Klimaschutz ist ein Luxusproblem

In den letzten Wochen las ich an unzähligen Stellen die Aussage beim Klimaschutz handle es sich um ein Luxusproblem. Anlässlich des Sonderberichts zur globalen Erwärmung des Weltklimarates und der Rolle der Grünen bei der Landtagswahl in Bayern war diese Aussagen an der Tagesordnung.

Einige benennen es klar: Um den Klimaschutz könne Mensch sich kümmern, wenn alle wichtigen Probleme gelöst seien. Für andere ist die Aussage an sich problematisch, sie handeln dennoch als sei sie wahr.

Bei jedem Mal wenn mir dieser Haltung begegnete wuchs die Unzufriedenheit. Ich wollte es in die Welt hinausschreien: KLIMASCHUTZ GEHT UNS ALLE AN, ER IST KEIN LUXUS- SONDERN EIN EXISTENZIELLES PROBLEM.

Im Nachklang einer Unterhaltung über den Konsum tierischer Erzeugnisse, erschien mir die Aussage zum Klimaschutz plötzlich schlüssig. Sie haben doch recht:

Klimaschutz ist ein Luxusproblem!

Weshalb grillen wir Fleisch, lieben den Braten oder feiern den Burger mit der Extraportion Fleisch?

Warum trinken wir Milch, essen die verschiedensten Sorten Käse und garnieren unsere Kuchen mit Sahne?

Weshalb setzen wir uns in ein Auto und füllen Innenstädte und Autobahnen?

Warum beleuchten wir die ganze Wohnung und heizen sie bis es im T-Shirt zu warm ist?

Weshalb fliegen wir an weit entfernte Orte um dort die Natur zu genießen, und warum vermitteln Passagierflugzeuge ein Gefühl von Freiheit?

Warum zücken wir bei jeder Gelegenheit das Smartphone, haben jede Menge elektronische Geräte andauernd im Standby und füllen Festplatten mit den Bildern all dieser Situationen?

Diese Fragen sind unvollständig, einfach so schnell aufgeschrieben. Aber sie betreffen mich. Indem ich meine Antworten darauf reflektiere stelle ich fest, dass mein Beitrag zum Klimaschutz ein Luxusproblem ist.

Welche Fragen stellst Du Dir?

Ermutigung

Seit Twitter die alte API abgeschaltet hat und damit Apps von Drittanbietern den direkten Zugriff auf Likes und Mentions untersagt, fehlt mir etwas Entscheidendes.

Zuerst dachte ich, dass mich die Änderungen nur am Rande betreffen. Tweets kann ich weiter lesen, wirklich am Puls der Zeit war ich dabei nie, und da sich Likes und Mentions in Grenzen hielten, dachte ich diese auch nicht mehr per Push erhalten zu müssen.

Nach einer Weile ohne, stelle ich aber fest, dass mir etwas entscheidendes fehlt: die Ermutigung. Ein Like, eine kurze Antwort oder ein Retweet sind für mich nämlich genau das. Eine Person hat die Äußerung gesehen und darauf reagiert. Erfahre ich nicht davon, fühlt es sich schnell an, als schreibe ich in einen leeren Raum hinein, und könnte es auch direkt lassen.

Objektifizierung

Seit einiger Zeit tue ich mich schwer damit, mich als ›Christ‹ zu verstehen. Weite Teile dessen, was sich unter diesem Begriff ereignet sind mir fremd – immer schon gewesen oder im Lauf der Zeit geworden.

Mir scheint die Unterscheidung von Schöpfer und Geschöpf hat damit wesentlich zu tun. Diana Butler Bass schreibt im Kapitel ›Dirt‹ ihres Buches Grounded über die Dynamik von Objektivizierung:

«When something becomes an object, it is much easier to use — or abuse – for one’s own purposes. Western religion, often afraid to lose the Creator-creation distinction, quickly baptized theologies that distanced God from the dirt and emphasized human lordship over the land.»

Diana Butler Bass, Grounded: Finding God in the World – A Spiritual Revolution.

Die daraus resultierende Abwertung des Objekts führt zu einer Vergeistlichung, die ihren Ausdruck in einer Betonung der Recht-Gläubigkeit findet, Menschen nach bestimmten Kriterien beurteilt und sich immer weiter von Mutter Erde und ihren Früchten entfernt.

Die Gedanken von Diana Butler Bass wecken in mir meine Vorliebe zum Panentheismus und der spirituellen Dimension allen Lebens, unabhängig von Bekenntnissen und Zugehörigkeiten. Vielleicht eröffnet mir die Lektüre ihres Buches eine neue Sicht auf Spiritualität, die mir diese wieder attraktiver erscheinen lässt.

Computation

«We have been conditioned to believe that computers render the world clearer and more efficient, that they reduce complexity and facilitate better solutions to the problems that beset us, and that they expand our agency to address an ever-widening domain of experience. But what if this is not true at all? A close reading of computer history reveals an ever-increasing opacity allied to a concentration of power, and the retreat of that power into ever more narrow domains of experience. By reifying the concerns of the present in unquestionable architectures, computation freezes the problems of the immediate moment into abstract, intractable dilemmas; obsessing over the inherent limitations of a small class of mathematical and material conundrums rather than the broader questions of a truly democratic and egalitarian society.»

