Dialog zwischen Juden und Christen

Unter der Fragestellung des Dialogs zwischen Juden und Christen setze ich mich im Moment mit dem Leben und Wirken Martin Bubers auseinander. Neben all der anderen Aussagen Bubers, die ich in den letzten Tagen hier gepostet habe, möchte ich nun etwas zu seiner Sicht des Unterschieds und des Dialogs zwischen Juden und Christen schreiben:

»Da ist der Jude für den Christen unverständlich als der Verstockte, der nicht sehen will, was sich begeben hat,

unverständlich der Christ dem Juden als der Verwegene, der in der unerlösten Welt ihre volzogne Erlösung behauptet.

Eine Verständigung ist nach Buber dann möglich, wenn beide Seiten bereit sind, jeweils des anderen „Realverhältnis zur Wahrheit anzuerkennen“, wenn es „uns, Christen und Juden, wirklich um Gott selber und nicht bloß um unsre Gottesbilder zu tun ist.«

[Hans Christian Kirsch, Martin Buber: Biographie eines deutschen Juden [Freiburg: Herder, 2001], 181 – darin sind Ausschnitte aus dem Buch: Der Jude und sein Judentum von Martin Buber enthalten.]

Der Hauptunterschied zwischen Juden und Christen stammt nach Buber aus dem unterschiedlichen Verständnis des Lebens und Wirkens von Jesus. Das ist sicher nichts neues für uns, fasziniert hat mich dabei die Art und Weise in der Buber über Jesus redet – so kann er ihn als seinen großen Bruder bezeichnen und tut dies mit großer Achtung.

Er geht jedoch davon aus, dass Jesus sich nicht als göttlich verstanden habe und dieses Verständnis erst durch die Apostel kam. So wie Buber Jesus sieht, kann er begeistert davon sprechen wie Jesus nachzufolgen. Dabei geht es ihm jedoch um etwas sehr anderes als darum ihm selbst nachzufolgen.

Über sein Verständnis von Jesus schreibt er weiter:

»Ich glaube fest daran, daß die jüdische Gemeinde im Zug ihrer Wiedergeburt Jesus rezipieren wird; und zwar nicht bloß als eine große Figur ihrer Religionsgeschichte, sondern auch im lebendigen Zusammenhange eines sich über die Jahrtausende erstreckenden messianischen Geschehens, das in der Erlösung Israels und der Welt münden wird.

Aber ich glaube ebensofest daran, daß wir Jesus nie als gekommenen Messias anerkennen werden, weil dies dem innersten Sinn unserer messianischen Leidenschaft, […] widersprechen würde […]«

[Kirsch, 182f.]

1 Reaktion

  1. […] Wie bereits geschrieben setze ich mich gerade mit den Gemeinsamkeiten und Unterschieden des Judentums und des Christentums auseinander. Dazu lese ich gerade ein Buch von Martin Buber, durch das er mich hin und wieder sehr herausfordert [dazu schreibe ich wohl auch noch mal mehr]. Auf der anderen Seite finde ich auch eine Menge Gedanken, die uns in dem Prozess helfen unseren Glauben “neu zu denken”. […]

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