Petrol Girls – Weather Warning

Die Petrol Girls bezeichnen sich selbst als Raging Feminist Post Hardcore. Mit dieser Bezeichnung konnte ich mich direkt identifizieren, und so stöberte ich Ende Februar durch ihre Musik auf Spotify. Und was ich dort fand begeisterte mich auf ganzer Linie, sowohl musikalisch als auch thematisch überzeugten mich die Petrol Girls.

Petrol Girls – Weather WarningPetrol Girls – Weather Warning (auf YouTube)

Am 24. Mai erschien ihr aktuelles Album Cut & Stitch, auf dem sich auch Weather Warning, das oben verlinkte Video befindet.

Petrol Girls erinnern mich an Refused, und das meine ich durchweg positiv. The Shape of Punk To Come war für mich ein richtungsweisendes Album, und mir scheint als knüpften die Petrol Girls dort an und tragen ihren Teil zur Weiterentwicklung von Post Hardcore mutig bei. Dazu gehört für mich auch die Thematisierung von toxischer Maskulinität und viel allgemeiner noch das Empowerment von Frauen und anderen kulturell an den Rand gedrängter Personen.

Auf ihrer aktuellen Tour spielen sie in vielen europäischen Städten, und kommen vielleicht auch in Deine Nähe.

Fatoni – Clint Eastwood

Heute erscheint Clint Eastwood, die zweite Single des kommenden Albums von Fatoni. Der Track und das dazugehörige Video sind beste Unterhaltung.

Mit den ersten beiden Singles von Andorra, wie das Album heißen wird, beweist Fatoni erneut wie gekonnt er augenzwinkernd wichtige Fragen stellt.

»Wie oft hab’ ich gedacht, es wird alles immer dümmer. Doch dann sah ich ihn wieder, diesen Mann im Spiegel, und mir fiel auf, ich werde auch nicht jünger, könnte ja vielleicht auch daran liegen.«

Also im Ernst, nehmt Euch die 3 Minuten und schaut auch das Video an, ihr werdet es nicht bereuen:

Fatoni – Clint EastwoodVideo zu Clint Eastwood von Fatoni (YouTube)

Und wer noch einen Moment mehr Zeit hat, dem empfehle ich selbstverständlich das Video zu ›Die Anderen‹, der erste Single. Ich freue mich auf das Album, und darauf Fatoni im Juni endlich live zu sehen.

Loyle Carner – You Don’t know

Kommenden Freitag erscheint ›Not Waving, But Drowning‹, das neue Album von Loyle Carner. Mich begeistert die sympathische Unaufgeregtheit der Musik von Loyle Carner, und so vertreibe ich mir mit den bisherigen Single-Auskopplungen die Wartezeit. Mit dem Video zu »You Don’t Know« lade ich Euch ein dasselbe zu tun:

Loyle Carner – You Don’t KnowVideo zu You Don’t Know von Loyle Carner (YouTube)

Verkehrte Welt

Wer täglich in einer Stadt unterwegs ist, kennt ihn, den Konflikt zwischen Personen auf Fahrrädern und solchen in Autos. Da wird schon mal eng aufgefahren, gefährlich überholt oder bewusst kein Platz gemacht. Dieser Dauerkonflikt wird nach Ansicht des Verkehrspsychologen Bernhard Schlag durch „gegenseitige falsche Wahrnehmungen“ befeuert, „weil jeder den anderen verdächtigt, ihm Räume wegzunehmen“. Die Folgen sind bekannt. Das Verhalten der Verkehrsteilnehmer*innen ist nicht selten geprägt von Neid, Stress und Aggression. Diese Zutaten führen zu einem gefährlichen Cocktail, der viel zu oft schlecht ausgeht.

Appelle an das Verhalten der Verkehrsteilnehmer*innen alleine genügen nicht. Nach Schlag ist eine andere Verkehrspolitik notwendig, und damit einhergehend grundsätzliche Reformen der Städteplanung.

