so betont, dass der Gedankengang leicht nachvollziehbar ist.

Aus meiner Sicht ist dieses Buch eine sehr gute Zusammenstellung des Themenbereichs, es eignet sich daher für alle, die auf der Suche nach inspirierenden Gedanken zu diesem Thema sind. Es kann als gute Zusammenfassung, oder als Appetitanreger auf vertiefende Werke gelesen werden.

Das Leitmotiv des Buches ist, wie erwartet die Liebe, dies wird an mehreren Stellen explizit gesagt, ich zitiere hier von der letzten Seite:

Love is why I’ve written this book, and
love is what I want to leave you with.

Ende des Monats erscheint das Buch auch auf deutsch unter dem Titel »Das letzte Wort hat die Liebe«.

Wir werden das Buch demnächst in der Hausgemeinschaft lesen, und evtl. werde ich dann auch noch ab und an auf inhaltliche Aspekte eingehen.


Von Velvet Elvis und Jesus Wants To Save Christians, war ich ein aussergewöhnliches Design gewöhnt, leider scheint für Love Wins nicht mehr das Umfeld von Rob federführend gewesen zu sein, aus diesem Grund wirkt der Satz beliebig und das einzige schöne Detail ist die Prägung des Covers, das man jedoch erst zu Gesicht bekommt, wenn man den Schutzumschlag entfernt.

Zum Buch gibt es auch eine iPhone-App. Hier gibt es Infos zu Rob, seinen Büchern, Zugriff auf den Vimeo- und Twitter-Stream, auch das erste Kapitel aus der Audio-Buch-Ausgabe ist enthalten. Mir hätte es gefallen, wenn die App weiterführende Links zu den Gedanken des Buches enthalten hätte. Die Möglichkeit für Kommentare wäre auch schön gewesen. Die App riecht so irgendwie nach Werbung. Ich wünsche mir, dass in Zukunft, wenn es Apps zu Büchern gibt, weiterführende Infos darin zu finden sind, und es die Möglichkeit zur Interaktion gibt.

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Mission

Gestern Abend las ich mit Interesse das Plädoyer von Helmut Schmidt an die Religionen, sich tatsächlich und endlich aktiv für Frieden einzusetzen. Das neue Buch von Schmidt, trägt den Titel »Religion in der Verantwortung. Gefährdungen des Friedens im Zeitalter der Globalisierung«, der auf mehreren Ebenen mein Interesse weckt. Bevor ich jedoch dazu kommen könnte das Buch zu lesen, kehre ich schnell zurück zu dem Thema, über das ich eigentlich schreiben wollte: Mission.

Ungefähr im letzten Drittel des Artikels spricht Schmidt davon, dass wir alle dazu aufgefordert sind die Aufklärung in unserer Kultur voranzutreiben, und dass Toleranz und der Wille zur Kooperation die wichtigsten Maxime der Weltpolitik seien. In diesem Zusammenhang kommt er schließlich auf Mission zu sprechen und schreibt:

Zugleich habe ich das Übel des Missionsgedankens begriffen. Wer Andersgläubigen seine eigene Religion aufdrängen will, der ruft zwangsläufig Konflikte und in manchen Fällen Kriege hervor.

Dieses Unbehagen mit dem Begriff »Mission« teile ich, auch wenn dieser Begriff in meinem Umfeld des Öfteren genannt wird, und von vielen positiv gefüllt zu sein scheint. Der Gedanke jemand anderen von seinen Positionen überzeugen zu wollen, trägt schnell überhebliche Züge. Es wird davon ausgegangen, dass man selbst die (überlegene) Wahrheit gefunden habe, und das Gegenüber diese Wahrheit am Besten (so schnell wie möglich) übernehmen sollte. Geht das Gegenüber seinerseits ebenfalls davon aus eine für ihn stimmige Wahrheit gefunden zu haben, ist ein potentieller Konflikt denkbar.

Bei David Bosch stieß ich letzte Woche auf eine denkwürdige Passage zum selben Thema:

The very word “mission” had an anti-Protestant ring to it; not least since the term “mission” in the sense of “propagation of the faith” first surfaced as designaton for the Jesuit settlements in northern Germany, where their task was to reconvert Protestants.

David Bosch, Transforming Mission, 462.

Er führt das Wort Mission im Sinne der Verkündigung des Glaubens auf den Versuch der Jesuiten zurück, die Protestanten im Norden Deutschlands wieder zum „wahren Glauben“ zurück zu bringen. Mir fiel dabei vor allem die Verwendung des Begriffs »anti« auf, denn das ist eine Atmosphäre, die im Zusammenhang mit Mission meiner Ansicht nach des Öfteren auftritt. Entweder wird von Seiten des „Missionierenden“ eine anti-Haltung eingenommen, oder aber das Gegenüber reagiert mit einer solchen Haltung gegenüber dem „Missionierenden“.

