Archiv für die Kategorie 'Umwelt'

Wahre Ökos lieben Müllhaufen

Donnerstag, 01. Juli 2010

In seinem Beitrag zum Film »Examined Life« zeigt Žižek einiges über seine Art Philosophie zu treiben. Der Film entstand mit der Zielsetzung zentrale Theorien von Philosophen für das alltägliche Leben zu konkretisieren. Dadurch ist einiges einfacher zu verstehen, und manche Aspekte philosophischen Denkens werden deutlicher. Žižek wendet seine Art philosophischen Denkens auf die Ökologiebewegung an. Im Folgenden möchte ich einige Aspekte dessen darstellen was Žižek hier über Ökologie sagt und wie er mich dabei inspiriert.

Examined Life - Zizek

Žižek ist der Meinung, dass Ökologie sich zum neuen Opium für das Volk etabliert. Ökologie ist mittlerweile eine Ideologie, die eine absolute Wahrheit postuliert und nicht hinterfragt werden darf. Eine Ideologie ist dadurch gekennzeichnet, dass sie zwar die richtige Thematik betrachtet, diese jedoch mystifiziert.

Es sind vor allem zwei grundsätzliche Annahmen der Ökologiebewegung, die Žižek kritisiert:

a) Der Ökologiebewegung liegt die Annahme zu Grunde, dass die Welt in der wir leben die bestmögliche Welt ist. Die Natur ist ein lebendiger Organismus, dessen Harmonie durch die Hybris des Menschen gestört wird.

b) Die zweite Annahme bezieht sich auf uns westliche Menschen. Gemäß der Ökologiebewegung ist unsere grundlegende Beziehung zur Natur durch unser technisiertes Leben gestört. Wir sollten daher aller Technologie absagen und wieder den Einklang mit der Natur suchen.

Diese beiden Kritikpunkte belegt er, wie gewohnt, nicht unbedingt gründlich, sondern baut seine folgenden Gedanken darauf auf. Im Großen und Ganzen handelt es sich wohl auch mehr um eine Grundannahme, die aus zwei verschiedenen Blickwinkeln betrachtet wird – bei a) ist die perfekte Harmonie der Natur das Subjekt, die gestörte Beziehung des westlichen Menschen zur Natur steht im Zentrum von b). Diese beiden Aspekte der postulierten ökologischen Grundannahmen teile ich zu einem gewissen Grad, weshalb ich auf gewisse Weise sicher auch als Öko bezeichnet werden kann, und hier wird es dann spannend, da Žižeks’ Argumentation auf der Kritik dieser beiden Aspekte basiert und bei aller Überspitzung interessante Schattenseiten aufdeckt.

Idealisierung der Natur

Aus seiner Kritik an der Betonung der Harmonie der Natur (a) folgert Žižek, dass es sich dabei um eine Neuauflage des Sündenfalles handelt. Der Mensch sei aus dieser „natürlichen Harmonie“ gefallen, und zerstört nun mit seiner „gefallenen Hybris“ die Harmonie der Natur. Wird die Natur jedoch so wahrgenommen, wird sie zum Fetisch, sie wird zum Absoluten an dem sich alles messen lassen muss. Auf diese Weise gibt sie vor was möglich ist und was nicht. Die konservative Stimme in der Gesellschaft kommt folgerichtig mittlerweile aus den Reihen der Ökologiebewegung – so wird beispielsweise bei jedem wissenschaftlichen Durchbruch eine unsichtbare Grenze gezogen, vor deren Überschreitung lautstark gewarnt wird.

Auch wenn ich zunächst gerne einfache den kompletten Ansatz seiner Kritik in Frage gestellt hätte, so muss ich doch zugeben, dass er in einigen Aspekten auf eine Schattenseite hinweist:

- auf der einen Seite wird die Natur in dieser Sicht idealisiert, sie wird als Perfekt dargstellt, in absoluter Harmonie. Auf dieser Weise wird die Komplexität ausgeblendet, die sich in der Natur findet – wie passen bspw. Raubtiere in ein idealisiertes Naturbild?

- auf der anderen Seite werden gesellschaftlich Geprägte Grenzen in Verbindung zu diesem idealisierten Naturbild gerückt, und auf diese Weise wird Fortschritt in vielen Punkten komplett abgelehnt.

