Alan Hirsch über Paradigmenwechsel

Alan erzählte davon wie sie ihre Gemeinde umstrukturierten, als ihnen auffiel, dass nur eine sehr geringe Zahl von Menschen am Leben der Gemeinde aktiv beteiligt war.

Dabei hat er interessanterweise davon gesprochen, dass seiner Meinung nach durch ein neues Handeln ein neues Denken entstehen kann. Diesen Gedanken finde ich deswegen so interessant, da er unserem deutschen Ansatz erst die Theorie verstanden zu haben bevor man handelt widerspricht. Um ihre Gemeinde umzustrukturieren hatten sie keine neuen Werte definiert, sondern über Praktiken gesprochen wie sie weiterhin ihren Glauben leben wollten. Ein Paradigmenwechsel kommt seiner Meinung nach durch neues Handeln zustande. Das Denken folgt den Praktiken und so entsteht aus der Praxis die Theorie. Sicherlich wurde dieser Prozess die gesamte Zeit reflektiert – alles andere kann ich mir bei Alan kaum vorstellen – dennoch wird nicht zuerst 100 Jahre geforscht bevor ein Schritt gegangen wird.

Ich poste diesen kleinen Ausschnitt vor allem deswegen, weil es mich sehr interessiert welche verschiedenen Ansichten es dazu gibt, wie ein Paradigmenwechsel vonstatten geht.

16 Reaktionen

  1. Da ich mich damit ja auch ein bißchen beschäftige ;0) schlage ich mich gerade mit der Frage herum, ob die Menschen, die einen Paradigmenwechsel vollziehen sollen, nicht alle zunächst die Bereitschaft mitbringen müssen, zu lernen und offen für Neues zu sein. Leute, die eigentlich zufrieden sind, haben meiner Ansicht nach nicht die Voraussetzung für einen Paradigmenwechsel. Wenn diese Voraussetzung da ist, denke ich, ist es egal, ob man vom Denken zum Handeln kommt oder vom Handeln zum Denken. Wichtig ist, dass beides passiert, sonst bleibt die Veränderung unvollständig.
    Dennoch gibt es laut Peter M. Senge (Die fünfte Disziplin) Faktoren, die einen Paradigmenwechsel verhindern können, selbst wenn alle, die sich diesem Prozess stellen, bereit dazu sind. Seiner Ansicht nach gibt es in sozialen Systemen stabilisierende Elemente, die implizit sind und Veränderung blockieren, wenn sie nicht aufgedeckt werden.
    Alles noch unzusammenhängende, rohe Gedanken …

  2. Er geht in keine konkrete Richtung. Ihm geht es generell um den Aufbau von lernenden Organisationen, die in der Lage sind, sich in einer ständig verändernden Umwelt immer neu anzupassen und dabei nicht nur zu überleben, sondern auch noch kreativ zu sein.

  3. danke für die kommentare.

    die gemeinde kam aus dem ding, dass sie coole dinge gemacht haben wie alt.worship events und so – dabei haben sie gemerkt, dass es eben nur ein kleiner teil von leuten ist, die sich beteiligten.

    dann haben sie sich in die richtung von so genannten „zellgemeinden“ aufgemacht. nicht mehr die zentralen veranstaltungen sondern verschiedene gruppen, die gemeinsam unterwegs sind. interessant dabei ist, dass es ihnen um die praktiken ging und sie von da aus den zellen freiheit gaben, wie sie die praktiken konkret leben wollten.

    alan spricht gerne davon, dass es seiner meinung nach wichtig ist mehr gewicht auf das leben in der nachfolge zu legen als auf gemeindeprogramme. seiner ansicht nach ist es besser möglich, dass sich mehr menschen beteiligen, wenn sie nicht so ein professionelles programm haben.

    hört sich gut an, was du schreibst daggi – denke, dass das bei denen auch so war, sie waren unzufrieden mit der situation und wollten was verändern.

  4. oh – daggi wir haben zur gleichen zeit einen kommentar geschrieben – nur ich habe länger gebraucht ;]

    wen hattest du denn gefragt, jens?

