Vernetzt ausbilden

Seit einer Woche arbeite ich nun an meiner Master-Thesis, in der ich Grundlagen für ein Ausbildungskonzept für Theologie in unserer Zeit darstellen werde. Aus diesem Grund wird es hier evtl. etwas ruhiger werden [ohne dass ich das verspreche], andererseits wird es immer wieder auch Einträge zu Dingen geben, die mich in dieser Auseinandersetzung beschäftigen…

Inspiriert durch die Gedanken von Frederik Vester überlege ich im Moment wie eine theologische Ausbildung aussehen könnte, die bewusst vernetzt ausbildet. In der Weise wie Kinder zu Beginn das Leben in seiner Ganzheit erlernen, und dadurch vernetzt denken, soll auch eine theologische Ausbildung systemisches Denken fördern. Die Aufsplitterung in die vielen unterschiedlichen Fachbereiche hindert ein vernetztes Denken und bildet ›Fachidioten‹ aus, die zwar in ihrem Bereich die sehr gut sind, Beziehung zwischen Systemteilen außerhalb des Fachbereichs jedoch nicht so gut einordnen/wahrnehmen können.

Da wir es im Zusammensein von Menschen und somit auch in Gemeinden mit komplexen Systemen zu tun haben, erfordert eine Ausbildung zu Aufgaben darin eine gelingende Interaktion mit diesem System.

Hier nun eine Beschreibung von Vester zu den Charakteristika eines komplexen Systems:

»Wie jeder Organismus besteht ein komplexes System aus mehreren verschiedenen Teilen (Organen), die in einer bestimmten dynamischen Ordnung zueinander stehen, zu einem Wirkungsgefüge vernetzt sind. In dieses kann man nicht eingreifen, ohne dass sich die Beziehung aller Teile zueinander und damit der Gesamtcharakter des Systems ändern würde. Reale Systeme sind darüber hinaus auch immer offen und erhalten sich durch ständigen Austausch mit der Umwelt.«
[Frederic Vester, Die Kunst vernetzt zu denken, 25]

5 Reaktionen

  1. tja, fachidioten gibt’s bei uns zu hauf an der hochschule…der eine kennt das markusevangelium in und auswendig, alle theorien darüber, aber vom alten testament hat er keinen blassen. ein anderer ist in der systematischen theologie der hero und wieder ein anderer ist der kirchengeschichtschecker…bin an deinem ergebnis interessiert (auch wenns wohl noch ein bissel bis zu fertigstellung braucht…).

  2. Hallo Daniel,
    durch Zufall bin ich auf diese Seite geraten, weil ich nach einem Buber-Zitat weiter recherchieren wollte.
    Ich bekenne mich auch gleich als Vester- und „Vernetzungs-Anhänger“ und bin stolz, dem „Meister“ das eine oder andere Mal bei Literaturbeschaffungen geholfen zu haben, weil seine Idee der Vernetzung jede Unterstützung braucht, denn die Praxis der „wissenschaftlichen Ebenen“ durch die Studenten, Promovenden … eilen (müssen) übt sich im Zergliedern, in Spartendenken und endet eher in Sackgassen als in „großen Würfen“.
    Aber auch an anderen Stellen (z.B.den Kirchen) ist es nicht viel besser. Deswegen freut es mich besonders Ihren Aufruf „Vernetzt ausbilden“ zu lesen.
    Als meine Unterstützung soll dazu einfach die Erinnerung gelten, dass das Heil, von dem die Bibel so oft spricht, auch „ganz“ (im Ggs. zu kaputt oder krank) bedeutet und es ist genau diese Gänze, die mit dem Vernetzen erreicht werden soll.
    Für die Magister-Arbeit wünsche ich Gottes Segen und verbleibe mit besten Ostergrüßen
    WL

  3. Ich wäre sehr an dem Ergebnis deiner Arbeit interessiert und auch an einer Diskussion rund um dieses wichtige Thema. Nur wenn wir die theologische Ausbildung verändern/verbessern werden sich auf Dauer unsere Gemeinden verändern. Wir sitzen am MBS gerade an dem Thema und versuchen es umzusetzen, da sind wir über jede Hilfe & Anregung offen.

  4. Ich mag das, was WL schreibt:

    „…dass das Heil, von dem die Bibel so oft spricht, auch “ganz” (im Ggs. zu kaputt oder krank) bedeutet und es ist genau diese Gänze, die mit dem Vernetzen erreicht werden soll.“

    und im Zusammenhang dazu den letzten Teil des Zitats oben:

    „…Reale Systeme sind darüber hinaus auch immer offen und erhalten sich durch ständigen Austausch mit der Umwelt.“

    Irgendwie assoziiere ich das damit, dass ich oft denken muss, wie sehr Systeme sich verselbststaendigen, insofern, als dass ihre Existenz ploetzlich dem Selbstzweck zu dienen scheint.

    Die Vernetzung ganz generell(z. B. vernetztes Denken, vernetzter Firmenaufbau, vernetzte Ausbildung,…)ist ein geniales System, finde ich, wenn es mit Inhalt gefuellt ist, also im Fall einer Gemeinde oder theologischen Ausbildung dieser „Ganzheit“ dient, von der WL redet.

    Mich begeister der Gedanke an dieses Vernetztsein, dass Leben ueberall hingelangt, Ideenaustausch stattfindet und Ausgleich bzw. Motivation.

    Ich sehe dieses Netz gern wie Blutbahnen: Da laeuft nix, wenn kein Herz da ist. Und Arterien verkalken oder was auch immer, wenn der Input falsch ist.

    Und letztlich, um’s ganz weit zu treiben, das Bild, ist dieses Netz von Blutbahnen Teil eines Koerpers

    – Und von daher ist die Idee aus meiner Sicht eigentlich ziemlich alt (was sie nicht weniger revolutionaer/neuartig/gut macht:)

    Wir schauen oft diese Bilder an, die schon in der Bibel vorkommen und seh’n gar nicht, was da impliziert wird: Eine geniale Idee, Grundlage einer Ganzheitlichkeit, der Gedanke, dass auch was von aussen kommen und nach aussen gehen muss, verschraenkt und erneuert und definitiv kein Stillstand. Ohne Sauerstoff geht nix.

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