Sicher treffen diese Kritikpunkte nur eine in gewisser Weise extreme Spielart der Ökologiebewegung, und dennoch denke ich, dass seine Kritik der Tendenz die Natur zu idealisieren berechtigt ist, und von der Ökologiebewegung positiv aufgenommen werden sollte.

Verleugnungstaktik

Die Entfremdung des westlichen Menschen von der Natur durch sein von Technologie durchdrungenes Leben, und der Ruf des Menschen zur Absage an die Technologie und zurück zu den Wurzeln der Naturvölker ist eng mit der Idealisierung der Natur verbunden, und zielt dennoch in eine andere Richtung.

Žižek macht deutlich, dass diese Forderung des Absoluten – der kompletten Abkehr von Technologie und Hinwendung zur Natur – den Menschen in eine Art Überforderungssituation bringt. Auf der einen Seite ist er sich sehr wohl bewusst, dass wir vor großen ökologischen Herausforderungen stehen, und dass wir anders handeln müssten. Doch wider besseres Wissen handelt er wie zuvor und bleibt in alten Mustern vehaftet.

Die Überforderung vor der radikalen Wende führt zur Verleugnung. Diese Verleugnung wird nach Žižek durch die Idealisierung der Natur noch verstärkt. Wir wissen um die Herausforderungen, doch wenn wir in die Natur hinausgehen, dann hören wir das Singen der Vögel, blühende Bäume und wunderbare Landschaften – angesichts dessen können wir einfach nicht daran glauben, dass all das zerstört werden könnte.

Seiner Meinung nach ist es uns Menschen nicht möglich uns Katastrophen vorzustellen. Immer dann wenn wir tatsächlich mit einer Katastrophe (er nennt Tschernobyl als Beispiel) konfrontiert werden, dann werden wir mit der harten Realität konfrontiert und stellen unser Handeln um. Die Idealisierung der Natur jedoch, befruchte die Verleugnung der Herausforderungen, und wiege die Menschen in einem traumähnlichen Zustand, der sich nach dem Idealzustand sehnt und doch weiter so lebt, als gäbe es keine Herausforderung.

Auch hier sehe ich vor allem den Aspekt der Verleugnung durch Überforderung am Zuge. Diese Schattenseite gilt es anzugehen, und nach Wegen zu suchen, die weniger radikal wirken und dennoch dazu führen, dass wir anders handeln und uns den Herausforderungen stellen.

Wahre Ökos lieben Müllhaufen

Žižek kritisiert, er ist bekannt für seine pessimistische Sicht der Wirklichkeit, und auch hier sehen wir, dass seine Sicht der Welt getrieben ist von einer gewissen Bedeutung des Schocks. Er liebt es zu schockieren und provoziert gerne. Meiner Ansicht nach folgt er damit dem Axiom, das oben anklingt – wenn wir mit einer Katastrophe, einer Extremsituation, konfrontiert werden, beginnen wir nachzudenken, werden unsere Augen geöffnet. Er fordert in dem kurzen Ausschnitt die Abkehr von einem idealisierten Naturbild und die Hinwendung zu Müllhaufen. Wir westliche Menschen müssten uns seiner Ansicht nach noch weiter von der Natur entfremden, wir sind noch nicht radikal genug entfremdet, die Schönheit der Natur ist uns noch zu nah. Er sagt nicht, dass wir uns dann anders verhalten würden, dass wir uns den Herausforderungen stellen würden, aber so zumindest könnte man auch folgenden Abschnitt deuten:

Was ist Liebe. Liebe ist nicht Idealisierung. Jeder wahrhaft Liebende weiß das, wenn du wirklich eine Frau oder einen Mann liebst, idealisierst du sie oder ihn nicht. Liebe bedeutet, dass du eine Person akzeptierst, mit all ihren Fehlern, Dummheiten und hässlichen Aspekten, und dennoch ist diese Person für dich absolut, alles was dein Leben lebenswert macht. Du bist dazu in der Lage Perfektion in Unvollkommenheit zu entdecken – und dass ist es, wie wir lernen sollten die Welt zu lieben.

Wir sollten anfangen und in Müllbergen zu Hause zu fühlen, und hier Angesichts der Katastrophe dass Müll nicht verschwindet, vielleicht ereignet sich hier etwas … aber darüber spricht Žižek nicht.

