Same Sh!t, Different Toilet

Pharoahe Monch, Styles P und Marco Polo haben mit Same Sh!t, Different Toilet eine starke Single veröffentlicht. In den Lyrics stellen sie sich Ungerechtigkeit, Polizeigewalt und Rassismus entgegen. Dabei beziehen sie sich auf aktuelle Ereignisse und stellen Verbindungen zur Geschichte her.

«Peace, God, I can’t call it
Same shit, different toilet
When will the struggle end?
Square one, we’re back again
I’m about to lose control
Please ease my soul
Or I’m gon‘ get me a gun»

Die Wiederholung der Geschichte, das Verzweifeln über die ausbleibende Veränderung, die momentan auf den Straßen sichtbar wird, findet in diesem Track einen Ausdruck. Ein Kunstwerk, aus dem Leiden geboren, das bereits auf dem Cover zeigt wie sich der Kampf über Generationen erstreckt. Ich hoffe er verleiht Kraft weiter zu kämpfen, so dass wir nicht bei der Quadratur des Kreises stehen bleiben, sondern der Kampf ein Ende finden kann.

Der Kebekus-Brennpunkt zum Thema „Rassismus“

Startbild für das Video des Brennpunkt Rassismus von Carolin Kebekus

Carolin Kebekus änderte ihr Programm und produzierte einen längst überfälligen Brennpunkt zum Thema Rassismus, der in den anderen Formaten fehlte. Moderiert wird der Brennpunkt von Shary Reeves, und es kommen tatsächlich Expert:innen zu Wort.

Warum weiße Menschen so gerne gleich sind

Das Buch »Was weiße nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten« von Alice Hasters finde ich sehr gut um zu verstehen wie tief Rassismus in unserer Kultur verankert ist, und wie wichtig es ist umzudenken und anders zu handeln. In der aktuellen Situation, und als Einstieg oder Erinnerung, erscheint mir dieser Artikel von ihr sehr wichtig:

»Weiße Menschen haben die Theorie etabliert, dass Charaktereigenschaften, kulturelle und soziale Fähigkeiten mit biologischen Merkmalen zusammenhängen. Dieses System nennt sich White Supremacy – Weiße Vorherrschaft.

Wenn ich von Rassismus spreche, dann meine ich diesen wirkungsvollen, systemischen Rassismus, der im Stande ist, Menschen zu unterdrücken. Er ist schon so lange und so massiv in unserer Geschichte, unserer Kultur und unserer Sprache verankert, hat unsere Weltsicht so sehr geprägt, dass wir gar nicht anders können, als in unserer heutigen Welt rassistische Denkmuster zu entwickeln.

Alice Hasters, Warum weiße Menschen so gerne gleich sind.

Learning to Skateboard in a Warzone (If You’re a Girl)

Freue mich in der heutigen taz ein Interview mit Zamarin Wahdat zu lesen. Zamarin Wahdat hat für ihren Kurzfilm ›Learning to Skateboard in a Warzone (If You’re a Girl)‹ einen Oskar bekommen. In dem Film dokumentiert sie eine Klasse von Mädchen, die eine Schule von Skateistan in Afghanistan besucht. Skateistan ist eine Organisation, die ich seit Jahren beobachte und unterstütze, da ich ihren Ansatz Menschen – und dabei vor Allem Mädchen – aus benachteiligten Verhältnissen durch Skateboarding und Schule zu unterstützen sehr gut finde. Zamarin Wahdat bringt das im Interview auch sehr treffend zum Ausdruck:

Was ist Skateistan genau?

Skateistan ist eine NGO, die 2009 gegründet wurde. Von dem Australier Oliver Percovich, der sieben Jahre in Kabul gelebt hat und etwas für die Kinder tun wollte. Er war professioneller Skater und dachte: Ich gründe eine Skateschule. Unter den Taliban und auch danach war Sport für Mädchen verpönt. Skaten kannte aber niemand und es galt daher nicht als Sport. So konnten nicht nur Jungs, sondern später auch Mädchen auf die Schule gehen. Die Kinder lernen dort auch Lesen, Schreiben, Rechnen. Mittlerweile gibt es mehrere Schulen weltweit. Kurz vor der Pandemie sollte eigentlich die dritte in Afghanistan öffnen. Jetzt sind sie allerdings erst mal alle dicht.

Gerade für die Mädchen ist es ein besonderer Ort.

Ja, sie fühlen sich dort frei. Das ist der einzige Ort, wo sie mal nicht Tee kochen, im Haushalt helfen müssen. Sie können dort sie selbst sein. Es war so beeindruckend, was das Skaten und der Unterricht mit ihnen machen. Sie werden so selbstbewusst, wollen Ärztinnen, Lehrerinnen, Pilotinnen werden. Sie haben dort Vorbilder. Und wenn ein Mädchen sagt: ‚Ich will Skatelehrerin werden wie Hanifa.’ Und wenn du siehst, wie ihre Augen dabei leuchten, das berührt sehr.

