Zahlen, bitte!

Die Frauentaz liegt auf einem Tisch, daneben steht ein Glas Bier.

»Natürlich ist Feminismus viel mehr als nur die Forderung nach mehr Geld. Doch der Kampf für gleiche und faire Bezahlung ist letztlich ein Kampf um Unabhängigkeit: dafür, selbstbestimmt im Job und in Beziehung leben zu können. Geld ist ein Machtfaktor.«

Aus dem Editorial der frauentaz, taz am frauentag von Patricia Hecht, Antje Lang-Lendorff, Carolina Schwarz.

Ist Wohlstand ohne wirtschaftliches Wachstum möglich?

John Cassidy schreibt für das Magazin The New Yorker (Feb. 10, 2020) einen Artikel über Degrowth: Steady State – Can we have prosperity without economic growth?. Diesen beginnt er mit einer Vision für die Wirtschaft der Enkelkinder von John Maynard Keynes aus dem Jahr 1930, in der er einen Blick auf die Wirtschaft im Jahr 2030 warf und davon ausging, dass die Arbeitszeit auf 15 Wochenstunden reduziert sein würde. Die Gesellschaft sei in diesem Zeitraum so reich geworden, dass mehr Arbeit nicht mehr notwendig sei, und sich die Meinung durchgesetzt habe dass es sich bei der Liebe zum Besitz von Geld um eine widerliche Morbidität handle.

Der Artikel lohnt sich sehr zu lesen, nicht zuletzt weil er die Degrowth Bewegung kritisch würdigt und ihr eine verändernde Wirkung auf gesellschaftliche Werte und Produktionsmuster bescheinigt. Vier Aspekte dieser verändernden Wirkung zeigt er im letzten Teil auf:

  • Grünes Wachstum ist angesichts der Umweltbedrohung und der Notwendigkeit ärmere Länder zu unterstützen notwendig. Vor allem dann, wenn grün stärker betont wird als Wachstum. Hierzu zählt er die Anstrengungen die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen indem kräftig in erneuerbare Energien investiert wird, Kohlekraftwerke abgeschaltet werden und eine CO2-Steuer eingeführt wird. Auf diese Weise wird das Verbrennen fossiler Energien teurer und es fließt Geld in die Kassen, das wiederum für grüne Investitionen und die Entlastung der Bevölkerung eingesetzt werden kann.
  • Energieeffizienz ernst zu nehmen betrachtet er als sehr wichtig. Darunter versteht er energetische Sanierung von Gebäuden, Autos die weniger Energie verbrauchen, den Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel und die Senkung des Energiebedarfs der Industrie.
  • Eine Arbeitsmarktreform ist seiner Ansicht nach notwendig, um die Auswirkungen des langsamer wachsenden Bruttoinlandsprodukt abzufedern. Dafür sind Arbeitsteilung und das Bedingungslose Grundeinkommen zentral. Diese Reform wird mit höheren Steuern für Wohlhabende einhergehen, einer Umverteilung also, die er für geboten hält.
  • Abschließend ist seiner Ansicht nach ein umdenken bezüglich Wirtschaftswachstum unerlässlich. Dieses Umdenken wird dabei helfen den wettbewerbsartigen Konsum zu überwinden, und damit auch die Notwendigkeit der Expansion schwächen.

In Anlehnung an Keynes spricht er meiner Ansicht nach etwas zu stark von der Hinwendung zu den Künsten, wenn die sozialen Werte und Produktionsmuster verändert werden, und etwas zu wenig von Care-Arbeit, die nicht minder wichtig ist, und der in diesem Zusammenhang ebenfalls mehr Aufmerksamkeit zukommen muss.

The Aphrodite Tour

The Aphrodite Tour – A Skateboarding Trip to GreeceThe Aphrodite Tour (on YouTube)

Rianne Evans, Sarah Meurle, Cata Diaz und Agata Halikoswka reisten als Teil des European Women’s Team von Nike Skateboarding mit SKATEISM durch Griechenland. Sie hinterließen ihre Spuren in der Skate Geschichte von Athen, Larissa, Thessaloniki und dem Olymp. Mir gefällt der Vibe des Videos.

Rechtsradikalismus: Das Hufeisen schlägt zurück

»Rechtsradikalismus: Das Hufeisen schlägt zurück« ist ein sehr guter Artikel von Christian Bangel, in dem er die Gleichsetzung von AfD und Linkspartei kritisiert.