Leben und leben lassen

Montag, 12. April 2010

Das Stichwort “Tierschutz” wurde Titelthema der aktuellen ZEIT, da in Bremen eine Entscheidung über die Forschung an Affen ansteht. Unter dem Titel “Streicheln und quälen – Wer den Tierschutz ernst nimmt, der muss sein Verhalten ändern – als Fleischesser und Forscher, aber auch als Tierliebhaber” finden sich im Ressort Wissen 4 Essays.

Darunter findet sich zwei kurze Artikel der direkten Kontrahenten aus Bremen, dem Forscher Andreas Kreiter und dem Tierschützer Wolfgang Apel, die beide ihren Standpunkt darlegen und somit nachvollziehbarer werden, und gleichzeitig die festgefahrene Situation der Auseinandersetzung verdeutlichen. Ein philosophischer Ansatz von Richard David Precht findet sich ebenfalls dort. Precht argumentiert von der nahen Verwandtschaft von Affen und Menschen her, und schlägt in Anlehnung an Frans de Waal vor, an Affen nur solche Experimente durchzuführen, die wir auch an Menschen machen würden, die sich freiwillig dazu zur Verfügung stellen. An diesem Punkt sehe ich eine inakzeptable Engführung des Ansatzes von Precht, denn damit rechtfertigt er zugleich Versuche an weiter entfernten Verwandten unserer Gattung, und bleibt damit weit hinter einem verantwortungsvollen Umgang mit unseren Mitgeschöpfen zurück.

Der längste, und meiner Ansicht nach auch beste Essay dieses Teils, stammt Andreas Sentker und trägt den Titel “Respekt! – Der Kampf gegen Tierversuche ist heuchlerisch. In unserem Alltag nehmen wir tausendfaches Leid in Kauf. Dagegen hilft kein strengeres Gesetz, sondern ein Bewusstseinswandel.” Wie der Titel schon andeutet geht Sentker grundsätzlicher der Frage eines verantwortlichen Umgangs mit unseren Mitgeschöpfen nach, die weder einseitig auf Tierversuche schilt, noch bei der gerne angeprangerten Massentierhaltung stehen bleibt, sondern auch unsere “liebsten Mitbürger” in Zoos oder exotische Züchtungen ins Visier nimmt. Der Artikel kann hier online gelesen werden, was ich sehr empfehle.

Den Titel dieses Eintrages habe ich an ein Zitat angelehnt, das im Artikel vorkommt und das Albert Schweitzer zugeordnet wird:

“Ich bin Leben, das leben will,
inmitten von Leben, das leben will.”

Ich selbst bin, das wird kaum überraschen, kein Freund von Tierversuchen. Meiner Ansicht nach bedeutet dies jedoch auch, dass ich sowohl meinem täglichen Umgang mit Tieren verantwortungsvoll gestalte. Produkte des täglichen Bedarfs wähle, die nicht auf Tierversuchen basieren und die auch sonst ohne den Missbrauch unserer Mitgeschöpfe auskommen. Ich denke, auf diesem Weg können wir gemeinsam noch einige Schritte gehen, und somit mehr zu einem Leben im Einklang mit der Natur kommen.

Öko?-Test

Donnerstag, 18. März 2010

Vor einiger Zeit befasste ich mich mit dem Öko-Test-Siegel, klebt es doch auf nahezu allen Produkten des täglichen Bedarfs. Schon damals wurde schnell klar, dass Öko-Test nicht in der Weise „öko“ ist, wie es der Name glauben macht. Eben las ich ein Editorial von Claudia Langer auf Utopia zu der Debatte um Öko-Test, die Momentan in den Medien stattfindet, daraus möchte ich kurz einen Abschnitt zitieren:

“Öko-Test” macht lediglich eine Schad- und Inhaltsstoffbetrachtung, eigentlich sogar nur eine Schadstoffausschlussbetrachtung. Noch nicht mal eine Gesundheitsbetrachtung. Und erst recht keine Ökobetrachtung. Es geht sogar noch weiter: “Öko-Test” halte es für nicht möglich Produkte auf ihre Nachhaltigkeit zu testen, zitiert der “Spiegel”, weil “man sich dabei vor allem auf die Angaben der Hersteller verlassen müsse.” Das muss jeder wissen, bevor er eine strategische Kaufentscheidung aufgrund des “Öko-Test”-Labels mit dem roten Ahorn trifft – denn damit entscheidet er sich nicht zwingend für ein nachhaltig hergestelltes Produkt.