Ist Skateistan in Kabul auch ein feministisches Projekt?

Unbedingt. Aber was fast noch wichtiger ist, ist die Schulung der Jungen. Als Junge kannst du in Afghanistan machen, was du willst, bist super dominant. Ich hatte eigentlich immer alles bedeckt, als ich in Kabul war. Aber einmal hat ein 14-jähriger Junge zu mir gesagt: „Schwester, man kann deinen Nacken sehen. Das ist nicht gut.“ Und das hat er mit so einer Autorität gesagt, als ob er mein Vater oder Lehrer wäre. Aber auch da passiert Gott sei Dank viel an der Schule.

Das Interview lohnt sich auch aus vielen anderen Aspekten zu lesen – so zum Beispiel ihre Äusserungen dazu wie ihr in Deutschland oft begegnet wird. Abschließend nun noch der Trailer des Films:

Learning To Skateboard In A Warzone (If You’re a Girl) Trailer zu ›Learning To Skateboard In A Warzone (If You’re a Girl)‹ auf Vimeo.

Lauftagebuch

Es ist Zeit für eine neue Kategorie in diesem Blog. Die meisten anderen habe ich eingeführt ohne darüber zu schreiben, mit Lauftagebuch ist das anders. Ab jetzt gibt es diese Kategorie hier, und das ist der erste Eintrag darin. Wobei einen hatte ich bereits, aber noch keine Kategorie dafür.

Im letzten Jahr habe ich viel darüber nachgedacht mit dem Laufen anzufangen. Ich wollte gerne regelmäßig Sport machen, die Bedingungen dafür jedoch so gering wie möglich halten. Mir war aufgefallen, dass die Zeitfenster für Sport in meinem Leben sich nicht so einfach öffnen lassen, von daher sollte er nicht nur an festen Zeiten stattfinden können. Darüber hinaus war mir klar geworden, dass ich alleine Sport treiben möchte, Menschen habe ich in meinem Alltag häufig um mich, in eine Mannschaft wollte ich also nicht. Auf Wettkämpfe stehe ich nicht, ich möchte mich nicht mit anderen messen, sondern einen Sport wählen der mir gut tut. Laufen schien also perfekt zu mir zu passen.

Nachdem diese Gedanken geordnet waren, wollte ich es ausprobieren, fehlte nur noch die Ausrüstung. Beim Laufen hält diese sich zwar in Grenzen, dennoch wollte alles wohlüberlebt sein. Ich begann zu recherchieren und legte hier und dort das eine oder andere in einen Warenkorb ohne jemals zur Kasse zu gehen.

Angefangen habe ich schließlich am ersten Weihnachtsfeiertag, nachdem ich zu Weihnachten eine Grundausrüstung geschenkt bekommen hatte. Mit dieser machte ich mich also auf den Weg die ersten Kilometer zu laufen. Und ja, es schien auch jetzt noch sehr gut zu passen. Den Anfang machte ich gemeinsam mit dem Boi, der mich immer noch regelmäßig begleitet, was ich sehr genieße da gemeinsam Laufen auch eine gute Möglichkeit ist sich zu unterhalten dies aber nicht unbedingt zu müssen.

Kurze Zeit später ging ich in ein Sportgeschäft, ließ meinen Laufstil analysieren und mich beraten um nicht länger mit meinen alten Schuhen zu laufen und meine Knochen und Gelenke über Gebühr zu strapazieren.

Von nun an lief ich drei bis viermal pro Woche, und freute mich darüber wie es mir zunehmend leichter fiel etwas länger und weiter zu laufen. Im Februar bekam ich Schmerzen im rechten Knie und musste überlegen was es damit auf sich hatte. Meine Schwester riet mir Geschwindigkeit und Strecke zu reduzieren, was genau der richtige Rat war. Das Knie erholte sich, und Laufen machte wieder Spaß.

Zum Geburtstag bekam ich das Buch Optimales Lauftraining von Herbert Steffny geschenkt, und stellte schnell fest, dass für mich die Lektüre eines Buches zu jedem Thema wichtig ist, mit dem ich mich näher beschäftigen möchte. Dazu aber vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt etwas mehr.