„Der Staat hat die Pflicht, Verkehre sicher zu gestalten, verantwortungsvoll an die Geschwindigkeit der langsameren Verkehrsteilnehmer angepasst.“

[…]

„Wir brauchen eine Umkehrung der Beweislast. Eine verantwortungsbewusste Stadt muss erst belegen, dass eine Straße sicher genug ist für mehr als Tempo 30.“

[…]

„Autofahrer müssen lernen, dass sie Gast sind in den Städten. Und dass das nicht das eigene Biotop ist.“

Bernhard Schlag in »Rad ab« von Bernd Müllender in taz, Dienstag 19.03.2019

Der gesamte Artikel »Rad ab« von Bernd Müllender in der taz von Dienstag (19.03.2019), der die Verkehrspolitik am Beispiel von Aachen thematisiert, ist meiner Ansicht nach lesens- und bedenkenswert.

Auf die Straße

Anlässlich des Schreibens der Schulleiterin einer Schule meiner Kinder, überlegte ich, was mich an dem Versuch stört, die Auseinandersetzung der Schüler*innen von der Straße in die Schule zurück zu holen. Und es scheinen mir zumindest zwei Aspekte zu sein, die ich hieran falsch finde:

1. Der Protest wird unsichtbar

Wenn Schüler*innen nicht mehr auf die Straße gehen um sich für eine bessere Klimapolitik einzusetzen, sondern sich ausschließlich, wie von manchen Lehrer*innen gewünscht, innerhalb der Schule damit beschäftigen, wird ihr Protest unsichtbar. Diejenigen, die sich auf Grund des zivilen Ungehorsams der Schüler*innen momentan überlegen müssen, wie sie sich dazu verhalten, können sich beruhigt zurücklehnen. Ist kein Protest sichtbar, scheint unser Einsatz für Klimaschutz ja auszureichen. Wir sind nicht mehr mit unseren Kompromissen und Ausflüchten konfrontiert, sondern können weiter die kleinsten Schritte feiern und uns auf der richtigen Seite sehen. Die Proteste der Schüler*innen fordern uns heraus, stellen uns in Frage, und geben uns die Wahl, uns mit den Streikenden zu solidarisieren oder eben nicht. Der Klimaprotest der Schüler*innen gehört also auf die Straße, er muss sichtbar und laut sein.

Fridays For Future: Demonstrationszug in Karlsruhe am 15.03.2019 (Foto: Tanvas) von Schüler*innenFridays For Future, Karlsruhe 15.03.2019, Foto: Tanvas

2. Der Protest verliert seine Dynamik

Wird der Protest der Schüler*innen in den Unterricht integriert verliert er seine Dynamik. Die Beschäftigung mit Klimaschutz verliert seinen existenziellen Charakter. Die Schüler*innen hören auf über ihr Engagement zu sprechen, suchen nicht nach Wegen ihr eigenes Leben zu verändern und hören auf nach Aspekten inkonsequenten Verhaltens gegenüber der Umwelt ausschau zu halten um diese anzuprangern. Die Dynamik des selbstverantworteten Protests endet mit dem Moment, in dem wir Erwachsenen versuchen ihn in unsere, vermeintlich vernünftigeren, Bahnen zu lenken. Der Klimaprotest muss weiterhin ein Feld des experimentierens von Schüler*innen sein, er braucht diese Dynamik um tatsächlich Veränderung hervorzubringen.

Die Klimaproteste der Schüler*innen gehören auf die Straße, sie sollen sichtbar bleiben und ihre Dynamik darf von Erwachsenen nicht gebremst werden. Gleichzeitig hilft der Aspekt des zivilen Ungehorsams, der sich im Schulstreik äußert, dabei den Anliegen der Schüler*innen öffentliches Interesse zu verschaffen, und fordert Schulleiter*innen, Lehrer*innen und Eltern heraus Stellung zu beziehen.

Welche Aspekte würdet ihr ergänzen?

Pausieren oder ganz auswerfen?

Um in dieser lauten Welt Gehör zu finden, sollte die eigene Aussage laut und eindeutig sein. Am Besten so zugespitzt, dass kein Zweifel bleibt. Dieser Maxime folgen scheinbar auch Homeboy Sandman und Edan, die mit Never Use The Internet Again den Begleiterscheinungen von Facebook, der Abhängigkeit von Kartendiensten, Pornos im Internet, Onlinebestellungen, Musikvideos auf YouTube und Datingplattformen eine Absage erteilen.

