Ekklesia

Gestern habe ich darüber geschrieben, dass mein Verständnis von „emerging church“ super anders ist, als das traditionelle Gemeindeverständnis. Josha und Mark sprachen dann davon den Begriff „Gemeinde” als solchen zu dekonstruieren, was sich zunächst erstmal gut anhört, dann jedoch die Frage aufwirft wie wir das Kind sonst nennen könnten [dazu kannst du gerne wild kommentieren].

Jetzt werfe ich mal einen Fetzen „Gemeindeverständnis“ in die Runde, der unseren Denkprozess am Start halten könnte. Vielleicht können wir manche Bedeutungen dekonstruieren, die sich mit Gemeinde verbunden haben…

Gemeinde verstehen wir ja vom griechischen Wort „ekklesia“ her. Dieser Begriff kommt aus dem politischen Sprachgebrauch und bezeichnet eine Versammlung stimmberechtigter Bürger, die durch einen Boten [oder was auch immer] zu der Versammlung gerufen wurden. Ich denke dort wurden dann wichtige Sachen im Bezug auf die Stadt und den Staat diskutiert und abgestimmt.

Das Bild als Ganzes [ausgenommen der Tatsache, dass damals nur Männer stimmberechtigt waren, was wir „Gott-sei-Dank“ überwunden haben!] gefällt mir sehr gut. Menschen, die in ihren Häusern leben, bei der Arbeit sind,… kommen zusammen um über wichtige Sachen zu reden, das ist doch cool, oder?

Was wir daraus gemacht haben, ist meiner Meinung nach weniger schön. Das zusammenrufen haben wir [abgeleitet von dem griechischen Wort ek-aus/heraus und kaleo-rufen] in einer Weise ins extrem getrieben und mit einem dualistischen Weltbild verknüpft, dass die Gemeinde der heilige Ort ist, an den die Heiligen gerufen werden – dort finden sie Schutz vor der bösen Welt,… Natürlich reden wir auch nicht wirklich über wichtige Dinge, das wirklich Wichtige kommt von dem Heiligen Mann am Rednerpult [je nach Denomination], die Lobpreiser führen uns in Gottes Gegenwart – eine Art Priestergilde, die das Opfer für uns darbringen…

Wie ich vor kurzem geschrieben habe, führte das auch dazu, dass wir Heiligkeit dadurch definierten auf was wir verzichten anstatt dadurch, was wir tun [etwas verkürzt…].

Leben wir in unserer Welt [also einfach da, wo wir sind], kommunizieren wir mit unserem Umfeld, nehmen Anteil daran „Gerechtigkeit auszubreiten“ und erkennen Gott in den alltäglichen Zusammenhängen, dann können wir uns getrost auch als Gemeinde treffen…

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Yesterday I posted about the difference of „emerging church“ and church understood in the traditional way. Josha and Mark suggested to deconstruct the whole term “church”. Thinking about that I wanted to throw in some thoughts about the term church – or better said ekklesia.

Ekklesia is a greek word which is used in political contexts. There it is used for a gathering of citizens for the sake of talking about important stuff and vote. The citizens have been gathered by a messenger who announced the meeting…

The picture in itself is a beautiful one – I think. People who live in the city are gathered to discuss important themes and make decisions [one problem we could see here is that only man were allowed to vote, what we have overcome!]

In the history we have pervaded this picture. By stressing the side of the calling to much [derived from ek-out of and kaleo-to call] we thought the church is some kind of shelter the holy people could gather to find refuge from “the evil world”. Combining this with some kind of dualism we invented a priestlike class, so that it’s not us who talk about important issues and make decisions but one holy man standing behind a pulpit tells us what to think – and the worship-priests lead is into the presence of god…

Maybe it’s not church itself which should be deconstructed but our understanding of it – the connotations we as humans added…

1 Reaktion

  1. Hey,

    hab gerade das Netz nach dem Begriff „ekklesia“ durchsucht. Und zwar genau aus dem Grund, dass ich mir über dasselbe Problem Gedanken gemacht habe, welches Du schilderst. Was aus ekklesia entstanden ist, hat nichts mehr mit dem ursprünglichen Gedanken zu tun. Die spontanen Versammlungen, die damals stattfanden, waren auf bis zu 40 Personen begrenzt, da man sich in Privathäusern traf. Alle hatten Gelegenheit, einander im Glauben zu erbauen. Hab daher geforscht, ob es nicht zufällig irgendwo eine Gruppe gibt, die so etwas noch heute macht, aber ich glaube, das gibt es nur noch in den Staaten. Würde mich über eine Antwort freuen.

    LG,

    Gina

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