Karikaturen und Haltungen

Nachdem ich gerade Kulturweltspiegel angeschaut habe schreibe ich doch noch etwas zu den Ereignissen rund um die Karikaturen.

Wie im weiteren Verlauf dieses Posts deutlich werden wird, ist es meiner Ansicht nach zu einfach, die Schuld der ganzen Ereignisse auf einer Seite zu suchen.

Bei manchen Äußerungen von namhaften Publizisten wie die folgende von Henryk M. Broder vom Spiegel empfand ich eine gewisse Arroganz, die ich für unangemessen erachte:

»Die Frage stellt sich gar nicht, ob das Abbildungsverbot hier befolgt werden muss oder nicht. Diese Frage stellt sich für die Moslems. Und diese Frage stellt sich für diejenigen, die sich diesem Abbildungsverbot verpflichtet fühlen. Ich fühle mich dazu nicht verpflichtet.«

Äußerungen wie diese tragen meiner Ansicht nach in keinster Weise dazu bei, den Ereignissen und aufgeheizten Emotionen in einer guten Weise zu begegnen.

Sehr wahrscheinlich hängt die Eskalation der Emotionen, die ich ebenfalls äußerst fragwürig finde, nicht ausschließlich mit den angesprochenen Karikaturen zusammen, sondern sprechen für einen Zusammenstoß der Kulturen. Kulturen mit einander entgegengesetzten Werten und Lebensentwürfen treffen aufeinander. Die Einen reden von Freiheit, welche von jedem Bürger gelebt werden kann [vielleicht »sollte« oder gar »müsste«], während die Anderen angestaute Emotionen bewusst einsetzen und für »ihre Sache« instrumentalisieren. Und dabei ist dies nur ein Beispiel aus vielen.

Peter Aschoff findet in seinem Beitrag zu diesem Thema meiner Meinung nach äußerst treffende Worte. Weshalb ich den gesamten Beitrag hier zitieren möchte [und hoffe, dass das klar geht?]:

»Es ist schlimm, wie der Streit um die dänischen Mohammed-Karikaturen eskaliert. Bei dem Konflikt wird hier zu Lande immer auf das Thema Freiheit abgehoben. Das ist auch richtig so, und es hat sogar christliche Wurzeln, dass wir heute Freiheit hoch halten im Westen, manchmal auch dann noch, wenn sie missbraucht wird. Obwohl wir – bei Islamisten etwa – da auch schon Einschränkungen diskutieren.

Übersehen wird dabei gelegentlich, dass es auch um Achtung und Respekt geht und dass Freiheit davon nicht zu trennen ist. Auch das ist ein biblischer Gedanke. Wir haben uns an eine Kultur der Respektlosigkeit gewöhnt, die zumindest in muslimischen Ländern undenkbar scheint. Hier gibt es im Interesse eines friedlichen Miteinanders etwas zu lernen. Wenn das passiert, wird keine Zensur nötig sein, machbar ist sie ohnehin nicht.

Letzten Ende liefern wir mit dem unweisen Gebrauch von Freiheit immer den falschen Leuten den Vorwand, andere gegen einander aufzuhetzen und am Ende die Freiheit selbst zu beschädigen.«

1 Reaktion

  1. besser kann man es nicht ausdrücken, scheinbar ein altes prinzip von uns Menschen erstmal nur die schuld beim anderen zu suchen, wenn jemand verletzt ist. Mir ist aufgefallen, dass ich an mir selbst dieses Handeln festgestellt habe. Wenn ich jemand verletzt habe, und mich innerlich damit rechtfertige „halt direkt zu sein“, habe ich wohl direkt sein mit liebevoller Ehrlichkeit, die auch das Wohl es anderen dabei sieht, verwechselt.

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