Es wird immer wieder versucht Mission vom »Sendungsgedanken« her zu füllen, und ihn im Zusammenhang mit Gottes Heilshandeln zu verbinden, dazu werde ich in nächster Zeit sicher auch noch etwas schreiben, heute ging es mir zunächst mal um Emotionen rund um den Begriff.

Was verbindet ihr mit dem Begriff »Mission«?

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Jürgen Moltmann

Heute wird Jürgen Moltmann, ein wunderbarer Theologe, 85 Jahre alt. Ich verdanke Moltmann sehr viel, und rechne ihn zu den einflussreichsten Inspirationen auf mein theologisches Denken und damit natürlich auch für mein ganz normales Leben.

Auf evangelisch.de wurde anlässlich seines Geburtstags ein Interview veröffentlicht, das sich sehr zu lesen lohnt. Zwei Gedanken aus diesem Interview möchte ich kurz zitieren.

Auf die Frage wie er sich die Kirche der Zukunft vorstellt, antwortete Jürgen Moltmann folgendes:

Die Gemeinde ist die Kritik der Kirche und ihre Zukunft. Wir müssen daher Gemeinde aufbauen. Gemeinde wird von Gemeindegliedern aufgebaut, nicht von Pfarrern. Wir alle sind Laien, jeder Bischof ist ein Laie. Und ein Laie ist ein Mitglied des Volkes Gottes. Ich bin dafür, eine Reform der Kirche von unten zu machen. Betreuungskirche funktioniert immer weniger. Wenn wir in Zukunft in eine multireligiöse Gesellschaft kommen, müssen wir uns von der Staats- und Volkskirche verabschieden. Dann muss die evangelische Kirche freikirchliche Züge annehmen.

Was er im Zusammenhang mit Nihilismus zu Liebe sagt, ist ein gutes Schlusswort:

Die Liebe zum Leben muss gefördert und soziale Gerechtigkeit geschaffen werden. Die Erniedrigung von Menschen in einer Konkurrenzgesellschaft, wo die einen gewinnen und die anderen verlieren, fördert die Liebe zum Leben nicht, im Gegenteil. Man kann diese Aufsteiger- und Absteigergesellschaft auch stoppen und durch eine stärkere Gemeinschaftsbildung ersetzen. “Gott liebt das Leben”, das ist christlicher Glaube.

Beide Zitate stammen aus dem Interview auf evangelisch.de. Auf dieses Interview wurde ich durch Daniel Hufeisen aufmerksam. Danke. Und falls dich noch weitere Gedanken von Jürgen Moltmann interessieren, wirst du in diesem Blog mit dieser Suchanfrage fündig.


Herzlichen Glückwunsch Herr Moltmann, und vielen Dank.

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höllisch

In meinem Feed-Reader (Reeder) gibt es Blogs, deren Einträge ich allen anderen vorziehe. In zwei davon wurde heute (erneut) ein Thema aufgegriffen, das mich ebenfalls bewegt. Peter Aschoff und Kester Brewin greifen, auf ihre je unterschiedliche Art, die Reaktionen auf die Pressemitteilung zu Rob Bells neuem Buch auf.

Ironischerweise lautet der Titel des Buches »Love Wins«. In einigen Äusserungen von Kritikern ist von Liebe recht wenig zu spüren. Bisher haben nur recht wenige das Buch gelesen – wahrscheinlich niemand von denen, die es nun zerreissen und den Autor verdammen. Sie stützen sich auf dieses Video und auf den begleitenden Text des Verlags.

In Anlehnung an Rob Bell argumentiert Peter grundsätzlich von den Annahmen über Gott her. Die verurteilende Haltung der Kritiker folgt, so wie ich Peter verstehe, aus deren Gottesbild:

»Gottes primäre Eigenschaft ist für sie die Heiligkeit. Heiligkeit zerfällt dann für sie in die zwei (konträren) Charakteristika von Zorn und Liebe. Man ist hier an die Dialektik von Gesetz und Evangelium erinnert, nur dass es eben Gottesattribute sind und keine Wirkweisen der Schrift. Und dieser Dualismus zieht sich nun ausgehend vom Gottesbild durch die ganze Heilslehre, daher eine streng symmetrisch gedachte doppelte Prädestination, in der die Verwerfung und ewige Qual eines Teils – möglicherweise des Großteils – der Menschheit als ein Akt erscheint, durch den Gott seine Heiligkeit erweist und seine Ehre mehrt. Daher auch das Insistieren auf der Vorstellung ewiger Höllenqualen – sie sind in dieser Logik eben auch nötig um der Ehre Gottes Willen.«

Quelle: Peter Aschoff, Liebe, Zorn und Heiligkeit.