Aus dem Buch von Steffny nahm ich mir die Trainingspläne zur Hand, und begann meine Läufe etwas besser darauf auszurichten. Nach einem guten Lauf am Freitag Nachmittag über 13,26km, war ich motiviert und überzeugt in nächster Zeit langsam wieder längere Strecken meistern zu können und mich so langsam an die Drittelmarathon-Distanz zu wagen. Abends erfuhr ich auf Twitter von Sr. Rolando vom Ostermarathon 2020. Da auf Grund der aktuellen Lage Sportveranstaltungen bis auf Weiteres abgesagt sind, es jedoch weiterhin hilfreich ist Sport zu treiben, veranstaltete die Marathon München GmbH den Ostermarathon, den sich die teilnehmenden Läufer*innen in 4 Etappen aufteilen können und ihn auf ihrer Hausstrecke absolvieren können. Mit der Anmeldung zögerte ich, da ich nicht wusste ob ich genügend Zeit finden würde, und fast noch wichtiger, ob ich die gesamte Strecke in vier Tagen durchhalten würde. Mit dem Ziel an die Drittelmarathon-Distanz zu kommen, war er allerdings sehr gut zu verbinden.

Freitag rechnete ich also ein, 13,26km schon geschafft. Am Samstag lief ich 13,80km, das Ziel kam also schon näher. Sonntag gestaltete sich etwas anders, ich fand keine Zeit zum Laufen, weshalb für Montag eine längere Strecke gelaufen werden musste. Würde ich es schaffen? Das Wetter meinte es gut mit mir, und ich schaffte heute tatsächlich die letzte Distanz von 15,59km. Nun mit dem Wissen die Distanz von 42,195km erreicht zu haben, melde ich mich noch schnell an, trug meine Zeiten ein, und erhielt eine digitale Urkunde. Yeah.

Ostermarathon 2020 – Daniel Ehniss

Im Lauftagebuch werde ich also in Zukunft übers Laufen schreiben. Vielleicht mehr um mir selbst vor Augen zu führen wie es damit gerade so läuft. Falls Euch das nicht interessiert wisst ihr ja jetzt welche Einträge ihr nicht lesen müsst.

Zahlen, bitte!

Die Frauentaz liegt auf einem Tisch, daneben steht ein Glas Bier.

»Natürlich ist Feminismus viel mehr als nur die Forderung nach mehr Geld. Doch der Kampf für gleiche und faire Bezahlung ist letztlich ein Kampf um Unabhängigkeit: dafür, selbstbestimmt im Job und in Beziehung leben zu können. Geld ist ein Machtfaktor.«

Aus dem Editorial der frauentaz, taz am frauentag von Patricia Hecht, Antje Lang-Lendorff, Carolina Schwarz.

Ist Wohlstand ohne wirtschaftliches Wachstum möglich?

John Cassidy schreibt für das Magazin The New Yorker (Feb. 10, 2020) einen Artikel über Degrowth: Steady State – Can we have prosperity without economic growth?. Diesen beginnt er mit einer Vision für die Wirtschaft der Enkelkinder von John Maynard Keynes aus dem Jahr 1930, in der er einen Blick auf die Wirtschaft im Jahr 2030 warf und davon ausging, dass die Arbeitszeit auf 15 Wochenstunden reduziert sein würde. Die Gesellschaft sei in diesem Zeitraum so reich geworden, dass mehr Arbeit nicht mehr notwendig sei, und sich die Meinung durchgesetzt habe dass es sich bei der Liebe zum Besitz von Geld um eine widerliche Morbidität handle.

Der Artikel lohnt sich sehr zu lesen, nicht zuletzt weil er die Degrowth Bewegung kritisch würdigt und ihr eine verändernde Wirkung auf gesellschaftliche Werte und Produktionsmuster bescheinigt. Vier Aspekte dieser verändernden Wirkung zeigt er im letzten Teil auf:

  • Grünes Wachstum ist angesichts der Umweltbedrohung und der Notwendigkeit ärmere Länder zu unterstützen notwendig. Vor allem dann, wenn grün stärker betont wird als Wachstum. Hierzu zählt er die Anstrengungen die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen indem kräftig in erneuerbare Energien investiert wird, Kohlekraftwerke abgeschaltet werden und eine CO2-Steuer eingeführt wird. Auf diese Weise wird das Verbrennen fossiler Energien teurer und es fließt Geld in die Kassen, das wiederum für grüne Investitionen und die Entlastung der Bevölkerung eingesetzt werden kann.
  • Energieeffizienz ernst zu nehmen betrachtet er als sehr wichtig. Darunter versteht er energetische Sanierung von Gebäuden, Autos die weniger Energie verbrauchen, den Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel und die Senkung des Energiebedarfs der Industrie.
  • Eine Arbeitsmarktreform ist seiner Ansicht nach notwendig, um die Auswirkungen des langsamer wachsenden Bruttoinlandsprodukt abzufedern. Dafür sind Arbeitsteilung und das Bedingungslose Grundeinkommen zentral. Diese Reform wird mit höheren Steuern für Wohlhabende einhergehen, einer Umverteilung also, die er für geboten hält.
  • Abschließend ist seiner Ansicht nach ein umdenken bezüglich Wirtschaftswachstum unerlässlich. Dieses Umdenken wird dabei helfen den wettbewerbsartigen Konsum zu überwinden, und damit auch die Notwendigkeit der Expansion schwächen.