Quelle: Claudia Langer – Utopia.de – Öko? Oder wie jetzt?

Zur weiteren Beschäftigung mit dem Thema empfehle ich natürlich das eben zitierte Editorial von Claudia Langer, und den Spiegel-Artikel dazu.

Albtraum Atommüll

Montag, 15. März 2010

Alptraum AtommuellAm Mittwoch 24.03. wird um 20 Uhr im Luthersaal der evangelischen Luthergemeinde in Karlsruhe (Oststadt) der Dokumentarfilm »Albtraum Atommüll« gezeigt.

In der Diskussion um Atomkraft werden von den Befürwortern immer wieder die vermeintlichen Vorteile dieser Technik hervorgehoben. Mit Blick auf die drohende Klimaerwärmung wird sie sehr gerne als sauber und nachhaltig dargestellt. Doch wenn es um die radioaktiven Abfälle geht, geraten Wissenschaftler ins Grübeln, die Industrie beschwichtigt , Politiker vertuschen und schweigen. Atommüll ist der schlimmste Albtraum der Atomenergie und häufig noch immer ein Tabuthema.

Im Anschluss an den Film ist eine kurze Fragerunde mit Vertretern der Umweltverbände geplant.

Weitere Infos auf der Webseite zum Film auf arte.tv

Optionen der Dekonstruktion

Sonntag, 14. Februar 2010

Wohin führt uns die Dekonstruktion? Sie zieht uns den Boden unter den Füßen weg. Führt sie uns damit nicht in eine ausweglose Lage, an der wir nur noch unser Christsein an den Nagel hängen können? Wenn wir all die Glaubensfragen aufgeben, landen wir dann nicht dort wo „die Liberalen“ der 70er Jahre standen? Solche oder ähnliche Fragen und Gedanken begegnen mir häufiger. An manchen Tagen werden sie von aussen an mich herangetragen, an anderen drehen sie sich in meinen Gedanken. In den letzten Tagen habe ich viel darüber nachgedacht. Dieses Nachdenken wurde beflügelt durch das Hören von David Bazans Musik, den Gedanken von Arne zu nichts-sagend-glauben, einem Interview mit Peter Rollins und Texten aus dem Buch des Propheten Amos.

Ich versuche hier mal meine Gedanken anhand von zwei Optionen der Dekonstruktion des Christentums darzustellen. Dabei bin ich mir sehr bewusst, dass es sich dabei lediglich um eine Karikatur handeln kann, eine Karikatur jedoch, von der ich annehme, dass sie etwas wichtiges verdeutlicht.

Absage und Lethargie

Es kursiert die Angst, dass eine Dekonstruktion des Christentums im Extremfall zur Aufgabe all dessen führen könnte was das Leben als Christ bis dorthin ausgemacht hatte. Ein Beispiel dieser Möglichkeit sehe ich in den Geschichten, die David Bazan in seinen Liedern erzählt. Er verarbeitet in seinen Liedern einiges aus seiner eigenen Geschichte. Aufgewachsen in einem konservativ-christlichen Umfeld, das stark von metaphysischen Annahmen – der übergeordneten Bedeutung des Jenseits beispielsweise – und Verboten geprägt war. Wenn diese Prägung dekonstruiert wird, führt das zu einem Hadern mit Gott, dem jenseitigen unbeweglichen Beweger. Angesichts der Ohnmacht all den moralischen Verboten gerecht zu werden, und der Unmöglichkeit ein „sündloses“ Leben zu führen, steht er seinen Abgründen gegenüber – Alkohol- und Drogenexzesse gepaart mit sexueller Zügellosigkeit.

Im Extremfall würde eine solche Position zu einer nihilistischen Weltsicht führen – wobei ich nicht sagen möchte, dass dies bei Bazan der Fall ist. Eine Weltsicht, die Gott wegen all des Unheils anklagt, die Sinnlosigkeit eines bewussten Lebensstils betont, und sich an diesem Punkt resigniert von allem bisherigen abwendet. In gewisser Weise käme das dann einer Kapitulation gleich, ein sich einordnen in die Kräfte der bisher verteufelten bösen Welt. Ein Glaube, der vor allem geprägt war durch die Annahme von Glaubenswahrheiten, würde an einem solchen Punkt zerfallen, er würde aufhören zu existieren. Die Notwendigkeit sich an die moralischen Verbote zu halten würde mit ihm aufgegeben werden, und könnte den Weg zu einem Zügellosen Leben bereiten. Diese Annahmen betrachte ich bewusst als Karikatur, auch wenn ähnliche Geschichten tatsächlich zu passieren scheinen, und trotz der Angst in manchen Kreisen, genau das wäre es, wohin uns die dekonstruktivistischen Ansätze der emergenten Bewegung führen werden.

