Moltmann über Gemeinde

„Erst in dieser theologischen Dimension der Passion Jesu wird vollends deutlich, warum die Gemeinde Christi aus der Kreuzeshingabe lebt, glaubt und hofft. Sie ist die Gemeinschaft jener Gottlosen, die durch Jesu Gottverlassenheit die Gottesgemeinschaft gefunden haben. Sie ist die Gemeinschaft jener Sünder, die durch den, der für sie zur Sünde gemacht wurde, zur Gerechtigkeit gekommen sind. Sie ist die Gemeinschaft der Verfluchten, die durch den stellvertretenden Fluchtod Jesu gesegnet wurden und zum Segen werden. Und weil der Vater durch den Tod des Sohnes »die Welt« mit sich versöhnte, gilt ihr neues Leben zugleich dem Dienst der Versöhnung an der Welt. Sofern mit dem Hebräebrief die Hingabe Christi am Kreuz als priesterlicher Dienst bezeichnet werden kann, folgt daraus das allgemeine Pristertum aller Gläubigen. Sie alle sind »Botschafter der Versöhnung« an Christi statt. Sie leben in der Gemeinschaft mit Gott kraft der Hingabe Christi für sie. Dadurch ist auch ihr Leben zur Hingabe bestimmt, d.h. zur Liebe, zur Stellvertretung und zur Fürbitte. Das trennt sie nicht von der Menschheit und erhebt sie auch nicht über andere.“

[Moltmann, Jürgen. Kirche in der Kraft des Geistes: Ein Beitrag zur messianischen Ekklesiologie. 2. Auflage. München: Kaiser, 1989.]

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