Bündnis für Erziehung

Unsere Familienministerin Ursula von der Leyen hat in den letzten Tagen durch ihr ›Bündnis für Erziehung‹ trotz scheinbar guten Willens eine Reihe Menschen verärgert. Darüber musste ich gestern Abend nachdenken, als ich in den Tagesthemen einen Beitrag zu eben diesem Thema gesehen hatte: Kritik an von der Leyens „Erziehungsbündnis“ | tagesschau.de.

Von der Leyen startet ein ›Bündnis für Erziehung‹ in dem es vor allem um Werte gehen soll. Zu diesem Bündnis hat sie zunächst die beiden großen Kirchen und deren sozialdiakonischen Verbände eingeladen. Nach Ansicht einer Reihe von Personen der Öffentlichkeit hat sie damit das Bündnis noch bevor es überhaupt begonnen hat zu sehr verengt. Werte seien nicht nur bei den christlichen Kirchen zu finden, sondern bilden die Grundlage unserer Demokratie – natürlich seien sie auch bei anderen Religionsgemeinschaften vorhanden.

Auch wenn sich Aussagen wie ›christliche Werte in unserer Gesellschaft stärken‹ in meinen Ohren gut anhören, sollte nicht vergessen werten, dass wir nicht in einem Gottestaat wohnen. Unsere Gesellschaft ist eine pluralistische Gesellschaft in der Menschen frei entscheiden können wie sie ihr leben gestalten [innerhalb des demokratischen Spielraums] – aus diesem Grund teile ich die Kritik derjenigen, die das Bündnis als zu eng ansehen.

Und wieder einmal wird an einer solchen Bündnisaktion einiges deutlich – auch wie christliche Aussagen in unserer Gesellschaft wahrgenommen werden.

Was denkst du zu dem Bündnis und zu der Kritik?

9 Reaktionen

  1. Yo, ich weiß auch nicht, wie Du jetzt gleich auf Gottesstaat kommst. Ich werd auch dafür kämpfen, daß ein Musl*m hier seinen Glauben ausleben darf. Aber Deutschland ist nunmal durch und durch christlich geprägt vgl. GG. Von daher liegt das Bündnis nur nahe. Find ich also schonmal fein. Wird allerdings nicht die Welt retten…

  2. Ich denk‘ auch, man muss nun mal von einem Standpunkt ausgehen.

    Schon irgendwie seltsam, aber hier sind das noch immer die „christlichen Werte“ bzw. die deutsche Interpretation derselben, die sich irgendwie dann doch im GG und dem gesamten Aufbau unseres Staates widerspiegelt.

    Schaun wir uns die USA an, wo definitiv viele Religionen frei ihren Glauben ausleben (und auch ich find‘ das absolut wichtig, dass Menschen ein Recht dazu haben): Dennoch ist die Politik ein-deutig, wenn nicht gar ein-seitig.

    Das bedeutet nicht, dass Muslimen und Hindus dort das Wasser abgegraben wird, sehr wohl aber, dass Leute Stellung beziehen und somit Kraft und Motivation da ist, der jeweiligen Einstellung gemaess Ziele anzustreben/zu erreichen.

    Das klappt nicht, wenn 10 Religionsgemeinschaften an einem Tisch sitzen und erst einmal Grundsatzdiskussionen fuehren muessen, um auf einer gemeinsamen Basis ueberhaupt erst beginnen zu koennen, wiederum gemeinsame Ziele zu formulieren….

    Denk‘ ich.

  3. Nun ja, zunächst einmal sollten jene welche sich aufregen erkennen, dass es um Werte geht die vermittelt werden, die ihren Quell in der jüdisch-christlichen Überlieferung haben und nicht darum, das Menschen Glaubensüberzeugungen anerzogen werden sollen. Andererseits ist die Gefahr eines Anbiederns an die Politik gegeben und die falsche Hoffnung dadurch evt. Einfluß der Großkirchen zurückzugewinnen. Prinzipiel passt es aber auch zur momentanen Gegenbewegung zu unserer Multioptionsgesellschaft einem erstarken der Konservativen. Das Problem dass ich darin sehe ist die deas Bild des Christen als braver Bürger, Mitglied ein Civil Religion, Christen sind aber nicht brav sondern dem Leben der Nachfolge Christi verpflichted und der war sicher nicht duckmäußerisch. Andererseits kann ein „neutraler“ Staat Werte nicht aus dem Hut zaubern, insofern ist dieses Bündnis ein logischer Schritt, vielleicht etwas eng, aber durchaus nachvollziehbar. Ein Problem wird es dann, wenn die Kirchen dieses Bündnis für eigene Machtinteressen mißbraucht würde.

  4. Gedanken zum Erziehungsbündnis…

    Wem meine kritischen Gedanken zum Erziehungsbündnis zu einfach und unreflektiert erscheinen, kann diesen Zeit-Artikel lesen. Gunter Hoffmann schreibt darin meiner Ansicht nach in weiten Teilen über Dinge, die bei mir dazu auch anklingen – und die …

  5. kannst du mir deine persönliche Definition zu „Gottesstaat“geben? Finde ich es zu stark in diesem Zusammenhang davon zu reden, aber vielleicht haben wir unterschiedliche Verständnisse zu „Gottesstaat“. Bin gespannt.

  6. Hallo Annette,

    ›Gottesstaat‹ war wohl ein bisschen ein zu starkes Wort für diesen Kontext. Ich wollte mit dieser Aussage nur darauf hinweisen, dass wir nicht in einem Staat leben, in dem sich alle Menschen Christen nennen und der deswegen selbstverständlich christliche Werte und Verhaltensweisen für jeden verpflichtend machen kann [und andere dabei nicht berücksichtigt].

    Grüße

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