James Bridle, New Dark Age, 34.

Drei Werbetafeln, die aufwühlen wollen

Am Wochenende sahen wir uns ›Three Billboards Outside Ebbing, Missouri‹ des Regisseurs Martin McDonagh an. Die Geschichte des Films entspannt sich um drei Werbetafeln ausserhalb des Städtchens Ebbing in Missouri. Sie wurden von Mildred Hayes (Frances McDormand) gemietet, die damit das Städtchen aufwühlen will, da die Vergewaltigung und der Mord an ihrer Tochter auch nach Monaten noch nicht aufgeklärt wurde.

Trailer: Three Billboards Outside Ebbing, MissouriTrailer zu Three Billboards Outside Ebbing, Missouri. (Auf YouTube ansehen)

Um die Aufklärung des Verbrechens geht es in dem Film eigentlich nicht. Vielmehr geht es um Wut und die daraus folgenden Dynamiken. Der Film zeichnet alle Charakter facettenreich und begeistert durch unerwarteten Wendung der Figuren und des Plots. Während die im Film gestellten Fragen und angesprochenen Abgründe unbeantwortet bleiben, wird deutlich, dass McDonagh die Zuschauer_innen viel mehr selbst hinterfragen möchte. Einfache Antworten und die menschliche Neigung zwischen Gut und Böse unterscheiden zu wollen, stellt dieser Film gekonnt in Frage. Und dieses Nachdenken ereignet sich während hervorragende Schauspieler_innen wort- und bildgewaltig eine Geschichte erzählen, in der es viele Positionen zu beziehen gäbe.

Eine Filmbesprechung von Antje Schrupp hatte ich im Januar zum Kinostart des Films gelesen, und mich bei der Wahl eines Films daran erinnert.

Mein Blog und ich

Seit dem letzten Eintrag hier habe ich 28 Beiträge auf Instagram geteilt, getwittert, gepostet und ein paar Mal getrötet. Natürlich schreibe ich auch in mein anderes Blog, aber auch das viel zu selten.

Hier hielt ich seit 2004 fest was mich beschäftigte, wo ich war und was ich gesehen, gelesen, gehört und erlebt habe. An Abenden wie diesem vermisse ich es. Die Gedanken soweit zu ordnen, bis sie sich zu Sätzen formen lassen und daraus Abschnitte werden, nicht nur ein Tweet oder eine Bildunterschrift. Über diese kurzen Texte denke ich auch nach, klar, aber anders. Dieses Blog bräuchte etwas mehr Aufmerksamkeit, ich müsste ihn dringend gründlich überarbeiten, darüber denke ich schon eine Weile nach. Die Zeit es richtig zu machen fehlt, und hindert mich dann wieder am Schreiben.

Vielleicht ändere ich das jetzt mal wieder. Wäre doch schön. Zumindest für mich. Ob da noch nette Menschen sind die diesen Kanal verfolgen, schwer zu sagen, ihr könnt ja Bescheid geben.

Im September, ja so lange ist das schon wieder her, las ich einen Artikel von Oliver Reichenstein, der mich sehr ansprach. Es gibt so ein paar Dinge, die mir wirklich wichtig sind und über die ich mir mal wieder etwas mehr Gedanken machen möchte. Darüber sollte ich schreiben.

Janelle Monáe – PYNK

Janelle Monáe – PYNKJanelle Monáe – PYNK [Official Video, feat. Grimes]

Janelle Monáe veröffentlichte mit PYNK kürzlich eine weitere Single ihres kommenden Albums ›Dirty Computer‹.

Die Musik des Stücks gefällt mir sehr gut, das Thema und die Umsetzung davon im Video finde ich herausragend. Die Selbstverständlichkeit mit der Monáe, Grimes und die Anderen das Leben und ihre Sexualität feiern, begeistert mich. Diese Art von Sexpositivismus wünsche ich mir noch viel mehr im Pop, sowohl für uns Elteren als auch für die Heranwachsenden.

Unserer Gesellschaft tut eine gute Portion des Selbstbewusstseins, das jede Pore dieses Stücks atmet, sehr gut. »’Cause boy it’s cool if you got blue – We got the pink!«

Time For Love

Time For Love ist ein Gedicht das Homophobie in der modernen Gesellschaft thematisiert und dabei auch das Konzept von Normalität eindrücklich in Frage stellt.

Time for Love – BBC SocialTime For Love – BBC The Social (watch on YouTube)

Traurig zu sehen, wie das Konzept von Normalität immer noch Liebende mit solchen Gedanken, Scham und dem Gefühl nicht dazu zu gehören konfrontiert. Es ist höchste Zeit für Liebe!

Auf das Gedicht wurde ich durch diesen Tweet von @evaschulz aufmerksam.