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Ich sitze hier in der Badischen Landesbibliothek und lese Kommentare zu Jeremia. Dieses Gefühl als Student in einer Bibliothek zu sitzen und in Mitten von Büchern und anderer lesender Zeitgenossen zu sitzen gefällt mir sehr gut.

Mein iBook, das dankbar die Notizen aufnimmt, die ich für meine Arbeit als wichtig erachte ist auch dabei und weist mich auf eine interessante Sache hin: hier begegnen sich Welten. Vor mir liegt ein Kommentar, der noch in alter deutscher Schrift gesetzt wurde – die Gedanken, die mir dabei wichig werden tippe ich in ein iBook ein und kann sie, wie in diesem Falle just von meinem Platz aus hier via Blog in der weiten Welt veröffentlichen…ich liebe das!

Und jetzt eine Aussage von Artur Weiser über Jeremia, die mich sehr fasziniert hat:

»Die in ihrer Offenheit erschütternden Selbstbekenntnisse seiner inneren Nöte (12,1ff.; 15,10ff.; 16,1ff.; 20,7ff.) und auch die Rachegebete (11,18f.; 17,12ff.; 18,18ff.), die vermutlich in dieser Zeit entstanden und von Jeremia aufgezeichnet wurden, zeigen den Menschen Jeremia in der ganzen Tragik seines Prophetenberufes (vgl. 9,1ff.; 18,1ff.), wie tief er stürzt in der Glut menschlicher Leidenschaft und trotzigem Aufbegehren gegen Gott und bei alledem mit Gott um Gott ringt, bis er wieder an ihm emporwächst und sich auf den Weg des Glaubensgehorsam zurückfindet, in dem sein Leben und sein Beruf allein Halt und Gehalt gewinnen.«

Artur Weiser schreibt das in: Das Alte Testament Deutsch, Teilband 20.

Stelle die menschliche Seite von Jeremia fest, während ich die verschiedenen Autoren über ihn schreiben lese und bin wieder fasziniert von dem, wie Gott sich die Bibel gedacht hat.

7 Reaktionen

  1. Das ist echt krass! Ich wusste das nicht. Dass er „so Mensch“ war!

    Wo viel Mensch ist, kann man viel Gott sehen.
    Zumindest, wenn der Mensch sich auf Gott verlaest.

    Danke. Ich mag, was du postest: Hirnfutter.

  2. Das ist einer dieser zutiefst menschlichen Blickwinkel auf einen Propheten, den man (ich) gerne als Übermenschen sieht und dabei ganz vergisst, dass er tatsächlich mit denselben Dingen zu tun und auch zu kämpfen hatte. Bin immer wieder dankbar für Theologen, die diesen Blickwinkel entwickeln, so für echte Klarheit sorgen und helfen ein bestimmtes Christenbild (i.S.v. so muss man sein, damit das mit dem Reich Gottes klappt) aus dem Weg zu räumen.

  3. Kleiner weiterer Buchtip, falls du`s noch nicht gelesen hast:
    „Mit den Pferden laufen“, Eugene H. Peterson. Beschreibt sehr geil und leidenschaftlich mitreißend das Leben und Leiden Jeremias.
    Grüße aus LB nach K.

  4. cool, mit kollege jeremia beschäftige ich mich auch grad…der mann schaut mit SEINER hilfe ganz genau hin, hat dadurch den durchblick und am ende auch die kraft und den mut, das volk auf das entdeckte hinzuweisen! faszieniert bin ich gleich vom ersten kapitel, wo er noch auf sein alter hinweist und sich deshalb nicht der aufgabe gewachsen fühlt…der mann ist definitiv vorbild!

  5. Mit Gott um Gott ringen, finde ich eine sehr krasse Aussage, doch kenn ich es nur zu gut, vielleicht sollte man in Zweiflerszeiten in denen man fast verrückt wird an Gott, sich nicht „Glaubenswahrheiten“ in den Kopf hauen, sondern sich genau solche Stellen vornehmen, um zu lernen um Gott und die eigene Berufung zu ringen. Und nicht vorschnell zu „christlicher“ Freude ansetzen, die dem Prozess den Gott in einem anstossen will die Tiefe zu nehmen.

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