  5. Naja du warst ja dort und ich dachte, das hört (liest) sich interessant an, da ich mit dem Herrn Hirsch noch nicht so eingehend beschäftigt habe, dachte ich ich frage mal in welche Richtung es den geht. Aber Daggi eigentlich geht er damit schon eine konkrete Richtung, nur halt breiter mit mehr Beteiligung. Finde diese Gedanken sehr gut, denn weniger ist oft mehr und Nachfolge wichtiger als ein gutes Gemeindentertainment.

  6. Hallo Daniel!
    Sorry, nochmal ich: weil das wie in die Neue Richtung war klar, nur nicht das wohin, auch wenn es nicht star formuliert ist, gibt es ja doch eine Richtung vor.

    Gruss Jens

  7. Von meiner Seite: Wenn man zum Thema „Paradigmawechsel“ aus dem Konzept der lernenden Organisation reflektiert, muss man sagen, dass man natürlich gleich beim „Hammer“ anfängt, wenn man einen Paradigmenwechsel angeht.
    Zunächst mal: Wer sind die Agenten eines solchen Lernprozess ? Die Organisation, das einzelne System, das Individuum ?
    Für alles andere, was mir noch gerade durch den Kopf fliegt, verwende ich wohl lieber einen Post auf meinem Blog…

  8. Mmmmh… meint ihr, dass ein Paradigmenwechsel immer so eine große Sache ist? Gibt es da nicht auch verschiedene „Schweregrade“? Klar ist es schwerwiegend und krisenhaft, wenn sich mein Weltbild ändert. Aber es gibt doch auch kleinere „Paradigmen“ (= Glaubenssätze) z.B. ein dogmatsicher Satz, der sich als falsche Festlegung erwies und neu definiert werden muss.
    Fasse ich den Begriff Paradigma zu weit?
    Wie würdet ihr den füllen?

  9. Hallo Daniel
    Danke für den Bericht, freue mich heute Alan auch zu hören und cool, dass du nun auch nach Romanshorn kommst. Cu later.

  10. Die zurzeit gängige wissenschaftliche Definition von einem Paradigma hat Thomas S Kuhn in seinem Buch „Die Struktur wissenschaftlicher Revolution“ aufgestellt. Das ist sehr interessat, mehr dazu gab es vorgestern auf meinem blog. :)

  11. alan hat recht. deshalb hast du auch beobachtet, dass so viele leute in erlangen ihn überhaupt nicht verstanden haben. neues denken bleibt dem unverständlich (selbst wenn er es intellektuell begreift), der nicht schon mit dem neuen handeln begonnen hat. wer andererseits mit dem neuen handeln schon begonnen hat, stellt fest: leute wie gerard kelly und alan hirsch bringen manches auf den punkt, was er schon geahnt hat (oder wofür in ihm bereits eine empfänglichkeit vorliegt).

  12. Oder aber der Duft der Exklusivität, oder des Elfenbeinturmes des Theoriegeschäftes, oder wieviel Neues gibts eigentlich unterm Himmel. Wer oder was treibt Veränderung an, die eigene Unruhe die die Ruhe sucht und nicht findet und deshalb immer wieder Unruhe produziert, der Wunsch anderst zu sein? Ab wann ist es vision, wann fiction, braucht Gemeinde immer soviel Theorie, warum Leben wir nicht einfach Miteinander, haben wir zuviel Zeit? Hehe, nur Fragen keine Antworten. (und ich denke auch das Gemeinde gehörig entstaubt gehört)

    Gruss Jens

  13. […] Mit meinem Eintrag zum Paradigmenwechsel durch Handeln habe ich einen Gedanken angefangen auszudrücken, der mich in meiner Beschäftigung im Zusammenhang mit meiner Master-Arbeit stark beschäftigt. […]

  14. […] dem Denken kommt das Handeln.” Auslöser war seinerzeit ein Gedanke von Alan Hirsch, den ich bei [depone] gefunden hatte: Dabei hat er [Alan] interessanterweise davon gesprochen, dass seiner Meinung nach […]

Mentions

  • Hasos Tafel » Vor dem Denken kommt das Handeln: Reprise
  • [depone] » Blog Archive » Von Containern und Lebenwesen

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