Weitere Gedanken zu einem kollektiven Ansatz

Bereits in dem letzten Beitrag zu diesem Thema wurde deutlich wie wichtig unser Verständnis von Beziehung in diesem Zusammenhang ist. Es geht bei einem solchen Ansatz meiner Ansicht nach weder um das aufgehen des Einzelnen im großen Ganzen [und damit einer Auflösung seiner selbst], genausowenig kann es meiner Ansicht nach um eine Aneinanderreihung einzelner Individuen gehen. Aus diesem Grund ist der Begriff »kollektiver Ansatz« in sich schwierig, so verstehe ich zumindest die Anfrage von Tobias zum vorigen Eintrag zu diesem Thema.

Bei Buber habe ich mal wieder einen Gedanken gefunden, der mich in den Überlegungen weiterbringt:

»Die Kollektivität ist nicht Verbindung, sie ist Bündelung: zusammengepackt Individuum neben Individuum, gemeinsam ausgerüstet, gemeinsam ausgerichtet, von Mensch zu Mensch nur so viel Leben, daß es den Marschtritt befeure.

Gemeinschaft aber, werdende Gemeinschaft (nur die kennen wir bislang) ist das Nichtmehr-nebeneinander-, sondern Beieinandersein einer Vielheit von Personen, die, ob sie auch mitsammen sich auf ein Ziel zu bewege, überall ein Aufeinanderzu, ein dynamisches Gegenüber, ein Fluten von Ich zu Du erfährt: Gemeinschaft ist wo Gemeinschaft geschieht.

Die Kollektivität gründet sich auf einem organisierten Schwund der Personhaftigkeit,

die Gemeinschaft auf ihrer Steigerung und Bestätigung im Zueinander.«

[Zitiert ebenfalls aus Martin Buber, Das dialogische Prinzip, 185 | Zwiesprache]

5 Reaktionen

  1. Das erinnert mich an die Definition von „Synergie“ (schreibt man das im Deutschen auch so?).

    Ich mag das.

    Aber der Begriff „kollektiver Ansatz“ ist halt nicht so eindeutig.

    Ich assoziiere damit zumindest anfaenglich genau das, was es nicht ist…

  2. Erneut danke für Deine Gedanken von Buber. Trotzdem denke ich, dass Gemeinschaft eben gerade keine Bündelung, kein ‚Zusammenpacken‘ ist. Buber scheint mir Gemeinschaft vom Einzelnen bzw. den Einzelnen her zu denken. Ich glaube jedoch, dass es nicht zuerst die Einzelnen gibt, und dann die Beziehungen hinzukommen und damit dann im besten Fall Gemeinschaft entsteht, sondern, dass die Beziehungen quasi vorgängig sind. Schwierig zu denken und noch schwieriger zu sagen, sprechen wir doch davon, dass wir Beziehungen ‚haben‘. Ein paar Gedanken die in genau diese Richtung gehen habe ich gerade eben gepostet. Nicht von Buber, aber von Butler ;-) Da ich das mit dem Trackback noch nicht peile, hier den Link:
    http://pickaboo.typepad.com/pickaboo/2006/02/liberty_of_inte_1.html

  3. Hallo Tobias,

    denke, dass Buber die „Bündelung“ und das „Zusammenpacken“ nicht auf Gemeinschaft bezieht, sondern auf das Kollektiv. Betont er nicht gerade bei Gemeinschaft den Gedanken des „Nichtmehr-Nebeneinander-Sein“ bzw. positiv das „Beieinandersein“?

    Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Sachen schon so weit durchschaut habe, dass ich eine Entscheidung treffen kann, wie genau er nun vorgeht, sehe aber in den folgenden Zitaten gerade etwas, das sich meiner Ansicht nach, sehr nach dem anfühlt, von dem du sprichst:

    Uns geht es um die Voraussetzungen des Zwischenmenschlichen. Der Mensch ist nicht in seiner Isolierung, sondern in der Vollständigkeit seiner Beziehung zwischen dem einen und dem anderen anthropologisch existent: erst die Wechselwirkung ermöglicht, das Menschentum zulänglich zu erfassen.

    [Buber, 290]

    Nicht das Selbst als solches ist das Letztwesentliche, sondern daß der Schöpfungssinn des menschlichen Daseins sich je und je als Selbst erfülle. Die einschließende Funktion zwischen den Menschen, die Hilfe zum Werden des Menschen als Selbst, das Einander-Beistehen zur Selbstverwirklichung des schöpfungsgerechten Menschtums ist es, das das Zwischenmenschliche zu seiner Höhe führt.

    [Buber, 291.]

  4. […] Aber Gott spricht auch direkt durch Träume. Vielfach hören wir Gottes Stimme wegen all der Ablenkungen die uns umgeben eher schlecht. Da eignet sich die Nacht, wenn wir ruhig werden, gut für den Heiligen Geist uns zu erreichen. Gerade heute ist es mir mal wieder bewusst geworden, wie schwer es ist zwischen all dem, was man zu tun und woran man zu denken hat, noch Qualitätszeit mit Jesus zu haben. Wir sind einfach zu beschäftigt um die “Stimme verschwebenden Schweigens” zu hören, wie Martin Buber (1|2|3|4)1.Könige 19,12 übersetzte. Ich ziehe daraus zwei Konsequenzen: es ist nötig stiller zu werden und wir sollten offen dafür sein, dass uns Gott in Nachtgesichten begegnen will. […]

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