Homeboy Sandman & Edan <a href='https://danielehniss.de/tag/neverusetheinternetagain/' rel='tag'>#NeverUseTheInternetAgain</a>Video zu Homeboy Sandman & Edan (YouTube)

Die unendlichen Möglichkeiten das Internet zu nutzen, werden mit einer Droge verglichen, die völlige Abstinenz notwendig macht. Und so erschleichen sich Homeboy Sandman und Edan im Video die Kontrolle über einen Laden, in den Menschen ihre Geräte zur Reparatur bringen, welche von den Beiden genüßlich zerstört werden.

Das zu viel an Informationen, Haschen nach Likes und die verbreitete Nutzung von Emoticons sprechen die Beginner in ihrem Track Spam auf Advanced Chemistry an. Eizi Eiz und Denyo haben ein Problem mit dem digitalen Leben und wollen nur noch wegrennen.

Retrogott greift das Thema in Offline mit etwas mehr Humor und zugleich realistischer auf. »We reserve the right to reject – We don’t waste time with toys« aus Ak-Shun von Special Ed wird von Hulk Hodn prominent platziert, und gibt dadurch die Richtung des Tracks vor. Die Richtung deute ich als bewusste Abstinenz, es wird keine komplette Abkehr propagiert oder völlige Überforderung eingestanden, sondern vielmehr die Bedeutung einer Begegnung bei einer Flasche Wein zelebriert. Das augenzwinkernde ›Keep it Steinzeit‹ am Ende unterstreicht diese Richtung noch.

Dadurch, dass im Internet so viele Aspekte des Lebens zusammenkommen, und die sozialen Medien das menschliche Bedürfnis wahrgenommen zu werden unterstützen, kann die Nutzung desselben eine Sogwirkung entwickeln. Meiner Ansicht nach begegnen wir dieser Sogwirkung jedoch nicht indem wir uns komplett abwenden, oder – wie ich gestern hörte – unseren Kindern den Zugang zu intelligenten Telefonen verweigern, sondern vielmehr indem wir wahrnehmen welche Dynamiken wirken, uns diesen stellen, und Strategien entwickeln gut damit zu leben. Zum Wahrnehmen der Dynamiken finde ich das Bildschirmzeit-Feature von iOS hilfreich, die Empfehlung von Johannes es auch zur Entwickeln von Strategien einzusetzen und beispielsweise manche Dienste zeitlich zu beschränken, will ich mir noch genauer ansehen. Um im Bild der Musik zu bleiben – besser öfters eine Pause einlegen, als das Medium auswerfen und davonrennen.

Snowboarding

Depone Snowboarding

Heute berührten unsere angestaubten Snowboards endlich mal wieder Schnee. Während die Kinder in der Schule lernten oder im Kindergarten spielten, machten wir einen kurzen Ausflug zum Mehliskopf, der mit etwas weniger als einer Stunde Entfernung als Hausberg von Karlsruhe angesehen werden kann. Bei den ersten Schwüngen spürten wir die jahrelange Pause deutlich, ein paar Abfahrten später, genossen wir die Pisten bei Sonnenschein und blauem Himmel. Auf der Liftkarte befinden sich noch ein paar ungenutzte Punkte und erinnern uns daran, bis zum nächsten Ausflug nicht zu lange zu warten.

Julia Snowboarding

Gendersternchen

Sprache schafft Wirklichkeit, heißt es. Da ich vom generischen Maskulinum wegkommen möchte, also nicht mit der männlichen Form eines Wortes alle „mitzumeinen“, verwendete ich in letzer Zeit das Gendergap. Immer wieder dachte ich darüber nach ob der Unterstrich eine gute Option ist. Im Missy Magazin las ich gestern von zwei kritischen Anmerkungen zum Gendergap, die Unsichtbarmachung des Gemeinten und die Rahmung mit der weiblichen und männlichen Wort­endung.

