Karikaturen die Zweite

Auf Zeit.de habe ich gerade ein bisschen weiter über die Ereignisse im Zusammenhang mit den Karikaturen gelesen. Dabei sind mir ein paar interessante Gedanken aufgefallen, die ich hier als eine Art »Presseschau« posten möchte.

Die ersten beiden Gedanken stammen aus dem Kommentar: Es darf gelacht werden.

Zu dem Gedanken des Zusammenstosses der Kulturen schreibt Gero van Randow [aus westlicher Sicht]:

Diese drei Motive –Missachtung der Meinungsfreiheit, ein totalitäres Staatsverständnis und das Messen mit zweierlei Maß – gehören zusammen. Sie sind Ausdruck eines voraufklärerischen Verständnisses von Religion, das nicht bis zu einer Erkenntnis vorgedrungen ist, deren treffendste Formulierung an diesem Donnerstag Christian Geyer in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung fand: „ Zu jedem legitimen Selbstverständnis gibt es eine legitime Außenperspektive, die diesem Selbstverständnis zuwiderlaufen darf.“ Das ist nicht Relativismus, sondern Toleranz. Nicht Lauheit, sondern Klugheit. Denn „legitim“ heißt nicht „richtig“ oder „wahr“. Im Gespräch mit Islamisten schlägt einem die Verwechslung dieser Kategorien entgegen, wenn sie die Rede führen: „Ihr im Westen habt keine Werte, im Gegensatz zu uns.“

Als Ergänzung zu den gestern Abend zitierten Aussagen von Broder sollte meiner Meinung nach diese Aussage bedacht werden:

Strenger ist die Ziffer zehn des hiesigen Pressekodex’, deren Einhaltung vom Presserat überwacht wird: Ihm zufolge sind Veröffentlichungen, „die das sittliche oder religiöse Empfinden einer Personengruppe nach Form und Inhalt wesentlich verletzen können, mit der Verantwortung der Presse nicht zu vereinbaren.“

Ein weiterer interessanter Gedanke findet sich in dem heute erschienen Artikel über die Reaktionen in den USA. Nach diesem Artikel ist es in den USA weitestgehend Konsens, dass die Karikaturen nicht in die Zeitungen [in die Öffentlichkeit allgemein] gehören. Diese Haltung wird wie folgt begründet:

Die Verblüffung der amerikanischen Journalisten über einen Teil ihrer europäischen Kollegen entspringt dem amerikanischen Verständnis von religiöser Toleranz. Das Land kennt keine Mehrheits-Religion. Es wurde als Staat der Sekten gegründet. Von allem Anfang an mussten alle Bewohner die religiösen Sitten aller anderen Bewohner tolerieren. Heute respektiert die Gesellschaft – Arbeitgeber wie Schulen – religiöse Feiertage aller Religionen. Ramadan spielt im christlichen Teil Amerikas eine größere Rolle als im christlichen Teil Deutschlands – obwohl der Anteil der Muslime in Amerika wesentlich kleiner ist. Ständig sehen sich Offizielle in multi-religiösen Städten wie New York dem Vorwurf der Benachteiligung einer oder mehrerer Gruppen ausgesetzt. Drum tun sie alles, religiöse Aufwallungen zu vermeiden.

Ich finde es sehr interessant mich mit den Hintergründen und verschiedenen Erklärungsmustern zu beschäftigen, möchte jedoch dabei nicht vergessen um Frieden zu beten.

20 Reaktionen

  1. Ja, gute Artikel.

    Aber es ist so scheiss schwierig!

    Was zum Beispiel, wenn Toleranz an ihre Grenzen stoesst.

    Ich mein‘, wenn jemand findet, dass Gott scheisse ist, tut mir das weh, dennoch lasse ich es ihn sagen, oder?

    Oder wenn die das Verstaendnis so grundverschieden ist, dass man eingreifen MUSS aus seinem eigenen Moralkodex heraus?

    Grad‘ in Bezug auf die Rolle der Frauen im Islam (extrem) etc., da kommt man schon mal in die Situation, etwas aendern zu wollen.

    Da kommt ein Staat schon mal in die Lage, eingreifen zu muessen.

    Wie machen das die USA?

