Loyle Carner – You Don’t know

Kommenden Freitag erscheint ›Not Waving, But Drowning‹, das neue Album von Loyle Carner. Mich begeistert die sympathische Unaufgeregtheit der Musik von Loyle Carner, und so vertreibe ich mir mit den bisherigen Single-Auskopplungen die Wartezeit. Mit dem Video zu »You Don’t Know« lade ich Euch ein dasselbe zu tun:

Loyle Carner – You Don’t KnowVideo zu You Don’t Know von Loyle Carner (YouTube)

EU-Urheberrechtsreform: Einfach nur eine Frechheit

Likes EU-Urheberrechtsreform: Einfach nur eine Frechheit.

Am Ende dieser Auseinandersetzung, die auf den Straßen und von Lobbyisten, von Jungen und Alten und quer durch die politischen Lager ausgetragen wurde, bleiben viele Menschen zurück, denen der freie Meinungsaustausch im Netz und die dortige Netzkultur am Herzen liegt – und die überzeugt sind, dass es wirksamere Wege gegeben hätte, großen Tech-Unternehmen ein bisschen etwas von ihren Milliardengewinnen abzuknöpfen. Es ist schon schlimm genug, ihren Protest einfach so zu ignorieren. Ihm aber auch noch die Legitimität abzusprechen, ist einfach nur eine Frechheit.

Verkehrte Welt

Wer täglich in einer Stadt unterwegs ist, kennt ihn, den Konflikt zwischen Personen auf Fahrrädern und solchen in Autos. Da wird schon mal eng aufgefahren, gefährlich überholt oder bewusst kein Platz gemacht. Dieser Dauerkonflikt wird nach Ansicht des Verkehrspsychologen Bernhard Schlag durch „gegenseitige falsche Wahrnehmungen“ befeuert, „weil jeder den anderen verdächtigt, ihm Räume wegzunehmen“. Die Folgen sind bekannt. Das Verhalten der Verkehrsteilnehmer*innen ist nicht selten geprägt von Neid, Stress und Aggression. Diese Zutaten führen zu einem gefährlichen Cocktail, der viel zu oft schlecht ausgeht.

Appelle an das Verhalten der Verkehrsteilnehmer*innen alleine genügen nicht. Nach Schlag ist eine andere Verkehrspolitik notwendig, und damit einhergehend grundsätzliche Reformen der Städteplanung.

„Der Staat hat die Pflicht, Verkehre sicher zu gestalten, verantwortungsvoll an die Geschwindigkeit der langsameren Verkehrsteilnehmer angepasst.“

[…]

„Wir brauchen eine Umkehrung der Beweislast. Eine verantwortungsbewusste Stadt muss erst belegen, dass eine Straße sicher genug ist für mehr als Tempo 30.“

[…]

„Autofahrer müssen lernen, dass sie Gast sind in den Städten. Und dass das nicht das eigene Biotop ist.“

Bernhard Schlag in »Rad ab« von Bernd Müllender in taz, Dienstag 19.03.2019

Der gesamte Artikel »Rad ab« von Bernd Müllender in der taz von Dienstag (19.03.2019), der die Verkehrspolitik am Beispiel von Aachen thematisiert, ist meiner Ansicht nach lesens- und bedenkenswert.

Auf die Straße

Anlässlich des Schreibens der Schulleiterin einer Schule meiner Kinder, überlegte ich, was mich an dem Versuch stört, die Auseinandersetzung der Schüler*innen von der Straße in die Schule zurück zu holen. Und es scheinen mir zumindest zwei Aspekte zu sein, die ich hieran falsch finde:

1. Der Protest wird unsichtbar

Wenn Schüler*innen nicht mehr auf die Straße gehen um sich für eine bessere Klimapolitik einzusetzen, sondern sich ausschließlich, wie von manchen Lehrer*innen gewünscht, innerhalb der Schule damit beschäftigen, wird ihr Protest unsichtbar. Diejenigen, die sich auf Grund des zivilen Ungehorsams der Schüler*innen momentan überlegen müssen, wie sie sich dazu verhalten, können sich beruhigt zurücklehnen. Ist kein Protest sichtbar, scheint unser Einsatz für Klimaschutz ja auszureichen. Wir sind nicht mehr mit unseren Kompromissen und Ausflüchten konfrontiert, sondern können weiter die kleinsten Schritte feiern und uns auf der richtigen Seite sehen. Die Proteste der Schüler*innen fordern uns heraus, stellen uns in Frage, und geben uns die Wahl, uns mit den Streikenden zu solidarisieren oder eben nicht. Der Klimaprotest der Schüler*innen gehört also auf die Straße, er muss sichtbar und laut sein.