Genau hier hat das Gendersternchen also seinen Glanzmoment: Es füllt den Raum aus – und zwar mit unendlichen Möglichkeiten, etwa für uns Journalist*innen. Das ergibt sich aus dessen Bezug zur Informatik, wo das Sternchen als Platzhalter für jedes und beliebig viele Zeichen benutzt wird. So schafft das Gendersternchen eine Ansprache, in der cis und trans Männer und Frauen gleichermaßen gemeint sein können wie Personen, die sich jenseits der Geschlechterbinarität identifizieren.

Naira Estevez: Hä, was heißt denn Gendersternchen?

Die eben zitierte Ausführung von Naira Estevez leuchtet mir ein. Gerade der Bezug zum Sternchen als Platzhalter in der Informatik erscheint mir als wichtige Referenz. Mal sehen wie sich meine Texte lesen, wenn ich ab jetzt Gendersternchen statt Gendergap verwende.

Apropos Sprache und Gendersternchen: Der Anglizismus des Jahres 2018 ist das Wort Gendersternchen.

Während es in der geschrieben Sprache leichter ist explizit gendergerecht zu formulieren, spreche ich bisher noch meist im generischen Maskulinum. Hierzu wurde ich kürzlich auf den Artikel »Gendergap und Gendersternchen in der gesprochenen Sprache« von Anatol Stefanowitsch aufmerksam.

Das Sternchen und die Lücke wer­den in der Aussprache durch einen stimm­losen glot­tal­en Ver­schlus­slaut wiedergegeben – ein Laut, den wir pro­duzieren, indem wir die Stimm­lip­pen („Stimm­bän­der”) kurz voll­ständig schließen.

Anatol Stefanowitsch: Gendergap und Gendersternchen in der gesprochenen Sprache

Dieser Verschlusslaut steht im Deutschen am Anfang jedes Wortes, das scheinbar mit einem Vokal beginnt. Anatol Stefanowitsch führt als Beispiel »Eklat« an. Der Verschlusslaut wird dann hörbar, wenn ein unbestimmter Artikel vorausgeht. »Ein Eklat«, zwischen »ein« und »Eklat« entsteht eine kurze Pause. Dasselbe findet sich an der Silbengrenze innerhalb eines Wortes, beispielsweise im Wort »Verein«, bei dem eine kurze Pause zwischen »Ver« und »ein« hörbar ist. Bisher gab es im Zusammenhang mit Suffixen noch keine Absetzung durch den Verschlusslaut, was sich jedoch durch gendergerechte Sprache ändern könnte. Anatol Stefanowitsch betrachtet in eben zitiertem Artikel diese Thematik gründlich, falls Du mehr darüber erfahren möchtest, findest Du es bei ihm.

Untenrum und obenrum frei

Wir können nicht untenrum frei sein, wenn wir es obenrum nicht sind, und umgekehrt. Das «Untenrum» ist der Sex und das «Obenrum» unser Verständnis von uns selbst und den anderen – und beides gehört zusammen: Untenrum frei zu sein bedeutet Freiheit im sexuellen Sinne. Es bedeutet zu wissen, was uns gefällt und was wir uns wünschen, und es bedeutet, uns das Begehren zu erlauben, das in uns ist – immer so weit, dass die Freiheit der anderen respektiert bleibt. Obenrum frei zu sein bedeutet Freiheit im politischen Sinne: frei von einengenden Rollenbildern, Normen und Mythen.

Margarete Stokowski, Untenrum frei. Seite 143.

Es wird dunkel im Abendland

»Das dickste Fell schützt die dünne Haut nicht vor Kälte die im Innern haust. Missgunst reißt gierig die Pupillen auf, brüllt so laut, dass sie ihrer Beute alle Sinne raubt. Hass der keine Gründe braucht sucht sich den schwächsten Feind, bis selbst die dünnste Haut wie eine Rüstung scheint. Doch was nützen die schönsten Metaphern, wenn’s die Dümmsten nicht raffen – es wird dunkel im Abendland.«

Yassin, Abendland

Abendland ist der dritte Track des kürzlich erschienen Soloalbums von Yassin. Das Video zu Abendland kannst Du hier auf YouTube ansehen.

laut.de lobt die Popqualitäten von YPSILON, in dessen Tracks Yassin gewohnt kritisch denkt, dies jedoch wesentlich weniger zynisch, sarkastisch und derb rüberkommt als in den bekannten Audio88-Yassin-Kollabos.