  2. Ich bin nicht oft Freund des Spiegels – vor allem wenn es um Artikel zur Religion u.ä. geht. Aber folgende (leicht ironische) Zusammenfassung hat mich sehr angesprochen und das Fazit würde ich unterschreiben: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,399290,00.html

    Ich denke, dass wir im Westen tatsächlich ein unterentwickeltes Verständnis für verletzte religiöse Gefühle haben. Aber die aktuelle Reaktion der gewaltätigen Muslime ist menschenverachtend!

    Ich denke nicht, dass die gewaltätigen Ausschreitungen, die teilweise fehlende Bereitschaft die Entschuldigung der dänischen Zeitung anzunehmen und die sinnlose Forderung an die dänische Regierung sich zu entschuldigen allein auf der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen beruhen. Ich hab das Gefühl, dass dies eher ein (willkommener?) letzter Tropfen im Faß war um über Jahre angestauten Frust gegen unsere westliche Kultur abzulassen.

    Damit umzugehen wird schwierig.

  3. Danke für eure Kommentare. Interessant, wie sich Meinung bildet, wenn man darüber »redet«.

    Den Spiegel-Artikel finde ich allerdings äußerst fragwürdig, gerade das Fazit spricht meiner Meinung nach nicht davon, dass verstanden wurde, was das Problem im so genannten Kampf der Kulturen ist. Wird darin doch gerade ironisch über Sachverhalte geredet, die im Moment zu den extremen Reaktionen führen – ist es nicht gerade diese Unbedachtheit, die Möglichkeiten bietet unter dem Gedanken des Absoluten Menschen in Aktion [einen Wahn?] zu versetzen, der zu Ausschreitungen und Drohungen wie diesen führt?

    Gegen das Eingreifen bzw. aufmerksam machen auf Missstände habe ich nichts, Arnhild, es stellt sich mir aber die Frage wie ich [bzw. wie man] effektiv eingreifen kann. Unbedachte Aktionen führen nicht unbedingt zu dem gewollten Ergebnis, sondern spalten, verhärten und schaden eher.

  4. Was ist deiner Meinung nach das Problem im Kampf der Kulturen?

    Mir hat der Artikel deshalb so gut gefallen, weil er mir deutlich gemacht hat, dass man in der Auseinandersetzung mit den gewaltätigen Reaktionen auf die Karikaturen aufpassen muss, dass man nicht vor lauter Rücksicht und falschen Selbstvorwürfen aus den Augen verliert um was es geht.
    Nicht dass ich die Karikaturen gutheissen würde. Aber die Freiheit solche Dinge zu veröffentlichen möchte ich nicht um den Preis des angeblichen Dialogs (der dann nämlich keiner ist) verlieren.

    Ich bin mir nicht sicher ob ich dich wirklich verstanden habe: die Verantwortung für die Ausschreitungen tragen doch nicht diejenigen, die unbedacht Karikaturen gezeichnet oder sie veröffentlicht haben? Das sehe ich jedenfalls nicht so.

  5. Nachdem ich gerade den Kampf der Kulturen Artikel der Wikipedia gelesen habe, möchte ich mich auch von dem Gebrauch des Wortes distanzieren – danke auch für die Kommentare dazu.

    Ich dachte vom englischen Begriff her kommend an einen Zusammenstoss auf Grund von verschiedenen Werten und Weltanschauungen, die sich beide im Recht fühlen – in der Sicht des je anderen jedoch unannehmbares tun.

    Ich möchte die Ereignisse, die als Reaktion wahrgenommen werden genausowenig gutheißen wie die Erstellung der Karikaturen und Texte selbst. Beides ist meiner Meinung nach fragwürdig.

    [haben da gerade 2 Stunden im realen Leben drüber diskutiert, und mehr möchte ich auch nicht mehr schreiben – ich merke da schnell, wo dann auch wieder die Grenzen des Verstehens meinerseits sind…]

    Danke noch mal für die Kommentare, dadurch werde ich zum Denken angeregt und komme weiter in meinem Verstehen.

  6. Hallo,

    habe mal die Diskussion hier abwartend verfolgt. Hier einige Fragen:

    Wann entsteht ein solcher Konflikt? Wenn wir nicht verstehen können. Wenn nicht verstehen wollen. Und zwar in diesem Zusammenhang den jeweils anderen.

    Wann können wir verstehen? Wenn wir versuchen eine Empathie für den jeweils anderen zu entwickeln.

