Schmerzen?

Auf meinen letzten Eintrag “Fische essen” bekam ich eine E-Mail von Karola mit einem Link zu einem Artikel im Greenpeace Magazin. James Hamilton-Paterson schreibt über eine Fahrt auf einem Trawler und thematisiert die Frage nach dem Schmerzempfinden von Fischen.

Der Artikel endet mit folgendem Abschnitt:

Was Fische nun tatsächlich fühlen, werden wir wohl nie genau nachvollziehen können. Aber wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass sich ihre körperlichen Reaktionen bei Stress von den unseren kaum unterscheiden: Ganz wie beim Menschen schießen Puls und Blutdruck in die Höhe, steigt der pH-Wert des Blutes und verändert sich der Stoffwechsel. Fische sind hervorragend ausgestattet mit allerlei Wahrnehmungsapparaten, deren Reichweite und Empfindlichkeit die des menschlichen oft weit übertrifft. Auch wenn ihnen die für ein Mienenspiel nötige Gesichtsmuskulatur fehlt, können sie dennoch vermitteln, dass sie in Not sind, zuweilen überaus deutlich. Ich habe es vor vielen Jahren aufgegeben, eine bestimmte tropische Fischart mit dem Speer zu jagen, denn jedes Mal, wenn ich einen solchen Fisch aufspießte, stieß er ein gellendes “Ooo! Ooo! Ooo!” hervor. Ich konnte nicht umhin, verzweifelte Todesschreie zu hören, auch wenn die Wissenschaft von einer automatischen Reaktion zur Warnung von Artgenossen sprechen würde. Ich wünschte, ich wäre so gleichmütig. Schließlich ließe sich auch Ähnliches über menschliche Schreie sagen.

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Fische essen

Einige Gedanken aus dem Buch »Tiere Essen« von Jonathan Safran Foer tauchen immer wieder in meinem Kopf auf. So auch seine Ausführungen zu Fischen.

Red Fish Tsukiji Fish Market Tokyo

Fische zu essen erfreut sich momentan einer hohen Beliebtheit. Beim letzten Arztbesuch mit meiner Tochter wurde sie gefragt ob sie auch regelmäßig Fisch isst. Diese Frage wurde mit dem Hinweis auf die Bedeutung des Fisches für eine ausgewogene und gesunde Ernährung begründet. Neben diesem Argument ist es natürlich auch sehr schick Fisch zu essen.

Mir stellt sich allerdings die Frage, ob es gerechtfertigt ist mit unseren Erkenntnissen über die positiven Auswirkungen des Fischkonsums auf unsere Gesundheit und unseren Vorstellungen von Lifestyle und Genuss, das Leiden so vieler Tiere zu rechtfertigen.

Foer führt aus, dass die meisten Methoden der Fischerei den Fischen unglaubliches Leid zufügen. Das Fangen mit der Langleine lässt die Tiere tagelang mit schweren Verletzungen im Mundbereich an den Haken hängen. Falls sie nicht zuvor zu leichter Beute ihrer natürlichen Jäger werden, landen sie schließlich in den Verarbeitungsbetrieben. In Schleppnetzen werden die Fische stundenlang über Korallenriffe und Steine gezogen und verletzt. Zu den schweren Verletzungen kommen in beiden Fällen noch schwere Verletzungen. Wird ein Fisch dann noch lebendig aus dem Wasser gezogen, findet er sich auf Eis wieder. Er, der eigentlich unter Wasser atmet, ringt nach Luft, das Sterben wird durch das Eis jedoch noch verlangsamt. In vielen Fällen werden den Fischen dann noch während sie Leben die Kiemen aufgeschnitten. Die Bilder die mir durch diese Beschreibungen vor Augen kommen lassen mich erschaudern.

Die Menge der Fische, die auf diese Weise versehentlich gefangen wird, ist ebenfalls nicht zu verachten. Das Fischen mit Schleppnetzen vergleicht Foer mit Brandrodung, ganze Meeresbereiche werden kurzerhand leergefischt. Die vielen Fische, die man eigentlich gar nicht fangen wollte, leiden und werden später schwer verletzt oder Tod wieder ins Wasser geworfen. Die normale Population gerät durcheinander.

