Die Gegenkultur benutzen




F*ck Fl*r A*gro B*rlin

Originally uploaded by Geô.

Die Gegenkultur für eben die Zwecke zu benutzen gegen die sie sich stellt, ist ungefähr ebenso angebracht wie die Autobahn in die Gegenrichtung zu befahren.

Dennoch scheint sich die Werbung mehr und mehr den Ausdrücken der Straßenkunst zu bedienen um „unbemerkt“ Eingang in unser Denken und Handeln zu bekommen. Dazu habe ich heute in der NEON folgendes gelesen:

»Früher war das Logo ein religiöses Symbol. Aber daran glaubt heute niemand mehr. Die Werbung wird deshalb kleiner, versteckter, kantiger«, sagt der Wiener Philosoph und Künstler Günther Freisinger.

Freisinger hat gerade das Buch »Quo Vadis, Logo?!« herausgegeben und festgestellt, dass sich die Markeninszenierungen rasant verändern: Mit Guerillakampagnen wollen sich die Firmen ein authentisches Image verschaffen.

Das Manifest der Antiglobalisierer, »›No Logo‹ von Naomi Klein war vor allem ein Anleitungsbuch für besseres Marketing«, meint Freisinger.

Immer mehr Werber nutzen deshalb Ausdrucksformen der Gegenkultur wie Graffiti oder Streetart, um Jeans, Zigaretten oder Spielzeug näher an den Kunden heranzubringen.

[Getarnte Botschaften, NEON 07/06, 94]


5 Reaktionen

  1. Na, nur weil das, was du „Gegenkultur“ nennst, sich der Methoden Graffiti oder Streetart häufig bedient, ist doch nicht gleich jedes solche Werk einer wie auch immer gearteten Gegenkultur zuzuordnen. Von dort stammen tut diese Ausdrucksform jedenfalls nicht.
    Ab gesehen davon gab es solche Guerilla Marketing Methoden schon vor mindestens 20 Jahren (das Handbuch dazu erschien 1984). Da ist nichts neues dran, nur weil es im Moment wieder verstärkt verwendet wird.
    Von daher führt auch dein drastischer Vergleich zum Anfang ins leere,

  2. hallo joachim,

    ich denke, dass streetart und graffiti zunächst einmal gegenkultur zu der kommerzialisierung des öffentlichen raumes ist – auch wenn nicht unbedingt hinter jeder aktion etwas ideologisches steckt…

    grüße.

  3. Welche Methoden sind fragwürdig? Die des beklebens und bemalens von Fremdeigentum an sich, oder die Übernahme von Praktiken anderer?
    Wo wäre objektiv bei letzterem der Unterschied der Übernahme der Praktiken von Tagging und Streetart durch eine Gegenkultur oder durch die Werbeindustrie?

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