Einander Priester sein

Es soll ja Menschen geben, die es schaffen auf ihren Blogs regelmäßig Serien zu schreiben, die dann wirklich einige aufeinander folgende Einträge hervorbringen. Bei mir hat das bisweilen noch nicht funktioniert, und so bin ich auch vorsichtig zu sagen, dass ich jetzt eine Serie zu »Einander Priester sein« einem hervorragenden Buch zum allgemeinen Priestertum schreiben werde. Ein paar Posts gab es schon die sich auf das Buch bezogen und es werden noch weitere folgen, das verspreche ich – ob es jedoch zu einer Serie reicht…

Im dritten Teil seines Buches beginnt Hans-Martin Barth damit eine Theorie des ›allgemeinen, gegenseitigen und gemeinsamen Priestertum aller Gläubigen‹ zu entwerfen, nachdem er in einem ersten Teil eine Standortbeschreibung liefert und im zweiten Teil verschiedene Modelle aus der Kirchengeschichte darstellt.

Nachdem er erläutert wieso es seiner Meinung nach noch angemessen erscheint für den theologischen Diskurs den Begriff allgemeines Priestertum zu verwenden, führt er aus, wie er dasselbige versteht und in welchem Kontext er es gelebt sehen möchte:

»Allgemeines Priestertum wird damit freilich nicht zum Synonym für „Christsein“. In diesem Sinne wird es zwar üblicherweise verstanden – als Bezeichnung der Würde, die „allen“ Christenmenschen „gemein“ ist. Aber es beschreibt ja das Christsein nicht nur als solches, sondern in einer spezifischen Hinsicht, nämlich in einer ekklesiologischen Dimension.

Es geht in ihm um die für das Christsein konstitutive Relation des einzelnen Glaubenden zu seinen Mitchristen und damit um einen Ort innerhalb der christlichen Gemeinde. Das „allgemeine Priestertum“ ist Priestertum des einen für den anderen und damit gegenseitiges Priestertum. Alle Träger des „allgemeinen“ und „gegenseitigen“ Priestertums haben aber, indem sie miteinander die Gemeinde bilden, einen „gemeinsamen“ Auftrag zur Ehre Gottes und zum Heil der Menschen. Das allgemeine Priestertum ist somit nur voll beschrieben, wenn es auch als das gegenseitige und schließlich als das gemeinsame Priestertum der Glaubenden zur Geltung kommt.«

[Hans-Martin Barth, Einander Priester sein: Allgemeines Priestertum in ökumenischer Perspektive. (Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1990), 193.]

Dass das allgemeine, gegenseitige und gemeinsame Priestertum in der Gemeinde gesehen und gelebt werden soll wird an mehreren Stellen von ihm betont. Meiner Ansicht nach ist ihm das deswegen so wichtig, dass es nicht dazu verwendet werden kann Dinge zu beschreiben, die sowieso normal sind und die Gemeinden einfach beim Alten zu belassen. Bevor er das allgemeine Priestertum begründet fasst er wie folgt zusammen:

»Das allgemeine, gegenseitige und gemeinsame Priestertum der Glaubenden heißt: Die Glaubenden übernehmen aneinander und an den Nichtglaubenden das Amt Christi. Was in Christus ein für allemal geschehen ist, kommt als gegenseitiges Nehmen und Geben innerhalb der Gemeinde und als Angebot und Anspruch an Menschen außerhalb der Gemeinde zum Zuge: nämlich Versöhnung, Entlastung und Befähigung zu einem förderlichen Handeln aneinander.«

[Barth, 194.]

[Randbemerkung]
Eine Frage, über die wir vielleicht schon heute diskutieren können, vielleicht aber auch erst gegen später könnte wie folgt lauten:
»Welche angemessene Bezeichnung ließe sich für das ›allgemeine, gegenseitige und gemeinsame Priestertum aller Glaubenden‹ in unserem Kontext finden?«

3 Reaktionen

  1. beschreibt er damit nicht, dass wir einander dienen? also ein offenes ohr für die probleme unserer mitchristen haben, ungläubigen das evangelium weitersagen usw.? das klingt schon nach der normalen parxis. es kann natürlich insofern aktuell sein als sich die gelehrten immer mehr auf den gottesdienst einschiessen und diesen aspekt zunehmend aus dem blick verlieren, aber insgesamt scheint mir das usus zu sein, was er beschreibt.

  2. ein teil dessen ist für ihn sicher das „einander dienen“ weshalb er auch sagt, dass manche denken können, dass es sich beim allgemeinen priestertum eigentlich nur darum handelt, dass menschen gesunde beziehungen leben. jedoch geht er auch darüber hinaus, was sich hoffentlich in den folgenden posts zeigen wird, und sieht da noch viel mehr in der gemeinde, auch im gottesdienst gehen.

  3. […] Wie schon Depone bemerkte, steht einiges Blog-Serien entgegen. In meinem Falle ist es wohl vorwiegend die mangelnde Disziplin. Um nun jedoch meine begonnene Reihe “Gebetsraum” weiterzuführen, möchte ich heute das “Fenster zur Welt” vorstellen. Das “Fenster zur Welt” ist eine Station an einem, wie der Name schon nahe legt, Fenster. “Welt” ist sicher nicht als abwertend, sondern vielmehr als Um-Welt zu verstehen. Und so kann man an hier sich an bekannte und unbekannte Menschen erinnern lassen … oder sich an das Fenster lehnen und für die Vorübergehenden beten. Wir wohnen nämlich an einer der ”Hauptverkehrswege” für die Fußgänger, die dem Bus entgegenstreben. Vielen Dank Sängerin für diese inspirierende Station. […]

Mentions

  • HERZTON IN SCHRIFT » Blog Archiv » Gebetsraum No.2 “Fenster zur Welt”

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