    Was setzt dies voraus? Zeit und die Fähigkeit aufeinander zuzugehen. Die Erkenntnis, dass wir uns gar nicht so fürchterlich fremd sind.

    Warum schaffen wir es in diesem Zusammenhang auch wieder nicht, uns in Unvoreingenommenheit zu üben? Warum wird hier in dieser Diskussion wieder die Plattitüde ‚Frauen im Islam’? Haben wir verlernt zu differenzieren? Ist es nicht so, dass auch im Islam, Religion also solche von kulturell-gesellschaftlichen Entwicklungen zu trennen ist? Diskriminiert also der Islam oder der Koran die Frau oder die Menschen bzw. die Art wie der Mensch die Religion für sich instrumentalisiert hat? Warum schaffen wir es nicht auch in diesem Zusammenhang unseren Blick zu öffnen? Würden wir dies schaffen, so würden wir feststellen, dass auch der Islam kein homogenes, erzkonservatives Gebilde ist, sondern dass auch hier die diversen Ausprägungen gibt. Darunter auch durchaus liberale (s. Aleviten).

    Kann man also von einem Kampf der Kulturen sprechen? Nein, kennt doch ein Großteil der abendländischen Kultur die morgenländische nur von der Döner-Bude um die Ecke. Interessant ist ja auch, dass so gut wie kein Deutscher sich jemals darüber Gedanken gemacht hat wie das Wort Döner oder Dürüm auszusprechen ist – auch eine Art von fehlender Empathie. Der angelsächsisch geprägte Begriff ‚Clash of Civilizations’ ist also nur zu verwenden, wenn man die jeweils andere Seite sehr gut kennt und meint einen solchen ‚Clash’ aus genau diesem Grund attestieren zu können.

    Wie entsteht unser Bild der Realität? Durch Bilder, und zwar durch die, die täglich auf unserer Glotze flimmern. Handelt es sich hierbei tatsächlich um die Realität oder eben nur um eine subjektiv wahrgenommene Realität? Können wir also den Medien oder beispielsweise auch der Wikipedia bedingungslos vertrauen?

    Sind die völlig enthemmten Massen die aktuell in der Verdummungsmaschine TV gezeigt werden, tatsächlich für all die islamisch geprägten Länder repräsentativ? Ich meine nein.

    Vielleicht sind also die aktuellen Vorgänge eine sehr gute Gelegenheit innezuhalten, um uns zu vergegenwärtigen, dass es keinen ‚Clash’ gibt da wir uns im Grunde gar nicht so verschieden sind, berufen wir uns in unseren Religionsempfinden doch alle auf den einen, nämlich Abraham (s. Abrahamitische Religion .

    Cheers
    Daniel S. Haischt

  7. Danke für deinen Kommentar, Daniel.

    Sprichst darin eine Menge Sachen an, die ich gerne auf meinem Blog angesprochen haben möchte. Sehe die Sachen in vielen Bereichen sehr ähnlich, was überhaupt meine Intention war über die Ereignisse zu posten.

    Auch wenn ich den Dialog am Sinnvollsten finde, frage ich mich im Moment in wiefern es mit z.B. radikalen Kräften zu einem solchen kommen kann. Mit eher liberalen Muslimen gab es in diesem Punkt auch keine Probleme und da habe ich auch keine Zweifel. Es sind jedoch radikale Kräfte, die solch enthemmte Massen hervorbringen – die meiner Ansicht nach auf jeden Fall nur bedingt repräsentativ sind – sie sind jedoch auch Teil der Weltbevölkerung und wir stehen vor der Aufgabe mit ihnen zusammen hier zu leben, oder? Was meinst du dazu.

    Ich habe die Links eingebaut, deswegen erscheint auch dein zweiter Kommentar nicht – hoffe das ist OK.

  8. Hallo Daniel,

    bezüglich Radikalität stelle ich mir persönlich folgende Fragen:

    Birgt der Islam in sich als Religion das Potential Radikalität zu entfachen? Oder muss man die aktuellen Vorgänge nicht eher in einem zeitlich oder gar geschichtlichen Kontext sehen?

    Gilt auch hier nicht das Gesetz von ‚Actio und Reactio’? D. h. eine radikale Reaktion findet nicht im Luftleeren Raum statt, sondern ist quasi das Feeback auf einen vorgelagerten Vorgang.