Handeln und Erwartung

Auf der anderen Seite kann durch die Dekonstruktion des Christentums die Möglichkeit angenommen werden, die das Handeln betont und in diesem ein so genanntes Gottesereignis erwartet.

Die Dekonstruktion des Chistentums, und damit sind ja vor allem die Paradigmen, also die Glaubenssätze und die Weltsicht gemeint, macht uns in vielen Zusammenhängen sprachlos. Wir betrachten Äusserungen über Gott als Interpretationen, dadurch verlieren sie die Aura absoluter Wahrheit und werden relativiert – in Relation gestellt. Dennoch halten wir an Gott fest. Nicht im Sinne einer allmächtigen Person im Jenseits, sondern im Sinne eines sinngebend Handelnden, der nicht zu fassen ist. Die Aspekte, die wir von ihm verstanden zu haben glauben, könnten sich als falsch erweisen, dessen sind wir uns bewusst. Dieses Bewusstsein führt uns nicht zur Lethargie, sondern ermöglicht uns vorläufige Interpretationen anzunehmen und diese ständig weiter zu entwickeln. Wir handeln entsprechend dem, was wir aus den Überlieferungen seiner Geschichte mit den Menschen interpretieren. Wir leben human, kümmern uns um Gerechtigkeit und achten unser Gegenüber, sei es ein Mensch, ein Tier oder die Pflanzenwelt.

In diesem Sinne wären wir gute Humanisten, und die Frage läge nahe, wozu es den Zusatz »Gott« noch brauchte. Doch in all dem Handeln erwarten wir das Gottesereignis. Was das genau ist, dafür fehlt uns die Sprache. Es fällt leichter zu sagen, was es wahrscheinlich nicht sein wird. Doch könnte es nicht sein, dass »Gott« sich hier ereignet, gerade in der Begegnung mit einem Mitmenschen, dem Einsatz für Gerechtigkeit, dem verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung. Es bleibt die Erwartung eines handelnden Gottes, eines Gottes der nicht nur ursprünglich Bewegender war und dann seine Schöpfung sich selbst überlies, sondern einer Gottesgemeinschaft, die heute noch involviert ist, subtil, in der Gestalt der Schöpfung. An dieser Stelle beginnen wir uns zu Fragen wie dieses Gottesereignis konstituiert ist, vielleicht auch, was unter dem Begriff »Heiliger Geist« zu verstehen ist. Führt uns die Aussage Slavoj Zizeks weiter, der den Heiligen Geist mit der »kommunistischen Partei« vergleicht, und in ihm den Antrieb sieht, der die Menschen motiviert gerecht zu handeln, einander zu lieben?

Ein solches Handeln voller Erwartung kapituliert nicht. Es definiert sich nicht aus Verboten, wiewohl es sich der eigenen Abgründe bewusst ist. Es blickt jedoch auf die Möglichkeiten, versucht dem Ereignis Gottes nachzuspüren und in diesem Sinne zu leben. Versteht sich eingeladen in die Gottesgemeinschaft, ohne konkrete Worte dafür zu haben.

In diesem Sinne verstehe ich die emergente Bewegung, zumindest das was ich davon zu kennen glaube, als missionale Bewegung. Eine Bewegung die sich danach ausstreckt an dem zu partizipieren was sie die Gottesgemeinschaft zu tun annimmt, und in diesem Leben, Handeln, nach dem Gottesereignis Ausschau hält. Und während sie handelt, reflektiert und zu vorläufigen Interpretationen kommt, die sie gerne intellektuell redlich zur Sprache bringen möchte. Eine suchende Bewegung, eine Bewegung der Liebe, eine Bewegung des Handelns und in dem allem eine dekonstruktivistisch denkende Bewegung, die wie Jeremia mit Gott um ihn ringt. Ein Weg, über den ich sehr dankbar bin.