Im konservativen Spektrum ist diese Gleichsetzung, ausgehend von der Extremismustheorie, weit verbreitet und wird gelegentlich wiederholt. Bangel kritisiert diese Gleichsetzung mit dem Hinweis auf einen entscheidenden Aspekt: das Verhältnis zur pluralen Demokratie. Auch wenn sich die Politik von CDU und Linkspartei deutlich unterscheiden, verbindet die beiden das Verhältnis zur Demokratie. Eine Zusammenarbeit mit der AfD schließt sich jedoch hinsichtlich dessen aus, hier wird keine plurale Gesellschaft angestrebt:

»Die AfD fügt sich nicht ins demokratische Spektrum ein, sondern sie radikalisiert sich immer weiter. Wer glaubt, eine Regierungsbeteiligung könne sie zähmen, der hat nicht verstanden, dass die Partei Bestandteil eines internationalen rechten Netzwerkes ist, dass dabei ist, die Demokratien des Westens von innen auszuhöhlen und zu minderheitenfeindlichen Mehrheitsdiktaturen umzubauen.«

Das Verhältnis der AfD zur pluralen Demokratie und ihr Bestreben rechstradikale Strömungen intern nicht anzugehen, wird auch daran deutlich dass sie gegen die Prüfung durch den Verfassungsschutz klagt. Die Erinnerung an die Werte der CDU finde ich bei Bangel sehr gelungen, da die postulierten Werte jede Zusammenarbeit mit der AfD verbieten:

»Diese Gegenüberstellung müsste für eine CDU, die sich und ihre Werte ernst nimmt, zu einer klaren Schlussfolgerung führen: Wenn es nicht anders geht, ist eine Regierung mit der Linken möglich. Mit der AfD hingegen verbietet sich jede Zusammenarbeit. Eine solche Festlegung hätte auch den Vorteil, dass der AfD auf die Dauer die Machtperspektive genommen wäre, was für ihr inneres Gefüge gravierende Folgen hätte. Und wahrscheinlich auch für ihre Wahlergebnisse.«

Für den politischen Betrieb wünsche ich mir diesen Unterschied zu bedenken, und auf Grund dessen jede Zusammenarbeit zu unterlassen. Darüber hinaus wäre es in der Kommunikation über die Partei hilfreich eine solch deutliche Einordnung vorzunehmen, und sie als das wahrzunehmen was sie ist.

Pro Jahr ein Smartphone ist eine Katastrophe

Warum sind aufbereitete Elektroartikel nachhaltiger als der Kauf eines neuen Elektrogerätes?

Weil beim Aufbereiten kein neues Produkt gebaut werden muss. Damit setzt man weniger CO2 frei und spart Rohstoffe ein, die für die Produktion benötigt werden. Für ein durchschnittliches Smartphone ergibt sich für den gesamten Lebenszyklus etwa eine CO2-Emission von circa 47 Kilogramm. Bei einem modernen Handy kommen Seltene Erden, Gold, Kupfer und weitere Metalle hinzu. Jedes Jahr ein neues Smartphone zu kaufen ist eine Katastrophe für das Klima.

Pro Jahr ein Smartphone ist eine Katastrophe – Denis Gießler interviewt Kilian Kaminski von refurbed in der taz

Nur 30 Minuten

Nur30Min ist ein Podcast über Medienerziehung von Patricia Cammarata und Marcus Richter. Patricia und Marcus sprechen darin auf sehr sympathische und unterhaltsame Weise wichtige Fragen an, die sich im Alltag mit Kindern regelmäßig stellen. Sie verbinden persönliche Einschätzungen und Anekdoten mit Hintergrundinformationen und wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Da ich heute ein paar Dinge in der Wohnung zu erledigen hatte, bot sich Zeit die ersten vier Folgen, genau genommen Folge 0 bis 3, anzuhören.

Die Nullfolge führt wie ein Pilotfilm in den Podcast ein, Patricia und Marcus stellen sich vor und machen deutlich um was es ihnen in der ersten Staffel des Podcast geht. In der offiziell ersten Folge sprechen sie Eltern Mut zu ihre Kinder im Umgang mit Medien zu begleiten, dabei den Perfektionismus abzulegen und gemeinsam mit den Kindern Neues zu lernen. Die zweite Folge ist YouTube gewidmet und bietet eine gute Einführung in unterschiedliche Formate und Nutzungsgewohnheiten, genauso wie praktische Tipps wie das Ausschalten der Autoplay-Funktion. Messenger sind Gegenstand der dritten Folge. Während sie in Folge 2 nur YouTube als Stellvertreter aller Videoplattformen besprechen, weisen sie in der dritten Folge neben WhatsApp vor allem auf alternative Messenger hin und bieten eine persönliche Einschätzung zur Wahl des geeigneten Messenger an.

Wie bereits Eingangs erwähnt, schätze ich die sympathische Art von Patricia und Marcus sehr. Auf diese Weise gelingt es ihnen die jeweiligen Themen ernsthaft darzustellen, dabei jedoch nicht in langweilige Monologe zu verfallen, sondern auf lockere Art ihre optimistische Haltung zu transportieren ohne dabei die Herausforderungen im Umgang mit Medien zu verschweigen.