Kester beschäftigt sich gerade mit Empathie. Ausgehend von einem Vortrag von Jeremy Rifkin zu Empathie, in dem dieser davon sprach, dass es im Himmel keine Empathie mehr gebe, denkt Kester über das Konstrukt »Himmel« nach. Die zornigen und verachtenden Reaktionen auf die Pressemeldung deuten für Kester auf einen Himmel hin, der von einigen Rechtgläubigen bevölkert wird, die auf die „Verlorenen“ hinunterschauen und ihnen zurufen: »Siehste, ich hab’s dir doch gesagt!« Der Himmel wäre demnach ein Ort, an dem Menschen wohnen, denen jede Empathie fehlt, und die überheblich auf andere herabsehen.

Ich erwähne das nicht, um einen amerikanischen Konflikt zu importieren, sondern weil ich in den angesprochenen Punkten wichtige Themen sehe, denen wir nachgehen sollten. Für mich steht die emergente Bewegung vor allem dafür, grundsätzliche Fragen zu thematisieren. Neben Experimenten und Erfahrungen, sind meiner Ansicht nach Auseinandersetzungen mit der Frage nach Gottesbildern und Vorstellungen der Zukunft, sehr wichtig. Denn, wie wir an diesem (hässlichen) Beispiel sehen, haben diese Annahmen Auswirkungen auf das wie wir leben und uns gegenüber anderen verhalten.

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Tat.

Nicht das Beliebige, sondern das Rechte tun und wagen, / nicht im Möglichen schweben, das Wirkliche tapfer ergreifen, / nicht in der Flucht der Gedanken, allein in der Tat ist die Freiheit. / Tritt aus ängstlichem Zögern heraus in den Sturm des Geschehens / nur von Gottes Gebot und deinem Glauben getragen, / und die Freiheit wird deinen Geist jauchzend umfangen.

Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung, 208.

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Göttliche Demokratie

Ich hatte es an anderer Stelle bereits gesagt, dass ich von Peter Aschoffs aktuellem Buch sehr begeistert bin. In der zweiten Hälfte nimmt es ordentlich an Fahrt auf, und die Lektüre macht mir auf jeder einzelnen Seite Spaß. Dabei hilft wahrscheinlich auch, dass ich es gerade zum zweiten Mal lese, und an einem Abend in der Woche mit Freunden bei einem Tee oder Wein die Gedanken dazu austausche.

Ab und an verzweifle ich an meinem Ideal der »göttlichen Demokratie«. Ermöglichenden Strukturen einer Gemeinschaft, die jede und jeden zur Mitgestaltung einlädt, und sich dann doch ab und an in den selben Sackgassen wieder findet, wie Gemeinschaften, die anders organisiert sind. Und genau dann, also auch jetzt, freuen mich Sätze wie die von Peter in dem Abschnitt unter der Überschrift »Göttliche Demokratie« besonders:

»Die Führungsaufgabe besteht also darin, dafür zu sorgen, dass alle zum Zug kommen. Pfarrer oder Bischöfe sollten viel mehr Gastgeber sein als Chefs oder Dozenten, zugleich aber hat dieser Dienst auch seine eigene Würde – es gibt kein „oben“ und „unten“ mehr in einer Welt, in die Gott sich tief hinabgebeugt hat. Daher reden die ersten Christen statt von Befehl und Gehorsam bei jeder Gelegenheit vom Miteinander: Einander annehmen, einander die Lasten tragen, einander trösten und vergeben, sich einander unterordnen, einander ermutigen – darum dreht sich das Gespräch. Ein guter Gastgeber schafft einen Rahmen, in dem seine Gäste sich sicher fühlen und aus sich herausgehen können. Wo das gelingt, gehen alle bereichert nach Hause und kommen gern wieder.«

In diesen Worten entdecke ich den Schein des Sonnenaufgangs, dem wir entgegengehen. Ich wünsche mit weiter in diese Richtung zu gehen, und dabei nicht zu sehr im Weg herum zu stehen.

»Jede Stimme zählt, und erst die vielen Stimmen und Perspektiven helfen uns, ein tieferes Verständnis der Wege Gottes zu entwickeln. Polarisierende Kampfabstimmungen mit Fraktionszwängen, Siegern und Verlieren schaden dieser Kultur der Achtung ebenso wie ein ungeduldiges „Basta“ der jeweils Mächtigen.«

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Beide Zitate stammen aus Peter Aschoff, Kaum zu glauben, von den Seiten 153 und 154.

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