Gedanken zu dem Begriff »Postmoderne«

Ähnlich wie der Begriff »flache Hierarchie«, über den ich kürzlich etwas geschrieben habe, wird auch der Begriff »Postmoderne« sehr gerne verwendet.

Zu diesem Begriff könnte man, dessen bin ich mir bewußt, mehr als nur einen kurzen Post schreiben – vielleicht ganze Bücher oder gar in der Auseinandersetzung einen Teil einer Bibliothek… in diesem Post möchte ich jedoch eine Beobachtung aufschreiben, die mir in der Reflektion dessen deutlich wurde, was ich im Kompendium Kulturgeschichte gelesen habe.

Ute Daniel schreibt auf Seite 150:
»Postmoderne« bezeichnet einen Streit, der anliegt, nicht aber etwas, das – als ästhetische oder wissenschaftliche Theorie oder als Philosophie – vorliegt. Die einzige Bestimmung, die ihr gegeben werden kann, ist m.E., daß sie sehr grundsätzlichen Debatten den Namen gibt, von denen in den letzten Jahrzehnten keine kulturwissenschaftliche Disziplin unberührt geblieben ist.

Mit dieser Aussage holt sie die Erwartungen einer ganz neuen, anderen Epoche herunter auf eine Ebene, die in Verbinung mit der Geschichte steht. Es scheint, als wollte sie darauf hinweisen, dass es sich bei Postmoderne nicht um das ganz andere, neue handelt, das ohne jede Beziehung zu davor dagewesen jetzt anbricht, sondern dass sie eher Prozesse der Auseinandersetzung mit den Grundsätzen verschiedener Bereiche der Gesellschaft und des Lebens bezeichnet.

In dieser Weise schreibt sie auch darüber, dass diese Auseinandersetzung mit den Grundsätzen oft auf ein polemisches Niveau gerät:
Gemeint ist die Befürwortern wie Gegnern der »Postmoderne« gemeinsame Tendenz, die größte Phantasie auf das Erfinden derjenigen gegnerischen Position zu verwenden, zu deren Bekämpfung aufgerufen wird. [Seite 156]

Die Aussagen von Daniel beziehen sich auf die Diskussion innerhalb der kulturwissenschaftlichen Disziplinen. In der Reflektion dessen fielen mir jedoch eine Menge Diskussionen ein, die ich hatte und in denen ähnliche Dinge passiert sind. Im Bereich von Gemeindebau und Theologie sind wir an einen Punkt gekommen, an dem ebenfalls solche Diskussionen ablaufen [und das ist natürlich nicht erst seit Kurzem so].

Trotz allem Verve [ein schönes Wort], sollten wir meiner Meinung nach darauf achten, dass wir nicht alle Phantasie darauf verwenden die jeweiligen Positionen und Grundsätze dermaßen zu verzerren, dass sie den Bezug zur Realität verlieren.
Das Schreckgespenst, in das die Diskutanten ihr jeweiliges Gegenüber verwandeln, ist ebenso verzerrt wie die jeweils eigene Position gewissermaßen entzerrt, d.h. mit einer außerhalb des Streitzusammenhang eher seltenen Aura von Selbstverständlichkeit und Unangreifbarkeit dargeboten wird. [Seite 157]

In dieser Weise ist dieser Post ein Plädoyer für einen realistischen Diskurs, der sich nicht in Grabenkämpfen verliert, sondern sowohl positive Errungenschaften der Generationen vor uns würdigt, als auch Veränderung fördert… vielleicht vor allem ein Plädoyer an mich selbst.

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