Können vielleicht Aquakulturen eine Alternative darstellen? In den meisten Fällen handelt es sich hierbei jedoch auch um Massentierhaltung mit den bekannten Folgen. Gnadenlos beengter Lebensraum und damit einhergehender Verschmutzung des Wassers. Auf Grund der Wasserverschmutzung vermehren sich die Schädlinge überdurchschnittlich. Diese fügen beispielsweise den Lachsen starke Schmerzen zu während sie sich in deren Köpfe fressen. Der Einsatz von Medikamenten und anderen Chemikalien wird unausweichlich.

Während ich so über das Essen von Fischen nachdenke kommt mir ein Ansatz von Zizek in den Kopf. Er geht davon aus, dass wir zuerst einen Extremzustand benötigen um die Notwendigkeit einer Revolution zu erkennen. Meiner Ansicht nach ist im Bereich der Massentierhaltung und dem enormen Konsum von Tieren ein Extrem erreicht. Wir brauchen eine Revolution. Aus meiner Sicht ist das Leiden nicht gerechtfertigt und wir sind herausgefordert uns auf die pflanzlichen Alternativen zu konzentrieren.


Das Foto stammt von hitthatswitch und wird hier entsprechend der Creative Commons Lizenz (by-nc-sa) verwendet.

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Tiere essen

Tiere Essen

Da ich gerade krank im Bett liege, meine Konzentration nicht für reguläre Arbeiten ausreicht und Kopf und Augen zu schwer sind etwas zu lesen, habe ich das Hörbuch »Tiere Essen« von Jonathan Safran Foer angehört. Das Buch hat mich sehr begeistert.

Das Buch versteht sich nicht als Streitschrift eines Vegetariers. Foer nimmt sich anlässlich der Geburt seines ersten Kindes drei Jahre Zeit um sich ausführlich Gedanken über Ernährung zu machen, dabei geht es ihm speziell um das Essen von Tieren. Er macht sich auf die Reise, mit einem gespaltenen Verhältnis zu Vegetarismus und als „Stadtkind“, das wenig Ahnung davon hat woher das Fleisch kommt, das tagtäglich auf unzähligen Tellern landet.

In seinen Ausführungen geht er sowohl auf Tierhaltung als auch auf deren Schlachtung ein. Er betrachtet das Leben der Tiere, und stellt Fragen zum kulturellen Verhältnis des Menschen zu Hunden, Schweinen und Kühen. Neben diesen Tierarten geht er auch auf Geflügel und Fische ein. Seine Beschäftigung mit den Realitäten der Massentierhaltung bringen ihn zu folgender Aussage:

»Wenn wir Fleisch aus Massentierhaltung essen, leben wir buchstäblich von gefoltertem Fleisch.«

Dabei bleibt er jedoch nicht stehen. Er stellt auch Farmer dar die ihre Tiere auf artgerechte Weise halten, und sich sowohl im Leben als auch im Moment des Sterbens darum kümmern den Tiere Ehre zu erweisen. Während sich das Buch zu einem Manifest gegen Massentierhaltung entwickelt sieht Foer weiterhin die Möglichkeit zwischen »wählerischem Allesesser« und »Vegetarier« zu wählen. Er selbst entscheidet sich, was am Ende des Buches deutlich wird, Vegetarier zu werden.

Sowohl im Hinblick auf das Leben der Tiere, die eigene Gesundheit und auch die Auswirkungen der Massentierhaltung auf die Umwelt plädiert er dafür »wählerisch« zu sein, Entscheidungen zu treffen:

»In den meisten Zeiten, und an den meisten Orten, war es fraglos eine gute Idee über das eigene Essen zu entscheiden, ohne sich zu entscheiden, und wie alle anderen zu essen.

Heute zu essen wie alle anderen heißt ein Tropfen zu sein, der das Fass irgendwann zum überlaufen bringt. Unser Tropfen ist vielleicht nicht der Entscheidende, aber der Akt wird wiederholt, jeden Tag in unserem Leben und vielleicht jeden Tag im Leben unserer Kinder und Kindeskinder.«

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nachhaltiger Selbstbetrug

Gestern Abend las ich einen sehr guten Artikel von Armin Grunwald auf GEO.de: Der kollektive Selbstbetrug. Und da er viele Aspekte wunderbar auf den Punkt bringt, über die ich mir in letzter Zeit vermehrt Gedanken mache, wies ich via Twitter darauf hin, und möchte den Artikel auch an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen.