Ich freue mich auf die nächsten Folgen. Und kann mir gut vorstellen, dass einige von Euch, die in ihrem Alltag mit Kindern und Medien zu tun haben, in dem Podcast einige Anregungen finden werden. Falls ihr ihn also nicht sowieso schon hört, empfehle ich Euch damit anzufangen.

Rassistisch korrupt

Heute auf den Tag genau vor 15 Jahren verbrannte Oury Jalloh in einer Zelle der Polizei in Dessau. Sein Tod und die als Aufklärung getarnte Vertuschung eines wahrscheinlichen Mordes an einem Schwarzen Mann durch Polizisten sollte uns erschüttern. Aus Mitgefühl. Und weil sein Fall wie der Fall NSU für die rassistische Korruption in diesem Land steht. Für das bis ins Tödliche reichende Nichtfunktionieren staatlicher Institutionen für Schwarze Menschen, Geflüchtete, Menschen, deren Eltern und Großeltern nicht in Deutschland geboren wurden. Für eine zivilisatorische Lücke, für die weiße Deutsche verantwortlich sind und die wir schließen müssen.

Daniel Schulz, Rassistisch korrupt (taz vom Dienstag, 7.1.)

Mein Jahr der Musik 2019

Seit 2008 tracke ich meine Hörgewohnheiten über last.fm, und veröffentliche seit 2012 die Statistiken der gehörten Musik hier im Blog. Zwischenzeitlich als monatliche Charts, recht schnell dann allerdings als jährliche Rückblicke.

Anfang Dezember wurden schon viele Spotify-Charts veröffentlicht, da Spotify aber nur einen Teil meiner gehörten Musik abbildet, und ich gerne das gesamte Jahr betrachten will, folgt mein Rückblick hier:

Künstler*innen

  1. Dendemann (750)
  2. Fatoni (586)
  3. juse ju (440)
  4. MÄDNESS (267)
  5. La Dispute (229)
  6. Ecke Prenz (216)
  7. Yassin (214)
  8. Suff Daddy (213)
  9. Alfa Mist (209)
  10. Aesop Rock (206)
  11. Dexter (195)
  12. Petrol Girls (186)

Fatoni auf dem HipHop am Viadukt 2019Fatoni auf dem HipHop am Viadukt 2019

Da ich meistens komplette Alben höre, lasse ich dieses Jahr den Blick auf die einzelnen Stücke weg, und liste hier lediglich die Alben, die bei den gehörten Künstler*innen wenig überraschen.

Alben

  1. Dendemann – da nich für! (748)
  2. Fatoni – Andorra (456)
  3. juse ju – Untertreib nicht deine Rolle (431)
  4. MÄDNESS – OG (242)
  5. La Dispute – Panorama (228)
  6. Loyle Carner – Not Waving, But Drowning (213)
  7. Suff Daddy – Baker’s Dozen: Suff Daddy (213)
  8. Ecke Prenz – Nachts im Thälmann Park (211)
  9. Yassin – YPSILON (207)
  10. Alfa Mist – Structuralism (179)
  11. Petrol Girls – Cut & Stitch (158)
  12. Aesop Rock – The Impossible Kid (Instrumental Version) (149)

Wer immer wieder hier oder auf Twitter mitbekam über welches Album, Video oder Konzert ich mich freute, wird von diesen beiden Listen wenig überrascht sein. Ein Rückblick in dieser Form sehe ich als willkommener Anlass zu sehen ob die gefühlte Präsenz mancher Künstler*innen mit den Zahlen von last.fm übereinstimmen.

Was habt ihr 2019 so gehört?

Handlungsmöglichkeiten

»Wenn es um den Nährboden des Hasses (und nicht nur um Terrorismus und die organisierte Gewalt) geht, wenn es um die Mechaniken der Exklusion geht, die Prozesse eines zunehmend radikalen Denkens, die frühzeitig erkannt werden sollten – dann sind auch überall das soziale Umfeld, die Nachbarschaft, der Freundeskreis, die Familie, die Netz-Community mit gefordert in dem Bemühen um Prävention von Fanatismus. Eine solche Perspektive auf die Strukturen, die den Hass bedingen und kanalisieren, auf die Diskurse, die die Gewalt vorab legitimieren und nachträglich honorieren, verbreitert die zivilgesellschaftlichen Aufgaben und Handlungsmöglichkeiten. Sie delegiert den Widerstand gegen Fanatismus nicht allein an die Sicherheitsdienste, die einschreiten müssen, wenn sich Hinweise auf mögliche Straftaten verdichten. Sondern die Aufgabe, eine offene, plurale Gesellschaft zu verteidigen, in der religiöse und politische und sexuelle Vielfalt gedeihen kann, kommt allen zu.«

Carolin Emcke, Gegen den Hass, Seite 171.