    Natürlich ist eine radikale Reaktion immer irrational, kontraproduktiv etc. Aber das hat ja auch keiner bestritten. Ist es aber nicht zumindest sinnvoll zuzugestehen, dass sich Emotionen auch aufgestaut haben können und dann instrumentalisiert bzw. abgerufen werden können? Obwohl die aufgestaute Emotion womöglich mit dem aktuellen Anlass unmittelbar nichts zu tun hat.

    Ich finde in diesem Zusammenhang interessant, dass wir so tun als ob wir die aktuellen Vorgänge als primitiv und deshalb nicht nachvollziehbar einstufen, obwohl mit uns (Deutschen) in der jüngeren Geschichte genau dasselbe gemacht wurde (d.h. unser Frust wurde instrumentalisiert).

    Folglich ist es wichtig, dass aus dem aktuellen Frust eben nichts (noch) schlimmeres entsteht.

    Ein anderer Punkt – Interessant ist auf jeden Fall, dass wir in Deutschland zwar Reaktionen auf die Geschehnisse haben, sich diese aber jedoch im Rahmen halten. Woran liegt es, dass gerade in Ländern mit womöglich sozial schwachen Strukturen die Personen jetzt gerade ‚austicken’? Und warum tun sie das gerade jetzt, wo die Karikaturen doch schon eine gewisse Zeit im Umlauf sind?

    Und noch ein anderer Punkt – Ist es nicht falsch die eigene Kultur über eine andere zu stellen? Ich denke wir halten anderen Kulturen schon ab und an vor, dass wir über die Jahrhunderte eben den besten Lebensentwurf entwickelt haben. So glaube ich aber kann man mit anderen nicht in einen Dialog treten. Es ist wichtig in diesem Zusammenhange mehrere Lebensentwürfe zuzulassen und diese als gleichwertig (unabhängig vom eigenen Empfinden) einzustufen.

    Dann noch zu deiner Frage kann man mit radikalen Kräften zusammen leben? Nein natürlich nicht! Trotzdem ist es wichtig sich sehr genau zu überlegen wie man dieser Radikalität begegnet. Ich finde eben das mit den Karikaturen nicht gerade taktvoll. Auch finde ich es auch nicht gerade toll, wenn sich die USA mal wieder alle Optionen in Punkto Iran offen halten.

    Um ehrlich zu sein habe ich mit Sicherheit kein Patentrezept, wie man mit so was umgehen soll. Dennoch sind nachfolgende Dinge eine Überlegung wert:

    * Es gibt keine bessere Religion, noch einen besseren Glauben und schon gar keinen besseren Gott.
    * Es gibt ca. 1,2 Milliarden Anhänger des Islams (das ist Platz zwei nach dem Christentum s. Wikipedia) und die kann man auf Dauer nicht ignorieren (in keiner Hinsicht).
    * Die Europäer haben ja im vorletzten und letzten Jahrhundert eine bedeutende Rolle in Arabien gespielt weshalb auch heute noch gewisse Dinge so schwierig sind wie sie eben sind.
    * Auf diesem Hintergrund wird den USA aber auch Europa ja immer wieder eine gewisse Israel-Freundlichkeit vorgeworfen.
    * Fliegt man gewisse Gefangene zur Folter in gewisse Länder so hinterlässt das bei Menschen, die hierfür empfänglich sind eben einen bleibenden Eindruck. Zudem gab es ja ähnlich gelagerte Fälle schon in der Vergangenheit.

    Also um es mit den Worten einer sehr bekannten Persönlichkeit zu umschreiben – unser aller Verhalten war bzw. ist sehr suboptimal. Was uns ja die Chance eröffnet uns in jeder Hinsicht zu verbessern ;)

    Dann noch zu WordPress: Ich benutze die Software ja selber, finde das Editier-Feld aber sehr klein und man sieht nicht wie es am Ende raus kommt. Es gibt ein Live-Preview-Plugin, was dieses Manko zumindest etwas behebt.

    Cheers
    Daniel S. Haischt

  9. Hmm, die deutschen in der juengeren Geschichte ist auch verallgemeinernd, vor allem, wenn das als „uns“ zusammengefasst wird.

    Ich schliesse mich da nicht ein bzw. lasse es gern bewusst offen stehen. Wer weiss, wie wir damals reagiert haetten, wo wir stuenden?