über Macht

Freitag, 09. Oktober 2009

Zur Zeit findet quer durch Deutschland ein interessantes Filmprojekt unter dem Titel »über Macht« von dieGesellschafter.de statt. Im Rahmen dieses Projekts werden eine ganze Reihe interessanter Filme gezeigt. Das Projekt gastiert vom 15.10. bis zum 03.12. auch in Karlsruhe, natürlich in der Schauburg.

Diesen Eintrag schreibe ich vor allem weil ich auf die Vorführung des Films »Monsanto, mit Gift und Genen« aufmerksam gemacht wurde. Der Film wird am Donnerstag 15.10.2009 um 19 Uhr in der Schauburg gezeigt und bildet damit den Auftakt des Projekts in unserer Stadt. Über den Film steht auf der Schauburgseite folgendes:

Genetisch veränderte Lebensmittel sind sicher. Das sagen die Hersteller-Firmen. Marie-Monique Robins brillante Recherche über den Biotechnologie-Konzern Monsanto untersucht, wie die »wissenschaftlichen Beweise« für diese Behauptung zu Stande kommen. Sie findet heraus, dass Gen-Manipulierer auch Forschungsergebnisse manipulieren. Gegenstimmen bringt Monsanto systematisch zum Verstummen. Robins Film enthüllt die Einflussnahme des Konzerns auf Politik und Kontrollbehörden bei seinem weltumspannenden Griff nach der Macht über unser Essen.

Quelle: schauburg.de

Im Anschluss an den Film wird ein Filmgespräch stattfinden. In diesem Sinne empfehle ich den Besuch des Films und natürlich eine Ernährung die ohne genetisch veränderte Lebensmittel auskommt. Das gesamte Projekt ist meiner Ansicht nach vielversprechend und könnte zu weiterem gesellschaftlichen Engagement anregen.

_

Eine Übersicht über das Filmprogramm in Karlsruhe findet sich bei dieGesellschafter.de

Dort gibt es auch eine Übersichtsseite über das deutschlandweite Programm.

Offener Brief an die Regierung

Montag, 28. September 2009

Dem Wahlausgang gestern folgen heute viele Auseinandersetzungen. Manche fordern schon der neuen Regierung eine Chance zu geben – und ja, das werde ich tun, ich gebe ihnen die Chance ihre Wahlversprechen zu brechen und tatsächlich Regierung des ganzen deutschen Volkes zu werden und nicht nur gewisse Lobbies zufrieden zu stellen. Auch wenn 48,4% der Stimmen für schwarz-gelb stimmten gibt es 45,6% der Wähler die ihre Stimme für rot-rot-grün abgaben. Ich verbessere mal diesen Satz um deutlich zu machen was ich sagen möchte: Für eine schwarz-gelbe Koalition stehen, wenn man die Stimmen für CDU/CSU und FDP zusammenzählt 48,4% der abgegebenen Stimmen zur Verfügung, das ist eine Mehrheit und berechtigt in unserer Demokratie formal zur Regierungsbildung. Bei dieser Regierungsbildung sollte jedoch nicht vergessen werden, dass es mehr als 45,6% der Stimmen* gibt die sich nicht für eine solche Koalition bzw. für keine der drei Parteien ausgesprochen haben. Insofern ist die Mehrheit dünn und darf verhalten wahrgenommen werden. Eine der Streitfragen wird wohl der Atomausstieg sein – und da schließe ich mich heute Campact an und unterzeichne folgenden offenen Brief:

Sehr geehrte Frau Merkel,
sehr geehrter Herr Seehofer,
sehr geehrter Herr Westerwelle,

CDU, CSU und FDP haben die Bundestagswahl nicht wegen, sondern trotz ihrer Position zur Atomenergie gewonnen. Nach allen aktuellen Umfragen lehnt eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger/innen Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke ab.
Mehr als drei Jahrzehnte lang hat die Auseinandersetzung um die Atomkraft die Republik erschüttert und tief gespalten. Erst der 1999 zwischen Bundesregierung und Energiekonzernen vereinbarte Atomkonsens hat dem gesellschaftlichen Konflikt einen Teil seiner Schärfe genommen. Jede Laufzeitverlängerung für Atomreaktoren wird die notdürftig zugeschütteten Gräben des Konflikts wieder aufreißen und zur Renaissance des Anti-Atom-Protests führen.