In Anlehnung an Keynes spricht er meiner Ansicht nach etwas zu stark von der Hinwendung zu den Künsten, wenn die sozialen Werte und Produktionsmuster verändert werden, und etwas zu wenig von Care-Arbeit, die nicht minder wichtig ist, und der in diesem Zusammenhang ebenfalls mehr Aufmerksamkeit zukommen muss.

The Aphrodite Tour

The Aphrodite Tour – A Skateboarding Trip to GreeceThe Aphrodite Tour (on YouTube)

Rianne Evans, Sarah Meurle, Cata Diaz und Agata Halikoswka reisten als Teil des European Women’s Team von Nike Skateboarding mit SKATEISM durch Griechenland. Sie hinterließen ihre Spuren in der Skate Geschichte von Athen, Larissa, Thessaloniki und dem Olymp. Mir gefällt der Vibe des Videos.

Rechtsradikalismus: Das Hufeisen schlägt zurück

»Rechtsradikalismus: Das Hufeisen schlägt zurück« ist ein sehr guter Artikel von Christian Bangel, in dem er die Gleichsetzung von AfD und Linkspartei kritisiert.

Im konservativen Spektrum ist diese Gleichsetzung, ausgehend von der Extremismustheorie, weit verbreitet und wird gelegentlich wiederholt. Bangel kritisiert diese Gleichsetzung mit dem Hinweis auf einen entscheidenden Aspekt: das Verhältnis zur pluralen Demokratie. Auch wenn sich die Politik von CDU und Linkspartei deutlich unterscheiden, verbindet die beiden das Verhältnis zur Demokratie. Eine Zusammenarbeit mit der AfD schließt sich jedoch hinsichtlich dessen aus, hier wird keine plurale Gesellschaft angestrebt:

»Die AfD fügt sich nicht ins demokratische Spektrum ein, sondern sie radikalisiert sich immer weiter. Wer glaubt, eine Regierungsbeteiligung könne sie zähmen, der hat nicht verstanden, dass die Partei Bestandteil eines internationalen rechten Netzwerkes ist, dass dabei ist, die Demokratien des Westens von innen auszuhöhlen und zu minderheitenfeindlichen Mehrheitsdiktaturen umzubauen.«

Das Verhältnis der AfD zur pluralen Demokratie und ihr Bestreben rechstradikale Strömungen intern nicht anzugehen, wird auch daran deutlich dass sie gegen die Prüfung durch den Verfassungsschutz klagt. Die Erinnerung an die Werte der CDU finde ich bei Bangel sehr gelungen, da die postulierten Werte jede Zusammenarbeit mit der AfD verbieten:

»Diese Gegenüberstellung müsste für eine CDU, die sich und ihre Werte ernst nimmt, zu einer klaren Schlussfolgerung führen: Wenn es nicht anders geht, ist eine Regierung mit der Linken möglich. Mit der AfD hingegen verbietet sich jede Zusammenarbeit. Eine solche Festlegung hätte auch den Vorteil, dass der AfD auf die Dauer die Machtperspektive genommen wäre, was für ihr inneres Gefüge gravierende Folgen hätte. Und wahrscheinlich auch für ihre Wahlergebnisse.«

Für den politischen Betrieb wünsche ich mir diesen Unterschied zu bedenken, und auf Grund dessen jede Zusammenarbeit zu unterlassen. Darüber hinaus wäre es in der Kommunikation über die Partei hilfreich eine solch deutliche Einordnung vorzunehmen, und sie als das wahrzunehmen was sie ist.

Pro Jahr ein Smartphone ist eine Katastrophe

Warum sind aufbereitete Elektroartikel nachhaltiger als der Kauf eines neuen Elektrogerätes?

Weil beim Aufbereiten kein neues Produkt gebaut werden muss. Damit setzt man weniger CO2 frei und spart Rohstoffe ein, die für die Produktion benötigt werden. Für ein durchschnittliches Smartphone ergibt sich für den gesamten Lebenszyklus etwa eine CO2-Emission von circa 47 Kilogramm. Bei einem modernen Handy kommen Seltene Erden, Gold, Kupfer und weitere Metalle hinzu. Jedes Jahr ein neues Smartphone zu kaufen ist eine Katastrophe für das Klima.

Pro Jahr ein Smartphone ist eine Katastrophe – Denis Gießler interviewt Kilian Kaminski von refurbed in der taz