    Ok, aber was and’res jetzt.

    Hab‘ irgendwann man das Leben Mohammeds in der Schule behandelt – und es ist erstaunlich, wie frueh es da mit Mord und Totschlag losging. Sehe da also sehr wohl eine gewisse Tendenz zur Gewalt.

    In jenem Zusammenhang war uebrigens eines der Hauptargumente bezueglich des Islams und der nicht vorhandenen Trennung von Religion und Staat etc. ziemlich seltsam, wenn auch logisch. Ich „zitiere“ jetzt mal inhaltsgemaess:

    „Die islamische Kultur ist 600 Jahre juenger als unsere westliche. Das wiederum bedeutet, dass man ihr zugestehen muss, dass sie sich auf dem Level Europas vor 600 Jahren befindet.“

    Erstmal geht dieser Ansatz davon aus, dass unsere Kultur „weiter“ ist, was gewiss manche bestreiten moegen.

    Natuerlich kritisiere ich den Islam, insbesondere in seiner Stellung als Institution und Staatsgewalt, in seinem Absolutheitsanspruch, aus meiner Sicht, die westlich gepraegt ist, zudem eindeutig christlich.

    Mich stoert einfach die fehlende Freiheit, beispielsweise, dass man sich nicht mehr gegen die Religion entscheiden kann, wenn man einmal dazu gehoert. Oder so. Ich kann als Christ und Jude und selbst als Hindu (hehe, ja, dagegen hab‘ ich auch was, ich den Absolutheitsanspurch Erhebende) jederzeit gehen. Als Moslem nicht. Da kann ich sogar ermordet werden, ganz legal.

    Ach, die Diskussion ermuedet. Egal. Haben gestern in Spanisch darueber gesprochen.

    Kamen da auf ein paar ganz gute Dinge, fand ich:

    Erstens: Jeder hat das Recht, zu sagen, was er denkt und so sollte es auch sein und bleiben.

    Zweitens: Es ist nicht unbedingt klug, immer direkt zu sagen, was man denkt.

    (folgender Gedanke kommt aus einem Artikel irgendeiner englischen Zeitung:)

    Drittens: Man muss mit Konsequenzen/Reaktionen rechnen, wenn man seine Meinung kundtut.

    Und viertens (auch aus dem Artikel): Man kann keinem die Form seiner Reaktion vorschreiben.

    Das wiederum ist etwas kritisch.

    Denn in dem Artikel wurde diese Sache mit den Mohammed-Charikaturen einer als antisemitisch kritisierten Charikatur ueber Juden gegenueber gestellt, die erhebliche Proteste in GB hervorgerufen hatte.

    Da lief das aber anders ab, und das ist meiner Meinung nach der springende Punkt:

    Da kam ein Vertreter des Zentralrats der Juden (oder wie das hier in England heisst) und bat darum, sich offiziell zu entschuldigen, da angesichts der juengeren Geschichte der Juden diese Charikatur Unwillen errege und religioese Gefuehle verletze.

    Daraufhin kam die Entschuldigung und die Sache war gegessen.

    Was mir zu denken gibt – um endlich zum Punkt zu kommen – ist nicht, DASS es Proteste gibt, denn auch wenn ich diese aus meiner Sicht nicht nachvollziehen kann, haben die Muslime sehr wohl ein Recht auf Protest und auch eine Entschuldigung, da ihre Gefuehle verletzt wurden.

    Aber ich kritisiere das Ausmass und die Form der Proteste, kritisiere die duckmaeuserischen und halbherzigen bzw. kindisch-trotzigen Reaktionen des Westens.

    Wo ist das Selbstbewusstsein? Und warum handeln wir nicht klug und besonnen, sondern wie ein panischer Haufen?

    Andererseits: Diese Furcht sollte uns auch zu denken geben. Eindeutig gibt es starke Druck- und Machtmittel muslimischer Extremisten/Staaten/was auch immer gegen den Westen.

    Ich bin mir dessen bewusst, dass ich wiederum von zwei Fronten rede. Ich denke auch, dass es diese zwei Fronten gibt, diesen Krieg der Kulturen oder was auch immer.

    Mir geht es dabei nicht um eine generelle Ueberlegenheit oder ein In-Schubladen-schieben der unbeteiligten Massen „zwischen den Fronten“.