Um den gesellschaftlichen Frieden zu bewahren und die Energiewende zu sichern, fordern wir Sie auf:

  • Sorgen Sie dafür, dass die sieben ältesten, besonders unsicheren Atomkraftwerke und der Pannenreaktor Krümmel jetzt vom Netz gehen!
  • Ziehen Sie einen Schlussstrich unter die jahrzehntelangen Lügen, die den Ausbau des völlig ungeeigneten Salzstocks Gorleben zum Endlager begleitet haben! Starten Sie eine neue, vergleichende Standortsuche nach klaren Kriterien.
  • Stärken Sie den Ausbau der Erneuerbaren Energien und fördern Sie Energieeffizienz: Jedes Aufweichen des Atomausstiegs zerstört die Investitionssicherheit dieser Zukunftsbranchen.

Sollte Ihre Regierung den Atomausstieg jetzt nicht endlich vollziehen, werden wir uns an den zu erwartenden, massiven Protesten der Anti-Atom-Bewegung beteiligen.
Mit freundlichen Grüßen

Daniel Ehniss

_

Es gäbe noch viel zu sagen, damit möchte ich es nun jedoch bewenden lassen und wende mich wieder anderen Aufgaben zu. Diesen offenen Brief kannst du gerne ebenfalls hier unterzeichnen.

_
* 45,6% der Stimmen sind die Summe der Stimmen die für SPD, die Linke und die Grünen abgegeben wurden. Rechnet man die 6,0% der Stimmen dazu die an die kleinen Parteien gegeben wurden, dann wäre man bei 51,6% – das ist hypothetisch, keine Frage, aber dient der Veranschaulichung der Verhältnisse.

Bäume pflanzen

Donnerstag, 17. September 2009

WaldAm Dienstag fragte ich ob jemand Ideen hätte was man anlässlich der »Global Climate Week« machen könnte. Gestern kam eine Mail von der Bahn in der neue Prämien für all die Punktesammler unter uns vorgeschlagen wurden. Und auf einmal passte es für mich zusammen. Eine der vorgeschlagenen Prämien wird folgendermaßen beschrieben:

Für 500 eingelöste Bonuspunkte pflanzt das Bergwaldprojekt 10 standortgerechte Bäume in einer von Stürmen und Klimawandel bedrohten deutschen Waldregion. Die Pflanzungen unterstützen den naturnahen Waldumbau. Mit Ihrer Baumprämie engagieren Sie sich für den Erhalt der Schutzfunktionen unserer Wälder, für saubere Luft, Trinkwasser, Artenvielfalt und Klima.

Diese Idee gefiel mir auf anhieb. Ich sah dann heute morgen dass es eine ähnliche Prämie schon länger gibt und dass 2008 dadurch 80 Hektar Wald aufgeforstet worden waren. Auf diese Weise ist Bahnfahren auf zweifache Weise gut für unser Klima und im wahrsten Sinne des Wortes nachhaltig.

Falls du auch einer dieser Punktesammler bist und gerade 500 davon auf deinem Konto liegen hast könntest du ja auch 10 Bäume pflanzen lassen.

Hier ist der Link zur Baumprämie.

Faire Woche

Freitag, 11. September 2009

Ab Montag findet wieder die jährliche faire Woche statt. Unter dem Motto „Perspektiven schaffen – Fair Handeln!“ finden vom 14. bis 27. September deutschlandweit viele Veranstaltungen statt die den fairen Handel erlebbar machen und Perspektiven schaffen. Für manche unter uns werden Perspektiven erweitert und es wird uns möglich hinter den Produkten die täglich durch unsere Hände gehen die Menschen zu sehen die am Entstehungsprozess beteiligt sind. Für diese Menschen, die uns erst unsere alltäglichen Produkte ermöglichen, werden durch fairen Handel ganz konkrete Zukunftsperspektiven geschaffen – seien es Gewerkschaften, die Möglichkeit dass Kinder in Schulen gehen können und partnerschaftliche Handelsbeziehungen eine gewisse Planungssicherheit ermöglichen. Und damit sind ja wieder nur kleine Aspekte des großen Bildes skizziert.

Karlsruhe nimmt in diesem Jahr zum ersten Mal in größerem Stil an der fairen Woche teil. So wurde eine fülle von Angeboten zusammengetragen und neben einem gemeinsamen Veranstaltungskalender wird am Freitag 18. September ein bunten Markt auf dem Marktplatz stattfinden.