Fridays For Future: Demonstrationszug in Karlsruhe am 15.03.2019 (Foto: Tanvas) von Schüler*innenFridays For Future, Karlsruhe 15.03.2019, Foto: Tanvas

2. Der Protest verliert seine Dynamik

Wird der Protest der Schüler*innen in den Unterricht integriert verliert er seine Dynamik. Die Beschäftigung mit Klimaschutz verliert seinen existenziellen Charakter. Die Schüler*innen hören auf über ihr Engagement zu sprechen, suchen nicht nach Wegen ihr eigenes Leben zu verändern und hören auf nach Aspekten inkonsequenten Verhaltens gegenüber der Umwelt ausschau zu halten um diese anzuprangern. Die Dynamik des selbstverantworteten Protests endet mit dem Moment, in dem wir Erwachsenen versuchen ihn in unsere, vermeintlich vernünftigeren, Bahnen zu lenken. Der Klimaprotest muss weiterhin ein Feld des experimentierens von Schüler*innen sein, er braucht diese Dynamik um tatsächlich Veränderung hervorzubringen.

Die Klimaproteste der Schüler*innen gehören auf die Straße, sie sollen sichtbar bleiben und ihre Dynamik darf von Erwachsenen nicht gebremst werden. Gleichzeitig hilft der Aspekt des zivilen Ungehorsams, der sich im Schulstreik äußert, dabei den Anliegen der Schüler*innen öffentliches Interesse zu verschaffen, und fordert Schulleiter*innen, Lehrer*innen und Eltern heraus Stellung zu beziehen.

Welche Aspekte würdet ihr ergänzen?

Pausieren oder ganz auswerfen?

Um in dieser lauten Welt Gehör zu finden, sollte die eigene Aussage laut und eindeutig sein. Am Besten so zugespitzt, dass kein Zweifel bleibt. Dieser Maxime folgen scheinbar auch Homeboy Sandman und Edan, die mit Never Use The Internet Again den Begleiterscheinungen von Facebook, der Abhängigkeit von Kartendiensten, Pornos im Internet, Onlinebestellungen, Musikvideos auf YouTube und Datingplattformen eine Absage erteilen.

Homeboy Sandman & Edan <a href='https://danielehniss.de/tag/neverusetheinternetagain/' rel='tag'>#NeverUseTheInternetAgain</a>Video zu Homeboy Sandman & Edan (YouTube)

Die unendlichen Möglichkeiten das Internet zu nutzen, werden mit einer Droge verglichen, die völlige Abstinenz notwendig macht. Und so erschleichen sich Homeboy Sandman und Edan im Video die Kontrolle über einen Laden, in den Menschen ihre Geräte zur Reparatur bringen, welche von den Beiden genüßlich zerstört werden.

Das zu viel an Informationen, Haschen nach Likes und die verbreitete Nutzung von Emoticons sprechen die Beginner in ihrem Track Spam auf Advanced Chemistry an. Eizi Eiz und Denyo haben ein Problem mit dem digitalen Leben und wollen nur noch wegrennen.

Retrogott greift das Thema in Offline mit etwas mehr Humor und zugleich realistischer auf. »We reserve the right to reject – We don’t waste time with toys« aus Ak-Shun von Special Ed wird von Hulk Hodn prominent platziert, und gibt dadurch die Richtung des Tracks vor. Die Richtung deute ich als bewusste Abstinenz, es wird keine komplette Abkehr propagiert oder völlige Überforderung eingestanden, sondern vielmehr die Bedeutung einer Begegnung bei einer Flasche Wein zelebriert. Das augenzwinkernde ›Keep it Steinzeit‹ am Ende unterstreicht diese Richtung noch.

Dadurch, dass im Internet so viele Aspekte des Lebens zusammenkommen, und die sozialen Medien das menschliche Bedürfnis wahrgenommen zu werden unterstützen, kann die Nutzung desselben eine Sogwirkung entwickeln. Meiner Ansicht nach begegnen wir dieser Sogwirkung jedoch nicht indem wir uns komplett abwenden, oder – wie ich gestern hörte – unseren Kindern den Zugang zu intelligenten Telefonen verweigern, sondern vielmehr indem wir wahrnehmen welche Dynamiken wirken, uns diesen stellen, und Strategien entwickeln gut damit zu leben. Zum Wahrnehmen der Dynamiken finde ich das Bildschirmzeit-Feature von iOS hilfreich, die Empfehlung von Johannes es auch zur Entwickeln von Strategien einzusetzen und beispielsweise manche Dienste zeitlich zu beschränken, will ich mir noch genauer ansehen. Um im Bild der Musik zu bleiben – besser öfters eine Pause einlegen, als das Medium auswerfen und davonrennen.