Amt vs. allg. Priestertum

Die Spannung zwischen Amt und allgemeinem Priestertum begegnet mir sowohl in meiner wissenschaftlichen Auseinandersetzung als auch in der Praxis. Bevor ich nun in dem Buch ›Einander Priester sein‹ von Hans–Martin Barth zu den lateinamerikanischen Basisgemeinden komme, wollte ich diesen Gedanken hier noch mal zu Wort bringen.

»Innerhalb der evangelischen Theologie hat die Rede vom allgemeinen Priestertum oft noch etwas von ihrem kirchenkritischen und emanzipatorischen Ansatz in der Reformationszeit. Dadurch entsteht der Eindruck, man müsse sich entweder für die Würde des geistlichen Amtes, dann aber gegen das allgemeine Priestertum, oder umgekehrt für das allgemeine Priestertum, dann jedoch gegen eine profilierte Theologie des geistlichen Amtes entscheiden.

Dies ist eine verhängnisvolle Alternative, die weder der einen noch der anderen Seite gerecht wird. Es gilt die Interdependenz von allgemeinem Priestertum und geistlichem Amt theologisch klar zu erfassen und dementsprechend strukturell zu gestalten.«

[Hans–Martin Barth, Einander Priester sein, Seite 132.]

Diese Intedependez zu erkennen und daraus eine gesunde theologisch begründete Position zu finden, die ihrerseits konsequent strukturell umgesetzt werden wird, ist eine der Dinge mit denen ich mich schon seit längerem beschäftige.

Allerdings ist mir bisher noch kein Ansatz über den Weg gelaufen, der mich wirklich überzeugt hat. Auf der einen Seite höre ich Gemeinschaften von einer totalen Abstinenz einer Hierarchie reden, sehe in der Praxis diesen Gedanken jedoch nicht konsequent umgesetzt. Auf der anderen Seite befriedigt mich ein Ansatz des allgemeinen Priestertums auch nicht, der das Priesteramt der Gemeindeglieder auf die normalen familiären Aufgaben beschränkt oder gar in der Teilnahme der Eucharistie ausgeführt sieht.

Ein spannendes Thema…

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