Grunwald vertritt, soweit ich ihn verstehe, die These, dass die Betonung auf strategischen Konsum und die Verantwortung des Einzelnen die Welt nicht nachhaltiger macht. Daher bezeichnet er die Anstrengungen das eigene Leben nachhaltiger zu gestalten – Energie zu sparen, auf Erzeugnisse aus ökologischer Landwirtschaft zu setzen, den Müll zu trennen usw. – als Selbstbetrug. Zum einen hat dies damit zu tun, dass ein solcher Lebensstil bisher nur bei einem sehr geringen Teil der Menschen angekommen ist, und viele andere weiter genüsslich Ressourcen verschwenden, zum anderen, und wichtiger noch, ruht sich Politik und Industrie auf der Verantwortung des Einzelnen aus, und ändert nichts am System.

An dieser Stelle wurde ich an den radikalen Ansatz von Žižeks erinnert. Dieser fordert radikale Revolutionen und sieht in sanften Reformen keine Verbesserung, sondern sogar noch eine Verschlechterung der Situation. Bezüglich des strategischen Konsums spricht Žižeks davon, dass dieser sich nur darum kümmert dem Kapitalismus ein menschliches Gesicht zu verleihen, und nicht das unterdrückerische System des Kapitalismus als Ganzes abzuschaffen. Eine Umwälzung des Systems ist notwendig. Grunewald spricht sich für mehr politisches Engagement aus, und drückt das folgendermaßen aus:

Das heisst nun nicht, dass die Einzelnen in diesem Geschehen keinen Platz oder keinen Auftrag hätten, dass sie keine Verantwortung trügen. Im Gegenteil. Individuelle Einflussnahme erstreckt sich jedoch weniger auf das private Umweltverhalten, sondern vielmehr auf die politische Dimension. Als Bürger ihrer Gemeinwesen sind Individuen auch politische Akteure. Statt sich allein auf Mülltrennung und nachhaltigen Konsum zu konzentrieren, sollten sie sich auch politisch und gesellschaftlich engagieren – damit die Institutionen, Strukturen und Teilsysteme der Gesellschaft in eine Richtung “gedrängt” werden, die mit dem Leitbild der Nachhaltigkeit kompatibel ist. Wenn das Wort zutrifft, der Konsument sei ein “schlafender Riese”, dann stimmt das in dem Sinn, dass er schläft – und sein Potenzial für politische Mitbestimmung ignoriert.

GEO.de – Armin Grunwald, Der kollektive Selbstbetrug.

Aus meiner Sicht wird Grunwald falsch verstanden, wenn der individuelle Einsatz für Nachhaltigkeit in Abrede gestellt wird. Wichtig ist ihm jedoch, dass nicht auf „religiöse Weise“ einige den Konsum betreffenden Parameter verstellt werden, und dadurch das Gefühl entsteht die Welt grüner zu machen.

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Vielfalt erleben

Vielfalt erlebenSeit einiger Zeit ziert das nebenstehende Logo die Milchpackung, aus der ich jeden Morgen die Milch in mein Müsli gieße. Es handelt sich dabei um eine Initiative von Alnatura für Vielfalt und gegen Gentechnik. Im Zusammenhang dieser Initiative steht auch eine Petition:

Der Deutsche Bundestag möge die Bundesregierung damit beauftragen, dafür einzutreten, dass die Europäische Union die Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen zum Anbau aussetzt (Anbau-Moratorium), und er möge in Deutschland die gesetzliche Grundlage für den regionalen Ausschluss gentechnisch veränderter Pflanzen aus der Agrarkultur schaffen.

Um auch weiterhin Lebensmittel genießen zu können, die nicht gentechnisch verändert wurden, lade ich dazu ein die Petition mit zu zeichnen, sich auf vielfalterleben.info zu informieren und beim Kauf von Lebensmittel darauf zu achten.

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Unser täglich Gift

Unser täglich GiftHeute Abend zeigt Arte ab 20:15 Uhr »Unser täglich Gift«. Ein Dokumentationsfilm von Marie Monique Robin, indem es um das Gift in unseren Lebensmitteln geht.

Arte hat für diesen Film eine Webseite erstellt, auf der neben einigen Ausschnitten auch weitere Informationen zu Gift in Lebensmitteln zu finden sind. Robin ist bereits durch ihre Doku unter dem Titel »Monsanto – mit Gift und Genen« bekannt. Wer es heute Abend nicht schafft, könnte eine der Wiederholungen (Freitag 18. März um 10.10 Uhr und Samstag 26. März um 14.30 Uhr) anpeilen oder auf arte+7 hoffen.

Update: Die Doku »Unser täglich Gift« ist wie erwartet in der Arte+7-Mediathek.

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