Dekonstruktion vs. Methode

Am Wochenende ein gutes Referat zu Derrida gehört, in dem unter anderem auch darauf eingegangen wurde, weshalb Derrida die Dekonstruktion nicht als Methode versteht – worüber wir nach diesem Eintrag etwas geredet hatten:

»Was ich Dekonstruktion nenne, kann natürlich Regeln, Verfahren oder Techniken eröffnen, aber im Grunde genommen ist sie keine Methode und auch keine wissenschaftliche Kritik, weil eine Methode eine Technik des Befragens oder der Lektüre ist, die ohne Rücksicht auf die idiomatischen Züge des Gegenstandes in anderen Zusammenhängen wiederholbar sein soll.

Die Dekonstruktion hingegen befasst sich mit Texten, mit besonderen Situationen, mit der Gesamtheit der Philosophiegeschichte, innerhalb derer sich der Begriff der Methode konstituiert hat.

Wenn die Dekonstruktion also die Geschichte der Metaphysik oder die des Methodenbegriffs befragt, dann kann sie nicht einfach selbst eine Methode darstellen.

Die Dekonstruktion setzt die Umwandlung selbst des Begriffes des Textes und der Schrift voraus. … Ich nenne eine Institution ebenso wie eine politische Situation, einen Körper oder einen Tanz „Text“, was offenbar zu vielen Missverständnissen geführt hat, weil man mich beschuldigte, die ganze Welt in ein Buch zu stecken. Das ist offensichtlich absurd.«

[Falter, Wiener Stadtzeitung, Beilage zum „Falter“ Nr. 22a/87, laufende Nummer 302, S. 11 u. 12, Florian Roetzer „Gespräch mit Jacques Derrida“.]

2 Reaktionen

  1. […] – – – zum Thema Dekonstruktion könnten dich auch folgende Einträge interessieren: Dekonstruktion mit Sinn und Ziel Dekonstruktion vs. Methode […]

  2. […] ist, dass damit schon im 17.Jahrhundert die intellektuellen Weichen für die heute so beliebte Dekonstruktion gestellt wurden. Wahrscheinlich ist die Wiederentdeckung Descartes nur noch eine Frage der […]

Mentions

  • die Schönheit des Simplexen » Blog Archive » Theologie mit Descartes betreiben
  • [depone] | Daniel Ehniss » Blog Archive » Dekonstruktivistische Theologie

Reagiere darauf

*