Dekonstruktion mit Sinn und Ziel

Wir sprechen viel von Dekonstruktion und praktizieren sie in vielerlei Hinsicht. An einem Tag wie diesem mache ich mir wieder einmal meine eigenen Gedanken darüber.

Dekonstruktion wurde zuerst mit Jacques Derrida verbunden, der sie als Praxis verstand, die auf aktuelle Themen anzuwenden ist. Soweit ich das zur Zeit sehe, wandte er sie hauptsächlich auf Sprache an.

»Die Dekonstruktion ist stets die Befragung der Ursprünge, der Grundlagen und der Grenzen unseres begrifflichen, theoretischen und normativen Apparates.« [Zitat aus dem Dekonstruktion-Artikel der Wikipedia]

Sie ist keine Methode, sondern eher eine Praxis, die sich im Prozess ereignet. Dekonstruktion kann nicht abgeschlossen werden, sondern bleibt selbst immer ein Versuch.

Ich selbst verwende dieses Wort ab und an und sehe vieles von dem was ich den ganzen Tag tue in dieser Tradition. Dabei wurde mir heute wieder einmal deutlich wie wichtig es ist, dass ich mit Sinn und Ziel dekonstruiere. Nicht einfach nur der Dekonstruktion wegen. Mir geht es dabei um einen Prozess, einen Versuch mehr an das zu kommen, was Gott sich mit Sachen gedacht hat. Dabei bin ich mir im Klaren, dass meine Erkenntnis immer nur Stückwerk ist und so weiter auf Ergänzung und tiefere Erkenntnis angewiesen ist [deswegen im Wandel begriffen bleibt]. Und so möchte ich weiter über Dinge nachdenken, Glaubenspraxis hinterfragen und neue, alte und remixte Wege gehen – aber nicht aus irgendeinem anderen Grund, als dem, näher an Gott und seinen Willen zu kommen. Und aus diesem Grund verstehe ich auch zuerst die Bibel und dann Erkenntnisse aus der Geschichte als Korrektiv.

5 Reaktionen

  1. schöner beitrag! aber eigentlich verstehe ich dekonstruktion dennoch als methode. auch in deinem post klingt es wie eine methode.
    du hinterfragst dinge und kommst so zu mehr erkenntnis. damit ist das hinterfragen eine methode des erkenntnisgewinns.

    wieso siehst du das anders? und: hat schon mal jemand herrn derrida gelesen? ich spiele ja mit dem gedanken, habe aber keine zeit dafür. er wird dieser tage so häufig, und teilweise widersprüchlich zitiert, dass es interessant wäre mal im o-ton zu lesen, was dekon ist.

  2. danke für den kommentar, storch. derrida schreibt, dass dekonstruktion keine methode ist. soweit ich es verstehe, sagt er das, da sie nicht bestimmten schritten folgt, sondern je nach situation/thema anders ablaufen kann/muss. dies würde jedoch den gedanken einschließen, dass eine methode eine genaue abfolge von schritten beinhaltet… müsste man noch mal drüber nachdenken.

    habe ausschnitte aus derridas werk gelesen. im »kompendium kulturgeschichte« von ute daniel und in einzelnen artikeln [z.b. aus dem internet]. vor kurzem habe ich ein kleines reclam-buch gekauft, das ich mir in nächster zeit einmal gönnen möchte [postmoderne und dekonstruktion: texte französischer philosophen der gegenwart.].

    ich denke, und das verstehe ich aus deinem kommentar auch so, dass wir seine schriften aus erster hand kennen müssen, wenn wir ihn zitieren und dann denke ich auch, dass es wichtig ist sehr gut zu verstehen, was unter dekonstruktion verstanden wird, wenn wir sagen, dass es ein elementarer bestandteil dessen ist, was wir machen – – – auch wenn wir dekonstruktion, wie wir es betreiben evtl. etwas abweichend definieren müssen.

  3. interessant. man muss natürlich auch nicht alles gelesen haben. aber es gibt immer wieder autoren, die JEDER zitiert und KEINER liest. marx z.b. wer redet nicht alles von marxismus und linker politik und hat sogar das „kapital“ im schrank stehen? aber gelesen hat es doch eigentlich keiner. der typ könnte nazi gewesen sein, ohne dass es einer gemerkt hätte…

    genauso scheint es derrida zu ergehen. mittlerweile habe ich selbst über seinen beruf widersprüchliches gelesen und unter dekon versteht auch jeder was anderes – aber alle berufen sich auf derrida. ist einfach nur eine lustige beobachtung. ist ja immer so, ich meine: wieviele christen haben die bibel gelesen?

    irgendwann lese ich ihn mal – wahrscheinlich, wenn er keinen mehr interessiert!

  4. […] Am Wochenende ein gutes Referat zu Derrida gehört, in dem unter anderem auch darauf eingegangen wurde, weshalb Derrida die Dekonstruktion nicht als Methode versteht – worüber wir nach diesem Eintrag etwas geredet hatten: »Was ich Dekonstruktion nenne, kann natürlich Regeln, Verfahren oder Techniken eröffnen, aber im Grunde genommen ist sie keine Methode und auch keine wissenschaftliche Kritik, weil eine Methode eine Technik des Befragens oder der Lektüre ist, die ohne Rücksicht auf die idiomatischen Züge des Gegenstandes in anderen Zusammenhängen wiederholbar sein soll. […]

  5. […] – – – zum Thema Dekonstruktion könnten dich auch folgende Einträge interessieren: Dekonstruktion mit Sinn und Ziel Dekonstruktion vs. Methode […]

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