    Aber als man vom eisernen Vorhang und dem Ost-West-Konflikt zwischen Sozialismus und Kapitalismus sprach, ging auch nicht jeder davon aus (ausser den USA vielleicht), dass jeder Pole, Russe, Tscheche, Ukrainer, Este, was auch immer ein Sozialist und somit Feind darstellt.

    Dennoch gab es die Fronten, eindeutig. Und ich denke, die gibt es auch in diesem Falle ebenso eindeutig und ich glaube auch, dass in einer vergleichbar unangenehmen Situation eines „kalten Krieges“.

    Das Problem heute ist meiner Meinung nach, dass es eine manipulierbare Masse gibt, die nicht wirklich weiss, was Sache ist, die aber – im Gegensatz zu der Bevoelkerung in den sozialistischen Staaten – deshalb so lenkbar ist, weil man sie jederzeit „im Namen Allahs“ gegen den Westen aufhetzen kann.

    Ich glaube nicht, dass das einzig eine Sache der religioesen Inhalte ist. Es besteht einfach eine enorme Hoerigkeit (vielleich vergleichbar mit der christlichen Obrigkeitshoerigkeit im Mittelalter – ja, kritisiert diesen Vergleich ruhig) von ungebildeten und hungrigen, abhaengien Massen.

    Ich kann mit dem Islam nicht viel anfangen, das ist wohl eindeutig. Es ist aber nicht so, dass ich in der Religion selbst die Schuld fuer den Konflikt suchen moechte und es waere nett, wenn ihr das beruecksichtigt. Ich war noch nie gut im politisch korrekten Gerede. Nicht mein Ding.

    Uebrigens ist die korrekte Aussprache von Doener Doener. Das weiss zumindest ich sehr wohl.Man spricht im Tuerkischen wie man es schreibt bzw. umgekehrt.

    Ich frage mich allerdings, was tuerkische Aussprache mit dem Konflikt zwischen Islamisch-gepraegten und urspruenglich christlich und somit westlich gepraegten Religionen zu tun haben soll?

    Ist das nicht etwas zu emotional konflikt-provozierend, das ins Feld zu fuehren.

    Ich mein, wenn ich Franzose waere, muesst ich mich dann auch angegriffen fuehlen, wenn ein Deutscher beim Baecker schon wieder ein „Krossong“ bestellt?

    Ohoo, dann ging hier in England wirklich die Post ab, denn die versuchen sich staendig in Fremdwoertern, ohne ueberhaupt zu wissen, dass es sich um welche handelt und sprechen sie entsprechend aus…..

  10. Ach ja, der Artikel (aus der Spanisch-Stunde, oben erwaehnt) stammt aus dem „Guardian“, vom 4. Februar, und zwar von einem gewissen Gary Younge.

    Titel: „Does the right to freedom of speech justify printing the Danish cartoons?“

    Dann gab es einen Pro- und einen Contra-Kommentar.
    Younge stellte letzteren.

  11. @marc: Ja, der ist gut! Ohne Augenzwinkern. Ich find‘ den echt gut.

    Seltsam, wie jemand mit harten, also ich mein, mit heftigen, Worten (und betraechtlich weniger als ich wohl auch) genau das sagen kann, was er mag und meiner Ansicht nach sehr viel weniger vor den Kopf stoesst als ich es tue oder die grosse Masse der Pressemitteilungen/-kommentare

  12. Okay, nachdem wir nun Gedanken und Links ausgetauscht haben, würde mich interessieren, wie ein Muslim (insofern sich ein solcher noch nicht geäussert haben sollte) über die ganze Sache denkt.

    Ich denke erst dann wird die ganze Sache wirklich rund!

    Wie gesagt versuche ich mir nachfolgende Grundsätze hinter die Ohren zu schreiben *bevor* ich anfange irgend etwas zu kritisieren:

    * Es gibt keine bessere Religion
    * Noch einen besseren Glauben
    * Und schon gar keinen besseren Gott
    * Zudem ist eine Reliogion der ich angehöre eben per se nicht schlechter

    Und wenn man sich letztlich darauf einigt, das momentan das Ganze inzeniert ist bzw. das sich ein paar gekünstelt aufregen, dann würde ich die ganze Aufregung eh nicht verstehen…

    Cheers
    Daniel S. Haischt

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