Eine Kirche

»Aber über diese Gründe hinaus ist letztlich ausschlaggebend: daß nach Gottes Auftrag und Willen, indem die Kirche ihren Existenzgrund hat, diese Kirche eine, undwidersprüchlich eine sein soll. Von einem Heilsereignis und einer Botschaft kommt sie her, eine Gemeinschaft der Jünger, Zeugen und Diener soll sie sein.

Christus hat nicht nur den Widerspruch zwischen den Menschen und Gott, sondern auch die Feindschaft unter den Menschen aufgehoben; er ist der Grund der Einheit seiner Kirche.

Oder dürfte etwa nach dem ursprünglichen biblischen Zeugnis die eine Ekklesia Gottes ein buntes nebeneinander und Gegeneinander von größeren und kleineren Ecclesiolae sein, die sich gegenseitig falschen Glauben, falschen Gottesdienst und falsche Ordnung vorhalten?

Könnte das eine große Volk Gottes je aufgespalten sein in häßlich viele größere und kleinere Völklein, die in früher heißem und jetzt kaltem Krieg, in früher offenem und jetzt verstecktem Konkurrenzkampf sich gegenseitig zum Schaden der Menschen unglaubwürdig machen?

Dürfte der kunstvoll eine Leib Christi je einmal auseinanderfallen in Glieder, die, obwohl sie nur im Ganzen schön und sinnvoll sind, nun ein möglich-unmögliches Leben in der Zerstreuung führen?

Könnte der eine wunderbar gefügte Tempel des Heiligen Geistes je einmal aufgelöst werden in eine Vielzahl von Tempelchen, Kapellchen und Heiligtümern aller Art, in denen man sich gegenseitig das Wasser abgräbt, die Gläubigen abwirbt und die Glaubwürdigkeit des einen und einzigen Gottes und Vaters elbst diskreditiert?«

[Hans Küng. Die Kirche (Freiburg: Herder, 1967), 322f. | Band 1 der Ekklesiologischen Abteilung der Ökumenischen Forschungen, die von Hans Küng und Joseph Ratzinger herausgegeben wurden]

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