Informationscafé zu fairer Kleidung

Im Rahmen dieser Veranstaltungen arbeitet die soziokulturelle Initiative Kubik mit der evangelischen Luthergemeinde zusammen und öffnet ein Informationscafé zu fairer Kleidung im Turmzimmer der Lutherkirche. Wir freuen uns sehr darüber dass Kaffee aus fairem Handel mittlerweile im Mainstream angekommen ist und breite Akzeptanz genießt. Wir denken jedoch, dass auch hinsichtlich der Kleidung mit der wir uns täglich „in Schale werfen“ ein umdenken stattfinden sollte. Viel zu viele von den schönen Stücken entstehen unter Bedingungen die all ihre Schönheit verblassen lassen, haben wir sie einmal vor Augen. Sei es die Ausbeutung der Arbeiter, die an der Herstellung des Rohmaterials beteiligt sind und die nicht nur unter starker chemischer Belastung leiden. Oder seien es die Kinder die total ausgebeutet werden und nach 14 Stunden anstrengendster Arbeit mit Prügel und anderen Strafen rechnen müssen. In dem Wissen dass auch ich noch viel zu viele dieser Systemfehler unterstütze und damit konkret Menschen schade, sitze ich hier nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern freue mich daran Möglichkeiten wo und wie schöne nachhaltige Kleidung zu bekommen ist die unter fairen Bedingungen hergestellt wird und die durch einen ebensolchen Handel bei uns landet zu erforschen und bekannter zu machen. In diesem Sinn hat sich eine Gruppe von Menschen zusammengefunden die ihr Engagement und ihre Zeit dafür einsetzten um ein schönes Informationscafé in oben besagtem Kirchturm einzurichten.

Das Informationscafé zu fairer Kleidung hat bereits diesen Sonntag, also am 13. September, von 11:30 bis 17:30 Uhr geöffnet. An den folgenden Tagen – Montag bis Donnerstag – ist das Café jeweils von 10 – 12 Uhr offen. Wir freuen uns sehr über Besucherinnen und Besucher.


Reschique – Klamottentausch- und Design Event

Am 26. September findet ab 15 Uhr im Kaffeehaus NUN wieder das Klamottentausch- und Design Event Reschique statt. Als Alternative zum Wegwerfkonsum kannst Du dort Kleider tauschen, aufhübschen, entwerfen, neues kreiern, sticken und nähen. Damit wollen die Veranstalter auch Gegenentwürfe zu Markenbranding, Einheitsmode und den meist unmenschlichen Herstellungsbedingungen aufzeigen.

Das Angebot wird durch Kaffee aus fairem Handel und leckere Kuchen abgerundet.

Auf Flickr gibt es Bilder von vergangenen Events und weitere Infos finden sich hier.

Ideologie war gestern

Sonntag, 09. August 2009

Auf Zeit-Online findet sich ein interessanter Artikel zur Abwesenheit von Ideologie und einer stark pragmatischen Weltsicht unter Studenten. Ein kurzes Zitat aus diesem Artikel:

Von wegen, die Jugendlichen glaubten an nichts: Wie die Studenten in den Sechzigern ihren Marx, hat auch die pragmatische Generation ihre Vordenker, nur lehren diese kein Schema zur Weltrettung, sondern die Betrachtung des Einzelfalls.

Vielleicht kann man mit EF sagen: “the manifesto is that there is no manifesto”. Wir haben den Glauben an die eine mögliche und für alle gültige Erklärung der Welt und des Lebens verloren. Denken es gibt nicht diese eine Wahrheit, und folgern daraus dass Ideologien gestern waren, und dass Dogmatismus mehr schadet als hilft. Dies bringt meiner Ansicht nach keine Beliebigkeit hervor, und führt auch nicht dazu, dass man nur nach sich selbst und seinem eigenen Vorteil schaut. Wahrscheinlich führt es eher auf die Konzentration auf den Einzelfall und die Suche nach pragmatischen Lösungsansätzen, wobei ich hier auch noch andeuten will dass ich diesen Pragmatismus nicht im Gegensatz zur intensiven Auseinandersetzung mit wichtigen Theorien oder philosopischen Ansätzen verstehe.

Achso, und dann versuche mir doch noch mal jemand zu erklären dass die Gedanken von so genannten postmodernen Philosophen keine Auswirkungen auf unser Leben hier und jetzt haben…

Zum Artikel: Woran kann ich noch glauben?